Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 171: Ambāvākyam Ambās Bitte an Bhīṣma

Bhīṣma setzt seine Erzählung fort: Er berichtete Satyavatī von der Entführung und Vicitravīryas bevorstehender Hochzeit; als diese vorbereitet wurde, wandte sich die älteste Prinzessin Ambā beschämt an Bhīṣma und offenbarte, dass sie bereits zuvor heimlich den König von Śālva zu ihrem Gatten erwählt habe, und bat ihn, sie ziehen zu lassen, da er als rechtschaffener Kaurava sie, die einem anderen zugetan sei, nicht zurückhalten solle. (Ambās Rede wird - wie schon Bhīṣmas und Satyavatīs kurze Worte in Kap.170f. - als indirekte Rede wiedergegeben, da sie innerhalb von Bhīṣmas eigener, bereits wörtlich zitierter Erzählung eine dritte Zitierebene beanspruchen würde.)

bhīṣma uvāca tato 'haṃ bharataśreṣṭha mātaraṃ vīramātaram abhigamyopasaṃgṛhya dāśeyīm idam abruvam

Darauf ging ich, Bester der Bharatas, zu meiner Mutter, der Mutter der Helden, der Tochter des Fischers, umarmte sie und berichtete ihr,

Wort für Wort
tataḥ
darauf (Adv.)
aham
ich (Nom. Sg.)
bharataśreṣṭha
o Bester der Bharatas (Vok. Sg.)
mātaram
zu meiner Mutter (Akk. Sg.)
vīramātaram
der Mutter der Helden (Akk. Sg.)
abhigamya
gegangen habend (Absol.)
upasaṃgṛhya
umarmt habend (Absol.)
dāśeyīm
die Tochter des Fischers (Akk. Sg.)
idam
dies (Akk. Sg.)
abruvam
ich sagte (Impf. 1. Sg., hier indirekt wiedergegeben)

[?] Bhīṣmas eigene, im Sanskrit als direkte Rede eingeleitete Worte an Satyavatī ('idam abruvam') werden hier - wie schon in Kap.170 - als indirekte Rede wiedergegeben, da innerhalb seiner bereits laufenden wörtlichen Erzählung keine weitere Zitierebene zur Verfügung steht.

imāḥ kāśipateḥ kanyā mayā nirjitya pārthivān vicitravīryasya kṛte vīryaśulkā upārjitāḥ

dass ich diese Töchter des Königs von Kāśī, nachdem ich die Könige besiegt hatte, für Vicitravīrya als durch Tapferkeit gewonnenen Brautpreis erworben habe.

Wort für Wort
imāḥ
diese (Akk. Pl.)
kāśipateḥ
des Königs von Kāśī (Gen. Sg.)
kanyāḥ
Töchter (Akk. Pl.)
mayā
von mir (Instr. Sg.)
nirjitya
besiegt habend (Absol.)
pārthivān
die Könige (Akk. Pl.)
vicitravīryasya
für Vicitravīrya (Gen. Sg.)
kṛte
für die Sache (Adv.)
vīryaśulkāḥ
durch Tapferkeit gewonnener Brautpreis (Akk. Pl.)
upārjitāḥ
erworben (Akk. Pl. Past Part.)

tato mūrdhany upāghrāya paryaśrunayanā nṛpa āha satyavatī hṛṣṭā diṣṭyā putra jitaṃ tvayā

Darauf, mein Haupt küssend, mit tränenerfüllten Augen, o König, sprach Satyavatī erfreut, dass es ein Glück sei, dass ich, ihr Sohn, gesiegt habe.

