Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 62: Vidura-Śakuna-Madhu-Dṛṣṭāntaḥ Viduras Gleichnisse vom Vogelpaar und vom Honig

Duryodhana erwidert Bhīṣma trotzig, beruft sich auf Karṇa und Duḥśāsana (SQ öffnet, V.1-5). Sprecherwechsel zu Vidura (close-reopen, V.6): Śakuna-Parabel (zwei Vögel, gemeinsam in einer Schlinge gefangen, gehen durch gegenseitigen Streit unter - Warnung vor Zwietracht unter Verwandten, mit zwei sequentiellen CQ-Einzelvers-Zitaten V.11 [Frage des Weisen] und V.12 [Antwort des Vogelfängers]), gefolgt von einer zweiten Parabel (Honig an einem gefährlichen Abgrund, von Kirātas aus Gier gesucht, die dabei zugrunde gehen - mit eingebettetem CQ-Zitat der Brahmanen-Behauptung V.25), beide auf Duryodhanas blinde Gier nach der Erde trotz tödlicher Gefahr angewandt (V.27). Vidura schließt mit der Einschätzung, dass Duryodhana Arjuna nicht gewachsen ist, und einem direkten Appell an Dhṛtarāṣṭra, sich mit Yudhiṣṭhira zu versöhnen. SQ bleibt am Kapitelende offen (Tiefe 1), CQ durchgehend 0 am Kapitelende (alle drei CQ-Episoden je innerhalb ihres eigenen Verses geschlossen, nie Tiefe >1).

duryodhana uvāca sadṛśānāṃ manuṣyeṣu sarveṣāṃ tulyajanmanām katham ekāntatas teṣāṃ pārthānāṃ manyase jayam

‚Duryodhana sprach: Unter Menschen, die einander gleichen, alle von gleicher Geburt - warum glaubst du, dass jenen Pārthas der Sieg ausschließlich gehört?

Wort für Wort
duryodhana uvāca
Duryodhana sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
sadṛśānāṃ manuṣyeṣu sarveṣāṃ tulyajanmanām
unter Menschen, die einander gleichen, alle von gleicher Geburt (Gen.Pl. + Lok.Pl. + Gen.Pl. + Gen.Pl., Kompositum)
katham ekāntatas teṣāṃ pārthānāṃ manyase jayam
warum glaubst du, dass jenen Pārthas der Sieg ausschließlich gehört (Interrogativ. + Adv. + Gen.Pl. + Gen.Pl. + 2.Sg.Präs.Med. + Akk.)

[Anm.: Duryodhanas angekündigte Erwiderung an Bhīṣma beginnt (SQ öffnet, Tiefe 0->1).]

sarve sma samajātīyāḥ sarve mānuṣayonayaḥ pitāmaha vijānīṣe pārtheṣu vijayaṃ katham

Wir alle sind von gleicher Art, alle von menschlichem Ursprung - Großvater, wieso erkennst du den Sieg bei den Pārthas als sicher?

Wort für Wort
sarve sma samajātīyāḥ sarve mānuṣayonayaḥ
wir alle sind von gleicher Art, alle von menschlichem Ursprung (Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl., Kompositum + Nom.Pl. + Nom.Pl., Kompositum)
pitāmaha vijānīṣe pārtheṣu vijayaṃ katham
Großvater, wieso erkennst du den Sieg bei den Pārthas als sicher (Vok., Kompositum + 2.Sg.Präs.Med. + Lok.Pl. + Akk. + Interrogativ.)

nāhaṃ bhavati na droṇe na kṛpe na ca bāhlike anyeṣu ca narendreṣu parākramya samārabhe

Nicht auf dich, nicht auf Droṇa, nicht auf Kṛpa, noch auf Bāhlika, noch auf die anderen Fürsten gestützt, unternehme ich dies mit eigener Tapferkeit.

