Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 60: Duryodhana-Ātmapraśaṃsā Duryodhanas Selbstlob

Sprecherwechsel Dhṛtarāṣṭra->Duryodhana (close-then-reopen, SQ Tiefe bleibt 1). Duryodhana weist die Furcht seines Vaters zurück (V.2): die Götter handeln nicht aus Zuneigung/Hass/Gier (V.3-8, mit Berufung auf Vyāsa/Nārada/Rāma Jāmadagnya als Quellen dieser Lehre), sondern - ab V.9 in überraschend grandiosem Ton [?] - behauptet Duryodhana eigene quasi-übermenschliche Macht (Kontrolle über Agni/Sturm/Steinregen, Erstarren von Gewässern für sein Heer, Schutz seines Reiches vor Landplagen und Raubtieren, dass kein Gott seine Feinde beschützen könne, unfehlbare Vorhersagen, bereits erfolgte Siege über Pāṇḍavas/Matsyas/Pāñcālas/Kekayas/Sātyaki/Vāsudeva, höchste Einsicht/Tapferkeit/Waffenkunde, die sogar Bhīṣmas/Droṇas/Kṛpas/Śalyas/Śalas übertrifft). V.29 schließt die Rede ('ity uktvā', SQ Tiefe 1->0) und leitet über zu Dhṛtarāṣṭras erneuter Befragung Saṃjayas über praktische Kriegsvorbereitungen.

vaiśaṃpāyana uvāca pitur etad vacaḥ śrutvā dhārtarāṣṭro 'tyamarṣaṇaḥ ādhāya vipulaṃ krodhaṃ punar evedam abravīt

‘Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er das Wort seines Vaters gehört hatte, sprach der Dhārtarāṣṭra, sehr zornig, nachdem er großen Zorn angesammelt hatte, wiederum dies:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom. + 3.Sg.Perf.)
pitur etad vacaḥ śrutvā dhārtarāṣṭro 'tyamarṣaṇaḥ
nachdem er das Wort seines Vaters gehört hatte, sprach der Dhārtarāṣṭra, sehr zornig (Gen. + Akk. + Akk. + Absolutiv + Nom., Kompositum + Nom., Kompositum)
ādhāya vipulaṃ krodhaṃ punar evedam abravīt
nachdem er großen Zorn angesammelt hatte, sprach er wiederum dies (Absolutiv + Akk. + Akk. + Adv. + Partikel+Akk. + 3.Sg.Impf.)

[Anm.: Sprecherwechsel Dhṛtarāṣṭra->Duryodhana (close-then-reopen, SQ bleibt Tiefe 1) - 'vaiśaṃpāyana uvāca' hier nur formelhafter Erzählrahmen-Marker für den Szenenübergang, kein Rückfall auf Erzählerebene Tiefe 0 (im Unterschied zu Kap.59 V.1, wo mehrere Verse reiner Drittperson-Exposition folgten).]

aśakyā devasacivāḥ pārthāḥ syur iti yad bhavān manyate tadbhayaṃ vyetu bhavato rājasattama

‚Dass die Pārthas, mit Göttern als Verbündeten, unbezwingbar wären - diese Furcht, die du hegst, möge von dir weichen, bester der Könige.

Wort für Wort
aśakyā devasacivāḥ pārthāḥ syur iti yad bhavān manyate
dass die Pārthas, mit Göttern als Verbündeten, unbezwingbar wären, wie du meinst (Nom.Pl. + Nom.Pl., Kompositum + Nom.Pl. + Opt.3.Pl. + Zitatpartikel + Akk. + Nom. + 3.Sg.Präs.Med.)
tadbhayaṃ vyetu bhavato rājasattama
diese Furcht möge von dir weichen, bester der Könige (Akk., Kompositum + 3.Sg.Imp. + Abl. + Vok., Kompositum)

[Anm.: Duryodhanas Rede beginnt (SQ öffnet, Tiefe 0->1).]

akāmadveṣasaṃyogād drohāl lobhāc ca bhārata upekṣayā ca bhāvānāṃ devā devatvam āpnuvan

Nicht durch Verbindung mit Begierde oder Hass, nicht durch Feindschaft oder Gier, und nicht durch Gleichgültigkeit gegenüber den Wesen haben die Götter, Bhārata, ihre Göttlichkeit erlangt.

