Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 36: Prajāgara-parva (36) Vidura-nīti V: Die Geschichte vom Schwan und den Sādhyas; die großen Familien; Aufruf zur Versöhnung

Vidura setzt seine Rede fort und erzählt die Geschichte vom weisen Schwan (dem 'Ātreya'), der einst von den Sādhya-Göttern nach den Grundlagen des rechten Wandels befragt wurde - eine Lehrrede über Geduld, maßvolle Rede, Freundschaft und die Wandelbarkeit des menschlichen Glücks. Am Ende dieser Lehrrede unterbricht Dhṛtarāṣṭra mit der Frage, was die 'großen Familien' ausmache; Vidura antwortet mit einem Katalog der Tugenden und Verfehlungen, die Familien erhöhen oder erniedrigen, gefolgt von Gleichnissen über Freundschaft, Uneinigkeit und den Zusammenhalt der Verwandten (die Bündel-Fäden- und Baumgruppen-Gleichnisse). Ein kurzer Wehruf Dhṛtarāṣṭras über seine eigene Verblendung leitet zu Viduras abschließendem Aufruf über: die Bedingungen inneren Friedens, die Schädlichkeit der Zwietracht, die Unverletzlichkeit bestimmter Wesen, das Gleichnis vom Zorn als bitterer Medizin, die direkte Erinnerung an das Wurfelspiel und Draupadīs Erniedrigung, und schließlich den unverhohlenen Appell, die Kauravas und Pāṇḍavas zu versöhnen und Duryodhana zu zügeln. Viduras Rede bleibt auch am Kapitelende offen.

vidura uvāca atraivodāharantīmam itihāsaṃ purātanam ātreyasya ca saṃvādaṃ sādhyānāṃ ceti naḥ śrutam

Vidura fuhr fort: Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte, das Zwiegespräch des Ātreya mit den Sādhya-Göttern, wie wir es vernommen haben.

Wort für Wort
vidura uvāca atraivodāharantīmam itihāsaṃ purātanam ātreyasya ca saṃvādaṃ sādhyānāṃ ceti naḥ śrutam
Vidura fuhr fort: Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte, das Zwiegespräch des Ātreya mit den Sādhya-Göttern, wie wir es vernommen haben.

Ātreya bezeichnet den Nachkommen des Atri; gemeint ist der im Folgenden auftretende große Weise in Schwanengestalt (Kap.36 V.2).

carantaṃ haṃsarūpeṇa maharṣiṃ saṃśitavratam sādhyā devā mahāprājñaṃ paryapṛcchanta vai purā

Einst befragten die Sādhya-Götter jenen hochweisen großen Weisen, der, von scharfen Gelübden, in Gestalt eines Schwans umherzog.

Wort für Wort
carantaṃ haṃsarūpeṇa maharṣiṃ saṃśitavratam sādhyā devā mahāprājñaṃ paryapṛcchanta vai purā
Einst befragten die Sādhya-Götter jenen hochweisen großen Weisen, der, von scharfen Gelübden, in Gestalt eines Schwans umherzog.

sādhyā devā vayam asmo maharṣe; dṛṣṭvā bhavantaṃ na śaknumo 'numātum śrutena dhīro buddhimāṃs tvaṃ mato naḥ; kāvyāṃ vācaṃ vaktum arhasy udārām

„Wir sind die Sādhya-Götter, o großer Weiser. Da wir dich sehen, vermögen wir dich nicht einzuschätzen; durch dein Wissen bist du, so meinen wir, weise und verständig - du solltest ein erhabenes, kunstvolles Wort sprechen.“

Wort für Wort
sādhyā devā vayam asmo maharṣe; dṛṣṭvā bhavantaṃ na śaknumo 'numātum śrutena dhīro buddhimāṃs tvaṃ mato naḥ; kāvyāṃ vācaṃ vaktum arhasy udārām
„Wir sind die Sādhya-Götter, o großer Weiser. Da wir dich sehen, vermögen wir dich nicht einzuschätzen; durch dein Wissen bist du, so meinen wir, weise und verständig - du solltest ein erhabenes, kunstvolles Wort sprechen.“

haṃsa uvāca etat kāryam amarāḥ saṃśrutaṃ me; dhṛtiḥ śamaḥ satyadharmānuvṛttiḥ granthiṃ vinīya hṛdayasya sarvaṃ; priyāpriye cātmavaśaṃ nayīta

Der Schwan sprach: „Dies, ihr Unsterblichen, ist mir als Aufgabe überliefert: Standhaftigkeit, Gleichmut, das Befolgen von Wahrheit und Rechtschaffenheit; man löse jeden Knoten des Herzens und bringe Liebes wie Unliebes gleichermaßen unter die eigene Gewalt.

Wort für Wort
haṃsa uvāca etat kāryam amarāḥ saṃśrutaṃ me; dhṛtiḥ śamaḥ satyadharmānuvṛttiḥ granthiṃ vinīya hṛdayasya sarvaṃ; priyāpriye cātmavaśaṃ nayīta
Der Schwan sprach: „Dies, ihr Unsterblichen, ist mir als Aufgabe überliefert: Standhaftigkeit, Gleichmut, das Befolgen von Wahrheit und Rechtschaffenheit; man löse jeden Knoten des Herzens und bringe Liebes wie Unliebes gleichermaßen unter die eigene Gewalt.

ākruśyamāno nākrośen manyur eva titikṣitaḥ ākroṣṭāraṃ nirdahati sukṛtaṃ cāsya vindati

Wer beschimpft wird, schmähe nicht zurück; der ertragene Zorn allein verbrennt den Schmähenden, und man gewinnt dessen gute Tat hinzu.

Wort für Wort
ākruśyamāno nākrośen manyur eva titikṣitaḥ ākroṣṭāraṃ nirdahati sukṛtaṃ cāsya vindati
Wer beschimpft wird, schmähe nicht zurück; der ertragene Zorn allein verbrennt den Schmähenden, und man gewinnt dessen gute Tat hinzu.

nākrośī syān nāvamānī parasya; mitradrohī nota nīcopasevī na cātimānī na ca hīnavṛtto; rūkṣāṃ vācaṃ ruśatīṃ varjayīta

Man sei kein Schmäher, kein Verächter anderer, kein Verräter an Freunden, diene nicht Niedrigen; man sei nicht überheblich, noch von niedrigem Wandel; man meide raue, verletzende Rede.

Wort für Wort
nākrośī syān nāvamānī parasya; mitradrohī nota nīcopasevī na cātimānī na ca hīnavṛtto; rūkṣāṃ vācaṃ ruśatīṃ varjayīta
Man sei kein Schmäher, kein Verächter anderer, kein Verräter an Freunden, diene nicht Niedrigen; man sei nicht überheblich, noch von niedrigem Wandel; man meide raue, verletzende Rede.

marmāṇy asthīni hṛdayaṃ tathāsūn; ghorā vāco nirdahantīha puṃsām tasmād vācaṃ ruśatīṃ rūkṣarūpāṃ; dharmārāmo nityaśo varjayīta

Grausame Worte verbrennen hier die empfindlichen Stellen, die Knochen, das Herz und die Lebensgeister der Menschen; darum meide, wer sich an Rechtschaffenheit erfreut, allzeit verletzende, raue Rede.

Wort für Wort
marmāṇy asthīni hṛdayaṃ tathāsūn; ghorā vāco nirdahantīha puṃsām tasmād vācaṃ ruśatīṃ rūkṣarūpāṃ; dharmārāmo nityaśo varjayīta
Grausame Worte verbrennen hier die empfindlichen Stellen, die Knochen, das Herz und die Lebensgeister der Menschen; darum meide, wer sich an Rechtschaffenheit erfreut, allzeit verletzende, raue Rede.

aruṃtudaṃ paruṣaṃ rūkṣavācaṃ; vākkaṇṭakair vitudantaṃ manuṣyān vidyād alakṣmīkatamaṃ janānāṃ; mukhe nibaddhāṃ nirṛtiṃ vahantam

Wer wunde Stellen aufreißt, roh und rau in der Rede ist und Menschen mit den Dornen seiner Worte sticht, den erkenne als den unglückseligsten der Menschen - er trägt das Unheil gleichsam im Mund gebunden.

