Kapitel 131: Vidurāputrasaṃvādaḥ (Prathamo Bhāgaḥ)
Das Zwiegespräch der Vidurā mit ihrem Sohn (Erster Teil)
Innerhalb ihrer Botschaft an Yudhiṣṭhira erzählt Kuntī die alte Geschichte von Vidurā, die ihren vom König von Sindhu besiegten und mutlos daniederliegenden Sohn Saṃjaya mit einer der eindringlichsten Reden des gesamten Epos aufrüttelt: Sie verhöhnt seine Feigheit, fordert ihn zu Mut, Zorn und Tatkraft auf und stellt ihm das kurze, ruhmreiche Aufflammen eines Helden dem langen, schwelenden Leben eines Feiglings gegenüber. Der Sohn wendet kurz ein, wie sie ohne ihn leben könne; Vidurā antwortet, ihre Rede fortsetzend, dass nur ein tatkräftiges Leben wahren Sinn habe. Das Zwiegespräch setzt sich über das Kapitelende hinaus in Kap.132 fort.
kunty uvāca atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam vidurāyāś ca saṃvādaṃ putrasya ca paraṃtapa
Auch hierzu führt man diese alte Erzählung an, das Zwiegespräch der Vidurā mit ihrem Sohn, o Feindbezwinger.
Wort für Wort
atra api udāharanti
auch hierzu führt man an (Adv. + 3.Pl.Präs.)
imam itihāsam purātanam
diese alte Erzählung (Akk.Sg.m.)
vidurāyāḥ saṃvādam putrasya ca
das Zwiegespräch der Vidurā mit ihrem Sohn (Gen. + Akk.Sg. + Gen.)
paraṃtapa
o Feindbezwinger (Vok.Sg.)
Hier beginnt, noch innerhalb von Kuntīs an Kṛṣṇa gerichteter Botschaft, die berühmte Erzählung von Vidurā und ihrem Sohn Saṃjaya; sie erstreckt sich über mehrere Kapitel (bis mindestens Kap.132, das mit erneutem 'vidurovāca' ohne Sprecherwechsel fortsetzt).
Vidurā mit Namen, die Wahrhaftige, tadelte ihren eigenen Sohn, der vom König von Sindhu besiegt worden war und daniederlag, mutlosen Sinnes, freudlos, seiner [eigentlichen] Pflicht unkundig, die Freude seiner Feinde mehrend.
Wort für Wort
vidurā nāma satyā
Vidurā mit Namen, die Wahrhaftige (Nom.Sg.f.)
jagarhe putram aurasam
sie tadelte ihren eigenen Sohn (3.Sg.Perf.Ā. + Akk.Sg.)
nirjitaṃ sindhurājena
vom König von Sindhu besiegt (Akk.Sg.Ptz. + Instr.)
Solange du lebst, bist du ohne Hoffnung; trage das Joch für dein Wohlergehen; verachte dich nicht selbst; nähre diesen [Zustand] nicht mit einer Kleinigkeit; mache deinen Sinn wohlgesonnen, fürchte dich nicht, richte dich wieder auf.
Wort für Wort
yāvajjīvam nirāśaḥ asi
solange du lebst, bist du ohne Hoffnung (Adv. + Nom.Sg. + 2.Sg.Präs.)
kalyāṇāya dhuram vaha
trage das Joch für dein Wohlergehen (Dat. + Akk.Sg.n. + 2.Sg.Imperativ)
mā ātmānam avamanyasva
verachte dich nicht selbst (Verneinung + Akk. + 2.Sg.Imperativ Ā.)
mā enam alpena bībharaḥ
nähre dies nicht mit Geringem (Verneinung + Akk. + Instr. + 2.Sg.Injunktiv)
manaḥ kṛtvā sukalyāṇam
den Sinn wohlgesonnen gemacht (Akk.Sg.n. + Gerundium + Akk.Sg.n.)
supūrā vai kunadikā supūro mūṣikāñjaliḥ susaṃtoṣaḥ kāpuruṣaḥ svalpakenāpi tuṣyati
Leicht gefüllt ist ein kleines Rinnsal, leicht gefüllt eine Mäusehandvoll; leicht zufrieden ist der Feigling — er begnügt sich schon mit einer Kleinigkeit.