Wort für Wort
nāhaṃ bhavati na droṇe na kṛpe na ca bāhlike
nicht auf dich, nicht auf Droṇa, nicht auf Kṛpa, noch auf Bāhlika (Neg.+Nom. + Lok. + Neg. + Lok. + Neg. + Lok. + Neg. + Konj. + Lok.)
anyeṣu ca narendreṣu parākramya samārabhe
noch auf die anderen Fürsten gestützt, unternehme ich dies mit eigener Tapferkeit (Lok.Pl. + Konj. + Lok.Pl., Kompositum + Absolutiv + 1.Sg.Präs.Med.)

ahaṃ vaikartanaḥ karṇo bhrātā duḥśāsanaś ca me pāṇḍavān samare pañca haniṣyāmaḥ śitaiḥ śaraiḥ

Ich, der Vaikartana Karṇa, und mein Bruder Duḥśāsana - wir werden die fünf Pāṇḍavas im Kampf mit scharfen Pfeilen erschlagen.

Wort für Wort
ahaṃ vaikartanaḥ karṇo bhrātā duḥśāsanaś ca me
ich, der Vaikartana Karṇa, und mein Bruder Duḥśāsana (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Konj. + Gen.)
pāṇḍavān samare pañca haniṣyāmaḥ śitaiḥ śaraiḥ
wir werden die fünf Pāṇḍavas im Kampf mit scharfen Pfeilen erschlagen (Akk.Pl. + Lok. + Akk. + 1.Pl.Fut. + Instr.Pl. + Instr.Pl.)

tato rājan mahāyajñair vividhair bhūridakṣiṇaiḥ brāhmaṇāṃs tarpayiṣyāmi gobhir aśvair dhanena ca

Dann, o König, werde ich mit großen, mannigfachen Opfern, reich an Opfergaben, die Brahmanen befriedigen, mit Rindern, Pferden und Reichtum.

Wort für Wort
tato rājan mahāyajñair vividhair bhūridakṣiṇaiḥ
dann, o König, werde ich mit großen, mannigfachen Opfern, reich an Opfergaben (Adv. + Vok. + Instr.Pl., Kompositum + Instr.Pl. + Instr.Pl., Kompositum)
brāhmaṇāṃs tarpayiṣyāmi gobhir aśvair dhanena ca
die Brahmanen befriedigen, mit Rindern, Pferden und Reichtum (Akk.Pl. + 1.Sg.Fut.Kaus. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Instr. + Konj.)

[Anm.: Ende von Duryodhanas Erwiderung (V.1-5).]

vidura uvāca śakunīnām ihārthāya pāśaṃ bhūmāv ayojayat kaś cic chākunikas tāta pūrveṣām iti śuśruma

‘Vidura sprach: ‚Für den Zweck des Fangs von Vögeln legte einst ein gewisser Vogelfänger, mein Lieber, eine Schlinge auf dem Boden aus - so haben wir von den Alten gehört.

Wort für Wort
vidura uvāca
Vidura sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
śakunīnām ihārthāya pāśaṃ bhūmāv ayojayat
für den Zweck des Fangs von Vögeln legte er eine Schlinge auf dem Boden aus (Gen.Pl. + Dat., Kompositum + Akk. + Lok. + 3.Sg.Impf.Kaus.)
kaś cic chākunikas tāta pūrveṣām iti śuśruma
ein gewisser Vogelfänger, mein Lieber - so haben wir von den Alten gehört (Nom. + Indefinitpron. + Nom. + Vok. + Gen.Pl. + Zitatpartikel + 1.Pl.Perf.)

[Anm.: Sprecherwechsel Duryodhana->Vidura (close-then-reopen, SQ bleibt Tiefe 1). Beginn der Śakuna-Parabel (V.6-19).]

tasmin dvau śakunau baddhau yugapat samapauruṣau tāv upādāya taṃ pāśaṃ jagmatuḥ khacarāv ubhau

In jener wurden zwei Vögel gleichzeitig gefangen, von gleicher Kraft; diese beiden, die Schlinge mit sich tragend, flogen beide, die Himmelswanderer, davon.

