Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 27: Sainyoddyoga-parva (27) Sañjayas philosophische Mahnung gegen den Krieg

Sañjaya erwidert auf Yudhiṣṭhiras Rede mit einer langen, dicht-gnomischen Meditation über Vergänglichkeit des Lebens, das Wesen von Begierde und Recht, die Unvermeidlichkeit der Tatfolgen (Karma) auch im Jenseits, und die Wertlosigkeit weltlicher Macht angesichts von Alter und Tod. Er beschwört Yudhiṣṭhira eindringlich, den Zorn wie eine bittere Medizin zu bezwingen, und stellt die rhetorische Frage, welches Glück ihm der Tod Bhīṣmas, Droṇas und der anderen Verwandten und Lehrer bringen könnte. Mehrere Verse sind sprachlich stark verdichtet und daher mit [?] markiert.

saṃjaya uvāca dharme nityā pāṇḍava te viceṣṭā; loke śrutā dṛśyate cāpi pārtha mahāsrāvaṃ jīvitaṃ cāpy anityaṃ; saṃpaśya tvaṃ pāṇḍava mā vinīnaśaḥ

Sañjaya sprach: ‚Dein beständiges Streben nach dem Recht, Pāṇḍava, ist in der Welt bekannt und auch sichtbar, Sohn Pṛthās; doch das Leben ist vergänglich und schnell verrinnend - bedenke dies, Pāṇḍava, und gehe nicht zugrunde.

Wort für Wort
saṃjaya uvāca dharme nityā pāṇḍava te viceṣṭā; loke śrutā dṛśyate cāpi pārtha mahāsrāvaṃ jīvitaṃ cāpy anityaṃ; saṃpaśya tvaṃ pāṇḍava mā vinīnaśaḥ
Sañjaya sprach: ‚Dein beständiges Streben nach dem Recht, Pāṇḍava, ist in der Welt bekannt und auch sichtbar, Sohn Pṛthās; doch das Leben ist vergänglich und schnell verrinnend - bedenke dies, Pāṇḍava, und gehe nicht zugrunde.

na ced bhāgaṃ kuravo 'nyatra yuddhāt; prayacchante tubhyam ajātaśatro bhaikṣacaryām andhakavṛṣṇirājye; śreyo manye na tu yuddhena rājyam

Wenn dir die Kurus deinen Anteil nicht anders als durch Krieg geben, Ajātaśatru, so halte ich das Bettlerdasein im Reich der Andhakas und Vṛṣṇis für besser, nicht aber das durch Krieg erlangte Königreich.

Wort für Wort
na ced bhāgaṃ kuravo 'nyatra yuddhāt; prayacchante tubhyam ajātaśatro bhaikṣacaryām andhakavṛṣṇirājye; śreyo manye na tu yuddhena rājyam
Wenn dir die Kurus deinen Anteil nicht anders als durch Krieg geben, Ajātaśatru, so halte ich das Bettlerdasein im Reich der Andhakas und Vṛṣṇis für besser, nicht aber das durch Krieg erlangte Königreich.

alpakālaṃ jīvitaṃ yan manuṣye; mahāsrāvaṃ nityaduḥkhaṃ calaṃ ca bhūyaś ca tad vayaso nānurūpaṃ; tasmāt pāpaṃ pāṇḍava mā prasārṣīḥ

Das Leben im Menschen ist von kurzer Dauer, schnell verrinnend, stets von Leid begleitet und wandelbar, und zudem seinem Alter nicht immer entsprechend - deshalb, Pāṇḍava, dehne die Sünde nicht aus.

Wort für Wort
alpakālaṃ jīvitaṃ yan manuṣye; mahāsrāvaṃ nityaduḥkhaṃ calaṃ ca bhūyaś ca tad vayaso nānurūpaṃ; tasmāt pāpaṃ pāṇḍava mā prasārṣīḥ
Das Leben im Menschen ist von kurzer Dauer, schnell verrinnend, stets von Leid begleitet und wandelbar, und zudem seinem Alter nicht immer entsprechend - deshalb, Pāṇḍava, dehne die Sünde nicht aus.

kāmā manuṣyaṃ prasajanta eva; dharmasya ye vighnamūlaṃ narendra pūrvaṃ naras tān dhṛtimān vinighnaṃl; loke praśaṃsāṃ labhate 'navadyām

Die Begierden, die sich an den Menschen heften und die Wurzel des Hindernisses für das Recht sind, o Herrscher der Menschen - wer sie zuerst mit Standhaftigkeit bezwingt, erlangt in der Welt tadellosen Ruhm.

