Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 14: Sainyoddyoga-parva (14) Śalyas Erzählung (Fortsetzung): Die Auffindung Indras im Lotusstängel

Die Offenbarungsstimme Upaśruti erscheint Śacī und führt sie über Wälder, Berge und den Himavat bis zu einem fernen himmlischen See, in dessen Lotusblüten sich der unsichtbar gewordene Indra verborgen hält. Śacī findet ihn, berichtet ihm von Nahuṣas Übergriffen und Drohungen und bittet ihn eindringlich, sich zu offenbaren, seine Kraft wiederzuerlangen und die Götterherrschaft zurückzuerobern.

śalya uvāca athaināṃ rupiṇīṃ sādhvīm upātiṣṭhad upaśrutiḥ tāṃ vayorūpasaṃpannāṃ dṛṣṭvā devīm upasthitām

Śalya sprach: Da nahte sich der rechtschaffenen Śacī die Upaśruti; als Śacī die mit jugendlicher Schönheit begabte, herangekommene Göttin erblickte,

Wort für Wort
śalya uvāca athaināṃ rupiṇīṃ sādhvīm upātiṣṭhad upaśrutiḥ tāṃ vayorūpasaṃpannāṃ dṛṣṭvā devīm upasthitām
Śalya sprach: Da nahte sich der rechtschaffenen Śacī die Upaśruti; als Śacī die mit jugendlicher Schönheit begabte, herangekommene Göttin erblickte,

indrāṇī saṃprahṛṣṭā sā saṃpūjyainām apṛcchata icchāmi tvām ahaṃ jñātuṃ kā tvaṃ brūhi varānane

da fragte die hocherfreute Indrāṇī sie, nachdem sie sie geehrt hatte: „Ich möchte wissen, wer du bist; sag es mir, du Schönantlitzige.“

Wort für Wort
indrāṇī saṃprahṛṣṭā sā saṃpūjyainām apṛcchata icchāmi tvām ahaṃ jñātuṃ kā tvaṃ brūhi varānane
da fragte die hocherfreute Indrāṇī sie, nachdem sie sie geehrt hatte: „Ich möchte wissen, wer du bist; sag es mir, du Schönantlitzige.“

upaśrutir uvāca upaśrutir ahaṃ devi tavāntikam upāgatā darśanaṃ caiva saṃprāptā tava satyena toṣitā

Upaśruti sprach: „Ich bin die Upaśruti, Göttin, zu dir gekommen; und ich bin, durch deine Wahrhaftigkeit erfreut, zu deinem Anblick gelangt.

Wort für Wort
upaśrutir uvāca upaśrutir ahaṃ devi tavāntikam upāgatā darśanaṃ caiva saṃprāptā tava satyena toṣitā
Upaśruti sprach: „Ich bin die Upaśruti, Göttin, zu dir gekommen; und ich bin, durch deine Wahrhaftigkeit erfreut, zu deinem Anblick gelangt.

pativratāsi yuktā ca yamena niyamena ca darśayiṣyāmi te śakraṃ devaṃ vṛtraniṣūdanam kṣipram anvehi bhadraṃ te drakṣyase surasattamam

Du bist deinem Gatten treu ergeben und mit Selbstbeherrschung und Gelübde ausgestattet; ich werde dir den Gott Śakra, den Bezwinger Vṛtras, zeigen - folge mir rasch, Segen sei mit dir, du wirst den Vortrefflichsten der Götter erblicken.“

Wort für Wort
pativratāsi yuktā ca yamena niyamena ca darśayiṣyāmi te śakraṃ devaṃ vṛtraniṣūdanam kṣipram anvehi bhadraṃ te drakṣyase surasattamam
Du bist deinem Gatten treu ergeben und mit Selbstbeherrschung und Gelübde ausgestattet; ich werde dir den Gott Śakra, den Bezwinger Vṛtras, zeigen - folge mir rasch, Segen sei mit dir, du wirst den Vortrefflichsten der Götter erblicken.“

śalya uvāca tatas tāṃ prasthitāṃ devīm indrāṇī sā samanvagāt devāraṇyāny atikramya parvatāṃś ca bahūṃs tataḥ himavantam atikramya uttaraṃ pārśvam āgamat

Śalya sprach: Darauf folgte Indrāṇī jener aufbrechenden Göttin; nachdem sie die Götterwälder und viele Berge durchquert hatten, überquerten sie darauf den Himavat und gelangten zu dessen nördlicher Seite.

