Kapitel 58: Saṃjaya-Kṛṣṇa-Saṃvāda-Kathanam
Saṃjayas Bericht über Kṛṣṇas Botschaft
Dhṛtarāṣṭra fragt Saṃjaya erneut, was Kṛṣṇa und Arjuna gesprochen haben (SQ öffnet neu, Tiefe 0->1). Saṃjaya berichtet (close-reopen V.2, SQ bleibt Tiefe 1 durchgehend bis Kapitelende): Besuch im inneren Gemach, wo Kṛṣṇa, Arjuna, Draupadī und Satyabhāmā vereint sind (V.3-10, mehrere unsichere Bildverse [?] bei V.7/V.15), Saṃjayas Furcht beim Anblick der beiden 'Indra-Viṣṇu-gleichen' Männer und seine Gewissheit von Yudhiṣṭhiras Erfolg (V.11-17). Eingebettetes CQ-Zitat von Kṛṣṇas Rede an Dhṛtarāṣṭra (V.18-28): Aufruf zu Opfern/Vorbereitung auf den Tod, Erinnerung an Draupadīs Hilferuf 'Govinda!' beim Würfelspiel als 'Schuld', Lob von Arjunas Unbesiegbarkeit (Verweis auf Virāṭanagara-Episode). V.29 schließt das CQ-Zitat explizit ('ity abravīt', Tiefe 1->0); 'saṃjaya uvāca' dort ist nur formelhaft, kein echter Sprecherwechsel (SQ bleibt Tiefe 1). V.30 kündigt Arjunas eigene Rede an (Fortsetzung vermutlich Kap.59), SQ bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1).
saṃjaya uvāca śṛṇu rājan yathā dṛṣṭau mayā kṛṣṇadhanaṃjayau ūcatuś cāpi yad vīrau tat te vakṣyāmi bhārata
‘Saṃjaya sprach: ‚Höre, o König, wie ich Kṛṣṇa und Dhanaṃjaya sah, und was die beiden Helden sprachen, das werde ich dir sagen, Bhārata.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
śṛṇu rājan yathā dṛṣṭau mayā kṛṣṇadhanaṃjayau
höre, o König, wie ich Kṛṣṇa und Dhanaṃjaya sah (2.Sg.Imp. + Vok. + Adv. + Nom.Dual.Ptz.Perf.Pass. + Instr. + Nom.Dual, Kompositum)
ūcatuś cāpi yad vīrau tat te vakṣyāmi bhārata
und was die beiden Helden sprachen, das werde ich dir sagen, Bhārata (3.Dual.Perf. + Konj. + Partikel + Akk. + Nom.Dual + Akk. + Dat. + 1.Sg.Fut. + Vok.)
[Anm.: Sprecherwechsel Dhṛtarāṣṭra->Saṃjaya (close-then-reopen, Tiefe bleibt 1). Beginn von Saṃjayas Bericht über seinen Besuch bei Kṛṣṇa und Arjuna.]
Auf die Zehen der Füße blickend, geläutert, mit gefalteten Händen, betrat ich das innere Gemach, o König, um es den beiden Menschengöttern zu verkünden.
Wort für Wort
pādāṅgulīr abhiprekṣan prayato 'haṃ kṛtāñjaliḥ
auf die Zehen der Füße blickend, geläutert, mit gefalteten Händen ich (Akk.Pl., Kompositum + Ptz.Präs.Nom. + Nom. + Nom. + Nom., Kompositum)
śuddhāntaṃ prāviśaṃ rājann ākhyātuṃ naradevayoḥ
betrat ich das innere Gemach, o König, um es den beiden Menschengöttern zu verkünden (Akk., Kompositum + 1.Sg.Impf. + Vok. + Infinitiv + Gen.Dual, Kompositum)
arjunotsaṅgagau pādau keśavasyopalakṣaye arjunasya ca kṛṣṇāyāṃ satyāyāṃ ca mahātmanaḥ
Ich bemerkte die Füße Keśavas, auf Arjunas Schoß ruhend, und [die Füße] Arjunas, des Großherzigen, auf denen der Kṛṣṇā und der Satyā [Satyabhāmā] [?].
Wort für Wort
arjunotsaṅgagau pādau keśavasyopalakṣaye
die Füße Keśavas, auf Arjunas Schoß ruhend, bemerkte ich (Akk.Dual, Kompositum + Akk.Dual + 1.Sg.Präs.Med.)
arjunasya ca kṛṣṇāyāṃ satyāyāṃ ca mahātmanaḥ
und die des Arjuna, des Großherzigen, bei Kṛṣṇā und bei Satyā (Gen. + Konj. + Lok. + Lok. + Konj. + Gen.)
[Anm.: Elliptischer Vers - genaue Konstruktion der zweiten Vershälfte unsicher [?], sinngemäß als Fortsetzung des Bildes gegenseitig ruhender Füße gedeutet (Kṛṣṇa auf Arjunas Schoß, Arjuna auf dem der beiden Frauen).]