Wort für Wort
kāmā manuṣyaṃ prasajanta eva; dharmasya ye vighnamūlaṃ narendra pūrvaṃ naras tān dhṛtimān vinighnaṃl; loke praśaṃsāṃ labhate 'navadyām
Die Begierden, die sich an den Menschen heften und die Wurzel des Hindernisses für das Recht sind, o Herrscher der Menschen - wer sie zuerst mit Standhaftigkeit bezwingt, erlangt in der Welt tadellosen Ruhm.

nibandhanī hy arthatṛṣṇeha pārtha; tām eṣato bādhyate dharma eva dharmaṃ tu yaḥ pravṛṇīte sa buddhaḥ; kāme gṛddho hīyate 'rthānurodhāt

Denn fesselnd ist hier, Sohn Pṛthās, der Durst nach Reichtum; wer ihm nachjagt, dessen Recht wird eben dadurch beeinträchtigt; wer aber das Recht wählt, der ist weise; wer der Begierde verfallen ist, verfehlt das Recht aus Anhänglichkeit an den Reichtum.

Wort für Wort
nibandhanī hy arthatṛṣṇeha pārtha; tām eṣato bādhyate dharma eva dharmaṃ tu yaḥ pravṛṇīte sa buddhaḥ; kāme gṛddho hīyate 'rthānurodhāt
Denn fesselnd ist hier, Sohn Pṛthās, der Durst nach Reichtum; wer ihm nachjagt, dessen Recht wird eben dadurch beeinträchtigt; wer aber das Recht wählt, der ist weise; wer der Begierde verfallen ist, verfehlt das Recht aus Anhänglichkeit an den Reichtum.

dharmaṃ kṛtvā karmaṇāṃ tāta mukhyaṃ; mahāpratāpaḥ saviteva bhāti hānena dharmasya mahīm apīmāṃ; labdhvā naraḥ sīdati pāpabuddhiḥ

Wer das Recht zum Vornehmsten seiner Taten macht, mein Lieber, erstrahlt in großem Glanz wie die Sonne; doch selbst wenn er, unter Preisgabe des Rechts, diese ganze Erde erlangt, sinkt der Mensch von böser Gesinnung dennoch ins Elend.

Wort für Wort
dharmaṃ kṛtvā karmaṇāṃ tāta mukhyaṃ; mahāpratāpaḥ saviteva bhāti hānena dharmasya mahīm apīmāṃ; labdhvā naraḥ sīdati pāpabuddhiḥ
Wer das Recht zum Vornehmsten seiner Taten macht, mein Lieber, erstrahlt in großem Glanz wie die Sonne; doch selbst wenn er, unter Preisgabe des Rechts, diese ganze Erde erlangt, sinkt der Mensch von böser Gesinnung dennoch ins Elend.

vedo 'dhītaś caritaṃ brahmacaryaṃ; yajñair iṣṭaṃ brāhmaṇebhyaś ca dattam paraṃ sthānaṃ manyamānena bhūya; ātmā datto varṣapūgaṃ sukhebhyaḥ

Der studierte Veda, die geübte Keuschheit, das durch Opfer Erwirkte und das den Brahmanen Gegebene - all dies hat vollbracht, wer, in der Hoffnung auf den höheren Ort, sich selbst viele Jahre lang [der Entsagung, nicht] den Genüssen hingegeben hat [?].

Wort für Wort
vedo 'dhītaś caritaṃ brahmacaryaṃ; yajñair iṣṭaṃ brāhmaṇebhyaś ca dattam paraṃ sthānaṃ manyamānena bhūya; ātmā datto varṣapūgaṃ sukhebhyaḥ
Der studierte Veda, die geübte Keuschheit, das durch Opfer Erwirkte und das den Brahmanen Gegebene - all dies hat vollbracht, wer, in der Hoffnung auf den höheren Ort, sich selbst viele Jahre lang [der Entsagung, nicht] den Genüssen hingegeben hat [?].

