Kapitel 112: Yayātyupasthānam
Ankunft bei König Yayāti
Suparṇa erklärt Gālava zunächst die mythologische Herkunft des Goldes (hiraṇya) und warum es nicht einfach zu erlangen sei, und schlägt vor, den mächtigen, freigebigen König Yayāti aus der Soma-Dynastie um Hilfe zu bitten. Beide begeben sich nach Pratiṣṭhāna zu Yayāti. Nach gastlichem Empfang berichtet Garuḍa von Gālavas Askese bei Viśvāmitra, dessen Entlassung und der (indirekt wiedergegebenen) Forderung nach 800 besonderen Pferden als Lehrerlohn - eine Forderung, an deren Erfüllung Gālava gescheitert ist. Garuḍa bittet Yayāti, als würdiger Geber einem würdigen Empfänger zu helfen, und preist den Lohn der Pferdespende.
Nārada sprach: Dann sprach Suparṇa, der Beste der Flieger, zu dem elenden Gālava: Das Gold, von Feuer auf der Erde geschaffen und ebenso vom Wind gemehrt - weil alles Goldene (hiraṇmaya) daraus besteht, wird es deshalb Hiraṇya genannt.
Nārada sprach: Dann sprach Suparṇa, der Beste der Flieger, zu dem elenden Gālava (Nom. + 3. Sg. Perf. + Adv. + 3. Sg. Perf. + Akk. + Akk. + Nom. + Gen. Pl. + Nom.)
nirmitaṃ vahninā bhūmau vāyunā vaidhitaṃ tathā yasmāt hiraṇmayaṃ sarvaṃ hiraṇyaṃ tena ca ucyate
das Gold, von Feuer auf der Erde geschaffen und ebenso vom Wind gemehrt - weil alles Goldene daraus besteht, wird es deshalb Hiraṇya genannt (Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Lok. + Instr. + Nom. Sg. Ppp. + Adv. + Abl. + Nom. + Nom. + Nom. + Instr. + Partikel + 3. Sg. Präs. Pass.)
[Anm.: 'nārada uvāca' erscheint hier erneut, Fortsetzung von Nāradas ununterbrochener Rahmenerzählung (SQ bleibt offen); Suparṇas seit Kap.111 offene Rede setzt sich unmittelbar fort (keine neuen CQ-Marken, da kein Abschluss erfolgte). Volksetymologie: hiraṇmaya (,golden') von hiraṇya (,Gold') abgeleitet.]
Beständig, durch die beiden Proṣṭhapadā-Sternbilder und durch Śukra, den Herrn des Reichtums, nimmt Śukra den Menschen den durch Gier erworbenen Reichtum.
Wort für Wort
nityaṃ proṣṭhapadābhyāṃ ca śukre dhanapatau tathā
beständig, durch die beiden Proṣṭhapadā-Sternbilder und durch Śukra, den Herrn des Reichtums (Adv. + Instr. Dual + Partikel + Lok. + Lok. + Adv.)
manuṣyebhyaḥ samādatte śukraḥ cittārjitaṃ dhanam
nimmt Śukra den Menschen den durch Gier erworbenen Reichtum (Abl. Pl. + 3. Sg. Präs. Med. + Nom. + Akk., Bahuvrīhi + Akk.)
ajaikapādahirbudhnyai rakṣyate dhanadena ca evaṃ na śakyate labdhum alabdhavyaṃ dvijarṣabha
Es wird von Ajaikapāda und Ahirbudhnya sowie vom Schätzespender bewacht; so lässt sich das nicht zu Erlangende nicht erlangen, o Bulle der Zweimalgeborenen.
Wort für Wort
ajaikapādahirbudhnyai rakṣyate dhanadena ca
es wird von Ajaikapāda und Ahirbudhnya sowie vom Schätzespender bewacht (Instr., Dvandva + 3. Sg. Präs. Pass. + Instr. + Partikel)
evaṃ na śakyate labdhum alabdhavyaṃ dvijarṣabha
so lässt sich das nicht zu Erlangende nicht erlangen, o Bulle der Zweimalgeborenen (Adv. + Neg. + 3. Sg. Präs. Pass. + Inf. + Nom., Ger.-Verbaladj. + Vok.)
ṛte ca dhanam aśvānāṃ nāvāptir vidyate tava arthaṃ yācātra rājānaṃ kaṃ cid rājarṣivaṃśajam apīḍya rājā paurān hi yo nau kuryāt kṛtārthinau
Ohne Reichtum gibt es für dich kein Erlangen der Pferde; bitte hier um die Mittel bei irgendeinem König aus der Linie eines königlichen Sehers - einem König, der, ohne seine Bürger zu bedrängen, uns beide zum Ziel führen könnte.
