Kapitel 127: Gāndhārīvākyam
Gāndhārīs Mahnrede an Duryodhana
Dhṛtarāṣṭra bittet Vidura, die weitsichtige Gāndhārī zu holen, um mit ihr gemeinsam auf Duryodhana einzuwirken; er selbst spricht kurz zu ihr über den Sohn. Gāndhārī lässt Duryodhana zurückholen und hält ihm eine lange, philosophisch grundierte Rede über die Beherrschung von Begierde und Zorn als Voraussetzung jeder Herrschaft, erinnert an die Ansprachen Bhīṣmas und Droṇas, warnt eindringlich vor einem Krieg gegen die unbesiegbaren Pāṇḍavas und Kṛṣṇa und fordert ihn auf, den Söhnen Pāṇḍus die Hälfte des Reiches zu geben und seine Gier aufzugeben.
api lobhābhibhūtasya panthānam anudarśayet durbuddher duḥsahāyasya samarthaṃ bruvatī vacaḥ
Vielleicht könnte sie dem von Gier Überwältigten, übel Beratenen, in schlechter Gesellschaft, den rechten Weg zeigen, ein wirkungsvolles Wort sprechend.
Wort für Wort
api lobhābhibhūtasya
vielleicht dem von Gier Überwältigten (Partikel + Adj.Gen.Sg.)
panthānam anudarśayet
den Weg könnte sie zeigen (Akk.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg.)
durbuddheḥ duḥsahāyasya
dem übel Beratenen, in schlechter Gesellschaft (Adj.Gen.Sg. + Adj.Gen.Sg.)
samartham bruvatī vacaḥ
ein wirkungsvolles Wort sprechend (Adj.Akk.Sg. + Partizip Präs.Nom.Sg. + Subst.Akk.Sg.)
Vaiśaṃpāyana sprach: Sie, nachdem sie das Wort ihres Gatten gehört hatte, die ruhmreiche Königstochter, nach großem Heil strebend, Gāndhārī, sprach ein Wort.
ānayeha sutaṃ kṣipraṃ rājyakāmukam āturam na hi rājyam aśiṣṭena śakyaṃ dharmārthalopinā
‚Bring rasch den nach der Herrschaft begierigen, kranken Sohn hierher - denn die Herrschaft kann nicht von einem Ungehobelten, der Pflicht und Nutzen preisgibt, bewahrt werden.
Wort für Wort
ānaya iha sutam kṣipram
bring rasch den Sohn hierher (Verb, Imp. 2.Sg. + Adv. + Akk.Sg. + Adv.)
rājyakāmukam āturam
den nach der Herrschaft begierigen, kranken (Adj.Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg.)
na hi rājyam aśiṣṭena
denn nicht die Herrschaft von einem Ungehobelten (Neg. + Partikel + Subst.Nom.Sg. + Adj.Instr.Sg.)
śakyam dharmārthalopinā
kann bewahrt werden von dem, der Pflicht und Nutzen preisgibt (Adj.Nom.Sg. + Adj.Instr.Sg.)
tvaṃ hy evātra bhṛśaṃ garhyo dhṛtarāṣṭra sutapriyaḥ yo jānan pāpatām asya tatprajñām anuvartase
Denn eben du bist hierbei sehr zu tadeln, Dhṛtarāṣṭra, allzu sehr den Sohn liebend - der du, obwohl du seine Schlechtigkeit kennst, seiner Einsicht folgst.
Wort für Wort
tvam hi eva atra bhṛśam
denn eben du bist hierbei sehr (Pron.Nom.Sg. + Partikel + Partikel + Adv. + Adv.)
garhyaḥ dhṛtarāṣṭra sutapriyaḥ
zu tadeln, Dhṛtarāṣṭra, den Sohn liebend (Gerundiv.Nom.Sg. + Vok.Sg. + Adj.Nom.Sg.)
yaḥ jānan pāpatām asya
der du, obwohl du seine Schlechtigkeit kennst (Pron.Nom.Sg. + Partizip Präs.Nom.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Pron.Gen.Sg.)
tatprajñām anuvartase
seiner Einsicht folgst du (Akk.Sg. + Verb, Präs. 2.Sg. [Med.])
kathaṃ hi svajane bhedam upekṣeta mahāmatiḥ bhinnaṃ hi svajanena tvāṃ prasahiṣyanti śatravaḥ
Wie könnte ein hoch Verständiger eine Spaltung in der eigenen Familie übersehen? Denn dich, von deiner eigenen Sippe getrennt, werden die Feinde überwältigen.