Wort für Wort
supūrā vai kunadikā
leicht gefüllt ist ein kleines Rinnsal (Nom.Sg. je)
supūraḥ mūṣikāñjaliḥ
leicht gefüllt eine Mäusehandvoll (Nom.Sg. je)
susaṃtoṣaḥ kāpuruṣaḥ
leicht zufrieden der Feigling (Nom.Sg. je)
svalpakena api tuṣyati
er begnügt sich schon mit Geringem (Instr. + Partikel + 3.Sg.Präs.)
Geh nicht unter, Erbärmlicher — lass dich durch deine eigene Tat berühmt machen; sei weder unter den Mittelmäßigen noch unter den Geringsten, mein Sohn, sondern stehe stark und fest.
lass dich durch eigene Tat berühmt machen (2.Sg.Imperativ Ā.Pass. + Instr.)
mā madhye mā jaghanye
weder in der Mitte noch am geringsten Ort (Verneinung + Loc. je)
mādho bhūḥ tiṣṭha ūrjitaḥ
mein Sohn, sei und stehe stark (Vok. + 2.Sg.Imperativ + 2.Sg.Imperativ + Nom.Sg.)
[?] 'Mādho' (etwa 'mein Sohn') ist eine seltene Anredeform, deren genaue Ableitung unsicher ist; sinngemäß hier als vertrauliche Anrede der Mutter wiedergegeben.
alātaṃ tindukasyeva muhūrtam api vijvala mā tuṣāgnir ivānarciḥ kākaraṅkhā jijīviṣuḥ muhūrtaṃ jvalitaṃ śreyo na tu dhūmāyitaṃ ciram
Lodere auf, und sei es nur für einen Augenblick, wie ein Feuerbrand des Tinduka-Baumes; werde nicht, wie ein flammenloses Häckselfeuer, elend wie eine Krähe, [nur] weiterleben wollend — besser für einen Augenblick zu lodern als lange zu schwelen.
Wort für Wort
alātam tindukasya iva
wie ein Feuerbrand des Tinduka-Baumes (Akk.Sg.n. + Gen. + Vergleich)
muhūrtam api vijvala
lodere auf, sei es nur einen Augenblick (Akk.Sg.n. + Partikel + 2.Sg.Imperativ)
mā tuṣāgniḥ iva anarciḥ
werde nicht wie ein flammenloses Häckselfeuer (Verneinung + Nom.Sg. + Vergleich + Nom.Sg.)
kākaraṅkhā jijīviṣuḥ
elend wie eine Krähe, [nur] weiterleben wollend (Nom.Sg. je)
muhūrtam jvalitam śreyaḥ
einen Augenblick zu lodern ist besser (Akk.Sg. + Nom.Sg.n. + Nom.Sg.n.)
na tu dhūmāyitam ciram
nicht aber lange zu schwelen (Verneinung + Nom.Sg.n. + Adv.)
mā ha sma kasya cid gehe janī rājñaḥ kharīmṛduḥ kṛtvā mānuṣyakaṃ karma sṛtvājiṃ yāvad uttamam dharmasyānṛṇyam āpnoti na cātmānaṃ vigarhate
Niemals werde im Hause irgendeines Königs ein [Sohn], weich wie eine Eselin, geboren! Hat einer die dem Mann geziemende Tat vollbracht und ist bis zum Äußersten in die Schlacht gezogen, erlangt er Schuldlosigkeit gegenüber dem Recht und tadelt sich selbst nicht.
Wort für Wort
mā ha sma kasya cit gehe janī
niemals werde im Hause irgendeines geboren (Verneinung + Partikeln + Gen. + Loc. + 3.Sg.Injunktiv)
rājñaḥ kharīmṛduḥ
eines Königs, weich wie eine Eselin (Gen. + Nom.Sg.)
kṛtvā mānuṣyakam karma
die dem Mann geziemende Tat vollbracht habend (Gerundium + Akk.Sg.n.)
sṛtvā ājim yāvat uttamam
bis zum Äußersten in die Schlacht gezogen (Gerundium + Akk.Sg. + Adv. + Adj.)
dharmasya ānṛṇyam āpnoti
er erlangt Schuldlosigkeit gegenüber dem Recht (Gen. + Akk.Sg.n. + 3.Sg.Präs.)
na ātmānam vigarhate
er tadelt sich selbst nicht (Verneinung + Akk. + 3.Sg.Präs.Ā.)
iṣṭāpūrtaṃ hi te klība kīrtiś ca sakalā hatā vicchinnaṃ bhogamūlaṃ te kiṃnimittaṃ hi jīvasi
Denn dein Opfer- und Wohltätigkeitsverdienst, du Unmännlicher, und dein ganzer Ruhm sind zunichte; die Wurzel deines Genusses ist abgeschnitten — wozu denn lebst du?