Wort für Wort
aruṃtudaṃ paruṣaṃ rūkṣavācaṃ; vākkaṇṭakair vitudantaṃ manuṣyān vidyād alakṣmīkatamaṃ janānāṃ; mukhe nibaddhāṃ nirṛtiṃ vahantam
Wer wunde Stellen aufreißt, roh und rau in der Rede ist und Menschen mit den Dornen seiner Worte sticht, den erkenne als den unglückseligsten der Menschen - er trägt das Unheil gleichsam im Mund gebunden.

paraś ced enam adhividhyeta bāṇair; bhṛśaṃ sutīkṣṇair analārkadīptaiḥ viricyamāno 'py atiricyamāno; vidyāt kaviḥ sukṛtaṃ me dadhāti

[?] Auch wenn ein anderer ihn heftig mit sehr scharfen, feuer- und sonnengleich glühenden Pfeilen durchbohrt, so wisse der Weise: Selbst der [scheinbar] Übervorteilte trägt, indem er [Geduld übt] mehr als genug bei, mir Gutes zu.

Wort für Wort
paraś ced enam adhividhyeta bāṇair; bhṛśaṃ sutīkṣṇair analārkadīptaiḥ viricyamāno 'py atiricyamāno; vidyāt kaviḥ sukṛtaṃ me dadhāti
[?] Auch wenn ein anderer ihn heftig mit sehr scharfen, feuer- und sonnengleich glühenden Pfeilen durchbohrt, so wisse der Weise: Selbst der [scheinbar] Übervorteilte trägt, indem er [Geduld übt] mehr als genug bei, mir Gutes zu.

Die Verbform-Konstruktion 'viricyamāno 'py atiricyamānaḥ' ist stark verdichtet und lässt sich nur sinngemäß, nicht wörtlich wiedergeben; mit [?] gekennzeichnet.

yadi santaṃ sevate yady asantaṃ; tapasvinaṃ yadi vā stenam eva vāso yathā raṅgavaśaṃ prayāti; tathā sa teṣāṃ vaśam abhyupaiti

Ob man einem Guten dient oder einem Schlechten, einem Asketen oder gar einem Dieb - wie ein Gewand die Farbe annimmt, [mit der es gefärbt wird], so gerät man in die Prägung derer, denen man dient.

Wort für Wort
yadi santaṃ sevate yady asantaṃ; tapasvinaṃ yadi vā stenam eva vāso yathā raṅgavaśaṃ prayāti; tathā sa teṣāṃ vaśam abhyupaiti
Ob man einem Guten dient oder einem Schlechten, einem Asketen oder gar einem Dieb - wie ein Gewand die Farbe annimmt, [mit der es gefärbt wird], so gerät man in die Prägung derer, denen man dient.

vādaṃ tu yo na pravaden na vādayed; yo nāhataḥ pratihanyān na ghātayet yo hantukāmasya na pāpam icchet; tasmai devāḥ spṛhayanty āgatāya

Wer keinen Streit beginnt noch andere dazu anstiftet, wer, nicht geschlagen, nicht zurückschlägt noch andere schlagen lässt, wer dem, der ihn töten will, nichts Böses wünscht - nach einem solchen, der zu ihnen kommt, verlangt es die Götter.

Wort für Wort
vādaṃ tu yo na pravaden na vādayed; yo nāhataḥ pratihanyān na ghātayet yo hantukāmasya na pāpam icchet; tasmai devāḥ spṛhayanty āgatāya
Wer keinen Streit beginnt noch andere dazu anstiftet, wer, nicht geschlagen, nicht zurückschlägt noch andere schlagen lässt, wer dem, der ihn töten will, nichts Böses wünscht - nach einem solchen, der zu ihnen kommt, verlangt es die Götter.

avyāhṛtaṃ vyāhṛtāc chreya āhuḥ; satyaṃ vaded vyāhṛtaṃ tad dvitīyam priyaṃ vaded vyāhṛtaṃ tat tṛtīyaṃ; dharmyaṃ vaded vyāhṛtaṃ tac caturtham

Schweigen, sagt man, ist besser als Reden; spricht man aber, sei es die Wahrheit - das ist die zweite Stufe; spricht man Angenehmes - das ist die dritte; spricht man Rechtes - das ist die vierte.

Wort für Wort
avyāhṛtaṃ vyāhṛtāc chreya āhuḥ; satyaṃ vaded vyāhṛtaṃ tad dvitīyam priyaṃ vaded vyāhṛtaṃ tat tṛtīyaṃ; dharmyaṃ vaded vyāhṛtaṃ tac caturtham
Schweigen, sagt man, ist besser als Reden; spricht man aber, sei es die Wahrheit - das ist die zweite Stufe; spricht man Angenehmes - das ist die dritte; spricht man Rechtes - das ist die vierte.

yādṛśaiḥ saṃvivadate yādṛśāṃś copasevate yādṛg icchec ca bhavituṃ tādṛg bhavati pūruṣaḥ

Mit wem einer verkehrt, wem er dient und wer zu werden er begehrt - dem wird der Mensch gleich.

Wort für Wort
yādṛśaiḥ saṃvivadate yādṛśāṃś copasevate yādṛg icchec ca bhavituṃ tādṛg bhavati pūruṣaḥ
Mit wem einer verkehrt, wem er dient und wer zu werden er begehrt - dem wird der Mensch gleich.

yato yato nivartate tatas tato vimucyate nivartanād dhi sarvato na vetti duḥkham aṇv api

Wovon einer sich zurückzieht, davon wird er frei; wer sich von allem zurückzieht, kennt nicht einmal die geringste Ahnung von Leid.

Wort für Wort
yato yato nivartate tatas tato vimucyate nivartanād dhi sarvato na vetti duḥkham aṇv api
Wovon einer sich zurückzieht, davon wird er frei; wer sich von allem zurückzieht, kennt nicht einmal die geringste Ahnung von Leid.

na jīyate nota jigīṣate 'nyān; na vairakṛc cāpratighātakaś ca nindāpraśaṃsāsu samasvabhāvo; na śocate hṛṣyati naiva cāyam

Er wird nicht besiegt, noch will er andere besiegen; er stiftet keine Feindschaft und schlägt nicht zurück; in Tadel wie Lob gleichmütig, trauert er nicht, und er frohlockt auch nicht.

Wort für Wort
na jīyate nota jigīṣate 'nyān; na vairakṛc cāpratighātakaś ca nindāpraśaṃsāsu samasvabhāvo; na śocate hṛṣyati naiva cāyam
Er wird nicht besiegt, noch will er andere besiegen; er stiftet keine Feindschaft und schlägt nicht zurück; in Tadel wie Lob gleichmütig, trauert er nicht, und er frohlockt auch nicht.

bhāvam icchati sarvasya nābhāve kurute matim satyavādī mṛdur dānto yaḥ sa uttamapūruṣaḥ

Wer das Gedeihen aller wünscht und nicht auf ihren Untergang sinnt, wer wahrhaftig, sanft und beherrscht ist - der ist der höchste Mensch.

Wort für Wort
bhāvam icchati sarvasya nābhāve kurute matim satyavādī mṛdur dānto yaḥ sa uttamapūruṣaḥ
Wer das Gedeihen aller wünscht und nicht auf ihren Untergang sinnt, wer wahrhaftig, sanft und beherrscht ist - der ist der höchste Mensch.

nānarthakaṃ sāntvayati pratijñāya dadāti ca rāddhāparāddhe jānāti yaḥ sa madhyamapūruṣaḥ

Wer nicht ohne Grund beschwichtigt, wer, einmal versprochen, auch gibt, wer Gelingen und Misslingen zu unterscheiden weiß - der ist der mittlere Mensch.