Wort für Wort
tasmin dvau śakunau baddhau yugapat samapauruṣau
in jener wurden zwei Vögel gleichzeitig gefangen, von gleicher Kraft (Lok. + Nom.Dual + Nom.Dual + Nom.Dual.Ptz.Perf. + Adv. + Nom.Dual, Kompositum)
tāv upādāya taṃ pāśaṃ jagmatuḥ khacarāv ubhau
diese beiden, die Schlinge mit sich tragend, flogen beide, die Himmelswanderer, davon (Akk.Dual + Absolutiv + Akk. + Akk. + 3.Dual.Perf. + Nom.Dual, Kompositum + Nom.Dual)

tau vihāyasam ākrāntau dṛṣṭvā śākunikas tadā anvadhāvad anirviṇṇo yena yena sma gacchataḥ

Als der Vogelfänger sah, dass die beiden den Himmel erklommen hatten, verfolgte er sie unverdrossen, wohin auch immer sie flogen.

Wort für Wort
tau vihāyasam ākrāntau dṛṣṭvā śākunikas tadā
als der Vogelfänger sah, dass die beiden den Himmel erklommen hatten (Akk.Dual + Akk. + Akk.Dual.Ptz.Perf. + Absolutiv + Nom. + Adv.)
anvadhāvad anirviṇṇo yena yena sma gacchataḥ
verfolgte er sie unverdrossen, wohin auch immer sie flogen (3.Sg.Impf. + Nom. + Adv.+Adv. + Partikel + 3.Dual.Präs.)

tathā tam anudhāvantaṃ mṛgayuṃ śakunārthinam āśramastho muniḥ kaś cid dadarśātha kṛtāhnikaḥ

Als er so dem Jäger, der die Vögel begehrte, nachlief, sah ihn ein gewisser Weiser, der in seiner Einsiedelei wohnte, nachdem er seine Tagesriten vollendet hatte.

Wort für Wort
tathā tam anudhāvantaṃ mṛgayuṃ śakunārthinam
dem so nachlaufenden Jäger, der die Vögel begehrte (Adv. + Akk. + Akk.Ptz.Präs. + Akk. + Akk., Kompositum)
āśramastho muniḥ kaś cid dadarśātha kṛtāhnikaḥ
sah ihn ein gewisser Weiser, der in seiner Einsiedelei wohnte, nachdem er seine Tagesriten vollendet hatte (Nom., Kompositum + Nom. + Indefinitpron. + 3.Sg.Perf.+Adv. + Nom., Kompositum)

tāv antarikṣagau śīghram anuyāntaṃ mahīcaram ślokenānena kauravya papraccha sa munis tadā

Diesen Erdenwanderer, der den beiden Luftwanderern schnell nachjagte, fragte jener Weise damals mit diesem Vers, Kaurava:

Wort für Wort
tāv antarikṣagau śīghram anuyāntaṃ mahīcaram
diesen Erdenwanderer, der den beiden Luftwanderern schnell nachjagte (Akk.Dual + Adv. + Akk.Ptz.Präs. + Akk., Kompositum)
ślokenānena kauravya papraccha sa munis tadā
fragte jener Weise damals mit diesem Vers, Kaurava (Instr.+Instr. + Vok., Kompositum + 3.Sg.Perf. + Nom. + Nom. + Adv.)

vicitram idam āścaryaṃ mṛgahan pratibhāti me plavamānau hi khacarau padātir anudhāvasi

„Wunderlich und erstaunlich erscheint mir dies, Jägersmann: Zu Fuß verfolgst du die beiden fliegenden Himmelswanderer!“

Wort für Wort
vicitram idam āścaryaṃ mṛgahan pratibhāti me
wunderlich und erstaunlich erscheint mir dies, Jägersmann (Nom. + Nom. + Nom. + Vok., Kompositum + 3.Sg.Präs. + Gen.)
plavamānau hi khacarau padātir anudhāvasi
zu Fuß verfolgst du die beiden fliegenden Himmelswanderer (Akk.Dual.Ptz.Präs. + Partikel + Akk.Dual, Kompositum + Nom. + 2.Sg.Präs.)