Wort für Wort
śalya uvāca tatas tāṃ prasthitāṃ devīm indrāṇī sā samanvagāt devāraṇyāny atikramya parvatāṃś ca bahūṃs tataḥ himavantam atikramya uttaraṃ pārśvam āgamat
Śalya sprach: Darauf folgte Indrāṇī jener aufbrechenden Göttin; nachdem sie die Götterwälder und viele Berge durchquert hatten, überquerten sie darauf den Himavat und gelangten zu dessen nördlicher Seite.

samudraṃ ca samāsādya bahuyojanavistṛtam āsasāda mahādvīpaṃ nānādrumalatāvṛtam

Und nachdem sie zu einem viele Yojanas weiten Meer gelangt waren, erreichten sie eine große Insel, die von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt war.

Wort für Wort
samudraṃ ca samāsādya bahuyojanavistṛtam āsasāda mahādvīpaṃ nānādrumalatāvṛtam
Und nachdem sie zu einem viele Yojanas weiten Meer gelangt waren, erreichten sie eine große Insel, die von mancherlei Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt war.

tatrāpaśyat saro divyaṃ nānāśakunibhir vṛtam śatayojanavistīrṇaṃ tāvad evāyataṃ śubham

Dort erblickte sie einen himmlischen See, von mancherlei Vögeln umgeben, hundert Yojanas breit und ebenso lang, prächtig,

Wort für Wort
tatrāpaśyat saro divyaṃ nānāśakunibhir vṛtam śatayojanavistīrṇaṃ tāvad evāyataṃ śubham
Dort erblickte sie einen himmlischen See, von mancherlei Vögeln umgeben, hundert Yojanas breit und ebenso lang, prächtig,

tatra divyāni padmāni pañcavarṇāni bhārata ṣaṭpadair upagītāni praphullāni sahasraśaḥ

in dem sich himmlische, fünffarbige Lotusblüten befanden, o Bhārata, von Bienen umsungen, zu Tausenden aufgeblüht.

Wort für Wort
tatra divyāni padmāni pañcavarṇāni bhārata ṣaṭpadair upagītāni praphullāni sahasraśaḥ
in dem sich himmlische, fünffarbige Lotusblüten befanden, o Bhārata, von Bienen umsungen, zu Tausenden aufgeblüht.

padmasya bhittvā nālaṃ ca viveśa sahitā tayā bisatantupraviṣṭaṃ ca tatrāpaśyac chatakratum

Nachdem sie den Stängel einer Lotusblüte durchbrochen hatte, trat sie gemeinsam mit ihr hinein, und dort erblickte sie den Śatakratu, der in die Lotusfaser eingedrungen war.

Wort für Wort
padmasya bhittvā nālaṃ ca viveśa sahitā tayā bisatantupraviṣṭaṃ ca tatrāpaśyac chatakratum
Nachdem sie den Stängel einer Lotusblüte durchbrochen hatte, trat sie gemeinsam mit ihr hinein, und dort erblickte sie den Śatakratu, der in die Lotusfaser eingedrungen war.

taṃ dṛṣṭvā ca susūkṣmeṇa rūpeṇāvasthitaṃ prabhum sūkṣmarūpadharā devī babhūvopaśrutiś ca sā

Als sie den Herrn erblickte, der in überaus feiner Gestalt verweilte, nahm auch die Göttin Upaśruti eine feine Gestalt an.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā ca susūkṣmeṇa rūpeṇāvasthitaṃ prabhum sūkṣmarūpadharā devī babhūvopaśrutiś ca sā
Als sie den Herrn erblickte, der in überaus feiner Gestalt verweilte, nahm auch die Göttin Upaśruti eine feine Gestalt an.