Die Füße des Pārtha, mit aufwärts gerichteten Linien an den Sohlen, von günstigen Merkmalen, vom Fußschemel zurückgezogen, sah ich dort, die beiden glückverheißenden.
Wort für Wort
ūrdhvarekhatalau pādau pārthasya śubhalakṣaṇau
die Füße des Pārtha, mit aufwärts gerichteten Linien an den Sohlen, von günstigen Merkmalen (Nom.Dual, Kompositum + Nom.Dual + Gen. + Nom.Dual, Kompositum)
pādapīṭhād apahṛtau tatrāpaśyam ahaṃ śubhau
vom Fußschemel zurückgezogen, sah ich dort die beiden glückverheißenden (Abl., Kompositum + Nom.Dual.Ptz.Perf. + Adv.+1.Sg.Impf. + Nom. + Akk.Dual)
Wessen Anordnung diese beiden befolgen, dessen Wunsch wird sich erfüllen - der Entschluss des Dharma-Königs [wird sich erfüllen], das war damals meine Gewissheit.
wessen Anordnung diese beiden befolgen, dessen Wunsch wird sich erfüllen (Nom.Dual, Kompositum + Nom.Dual + Gen. + Nom. + Gen. + 3.Sg.Fut.Pass. + Nom.)
dharmarājasya niścayo me tadābhavat
der Entschluss des Dharma-Königs, das war damals meine Gewissheit (Gen., Kompositum + Nom. + Gen. + Adv.+3.Sg.Impf.)
satkṛtaś cānnapānābhyām ācchanno labdhasatkriyaḥ añjaliṃ mūrdhni saṃdhāya tau saṃdeśam acodayam
Geehrt mit Speise und Trank, bekleidet, nachdem ich gebührende Ehrung empfangen hatte, faltete ich die Hände über dem Haupt und trug den beiden meine Botschaft vor.
Wort für Wort
satkṛtaś cānnapānābhyām ācchanno labdhasatkriyaḥ
geehrt mit Speise und Trank, bekleidet, nachdem ich gebührende Ehrung empfangen hatte (Nom. + Konj. + Instr.Dual, Kompositum + Nom.Ptz.Perf. + Nom., Kompositum)
añjaliṃ mūrdhni saṃdhāya tau saṃdeśam acodayam
faltete ich die Hände über dem Haupt und trug den beiden meine Botschaft vor (Akk. + Lok. + Absolutiv + Akk.Dual + Akk. + 1.Sg.Impf.Kaus.)
Wie die Standarte Indras sich erhebend [?], mit allem Schmuck geschmückt, an Kraft Indra gleich, sprach Kṛṣṇa, [obwohl noch] sitzend, mich an.
Wort für Wort
indraketur ivotthāya sarvābharaṇabhūṣitaḥ
wie die Standarte Indras sich erhebend, mit allem Schmuck geschmückt (Nom., Kompositum + Partikel+Absolutiv + Nom., Kompositum)
indravīryopamaḥ kṛṣṇaḥ saṃviṣṭo mābhyabhāṣata
an Kraft Indra gleich, sprach Kṛṣṇa, sitzend, mich an (Nom., Kompositum + Nom. + Nom.Ptz.Perf. + Akk.+3.Sg.Impf.)
[Anm.: 'utthāya' (sich erhebend) und 'saṃviṣṭaḥ' (sitzend/liegend) im selben Vers wirken widersprüchlich [?] - vermutlich metaphorisch für majestätisches Auftreten trotz sitzender Haltung gemeint.]
vācaṃ sa vadatāṃ śreṣṭho hlādinīṃ vacanakṣamām trāsanīṃ dhārtarāṣṭrāṇāṃ mṛdupūrvāṃ sudāruṇām
Er, der Beste der Redner, [sprach] ein Wort, erfreulich, der Rede würdig, Furcht einflößend für die Dhārtarāṣṭras, anfangs sanft, doch im Kern überaus schrecklich.
Wort für Wort
vācaṃ sa vadatāṃ śreṣṭho hlādinīṃ vacanakṣamām
er, der Beste der Redner, ein Wort, erfreulich, der Rede würdig (Akk. + Nom. + Gen.Pl.Ptz.Präs. + Nom. + Akk. + Akk., Kompositum)
trāsanīṃ dhārtarāṣṭrāṇāṃ mṛdupūrvāṃ sudāruṇām
Furcht einflößend für die Dhārtarāṣṭras, anfangs sanft, doch überaus schrecklich (Akk. + Gen.Pl., Kompositum + Akk., Kompositum + Akk.)
ṛṇam etat pravṛddhaṃ me hṛdayān nāpasarpati yad govindeti cukrośa kṛṣṇā māṃ dūravāsinam
Diese angewachsene Schuld weicht nicht aus meinem Herzen, dass Kṛṣṇā nach mir, dem fern Weilenden, den Namen Govinda rief.