Wort für Wort
nānarthakaṃ sāntvayati pratijñāya dadāti ca rāddhāparāddhe jānāti yaḥ sa madhyamapūruṣaḥ
Wer nicht ohne Grund beschwichtigt, wer, einmal versprochen, auch gibt, wer Gelingen und Misslingen zu unterscheiden weiß - der ist der mittlere Mensch.

duḥśāsanas tūpahantā na śāstā; nāvartate manyuvaśāt kṛtaghnaḥ na kasya cin mitram atho durātmā; kalāś caitā adhamasyeha puṃsaḥ

[?] Doch wer sich schwer bändigen lässt, ist ein Zerstörer, kein Lenker; von Zorn beherrscht, kehrt der Undankbare nicht um; er ist niemandes Freund und boshaft dazu - dies sind die Merkmale des niedrigsten der Menschen hier.

Wort für Wort
duḥśāsanas tūpahantā na śāstā; nāvartate manyuvaśāt kṛtaghnaḥ na kasya cin mitram atho durātmā; kalāś caitā adhamasyeha puṃsaḥ
[?] Doch wer sich schwer bändigen lässt, ist ein Zerstörer, kein Lenker; von Zorn beherrscht, kehrt der Undankbare nicht um; er ist niemandes Freund und boshaft dazu - dies sind die Merkmale des niedrigsten der Menschen hier.

'duḥśāsanaḥ' bedeutet wörtlich 'der schwer zu Bändigende'; ein möglicher bewusster Doppelsinn auf den gleichnamigen Sohn Dhṛtarāṣṭras (vgl. bereits Kap.33) ist nicht auszuschließen, aber nicht sicher zu belegen.

na śraddadhāti kalyāṇaṃ parebhyo 'py ātmaśaṅkitaḥ nirākaroti mitrāṇi yo vai so 'dhamapūruṣaḥ

Wer, sich selbst misstrauend, auch das von anderen angebotene Gute nicht glaubt und Freunde zurückweist - der ist der niedrigste Mensch.

Wort für Wort
na śraddadhāti kalyāṇaṃ parebhyo 'py ātmaśaṅkitaḥ nirākaroti mitrāṇi yo vai so 'dhamapūruṣaḥ
Wer, sich selbst misstrauend, auch das von anderen angebotene Gute nicht glaubt und Freunde zurückweist - der ist der niedrigste Mensch.

uttamān eva seveta prāpte kāle tu madhyamān adhamāṃs tu na seveta ya icchec chreya ātmanaḥ

Man diene stets den Höchsten, in gegebener Zeit auch den Mittleren; den Niedrigsten aber diene nicht, wer sein eigenes Heil wünscht.

Wort für Wort
uttamān eva seveta prāpte kāle tu madhyamān adhamāṃs tu na seveta ya icchec chreya ātmanaḥ
Man diene stets den Höchsten, in gegebener Zeit auch den Mittleren; den Niedrigsten aber diene nicht, wer sein eigenes Heil wünscht.

prāpnoti vai vittam asadbalena; nityotthānāt prajñayā pauruṣeṇa na tv eva samyag labhate praśaṃsāṃ; na vṛttam āpnoti mahākulānām

Zwar erlangt man Reichtum durch unlautere Kraft, durch stetigen Fleiß, durch Klugheit, durch Tatkraft - doch wahren Ruhm erlangt man dadurch nicht, noch erreicht man den Lebenswandel der großen Familien.“

Wort für Wort
prāpnoti vai vittam asadbalena; nityotthānāt prajñayā pauruṣeṇa na tv eva samyag labhate praśaṃsāṃ; na vṛttam āpnoti mahākulānām
Zwar erlangt man Reichtum durch unlautere Kraft, durch stetigen Fleiß, durch Klugheit, durch Tatkraft - doch wahren Ruhm erlangt man dadurch nicht, noch erreicht man den Lebenswandel der großen Familien.“

Hiermit endet die vom Schwan überlieferte Lehrrede; Vidura, der sie erzählt hat, wird im Folgenden von Dhṛtarāṣṭra unterbrochen.

dhṛtarāṣṭra uvāca mahākulānāṃ spṛhayanti devā; dharmārthavṛddhāś ca bahuśrutāś ca pṛcchāmi tvāṃ vidura praśnam etaṃ; bhavanti vai kāni mahākulāni

‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Nach großen Familien verlangt es die Götter, die an Recht und Nutzen gewachsenen und vielgelehrten Weisen; ich frage dich, Vidura, dies: was sind die großen Familien?‘

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca mahākulānāṃ spṛhayanti devā; dharmārthavṛddhāś ca bahuśrutāś ca pṛcchāmi tvāṃ vidura praśnam etaṃ; bhavanti vai kāni mahākulāni
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Nach großen Familien verlangt es die Götter, die an Recht und Nutzen gewachsenen und vielgelehrten Weisen; ich frage dich, Vidura, dies: was sind die großen Familien?‘

Hier schließt zunächst Viduras seit Kap.34 offene Rede (samt der darin erzählten Schwanen-Geschichte), bevor Dhṛtarāṣṭras kurze Frage eine neue, sofort wieder geschlossene Rahmung bildet.

vidura uvāca tapo damo brahmavit tvaṃ vitānāḥ; puṇyā vivāhāḥ satatānnadānam yeṣv evaite sapta guṇā bhavanti; samyag vṛttās tāni mahākulāni

Vidura sprach: ‚Askese, Selbstbeherrschung, Vedenkenntnis, große Opferhandlungen, heilige Eheschließungen, beständiges Verschenken von Speise - in wem diese Eigenschaften recht verwirklicht sind, das sind die großen Familien.

Wort für Wort
vidura uvāca tapo damo brahmavit tvaṃ vitānāḥ; puṇyā vivāhāḥ satatānnadānam yeṣv evaite sapta guṇā bhavanti; samyag vṛttās tāni mahākulāni
Vidura sprach: ‚Askese, Selbstbeherrschung, Vedenkenntnis, große Opferhandlungen, heilige Eheschließungen, beständiges Verschenken von Speise - in wem diese Eigenschaften recht verwirklicht sind, das sind die großen Familien.

[?] Der Vers spricht von 'sieben Eigenschaften' ('sapta guṇāḥ'), doch die aufgezählten Begriffe lassen sich nur mit Mühe eindeutig in sieben Einzelglieder aufteilen; die Übersetzung folgt dem überlieferten Wortlaut, ohne eine siebte Eigenschaft zu erfinden.

yeṣāṃ na vṛttaṃ vyathate na yonir; vṛttaprasādena caranti dharmam ye kīrtim icchanti kule viśiṣṭāṃ; tyaktānṛtās tāni mahākulāni

Jene, deren Lebenswandel nicht ins Wanken gerät, noch ihre Herkunft, die durch die Reinheit ihres Wandels der Rechtschaffenheit folgen, die nach besonderem Ruhm in ihrer Familie streben und die Lüge gemieden haben - das sind die großen Familien.

Wort für Wort
yeṣāṃ na vṛttaṃ vyathate na yonir; vṛttaprasādena caranti dharmam ye kīrtim icchanti kule viśiṣṭāṃ; tyaktānṛtās tāni mahākulāni
Jene, deren Lebenswandel nicht ins Wanken gerät, noch ihre Herkunft, die durch die Reinheit ihres Wandels der Rechtschaffenheit folgen, die nach besonderem Ruhm in ihrer Familie streben und die Lüge gemieden haben - das sind die großen Familien.

anijyayāvivāhaiś ca vedasyotsādanena ca kulāny akulatāṃ yānti dharmasyātikrameṇa ca

Durch Unterlassen des Opfers, durch schlechte Eheschließungen, durch Vernachlässigung der Veden und durch Übertretung der Rechtschaffenheit sinken Familien zu Nicht-Familien herab.