Wort für Wort
ṛte ca dhanam aśvānāṃ na āvāptiḥ vidyate tava
ohne Reichtum gibt es für dich kein Erlangen der Pferde (Präp. + Partikel + Nom. + Gen. Pl. + Neg. + Nom. + 3. Sg. Präs. Pass. + Gen.)
bitte hier um die Mittel bei irgendeinem König aus der Linie eines königlichen Sehers - einem König, der, ohne seine Bürger zu bedrängen, uns beide zum Ziel führen könnte (Akk. + Imperativ + Adv. + Akk. + Akk. + Akk., Bahuvrīhi + Ger. + Nom. + Akk. Pl. + Partikel + Nom. + Gen. Dual + 3. Sg. Opt. + Akk. Dual, Bahuvrīhi)
Der königliche Seher namens Yayāti, Sohn des Nahuṣa, von wahrhaftiger Tapferkeit - er wird geben, wenn er von mir angesprochen und von dir selbst gebeten wird.
Wort für Wort
yayātiḥ nāma rājarṣiḥ nāhuṣaḥ satyavikramaḥ
der königliche Seher namens Yayāti, Sohn des Nahuṣa, von wahrhaftiger Tapferkeit (Nom. + Instr. + Nom. + Nom. + Nom., Bahuvrīhi)
saḥ dāsyati mayā ca uktaḥ bhavatā ca arthitaḥ svayam
er wird geben, wenn er von mir angesprochen und von dir selbst gebeten wird (Nom. + 3. Sg. Fut. + Instr. + Partikel + Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Partikel + Nom. Sg. Ppp. + Adv.)
vibhavaś cāsya sumahān āsīd dhanapater iva evaṃ sa tu dhanaṃ vidvān dānenaiva vyaśodhayat
Und sein Reichtum war überaus groß, wie der des Schätzeherrn; doch er, um das Wesen des Reichtums wissend, läuterte ihn allein durch Freigebigkeit.
Wort für Wort
vibhavaḥ ca asya sumahān āsīt dhanapateḥ iva
und sein Reichtum war überaus groß, wie der des Schätzeherrn (Nom. + Partikel + Gen. + Nom. + 3. Sg. Ipf. + Gen. + Vergleich)
evaṃ saḥ tu dhanaṃ vidvān dānena eva vyaśodhayat
doch er, um das Wesen des Reichtums wissend, läuterte ihn allein durch Freigebigkeit (Adv. + Nom. + Partikel + Akk. + Nom. Sg. Perf. Part. + Instr. + Partikel + 3. Sg. Ipf. Kausativ)
tathā tau kathayantau ca cintayantau ca yat kṣamam pratiṣṭhāne narapatiṃ yayātiṃ pratyupasthitau
“So gelangten die beiden, miteinander redend und bedenkend, was angemessen sei, zu König Yayāti in Pratiṣṭhāna.
Wort für Wort
tathā tau kathayantau ca cintayantau ca yat kṣamam
so die beiden, miteinander redend und bedenkend, was angemessen sei (Adv. + Nom. Dual + Nom. Dual Part. Präs. + Partikel + Nom. Dual Part. Präs. + Partikel + Nom. + Nom.)
pratiṣṭhāne narapatim yayātim pratyupasthitau
gelangten zu König Yayāti in Pratiṣṭhāna (Lok. + Akk. + Akk. + Nom. Dual Ppp.)
[Anm.: Suparṇas Rede (offen seit Kap.111 V.022) schließt hier implizit - die Erzählung wechselt zu reiner Handlungsbeschreibung.]
Und nachdem sie die Gastfreundschaft empfangen hatten - die Ehrengabe des Arghya und dergleichen sowie vortreffliche Speise - und nach dem Grund ihres Kommens gefragt worden war, sprach der Sohn der Vinatā.
Wort für Wort
pratigṛhya ca satkāram arghādim bhojanam varam
und nachdem sie die Gastfreundschaft empfangen hatten - die Ehrengabe des Arghya und dergleichen sowie vortreffliche Speise (Ger. + Partikel + Akk. + Akk. + Akk. + Akk.)
pṛṣṭaḥ ca āgamane hetum uvāca vinatāsutaḥ
und nach dem Grund ihres Kommens gefragt, sprach der Sohn der Vinatā (Nom. Sg. Ppp. + Partikel + Lok. + Akk. + 3. Sg. Perf. + Nom.)
„Dies hier ist mein Freund, o Sohn des Nahuṣa, Gālava, ein Schatzhaus der Askese; er war der Schüler Viśvāmitras, für zehntausende von Jahren, o König.