Dieser Vers ist syntaktisch stark verdichtet und lässt mehrere Lesarten zu; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung (Verdienst durch jahrelange Entsagung), bleibt aber unsicher.

sukhapriye sevamāno 'tivelaṃ; yogābhyāse yo na karoti karma vittakṣaye hīnasukho 'tivelaṃ; duḥkhaṃ śete kāmavegapraṇunnaḥ

Wer sich übermäßig dem Vergnügen hingibt und keine Anstrengung in der Übung der Selbstbeherrschung unternimmt, der liegt, wenn sein Vermögen schwindet, seines Glücks beraubt, von der Wucht der Begierde getrieben, überaus leidvoll da.

Wort für Wort
sukhapriye sevamāno 'tivelaṃ; yogābhyāse yo na karoti karma vittakṣaye hīnasukho 'tivelaṃ; duḥkhaṃ śete kāmavegapraṇunnaḥ
Wer sich übermäßig dem Vergnügen hingibt und keine Anstrengung in der Übung der Selbstbeherrschung unternimmt, der liegt, wenn sein Vermögen schwindet, seines Glücks beraubt, von der Wucht der Begierde getrieben, überaus leidvoll da.

evaṃ punar arthacaryāprasakto; hitvā dharmaṃ yaḥ prakaroty adharmam aśraddadhat paralokāya mūḍho; hitvā dehaṃ tapyate pretya mandaḥ

Ebenso quält sich, wer, dem Erwerbsstreben verfallen, das Recht preisgibt und Unrecht begeht, ohne Vertrauen in die jenseitige Welt, ein Tor - nach dem Verlassen des Körpers leidet dieser Törichte im Jenseits.

Wort für Wort
evaṃ punar arthacaryāprasakto; hitvā dharmaṃ yaḥ prakaroty adharmam aśraddadhat paralokāya mūḍho; hitvā dehaṃ tapyate pretya mandaḥ
Ebenso quält sich, wer, dem Erwerbsstreben verfallen, das Recht preisgibt und Unrecht begeht, ohne Vertrauen in die jenseitige Welt, ein Tor - nach dem Verlassen des Körpers leidet dieser Törichte im Jenseits.

na karmaṇāṃ vipraṇāśo 'sty amutra; puṇyānāṃ vāpy atha vā pāpakānām pūrvaṃ kartur gacchati puṇyapāpaṃ; paścāt tv etad anuyāty eva kartā

Im Jenseits geht keine Tat verloren, weder die guten noch die bösen; zuerst geht das Verdienst oder die Sünde zum Täter, danach aber folgt der Täter eben dieser Tat nach.

Wort für Wort
na karmaṇāṃ vipraṇāśo 'sty amutra; puṇyānāṃ vāpy atha vā pāpakānām pūrvaṃ kartur gacchati puṇyapāpaṃ; paścāt tv etad anuyāty eva kartā
Im Jenseits geht keine Tat verloren, weder die guten noch die bösen; zuerst geht das Verdienst oder die Sünde zum Täter, danach aber folgt der Täter eben dieser Tat nach.

nyāyopetaṃ brāhmaṇebhyo yadannaṃ; śraddhāpūtaṃ gandharasopapannam anvāhāryeṣūttamadakṣiṇeṣu; tathārūpaṃ karma vikhyāyate te

Die Speise, die man den Brahmanen rechtmäßig, durch Glauben gereinigt, mit Duft und Geschmack versehen, bei den Ahnenopfern mit vortrefflichen Priestergaben darbringt - eine solcherart geartete Tat wird dir wohlbekannt sein.

Wort für Wort
nyāyopetaṃ brāhmaṇebhyo yadannaṃ; śraddhāpūtaṃ gandharasopapannam anvāhāryeṣūttamadakṣiṇeṣu; tathārūpaṃ karma vikhyāyate te
Die Speise, die man den Brahmanen rechtmäßig, durch Glauben gereinigt, mit Duft und Geschmack versehen, bei den Ahnenopfern mit vortrefflichen Priestergaben darbringt - eine solcherart geartete Tat wird dir wohlbekannt sein.

iha kṣetre kriyate pārtha kāryaṃ; na vai kiṃ cid vidyate pretya kāryam kṛtaṃ tvayā pāralokyaṃ ca kāryaṃ; puṇyaṃ mahat sadbhir anupraśastam

Hier auf diesem irdischen Feld wird die Tat vollbracht, Sohn Pṛthās; im Jenseits gibt es gar keine Tat mehr zu vollbringen; das für das Jenseits bestimmte Werk hast du bereits vollbracht - ein großes, von den Rechtschaffenen gepriesenes Verdienst.