Wort für Wort
katham hi svajane bhedam
wie könnte in der eigenen Familie eine Spaltung (Interr. + Partikel + Subst.Lok.Sg. + Subst.Akk.Sg.)
upekṣeta mahāmatiḥ
übersehen ein hoch Verständiger (Verb, Opt. 3.Sg. + Adj.Nom.Sg.)
bhinnam hi svajanena tvām
denn dich, getrennt von deiner eigenen Sippe (Adj.Akk.Sg. + Partikel + Subst.Instr.Sg. + Pron.Akk.Sg.)
prasahiṣyanti śatravaḥ
werden überwältigen die Feinde (Verb, Fut. 3.Pl. + Subst.Nom.Pl.)
yā hi śakyā mahārāja sāmnā dānena vā punaḥ nistartum āpadaḥ sveṣu daṇḍaṃ kas tatra pātayet
Wo doch, Großkönig, durch Versöhnung oder durch Gaben eine Not überwunden werden kann - wer würde dabei gegenüber den eigenen Leuten Strafe verhängen?‘
Wort für Wort
yā hi śakyā mahārāja
wo doch, Großkönig, [eine Not] überwunden werden kann (Pron.Nom.Sg. + Partikel + Adj.Nom.Sg. + Vok.Sg.)
sāmnā dānena vā punaḥ
durch Versöhnung oder durch Gaben (Subst.Instr.Sg. + Subst.Instr.Sg. + Partikel + Adv.)
nistartum āpadaḥ
eine Not zu überwinden (Infinitiv + Subst.Akk.Sg.)
sveṣu daṇḍam kaḥ tatra pātayet
wer würde dabei gegenüber den eigenen Leuten Strafe verhängen (Adj.Lok.Pl. + Subst.Akk.Sg. + Interr. + Adv. + Verb, Opt. 3.Sg.)
na hy avaśyendriyo rājyam aśnīyād dīrgham antaram vijitātmā tu medhāvī sa rājyam abhipālayet
Denn wer seine Sinne nicht beherrscht, kann die Herrschaft nicht lange genießen - nur wer sich selbst bezwungen hat, der Kluge, kann die Herrschaft bewahren.
Wort für Wort
na hi avaśyendriyaḥ
denn wer die Sinne nicht beherrscht (Neg. + Partikel + Adj.Nom.Sg.)
rājyam aśnīyāt dīrgham antaram
kann die Herrschaft nicht lange genießen (Akk.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg. + Adj.Akk.Sg. + Subst.Akk.Sg.)
vijitātmā tu medhāvī
nur wer sich selbst bezwungen hat, der Kluge (Adj.Nom.Sg. + Partikel + Adj.Nom.Sg.)
saḥ rājyam abhipālayet
der kann die Herrschaft bewahren (Pron.Nom.Sg. + Akk.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg.)
lokeśvaraprabhutvaṃ hi mahad etad durātmabhiḥ rājyaṃ nāmepsitaṃ sthānaṃ na śakyam abhirakṣitum
Denn diese große Herrschermacht über die Welt, die Königswürde, ist bei allen begehrt - doch die Stellung kann von den Übelgesinnten nicht bewahrt werden.
Wort für Wort
lokeśvaraprabhutvam hi
denn die Herrschermacht über die Welt (Subst.Nom.Sg. + Partikel)
mahat etat durātmabhiḥ
diese große, von den Übelgesinnten (Adj.Nom.Sg. + Pron.Nom.Sg. + Adj.Instr.Pl.)
rājyam nāma īpsitam sthānam
die Königswürde, die begehrte Stellung (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Adj.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
na śakyam abhirakṣitum
kann nicht bewahrt werden (Neg. + Adj.Nom.Sg. + Infinitiv)
Wer viel erlangen will, sollte seine Sinne im Dienst von Nutzen und Pflicht zügeln - durch gezügelte Sinne wächst der Verstand, wie ein Feuer durch Brennholz.
Wort für Wort
indriyāṇi mahat prepsuḥ
wer viel erlangen will, die Sinne (Akk.Pl. + Adj.Akk.Sg. + Adj.Nom.Sg.)
niyacchet arthadharmayoḥ
sollte zügeln im Dienst von Nutzen und Pflicht (Verb, Opt. 3.Sg. + Gen.Du.)
indriyaiḥ niyataiḥ buddhiḥ
durch gezügelte Sinne der Verstand (Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl. + Subst.Nom.Sg.)
vardhate agniḥ iva indhanaiḥ
wächst, wie ein Feuer durch Brennholz (Verb, Präs. 3.Sg. [Med.] + Subst.Nom.Sg. + Partikel + Subst.Instr.Pl.)
avijitya ya ātmānam amātyān vijigīṣate ajitātmājitāmātyaḥ so 'vaśaḥ parihīyate
Wer, ohne sich selbst besiegt zu haben, seine Minister zu besiegen sucht - der, sich selbst nicht bezwungen, die Minister nicht bezwungen, unterliegt, ohne Macht über sich selbst.