Wort für Wort
akāmadveṣasaṃyogād drohāl lobhāc ca bhārata
nicht durch Verbindung mit Begierde oder Hass, nicht durch Feindschaft oder Gier, Bhārata (Abl., Kompositum + Abl. + Abl. + Konj. + Vok.)
upekṣayā ca bhāvānāṃ devā devatvam āpnuvan
und nicht durch Gleichgültigkeit gegenüber den Wesen haben die Götter ihre Göttlichkeit erlangt (Instr. + Konj. + Gen.Pl. + Nom.Pl. + Akk. + 3.Pl.Impf.)

iti dvaipāyano vyāso nāradaś ca mahātapāḥ jāmadagnyaś ca rāmo naḥ kathām akathayat purā

So erzählte uns einst Dvaipāyana Vyāsa, und Nārada, der große Asket, und Rāma, der Sohn Jamadagnis, diese Geschichte.

Wort für Wort
iti dvaipāyano vyāso nāradaś ca mahātapāḥ
so Dvaipāyana Vyāsa, und Nārada, der große Asket (Zitatpartikel + Nom. + Nom. + Nom. + Konj. + Nom., Kompositum)
jāmadagnyaś ca rāmo naḥ kathām akathayat purā
und Rāma, der Sohn Jamadagnis, erzählte uns einst diese Geschichte (Nom. + Konj. + Nom. + Dat. + Akk. + 3.Sg.Impf. + Adv.)

naiva mānuṣavad devāḥ pravartante kadā cana kāmāl lobhād anukrośād dveṣāc ca bharatarṣabha

Niemals verhalten sich die Götter wie Menschen, aus Begierde, Gier, Mitleid oder Hass, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
naiva mānuṣavad devāḥ pravartante kadā cana
niemals verhalten sich die Götter wie Menschen (Neg.+Partikel + Adv. + Nom.Pl. + 3.Pl.Präs.Med. + Adv. + Partikel)
kāmāl lobhād anukrośād dveṣāc ca bharatarṣabha
aus Begierde, Gier, Mitleid oder Hass, Stier der Bharatas (Abl. + Abl. + Abl. + Abl. + Konj. + Vok., Kompositum)

yadi hy agniś ca vāyuś ca dharma indro 'śvināv api kāmayogāt pravarteran na pārthā duḥkham āpnuyuḥ

Denn wenn Agni, Vāyu, Dharma, Indra und die beiden Aśvins aus bloßer Zuneigung handeln würden, hätten die Pārthas kein Leid erfahren.

Wort für Wort
yadi hy agniś ca vāyuś ca dharma indro 'śvināv api
denn wenn Agni, Vāyu, Dharma, Indra und die beiden Aśvins (Konj. + Partikel + Nom. + Konj. + Nom. + Konj. + Nom. + Nom. + Nom.Dual + Partikel)
kāmayogāt pravarteran na pārthā duḥkham āpnuyuḥ
aus bloßer Zuneigung handeln würden, hätten die Pārthas kein Leid erfahren (Abl., Kompositum + Opt.3.Pl.Med. + Neg. + Nom.Pl. + Akk. + Opt.3.Pl.)

tasmān na bhavatā cintā kāryaiṣā syāt kadā cana daiveṣv apekṣakā hy ete śaśvad bhāveṣu bhārata

Deshalb sollte diese Sorge, die auf die Götter gerichtet ist, von dir niemals gehegt werden; denn diese [Pārthas] sind stets von den eigenen Umständen abhängig, Bhārata.

Wort für Wort
tasmān na bhavatā cintā kāryaiṣā syāt kadā cana
deshalb sollte diese Sorge von dir niemals gehegt werden (Abl. + Neg. + Instr. + Nom. + Nom.Gerundivum+Nom. + Opt.3.Sg. + Adv. + Partikel)
daiveṣv apekṣakā hy ete śaśvad bhāveṣu bhārata
auf die Götter gerichtet - denn diese sind stets von den eigenen Umständen abhängig, Bhārata (Lok.Pl. + Nom.Pl. + Partikel + Nom.Pl. + Adv. + Lok.Pl. + Vok.)

atha cet kāmasaṃyogād dveṣāl lobhāc ca lakṣyate deveṣu devaprāmāṇyaṃ naiva tad vikramiṣyati

Wenn aber bei den Göttern Handeln aus Verbindung mit Begierde, Hass und Gier beobachtet würde, dann würde diese göttliche Autorität überhaupt keine Kraft entfalten.