Wort für Wort
anijyayāvivāhaiś ca vedasyotsādanena ca kulāny akulatāṃ yānti dharmasyātikrameṇa ca
Durch Unterlassen des Opfers, durch schlechte Eheschließungen, durch Vernachlässigung der Veden und durch Übertretung der Rechtschaffenheit sinken Familien zu Nicht-Familien herab.

devadravyavināśena brahmasvaharaṇena ca kulāny akulatāṃ yānti brāhmaṇātikrameṇa ca

Durch Vernichtung von Gottesgut, durch Raub von Brahmanenbesitz und durch Übertretung gegenüber Brahmanen sinken Familien zu Nicht-Familien herab.

Wort für Wort
devadravyavināśena brahmasvaharaṇena ca kulāny akulatāṃ yānti brāhmaṇātikrameṇa ca
Durch Vernichtung von Gottesgut, durch Raub von Brahmanenbesitz und durch Übertretung gegenüber Brahmanen sinken Familien zu Nicht-Familien herab.

brāhmaṇānāṃ paribhavāt parivādāc ca bhārata kulāny akulatāṃ yānti nyāsāpaharaṇena ca

Durch Geringschätzung der Brahmanen, durch üble Nachrede, o Bhārata, und durch Veruntreuung anvertrauten Guts sinken Familien zu Nicht-Familien herab.

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ paribhavāt parivādāc ca bhārata kulāny akulatāṃ yānti nyāsāpaharaṇena ca
Durch Geringschätzung der Brahmanen, durch üble Nachrede, o Bhārata, und durch Veruntreuung anvertrauten Guts sinken Familien zu Nicht-Familien herab.

kulāni samupetāni gobhiḥ puruṣato 'śvataḥ kulasaṃkhyāṃ na gacchanti yāni hīnāni vṛttataḥ

Familien, die reich an Rindern, Männern und Pferden sind, aber im Lebenswandel mangelhaft, zählen nicht zu den großen Familien.

Wort für Wort
kulāni samupetāni gobhiḥ puruṣato 'śvataḥ kulasaṃkhyāṃ na gacchanti yāni hīnāni vṛttataḥ
Familien, die reich an Rindern, Männern und Pferden sind, aber im Lebenswandel mangelhaft, zählen nicht zu den großen Familien.

vṛttatas tv avihīnāni kulāny alpadhanāny api kulasaṃkhyāṃ tu gacchanti karṣanti ca mahad yaśaḥ

Familien hingegen, die im Lebenswandel nicht mangelhaft sind, auch wenn sie wenig Besitz haben, zählen zu den großen Familien und ziehen großen Ruhm auf sich.

Wort für Wort
vṛttatas tv avihīnāni kulāny alpadhanāny api kulasaṃkhyāṃ tu gacchanti karṣanti ca mahad yaśaḥ
Familien hingegen, die im Lebenswandel nicht mangelhaft sind, auch wenn sie wenig Besitz haben, zählen zu den großen Familien und ziehen großen Ruhm auf sich.

mā naḥ kule vairakṛt kaś cid astu; rājāmātyo mā parasvāpahārī mitradrohī naikṛtiko 'nṛtī vā; pūrvāśī vā pitṛdevātithibhyaḥ

Niemand in unserer Familie sei ein Stifter von Feindschaft, kein Königsbeamter, der fremdes Gut raubt, kein Verräter an Freunden, kein Betrüger, kein Lügner, und keiner, der isst, bevor er Vorfahren, Göttern und Gästen ihren Anteil gegeben hat.

Wort für Wort
mā naḥ kule vairakṛt kaś cid astu; rājāmātyo mā parasvāpahārī mitradrohī naikṛtiko 'nṛtī vā; pūrvāśī vā pitṛdevātithibhyaḥ
Niemand in unserer Familie sei ein Stifter von Feindschaft, kein Königsbeamter, der fremdes Gut raubt, kein Verräter an Freunden, kein Betrüger, kein Lügner, und keiner, der isst, bevor er Vorfahren, Göttern und Gästen ihren Anteil gegeben hat.

yaś ca no brāhmaṇaṃ hanyād yaś ca no brāhmaṇān dviṣet na naḥ sa samitiṃ gacched yaś ca no nirvapet kṛṣim

Wer von uns einen Brahmanen erschlüge, wer Brahmanen hasste, der gehöre nicht zu unserer Versammlung, und ebenso, wer den Ackerbau bei uns vernachlässigte.

Wort für Wort
yaś ca no brāhmaṇaṃ hanyād yaś ca no brāhmaṇān dviṣet na naḥ sa samitiṃ gacched yaś ca no nirvapet kṛṣim
Wer von uns einen Brahmanen erschlüge, wer Brahmanen hasste, der gehöre nicht zu unserer Versammlung, und ebenso, wer den Ackerbau bei uns vernachlässigte.

tṛṇāni bhūmir udakaṃ vāk caturthī ca sūnṛtā satām etāni geheṣu nocchidyante kadā cana

Gras als Sitz, Grund und Boden, Wasser und als viertes ein freundliches Wort - diese Gaben gehen in den Häusern der Guten niemals aus.

Wort für Wort
tṛṇāni bhūmir udakaṃ vāk caturthī ca sūnṛtā satām etāni geheṣu nocchidyante kadā cana
Gras als Sitz, Grund und Boden, Wasser und als viertes ein freundliches Wort - diese Gaben gehen in den Häusern der Guten niemals aus.

śraddhayā parayā rājann upanītāni satkṛtim pravṛttāni mahāprājña dharmiṇāṃ puṇyakarmaṇām

Mit höchster Ehrfurcht dargebracht, o König, werden diese Gaben zur Ehrung; sie kommen, o Hochweiser, von rechtschaffenen Menschen mit frommem Tun.

Wort für Wort
śraddhayā parayā rājann upanītāni satkṛtim pravṛttāni mahāprājña dharmiṇāṃ puṇyakarmaṇām
Mit höchster Ehrfurcht dargebracht, o König, werden diese Gaben zur Ehrung; sie kommen, o Hochweiser, von rechtschaffenen Menschen mit frommem Tun.

sūkṣmo 'pi bhāraṃ nṛpate syandano vai; śakto voḍhuṃ na tathānye mahījāḥ evaṃ yuktā bhārasahā bhavanti; mahākulīnā na tathānye manuṣyāḥ

Auch ein kleiner Wagen, o Herrscher, vermag eine Last zu tragen, wie es andere, der Erde entwachsene Fahrzeuge nicht vermögen; ebenso sind, recht angeschirrt, Menschen aus großen Familien fähig, Lasten zu tragen, wie andere Menschen es nicht sind.

Wort für Wort
sūkṣmo 'pi bhāraṃ nṛpate syandano vai; śakto voḍhuṃ na tathānye mahījāḥ evaṃ yuktā bhārasahā bhavanti; mahākulīnā na tathānye manuṣyāḥ
Auch ein kleiner Wagen, o Herrscher, vermag eine Last zu tragen, wie es andere, der Erde entwachsene Fahrzeuge nicht vermögen; ebenso sind, recht angeschirrt, Menschen aus großen Familien fähig, Lasten zu tragen, wie andere Menschen es nicht sind.

na tan mitraṃ yasya kopād bibheti; yad vā mitraṃ śaṅkitenopacaryam yasmin mitre pitarīvāśvasīta; tad vai mitraṃ saṃgatānītarāṇi

Das ist kein Freund, vor dessen Zorn man sich fürchtet, noch der Freund, dem man nur mit Misstrauen begegnen kann; der Freund, dem man vertraut wie einem Vater - das allein ist ein Freund; die anderen sind bloße Bekanntschaften.

