Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 24: Sainyoddyoga-parva (24) Sañjayas Antwort: Beteuerung des Friedenswillens

Sañjaya versichert Yudhiṣṭhira, dass Dhṛtarāṣṭra innerlich leidet und keine Untreue gegenüber den Pāṇḍavas billigt, sondern von den Ratgebern hört, Verrat an Freunden wiege schwerer als andere Sünden. Er erinnert seinerseits an die kriegerische Stärke der Pāṇḍavas, mahnt aber, niemand könne die Zukunft sicher erkennen, und bittet Yudhiṣṭhira eindringlich, durch eigene Klugheit Frieden für alle Beteiligten herbeizuführen. Abschließend kündigt er an, Dhṛtarāṣṭras nächtliche, im Ministerrat gehaltene Rede wortgetreu zu übermitteln.

saṃjaya uvāca yathārhase pāṇḍava tat tathaiva; kurūn kuruśreṣṭha janaṃ ca pṛcchasi anāmayās tāta manasvinas te; kuruśreṣṭhān pṛcchasi pārtha yāṃs tvam

Sañjaya sprach: ‚Wie es sich geziemt, Pāṇḍava, ebenso fragst du, Bester der Kurus, nach den Kurus und dem Volk; wohlauf sind sie, mein Lieber, die Klugen, die Besten der Kurus, nach denen du fragst, Sohn Pṛthās.

Wort für Wort
saṃjaya uvāca yathārhase pāṇḍava tat tathaiva; kurūn kuruśreṣṭha janaṃ ca pṛcchasi anāmayās tāta manasvinas te; kuruśreṣṭhān pṛcchasi pārtha yāṃs tvam
Sañjaya sprach: ‚Wie es sich geziemt, Pāṇḍava, ebenso fragst du, Bester der Kurus, nach den Kurus und dem Volk; wohlauf sind sie, mein Lieber, die Klugen, die Besten der Kurus, nach denen du fragst, Sohn Pṛthās.

santy eva vṛddhāḥ sādhavo dhārtarāṣṭre; santy eva pāpāḥ pāṇḍava tasya viddhi dadyād ripoś cāpi hi dhārtarāṣṭraḥ; kuto dāyāṃl lopayed brāhmaṇānām

Es gibt gewiss altehrwürdige, gute Berater beim Sohn Dhṛtarāṣṭras, und es gibt gewiss auch böse, wisse das, Pāṇḍava; der Sohn Dhṛtarāṣṭras würde sogar einem Feind geben - wie sollte er da die Zuwendungen an die Brahmanen schmälern?

Wort für Wort
santy eva vṛddhāḥ sādhavo dhārtarāṣṭre; santy eva pāpāḥ pāṇḍava tasya viddhi dadyād ripoś cāpi hi dhārtarāṣṭraḥ; kuto dāyāṃl lopayed brāhmaṇānām
Es gibt gewiss altehrwürdige, gute Berater beim Sohn Dhṛtarāṣṭras, und es gibt gewiss auch böse, wisse das, Pāṇḍava; der Sohn Dhṛtarāṣṭras würde sogar einem Feind geben - wie sollte er da die Zuwendungen an die Brahmanen schmälern?

yad yuṣmākaṃ vartate 'sau na dharmyam; adrugdheṣu drugdhavat tan na sādhu mitradhruk syād dhṛtarāṣṭraḥ saputro; yuṣmān dviṣan sādhuvṛttān asādhuḥ

Dass er sich euch gegenüber unrecht verhält, wie gegen Unschuldige feindselig - das ist nicht gut; ein Verräter an Freunden wäre Dhṛtarāṣṭra samt seinem Sohn, wenn er, der Böse, euch, die Rechtschaffenen, hasste.

