Kapitel 184: Prasvāpāstraprāptiḥ
Der Traum von den acht Brahmanen und die Waffe der Einschläferung
Bhīṣma erzählt weiter: In der Nacht, verzweifelt über seine Unfähigkeit, den übermächtigen Rāma zu besiegen, betet Bhīṣma zu den Göttern um ein Zeichen. Im Schlaf erscheinen ihm dieselben acht Brahmanen, die ihn zuvor in der Luft gehalten hatten, in einer Traumvision. Sie offenbaren ihm eine geheime, von Prajāpati stammende und von Viśvakarman geschaffene Waffe namens Prasvāpa ('Einschläferung'), die weder Rāma noch irgendein Mensch kennt: sie versetzt den Getroffenen in Schlaf, ohne ihn zu töten, sodass Bhīṣma weder seinen Lehrer tötet noch von ihm besiegt wird. Sie weisen ihn an, Rāma damit einzuschläfern und ihn danach mit einer Weckwaffe wieder zu erwecken. Nach diesen Worten verschwinden die acht leuchtenden Brahmanen.
bhīṣma uvāca tato 'haṃ niśi rājendra praṇamya śirasā tadā brāhmaṇānāṃ pitṝṇāṃ ca devatānāṃ ca sarvaśaḥ
Bhīṣma sprach weiter: Dann, o Herrscher der Könige, habe ich in der Nacht, mein Haupt neigend, allen Brahmanen, den Ahnen und den Göttern insgesamt Verehrung erwiesen.
Auch den Nachtwandlern, den Wesen der Nacht, o Herr der Völker; und, nachdem ich mein Lager an einem einsamen Ort erreicht hatte, habe ich in Gedanken überlegt.
tato 'haṃ niśi rājendra prasuptaḥ śaravikṣataḥ dakṣiṇenaiva pārśvena prabhātasamaye iva
Dann sei ich, o Herrscher der Könige, von Pfeilen verwundet, in der Nacht auf meiner rechten Seite eingeschlafen, gleichsam zur Zeit der Morgendämmerung.
tato 'haṃ vipramukhyais tair yair asmi patito rathāt utthāpito dhṛtaś caiva mā bhair iti ca sāntvitaḥ
Dann sei ich von jenen vorzüglichen Brahmanen, durch die ich, vom Wagen gefallen, zuvor gerettet worden war, aufgerichtet und gehalten und mit den Worten, ich solle mich nicht fürchten, getröstet worden.
ta eva māṃ mahārāja svapnadarśanam etya vai parivāryābruvan vākyaṃ tan nibodha kurūdvaha
Eben sie seien, o Großkönig, in einer Traumerscheinung zu mir gekommen und hätten mich umringt und ein Wort gesprochen; höre dieses Wort, Erhöhung der Kurus.
uttiṣṭha mā bhair gāṅgeya bhayaṃ te nāsti kiṃ cana rakṣāmahe naravyāghra svaśarīraṃ hi no bhavān
Sie hätten ihm gesagt, er solle aufstehen und sich nicht fürchten, Sohn der Gaṅgā - es bestehe für ihn keinerlei Gefahr; sie würden ihn beschützen, Tiger unter den Männern, denn er sei ihnen wie ihr eigener Leib.
Wort für Wort
uttiṣṭha
steh auf! (Imp. 2.Sg.)
mā bhaiḥ
fürchte dich nicht (Inj. 2.Sg.)
gāṅgeya
o Sohn der Gaṅgā (Vok. Sg.)
bhayam te
Gefahr für dich (Nom. Sg.)
na asti
es gibt nicht (Präs. 3.Sg.)
kiṃ cana
irgendetwas (Pron.)
rakṣāmahe
wir beschützen (Präs. Med. 1.Pl.)
naravyāghra
o Tiger unter den Männern (Vok. Sg.)
svaśarīram
der eigene Leib (Nom. Sg.)
hi
denn (Partikel)
naḥ
für uns (Gen. Pl.)
bhavān
du (Nom. Sg., Höflichkeitsform)
[?] Auch die Traumrede der acht Brahmanen an Bhīṣma (V.009-017) wird durchgehend indirekt wiedergegeben, da sie innerhalb von Bhīṣmas fortlaufender Ich-Erzählung liegt und eine dritte Zitatebene vermieden werden soll.
enasā ca na yogaṃ tvaṃ prāpsyase jātu mānada svapsyate jāmadagnyo 'sau tvadbāṇabalapīḍitaḥ
Und er werde niemals mit Schuld in Berührung kommen, o Ehrenspender; jener Sohn des Jamadagni werde, von der Kraft seines Pfeils überwältigt, einschlafen.
Wort für Wort
enasā
mit Schuld (Instr. Sg.)
ca
und (Konj.)
na yogam
keine Verbindung (Akk. Sg.)
tvam
du (Nom. Sg.)
prāpsyase
du wirst erlangen (Fut. Med. 2.Sg.)
jātu
jemals (Adv.)
mānada
o Ehrenspender (Vok. Sg.)
svapsyate
er wird schlafen (Fut. Med. 3.Sg.)
jāmadagnyaḥ asau
jener Sohn des Jamadagni (Nom. Sg.)
tvadbāṇabalapīḍitaḥ
von der Kraft deines Pfeils überwältigt (Nom. Sg.)
ity uktvāntarhitā rājan sarva eva dvijottamāḥ aṣṭau sadṛśarūpās te sarve bhāsvaramūrtayaḥ
Nachdem sie so gesprochen hatten, seien alle jene acht vorzüglichen Brahmanen, gleicher Gestalt, alle von leuchtender Erscheinung, verschwunden, o König.