Kapitel 101: Bhogavatīvarṇanam Sumukhavaraṇam ca
Die Stadt Bhogavatī, und Mātali wählt Sumukha zum Schwiegersohn
Nārada führt seine ununterbrochene Rede fort und beschreibt Bhogavatī, die Nāga-Hauptstadt Vāsukis, sowie Śeṣa, den Weltenträger, und eine lange Reihe der Nāga-Namen aus Kaśyapas Geschlecht. Nach Nāradas Einladung zur Wahl fragt Mātali (in Kaṇvas Rahmenerzählung berichtet) nach einem bestimmten, besonders eindrucksvollen jungen Nāga - Nārada erklärt, dies sei Sumukha, Enkel Āryakas und Tochtersohn Vāmanas, dessen Vater Cikura kürzlich von Garuḍa getötet wurde. Mātali erklärt sich hocherfreut und entscheidet sich für Sumukha als Schwiegersohn, mit der Bitte, sich um die Verbindung zu bemühen und ihm seine Tochter Guṇakeśī zu geben.
Dies ist die Stadt namens Bhogavatī, von Vāsuki behütet, gleich wie die vortreffliche Stadt des Götterkönigs, Amarāvatī.
Wort für Wort
iyaṃ bhogavatī nāma purī vāsukipālitā
dies ist die Stadt namens Bhogavatī, von Vāsuki behütet (Nom. + Instr. + Nom. + Nom. Sg. Ppp.)
yādṛśī devarājasya purīvaryā amarāvatī
gleich wie die vortreffliche Stadt des Götterkönigs, Amarāvatī (Nom. + Gen. + Nom. + Nom.)
[Anm.: ,nārada uvāca' erscheint hier erneut, doch OHNE dass die vorige CQ (aus Kap.99-100) zuvor geschlossen wurde - Nāradas Rede läuft ununterbrochen weiter (CQ bleibt offen), daher KEIN neues CQ_OPEN, sondern Fortsetzung mit neuem Thema (die Nāga-Stadt Bhogavatī).]
Dies ist der Nāga Śeṣa, der dasteht, durch den diese Erde stets getragen wird - durch Askese, die höchste der Welt, von großer Macht.
Wort für Wort
eṣa śeṣaḥ sthitaḥ nāgaḥ yena iyaṃ dhāryate sadā
dies ist der Nāga Śeṣa, der dasteht, durch den diese Erde stets getragen wird (Nom. + Nom. + Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Instr. + Nom. + 3. Sg. Präs. Pass. + Adv.)
tapasā lokamukhyena prabhāvamahatā mahī
durch Askese, die höchste der Welt, von großer Macht - die Erde (Instr. + Instr. + Instr. + Nom.)
[Anm.: ,Śeṣa' (,der Übrigbleibende') ist der tausendköpfige Weltenschlangen-Nāga, der die Erde trägt.]
kaṇva uvāca mātalis tv ekam avyagraḥ satataṃ saṃnirīkṣya vai papraccha nāradaṃ tatra prītimān iva cābhavat
Kaṇva sprach: Mātali nun, ruhig auf einen einzigen beständig blickend, fragte dort fürwahr Nārada und schien erfreut zu sein.
Wort für Wort
mātaliḥ tu ekam avyagraḥ satataṃ saṃnirīkṣya vai
Mātali nun, ruhig auf einen einzigen beständig blickend, fürwahr (Nom. + Partikel + Akk. + Nom. + Adv. + Ger. + Partikel)
papraccha nāradaṃ tatra prītimān iva ca abhavat
fragte dort Nārada und schien erfreut zu sein (3. Sg. Perf. + Akk. + Adv. + Nom. + Vergleich + 3. Sg. Ipf.)
[Anm.: reine Übergangs-Erzählung Kaṇvas (Rahmenebene SQ) - kein Zitat, daher keine Anführungszeichen; das eigentliche Zitat von Mātalis Frage beginnt erst in V.019.]
praṇidhānena dhairyeṇa rūpeṇa vayasā ca me manaḥ praviṣṭo devarṣe guṇakeśyāḥ patir varaḥ
Durch seine Besonnenheit, Standhaftigkeit, Schönheit und sein Alter, o göttlicher Seher, ist mein Herz eingenommen - er wäre der vorzügliche Gatte für Guṇakeśī.“
Wort für Wort
praṇidhānena dhairyeṇa rūpeṇa vayasā ca me manaḥ
durch seine Besonnenheit, Standhaftigkeit, Schönheit und sein Alter ist mein Herz (Instr. + Instr. + Instr. + Instr. + Gen. + Nom.)
praviṣṭaḥ devarṣe guṇakeśyāḥ patiḥ varaḥ
eingenommen, o göttlicher Seher - er wäre der vorzügliche Gatte für Guṇakeśī (Nom. Sg. Ppp. + Vok. + Gen. + Nom. + Nom.)