Wort für Wort
atha cet kāmasaṃyogād dveṣāl lobhāc ca lakṣyate deveṣu
wenn aber bei den Göttern Handeln aus Verbindung mit Begierde, Hass und Gier beobachtet würde (Konj. + Konj. + Abl., Kompositum + Abl. + Abl. + Konj. + 3.Sg.Präs.Pass. + Lok.Pl.)
devaprāmāṇyaṃ naiva tad vikramiṣyati
dann würde diese göttliche Autorität überhaupt keine Kraft entfalten (Nom., Kompositum + Neg.+Partikel + Nom. + 3.Sg.Fut.)

mayābhimantritaḥ śaśvaj jātavedāḥ praśaṃsati didhakṣuḥ sakalāṃl lokān parikṣipya samantataḥ

Von mir stets angerufen, lobpreist mich Jātavedas [Agni], begierig zu verbrennen, nachdem er alle Welten ringsum umschlossen hat.

Wort für Wort
mayābhimantritaḥ śaśvaj jātavedāḥ praśaṃsati
von mir stets angerufen, lobpreist mich Jātavedas (Instr.+Nom.Ptz.Perf. + Adv. + Nom. + 3.Sg.Präs.)
didhakṣuḥ sakalāṃl lokān parikṣipya samantataḥ
begierig zu verbrennen, nachdem er alle Welten ringsum umschlossen hat (Nom., Desiderativum + Akk.Pl. + Akk.Pl. + Absolutiv + Adv.)

[Anm.: Ab hier wechselt Duryodhanas Rede zu grandiosen Behauptungen persönlicher, quasi-übermenschlicher Macht [?] - Ton und Inhalt (Kontrolle über Agni, Sturm, Gewässer, Unverwundbarkeit) wirken wie hybride Selbstüberhebung, konsequent im Sanskritwortlaut wiedergegeben.]

yad vā paramakaṃ tejo yena yuktā divaukasaḥ mamāpy anupamaṃ bhūyo devebhyo viddhi bhārata

Oder wisse, Bhārata: jener höchste Glanz, mit dem die Himmelsbewohner ausgestattet sind - auch der meine ist unvergleichlich, den Göttern noch überlegen.

Wort für Wort
yad vā paramakaṃ tejo yena yuktā divaukasaḥ
jener höchste Glanz, mit dem die Himmelsbewohner ausgestattet sind (Nom. + Konj. + Nom. + Nom. + Instr. + Nom.Pl.Ptz.Perf. + Nom.Pl., Kompositum)
mamāpy anupamaṃ bhūyo devebhyo viddhi bhārata
wisse, Bhārata: auch der meine ist unvergleichlich, den Göttern noch überlegen (Gen.+Partikel + Nom. + Adv. + Abl.Pl. + 2.Sg.Imp. + Vok.)

pradīryamāṇāṃ vasudhāṃ girīṇāṃ śikharāṇi ca lokasya paśyato rājan sthāpayāmy abhimantraṇāt

Die berstende Erde und die Gipfel der Berge halte ich fest, o König, während die Welt zusieht, durch bloße Besprechung.

Wort für Wort
pradīryamāṇāṃ vasudhāṃ girīṇāṃ śikharāṇi ca
die berstende Erde und die Gipfel der Berge (Akk.Ptz.Präs.Pass. + Akk. + Gen.Pl. + Akk.Pl. + Konj.)
lokasya paśyato rājan sthāpayāmy abhimantraṇāt
während die Welt zusieht, o König, halte ich fest, durch bloße Besprechung (Gen. + Gen.Ptz.Präs. + Vok. + 1.Sg.Präs.Kaus. + Abl.)

cetanācetanasyāsya jaṅgamasthāvarasya ca vināśāya samutpannaṃ mahāghoraṃ mahāsvanam

wenn zur Vernichtung dieses Beseelten und Unbeseelten, des Beweglichen und Unbeweglichen, ein gewaltig schreckliches, gewaltig lärmendes Unheil entstanden ist,

Wort für Wort
cetanācetanasyāsya jaṅgamasthāvarasya ca
dieses Beseelten und Unbeseelten, des Beweglichen und Unbeweglichen (Gen., Kompositum + Gen. + Gen., Kompositum + Konj.)
vināśāya samutpannaṃ mahāghoraṃ mahāsvanam
wenn zur Vernichtung ein gewaltig schreckliches, gewaltig lärmendes Unheil entstanden ist (Dat. + Akk.Ptz.Perf. + Akk., Kompositum + Akk., Kompositum)

aśmavarṣaṃ ca vāyuṃ ca śamayāmīha nityaśaḥ jagataḥ paśyato 'bhīkṣṇaṃ bhūtānām anukampayā

besänftige ich hier stets den Steinregen und den Sturmwind, während die Welt zusieht, unablässig, aus Mitleid mit den Geschöpfen.

