Kapitel 15: Sainyoddyoga-parva (15)
Śalyas Erzählung (Fortsetzung): Die Sänfte der Weisen und die Suche nach Indra
Indra ersinnt eine List: Śacī soll Nahuṣa dazu bewegen, sich von den großen Weisen wie Zugtiere in einer Sänfte tragen zu lassen - ein Sakrileg, das seinen Sturz herbeiführen wird. Der von Hochmut geblendete Nahuṣa, der sich für allmächtig hält, geht begeistert darauf ein und lässt sich fortan von den im Gelübde stehenden Weisen tragen. Bṛhaspati beruhigt die verzweifelte Śacī und beginnt, durch ein Opfer den verschwundenen Indra zu suchen; der ausgesandte Agni durchstreift alle Welten vergeblich und weigert sich, zuletzt in die Gewässer einzudringen, da das Feuer traditionell aus dem Wasser entsprungen sei und dort seinen Ursprung, mithin seinen Untergang, fände.
er möge sich mir mit einem himmlischen, von Weisen getragenen Fahrzeug nähern, dem Herrscher der Welt gemäß - dann werde ich ihm freudig zu Willen sein.“
er möge sich mir mit einem himmlischen, von Weisen getragenen Fahrzeug nähern, dem Herrscher der Welt gemäß - dann werde ich ihm freudig zu Willen sein.“
Um eine dritte, typographisch eigens zu markierende Zitatebene zu vermeiden, ist Indras wörtlich vorgegebene Instruktion an Śacī hier als indirekte Rede wiedergegeben.
indrāṇy uvāca yo me tvayā kṛtaḥ kālas tam ākāṅkṣe jagatpate tatas tvam eva bhartā me bhaviṣyasi surādhipa
Indrāṇī sprach: „Die Frist, die du mir gewährt hast, wünsche ich einzuhalten, Herrscher der Welt; danach wirst du allein mein Gatte sein, Herrscher der Götter.
Wort für Wort
indrāṇy uvāca yo me tvayā kṛtaḥ kālas tam ākāṅkṣe jagatpate tatas tvam eva bhartā me bhaviṣyasi surādhipa
Indrāṇī sprach: „Die Frist, die du mir gewährt hast, wünsche ich einzuhalten, Herrscher der Welt; danach wirst du allein mein Gatte sein, Herrscher der Götter.
kāryaṃ ca hṛdi me yat tad devarājāvadhāraya vakṣyāmi yadi me rājan priyam etat kariṣyasi vākyaṃ praṇayasaṃyuktaṃ tataḥ syāṃ vaśagā tava
Und was mir am Herzen liegt, das vernimm, Götterkönig; ich werde es dir sagen, wenn du, o König, dieses mit Zuneigung verbundene Wort, das mir lieb ist, erfüllen wirst - dann werde ich dir gefügig sein.
Wort für Wort
kāryaṃ ca hṛdi me yat tad devarājāvadhāraya vakṣyāmi yadi me rājan priyam etat kariṣyasi vākyaṃ praṇayasaṃyuktaṃ tataḥ syāṃ vaśagā tava
Und was mir am Herzen liegt, das vernimm, Götterkönig; ich werde es dir sagen, wenn du, o König, dieses mit Zuneigung verbundene Wort, das mir lieb ist, erfüllen wirst - dann werde ich dir gefügig sein.
indrasya vājino vāhā hastino 'tha rathās tathā icchāmy aham ihāpūrvaṃ vāhanaṃ te surādhipa yan na viṣṇor na rudrasya nāsurāṇāṃ na rakṣasām
Indras Zugtiere sind Rosse, Elefanten und ebenso Wagen; ich wünsche mir für dich hier ein noch nie dagewesenes Fahrzeug, Herrscher der Götter, wie es weder Viṣṇu noch Rudra noch die Asuras noch die Rākṣasas haben -
Wort für Wort
indrasya vājino vāhā hastino 'tha rathās tathā icchāmy aham ihāpūrvaṃ vāhanaṃ te surādhipa yan na viṣṇor na rudrasya nāsurāṇāṃ na rakṣasām
Indras Zugtiere sind Rosse, Elefanten und ebenso Wagen; ich wünsche mir für dich hier ein noch nie dagewesenes Fahrzeug, Herrscher der Götter, wie es weder Viṣṇu noch Rudra noch die Asuras noch die Rākṣasas haben -
nāsureṣu na deveṣu tulyo bhavitum arhasi sarveṣāṃ teja ādatsva svena vīryeṇa darśanāt na te pramukhataḥ sthātuṃ kaś cid icchati vīryavān
Weder unter den Asuras noch unter den Göttern sollst du deinesgleichen haben; nimm durch deine eigene Kraft, allein durch deinen Anblick, die Kraft aller in dich auf - niemand, so mächtig er auch sei, wird es wagen, vor dir zu stehen.“
Wort für Wort
nāsureṣu na deveṣu tulyo bhavitum arhasi sarveṣāṃ teja ādatsva svena vīryeṇa darśanāt na te pramukhataḥ sthātuṃ kaś cid icchati vīryavān
Weder unter den Asuras noch unter den Göttern sollst du deinesgleichen haben; nimm durch deine eigene Kraft, allein durch deinen Anblick, die Kraft aller in dich auf - niemand, so mächtig er auch sei, wird es wagen, vor dir zu stehen.“
na hy alpavīryo bhavati yo vāhān kurute munīn ahaṃ tapasvī balavān bhūtabhavyabhavatprabhuḥ
Denn wer die Weisen zu seinen Zugtieren macht, ist nicht von geringer Kraft; ich bin ein Asket, mächtig, Herr über Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges.