Wort für Wort
tataḥ
darauf (Adv.)
mūrdhani
das Haupt (Akk. Sg., hier Loc.-Form)
upāghrāya
geküsst habend (Absol.)
paryaśrunayanā
mit tränenerfüllten Augen (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
nṛpa
o König (Vok. Sg.)
āha
sprach (Perf. 3. Sg.)
satyavatī
Satyavatī (Nom. Sg.)
hṛṣṭā
erfreut (Nom. Sg. Past Part.)
diṣṭyā
ein Glück (Instr. Sg., Ausruf)
putra
o Sohn (Vok. Sg., hier indirekt)
jitam
gesiegt (Nom. Sg. Past Part.)
tvayā
von dir (Instr. Sg., hier indirekt)

[?] Auch Satyavatīs kurzer Ausspruch wird, aus demselben Grund, indirekt wiedergegeben.

satyavatyās tv anumate vivāhe samupasthite uvāca vākyaṃ savrīḍā jyeṣṭhā kāśipateḥ sutā

Als mit Satyavatīs Zustimmung die Hochzeit bevorstand, sprach schamerfüllt die älteste Tochter des Königs von Kāśī folgende Worte, nämlich

Wort für Wort
satyavatyāḥ
der Satyavatī (Gen. Sg.)
tu
aber (Partikel)
anumate
mit Zustimmung (Loc. Sg. Past Part.)
vivāhe
die Hochzeit (Loc. Sg.)
samupasthite
bevorstehend (Loc. Sg. Past Part.)
uvāca
sprach (Perf. 3. Sg.)
vākyam
Worte (Akk. Sg.)
savrīḍā
schamerfüllt (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
jyeṣṭhā
die älteste (Nom. Sg.)
kāśipateḥ
des Königs von Kāśī (Gen. Sg.)
sutā
Tochter (Nom. Sg.)

bhīṣma tvam asi dharmajñaḥ sarvaśāstraviśāradaḥ śrutvā ca dharmyaṃ vacanaṃ mahyaṃ kartum ihārhasi

dass ich, Bhīṣma, rechtskundig sei, aller Schriften erfahren, und dass ich, nachdem ich ihre rechtmäßige Rede gehört habe, hier ihr zu Willen sein möge;

Wort für Wort
bhīṣma
o Bhīṣma (Vok. Sg., hier indirekt)
tvam
du (Nom. Sg., hier indirekt)
asi
bist (Präs. 2. Sg., hier indirekt)
dharmajñaḥ
rechtskundig (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
sarvaśāstraviśāradaḥ
aller Schriften erfahren (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
śrutvā
gehört habend (Absol.)
ca
und (Partikel)
dharmyam
rechtmäßige (Akk. Sg.)
vacanam
Rede (Akk. Sg.)
mahyam
ihr (Dat. Sg., hier indirekt für 'mir')
kartum
zu tun (Inf.)
iha
hier (Adv.)
arhasi
mögest du (Präs. 2. Sg., hier indirekt)

[?] Ambās gesamte, im Sanskrit direkt zitierte Rede (V.5-9, an Bhīṣma gerichtet) wird konsequent als indirekte Rede wiedergegeben, da sie innerhalb der bereits als wörtliche Rede gesetzten Erzählung Bhīṣmas liegt (dritte Zitierebene).

mayā śālvapatiḥ pūrvaṃ manasābhivṛto varaḥ tena cāsmi vṛtā pūrvaṃ rahasy avidite pituḥ

dass sie zuvor in Gedanken den Herrn von Śālva als Gatten erwählt habe, und dass sie von ihm zuvor im Geheimen, ohne Wissen ihres Vaters, erwählt worden sei;

Wort für Wort
mayā
von ihr (Instr. Sg., hier indirekt für 'von mir')
śālvapatiḥ
der Herr von Śālva (Nom. Sg.)
pūrvam
zuvor (Adv.)
manasā
in Gedanken (Instr. Sg.)
abhivṛtaḥ
erwählt (Nom. Sg. Past Part.)
varaḥ
als Gatte (Nom. Sg.)
tena
von ihm (Instr. Sg.)
ca
und (Partikel)
asmi
bin (Präs. 1. Sg., hier indirekt)
vṛtā
erwählt (Nom. Sg. Past Part.)
pūrvam
zuvor (Adv.)
rahasi
im Geheimen (Loc. Sg.)
avidite
ohne Wissen (Loc. Sg. Past Part.)
pituḥ
ihres Vaters (Gen. Sg.)