[Anm.: Eingebettetes Einzelvers-Zitat der Frage des Weisen (CQ, öffnet+schließt in diesem Vers).]

śākunika uvāca pāśam ekam ubhāv etau sahitau harato mama yatra vai vivadiṣyete tatra me vaśam eṣyataḥ

„Der Vogelfänger sprach: Diese beiden gemeinsam tragen eine einzige Schlinge von mir fort; wo immer sie in Streit geraten werden, dort werden sie in meine Gewalt kommen.“

Wort für Wort
śākunika uvāca
der Vogelfänger sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
pāśam ekam ubhāv etau sahitau harato mama
diese beiden gemeinsam tragen eine einzige Schlinge von mir fort (Akk. + Akk. + Nom.Dual + Nom.Dual + Nom.Dual + Gen.Dual.Ptz.Präs. + Gen.)
yatra vai vivadiṣyete tatra me vaśam eṣyataḥ
wo immer sie in Streit geraten werden, dort werden sie in meine Gewalt kommen (Adv. + Partikel + 3.Dual.Fut.Med. + Adv. + Gen. + Akk. + 3.Dual.Fut.)

[Anm.: Eingebettetes Einzelvers-Zitat der Antwort des Vogelfängers (CQ, sequentiell, nicht verschachtelt mit V.11, öffnet+schließt in diesem Vers).]

vidura uvāca tau vivādam anuprāptau śakunau mṛtyusaṃdhitau vigṛhya ca sudurbuddhī pṛthivyāṃ saṃnipetatuḥ

Die beiden Vögel, die vom Tod schon Verbundenen, gerieten in Streit, und, uneins und übel beraten, stürzten sie zur Erde herab.

Wort für Wort
tau vivādam anuprāptau śakunau mṛtyusaṃdhitau
die beiden Vögel, die vom Tod schon Verbundenen, gerieten in Streit (Nom.Dual + Akk. + Nom.Dual.Ptz.Perf. + Nom.Dual + Nom.Dual, Kompositum)
vigṛhya ca sudurbuddhī pṛthivyāṃ saṃnipetatuḥ
und, uneins und übel beraten, stürzten sie zur Erde herab (Absolutiv + Konj. + Nom.Dual + Lok. + 3.Dual.Perf.)

[Anm.: 'vidura uvāca' hier nur formelhafte Wiederholung ohne echten Sprecherwechsel (Vidura erzählt ununterbrochen weiter, SQ bleibt Tiefe 1).]

tau yudhyamānau saṃrabdhau mṛtyupāśavaśānugau upasṛtyāparijñāto jagrāha mṛgayus tadā

Während sie kämpften, wütend, der Gewalt der Todesschlinge folgend, näherte sich der Jäger, unerkannt, und ergriff sie damals.

Wort für Wort
tau yudhyamānau saṃrabdhau mṛtyupāśavaśānugau
während sie kämpften, wütend, der Gewalt der Todesschlinge folgend (Akk.Dual.Ptz.Präs. + Akk.Dual + Akk.Dual, Kompositum)
upasṛtyāparijñāto jagrāha mṛgayus tadā
näherte sich der Jäger, unerkannt, und ergriff sie damals (Absolutiv+Nom. + 3.Sg.Perf. + Nom. + Adv.)

evaṃ ye jñātayo 'rtheṣu mitho gacchanti vigraham te 'mitravaśam āyānti śakunāv iva vigrahāt

So auch: Verwandte, die wegen Besitzes in gegenseitigen Streit geraten, kommen in die Gewalt der Feinde, wie die Vögel durch ihren Streit.