Wort für Wort
na hy alpavīryo bhavati yo vāhān kurute munīn ahaṃ tapasvī balavān bhūtabhavyabhavatprabhuḥ
Denn wer die Weisen zu seinen Zugtieren macht, ist nicht von geringer Kraft; ich bin ein Asket, mächtig, Herr über Vergangenes, Zukünftiges und Gegenwärtiges.
na me kruddhasya paryāptāḥ sarve lokāḥ śucismite cakṣuṣā yaṃ prapaśyāmi tasya tejo harāmy aham
Wenn ich zornig bin, reichen mir alle Welten nicht aus, du mit dem reinen Lächeln; wen auch immer ich mit meinem Blick erfasse, dessen Kraft raube ich.
Wort für Wort
na me kruddhasya paryāptāḥ sarve lokāḥ śucismite cakṣuṣā yaṃ prapaśyāmi tasya tejo harāmy aham
Wenn ich zornig bin, reichen mir alle Welten nicht aus, du mit dem reinen Lächeln; wen auch immer ich mit meinem Blick erfasse, dessen Kraft raube ich.
tasmāt te vacanaṃ devi kariṣyāmi na saṃśayaḥ saptarṣayo māṃ vakṣyanti sarve brahmarṣayas tathā paśya māhātmyam asmākam ṛddhiṃ ca varavarṇini
Deshalb werde ich dein Wort erfüllen, Göttin, ohne Zweifel; die Sieben Weisen werden mich tragen, und ebenso alle Brahmanenweisen - sieh unsere Erhabenheit und unseren Wohlstand, du von schöner Gestalt.“
Wort für Wort
tasmāt te vacanaṃ devi kariṣyāmi na saṃśayaḥ saptarṣayo māṃ vakṣyanti sarve brahmarṣayas tathā paśya māhātmyam asmākam ṛddhiṃ ca varavarṇini
Deshalb werde ich dein Wort erfüllen, Göttin, ohne Zweifel; die Sieben Weisen werden mich tragen, und ebenso alle Brahmanenweisen - sieh unsere Erhabenheit und unseren Wohlstand, du von schöner Gestalt.“
abrahmaṇyo balopeto matto varamadena ca kāmavṛttaḥ sa duṣṭātmā vāhayām āsa tān ṛṣīn
und der bösgesinnte, den Brahmanen Feindliche, von Kraft erfüllte, vom Rausch der erlangten Gunst Trunkene, von Begierde Beherrschte ließ sich von jenen Weisen ziehen.
Wort für Wort
abrahmaṇyo balopeto matto varamadena ca kāmavṛttaḥ sa duṣṭātmā vāhayām āsa tān ṛṣīn
und der bösgesinnte, den Brahmanen Feindliche, von Kraft erfüllte, vom Rausch der erlangten Gunst Trunkene, von Begierde Beherrschte ließ sich von jenen Weisen ziehen.
nahuṣeṇa visṛṣṭā ca bṛhaspatim uvāca sā samayo 'lpāvaśeṣo me nahuṣeṇeha yaḥ kṛtaḥ śakraṃ mṛgaya śīghraṃ tvaṃ bhaktāyāḥ kuru me dayām
Von Nahuṣa entlassen, sprach sie zu Bṛhaspati: „Die Frist, die mir von Nahuṣa hier gewährt wurde, ist nur noch kurz; suche du rasch Śakra, erweise mir, deiner Ergebenen, dein Mitleid.“
Wort für Wort
nahuṣeṇa visṛṣṭā ca bṛhaspatim uvāca sā samayo 'lpāvaśeṣo me nahuṣeṇeha yaḥ kṛtaḥ śakraṃ mṛgaya śīghraṃ tvaṃ bhaktāyāḥ kuru me dayām
Von Nahuṣa entlassen, sprach sie zu Bṛhaspati: „Die Frist, die mir von Nahuṣa hier gewährt wurde, ist nur noch kurz; suche du rasch Śakra, erweise mir, deiner Ergebenen, dein Mitleid.“
na hy eṣa sthāsyati ciraṃ gata eṣa narādhamaḥ adharmajño maharṣīṇāṃ vāhanāc ca hataḥ śubhe
Denn dieser wird nicht lange Bestand haben; dieser Niedrigste der Menschen ist dem Untergang geweiht, dharmaunkundig, und wird durch den Missbrauch der großen Weisen als Zugtiere zu Fall kommen, du Holde.