Wort für Wort
na tan mitraṃ yasya kopād bibheti; yad vā mitraṃ śaṅkitenopacaryam yasmin mitre pitarīvāśvasīta; tad vai mitraṃ saṃgatānītarāṇi
Das ist kein Freund, vor dessen Zorn man sich fürchtet, noch der Freund, dem man nur mit Misstrauen begegnen kann; der Freund, dem man vertraut wie einem Vater - das allein ist ein Freund; die anderen sind bloße Bekanntschaften.

yadi ced apy asaṃbandho mitrabhāvena vartate sa eva bandhus tan mitraṃ sā gatis tatparāyaṇam

Auch wenn jemand nicht durch Blutsverwandtschaft verbunden ist, sich aber in freundschaftlicher Gesinnung verhält, so ist er ein wahrer Verwandter, ein Freund, eine Zuflucht, eine Stätte, der man sich anvertrauen kann.

Wort für Wort
yadi ced apy asaṃbandho mitrabhāvena vartate sa eva bandhus tan mitraṃ sā gatis tatparāyaṇam
Auch wenn jemand nicht durch Blutsverwandtschaft verbunden ist, sich aber in freundschaftlicher Gesinnung verhält, so ist er ein wahrer Verwandter, ein Freund, eine Zuflucht, eine Stätte, der man sich anvertrauen kann.

calacittasya vai puṃso vṛddhān anupasevataḥ pāriplavamater nityam adhruvo mitrasaṃgrahaḥ

Bei einem Menschen wankelmütigen Sinnes, der die Alten nicht aufsucht und dessen Geist stets unstet ist, ist der Erwerb von Freunden nicht von Dauer.

Wort für Wort
calacittasya vai puṃso vṛddhān anupasevataḥ pāriplavamater nityam adhruvo mitrasaṃgrahaḥ
Bei einem Menschen wankelmütigen Sinnes, der die Alten nicht aufsucht und dessen Geist stets unstet ist, ist der Erwerb von Freunden nicht von Dauer.

calacittam anātmānam indriyāṇāṃ vaśānugam arthāḥ samativartante haṃsāḥ śuṣkaṃ saro yathā

Den Wankelmütigen, Unbeherrschten, den Sklaven seiner Sinne verlassen die erworbenen Güter, wie Schwäne einen ausgetrockneten See.

Wort für Wort
calacittam anātmānam indriyāṇāṃ vaśānugam arthāḥ samativartante haṃsāḥ śuṣkaṃ saro yathā
Den Wankelmütigen, Unbeherrschten, den Sklaven seiner Sinne verlassen die erworbenen Güter, wie Schwäne einen ausgetrockneten See.

akasmād eva kupyanti prasīdanty animittataḥ śīlam etad asādhūnām abhraṃ pāriplavaṃ yathā

Ohne Grund geraten sie in Zorn, ohne Ursache besänftigen sie sich wieder - dies ist die Wesensart der Schlechten, wie eine treibende Wolke.

Wort für Wort
akasmād eva kupyanti prasīdanty animittataḥ śīlam etad asādhūnām abhraṃ pāriplavaṃ yathā
Ohne Grund geraten sie in Zorn, ohne Ursache besänftigen sie sich wieder - dies ist die Wesensart der Schlechten, wie eine treibende Wolke.

satkṛtāś ca kṛtārthāś ca mitrāṇāṃ na bhavanti ye tān mṛtān api kravyādāḥ kṛtaghnān nopabhuñjate

Jene, die, geehrt und in ihren Zielen gefördert, ihren Freunden dennoch nicht treu bleiben - solche Undankbaren verschmähen selbst die Fleischfresser noch im Tode.

Wort für Wort
satkṛtāś ca kṛtārthāś ca mitrāṇāṃ na bhavanti ye tān mṛtān api kravyādāḥ kṛtaghnān nopabhuñjate
Jene, die, geehrt und in ihren Zielen gefördert, ihren Freunden dennoch nicht treu bleiben - solche Undankbaren verschmähen selbst die Fleischfresser noch im Tode.

arthayed eva mitrāṇi sati vāsati vā dhane nānarthayan vijānāti mitrāṇāṃ sāraphalgutām

[?] Man erbitte durchaus etwas von Freunden, ob Reichtum vorhanden sei oder nicht; nur wer nicht [ständig] bittet, erkennt [in Wahrheit] den wahren Wert oder die Nichtigkeit seiner Freunde.

Wort für Wort
arthayed eva mitrāṇi sati vāsati vā dhane nānarthayan vijānāti mitrāṇāṃ sāraphalgutām
[?] Man erbitte durchaus etwas von Freunden, ob Reichtum vorhanden sei oder nicht; nur wer nicht [ständig] bittet, erkennt [in Wahrheit] den wahren Wert oder die Nichtigkeit seiner Freunde.

Die logische Pointe des Verses (Bitten als Prüfstein der Freundschaft, zugleich Zurückhaltung als Erkenntnisquelle) ist im Sanskrit stark verdichtet und lässt mehrere Lesarten zu; mit [?] gekennzeichnet.

saṃtāpād bhraśyate rūpaṃ saṃtāpād bhraśyate balam saṃtāpād bhraśyate jñānaṃ saṃtāpād vyādhim ṛcchati

Durch Gram schwindet die Schönheit, durch Gram schwindet die Kraft, durch Gram schwindet die Erkenntnis, durch Gram gerät man in Krankheit.

Wort für Wort
saṃtāpād bhraśyate rūpaṃ saṃtāpād bhraśyate balam saṃtāpād bhraśyate jñānaṃ saṃtāpād vyādhim ṛcchati
Durch Gram schwindet die Schönheit, durch Gram schwindet die Kraft, durch Gram schwindet die Erkenntnis, durch Gram gerät man in Krankheit.

anavāpyaṃ ca śokena śarīraṃ copatapyate amitrāś ca prahṛṣyanti mā sma śoke manaḥ kṛthāḥ

Durch Kummer erlangt man das Verlorene nicht zurück, nur der Körper wird gequält, und die Feinde frohlocken - richte darum deinen Sinn nicht auf Kummer.

Wort für Wort
anavāpyaṃ ca śokena śarīraṃ copatapyate amitrāś ca prahṛṣyanti mā sma śoke manaḥ kṛthāḥ
Durch Kummer erlangt man das Verlorene nicht zurück, nur der Körper wird gequält, und die Feinde frohlocken - richte darum deinen Sinn nicht auf Kummer.

punar naro mriyate jāyate ca; punar naro hīyate vardhate punaḥ punar naro yācati yācyate ca; punar naraḥ śocati śocyate punaḥ

Immer wieder stirbt der Mensch und wird wieder geboren, immer wieder sinkt er und steigt wieder auf, immer wieder bittet der Mensch und wird wieder gebeten, immer wieder trauert der Mensch und wird wieder betrauert.

Wort für Wort
punar naro mriyate jāyate ca; punar naro hīyate vardhate punaḥ punar naro yācati yācyate ca; punar naraḥ śocati śocyate punaḥ
Immer wieder stirbt der Mensch und wird wieder geboren, immer wieder sinkt er und steigt wieder auf, immer wieder bittet der Mensch und wird wieder gebeten, immer wieder trauert der Mensch und wird wieder betrauert.

sukhaṃ ca duḥkhaṃ ca bhavābhavau ca; lābhālābhau maraṇaṃ jīvitaṃ ca paryāyaśaḥ sarvam iha spṛśanti; tasmād dhīro naiva hṛṣyen na śocet

Glück und Leid, Werden und Vergehen, Gewinn und Verlust, Tod und Leben - all dies berührt hier jeden der Reihe nach; darum soll der Weise weder frohlocken noch trauern.