Wort für Wort
evaṃ ye jñātayo 'rtheṣu mitho gacchanti vigraham
so auch: Verwandte, die wegen Besitzes in gegenseitigen Streit geraten (Adv. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Lok.Pl. + Adv. + 3.Pl.Präs. + Akk.)
te 'mitravaśam āyānti śakunāv iva vigrahāt
kommen sie in die Gewalt der Feinde, wie die Vögel durch ihren Streit (Nom.Pl. + Akk., Kompositum + 3.Pl.Präs. + Nom.Dual + Partikel + Abl.)

saṃbhojanaṃ saṃkathanaṃ saṃpraśno 'tha samāgamaḥ etāni jñātikāryāṇi na virodhaḥ kadā cana

Gemeinsames Essen, gemeinsames Erzählen, gegenseitiges Befragen und Zusammenkunft - dies sind die Aufgaben von Verwandten, niemals aber Feindschaft.

Wort für Wort
saṃbhojanaṃ saṃkathanaṃ saṃpraśno 'tha samāgamaḥ
gemeinsames Essen, gemeinsames Erzählen, gegenseitiges Befragen und Zusammenkunft (Nom. + Nom. + Nom. + Konj. + Nom.)
etāni jñātikāryāṇi na virodhaḥ kadā cana
dies sind die Aufgaben von Verwandten, niemals aber Feindschaft (Nom.Pl. + Nom.Pl., Kompositum + Neg. + Nom. + Adv. + Partikel)

yasmin kāle sumanasaḥ sarve vṛddhān upāsate siṃhaguptam ivāraṇyam apradhṛṣyā bhavanti te

Zu der Zeit, da alle Wohlgesinnten die Alten verehren, werden sie unangreifbar wie ein von Löwen behüteter Wald.

Wort für Wort
yasmin kāle sumanasaḥ sarve vṛddhān upāsate
zu der Zeit, da alle Wohlgesinnten die Alten verehren (Lok. + Lok. + Nom.Pl., Kompositum + Nom.Pl. + Akk.Pl. + 3.Pl.Präs.Med.)
siṃhaguptam ivāraṇyam apradhṛṣyā bhavanti te
werden sie unangreifbar wie ein von Löwen behüteter Wald (Akk., Kompositum + Partikel+Akk. + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl.)

ye 'rthaṃ saṃtatam āsādya dīnā iva samāsate śriyaṃ te saṃprayacchanti dviṣadbhyo bharatarṣabha

Die, welche, obwohl sie beständigen Reichtum erlangt haben, wie Elende dasitzen, sie überlassen ihr Glück den Feinden, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
ye 'rthaṃ saṃtatam āsādya dīnā iva samāsate
die, welche, obwohl sie beständigen Reichtum erlangt haben, wie Elende dasitzen (Nom.Pl. + Akk. + Akk. + Absolutiv + Nom.Pl. + Partikel + 3.Pl.Präs.Med.)
śriyaṃ te saṃprayacchanti dviṣadbhyo bharatarṣabha
sie überlassen ihr Glück den Feinden, Stier der Bharatas (Akk. + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs. + Dat.Pl. + Vok., Kompositum)

dhūmāyante vyapetāni jvalanti sahitāni ca dhṛtarāṣṭrolmukānīva jñātayo bharatarṣabha

Getrennt rauchen sie nur, vereint aber lodern sie wie Feuerbrände, Dhṛtarāṣṭra - so sind Verwandte, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
dhūmāyante vyapetāni jvalanti sahitāni ca
getrennt rauchen sie nur, vereint aber lodern sie (3.Pl.Präs.Kaus.Med. + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl. + Konj.)
dhṛtarāṣṭrolmukānīva jñātayo bharatarṣabha
wie Feuerbrände, Dhṛtarāṣṭra - so sind Verwandte, Stier der Bharatas (Vok.+Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl. + Vok., Kompositum)

[Anm.: Ende der Śakuna-Parabel und ihrer Lehre (V.6-19) - Vögel-Gleichnis über die Gefahr innerfamiliärer Zwietracht.]

idam anyat pravakṣyāmi yathā dṛṣṭaṃ girau mayā śrutvā tad api kauravya yathā śreyas tathā kuru

Ein anderes will ich nun erzählen, wie ich es auf dem Berg gesehen habe; höre auch dies, Kaurava, und handle, wie es das Beste ist.