Wort für Wort
iha kṣetre kriyate pārtha kāryaṃ; na vai kiṃ cid vidyate pretya kāryam kṛtaṃ tvayā pāralokyaṃ ca kāryaṃ; puṇyaṃ mahat sadbhir anupraśastam
Hier auf diesem irdischen Feld wird die Tat vollbracht, Sohn Pṛthās; im Jenseits gibt es gar keine Tat mehr zu vollbringen; das für das Jenseits bestimmte Werk hast du bereits vollbracht - ein großes, von den Rechtschaffenen gepriesenes Verdienst.

jahāti mṛtyuṃ ca jarāṃ bhayaṃ ca; na kṣutpipāse manasaś cāpriyāṇi na kartavyaṃ vidyate tatra kiṃ cid; anyatra vai indriyaprīṇanārthāt

Dort [im so erworbenen Jenseits] gibt es weder Tod noch Alter noch Furcht, weder Hunger noch Durst noch dem Geist Unliebsames; dort gibt es überhaupt nichts mehr zu tun, außer der Befriedigung der Sinne [?].

Wort für Wort
jahāti mṛtyuṃ ca jarāṃ bhayaṃ ca; na kṣutpipāse manasaś cāpriyāṇi na kartavyaṃ vidyate tatra kiṃ cid; anyatra vai indriyaprīṇanārthāt
Dort [im so erworbenen Jenseits] gibt es weder Tod noch Alter noch Furcht, weder Hunger noch Durst noch dem Geist Unliebsames; dort gibt es überhaupt nichts mehr zu tun, außer der Befriedigung der Sinne [?].

Der Bezug dieses Verses zur vorangehenden Aussage über das jenseitige Verdienst bleibt unsicher; vermutlich Beschreibung des durch gute Taten erlangten himmlischen Zustands.

evaṃrūpaṃ karmaphalaṃ narendra; mātrāvatā hṛdayasya priyeṇa sa krodhajaṃ pāṇḍava harṣajaṃ ca; lokāv ubhau mā prahāsīś cirāya

Von solcher Art ist die Frucht der Tat, o Herrscher der Menschen, zu erlangen durch ein Herz mit rechtem Maß und guter Gesinnung; gib nicht, o Pāṇḍava, für lange Zeit beide Welten auf - die aus Zorn entstehende und die aus Freude entstehende [?].

Wort für Wort
evaṃrūpaṃ karmaphalaṃ narendra; mātrāvatā hṛdayasya priyeṇa sa krodhajaṃ pāṇḍava harṣajaṃ ca; lokāv ubhau mā prahāsīś cirāya
Von solcher Art ist die Frucht der Tat, o Herrscher der Menschen, zu erlangen durch ein Herz mit rechtem Maß und guter Gesinnung; gib nicht, o Pāṇḍava, für lange Zeit beide Welten auf - die aus Zorn entstehende und die aus Freude entstehende [?].

Die 'beiden Welten, aus Zorn bzw. Freude entstanden' bleiben unklar - möglicherweise ein Bild für zwei durch die jeweilige Gemütsverfassung bedingte jenseitige Zustände.

antaṃ gatvā karmaṇāṃ yā praśaṃsā; satyaṃ damaś cārjavam ānṛśaṃsyam aśvamedho rājasūyas tatheṣṭaḥ; pāpasyāntaṃ karmaṇo mā punar gāḥ

Das Lob, das man erlangt, wenn man ans Ende der guten Taten gelangt ist - Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit, Gewaltlosigkeit, das Pferdeopfer, das Rājasūya-Opfer und dergleichen Geopfertes - gehe nicht wieder ans Ende der bösen Tat.