kathaṃ mām anyakāmāṃ tvaṃ rājañ śāstram adhītya vai vāsayethā gṛhe bhīṣma kauravaḥ san viśeṣataḥ

wie ich, o König, der die Schriften studiert habe, sie, die einem anderen zugeneigt sei, in meinem Haus wohnen lassen könne, ich, Bhīṣma, zumal ich ein Kaurava sei;

Wort für Wort
katham
wie (Interrog.)
mām
sie (Akk. Sg., hier indirekt für 'mich')
anyakāmām
einem anderen zugeneigte (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
tvam
du (Nom. Sg., hier indirekt für 'ich')
rājan
o König (Vok. Sg., hier indirekt)
śāstram
die Schriften (Akk. Sg.)
adhītya
studiert habend (Absol.)
vai
wahrlich (Partikel)
vāsayethāḥ
könntest du wohnen lassen (Opt. Kaus. 2. Sg., hier indirekt)
gṛhe
in meinem Haus (Loc. Sg.)
bhīṣma
o Bhīṣma (Vok. Sg., hier indirekt)
kauravaḥ
ein Kaurava (Nom. Sg.)
san
seiend (Nom. Sg. Präs. Part.)
viśeṣataḥ
zumal (Adv.)

etad buddhyā viniścitya manasā bharatarṣabha yat kṣamaṃ te mahābāho tad ihārabdhum arhasi

dass ich dies mit Verstand und Bedacht erwägen und das tun solle, was mir angemessen erscheine, Starkarmiger;

Wort für Wort
etat
dies (Akk. Sg.)
buddhyā
mit Verstand (Instr. Sg.)
viniścitya
erwogen habend (Absol.)
manasā
mit Bedacht (Instr. Sg.)
bharatarṣabha
o Stier der Bharatas (Vok. Sg., hier indirekt)
yat
was (Nom. Sg.)
kṣamam
angemessen (Nom. Sg.)
te
dir (Dat. Sg., hier indirekt für 'mir')
mahābāho
o Starkarmiger (Vok. Sg., hier indirekt)
tat
das (Akk. Sg.)
iha
hier (Adv.)
ārabdhum
zu unternehmen (Inf.)
arhasi
mögest du (Präs. 2. Sg., hier indirekt)

sa māṃ pratīkṣate vyaktaṃ śālvarājo viśāṃ pate kṛpāṃ kuru mahābāho mayi dharmabhṛtāṃ vara tvaṃ hi satyavrato vīra pṛthivyām iti naḥ śrutam

dass der König von Śālva offenkundig auf sie warte, und dass ich Mitleid mit ihr haben möge, ich, Bester der Rechtschaffenen, denn ich sei, wie man auf Erden von mir gehört habe, dem Wahren verpflichtet.

Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
mām
sie (Akk. Sg., hier indirekt für 'mich')
pratīkṣate
erwartet (Präs. Med. 3. Sg.)
vyaktam
offenkundig (Adv.)
śālvarājaḥ
der König von Śālva (Nom. Sg.)
viśām
der Völker (Gen. Pl.)
pate
o Herr (Vok. Sg., hier indirekt)
kṛpām
Mitleid (Akk. Sg.)
kuru
habe (Imp. 2. Sg., hier indirekt)
mahābāho
o Starkarmiger (Vok. Sg., hier indirekt)
mayi
mit ihr (Loc. Sg., hier indirekt für 'mit mir')
dharmabhṛtām
der Rechtschaffenen (Gen. Pl.)
vara
o Bester (Vok. Sg., hier indirekt)
tvam
du (Nom. Sg., hier indirekt für 'ich')
hi
denn (Partikel)
satyavrataḥ
dem Wahren verpflichtet (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
vīra
o Held (Vok. Sg., hier indirekt)
pṛthivyām
auf Erden (Loc. Sg.)
iti
so (Partikel)
naḥ
von mir (Instr. Pl., hier indirekt)
śrutam
gehört (Nom. Sg. Past Part.)

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