Wort für Wort
idam anyat pravakṣyāmi yathā dṛṣṭaṃ girau mayā
ein anderes will ich nun erzählen, wie ich es auf dem Berg gesehen habe (Akk. + Akk. + 1.Sg.Fut. + Adv. + Akk.Ptz.Perf. + Lok. + Instr.)
śrutvaiva tad api kauravya yathā śreyas tathā kuru
höre auch dies, Kaurava, und handle, wie es das Beste ist (Absolutiv+Partikel + Akk. + Partikel + Vok., Kompositum + Adv. + Nom. + Adv. + 2.Sg.Imp.)

[Anm.: Beginn der zweiten Parabel (Honig-am-Abgrund-Gleichnis, V.20-26).]

vayaṃ kirātaiḥ sahitā gacchāmo girim uttaram brāhmaṇair devakalpaiś ca vidyājambhakavātikaiḥ

Wir gingen, zusammen mit Kirātas und mit gottgleichen Brahmanen, den Zauber-Beschwörungskundigen, zum nördlichen Berg.

Wort für Wort
vayaṃ kirātaiḥ sahitā gacchāmo girim uttaram
wir gingen, zusammen mit Kirātas, zum nördlichen Berg (Nom.Pl. + Instr.Pl. + Nom.Pl. + 1.Pl.Impf. + Akk. + Akk.)
brāhmaṇair devakalpaiś ca vidyājambhakavātikaiḥ
und mit gottgleichen Brahmanen, den Zauber-Beschwörungskundigen (Instr.Pl. + Instr.Pl., Kompositum + Konj. + Instr.Pl., Kompositum)

kuñjabhūtaṃ giriṃ sarvam abhito gandhamādanam dīpyamānauṣadhigaṇaṃ siddhagandharvasevitam

zum ganz mit Lauben bewachsenen Berg Gandhamādana ringsum, mit leuchtenden Kräuterscharen, von Siddhas und Gandharvas besucht.

Wort für Wort
kuñjabhūtaṃ giriṃ sarvam abhito gandhamādanam
zum ganz mit Lauben bewachsenen Berg Gandhamādana ringsum (Akk., Kompositum + Akk. + Akk. + Adv. + Akk.)
dīpyamānauṣadhigaṇaṃ siddhagandharvasevitam
mit leuchtenden Kräuterscharen, von Siddhas und Gandharvas besucht (Akk., Kompositum + Akk., Kompositum)

tatra paśyāmahe sarve madhu pītam amākṣikam maruprapāte viṣame niviṣṭaṃ kumbhasaṃmitam

Dort sahen wir alle Honig, ungetrunken, nicht von Bienen gemacht, an einem gefährlichen Wüstenabhang gelagert, einem Krug gleichkommend.

Wort für Wort
tatra paśyāmahe sarve madhu pītam amākṣikam
dort sahen wir alle Honig, ungetrunken, nicht von Bienen gemacht (Adv. + 1.Pl.Impf.Med. + Nom.Pl. + Akk. + Akk. + Akk.)
maruprapāte viṣame niviṣṭaṃ kumbhasaṃmitam
an einem gefährlichen Wüstenabhang gelagert, einem Krug gleichkommend (Lok., Kompositum + Lok. + Akk. + Akk., Kompositum)

āśīviṣai rakṣyamāṇaṃ kuberadayitaṃ bhṛśam yat prāśya puruṣo martyo amaratvaṃ nigacchati

von Giftschlangen bewacht, sehr von Kubera geliebt, den ein sterblicher Mensch, wenn er ihn kostet, zur Unsterblichkeit gelangt.