Indra hat sich, unsichtbar für die Welt, in die feinen Fasern eines Lotusstängels in einem entlegenen himmlischen See zurückgezogen - ein bekanntes Bildmotiv dieser Erzählung.

indraṃ tuṣṭāva cendrāṇī viśrutaiḥ pūrvakarmabhiḥ stūyamānas tato devaḥ śacīm āha puraṃdaraḥ

Und Indrāṇī pries Indra mit Hinweisen auf seine berühmten früheren Taten; da, so gepriesen, sprach der Gott Purandara zu Śacī:

Wort für Wort
indraṃ tuṣṭāva cendrāṇī viśrutaiḥ pūrvakarmabhiḥ stūyamānas tato devaḥ śacīm āha puraṃdaraḥ
Und Indrāṇī pries Indra mit Hinweisen auf seine berühmten früheren Taten; da, so gepriesen, sprach der Gott Purandara zu Śacī:

kimartham asi saṃprāptā vijñātaś ca kathaṃ tv aham tataḥ sā kathayām āsa nahuṣasya viceṣṭitam

„Weshalb bist du hergekommen, und wie wurde ich gefunden?“ Da erzählte sie ihm das Treiben Nahuṣas:

Wort für Wort
kimartham asi saṃprāptā vijñātaś ca kathaṃ tv aham tataḥ sā kathayām āsa nahuṣasya viceṣṭitam
„Weshalb bist du hergekommen, und wie wurde ich gefunden?“ Da erzählte sie ihm das Treiben Nahuṣas:

indratvaṃ triṣu lokeṣu prāpya vīryamadānvitaḥ darpāviṣṭaś ca duṣṭātmā mām uvāca śatakrato upatiṣṭha mām iti krūraḥ kālaṃ ca kṛtavān mama

„Nachdem er die Indra-Würde über die drei Welten erlangt hatte, von seiner Kraft trunken und von Hochmut erfüllt, befahl mir der bösgesinnte, grausame Nahuṣa, ihm aufzuwarten, Śatakratu - so sprach er, und gewährte mir dabei nur eine Frist.

Wort für Wort
indratvaṃ triṣu lokeṣu prāpya vīryamadānvitaḥ darpāviṣṭaś ca duṣṭātmā mām uvāca śatakrato upatiṣṭha mām iti krūraḥ kālaṃ ca kṛtavān mama
„Nachdem er die Indra-Würde über die drei Welten erlangt hatte, von seiner Kraft trunken und von Hochmut erfüllt, befahl mir der bösgesinnte, grausame Nahuṣa, ihm aufzuwarten, Śatakratu - so sprach er, und gewährte mir dabei nur eine Frist.

yadi na trāsyasi vibho kariṣyati sa māṃ vaśe etena cāhaṃ saṃtaptā prāptā śakra tavāntikam jahi raudraṃ mahābāho nahuṣaṃ pāpaniścayam

Wenn du mich nicht rettest, Herr, wird er mich sich gefügig machen; deshalb, gequält, bin ich zu dir gekommen, Śakra - erschlage den schrecklichen, starkarmigen Nahuṣa von bösem Vorsatz,

Wort für Wort
yadi na trāsyasi vibho kariṣyati sa māṃ vaśe etena cāhaṃ saṃtaptā prāptā śakra tavāntikam jahi raudraṃ mahābāho nahuṣaṃ pāpaniścayam
Wenn du mich nicht rettest, Herr, wird er mich sich gefügig machen; deshalb, gequält, bin ich zu dir gekommen, Śakra - erschlage den schrecklichen, starkarmigen Nahuṣa von bösem Vorsatz,

prakāśayasva cātmānaṃ daityadānavasūdana tejaḥ samāpnuhi vibho devarājyaṃ praśādhi ca

offenbare dich selbst, Bezwinger der Daityas und Dānavas; erlange deine Kraft wieder, Herr, und herrsche über das Götterreich.“

Wort für Wort
prakāśayasva cātmānaṃ daityadānavasūdana tejaḥ samāpnuhi vibho devarājyaṃ praśādhi ca
offenbare dich selbst, Bezwinger der Daityas und Dānavas; erlange deine Kraft wieder, Herr, und herrsche über das Götterreich.“

Die Erzählung setzt sich im nächsten Kapitel fort (Indras Plan zu Nahuṣas Sturz); Śalyas Rahmenrede bleibt weiterhin offen.

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