Wort für Wort
ayam me nāhuṣa sakhā gālavaḥ tapasaḥ nidhiḥ
dies hier ist mein Freund, o Sohn des Nahuṣa, Gālava, ein Schatzhaus der Askese (Nom. + Gen. + Vok. + Nom. + Nom. + Gen. + Nom.)
viśvāmitrasya śiṣyaḥ abhūt varṣāṇi ayutaśaḥ nṛpa
er war der Schüler Viśvāmitras, für zehntausende von Jahren, o König (Gen. + Nom. + 3. Sg. Ipf. + Akk. Pl. + Adv. + Vok.)
so 'yaṃ tenābhyanujñāta upakārepsayā dvijaḥ tam āha bhagavān kāṃ te dadāni gurudakṣiṇām
Dieser Zweimalgeborene, von ihm aus Wunsch, einen Dienst zu erweisen, entlassen, fragte ihn, den Verehrungswürdigen, was er ihm als Lehrerlohn geben solle.
Wort für Wort
saḥ ayam tena abhyanujñātaḥ upakārepsayā dvijaḥ
dieser Zweimalgeborene, von ihm aus Wunsch, einen Dienst zu erweisen, entlassen (Nom. + Nom. + Instr. + Nom. Sg. Ppp. + Instr.)
tam āha bhagavān kāṃ te dadāni gurudakṣiṇām
fragte ihn, den Verehrungswürdigen, was er ihm als Lehrerlohn geben solle (Akk. + 3. Sg. Perf. + Nom. + Akk. + Gen. + 1. Sg. Konj. + Akk.)
[Anm.: dritte Zitatebene vermieden - Gālavas ursprüngliche Frage an Viśvāmitra wird hier (V.012-015) indirekt wiedergegeben, da sie innerhalb von Garuḍas bereits als CQ markierter Rede an Yayāti läge.]
ekataḥśyāmakarṇānāṃ śubhrāṇāṃ śuddhajanmanām aṣṭau śatāni me dehi hayānāṃ candravarcasām
Achthundert Pferde solle er ihm geben, einseitig dunkelohrig, weiß, von reiner Abstammung, mit dem Glanz des Mondes.
Wort für Wort
ekataḥśyāmakarṇānāṃ śubhrāṇāṃ śuddhajanmanām
einseitig dunkelohrige, weiße, von reiner Abstammung (Gen. Pl., Bahuvrīhi + Gen. Pl. + Gen. Pl., Bahuvrīhi)
aṣṭau śatāni me dehi hayānām candravarcasām
achthundert Pferde solle er ihm geben, mit dem Glanz des Mondes [wörtlich: gib mir] (Num. + Akk. Pl. + Dat. + Imperativ [in indir. Rede] + Gen. Pl. + Gen. Pl., Bahuvrīhi)
[Anm.: Ende der indirekt wiedergegebenen Rede Viśvāmitras (V.012-015), die andernfalls eine dritte Zitatebene innerhalb von Garuḍas Rede an Yayāti gebildet hätte.]
Nachdem er von dir, o Tiger unter den Männern, die Gabe empfangen hat, wird er, seines Leides ledig, nach Erfüllung der Schuld an seinen Lehrer, große Askese üben.
tapasaḥ saṃvibhāgena bhavantam api yokṣyate svena rājarṣitapasā pūrṇaṃ tvāṃ pūrayiṣyati
Durch das Teilen seiner Askese wird er auch dich damit verbinden; mit seiner eigenen königlichen Seher-Askese wird er dich, der du schon voll bist, noch mehr erfüllen.
Wort für Wort
tapasaḥ saṃvibhāgena bhavantam api yokṣyate
durch das Teilen seiner Askese wird er auch dich damit verbinden (Gen. + Instr. + Akk. + Partikel + 3. Sg. Fut. Med.)
svena rājarṣitapasā pūrṇaṃ tvāṃ pūrayiṣyati
mit seiner eigenen königlichen Seher-Askese wird er dich, der du schon voll bist, noch mehr erfüllen (Instr. + Instr. + Akk. + Akk. + 3. Sg. Fut.)
Dieser hier ist ein würdiges Gefäß, um zu empfangen, und du bist ebenso ein würdiges Gefäß, um zu geben; wie Milch in einer Muschelschale möge dies ein passendes Gleichnis sein.
dieser hier ist ein würdiges Gefäß, um zu empfangen, und du bist ebenso ein würdiges Gefäß, um zu geben (Nom. + Gen. + Nom. + Inf. + Nom. + Adv. + Nom.)