Wort für Wort
aśmavarṣaṃ ca vāyuṃ ca śamayāmīha nityaśaḥ
besänftige ich hier stets den Steinregen und den Sturmwind (Akk., Kompositum + Konj. + Akk. + Konj. + 1.Sg.Präs.Kaus.+Adv. + Adv.)
jagataḥ paśyato 'bhīkṣṇaṃ bhūtānām anukampayā
während die Welt zusieht, unablässig, aus Mitleid mit den Geschöpfen (Gen. + Gen.Ptz.Präs. + Adv. + Gen.Pl. + Instr.)

stambhitāsv apsu gacchanti mayā rathapadātayaḥ devāsurāṇāṃ bhāvānām aham ekaḥ pravartitā

Wenn die Gewässer von mir erstarrt sind, gehen meine Wagen und Fußtruppen über sie; ich allein bin der Bewirker der Ereignisse von Göttern und Dämonen.

Wort für Wort
stambhitāsv apsu gacchanti mayā rathapadātayaḥ
wenn die Gewässer erstarrt sind, gehen von mir meine Wagen und Fußtruppen (Lok.Pl.Ptz.Perf. + Lok.Pl. + 3.Pl.Präs. + Instr. + Nom.Pl., Kompositum)
devāsurāṇāṃ bhāvānām aham ekaḥ pravartitā
ich allein bin der Bewirker der Ereignisse von Göttern und Dämonen (Gen.Pl., Kompositum + Gen.Pl. + Nom. + Nom. + Nom., Nomen.Agentis)

akṣauhiṇībhir yān deśān yāmi kāryeṇa kena cit tatrāpo me pravartante yatra yatrābhikāmaye

In welche Länder ich auch immer mit meinen Heeren wegen irgendeiner Angelegenheit ziehe - dort fließen die Gewässer für mich, wohin auch immer ich es wünsche.

Wort für Wort
akṣauhiṇībhir yān deśān yāmi kāryeṇa kena cit
in welche Länder ich auch immer mit meinen Heeren wegen irgendeiner Angelegenheit ziehe (Instr.Pl. + Akk.Pl. + Akk.Pl. + 1.Sg.Präs. + Instr. + Instr. + Partikel)
tatrāpo me pravartante yatra yatrābhikāmaye
dort fließen die Gewässer für mich, wohin auch immer ich es wünsche (Adv.+Nom.Pl. + Gen. + 3.Pl.Präs.Med. + Adv.+Adv. + 1.Sg.Präs.Med.)

bhayāni viṣaye rājan vyālādīni na santi me mattaḥ suptāni bhūtāni na hiṃsanti bhayaṃkarāḥ

Furchterregende Tiere wie Schlangen u.a. gibt es in meinem Reich nicht, o König; aus Furcht vor mir schädigen die furchterregenden Wesen nicht einmal die Schlafenden.

Wort für Wort
bhayāni viṣaye rājan vyālādīni na santi me
Furchterregende Tiere wie Schlangen u.a. gibt es in meinem Reich nicht, o König (Nom.Pl. + Lok. + Vok. + Nom.Pl., Kompositum + Neg. + 3.Pl.Präs. + Gen.)
mattaḥ suptāni bhūtāni na hiṃsanti bhayaṃkarāḥ
aus Furcht vor mir schädigen die furchterregenden Wesen nicht die Schlafenden (Abl. + Akk.Pl.Ptz.Perf. + Akk.Pl. + Neg. + 3.Pl.Präs. + Nom.Pl., Kompositum)

nikāmavarṣī parjanyo rājan viṣayavāsinām dharmiṣṭhāś ca prajāḥ sarvā ītayaś ca na santi me

Nach Wunsch regnet Parjanya für die Bewohner meines Reiches, o König, und alle Untertanen sind höchst rechtschaffen, und Landplagen gibt es bei mir nicht.

