Bhīma, von Kṛṣṇas Necken gereizt, weist jeden Anschein von Furcht entschieden zurück und beschreibt in eindrucksvollen Bildern (die beiden Welten zwischen seinen Armen haltend, Könige mit der Fußsohle niedertretend) seine übermenschliche Stärke. Der Chapter endet mit der entscheidenden Klarstellung (V.18): sein Friedenswunsch entspringt nicht Furcht, sondern reinem Mitgefühl (kṛpā) für die Verwandten - er erträgt alle Bedrängnis, damit die Bhāratas nicht durch die Pāṇḍavas zugrunde gehen.
‘Vaiśaṃpāyana sprach: So von Vāsudeva angesprochen, geriet er, der stets Zornmütige, Ungeduldige, wie ein edles Ross ungestüm in Bewegung und sprach unmittelbar danach:
‚Du hältst mich, der ich das eine beabsichtige, für etwas anderes, o Acyuta - mich, dessen Gesinnung durchaus aufrichtig ist, von wahrer Tatkraft im Kampf.
Wort für Wort
anyathā māṃ cikīrṣantam anyathā manyase 'cyuta
du hältst mich, der ich das eine beabsichtige, für etwas anderes, o Acyuta (Adv. + Akk. + Akk.Ptz.Präs.Desid. + Adv. + 2.Sg.Präs.Med. + Vok.)
praṇītabhāvam atyantaṃ yudhi satyaparākramam
mich, dessen Gesinnung durchaus aufrichtig ist, von wahrer Tatkraft im Kampf (Akk.Kompositum + Akk.Adv. + Lok. + Akk.Kompositum)
[Anm.: Bhīmas Erwiderung beginnt (SQ öffnet, Tiefe 0->1) - Rahmenverb 'babhāṣe' bereits in V.001.]
vettha dāśārha sattvaṃ me dīrghakālaṃ sahoṣitaḥ uta vā māṃ na jānāsi plavan hrada ivālpavaḥ tasmād apratirūpābhir vāgbhir māṃ tvaṃ samarchasi
Du kennst, o Dāśārha, mein Wesen - wir haben lange Zeit zusammen gelebt; oder aber du kennst mich nicht, wie einen, der nur oberflächlich in einem Teich schwimmt und dessen Tiefe unbekannt bleibt; darum triffst du mich mit unziemlichen Worten.
Wort für Wort
vettha dāśārha sattvaṃ me dīrghakālaṃ sahoṣitaḥ
du kennst, o Dāśārha, mein Wesen - wir haben lange Zeit zusammen gelebt (2.Sg.Perf. + Vok. + Akk. + Gen. + Akk.Adv. + Nom.Ptz.Perf.)
uta vā māṃ na jānāsi plavan hrada ivālpavaḥ
oder aber du kennst mich nicht, wie einen, der nur oberflächlich in einem Teich schwimmt (Partikel + Partikel + Akk. + Neg. + 2.Sg.Präs. + Nom.Ptz.Präs. + Lok. + Partikel+Adv.)
tasmād apratirūpābhir vāgbhir māṃ tvaṃ samarchasi
darum triffst du mich mit unziemlichen Worten (Abl. + Instr.Pl. + Instr.Pl. + Akk. + Nom. + 2.Sg.Präs.)
[Anm.: 'plavan hrada ivālpavaḥ' unsicher [?] in genauer Bildlichkeit - sinngemäß als Gleichnis für oberflächliche, die wahre Tiefe verkennende Kenntnis gedeutet.]
sarvathā nāryakarmaitat praśaṃsā svayam ātmanaḥ ativādāpaviddhas tu vakṣyāmi balam ātmanaḥ
Auf jede Weise ist dies keine edle Tat - das Selbstlob der eigenen Person; doch von deinen übertriebenen Worten gereizt, will ich meine eigene Stärke verkünden.
Wort für Wort
sarvathā nāryakarmaitat praśaṃsā svayam ātmanaḥ
auf jede Weise ist dies keine edle Tat - das Selbstlob der eigenen Person (Adv. + Neg.Kompositum + Nom. + Nom. + Adv. + Gen.)
ativādāpaviddhas tu vakṣyāmi balam ātmanaḥ
doch von übertriebenen Worten gereizt, will ich meine eigene Stärke verkünden (Nom.Kompositum + Partikel + 1.Sg.Fut. + Akk. + Gen.)