Wort für Wort
yad yuṣmākaṃ vartate 'sau na dharmyam; adrugdheṣu drugdhavat tan na sādhu mitradhruk syād dhṛtarāṣṭraḥ saputro; yuṣmān dviṣan sādhuvṛttān asādhuḥ
Dass er sich euch gegenüber unrecht verhält, wie gegen Unschuldige feindselig - das ist nicht gut; ein Verräter an Freunden wäre Dhṛtarāṣṭra samt seinem Sohn, wenn er, der Böse, euch, die Rechtschaffenen, hasste.

na cānujānāti bhṛśaṃ ca tapyate; śocaty antaḥ sthaviro 'jātaśatro śṛṇoti hi brāhmaṇānāṃ sametya; mitradrohaḥ pātakebhyo garīyān

Doch er billigt es nicht und leidet heftig; der Greis grämt sich innerlich, Ajātaśatru, denn er hört, wenn die Brahmanen zusammenkommen, dass Verrat an einem Freund schwerer wiegt als andere Sünden.

Wort für Wort
na cānujānāti bhṛśaṃ ca tapyate; śocaty antaḥ sthaviro 'jātaśatro śṛṇoti hi brāhmaṇānāṃ sametya; mitradrohaḥ pātakebhyo garīyān
Doch er billigt es nicht und leidet heftig; der Greis grämt sich innerlich, Ajātaśatru, denn er hört, wenn die Brahmanen zusammenkommen, dass Verrat an einem Freund schwerer wiegt als andere Sünden.

smaranti tubhyaṃ naradeva saṃgame; yuddhe ca jiṣṇoś ca yudhāṃ praṇetuḥ samutkṛṣṭe dundubhiśaṅkhaśabde; gadāpāṇiṃ bhīmasenaṃ smaranti

Sie erinnern sich, o Herrscher der Menschen, in der Versammlung und im Kampf an den Siegreichen, den Führer im Kampf, und wenn der Klang von Pauken und Muschelhörnern anschwillt, erinnern sie sich an den keulenschwingenden Bhīmasena.

Wort für Wort
smaranti tubhyaṃ naradeva saṃgame; yuddhe ca jiṣṇoś ca yudhāṃ praṇetuḥ samutkṛṣṭe dundubhiśaṅkhaśabde; gadāpāṇiṃ bhīmasenaṃ smaranti
Sie erinnern sich, o Herrscher der Menschen, in der Versammlung und im Kampf an den Siegreichen, den Führer im Kampf, und wenn der Klang von Pauken und Muschelhörnern anschwillt, erinnern sie sich an den keulenschwingenden Bhīmasena.

mādrīsutau cāpi raṇājimadhye; sarvā diśaḥ saṃpatantau smaranti senāṃ varṣantau śaravarṣair ajasraṃ; mahārathau samare duṣprakampyau

Und sie erinnern sich an die beiden Söhne Mādrīs inmitten der Kampfschlacht, wie sie nach allen Richtungen stürmen und das Heer unaufhörlich mit Pfeilregen überschütten - die beiden großen Wagenkämpfer, im Kampf schwer zu erschüttern.

Wort für Wort
mādrīsutau cāpi raṇājimadhye; sarvā diśaḥ saṃpatantau smaranti senāṃ varṣantau śaravarṣair ajasraṃ; mahārathau samare duṣprakampyau
Und sie erinnern sich an die beiden Söhne Mādrīs inmitten der Kampfschlacht, wie sie nach allen Richtungen stürmen und das Heer unaufhörlich mit Pfeilregen überschütten - die beiden großen Wagenkämpfer, im Kampf schwer zu erschüttern.

na tv eva manye puruṣasya rājann; anāgataṃ jñāyate yad bhaviṣyam tvaṃ ced imaṃ sarvadharmopapannaḥ; prāptaḥ kleśaṃ pāṇḍava kṛcchrarūpam

Doch ich glaube nicht, o König, dass ein Mensch das noch nicht Gekommene, das Zukünftige, zuverlässig erkennen kann, wenn selbst du, der du allem Recht zugetan bist, Pāṇḍava, dieses überaus schwere Leiden erfahren musstest.