Wort für Wort
avijitya yaḥ ātmānam
wer, ohne sich selbst besiegt zu haben (Absolutiv, Neg. + Pron.Nom.Sg. + Akk.Sg.)
amātyān vijigīṣate
seine Minister zu besiegen sucht (Akk.Pl. + Verb, Präs. 3.Sg. [Med., Desiderativ])
ajitātmā ajitāmātyaḥ
sich selbst nicht bezwungen, die Minister nicht bezwungen (Adj.Nom.Sg. + Adj.Nom.Sg.)
saḥ avaśaḥ parihīyate
der unterliegt, ohne Macht über sich selbst (Pron.Nom.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Verb, Präs.Pass. 3.Sg.)
Den, dessen Sinne gebändigt sind, der die Minister bezwungen hat, der Strafe gegen Abtrünnige verhängt, der besonnen prüfend handelt, den Standhaften - diesen sucht das Glück beständig auf.
Wort für Wort
vaśyendriyam jitāmātyam
den, dessen Sinne gebändigt, der die Minister bezwungen hat (Adj.Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg.)
dhṛtadaṇḍam vikāriṣu
der Strafe gegen Abtrünnige verhängt (Adj.Akk.Sg. + Adj.Lok.Pl.)
parīkṣyakāriṇam dhīram
der besonnen prüfend handelt, den Standhaften (Adj.Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg.)
atyantam śrīḥ niṣevate
beständig sucht das Glück auf (Adv. + Subst.Nom.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg. [Med.])
yābhyāṃ hi devāḥ svaryātuḥ svargasyāpidadhur mukham bibhyato 'nuparāgasya kāmakrodhau sma vardhitau
Denn vor diesen beiden fürchteten sich sogar die Götter, die zum Himmel Gegangenen, und verschlossen aus Furcht vor dem Verfall das Tor des Himmels - so mächtig sind Begierde und Zorn geworden.
Wort für Wort
yābhyām hi devāḥ svaryātuḥ
durch die beiden fürchteten sich die Götter, die zum Himmel Gegangenen (Pron.Instr.Du. + Partikel + Subst.Nom.Pl. + Adj.Nom.Pl.)
svargasya api dadhuḥ mukham
verschlossen selbst des Himmels Tor (Gen.Sg. + Partikel + Verb, Perf. 3.Pl. + Subst.Akk.Sg.)
bibhyataḥ anuparāgasya
aus Furcht vor dem Verfall (Partizip Präs.Nom.Pl. + Gen.Sg.)
kāmakrodhau sma vardhitau
Begierde und Zorn wurden so mächtig (Subst.Nom.Du. + Partikel + Partizip Perf.Pass.Nom.Du.)
Der genaue Sinn dieses Verses ist im Original nicht restlos eindeutig; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung [?].
kāmābhibhūtaḥ krodhād vā yo mithyā pratipadyate sveṣu cānyeṣu vā tasya na sahāyā bhavanty uta
Wer, von Begierde überwältigt oder aus Zorn, sich falsch verhält, gegenüber den eigenen Leuten oder gegenüber anderen - dem stehen keine Helfer mehr zur Seite.
Wort für Wort
kāmābhibhūtaḥ krodhāt vā
von Begierde überwältigt oder aus Zorn (Adj.Nom.Sg. + Abl.Sg. + Partikel)
yaḥ mithyā pratipadyate
wer sich falsch verhält (Pron.Nom.Sg. + Adv. + Verb, Präs. 3.Sg. [Med.])
sveṣu ca anyeṣu vā
gegenüber den eigenen oder gegenüber anderen (Adj.Lok.Pl. + Partikel + Pron.Lok.Pl. + Partikel)
tasya na sahāyāḥ bhavanti uta
dem stehen keine Helfer mehr zur Seite (Pron.Gen.Sg. + Neg. + Subst.Nom.Pl. + Verb, Präs. 3.Pl. + Partikel)
Mit den zu einer Einheit gewordenen, hoch weisen, heldenhaften, ihre Feinde vernichtenden Pāṇḍavas vereint, Lieber, wirst du die Erde glücklich genießen.
Wort für Wort
ekībhūtaiḥ mahāprājñaiḥ
mit den zu einer Einheit gewordenen, hoch weisen (Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl.)