Sieh diese beiden Welten, Kṛṣṇa, aus denen diese Geschöpfe entstanden sind - unbeweglich und endlos, die Grundfesten, die Mütter von allem.
Wort für Wort
paśyeme rodasī kṛṣṇa yayor āsann imāḥ prajāḥ
sieh diese beiden Welten, Kṛṣṇa, aus denen diese Geschöpfe entstanden sind (2.Sg.Imp.+Nom.Du. + Nom.Du. + Vok. + Gen.Du. + 3.Pl.Impf. + Nom.Pl. + Nom.Pl.)
acale cāpy anante ca pratiṣṭhe sarvamātarau
unbeweglich und endlos, die Grundfesten, die Mütter von allem (Nom.Du. + Partikel+Partikel + Nom.Du. + Partikel + Nom.Du. + Nom.Du.Kompositum)
Wenn diese beiden, plötzlich erzürnt, wie zwei Felsblöcke zusammenstießen - diese Welten samt allem Beweglichen und Unbeweglichen -, ich könnte sie mit meinen beiden Armen auseinanderhalten.
Wort für Wort
yadīme sahasā kruddhe sameyātāṃ śile iva
wenn diese beiden, plötzlich erzürnt, wie zwei Felsblöcke zusammenstießen (Konj.+Nom.Du. + Adv. + Nom.Du.Ptz.Perf.Pass. + 3.Du.Opt. + Nom.Du. + Partikel)
aham ete nigṛhṇīyāṃ bāhubhyāṃ sacarācare
ich könnte sie mit meinen beiden Armen auseinanderhalten - diese Welten samt allem Beweglichen und Unbeweglichen (Nom. + Akk.Du. + 1.Sg.Opt. + Instr.Du. + Akk.Du.Kompositum)
paśyaitad antaraṃ bāhvor mahāparighayor iva ya etat prāpya mucyeta na taṃ paśyāmi pūruṣam
Sieh diesen Zwischenraum zwischen meinen Armen, wie zwischen zwei gewaltigen Eisenstangen; wer immer, in diesen geraten, wieder entkäme - einen solchen Mann sehe ich nicht.
Wort für Wort
paśyaitad antaraṃ bāhvor mahāparighayor iva
sieh diesen Zwischenraum zwischen meinen Armen, wie zwischen zwei gewaltigen Eisenstangen (2.Sg.Imp.+Akk. + Akk. + Gen.Du. + Gen.Du.Kompositum + Partikel)
ya etat prāpya mucyeta na taṃ paśyāmi pūruṣam
wer immer, in diesen geraten, wieder entkäme - einen solchen Mann sehe ich nicht (Nom. + Akk. + Ger. + 3.Sg.Opt.Pass. + Neg. + Akk. + 1.Sg.Präs. + Akk.)
himavāṃś ca samudraś ca vajrī ca balabhit svayam mayābhipannaṃ trāyeran balam āsthāya na trayaḥ
Weder der Himavat, noch das Meer, noch der Donnerkeilträger, der Balabezwinger selbst - diese drei könnten, selbst mit ihrer ganzen Kraft, keinen retten, den ich ergriffen habe.
Wort für Wort
himavāṃś ca samudraś ca vajrī ca balabhit svayam
weder der Himavat, noch das Meer, noch der Donnerkeilträger, der Balabezwinger selbst (Nom. + Partikel + Nom. + Partikel + Nom. + Partikel + Nom.Kompositum + Adv.)
mayābhipannaṃ trāyeran balam āsthāya na trayaḥ
könnten diese drei, selbst mit ihrer ganzen Kraft, keinen retten, den ich ergriffen habe (Instr.+Akk.Ptz.Perf.Pass. + 3.Pl.Opt. + Akk. + Ger. + Neg. + Nom.Pl.)
Doch wenn du mich nicht kennst, wie man den Glanz der aufgegangenen Sonne übersehen könnte, so wirst du mich, Janārdana, im dichten Gedränge der Schlacht kennenlernen.