Wort für Wort
āśīviṣai rakṣyamāṇaṃ kuberadayitaṃ bhṛśam
von Giftschlangen bewacht, sehr von Kubera geliebt (Instr.Pl. + Akk. + Akk., Kompositum + Adv.)
yat prāśya puruṣo martyo amaratvaṃ nigacchati
den, wenn ein sterblicher Mensch ihn kostet, er zur Unsterblichkeit gelangt (Akk. + Absolutiv + Nom. + Nom. + Akk. + 3.Sg.Präs.)

acakṣur labhate cakṣur vṛddho bhavati vai yuvā iti te kathayanti sma brāhmaṇā jambhasādhakāḥ

„Der Blinde erlangt das Augenlicht, der Alte wird jung“ - so pflegten die zauberkundigen Brahmanen zu sagen.

Wort für Wort
acakṣur labhate cakṣur vṛddho bhavati vai yuvā
der Blinde erlangt das Augenlicht, der Alte wird jung (Nom. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk. + Nom. + 3.Sg.Präs. + Partikel + Nom.)
iti te kathayanti sma brāhmaṇā jambhasādhakāḥ
so pflegten die zauberkundigen Brahmanen zu sagen (Zitatpartikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs. + Partikel + Nom.Pl. + Nom.Pl., Kompositum)

[Anm.: Eingebettetes Kurzzitat der Behauptung der Brahmanen (CQ, öffnet+schließt in diesem Vers).]

tataḥ kirātās tad dṛṣṭvā prārthayanto mahīpate vineśur viṣame tasmin sasarpe girigahvare

Da wünschten die Kirātas, als sie dies sahen, es zu erlangen, o Herrscher, und gingen zugrunde in jener gefährlichen, von Schlangen bewohnten Bergschlucht.

Wort für Wort
tataḥ kirātās tad dṛṣṭvā prārthayanto mahīpate
da wünschten die Kirātas, als sie dies sahen, es zu erlangen, o Herrscher (Adv. + Nom.Pl. + Akk. + Absolutiv + Nom.Pl.Ptz.Präs. + Vok., Kompositum)
vineśur viṣame tasmin sasarpe girigahvare
und gingen zugrunde in jener gefährlichen, von Schlangen bewohnten Bergschlucht (3.Pl.Impf. + Lok. + Lok. + Lok., Kompositum + Lok., Kompositum)

[Anm.: Ende der Honig-Parabel (V.20-26).]

tathaiva tava putro 'yaṃ pṛthivīm eka icchati madhu paśyati saṃmohāt prapātaṃ nānupaśyati

Ebenso wünscht dieser dein Sohn, die Erde allein für sich zu haben; er sieht den Honig, doch aus Verblendung sieht er den Abgrund nicht.

Wort für Wort
tathaiva tava putro 'yaṃ pṛthivīm eka icchati
ebenso wünscht dieser dein Sohn, die Erde allein für sich zu haben (Adv.+Partikel + Gen. + Nom. + Nom. + Akk. + Nom. + 3.Sg.Präs.)
madhu paśyati saṃmohāt prapātaṃ nānupaśyati
er sieht den Honig, doch aus Verblendung sieht er den Abgrund nicht (Akk. + 3.Sg.Präs. + Abl. + Akk. + Neg.+3.Sg.Präs.)

[Anm.: Anwendung der Honig-Parabel auf Duryodhana.]

duryodhano yoddhumanāḥ samare savyasācinā na ca paśyāmi tejo 'sya vikramaṃ vā tathāvidham

Duryodhana ist gesonnen, im Kampf gegen den Linkshändigen zu kämpfen; doch ich sehe bei ihm weder einen solchen Glanz noch eine solche Tapferkeit.