Wort für Wort
sukhaṃ ca duḥkhaṃ ca bhavābhavau ca; lābhālābhau maraṇaṃ jīvitaṃ ca paryāyaśaḥ sarvam iha spṛśanti; tasmād dhīro naiva hṛṣyen na śocet
Glück und Leid, Werden und Vergehen, Gewinn und Verlust, Tod und Leben - all dies berührt hier jeden der Reihe nach; darum soll der Weise weder frohlocken noch trauern.

calāni hīmāni ṣaḍindriyāṇi; teṣāṃ yad yad vartate yatra yatra tatas tataḥ sravate buddhir asya; chidrodakumbhād iva nityam ambhaḥ

Unstet nämlich sind diese sechs Sinne; worauf immer sie sich jeweils richten, von dort fließt einem stets die Einsicht ab, wie Wasser stetig aus einem löchrigen Krug.

Wort für Wort
calāni hīmāni ṣaḍindriyāṇi; teṣāṃ yad yad vartate yatra yatra tatas tataḥ sravate buddhir asya; chidrodakumbhād iva nityam ambhaḥ
Unstet nämlich sind diese sechs Sinne; worauf immer sie sich jeweils richten, von dort fließt einem stets die Einsicht ab, wie Wasser stetig aus einem löchrigen Krug.

dhṛtarāṣṭra uvāca tanur ucchaḥ śikhī rājā mithyopacarito mayā mandānāṃ mama putrāṇāṃ yuddhenāntaṃ kariṣyati

‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚[?] Diese schmale Flamme, von mir, dem König, fälschlich genährt, wird durch Krieg das Ende meiner törichten Söhne herbeiführen.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca tanur ucchaḥ śikhī rājā mithyopacarito mayā mandānāṃ mama putrāṇāṃ yuddhenāntaṃ kariṣyati
‘ Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚[?] Diese schmale Flamme, von mir, dem König, fälschlich genährt, wird durch Krieg das Ende meiner törichten Söhne herbeiführen.

Der Vers ist lexikalisch schwierig ('ucchaḥ', 'śikhī' hier wohl bildlich für eine kleine, von Dhṛtarāṣṭra selbst großgezogene Flamme, d.h. Duryodhana); die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten sinngemäßen Deutung und ist mit [?] gekennzeichnet.

nityodvignam idaṃ sarvaṃ nityodvignam idaṃ manaḥ yat tat padam anudvignaṃ tan me vada mahāmate

Ständig in Unruhe ist dies alles, ständig in Unruhe ist dieser mein Sinn; jenen Zustand, der frei von Unruhe ist, nenne mir, o Hochgesinnter.‘

Wort für Wort
nityodvignam idaṃ sarvaṃ nityodvignam idaṃ manaḥ yat tat padam anudvignaṃ tan me vada mahāmate
Ständig in Unruhe ist dies alles, ständig in Unruhe ist dieser mein Sinn; jenen Zustand, der frei von Unruhe ist, nenne mir, o Hochgesinnter.‘

vidura uvāca nānyatra vidyātapasor nānyatrendriyanigrahāt nānyatra lobhasaṃtyāgāc chāntiṃ paśyāmi te 'nagha

Vidura sprach: ‚Nirgendwo anders als in Wissen und Askese, nirgendwo anders als in der Beherrschung der Sinne, nirgendwo anders als im Aufgeben der Gier sehe ich für dich Frieden, o Sündenloser.

Wort für Wort
vidura uvāca nānyatra vidyātapasor nānyatrendriyanigrahāt nānyatra lobhasaṃtyāgāc chāntiṃ paśyāmi te 'nagha
Vidura sprach: ‚Nirgendwo anders als in Wissen und Askese, nirgendwo anders als in der Beherrschung der Sinne, nirgendwo anders als im Aufgeben der Gier sehe ich für dich Frieden, o Sündenloser.

buddhyā bhayaṃ praṇudati tapasā vindate mahat guruśuśrūṣayā jñānaṃ śāntiṃ tyāgena vindati

Durch Einsicht vertreibt man die Furcht, durch Askese erlangt man Größe, durch Dienst am Lehrer Wissen, durch Entsagung erlangt man Frieden.

Wort für Wort
buddhyā bhayaṃ praṇudati tapasā vindate mahat guruśuśrūṣayā jñānaṃ śāntiṃ tyāgena vindati
Durch Einsicht vertreibt man die Furcht, durch Askese erlangt man Größe, durch Dienst am Lehrer Wissen, durch Entsagung erlangt man Frieden.

anāśritā dānapuṇyaṃ vedapuṇyam anāśritāḥ rāgadveṣavinirmuktā vicarantīha mokṣiṇaḥ

Ohne sich auf das Verdienst des Schenkens, ohne sich auf das Verdienst der Veden zu stützen, frei von Begierde und Hass, wandeln die zur Erlösung Bestimmten hier umher.

Wort für Wort
anāśritā dānapuṇyaṃ vedapuṇyam anāśritāḥ rāgadveṣavinirmuktā vicarantīha mokṣiṇaḥ
Ohne sich auf das Verdienst des Schenkens, ohne sich auf das Verdienst der Veden zu stützen, frei von Begierde und Hass, wandeln die zur Erlösung Bestimmten hier umher.

svadhītasya suyuddhasya sukṛtasya ca karmaṇaḥ tapasaś ca sutaptasya tasyānte sukham edhate

Von wohlstudiertem Wissen, von gutem Kampf, von wohlgetaner Tat und von wohlvollzogener Askese wächst am Ende das Glück.

Wort für Wort
svadhītasya suyuddhasya sukṛtasya ca karmaṇaḥ tapasaś ca sutaptasya tasyānte sukham edhate
Von wohlstudiertem Wissen, von gutem Kampf, von wohlgetaner Tat und von wohlvollzogener Askese wächst am Ende das Glück.

svāstīrṇāni śayanāni prapannā; na vai bhinnā jātu nidrāṃ labhante na strīṣu rājan ratim āpnuvanti; na māgadhaiḥ stūyamānā na sūtaiḥ

Selbst auf wohlbereiteten Lagern liegend finden die Entzweiten niemals Schlaf; nicht an Frauen, o König, finden sie Freude, nicht wenn Barden und Sänger sie preisen.

Wort für Wort
svāstīrṇāni śayanāni prapannā; na vai bhinnā jātu nidrāṃ labhante na strīṣu rājan ratim āpnuvanti; na māgadhaiḥ stūyamānā na sūtaiḥ
Selbst auf wohlbereiteten Lagern liegend finden die Entzweiten niemals Schlaf; nicht an Frauen, o König, finden sie Freude, nicht wenn Barden und Sänger sie preisen.

na vai bhinnā jātu caranti dharmaṃ; na vai sukhaṃ prāpnuvantīha bhinnāḥ na vai bhinnā gauravaṃ mānayanti; na vai bhinnāḥ praśamaṃ rocayanti

Die Entzweiten wandeln niemals auf dem Pfad der Rechtschaffenheit, die Entzweiten erlangen hier kein Glück; die Entzweiten erweisen keine Ehrerbietung, die Entzweiten finden kein Gefallen an innerem Frieden.

Wort für Wort
na vai bhinnā jātu caranti dharmaṃ; na vai sukhaṃ prāpnuvantīha bhinnāḥ na vai bhinnā gauravaṃ mānayanti; na vai bhinnāḥ praśamaṃ rocayanti
Die Entzweiten wandeln niemals auf dem Pfad der Rechtschaffenheit, die Entzweiten erlangen hier kein Glück; die Entzweiten erweisen keine Ehrerbietung, die Entzweiten finden kein Gefallen an innerem Frieden.

na vai teṣāṃ svadate pathyam uktaṃ; yogakṣemaṃ kalpate nota teṣām bhinnānāṃ vai manujendra parāyaṇaṃ; na vidyate kiṃ cid anyad vināśāt

Ihnen behagt kein heilsamer Rat, noch gedeiht ihr Wohlergehen; für die Entzweiten, o Herrscher der Menschen, gibt es keine letzte Zuflucht - nichts anderes als Untergang ist ihnen beschieden.