Wort für Wort
atha cen māṃ na jānāsi sūryasyevodyataḥ prabhām
doch wenn du mich nicht kennst, wie man den Glanz der aufgegangenen Sonne übersehen könnte (Adv. + Konj. + Akk. + Neg. + 2.Sg.Präs. + Gen.+Partikel+Nom.Ptz.Perf.Pass. + Akk.)
vigāḍhe yudhi saṃbādhe vetsyase māṃ janārdana
so wirst du mich, Janārdana, im dichten Gedränge der Schlacht kennenlernen (Lok. + Lok. + Lok. + 2.Sg.Fut.Med. + Akk. + Vok.)
Warum hast du mich mit scharfen Worten angegriffen, wie mit einer Nadel eine Wunde, o Sündloser? Wie ich denke, so spreche ich dies aus - wisse, dass ich noch mehr bin als das.
Wort für Wort
kiṃ mātyavākṣīḥ paruṣair vraṇaṃ sūcyā ivānagha
warum hast du mich mit scharfen Worten angegriffen, wie mit einer Nadel eine Wunde, o Sündloser (Frag. + Neg.+2.Sg.Aor. + Instr.Pl. + Akk. + Instr. + Partikel+Vok.)
yathāmati bravīmy etad viddhi mām adhikaṃ tataḥ
wie ich denke, so spreche ich dies aus - wisse, dass ich noch mehr bin als das (Adv.Kompositum + 1.Sg.Präs. + Akk. + 2.Sg.Imp. + Akk. + Akk. + Adv.)
Du wirst sehen, wenn im dichten Kampfgetümmel der Tag des Gemetzels begonnen hat, wie Elefanten von mir zurückgetrieben werden, ebenso Wagenkämpfer und Reiter.
Wort für Wort
draṣṭāsi yudhi saṃbādhe pravṛtte vaiśase 'hani
du wirst sehen, wenn im dichten Kampfgetümmel der Tag des Gemetzels begonnen hat (2.Sg.Fut. + Lok. + Lok. + Lok.Abs.Ptz.Perf.Pass. + Lok.Abs. + Lok.Abs.)
mayā praṇunnān mātaṅgān rathinaḥ sādinas tathā
wie Elefanten von mir zurückgetrieben werden, ebenso Wagenkämpfer und Reiter (Instr. + Akk.Pl.Ptz.Perf.Pass. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Adv.)
tathā narān abhikruddhaṃ nighnantaṃ kṣatriyarṣabhān draṣṭā māṃ tvaṃ ca lokaś ca vikarṣantaṃ varān varān
ebenso Männer; du und die Welt werdet mich sehen, erzürnt, wie ich die stierartigen Kṣatriyas erschlage, die Besten unter ihnen einen nach dem andern niederreißend.
ebenso Männer; erzürnt, wie ich die stierartigen Kṣatriyas erschlage (Adv. + Akk.Pl. + Akk.Ptz.Perf.Pass. + Akk.Ptz.Präs. + Akk.Pl.Kompositum)
draṣṭā māṃ tvaṃ ca lokaś ca vikarṣantaṃ varān varān
du und die Welt werdet mich sehen, die Besten unter ihnen einen nach dem andern niederreißend (2.Sg.Fut. + Akk. + Nom. + Partikel + Nom. + Partikel + Akk.Ptz.Präs. + Akk.Pl. + Akk.Pl.)
kiṃ tu sauhṛdam evaitat kṛpayā madhusūdana sarvāṃs titikṣe saṃkleśān mā sma no bharatā naśan
Doch dies ist einzig Freundesliebe, aus Mitgefühl, Madhusūdana; ich ertrage alle Bedrängnisse, damit die Bhāratas nicht durch uns zugrunde gehen.
Wort für Wort
kiṃ tu sauhṛdam evaitat kṛpayā madhusūdana
doch dies ist einzig Freundesliebe, aus Mitgefühl, Madhusūdana (Partikel + Partikel + Nom. + Partikel+Nom. + Instr. + Vok.)
sarvāṃs titikṣe saṃkleśān mā sma no bharatā naśan
ich ertrage alle Bedrängnisse, damit die Bhāratas nicht durch uns zugrunde gehen (Akk.Pl. + 1.Sg.Präs.Med. + Akk.Pl. + Neg. + Partikel + Instr. + Nom.Pl. + 3.Pl.Opt.)
[Anm.: Kapitelschluss - Bhīma stellt klar, dass seine Friedensbereitschaft aus Mitgefühl, nicht aus Furcht entspringt.]