Wort für Wort
duryodhano yoddhumanāḥ samare savyasācinā
Duryodhana ist gesonnen, im Kampf gegen den Linkshändigen zu kämpfen (Nom. + Nom., Kompositum + Lok. + Instr., Kompositum)
na ca paśyāmi tejo 'sya vikramaṃ vā tathāvidham
doch ich sehe bei ihm weder einen solchen Glanz noch eine solche Tapferkeit (Neg. + Konj. + 1.Sg.Präs. + Akk. + Gen. + Akk. + Konj. + Akk.)

ekena ratham āsthāya pṛthivī yena nirjitā pratīkṣamāṇo yo vīraḥ kṣamate vīkṣitaṃ tava

Arjuna, der allein, auf einem Wagen stehend, die Erde besiegt hat - dieser Held erträgt wartend selbst deinen prüfenden Blick [?].

Wort für Wort
ekena ratham āsthāya pṛthivī yena nirjitā
der allein, auf einem Wagen stehend, die Erde besiegt hat (Instr. + Akk. + Absolutiv + Nom. + Instr. + Nom.Ptz.Perf.)
pratīkṣamāṇo yo vīraḥ kṣamate vīkṣitaṃ tava
dieser Held erträgt wartend selbst deinen prüfenden Blick (Nom.Ptz.Präs.Med. + Nom. + Nom. + 3.Sg.Präs.Med. + Akk. + Gen.)

[Anm.: Genauer Sinn von 'kṣamate vīkṣitaṃ tava' unsicher [?] - sinngemäß als 'bleibt gelassen angesichts deiner Herausforderung' gedeutet.]

drupado matsyarājaś ca saṃkruddhaś ca dhanaṃjayaḥ na śeṣayeyuḥ samare vāyuyuktā ivāgnayaḥ

Drupada und der König der Matsyas, und der erzürnte Dhanaṃjaya - sie würden im Kampf nichts übriglassen, wie vom Wind angefachte Feuer.

Wort für Wort
drupado matsyarājaś ca saṃkruddhaś ca dhanaṃjayaḥ
Drupada und der König der Matsyas, und der erzürnte Dhanaṃjaya (Nom. + Nom., Kompositum + Konj. + Nom. + Konj. + Nom.)
na śeṣayeyuḥ samare vāyuyuktā ivāgnayaḥ
sie würden im Kampf nichts übriglassen, wie vom Wind angefachte Feuer (Neg. + Opt.3.Pl.Kaus. + Lok. + Nom.Pl., Kompositum + Partikel+Nom.Pl.)

aṅke kuruṣva rājānaṃ dhṛtarāṣṭra yudhiṣṭhiram yudhyator hi dvayor yuddhe naikāntena bhavej jayaḥ

Nimm den König Yudhiṣṭhira in deinen Schoß, Dhṛtarāṣṭra; denn wenn zwei im Kampf gegeneinander kämpfen, ist der Sieg niemals einseitig sicher.

Wort für Wort
aṅke kuruṣva rājānaṃ dhṛtarāṣṭra yudhiṣṭhiram
nimm den König Yudhiṣṭhira in deinen Schoß, Dhṛtarāṣṭra (Lok. + 2.Sg.Imp.Med. + Akk. + Vok. + Akk.)
yudhyator hi dvayor yuddhe naikāntena bhavej jayaḥ
denn wenn zwei im Kampf gegeneinander kämpfen, ist der Sieg niemals einseitig sicher (Gen.Dual.Ptz.Präs. + Partikel + Gen.Dual + Lok. + Neg.+Instr. + Opt.3.Sg. + Nom.)

[Anm.: Kapitelende - Vidura fordert Dhṛtarāṣṭra direkt zur Versöhnung mit Yudhiṣṭhira auf. SQ bleibt offen (Tiefe 1), Fortsetzung vermutlich Kap.63.]

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