Wort für Wort
na vai teṣāṃ svadate pathyam uktaṃ; yogakṣemaṃ kalpate nota teṣām bhinnānāṃ vai manujendra parāyaṇaṃ; na vidyate kiṃ cid anyad vināśāt
Ihnen behagt kein heilsamer Rat, noch gedeiht ihr Wohlergehen; für die Entzweiten, o Herrscher der Menschen, gibt es keine letzte Zuflucht - nichts anderes als Untergang ist ihnen beschieden.

saṃbhāvyaṃ goṣu saṃpannaṃ saṃbhāvyaṃ brāhmaṇe tapaḥ saṃbhāvyaṃ strīṣu cāpalyaṃ saṃbhāvyaṃ jñātito bhayam

Bei Kühen ist Fülle zu erwarten, beim Brahmanen Askese, bei Frauen Unbeständigkeit, von Verwandten aber Gefahr zu erwarten.

Wort für Wort
saṃbhāvyaṃ goṣu saṃpannaṃ saṃbhāvyaṃ brāhmaṇe tapaḥ saṃbhāvyaṃ strīṣu cāpalyaṃ saṃbhāvyaṃ jñātito bhayam
Bei Kühen ist Fülle zu erwarten, beim Brahmanen Askese, bei Frauen Unbeständigkeit, von Verwandten aber Gefahr zu erwarten.

tantavo 'py āyatā nityaṃ tantavo bahulāḥ samāḥ bahūn bahutvād āyāsān sahantīty upamā satām

Auch Fäden, einzeln stets schwach ausgezogen, werden, zahlreich und gleichmäßig verflochten, vielen Belastungen standhalten, aufgrund ihrer Vielzahl - so lautet das Gleichnis der Guten.

Wort für Wort
tantavo 'py āyatā nityaṃ tantavo bahulāḥ samāḥ bahūn bahutvād āyāsān sahantīty upamā satām
Auch Fäden, einzeln stets schwach ausgezogen, werden, zahlreich und gleichmäßig verflochten, vielen Belastungen standhalten, aufgrund ihrer Vielzahl - so lautet das Gleichnis der Guten.

dhūmāyante vyapetāni jvalanti sahitāni ca dhṛtarāṣṭrolmukānīva jñātayo bharatarṣabha

Getrennt rauchen sie nur, vereint aber lodern sie auf, gleich Feuerbränden, o Dhṛtarāṣṭra - so verhält es sich mit den Verwandten, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
dhūmāyante vyapetāni jvalanti sahitāni ca dhṛtarāṣṭrolmukānīva jñātayo bharatarṣabha
Getrennt rauchen sie nur, vereint aber lodern sie auf, gleich Feuerbränden, o Dhṛtarāṣṭra - so verhält es sich mit den Verwandten, o Stier der Bharatas.

brāhmaṇeṣu ca ye śūrāḥ strīṣu jñātiṣu goṣu ca vṛntād iva phalaṃ pakvaṃ dhṛtarāṣṭra patanti te

[?] Wer sich Brahmanen, Frauen, Verwandten und Kühen gegenüber gewalttätig zeigt, der fällt, o Dhṛtarāṣṭra, wie eine reife Frucht vom Stiel.

Wort für Wort
brāhmaṇeṣu ca ye śūrāḥ strīṣu jñātiṣu goṣu ca vṛntād iva phalaṃ pakvaṃ dhṛtarāṣṭra patanti te
[?] Wer sich Brahmanen, Frauen, Verwandten und Kühen gegenüber gewalttätig zeigt, der fällt, o Dhṛtarāṣṭra, wie eine reife Frucht vom Stiel.

'śūrāḥ' (eigentlich 'Helden') ist hier im Sinne von 'gewalttätig gegenüber' zu verstehen; die Konstruktion bleibt im Sanskrit ungewöhnlich knapp, daher [?].

mahān apy ekajo vṛkṣo balavān supratiṣṭhitaḥ prasahya eva vātena śākhāskandhaṃ vimarditum

Auch ein großer, allein stehender, kräftiger und fest verwurzelter Baum kann vom Wind mit Gewalt an Ast und Stamm zerbrochen werden -

Wort für Wort
mahān apy ekajo vṛkṣo balavān supratiṣṭhitaḥ prasahya eva vātena śākhāskandhaṃ vimarditum
Auch ein großer, allein stehender, kräftiger und fest verwurzelter Baum kann vom Wind mit Gewalt an Ast und Stamm zerbrochen werden -

Der Satz ist syntaktisch auf V.61 angelegt (Gegensatz: einzeln stehender Baum gegenüber Baumgruppe) und wird dort fortgeführt.

atha ye sahitā vṛkṣāḥ saṃghaśaḥ supratiṣṭhitāḥ te hi śīghratamān vātān sahante 'nyonyasaṃśrayāt

- Bäume hingegen, die vereint und in Gruppen fest verwurzelt stehen, ertragen selbst die heftigsten Winde, weil sie sich gegenseitig stützen.

Wort für Wort
atha ye sahitā vṛkṣāḥ saṃghaśaḥ supratiṣṭhitāḥ te hi śīghratamān vātān sahante 'nyonyasaṃśrayāt
- Bäume hingegen, die vereint und in Gruppen fest verwurzelt stehen, ertragen selbst die heftigsten Winde, weil sie sich gegenseitig stützen.

evaṃ manuṣyam apy ekaṃ guṇair api samanvitam śakyaṃ dviṣanto manyante vāyur drumam ivaikajam

Ebenso halten Feinde auch einen einzelnen Menschen, mag er auch mit guten Eigenschaften ausgestattet sein, für bezwingbar, wie der Wind einen allein stehenden Baum.

Wort für Wort
evaṃ manuṣyam apy ekaṃ guṇair api samanvitam śakyaṃ dviṣanto manyante vāyur drumam ivaikajam
Ebenso halten Feinde auch einen einzelnen Menschen, mag er auch mit guten Eigenschaften ausgestattet sein, für bezwingbar, wie der Wind einen allein stehenden Baum.

anyonyasamupaṣṭambhād anyonyāpāśrayeṇa ca jñātayaḥ saṃpravardhante sarasīvotpalāny uta

Durch gegenseitige Stütze und gegenseitigen Rückhalt gedeihen Verwandte, wie Lotusblumen in einem Teich.

Wort für Wort
anyonyasamupaṣṭambhād anyonyāpāśrayeṇa ca jñātayaḥ saṃpravardhante sarasīvotpalāny uta
Durch gegenseitige Stütze und gegenseitigen Rückhalt gedeihen Verwandte, wie Lotusblumen in einem Teich.

avadhyā brāhmaṇā gāvaḥ striyo bālāś ca jñātayaḥ yeṣāṃ cānnāni bhuñjīta ye ca syuḥ śaraṇāgatāḥ

Unverletzlich sind Brahmanen, Kühe, Frauen, Kinder und Verwandte, ebenso jene, deren Speise man genossen hat, und jene, die Schutz gesucht haben.

Wort für Wort
avadhyā brāhmaṇā gāvaḥ striyo bālāś ca jñātayaḥ yeṣāṃ cānnāni bhuñjīta ye ca syuḥ śaraṇāgatāḥ
Unverletzlich sind Brahmanen, Kühe, Frauen, Kinder und Verwandte, ebenso jene, deren Speise man genossen hat, und jene, die Schutz gesucht haben.

na manuṣye guṇaḥ kaś cid anyo dhanavatām api anāturatvād bhadraṃ te mṛtakalpā hi rogiṇaḥ

Es gibt für den Menschen, auch für die Reichen, keine andere Tugend als die Gesundheit - Heil dir! -, denn die Kranken gleichen den Toten.

