Kapitel 157: Ulūkadūtaprapreṣaṇam
Duryodhanas Botschaft durch Ulūka
Saṃjaya berichtet: Nachdem die Pāṇḍavas am Hiraṇvatī-Fluss ihr Lager aufgeschlagen hatten, ruft Duryodhana - beraten von Karṇa, Śakuni (Saubala) und Duḥśāsana - den Boten Ulūka herbei und trägt ihm eine höhnische, provozierende Botschaft an die Pāṇḍavas auf: Er erinnert an die Kränkungen des Exils und Draupadīs Bedrängnis, fordert sie auf, endlich Mannhaftigkeit statt bloßer Prahlerei zu zeigen, verhöhnt Bhīma mit abschätzigen Beinamen und dessen einstigem Schwur, das Blut des Duḥśāsana zu trinken, und verkündet, dass die Vorbereitungen abgeschlossen seien und der Kampf am nächsten Tag beginnen solle. Die Botschaft, eingebettet in Saṃjayas fortlaufenden Bericht an Dhṛtarāṣṭra, bleibt am Kapitelende noch nicht abgeschlossen.
Saṃjaya sprach: Als die hochgesinnten Pāṇḍavas am Hiraṇvatī-Fluss ihr Lager aufgeschlagen hatten, da wandte sich Duryodhana, o Großkönig, o Bhārata, zusammen mit Karṇa,
yad etat katthanāvākyaṃ saṃjayo mahad abravīt madhye kurūṇāṃ kaunteya tasya kālo 'yam āgataḥ yathā vaḥ saṃpratijñātaṃ tat sarvaṃ kriyatām iti
Was jenes große Prahlwort war, das Saṃjaya inmitten der Kurus sprach, o Sohn Kuntīs - dessen Zeit ist nun gekommen; wie ihr es gelobt habt, so soll all das nun getan werden.
Wort für Wort
yat
was (Nom. Sg.)
etat
jenes (Nom. Sg.)
katthanāvākyam
Prahlwort (Nom. Sg.)
saṃjayaḥ
Saṃjaya (Nom. Sg.)
mahat
großes (Nom. Sg.)
abravīt
sprach (Impf. 3. Sg.)
madhye
inmitten (Adv.)
kurūṇām
der Kurus (Gen. Pl.)
kaunteya
o Sohn Kuntīs (Vok. Sg.)
tasya
dessen (Gen. Sg.)
kālaḥ
Zeit (Nom. Sg.)
ayam
diese (Nom. Sg.)
āgataḥ
gekommen (Nom. Sg. Past Part.)
yathā
wie (Partikel)
vaḥ
von euch (Gen. Pl.)
saṃpratijñātam
gelobt (Nom. Sg. Past Part.)
tat
das (Nom. Sg.)
sarvam
alles (Nom. Sg.)
kriyatām
soll getan werden (Pass. Imp. 3. Sg.)
iti
so (Partikel)
[?] Bezug auf eine frühere, hier nicht ausgeführte Rede Saṃjayas vor den versammelten Kurus (vermutlich im Rahmen der zuvor gescheiterten Friedensgesandtschaft), in der die Pāṇḍavas Kampfgelübde ausgesprochen haben sollen.
yadarthaṃ kṣatriyā sūte garbhaṃ tad idam āgatam balaṃ vīryaṃ ca śauryaṃ ca paraṃ cāpy astralāghavam pauruṣaṃ darśayan yuddhe kopasya kuru niṣkṛtim
Wofür eine Kriegerfrau ihre Leibesfrucht gebiert, das ist nun gekommen: Kraft, Tapferkeit und Heldenmut, sowie höchste Geschicklichkeit in den Waffen - zeige deine Mannhaftigkeit im Kampf und vollziehe die Vergeltung deines Zorns.
Wessen Zorn würde nicht entflammen - bei einem, der in edlem Geschlecht geboren, tapfer, gierig nach fremdem Besitz, das geraubte Königreich in Besitz genommen hat?
yat tad uktaṃ mahad vākyaṃ karmaṇā tad vibhāvyatām akarmaṇā katthitena santaḥ kupuruṣaṃ viduḥ
Jenes große Wort, das gesprochen wurde, soll nun durch Tat bewiesen werden; ohne Tat, durch bloße Prahlerei, erkennen die Rechtschaffenen einen Nichtsnutz.
Zorn, Kraft, ebenso Tapferkeit, Wissensvereinigung und Geschicklichkeit in den Waffen - diese sollen hier bei dir, Pārtha, im Kampf sichtbar werden; sei ein Mann!
Und jenem Vielfraß, dem Narren, dem unwissenden Tūbaraka - Ulūka, sag ihm wiederholt mein Wort, dem kleinen Bhīmasena!
Wort für Wort
tam
jenem (Akk. Sg.)
ca
und (Partikel)
tūbarakam
dem Tūbaraka (Akk. Sg., Schimpfname)
mūḍham
dem Narren (Akk. Sg.)
bahvāśinam
dem Vielfraß (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
avidyakam
dem Unwissenden (Akk. Sg.)
ulūka
o Ulūka (Vok. Sg.)
madvacaḥ
mein Wort (Akk. Sg.)
brūyāḥ
sag! (Opt./Imp. 2. Sg.)
asakṛt
wiederholt (Adv.)
bhīmasenakam
dem kleinen Bhīmasena (Akk. Sg., Verkleinerungsform)
[?] 'tūbarakam' und 'bhīmasenakam' (Verkleinerungsform) sind abschätzige, verächtliche Beinamen, mit denen Duryodhana Bhīma verhöhnt; die genaue Bedeutung von 'tūbaraka' ist unsicher, vermutlich ein Schimpfwort im Sinne von 'Fresser' oder 'Grobian'.
Die Waffenverteilung ist vollzogen, Kurukṣetra ist frei von Schlamm; wohlgenährt sind deine Pferde, angeworben deine Krieger - kämpfe morgen, zusammen mit Keśava!“
Wort für Wort
lohābhihāraḥ
die Waffenverteilung (Nom. Sg.)
nirvṛttaḥ
vollzogen (Nom. Sg. Past Part.)
kurukṣetram
Kurukṣetra (Nom. Sg.)
akardamam
frei von Schlamm (Nom. Sg.)
puṣṭāḥ
wohlgenährt (Nom. Pl.)
te
deine (Gen. Sg.)
aśvāḥ
Pferde (Nom. Pl.)
bhṛtāḥ
angeworben (Nom. Pl. Past Part.)
yodhāḥ
Krieger (Nom. Pl.)
śvaḥ
morgen (Adv.)
yudhyasva
kämpfe! (Imp. 2. Sg.)
sakeśavaḥ
zusammen mit Keśava (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
Rückwirkend korrigiert: Duryodhanas Botschaft an Ulūka (seit V003 offen) endet hier tatsächlich, bestätigt durch die Kap.158-Öffnung, die eine neue Szene (Ulūkas Ankunft im Pāṇḍava-Lager) beginnt - CQ_CLOSE nachträglich ergänzt.