Wort für Wort
antaṃ gatvā karmaṇāṃ yā praśaṃsā; satyaṃ damaś cārjavam ānṛśaṃsyam aśvamedho rājasūyas tatheṣṭaḥ; pāpasyāntaṃ karmaṇo mā punar gāḥ
Das Lob, das man erlangt, wenn man ans Ende der guten Taten gelangt ist - Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit, Gewaltlosigkeit, das Pferdeopfer, das Rājasūya-Opfer und dergleichen Geopfertes - gehe nicht wieder ans Ende der bösen Tat.

tac ced evaṃ deśarūpeṇa pārthāḥ; kariṣyadhvaṃ karma pāpaṃ cirāya nivasadhvaṃ varṣapūgān vaneṣu; duḥkhaṃ vāsaṃ pāṇḍavā dharmahetoḥ

Wenn ihr Söhne Pṛthās also, auf diese Weise, für lange Zeit eine böse Tat begehen wolltet - dann hättet ihr ebenso gut weiterhin viele Jahre im Wald wohnen bleiben können, ihr Pāṇḍavas, das leidvolle Verweilen um des Rechtes willen ertragend.

Wort für Wort
tac ced evaṃ deśarūpeṇa pārthāḥ; kariṣyadhvaṃ karma pāpaṃ cirāya nivasadhvaṃ varṣapūgān vaneṣu; duḥkhaṃ vāsaṃ pāṇḍavā dharmahetoḥ
Wenn ihr Söhne Pṛthās also, auf diese Weise, für lange Zeit eine böse Tat begehen wolltet - dann hättet ihr ebenso gut weiterhin viele Jahre im Wald wohnen bleiben können, ihr Pāṇḍavas, das leidvolle Verweilen um des Rechtes willen ertragend.

apravrajye yojayitvā purastād; ātmādhīnaṃ yad balaṃ te tadāsīt nityaṃ pāñcālāḥ sacivās taveme; janārdano yuyudhānaś ca vīraḥ

Bevor ihr in den Wald aufgebrochen wart, hattet ihr eine euch selbst unterstehende Streitmacht bereitgestellt; stets sind dir diese hier ergeben: die Pāñcālas, Janārdana und der Held Yuyudhāna,

Wort für Wort
apravrajye yojayitvā purastād; ātmādhīnaṃ yad balaṃ te tadāsīt nityaṃ pāñcālāḥ sacivās taveme; janārdano yuyudhānaś ca vīraḥ
Bevor ihr in den Wald aufgebrochen wart, hattet ihr eine euch selbst unterstehende Streitmacht bereitgestellt; stets sind dir diese hier ergeben: die Pāñcālas, Janārdana und der Held Yuyudhāna,

matsyo rājā rukmarathaḥ saputraḥ; prahāribhiḥ saha putrair virāṭaḥ rājānaś ca ye vijitāḥ purastāt; tvām eva te saṃśrayeyuḥ samastāḥ

der König der Matsyas, Rukmaratha [?] samt seinem Sohn, Virāṭa samt seinen kampfbereiten Söhnen, und die Könige, die früher besiegt wurden - sie alle würden sich einzig dir anschließen.

Wort für Wort
matsyo rājā rukmarathaḥ saputraḥ; prahāribhiḥ saha putrair virāṭaḥ rājānaś ca ye vijitāḥ purastāt; tvām eva te saṃśrayeyuḥ samastāḥ
der König der Matsyas, Rukmaratha [?] samt seinem Sohn, Virāṭa samt seinen kampfbereiten Söhnen, und die Könige, die früher besiegt wurden - sie alle würden sich einzig dir anschließen.

'Rukmarathaḥ' ist sonst nicht als Name des Matsya-Königs Virāṭa belegt; möglicherweise Name eines Sohnes oder abweichende Lesart - mit [?] markiert.

mahāsahāyaḥ pratapan balasthaḥ; puraskṛto vāsudevārjunābhyām varān haniṣyan dviṣato raṅgamadhye; vyaneṣyathā dhārtarāṣṭrasya darpam

Mit gewaltiger Hilfe, glühend vor Kraft, angeführt von Vāsudeva und Arjuna, würdet ihr, indem ihr die besten Feinde inmitten des Kampfplatzes erschlaget, den Hochmut des Sohnes Dhṛtarāṣṭras vertreiben.