śūraiḥ arinibarhaṇaiḥ
mit den heldenhaften, feindevernichtenden (Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl.)
pāṇḍavaiḥ pṛthivīm tāta
mit den Pāṇḍavas die Erde, Lieber (Instr.Pl. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
na yuddhe tāta kalyāṇaṃ na dharmārthau kutaḥ sukham na cāpi vijayo nityaṃ mā yuddhe ceta ādhithāḥ
Im Kampf liegt kein Heil, Lieber, nicht Pflicht und Nutzen, wieviel weniger Glück, und auch nicht stets der Sieg - richte deinen Sinn nicht auf den Kampf.
Wort für Wort
na yuddhe tāta kalyāṇam
im Kampf, Lieber, kein Heil (Neg. + Subst.Lok.Sg. + Vok.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
na dharmārthau kutaḥ sukham
nicht Pflicht und Nutzen, wieviel weniger Glück (Neg. + Akk.Du. + Interr. + Subst.Nom.Sg.)
na ca api vijayaḥ nityam
und auch nicht stets der Sieg (Neg. + Partikel + Partikel + Subst.Nom.Sg. + Adv.)
mā yuddhe cetaḥ ādhithāḥ
richte deinen Sinn nicht auf den Kampf (Neg.Partikel + Subst.Lok.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Verb, Inj. 2.Sg.)
bhīṣmeṇa hi mahāprājña pitrā te bāhlikena ca datto 'ṃśaḥ pāṇḍuputrāṇāṃ bhedād bhītair ariṃdama
Denn, hoch Weiser, von Bhīṣma und von deinem Vater und von Bāhlika wurde, aus Furcht vor Spaltung, Feindebezwinger, den Söhnen Pāṇḍus ein Anteil gegeben.
Wort für Wort
bhīṣmeṇa hi mahāprājña
denn von Bhīṣma, hoch Weiser (Instr.Sg. + Partikel + Vok.Sg.)
pitrā te bāhlikena ca
und von deinem Vater und von Bāhlika (Instr.Sg. + Pron.Gen.Sg. + Instr.Sg. + Partikel)
dattaḥ aṃśaḥ pāṇḍuputrāṇām
wurde gegeben ein Anteil den Söhnen Pāṇḍus (Partizip Perf.Pass.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Gen.Pl.)
bhedāt bhītaiḥ ariṃdama
aus Furcht vor Spaltung, Feindebezwinger (Abl.Sg. + Adj.Instr.Pl. + Vok.Sg.)
Gib den Söhnen Pāṇḍus, was ihnen zusteht, Feindebezwinger, wenn du wünschst, samt deinen Ministern, die Hälfte des von den Königen beherrschten Landes zu genießen.
Wort für Wort
prayaccha pāṇḍuputrāṇām
gib den Söhnen Pāṇḍus (Verb, Imp. 2.Sg. + Gen.Pl.)
yathocitam ariṃdama
was ihnen zusteht, Feindebezwinger (Adv. + Vok.Sg.)
yadi icchasi sahāmātyaḥ
wenn du wünschst, samt deinen Ministern (Konj. + Verb, Präs. 2.Sg. + Adj.Nom.Sg.)
bhoktum ardham mahīkṣitām
zu genießen die Hälfte der Könige [Reich] (Infinitiv + Akk.Sg. + Gen.Pl.)
Denn ein Streit mit den Glückgesegneten, Selbstbeherrschten, Klugen, deren Sinne bezwungen sind, den Pāṇḍavas, würde dich, Lieber, um großes Glück bringen.
Wort für Wort
śrīmadbhiḥ ātmavadbhiḥ hi
denn mit den Glückgesegneten, Selbstbeherrschten (Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl. + Partikel)
buddhimadbhiḥ jitendriyaiḥ
den Klugen, deren Sinne bezwungen sind (Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl.)
pāṇḍavaiḥ vigrahaḥ tāta
mit den Pāṇḍavas ein Streit, Lieber (Instr.Pl. + Subst.Nom.Sg. + Vok.Sg.)
Bezähme den Zorn gegenüber deinen Freunden, herrsche über das Reich, wie es sich gehört, nachdem du den Söhnen Pāṇḍus ihren Anteil gegeben hast, Stier der Bharatas.
Wort für Wort
nigṛhya suhṛdām manyum
bezähme den Zorn gegenüber den Freunden (Absolutiv + Gen.Pl. + Akk.Sg.)
śādhi rājyam yathocitam
herrsche über das Reich, wie es sich gehört (Verb, Imp. 2.Sg. + Akk.Sg. + Adv.)
svam aṃśam pāṇḍuputrebhyaḥ
deinen Anteil den Söhnen Pāṇḍus (Adj.Akk.Sg. + Akk.Sg. + Dat.Pl.)
pradāya bharatarṣabha
gegeben habend, Stier der Bharatas (Absolutiv + Vok.Sg.)