Wort für Wort
iṣṭāpūrtam hi te klība
denn dein Opfer- und Wohltätigkeitsverdienst, du Unmännlicher (Nom.Sg.n. + Partikel + Dat. + Vok.)
kīrtiḥ ca sakalā hatā
und dein ganzer Ruhm ist zunichte (Nom.Sg. + Adj. + Ptz.)
vicchinnam bhogamūlam te
die Wurzel deines Genusses ist abgeschnitten (Ptz. + Nom.Sg.n. + Dat.)
kiṃnimittam hi jīvasi
wozu denn lebst du (Frage + Partikel + 2.Sg.Präs.)
Der Feind ist, selbst im Versinken, von dem, der im Begriff ist zu fallen, am Schienbein zu packen; auch wer bis auf die Wurzel abgeschnitten ist, sollte niemals verzweifeln — er sollte das Joch erheben und ziehen, eingedenk der Taten eines Vollblutrosses.
Wort für Wort
śatruḥ nimajjatā grāhyaḥ
der Feind ist vom Versinkenden zu ergreifen (Nom.Sg. + Instr.Ptz. + Nom.Sg.Verbaladj.)
jaṅghāyāṃ prapatiṣyatā
von dem, der im Begriff ist zu fallen, am Schienbein (Loc. + Instr.Ptz.)
viparicchinnamūlaḥ api na viṣīdet
auch wer bis auf die Wurzel abgeschnitten ist, sollte nicht verzweifeln (Nom.Sg. + Partikel + Verneinung + 3.Sg.Optativ)
kathaṃ cana
auf keine Weise (Adv.)
udyamya dhuram utkarṣet
er sollte das Joch erheben und ziehen (Gerundium + Akk.Sg. + 3.Sg.Optativ)
ājāneyakṛtaṃ smaran
eingedenk der Taten eines Vollblutrosses (Akk.Sg.n. + Ptz.)
dāne tapasi śaurye ca yasya na prathitaṃ yaśaḥ vidyāyām arthalābhe vā mātur uccāra eva saḥ
Wessen Ruhm sich nicht in Freigebigkeit, Askese und Tapferkeit, noch in Gelehrsamkeit oder im Erwerb von Reichtum verbreitet hat — der ist nur der Kot seiner Mutter.
Wort für Wort
dāne tapasi śaurye ca
in Freigebigkeit, Askese und Tapferkeit (Loc. je)
yasya na prathitam yaśaḥ
wessen Ruhm sich nicht verbreitet hat (Gen. + Verneinung + Ptz. + Nom.Sg.n.)
vidyāyām arthalābhe vā
in Gelehrsamkeit oder im Erwerb von Reichtum (Loc. je)
mātuḥ uccāraḥ eva saḥ
der ist nur der Kot seiner Mutter (Gen. + Nom.Sg. + Partikel + Nom.Sg.)
śrutena tapasā vāpi śriyā vā vikrameṇa vā janān yo 'bhibhavaty anyān karmaṇā hi sa vai pumān
Wer andere Menschen durch Gelehrsamkeit, oder durch Askese, oder durch Wohlstand, oder durch Tapferkeit, [also] durch [irgendeine] Tat übertrifft — der wahrlich ist ein Mann.
Wort für Wort
śrutena tapasā vā api
durch Gelehrsamkeit, oder auch durch Askese (Instr. je + Partikel)
śriyā vā vikrameṇa vā
durch Wohlstand oder durch Tapferkeit (Instr. je)
janān yaḥ abhibhavati anyān
wer andere Menschen übertrifft (Akk.Pl. + Relativ + 3.Sg.Präs. + Akk.Pl.)
karmaṇā hi sa vai pumān
durch die Tat, wahrlich, ist er ein Mann (Instr. + Partikel + Nom. + Partikel + Nom.Sg.)
yam enam abhinandeyur amitrāḥ puruṣaṃ kṛśam lokasya samavajñātaṃ nihīnāśanavāsasam
— [eine Lebensweise, über] die sich deine Feinde freuen würden, [sähen sie] diesen abgezehrten Mann, von der Welt verachtet, von niedriger Speise und Kleidung.