Wort für Wort
mahāsahāyaḥ pratapan balasthaḥ; puraskṛto vāsudevārjunābhyām varān haniṣyan dviṣato raṅgamadhye; vyaneṣyathā dhārtarāṣṭrasya darpam
Mit gewaltiger Hilfe, glühend vor Kraft, angeführt von Vāsudeva und Arjuna, würdet ihr, indem ihr die besten Feinde inmitten des Kampfplatzes erschlaget, den Hochmut des Sohnes Dhṛtarāṣṭras vertreiben.

balaṃ kasmād vardhayitvā parasya; nijān kasmāt karśayitvā sahāyān niruṣya kasmād varṣapūgān vaneṣu; yuyutsase pāṇḍava hīnakālam

Warum, nachdem ihr die Macht des Gegners habt anwachsen lassen, warum, nachdem ihr eure eigenen Verbündeten habt schwächer werden lassen, warum, nachdem ihr viele Jahre im Wald verweilt habt, sucht ihr jetzt, zur ungünstigen Zeit, den Kampf, Pāṇḍava?

Wort für Wort
balaṃ kasmād vardhayitvā parasya; nijān kasmāt karśayitvā sahāyān niruṣya kasmād varṣapūgān vaneṣu; yuyutsase pāṇḍava hīnakālam
Warum, nachdem ihr die Macht des Gegners habt anwachsen lassen, warum, nachdem ihr eure eigenen Verbündeten habt schwächer werden lassen, warum, nachdem ihr viele Jahre im Wald verweilt habt, sucht ihr jetzt, zur ungünstigen Zeit, den Kampf, Pāṇḍava?

aprajño vā pāṇḍava yudhyamāno; adharmajño vā bhūtipathād vyapaiti prajñāvān vā budhyamāno 'pi dharmaṃ; saṃrambhād vā so 'pi bhūter apaiti

Ob unweise oder das Recht nicht kennend, weicht der Kämpfende, o Pāṇḍava, vom Pfad des Wohlergehens ab; und auch der Weise, der das Recht wohl erkennt, weicht, wenn er dem Jähzorn verfällt, ebenfalls vom Wohlergehen ab.

Wort für Wort
aprajño vā pāṇḍava yudhyamāno; adharmajño vā bhūtipathād vyapaiti prajñāvān vā budhyamāno 'pi dharmaṃ; saṃrambhād vā so 'pi bhūter apaiti
Ob unweise oder das Recht nicht kennend, weicht der Kämpfende, o Pāṇḍava, vom Pfad des Wohlergehens ab; und auch der Weise, der das Recht wohl erkennt, weicht, wenn er dem Jähzorn verfällt, ebenfalls vom Wohlergehen ab.

nādharme te dhīyate pārtha buddhir; na saṃrambhāt karma cakartha pāpam addhā kiṃ tat kāraṇaṃ yasya hetoḥ; prajñāviruddhaṃ karma cikīrṣasīdam

Dein Verstand, Sohn Pṛthās, ist nicht auf Unrecht gerichtet, und aus Jähzorn hast du keine böse Tat begangen - was also ist wahrhaftig der Grund, aus dem du nun eine deiner Weisheit widersprechende Tat zu vollbringen suchst?

Wort für Wort
nādharme te dhīyate pārtha buddhir; na saṃrambhāt karma cakartha pāpam addhā kiṃ tat kāraṇaṃ yasya hetoḥ; prajñāviruddhaṃ karma cikīrṣasīdam
Dein Verstand, Sohn Pṛthās, ist nicht auf Unrecht gerichtet, und aus Jähzorn hast du keine böse Tat begangen - was also ist wahrhaftig der Grund, aus dem du nun eine deiner Weisheit widersprechende Tat zu vollbringen suchst?

avyādhijaṃ kaṭukaṃ śīrṣarogaṃ; yaśomuṣaṃ pāpaphalodayaṃ ca satāṃ peyaṃ yan na pibanty asanto; manyuṃ mahārāja piba praśāmya

Trink, großer König, besänftigt den Zorn - jenen bitteren, nicht von Krankheit herrührenden Kopfschmerz, der den Ruhm raubt und üble Frucht hervorbringt - jenen Trank, den die Guten trinken, die Bösen aber nicht trinken.

Wort für Wort
avyādhijaṃ kaṭukaṃ śīrṣarogaṃ; yaśomuṣaṃ pāpaphalodayaṃ ca satāṃ peyaṃ yan na pibanty asanto; manyuṃ mahārāja piba praśāmya
Trink, großer König, besänftigt den Zorn - jenen bitteren, nicht von Krankheit herrührenden Kopfschmerz, der den Ruhm raubt und üble Frucht hervorbringt - jenen Trank, den die Guten trinken, die Bösen aber nicht trinken.

