Kapitel 173: Ambāyā Ātmagarhaṇam Tapovanapraveśaś Ca
Ambās Selbstvorwürfe und ihr Eintritt in den Büßerwald
Bhīṣma erzählt weiter: Auf ihrem Weg aus der Stadt haderte Ambā mit sich selbst, mit Bhīṣma, mit ihrem Vater und mit Śālva und erkannte, dass nur Vergeltung an Bhīṣma - durch Askese oder Kampf - ihr Leid lindern könne. Sie erreichte eine Einsiedelei und berichtete den dortigen Asketen ihre ganze Geschichte. Ein hochbetagter Brahmane, der Sohn des Śaikhāvata, sprach mit ihr; sie bat darum, selbst Asketin zu werden, da sie weder zu ihrem Vater noch zu Śālva zurückkehren könne. Der Weise versprach zusammen mit den anderen Brahmanen, ihr zu helfen. (Ambās innerer Monolog und der Dialog mit dem Asketen werden, da sie innerhalb von Bhīṣmas wörtlicher Erzählung eine dritte Zitierebene beanspruchen würden, indirekt wiedergegeben.)
Als sie aus der Stadt hinausging, dachte sie, Bhārata, dass es auf Erden keine junge Frau gebe, die in einer schlimmeren Lage sei als sie; sie sei von ihren Verwandten getrennt und von Śālva verstoßen.
Wort für Wort
sā
sie (Nom. Sg.)
niṣkramantī
hinausgehend (Nom. Sg. Präs. Part.)
nagarāt
aus der Stadt (Abl. Sg.)
cintayām āsa
dachte (Perf. 3. Sg.)
bhārata
o Bhārata (Vok. Sg.)
pṛthivyām
auf Erden (Loc. Sg.)
na asti
es gebe nicht (Neg.)
yuvatiḥ
junge Frau (Nom. Sg.)
viṣamasthatarā
in schlimmerer Lage (Nom. Sg. Komp.)
mayā
als sie (Instr. Sg., hier indirekt)
bāndhavaiḥ
von den Verwandten (Instr. Pl.)
viprahīnā
getrennt (Nom. Sg. Past Part.)
asmi
sie sei (Präs. 1. Sg., hier indirekt)
śālvena
von Śālva (Instr. Sg.)
ca
und (Partikel)
nirākṛtā
verstoßen (Nom. Sg. Past Part.)
[?] Ambās innerer Monolog (V.1-8) liegt, da er innerhalb von Bhīṣmas eigener wörtlicher Erzählung eine dritte Zitierebene beanspruchen würde, als indirekte Wiedergabe ihrer Gedanken vor.
na ca śakyaṃ punar gantuṃ mayā vāraṇasāhvayam anujñātāsmi bhīṣmeṇa śālvam uddiśya kāraṇam
Sie dachte, es sei ihr auch nicht möglich, wieder nach Hāstinapura zurückzukehren; sie sei von Bhīṣma mit dem Ziel Śālva entlassen worden, aus diesem Grund.
Sie dachte, dies sei ihr eigenes Verschulden, dass sie damals, während der grausame Kampf im Gange war, nicht von Bhīṣmas Wagen gesprungen sei, um zu Śālva zu gelangen; dies sei die Frucht jenes Fehlers, dass sie nun wie eine Törin in Not geraten sei.
dhig bhīṣmaṃ dhik ca me mandaṃ pitaraṃ mūḍhacetasam yenāhaṃ vīryaśulkena paṇyastrīvat praveritā
Sie rief: Fluch über Bhīṣma, und Fluch über ihren einfältigen, törichten Vater, durch den sie als durch Tapferkeit gewonnener Brautpreis wie eine feile Dirne fortgeschickt worden sei!
Wort für Wort
dhik
Fluch (Interj.)
bhīṣmam
über Bhīṣma (Akk. Sg.)
dhik
Fluch (Interj.)
ca
und (Partikel)
me
ihren (Gen. Sg., hier indirekt)
mandam
einfältigen (Akk. Sg.)
pitaram
Vater (Akk. Sg.)
mūḍhacetasam
törichten (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
yena
durch den (Instr. Sg.)
aham
sie (Nom. Sg., hier indirekt)
vīryaśulkena
als durch Tapferkeit gewonnener Brautpreis (Instr. Sg.)