Wort für Wort
na hy eṣa sthāsyati ciraṃ gata eṣa narādhamaḥ adharmajño maharṣīṇāṃ vāhanāc ca hataḥ śubhe
Denn dieser wird nicht lange Bestand haben; dieser Niedrigste der Menschen ist dem Untergang geweiht, dharmaunkundig, und wird durch den Missbrauch der großen Weisen als Zugtiere zu Fall kommen, du Holde.
sa diśaḥ pradiśaś caiva parvatāṃś ca vanāni ca pṛthivīṃ cāntarikṣaṃ ca vicīyātimanogatiḥ nimeṣāntaramātreṇa bṛhaspatim upāgamat
und durchsuchte, schneller als der Gedanke, die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen, die Berge und Wälder, die Erde und den Luftraum, und kehrte binnen eines Augenblicks zu Bṛhaspati zurück.
Wort für Wort
sa diśaḥ pradiśaś caiva parvatāṃś ca vanāni ca pṛthivīṃ cāntarikṣaṃ ca vicīyātimanogatiḥ nimeṣāntaramātreṇa bṛhaspatim upāgamat
und durchsuchte, schneller als der Gedanke, die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen, die Berge und Wälder, die Erde und den Luftraum, und kehrte binnen eines Augenblicks zu Bṛhaspati zurück.
agnir uvāca bṛhaspate na paśyāmi devarājam ahaṃ kva cit āpaḥ śeṣāḥ sadā cāpaḥ praveṣṭuṃ notsahāmy aham na me tatra gatir brahman kim anyat karavāṇi te
Agni sprach: „Bṛhaspati, ich sehe den Götterkönig nirgends; nur die Gewässer bleiben übrig, doch in die Gewässer einzudringen wage ich nicht - dorthin habe ich keinen Zugang, Brahmane. Was sonst soll ich für dich tun?“
Wort für Wort
agnir uvāca bṛhaspate na paśyāmi devarājam ahaṃ kva cit āpaḥ śeṣāḥ sadā cāpaḥ praveṣṭuṃ notsahāmy aham na me tatra gatir brahman kim anyat karavāṇi te
Agni sprach: „Bṛhaspati, ich sehe den Götterkönig nirgends; nur die Gewässer bleiben übrig, doch in die Gewässer einzudringen wage ich nicht - dorthin habe ich keinen Zugang, Brahmane. Was sonst soll ich für dich tun?“
agnir uvāca nāpaḥ praveṣṭuṃ śakṣyāmi kṣayo me 'tra bhaviṣyati śaraṇaṃ tvāṃ prapanno 'smi svasti te 'stu mahādyute
Agni sprach: „Ich vermag nicht, in die Gewässer einzudringen; mein Untergang wäre dort die Folge. Ich habe bei dir Zuflucht gesucht - Heil dir, Glanzvoller.“
Wort für Wort
agnir uvāca nāpaḥ praveṣṭuṃ śakṣyāmi kṣayo me 'tra bhaviṣyati śaraṇaṃ tvāṃ prapanno 'smi svasti te 'stu mahādyute
Agni sprach: „Ich vermag nicht, in die Gewässer einzudringen; mein Untergang wäre dort die Folge. Ich habe bei dir Zuflucht gesucht - Heil dir, Glanzvoller.“
Aus dem Wasser ist einst das Feuer entstanden, aus dem Brahmanenstand der Kriegerstand, aus dem Stein das Metall; deren überallhin wirkende Kraft erlischt wieder in ihrem eigenen Ursprung.
Aus dem Wasser ist einst das Feuer entstanden, aus dem Brahmanenstand der Kriegerstand, aus dem Stein das Metall; deren überallhin wirkende Kraft erlischt wieder in ihrem eigenen Ursprung.
Erklärender Merkvers (Śalyas eigener Kommentar innerhalb der Erzählung), der Agnis Furcht vor dem Wasser begründet: Da Feuer traditionell aus dem Wasser entsprungen gilt, würde es dort wieder in seinen Ursprung 'erlöschen'. Die Erzählung setzt sich im nächsten Kapitel fort; Śalyas Rahmenrede bleibt weiterhin offen.