Bildhafte Aufforderung, den Zorn wie eine bittere, aber heilsame Medizin zu 'trinken', d.h. zu bezwingen.

pāpānubandhaṃ ko nu taṃ kāmayeta; kṣamaiva te jyāyasī nota bhogāḥ yatra bhīṣmaḥ śāṃtanavo hataḥ syād; yatra droṇaḥ sahaputro hataḥ syāt

Wer nur würde jenen Zorn, der Sünde nach sich zieht, begehren? Geduld ist für dich besser als Genüsse, wenn dabei Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, erschlagen werden müsste, wenn dabei Droṇa samt seinem Sohn erschlagen werden müsste,

Wort für Wort
pāpānubandhaṃ ko nu taṃ kāmayeta; kṣamaiva te jyāyasī nota bhogāḥ yatra bhīṣmaḥ śāṃtanavo hataḥ syād; yatra droṇaḥ sahaputro hataḥ syāt
Wer nur würde jenen Zorn, der Sünde nach sich zieht, begehren? Geduld ist für dich besser als Genüsse, wenn dabei Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, erschlagen werden müsste, wenn dabei Droṇa samt seinem Sohn erschlagen werden müsste,

kṛpaḥ śalyaḥ saumadattir vikarṇo; viviṃśatiḥ karṇaduryodhanau ca etān hatvā kīdṛśaṃ tat sukhaṃ syād; yad vindethās tad anubrūhi pārtha

Kṛpa, Śalya, der Sohn Somadattas, Vikarṇa, Viviṃśati, Karṇa und Duryodhana - was für ein Glück wäre es, nachdem man diese erschlagen hätte? Sage mir, welches Glück du dabei erlangen würdest, Sohn Pṛthās.

Wort für Wort
kṛpaḥ śalyaḥ saumadattir vikarṇo; viviṃśatiḥ karṇaduryodhanau ca etān hatvā kīdṛśaṃ tat sukhaṃ syād; yad vindethās tad anubrūhi pārtha
Kṛpa, Śalya, der Sohn Somadattas, Vikarṇa, Viviṃśati, Karṇa und Duryodhana - was für ein Glück wäre es, nachdem man diese erschlagen hätte? Sage mir, welches Glück du dabei erlangen würdest, Sohn Pṛthās.

labdhvāpīmāṃ pṛthivīṃ sāgarāntāṃ; jarāmṛtyū naiva hi tvaṃ prajahyāḥ priyāpriye sukhaduḥkhe ca rājann; evaṃ vidvān naiva yuddhaṃ kuruṣva

Selbst wenn du diese Erde bis zum Meer erlangt hättest, könntest du doch Alter und Tod nicht abschütteln, ebenso wenig Liebes und Unliebes, Glück und Leid, o König; da du dies weißt, führe keinen Krieg.

Wort für Wort
labdhvāpīmāṃ pṛthivīṃ sāgarāntāṃ; jarāmṛtyū naiva hi tvaṃ prajahyāḥ priyāpriye sukhaduḥkhe ca rājann; evaṃ vidvān naiva yuddhaṃ kuruṣva
Selbst wenn du diese Erde bis zum Meer erlangt hättest, könntest du doch Alter und Tod nicht abschütteln, ebenso wenig Liebes und Unliebes, Glück und Leid, o König; da du dies weißt, führe keinen Krieg.

amātyānāṃ yadi kāmasya hetor; evaṃyuktaṃ karma cikīrṣasi tvam apākrameḥ saṃpradāya svam ebhyo; mā gās tvaṃ vai devayānāt patho 'dya

Wenn du um der Begierde deiner Minister willen eine solcherart verbundene Tat zu vollbringen suchst, so ziehe dich zurück, nachdem du dein Eigentum an sie übergeben hast - gehe heute nicht vom Pfad der Götter ab.‘

Wort für Wort
amātyānāṃ yadi kāmasya hetor; evaṃyuktaṃ karma cikīrṣasi tvam apākrameḥ saṃpradāya svam ebhyo; mā gās tvaṃ vai devayānāt patho 'dya
Wenn du um der Begierde deiner Minister willen eine solcherart verbundene Tat zu vollbringen suchst, so ziehe dich zurück, nachdem du dein Eigentum an sie übergeben hast - gehe heute nicht vom Pfad der Götter ab.‘

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