In die Gewalt des Unmuts geraten, töte nicht die Kurus, Lieber - denn die ganze Erde wäre von deinetwegen mit dem Mord an den Pāṇḍavas befleckt.
Wort für Wort
amarṣavaśam āpannaḥ
in die Gewalt des Unmuts geraten (Akk.Sg. + Partizip Perf.Nom.Sg.)
mā kurūn tāta jīghanaḥ
töte nicht die Kurus, Lieber (Neg.Partikel + Akk.Pl. + Vok.Sg. + Verb, Inj. 2.Sg.)
sarvā hi pṛthivī spṛṣṭā
denn die ganze Erde wäre befleckt (Adj.Nom.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg. + Partizip Perf.Pass.Nom.Sg.)
tvat pāṇḍavakṛte vadham
von deinetwegen mit dem Mord an den Pāṇḍavas (Abl.Sg. + Adj.Lok.Sg. + Akk.Sg.)
Die Konstruktion des letzten Versteils ist im Original knapp; der Sinn - die Erde würde von deinetwegen durch den Mord an den Pāṇḍavas befleckt - ist sinngemäß erschlossen [?].
samaṃ hi rājyaṃ prītiś ca sthānaṃ ca vijitātmanām pāṇḍaveṣv atha yuṣmāsu dharmas tv abhyadhikas tataḥ
Denn gleich sind Herrschaft, Zuneigung und Stellung bei denen, die sich selbst bezwungen haben - bei den Pāṇḍavas wie bei euch; die Pflicht aber ist dort überlegen.
Wort für Wort
samam hi rājyam prītiḥ ca
denn gleich sind Herrschaft und Zuneigung (Adj.Nom.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Partikel)
sthānam ca vijitātmanām
und Stellung bei denen, die sich selbst bezwungen haben (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Adj.Gen.Pl.)
pāṇḍaveṣu atha yuṣmāsu
bei den Pāṇḍavas wie bei euch (Lok.Pl. + Partikel + Pron.Lok.Pl.)
dharmaḥ tu abhyadhikaḥ tataḥ
die Pflicht aber ist dort überlegen (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Adj.Nom.Sg. + Adv.)
rājapiṇḍabhayād ete yadi hāsyanti jīvitam na hi śakṣyanti rājānaṃ yudhiṣṭhiram udīkṣitum
Wenn diese aus Furcht, das Brot des Königs undankbar zurückzulassen, eher ihr Leben aufgeben werden - denn sie werden nicht fähig sein, dem König Yudhiṣṭhira ins Auge zu blicken.
Wort für Wort
rājapiṇḍabhayāt ete
aus Furcht vor der Pflicht der Königsspeise, diese (Abl.Sg. + Pron.Nom.Pl.)
yadi hāsyanti jīvitam
wenn sie ihr Leben aufgeben werden (Konj. + Verb, Fut. 3.Pl. + Akk.Sg.)
na hi śakṣyanti rājānam
denn sie werden nicht fähig sein, dem König (Neg. + Partikel + Verb, Fut. 3.Pl. + Akk.Sg.)
yudhiṣṭhiram udīkṣitum
Yudhiṣṭhira ins Auge zu blicken (Akk.Sg. + Infinitiv)
Rājapiṇḍabhaya, wörtlich 'Furcht vor dem Königs-Speiseklumpen', bezeichnet die Scheu, die aus der Verpflichtung entsteht, für den Fürsten, dessen Speise man genossen hat, bis zum Letzten einzustehen; der genaue Sinn bleibt unsicher [?].
na lobhād arthasaṃpattir narāṇām iha dṛśyate tad alaṃ tāta lobhena praśāmya bharatarṣabha
Nicht aus Gier entsteht, wie man sieht, hier der Erwerb von Gut für die Menschen - lass daher, Lieber, die Gier sein und finde Frieden, Stier der Bharatas.‘
Wort für Wort
na lobhāt arthasaṃpattiḥ
nicht aus Gier der Erwerb von Gut (Neg. + Abl.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
narāṇām iha dṛśyate
der Menschen wird hier gesehen (Gen.Pl. + Adv. + Verb, Präs.Pass. 3.Sg.)
tat alam tāta lobhena
das genügt, Lieber, mit der Gier (Pron.Nom.Sg. + Adv. + Vok.Sg. + Instr.Sg.)
praśāmya bharatarṣabha
finde Frieden, Stier der Bharatas (Verb, Imp. 2.Sg. + Vok.Sg.)