Wort für Wort
yam enam abhinandeyuḥ amitrāḥ
über den sich die Feinde freuen würden (Akk. + 3.Pl.Optativ + Nom.Pl.)
Ach, ein jämmerlicher, armseliger, kaum das Leben fristender, geringer Gewinn ist das! Kein Verwandter gedeiht in Glück, wenn er einen solchen Anverwandten erlangt hat.
Wort für Wort
aho lābhakaram dīnam
ach, ein jämmerlicher Gewinn (Interj. + Nom.Sg.n. + Adj.)
Allein durch [dein] Fehlen an Tatkraft werden wir zugrunde gehen, aus dem Reich vertrieben, aller Genüsse und Freuden beraubt, von unserem Platz gefallen, mittellos.
Wort für Wort
avṛttyā eva vipatsyāmaḥ vayam
allein durch Fehlen an Tatkraft werden wir zugrunde gehen (Instr. + Partikel + 1.Pl.Fut. + Nom.)
Einen Schänder [unseres Ansehens] unter den Guten, einen Zerstörer des Familienstammes, einen Zankapfel habe ich, unter dem bloßen Gerede eines Sohnes, dich geboren, Saṃjaya.
Wort für Wort
avarṇakāriṇam satsu
einen Schänder des Ansehens unter den Guten (Akk.Sg. + Loc.Pl.)
kulavaṃśasya nāśanam
einen Zerstörer des Familienstammes (Gen. + Akk.Sg.)
kalim putrapravādena
einen Zankapfel, unter dem bloßen Gerede eines Sohnes (Akk.Sg. + Instr.)
Schwele nicht — lodere gänzlich auf; greife an und erschlage deine Widersacher; lodere auf dem Haupt deiner Feinde, sei es auch nur einen Augenblick oder einen Moment.
saṃtoṣo vai śriyaṃ hanti tathānukrośa eva ca anutthānabhaye cobhe nirīho nāśnute mahat
Zufriedenheit wahrlich zerstört das Glück, und ebenso das Mitleid; und Untätigkeit wie Furcht, beide zugleich — wer ohne Streben ist, erlangt nichts Großes.
Wort für Wort
saṃtoṣaḥ vai śriyam hanti
Zufriedenheit wahrlich zerstört das Glück (Nom.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + 3.Sg.Präs.)
tathā anukrośaḥ eva ca
und ebenso das Mitleid (Adv. + Nom.Sg. + Partikel + Konj.)
anutthānabhaye ca ubhe
Untätigkeit und Furcht, beide (Nom.Du. + Konj. + Nom.Du.)
nirīhaḥ na aśnute mahat
wer ohne Streben ist, erlangt nichts Großes (Nom.Sg. + Verneinung + 3.Sg.Präs.Ā. + Akk.Sg.n.)
Befreie dich selbst, durch dich selbst, von diesen sündigen [Untugenden] der Hinterlist; mache dein Herz zu Eisen, und suche wieder, was dein eigen ist.
Wort für Wort
ebhyaḥ nikṛtipāpebhyaḥ
von diesen sündigen [Untugenden] der Hinterlist (Abl.Pl.)
pramuñca ātmānam ātmanā
befreie dich selbst durch dich selbst (2.Sg.Imperativ + Akk. + Instr.)
āyasam hṛdayam kṛtvā
das Herz zu Eisen gemacht (Akk.Sg.n. je + Gerundium)
mṛgayasva punaḥ svakam
suche wieder, was dein eigen ist (2.Sg.Imperativ Ā. + Adv. + Akk.Sg.n.)
puraṃ viṣahate yasmāt tasmāt puruṣa ucyate tam āhur vyarthanāmānaṃ strīvad ya iha jīvati
Weil er eine Stadt [oder: Bedrängnis] zu ertragen vermag, deshalb wird er 'Mann' [puruṣa] genannt; wer aber hier wie eine Frau [passiv] lebt, den nennt man einen, dessen Name leer ist.
Wort für Wort
puram viṣahate yasmāt
weil er eine Stadt/Bedrängnis erträgt (Akk.Sg.n. + 3.Sg.Präs.Ā. + Konj.)
tasmāt puruṣaḥ ucyate
deshalb wird er 'Mann' genannt (Adv. + Nom.Sg. + 3.Sg.Präs.Pass.)
tam āhuḥ vyarthanāmānam
den nennt man einen, dessen Name leer ist (Akk. + 3.Pl.Präs. + Akk.Sg.)
strīvad ya iha jīvati
wer hier wie eine Frau lebt (Adv. + Relativ + Adv. + 3.Sg.Präs.)