[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Mātalis Frage; ,Guṇakeśī' ist der Name von Mātalis Tochter.]
Mātali, dessen Herz erfreut war, sehend, aus dem Anblick Sumukhas, teilte Nārada da dessen Erhabenheit, Geburt und Taten mit.
Wort für Wort
mātaliṃ prītimanasaṃ dṛṣṭvā sumukhadarśanāt
Mātali, dessen Herz erfreut war, sehend, aus dem Anblick Sumukhas (Akk. + Akk., Bahuvrīhi + Ger. + Abl.)
nivedayām āsa tadā māhātmyaṃ janma karma ca
teilte er da dessen Erhabenheit, Geburt und Taten mit (3. Sg. Perf. Kausativ + Adv. + Akk. + Akk. + Akk.)
[Anm.: reine Übergangs-Erzählung (Subjekt: Nārada, implizit) - kein direktes Zitat, daher keine Anführungszeichen; die eigentliche Rede Nāradas über Sumukha beginnt erst in V.023.]
Denn dessen Vater, der Nāga namens Cikura, o Mātali, wurde vor nicht langer Zeit von Vainateya dem Tod übergeben.“
Wort für Wort
etasya hi pitā nāgaḥ cikuraḥ nāma mātale
denn dessen Vater, der Nāga namens Cikura, o Mātali (Gen. + Nom. + Nom. + Instr. + Vok.)
nacirād vainateyena pañcatvam upapāditaḥ
wurde vor nicht langer Zeit von Vainateya dem Tod übergeben (Abl. + Instr. + Akk. + Nom. Sg. Ppp. Kausativ)
[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Nāradas Auskunft über Sumukhas Herkunft; ,Vainateya' ist Garuḍa, der Schlangenfeind; ,pañcatvam' (,der Zustand der fünf Elemente') ist eine Umschreibung für den Tod.]
tato 'bravīt prītamanā mātalir nāradaṃ vacaḥ eṣa me rucitas tāta jāmātā bhujagottamaḥ
Da sprach Mātali, erfreuten Herzens, zu Nārada ein Wort: „Dieser gefällt mir, o Vater, als Schwiegersohn, der Beste der Schlangen -
Wort für Wort
tataḥ abravīt prītamanāḥ mātaliḥ nāradaṃ vacaḥ
da sprach Mātali, erfreuten Herzens, zu Nārada ein Wort (Adv. + 3. Sg. Ipf. + Nom., Bahuvrīhi + Nom. + Akk. + Akk.)
eṣa me rucitaḥ tāta jāmātā bhujagottamaḥ
dieser gefällt mir, o Vater, als Schwiegersohn, der Beste der Schlangen (Nom. + Dat. + Nom. Sg. Ppp. + Vok. + Nom. + Nom.)
[Anm.: CQ öffnet hier neu innerhalb desselben Verses, nach der Erzähler-Einleitung ,tato 'bravīt...vacaḥ' - Mātalis Entscheidung beginnt; ,tāta' (,Vater/Väterchen') ist hier liebevolle Anrede Nāradas.]
kriyatām atra yatno hi prītimān asmy anena vai asya nāgapater dātuṃ priyāṃ duhitaraṃ mune
Es werde hier Mühe aufgewandt, denn ich bin wahrlich von ihm erfreut - diesem Schlangenherrn meine liebe Tochter zu geben, o Weiser.
Wort für Wort
kriyatām atra yatnaḥ hi prītimān asmi anena vai
es werde hier Mühe aufgewandt, denn ich bin wahrlich von ihm erfreut (3. Sg. Präs. Pass. Imperativ + Adv. + Nom. + Partikel + Nom. + 1. Sg. Präs. + Instr. + Partikel)
asya nāgapateḥ dātuṃ priyāṃ duhitaraṃ mune
diesem Schlangenherrn meine liebe Tochter zu geben, o Weiser (Gen. + Inf. + Akk. + Akk. + Vok.)
[Anm.: CQ bleibt am Kapitelende offen - Mātalis Entscheidung für Sumukha als Schwiegersohn setzt sich fort; Fortsetzung in Kap.102 erwartet.]