Wort für Wort
nikāmavarṣī parjanyo rājan viṣayavāsinām
nach Wunsch regnet Parjanya, o König, für die Bewohner meines Reiches (Nom., Kompositum + Nom. + Vok. + Gen.Pl., Kompositum)
dharmiṣṭhāś ca prajāḥ sarvā ītayaś ca na santi me
und alle Untertanen sind höchst rechtschaffen, und Landplagen gibt es bei mir nicht (Nom.Pl. + Konj. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Konj. + Neg. + 3.Pl.Präs. + Gen.)

[Anm.: Parjanya = der Regengott.]

aśvināv atha vāyvagnī marudbhiḥ saha vṛtrahā dharmaś caiva mayā dviṣṭān notsahante 'bhirakṣitum

Die beiden Aśvins, Vāyu und Agni, der Vṛtratöter samt den Maruts, und ebenso Dharma - sie wagen nicht, die von mir Gehassten zu beschützen.

Wort für Wort
aśvināv atha vāyvagnī marudbhiḥ saha vṛtrahā
die beiden Aśvins, Vāyu und Agni, der Vṛtratöter samt den Maruts (Nom.Dual + Konj. + Nom.Dual, Kompositum + Instr.Pl. + Präp. + Nom., Kompositum)
dharmaś caiva mayā dviṣṭān notsahante 'bhirakṣitum
und ebenso Dharma - sie wagen nicht, die von mir Gehassten zu beschützen (Nom. + Konj.+Partikel + Instr. + Akk.Pl.Ptz.Perf. + Neg.+3.Pl.Präs.Med. + Infinitiv)

[Anm.: 'der Vṛtratöter' = Indra.]

yadi hy ete samarthāḥ syur maddviṣas trātum ojasā na sma trayodaśa samāḥ pārthā duḥkham avāpnuyuḥ

Denn wenn diese fähig wären, meine Feinde mit Kraft zu retten, hätten die Pārthas nicht dreizehn Jahre lang Leid erfahren.

Wort für Wort
yadi hy ete samarthāḥ syur maddviṣas trātum ojasā
denn wenn diese fähig wären, meine Feinde mit Kraft zu retten (Konj. + Partikel + Nom.Pl. + Nom.Pl. + Opt.3.Pl. + Akk.Pl., Kompositum + Infinitiv + Instr.)
na sma trayodaśa samāḥ pārthā duḥkham avāpnuyuḥ
hätten die Pārthas nicht dreizehn Jahre lang Leid erfahren (Neg. + Partikel + Akk. + Akk.Pl. + Nom.Pl. + Akk. + Opt.3.Pl.)

naiva devā na gandharvā nāsurā na ca rākṣasāḥ śaktās trātuṃ mayā dviṣṭaṃ satyam etad bravīmi te

Weder Götter noch Gandharvas, noch Asuras noch Rākṣasas sind fähig, den von mir Gehassten zu retten - dies sage ich dir als Wahrheit.

Wort für Wort
naiva devā na gandharvā nāsurā na ca rākṣasāḥ
weder Götter noch Gandharvas, noch Asuras noch Rākṣasas (Neg.+Partikel + Nom.Pl. + Neg. + Nom.Pl. + Neg.+Nom.Pl. + Neg. + Konj. + Nom.Pl.)
śaktās trātuṃ mayā dviṣṭaṃ satyam etad bravīmi te
sind fähig, den von mir Gehassten zu retten - dies sage ich dir als Wahrheit (Nom.Pl. + Infinitiv + Instr. + Akk.Ptz.Perf. + Akk. + Akk. + 1.Sg.Präs. + Dat.)

yad abhidhyāmy ahaṃ śaśvac chubhaṃ vā yadi vāśubham naitad vipannapūrvaṃ me mitreṣv ariṣu cobhayoḥ

Was ich auch immer stets beabsichtige, ob Günstiges oder Ungünstiges, dies ist mir bei Freunden wie bei Feinden, bei beiden, noch nie fehlgeschlagen.