[?] Die volksetymologische Herleitung von 'puruṣa' ('Mann') aus 'pur' ('Stadt/Bedrängnis') und 'viṣahate' ('ertragen') ist im Sanskrit ein Wortspiel, das sich im Deutschen nicht nachbilden lässt; sinngemäß wiedergegeben.
Selbst über den Helden von mächtigem Mut, von löwenhaft-kraftvollem Gang, der [bereits] seinem Schicksal [dem Tod] anheimgefallen ist, freut sich das Volk beim [Gedenk-]Mahl.
Wort für Wort
śūrasya ūrjitasattvasya
des Helden von mächtigem Mut (Gen.Sg. je)
siṃhavikrāntagāminaḥ
von löwenhaft-kraftvollem Gang (Gen.Sg.)
diṣṭabhāvam gatasya api
der seinem Schicksal anheimgefallen ist, selbst (Akk.Sg.n. + Gen.Sg.Ptz. + Partikel)
vighase modate prajā
beim Mahl der Reste freut sich das Volk (Loc.Sg. + 3.Sg.Präs.Ā. + Nom.Sg.)
[?] Die Wendung 'vighase modate prajā' ('das Volk freut sich am Mahl der Reste') ist bildhaft-knapp; gemeint ist wohl, dass selbst der gefallene Held noch im Gedenken (etwa bei Totenfeierlichkeiten) geehrt und gefeiert wird — im Gegensatz zum ruhmlosen Leben des Feiglings.
putra uvāca kiṃ nu te mām apaśyantyāḥ pṛthivyā api sarvayā kim ābharaṇakṛtyaṃ te kiṃ bhogair jīvitena vā
Der Sohn sprach: „Was nützte dir, wenn du mich nicht mehr sähest, wohl die ganze Erde? Was nützten dir Schmuckstücke, was Genüsse oder das Leben selbst?“
Wort für Wort
kim nu te mām apaśyantyāḥ
was nützte dir, wenn du mich nicht sähest (Frage + Partikel + Dat. + Akk. + Gen.Ptz.f.)
pṛthivyā api sarvayā
wohl die ganze Erde (Instr. + Partikel + Instr.)
kim ābharaṇakṛtyam te
was nützten dir Schmuckstücke (Frage + Nom.Sg.n. + Dat.)
kiṃ bhogaiḥ jīvitena vā
was Genüsse oder das Leben (Frage + Instr.Pl. + Instr. + Alt.)
Der Sohn antwortet kurz; danach setzt Vidurā ihre Rede fort (V037).
mātovāca kim adyakānāṃ ye lokā dviṣantas tān avāpnuyuḥ ye tv ādṛtātmanāṃ lokāḥ suhṛdas tān vrajantu naḥ
Die Mutter sprach: „Welche Welten denen zukommen, die nur für den heutigen Tag leben — diese mögen unsere Feinde erlangen! Doch welche Welten denen zukommen, die ihrer selbst achtsam sind — zu diesen mögen unsere Freunde gelangen.
Wort für Wort
kim adyakānām
was denen, die nur für heute leben, [zukommt] (Frage + Gen.Pl.)
svabāhubalam āśritya yo 'bhyujjīvati mānavaḥ sa loke labhate kīrtiṃ paratra ca śubhāṃ gatim
Der Mensch, der, gestützt auf die Kraft seines eigenen Armes, sich [wieder] emporarbeitet und lebt — er erlangt Ruhm in dieser Welt und im Jenseits einen glückseligen Zustand.
Wort für Wort
svabāhubalam āśritya
gestützt auf die Kraft des eigenen Armes (Akk.Sg.n. + Gerundium)
yaḥ abhyujjīvati mānavaḥ
der Mensch, der sich emporarbeitet und lebt (Nom. + 3.Sg.Präs. + Nom.Sg.)
sa loke labhate kīrtim
er erlangt Ruhm in dieser Welt (Nom. + Loc. + 3.Sg.Präs.Ā. + Akk.Sg.)
paratra ca śubhām gatim
und im Jenseits einen glückseligen Zustand (Adv. + Akk.Sg.f.)
Vidurās Rede an ihren Sohn endet hier nicht endgültig, sondern wird, da Kap.132 mit erneutem 'vidurovāca' ohne Sprecherwechsel fortsetzt, über das Kapitelende hinaus fortgeführt.