Wort für Wort
ṛṇam etat pravṛddhaṃ me hṛdayān nāpasarpati
diese angewachsene Schuld weicht nicht aus meinem Herzen (Nom. + Nom. + Nom.Ptz.Perf. + Gen. + Abl. + Neg.+3.Sg.Präs.)
yad govindeti cukrośa kṛṣṇā māṃ dūravāsinam
dass Kṛṣṇā 'Govinda!' schrie, nach mir, dem fern Weilenden (Konj. + Vok.+Zitatpartikel + 3.Sg.Perf. + Nom. + Akk. + Akk., Kompositum)
[Anm.: Bezug auf Draupadīs Hilferuf während der Verspottung im Dyūtaparva - 'Kṛṣṇā' = Draupadī. Der Ausruf selbst wird als indirekte Rede wiedergegeben statt als drittes, eingebettetes Zitat innerhalb von Kṛṣṇas bereits offenem CQ-Zitat (Tiefe bliebe sonst >1) - konsequent nach dem Prinzip, nie eine dritte Zitatebene einzuführen.]
Mit dem, dessen Bogen das glanzvolle, unbezwingbare Gāṇḍīva ist, mit dem Linkshändigen, der mich zum Gefährten hat, habt ihr hier Feindschaft begonnen.
Wort für Wort
tejomayaṃ durādharṣaṃ gāṇḍīvaṃ yasya kārmukam
dessen Bogen das glanzvolle, unbezwingbare Gāṇḍīva ist (Akk., Kompositum + Akk., Kompositum + Nom. + Gen. + Nom.)
maddvitīyena teneha vairaṃ vaḥ savyasācinā
mit dem, der mich zum Gefährten hat, habt ihr hier Feindschaft begonnen, mit dem Linkshändigen (Instr., Kompositum + Instr.+Adv. + Akk. + Gen.Pl. + Instr., Kompositum)
maddvitīyaṃ punaḥ pārthaṃ kaḥ prārthayitum icchati yo na kālaparīto vāpy api sākṣāt puraṃdaraḥ
Wer wünscht wohl, den Pārtha, der mich zum Gefährten hat, herauszufordern - außer einem, der schon vom Tod umfangen ist, oder selbst Purandara leibhaftig?
Er könnte mit seinen Armen die Erde emporheben, im Zorn diese Geschöpfe verbrennen, die Götter vom Himmel herabstürzen - wer auch immer Arjuna im Kampf besiegen könnte.
er könnte mit seinen Armen die Erde emporheben, im Zorn diese Geschöpfe verbrennen (Instr.Dual + Opt.3.Sg. + Akk. + Opt.3.Sg. + Nom. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
pātayet tridivād devān yo 'rjunaṃ samare jayet
die Götter vom Himmel herabstürzen - wer auch immer Arjuna im Kampf besiegen könnte (Opt.3.Sg.Kaus. + Abl. + Akk.Pl. + Nom. + Akk. + Lok. + Opt.3.Sg.)
ekena pāṇḍuputreṇa virāṭanagare yadā bhagnāḥ palāyanta diśaḥ paryāptaṃ tan nidarśanam
Als durch einen einzigen Sohn des Pāṇḍu in der Stadt Virāṭa die Geschlagenen in alle Richtungen flohen, das ist Beweis genug.
Wort für Wort
ekena pāṇḍuputreṇa virāṭanagare yadā bhagnāḥ
als durch einen einzigen Sohn des Pāṇḍu in der Stadt Virāṭa die Geschlagenen (Instr. + Instr., Kompositum + Lok., Kompositum + Adv. + Nom.Pl.Ptz.Perf.)
palāyanta diśaḥ paryāptaṃ tan nidarśanam
in alle Richtungen flohen, das ist Beweis genug (3.Pl.Impf.Med. + Akk.Pl. + Nom. + Nom. + Nom.)
[Anm.: Verweis auf die Ghoṣayātrā/Virāṭa-Rinderraub-Episode aus dem Virāṭaparva.]
balaṃ vīryaṃ ca tejaś ca śīghratā laghuhastatā aviṣādaś ca dhairyaṃ ca pārthān nānyatra vidyate
Kraft und Tapferkeit und Glanz, Schnelligkeit, Behändigkeit der Hand, Unverzagtheit und Standhaftigkeit - dies findet sich nirgendwo anders als beim Pārtha.
Wort für Wort
balaṃ vīryaṃ ca tejaś ca śīghratā laghuhastatā
Kraft und Tapferkeit und Glanz, Schnelligkeit, Behändigkeit der Hand (Nom. + Nom. + Konj. + Nom. + Konj. + Nom. + Nom., Kompositum)
aviṣādaś ca dhairyaṃ ca pārthān nānyatra vidyate
Unverzagtheit und Standhaftigkeit - dies findet sich nirgendwo anders als beim Pārtha (Nom. + Konj. + Nom. + Konj. + Abl. + Neg.+Adv. + 3.Sg.Präs.Med.Pass.)
[Anm.: Ende von Kṛṣṇas Rede (V.18-28, CQ schließt formal in V.29 mit 'ity abravīt').]