Wort für Wort
yad abhidhyāmy ahaṃ śaśvac chubhaṃ vā yadi vāśubham
was ich auch immer stets beabsichtige, ob Günstiges oder Ungünstiges (Akk. + 1.Sg.Präs. + Nom. + Adv. + Akk. + Konj. + Konj. + Konj.+Akk.)
naitad vipannapūrvaṃ me mitreṣv ariṣu cobhayoḥ
dies ist mir bei Freunden wie bei Feinden, bei beiden, noch nie fehlgeschlagen (Neg.+Nom. + Nom., Kompositum + Gen. + Lok.Pl. + Lok.Pl. + Konj.+Lok.Dual)

bhaviṣyatīdam iti vā yad bravīmi paraṃtapa nānyathā bhūtapūrvaṃ tat satyavāg iti māṃ viduḥ

Und dass das, was ich sage, geschehen werde, Bezwinger der Feinde, ist noch nie anders eingetroffen - als Wahrredner kennt man mich.

Wort für Wort
bhaviṣyatīdam iti vā yad bravīmi paraṃtapa
dass das geschehen werde, was ich sage, Bezwinger der Feinde (3.Sg.Fut.+Nom. + Zitatpartikel + Konj. + Akk. + 1.Sg.Präs. + Vok., Kompositum)
nānyathā bhūtapūrvaṃ tat satyavāg iti māṃ viduḥ
ist noch nie anders eingetroffen - als Wahrredner kennt man mich (Neg.+Adv. + Nom., Kompositum + Nom. + Nom., Kompositum + Zitatpartikel + Akk. + 3.Pl.Perf.)

lokasākṣikam etan me māhātmyaṃ dikṣu viśrutam āśvāsanārthaṃ bhavataḥ proktaṃ na ślāghayā nṛpa

Diese meine Größe, von der Welt bezeugt, ist in allen Himmelsrichtungen bekannt; zu deiner Beruhigung habe ich sie dargelegt, nicht aus Prahlerei, o König.

Wort für Wort
lokasākṣikam etan me māhātmyaṃ dikṣu viśrutam
diese meine Größe, von der Welt bezeugt, ist in allen Himmelsrichtungen bekannt (Nom., Kompositum + Nom. + Gen. + Nom. + Lok.Pl. + Nom.)
āśvāsanārthaṃ bhavataḥ proktaṃ na ślāghayā nṛpa
zu deiner Beruhigung habe ich sie dargelegt, nicht aus Prahlerei, o König (Akk., Kompositum + Abl. + Nom.Ptz.Perf. + Neg. + Instr. + Vok.)

na hy ahaṃ ślāghano rājan bhūtapūrvaḥ kadā cana asad ācaritaṃ hy etad yad ātmānaṃ praśaṃsati

Denn niemals zuvor war ich ein Prahler, o König; unwürdiges Verhalten ist es nämlich, wenn man sich selbst lobt.

Wort für Wort
na hy ahaṃ ślāghano rājan bhūtapūrvaḥ kadā cana
denn niemals zuvor war ich ein Prahler, o König (Neg. + Partikel + Nom. + Nom. + Vok. + Nom., Kompositum + Adv. + Partikel)
asad ācaritaṃ hy etad yad ātmānaṃ praśaṃsati
unwürdiges Verhalten ist es nämlich, wenn man sich selbst lobt (Nom. + Nom. + Partikel + Nom. + Nom. + Akk. + 3.Sg.Präs.)

[Anm.: Ende von Duryodhanas Behauptung, nicht aus Eitelkeit zu sprechen (V.23-24).]

pāṇḍavāṃś caiva matsyāṃś ca pāñcālān kekayaiḥ saha sātyakiṃ vāsudevaṃ ca śrotāsi vijitān mayā

Die Pāṇḍavas ebenso, die Matsyas, die Pāñcālas samt den Kekayas, Sātyaki und Vāsudeva - du wirst hören, dass sie von mir besiegt worden sind.

Wort für Wort
pāṇḍavāṃś caiva matsyāṃś ca pāñcālān kekayaiḥ saha
die Pāṇḍavas ebenso, die Matsyas, die Pāñcālas samt den Kekayas (Akk.Pl. + Konj.+Partikel + Akk.Pl. + Konj. + Akk.Pl. + Instr.Pl. + Präp.)
sātyakiṃ vāsudevaṃ ca śrotāsi vijitān mayā
Sātyaki und Vāsudeva - du wirst hören, dass sie von mir besiegt worden sind (Akk. + Akk. + Konj. + 2.Sg.Fut. + Akk.Pl.Ptz.Perf. + Instr.)

saritaḥ sāgaraṃ prāpya yathā naśyanti sarvaśaḥ tathaiva te vinaṅkṣyanti mām āsādya sahānvayāḥ

Wie Flüsse, wenn sie das Meer erreichen, gänzlich vergehen, ebenso werden sie zugrunde gehen, samt ihrem Geschlecht, wenn sie auf mich treffen.