Fluch über sie selbst, Fluch über den König von Śālva, und Fluch auch über den Schöpfer, durch deren schlechtes Verhalten sie in dieses höchste Unglück geraten sei!
sā bhīṣme pratikartavyam ahaṃ paśyāmi sāṃpratam tapasā vā yudhā vāpi duḥkhahetuḥ sa me mataḥ ko nu bhīṣmaṃ yudhā jetum utsaheta mahīpatiḥ
Sie sah nun, dass sie an Bhīṣma Vergeltung üben müsse, sei es durch Askese, sei es durch Kampf; er gelte ihr als Ursache ihres Leids; doch welcher Herrscher der Erde könnte es wohl wagen, Bhīṣma im Kampf zu besiegen?
So entschlossen, ging sie aus der Stadt hinaus zur Einsiedelei tugendhafter, hochherziger Asketen; dort verbrachte sie die Nacht, von den Asketen umgeben.
ācakhyau ca yathā vṛttaṃ sarvam ātmani bhārata vistareṇa mahābāho nikhilena śucismitā haraṇaṃ ca visargaṃ ca śālvena ca visarjanam
Und sie berichtete, wie sich alles mit ihr zugetragen hatte, Bhārata, ausführlich und vollständig, die Holdlächelnde, Starkarmiger - die Entführung, die Entlassung, und die Verstoßung durch Śālva.
ārtāṃ tām āha sa muniḥ śaikhāvatyo mahātapāḥ niḥśvasantīṃ satīṃ bālāṃ duḥkhaśokaparāyaṇām
Dieser Weise, der Sohn des Śaikhāvata, von großer Askese, sprach zu ihr, der leidenden, seufzenden, tugendhaften, jungen Frau, die ganz von Schmerz und Kummer erfüllt war:
Wort für Wort
ārtām
der leidenden (Akk. Sg.)
tām
zu ihr (Akk. Sg.)
āha
sprach (Perf. 3. Sg.)
saḥ
dieser (Nom. Sg.)
muniḥ
Weise (Nom. Sg.)
śaikhāvatyaḥ
der Sohn des Śaikhāvata (Nom. Sg.)
mahātapāḥ
von großer Askese (Nom. Sg. Bahuvrīhi)
niḥśvasantīm
seufzende (Akk. Sg. Präs. Part.)
satīm
tugendhafte (Akk. Sg.)
bālām
junge Frau (Akk. Sg.)
duḥkhaśokaparāyaṇām
ganz von Schmerz und Kummer erfüllt (Akk. Sg. Bahuvrīhi)
Er fragte, was denn, da es nun so stehe, Gute, von den Asketen getan werden könne, die in der Einsiedelei lebten, den hochbeglückten, stets in Askese verharrenden, hochherzigen.
Wort für Wort
evam
so (Adv.)
gate
gegangen (Loc. Sg. Past Part.)
kim nu
was denn (Interrog.)
bhadre
o Gute (Vok. Sg., hier indirekt)
śakyam
möglich (Nom. Sg.)
kartum
zu tun (Inf.)
tapasvibhiḥ
von den Asketen (Instr. Pl.)
āśramasthaiḥ
in der Einsiedelei lebenden (Instr. Pl. Bahuvrīhi)
mahābhāgaiḥ
hochbeglückten (Instr. Pl.)
taponityaiḥ
stets in Askese verharrenden (Instr. Pl. Bahuvrīhi)
mahātmabhiḥ
hochherzigen (Instr. Pl. Bahuvrīhi)
[?] Der weitere Wortwechsel zwischen dem Asketen und Ambā (V.13-17) wird ebenfalls, als in Bhīṣmas Erzählung eingebettete Rede, indirekt wiedergegeben.
sa tām āśvāsayat kanyāṃ dṛṣṭāntāgamahetubhiḥ sāntvayām āsa kāryaṃ ca pratijajñe dvijaiḥ saha
Er tröstete die Prinzessin mit Beispielen, überlieferten Lehren und Gründen, sprach ihr Trost zu, und versprach zusammen mit den anderen Brahmanen, ihr Anliegen zu erfüllen.
Wort für Wort
saḥ
er (Nom. Sg.)
tām
sie (Akk. Sg.)
āśvāsayat
tröstete (Impf. Kaus. 3. Sg.)
kanyām
die Prinzessin (Akk. Sg.)
dṛṣṭāntāgamahetubhiḥ
mit Beispielen, überlieferten Lehren und Gründen (Instr. Pl.)