Wort für Wort
na manuṣye guṇaḥ kaś cid anyo dhanavatām api anāturatvād bhadraṃ te mṛtakalpā hi rogiṇaḥ
Es gibt für den Menschen, auch für die Reichen, keine andere Tugend als die Gesundheit - Heil dir! -, denn die Kranken gleichen den Toten.

avyādhijaṃ kaṭukaṃ śīrṣarogaṃ; pāpānubandhaṃ paruṣaṃ tīkṣṇam ugram satāṃ peyaṃ yan na pibanty asanto; manyuṃ mahārāja piba praśāmya

[?] Trinke, o Großkönig, den Zorn - der wie ein nicht aus Krankheit entstandenes, bitteres Kopfleiden ist, von Bösem begleitet, rau, scharf und schrecklich -, einen Trank der Guten, den die Schlechten nicht zu trinken vermögen, und werde ruhig.

Wort für Wort
avyādhijaṃ kaṭukaṃ śīrṣarogaṃ; pāpānubandhaṃ paruṣaṃ tīkṣṇam ugram satāṃ peyaṃ yan na pibanty asanto; manyuṃ mahārāja piba praśāmya
[?] Trinke, o Großkönig, den Zorn - der wie ein nicht aus Krankheit entstandenes, bitteres Kopfleiden ist, von Bösem begleitet, rau, scharf und schrecklich -, einen Trank der Guten, den die Schlechten nicht zu trinken vermögen, und werde ruhig.

Das Bild vom 'Trinken' des Zorns als bitterer, aber heilsamer Medizin ist im Sanskrit sehr dicht formuliert; die Wendung 'satāṃ peyaṃ yan na pibanty asantaḥ' (ein Trank der Guten, den die Schlechten nicht trinken) meint wohl, dass nur der Starke/Gute den eigenen Zorn zu bezähmen vermag.

rogārditā na phalāny ādriyante; na vai labhante viṣayeṣu tattvam duḥkhopetā rogiṇo nityam eva; na budhyante dhanabhogān na saukhyam

Von Krankheit Geplagte kümmern sich nicht um gute Früchte, sie erfassen auch nicht das Wesentliche in den Sinnesobjekten; die stets von Leid befallenen Kranken erkennen weder Reichtumsgenuss noch Glück.

Wort für Wort
rogārditā na phalāny ādriyante; na vai labhante viṣayeṣu tattvam duḥkhopetā rogiṇo nityam eva; na budhyante dhanabhogān na saukhyam
Von Krankheit Geplagte kümmern sich nicht um gute Früchte, sie erfassen auch nicht das Wesentliche in den Sinnesobjekten; die stets von Leid befallenen Kranken erkennen weder Reichtumsgenuss noch Glück.

purā hy ukto nākaros tvaṃ vaco me; dyūte jitāṃ draupadīṃ prekṣya rājan duryodhanaṃ vārayety akṣavatyāṃ; kitavatvaṃ paṇḍitā varjayanti

Schon früher, als ich es dir gesagt hatte, befolgtest du mein Wort nicht, o König, als du sahst, wie Draupadī im Würfelspiel verloren wurde: ich sagte, halte Duryodhana vom Würfelspiel zurück - die Weisen meiden das Spielertum.

Wort für Wort
purā hy ukto nākaros tvaṃ vaco me; dyūte jitāṃ draupadīṃ prekṣya rājan duryodhanaṃ vārayety akṣavatyāṃ; kitavatvaṃ paṇḍitā varjayanti
Schon früher, als ich es dir gesagt hatte, befolgtest du mein Wort nicht, o König, als du sahst, wie Draupadī im Würfelspiel verloren wurde: ich sagte, halte Duryodhana vom Würfelspiel zurück - die Weisen meiden das Spielertum.

na tad balaṃ yan mṛdunā virudhyate; miśro dharmas tarasā sevitavyaḥ pradhvaṃsinī krūrasamāhitā śrīr; mṛduprauḍhā gacchati putrapautrān

[?] Das ist keine wahre Kraft, die dem Sanftmütigen widerstreitet; ein gemischtes Recht muss mit Tatkraft zugleich geübt werden; vergänglich ist das durch Grausamkeit erworbene Glück, während das durch Sanftmut gereifte auf Söhne und Enkel übergeht.

Wort für Wort
na tad balaṃ yan mṛdunā virudhyate; miśro dharmas tarasā sevitavyaḥ pradhvaṃsinī krūrasamāhitā śrīr; mṛduprauḍhā gacchati putrapautrān
[?] Das ist keine wahre Kraft, die dem Sanftmütigen widerstreitet; ein gemischtes Recht muss mit Tatkraft zugleich geübt werden; vergänglich ist das durch Grausamkeit erworbene Glück, während das durch Sanftmut gereifte auf Söhne und Enkel übergeht.

Der zweite Halbvers ('miśro dharmas tarasā sevitavyaḥ') ist gnomisch verdichtet und lässt mehrere Deutungen zu; mit [?] gekennzeichnet.

dhārtarāṣṭrāḥ pāṇḍavān pālayantu; pāṇḍoḥ sutās tava putrāṃś ca pāntu ekārimitrāḥ kuravo hy ekamantrā; jīvantu rājan sukhinaḥ samṛddhāḥ

Mögen die Dhārtarāṣṭras die Pāṇḍavas schützen, mögen die Söhne des Pāṇḍu auch deine Söhne beschützen; mit gemeinsamen Freunden und Feinden, mit gemeinsamem Rat mögen die Kurus, o König, glücklich und wohlhabend leben.

Wort für Wort
dhārtarāṣṭrāḥ pāṇḍavān pālayantu; pāṇḍoḥ sutās tava putrāṃś ca pāntu ekārimitrāḥ kuravo hy ekamantrā; jīvantu rājan sukhinaḥ samṛddhāḥ
Mögen die Dhārtarāṣṭras die Pāṇḍavas schützen, mögen die Söhne des Pāṇḍu auch deine Söhne beschützen; mit gemeinsamen Freunden und Feinden, mit gemeinsamem Rat mögen die Kurus, o König, glücklich und wohlhabend leben.

meḍhībhūtaḥ kauravāṇāṃ tvam adya; tvayy ādhīnaṃ kurukulam ājamīḍha pārthān bālān vanavāsaprataptān; gopāyasva svaṃ yaśas tāta rakṣan

Du bist heute der zentrale Pflock der Kauravas, o Ājamīḍha, von dir hängt das Geschlecht der Kurus ab; beschütze die jungen Pārthas, die von ihrem Waldaufenthalt gequält sind, und bewahre, o Vater, indem du sie beschützt, deinen eigenen Ruhm.

Wort für Wort
meḍhībhūtaḥ kauravāṇāṃ tvam adya; tvayy ādhīnaṃ kurukulam ājamīḍha pārthān bālān vanavāsaprataptān; gopāyasva svaṃ yaśas tāta rakṣan
Du bist heute der zentrale Pflock der Kauravas, o Ājamīḍha, von dir hängt das Geschlecht der Kurus ab; beschütze die jungen Pārthas, die von ihrem Waldaufenthalt gequält sind, und bewahre, o Vater, indem du sie beschützt, deinen eigenen Ruhm.

saṃdhatsva tvaṃ kauravān pāṇḍuputrair; mā te 'ntaraṃ ripavaḥ prārthayantu satye sthitās te naradeva sarve; duryodhanaṃ sthāpaya tvaṃ narendra

Versöhne die Kauravas mit den Söhnen des Pāṇḍu; mögen deine Feinde nicht auf eine Lücke zwischen euch hoffen; sie alle stehen in der Wahrheit, o Göttlicher unter den Menschen - halte du, o Herrscher der Menschen, Duryodhana im Zaum.

Wort für Wort
saṃdhatsva tvaṃ kauravān pāṇḍuputrair; mā te 'ntaraṃ ripavaḥ prārthayantu satye sthitās te naradeva sarve; duryodhanaṃ sthāpaya tvaṃ narendra
Versöhne die Kauravas mit den Söhnen des Pāṇḍu; mögen deine Feinde nicht auf eine Lücke zwischen euch hoffen; sie alle stehen in der Wahrheit, o Göttlicher unter den Menschen - halte du, o Herrscher der Menschen, Duryodhana im Zaum.

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