Wort für Wort
na tv eva manye puruṣasya rājann; anāgataṃ jñāyate yad bhaviṣyam tvaṃ ced imaṃ sarvadharmopapannaḥ; prāptaḥ kleśaṃ pāṇḍava kṛcchrarūpam
Doch ich glaube nicht, o König, dass ein Mensch das noch nicht Gekommene, das Zukünftige, zuverlässig erkennen kann, wenn selbst du, der du allem Recht zugetan bist, Pāṇḍava, dieses überaus schwere Leiden erfahren musstest.

tvam evaitat sarvam ataś ca bhūyaḥ; samīkuryāḥ prajñayājātaśatro na kāmārthaṃ saṃtyajeyur hi dharmaṃ; pāṇḍoḥ sutāḥ sarva evendrakalpāḥ

Du selbst solltest all dies und mehr durch deine Klugheit ins Gleichgewicht bringen, Ajātaśatru; denn die Söhne Pāṇḍus, alle Indra gleich, sollten nicht um des Vorteils willen das Recht aufgeben.

Wort für Wort
tvam evaitat sarvam ataś ca bhūyaḥ; samīkuryāḥ prajñayājātaśatro na kāmārthaṃ saṃtyajeyur hi dharmaṃ; pāṇḍoḥ sutāḥ sarva evendrakalpāḥ
Du selbst solltest all dies und mehr durch deine Klugheit ins Gleichgewicht bringen, Ajātaśatru; denn die Söhne Pāṇḍus, alle Indra gleich, sollten nicht um des Vorteils willen das Recht aufgeben.

tvam evaitat prajñayājātaśatro; śamaṃ kuryā yena śarmāpnuyus te dhārtarāṣṭrāḥ pāṇḍavāḥ sṛñjayāś ca; ye cāpy anye pārthivāḥ saṃniviṣṭāḥ

Du selbst solltest mit Klugheit, Ajātaśatru, solchen Frieden herbeiführen, durch den die Söhne Dhṛtarāṣṭras, die Pāṇḍavas, die Sṛñjayas und auch die anderen versammelten Könige Wohlergehen erlangen.

Wort für Wort
tvam evaitat prajñayājātaśatro; śamaṃ kuryā yena śarmāpnuyus te dhārtarāṣṭrāḥ pāṇḍavāḥ sṛñjayāś ca; ye cāpy anye pārthivāḥ saṃniviṣṭāḥ
Du selbst solltest mit Klugheit, Ajātaśatru, solchen Frieden herbeiführen, durch den die Söhne Dhṛtarāṣṭras, die Pāṇḍavas, die Sṛñjayas und auch die anderen versammelten Könige Wohlergehen erlangen.

yan mābravīd dhṛtarāṣṭro niśāyām; ajātaśatro vacanaṃ pitā te sahāmātyaḥ sahaputraś ca rājan; sametya tāṃ vācam imāṃ nibodha

Was mir Dhṛtarāṣṭra, dein Vater, o Ajātaśatru, in der Nacht gesagt hat, samt seinen Ministern und seinem Sohn zusammengekommen, o König - vernimm nun jene Rede.‘

Wort für Wort
yan mābravīd dhṛtarāṣṭro niśāyām; ajātaśatro vacanaṃ pitā te sahāmātyaḥ sahaputraś ca rājan; sametya tāṃ vācam imāṃ nibodha
Was mir Dhṛtarāṣṭra, dein Vater, o Ajātaśatru, in der Nacht gesagt hat, samt seinen Ministern und seinem Sohn zusammengekommen, o König - vernimm nun jene Rede.‘

Sañjaya kündigt an, nun Dhṛtarāṣṭras nächtliche Ratsrede wortgetreu wiederzugeben; im folgenden Kapitel ist daher mit einer weiteren, geschachtelten Redeebene zu rechnen.

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