Wort für Wort
saritaḥ sāgaraṃ prāpya yathā naśyanti sarvaśaḥ
wie Flüsse, wenn sie das Meer erreichen, gänzlich vergehen (Nom.Pl. + Akk. + Absolutiv + Adv. + 3.Pl.Präs. + Adv.)
tathaiva te vinaṅkṣyanti mām āsādya sahānvayāḥ
ebenso werden sie zugrunde gehen, samt ihrem Geschlecht, wenn sie auf mich treffen (Adv.+Partikel + Nom.Pl. + 3.Pl.Fut. + Akk. + Absolutiv + Nom.Pl., Kompositum)

parā buddhiḥ paraṃ tejo vīryaṃ ca paramaṃ mayi parā vidyā paro yogo mama tebhyo viśiṣyate

Höchste Einsicht, höchster Glanz, höchste Tapferkeit sind in mir, höchstes Wissen, höchste Kampfeskunst - meine Fähigkeiten übertreffen die ihren.

Wort für Wort
parā buddhiḥ paraṃ tejo vīryaṃ ca paramaṃ mayi
höchste Einsicht, höchster Glanz, höchste Tapferkeit sind in mir (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Konj. + Nom. + Lok.)
parā vidyā paro yogo mama tebhyo viśiṣyate
höchstes Wissen, höchste Kampfeskunst - meine Fähigkeiten übertreffen die ihren (Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Gen. + Abl.Pl. + 3.Sg.Präs.Med.Pass.)

pitāmahaś ca droṇaś ca kṛpaḥ śalyaḥ śalas tathā astreṣu yat prajānanti sarvaṃ tan mayi vidyate

Was der Großvater, Droṇa, Kṛpa, Śalya und ebenso Śala an Waffenkunde wissen - all das findet sich auch in mir.

Wort für Wort
pitāmahaś ca droṇaś ca kṛpaḥ śalyaḥ śalas tathā
der Großvater, Droṇa, Kṛpa, Śalya und ebenso Śala (Nom. + Konj. + Nom. + Konj. + Nom. + Nom. + Nom. + Adv.)
astreṣu yat prajānanti sarvaṃ tan mayi vidyate
was sie an Waffenkunde wissen - all das findet sich auch in mir (Lok.Pl. + Akk. + 3.Pl.Präs. + Nom. + Nom. + Lok. + 3.Sg.Präs.Med.Pass.)

[Anm.: 'der Großvater' = Bhīṣma. Ende von Duryodhanas grandioser Selbstlob-Rede (V.2-28).]

ity uktvā saṃjayaṃ bhūyaḥ paryapṛcchata bhārata jñātvā yuyutsuḥ kāryāṇi prāptakālam ariṃdama

‘So gesprochen habend, befragte er [Dhṛtarāṣṭra] wiederum Saṃjaya, Bhārata, da er erkannte, dass sein Sohn kampfbegierig war, über die zeitgemäßen Aufgaben, Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
ity uktvā saṃjayaṃ bhūyaḥ paryapṛcchata bhārata
so gesprochen habend, befragte er wiederum Saṃjaya, Bhārata (Zitatpartikel + Absolutiv + Akk. + Adv. + 3.Sg.Impf.Med. + Vok.)
jñātvā yuyutsuḥ kāryāṇi prāptakālam ariṃdama
da er erkannte, dass sein Sohn kampfbegierig war, über die zeitgemäßen Aufgaben, Bezwinger der Feinde (Absolutiv + Nom., Desiderativum + Akk.Pl. + Akk., Kompositum + Vok., Kompositum)

[Anm.: Duryodhanas Prahlerei-Rede (V.2-28) schließt hier ('ity uktvā', SQ Tiefe 1->0); Subjektwechsel im Sanskrit unmarkiert - 'befragte' bezieht sich vermutlich auf Dhṛtarāṣṭra, der nach Erkennen von Duryodhanas Kampfbegierde nun praktische Fragen an Saṃjaya richtet. Kapitelende; Fortsetzung vermutlich Kap.61.]

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