Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Udyogaparva

Kapitel 104: Gālavopākhyānam Prārambhaḥ Beginn der Gālava-Erzählung

Janamejaya unterbricht die Erzählung mit einer Frage: Warum halten Duryodhanas Verwandte ihn nicht von seinem verderblichen Weg ab? Vaiśaṃpāyana antwortet mit Verweis auf die vielfältigen bereits gehörten Mahnreden und beginnt, Nāradas Worte wiederzugeben - dieser leitet mit einer alten Lehrgeschichte über die Gefahren der Beharrlichkeit ein: die Erzählung von Gālava. Dharma, verkleidet, testet zweimal Viśvāmitras Geduld beim Erbitten von Speise - beim zweiten Mal, nach hundert Jahren regungslosen Wartens, ist er zufrieden, und Viśvāmitra erlangt dadurch Brahmanenwürde. Sein hingebungsvoller Schüler Gālava wird darauf aus dem Lehrdienst entlassen und besteht darauf, einen Lehrerlohn zu entrichten - trotz wiederholter Abweisung Viśvāmitras. Schließlich, durch Gālavas Beharrlichkeit gereizt, stellt Viśvāmitra die scheinbar unerfüllbare Forderung nach achthundert besonderen, einseitig dunkelohrigen, mondweißen Rossen.

janamejaya uvāca anarthe jātanirbandhaṃ parārthe lobhamohitam anāryakeṣv abhirataṃ maraṇe kṛtaniścayam

‘Janamejaya sprach: ‚Der da Beharrlichkeit im Nichtnützlichen entwickelt hat, der von Gier nach fremdem Gut verblendet ist, der an Unedlem Gefallen findet, der zum Sterben entschlossen ist,

Wort für Wort
anarthe jātanirbandhaṃ parārthe lobhamohitam
der da Beharrlichkeit im Nichtnützlichen entwickelt hat, der von Gier nach fremdem Gut verblendet ist (Lok. + Akk., Bahuvrīhi + Lok. + Akk., Bahuvrīhi)
anāryakeṣu abhirataṃ maraṇe kṛtaniścayam
der an Unedlem Gefallen findet, der zum Sterben entschlossen ist (Lok. + Akk. + Lok. + Akk., Bahuvrīhi)

[Anm.: SQ schließt hier zunächst - Ende von Duryodhanas am Kapitelende von Kap.103 offengebliebener trotziger Rede - und öffnet sogleich neu für Janamejayas Frage an Vaiśaṃpāyana; dies ist die äußerste Rahmenebene der gesamten Erzählung (Janamejaya-Vaiśaṃpāyana-Dialog).]

jñātīnāṃ duḥkhakartāraṃ bandhūnāṃ śokavardhanam suhṛdāṃ kleśadātāraṃ dviṣatāṃ harṣavardhanam

der seinen Verwandten Leid bereitet, der seinen Angehörigen den Kummer mehrt, der seinen Freunden Pein zufügt, der seinen Feinden die Freude mehrt -

Wort für Wort
jñātīnāṃ duḥkhakartāraṃ bandhūnāṃ śokavardhanam
der seinen Verwandten Leid bereitet, der seinen Angehörigen den Kummer mehrt (Gen. Pl. + Akk. + Gen. Pl. + Akk.)
suhṛdāṃ kleśadātāraṃ dviṣatāṃ harṣavardhanam
der seinen Freunden Pein zufügt, der seinen Feinden die Freude mehrt (Gen. Pl. + Akk. + Gen. Pl. + Akk.)

kathaṃ nainaṃ vimārgasthaṃ vārayantīha bāndhavāḥ sauhṛdād vā suhṛtsnigdho bhagavān vā pitāmahaḥ

wie kommt es, dass ihn, der auf dem Irrweg steht, hier seine Verwandten nicht zurückhalten - sei es aus Freundschaft, sei es der liebevolle Freund, sei es der ehrwürdige Großvater?‘

Wort für Wort
katham na enaṃ vimārgasthaṃ vārayanti iha bāndhavāḥ
wie kommt es, dass ihn, der auf dem Irrweg steht, hier seine Verwandten nicht zurückhalten (Frage + Neg. + Akk. + Akk. + 3. Pl. Präs. + Adv. + Nom.)
sauhṛdād vā suhṛtsnigdhaḥ bhagavān vā pitāmahaḥ
sei es aus Freundschaft, sei es der liebevolle Freund, sei es der ehrwürdige Großvater (Abl. + Partikel + Nom., Bahuvrīhi + Nom. + Partikel + Nom.)

[Anm.: SQ schließt hier - Ende von Janamejayas Frage; gemeint ist Duryodhana, dessen trotzige Rede den vorigen Kapitelabschluss bildete.]

vaiśaṃpāyana uvāca uktaṃ bhagavatā vākyam uktaṃ bhīṣmeṇa yat kṣamam uktaṃ bahuvidhaṃ caiva nāradenāpi tac chṛṇu

Vaiśaṃpāyana sprach: Gesprochen wurde das Wort des Erhabenen, gesprochen wurde von Bhīṣma, was angemessen war, gesprochen wurde vielfältig auch von Nārada - höre das.

Wort für Wort
uktaṃ bhagavatā vākyam uktaṃ bhīṣmeṇa yat kṣamam
gesprochen wurde das Wort des Erhabenen, gesprochen wurde von Bhīṣma, was angemessen war (Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Akk. + Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Rel. + Nom.)
uktaṃ bahuvidhaṃ ca eva nāradena api tat śṛṇu
gesprochen wurde vielfältig auch von Nārada - höre das (Nom. Sg. Ppp. + Adv. + Instr. + Partikel + Akk. + Imperativ)

[Anm.: reine Übergangs-Erzählung Vaiśaṃpāyanas (Grundebene, unmarkiert) - kein Zitat; die eigentliche Rede Nāradas (die Gālava-Erzählung) beginnt erst in V.005.]

nārada uvāca durlabho vai suhṛc chrotā durlabhaś ca hitaḥ suhṛt tiṣṭhate hi suhṛd yatra na bandhus tatra tiṣṭhati

‚Nārada sprach: Selten wahrlich ist ein Freund, der zuhört, und selten ein wohlmeinender Freund; denn wo ein Freund weilt, dort weilt auch, wer kein Verwandter ist.

Wort für Wort
durlabhaḥ vai suhṛt śrotā durlabhaḥ ca hitaḥ suhṛt
selten wahrlich ist ein Freund, der zuhört, und selten ein wohlmeinender Freund (Nom. + Partikel + Nom. + Nom. + Nom. + Nom. + Nom.)
tiṣṭhate hi suhṛd yatra na bandhuḥ tatra tiṣṭhati
denn wo ein Freund weilt, dort weilt auch, wer kein Verwandter ist (3. Sg. Präs. Med. + Partikel + Nom. + Rel. + Neg. + Nom. + Adv. + 3. Sg. Präs.)

[Anm.: SQ öffnet hier neu - Nāradas Rede beginnt (die Gālava-Erzählung), von Vaiśaṃpāyana als Antwort auf Janamejayas Frage wiedergegeben.]

śrotavyam api paśyāmi suhṛdāṃ kurunandana na kartavyaś ca nirbandho nirbandho hi sudāruṇaḥ

Auch das Zuhören der Freunde sehe ich als geboten an, o Freude der Kurus, doch Beharrlichkeit sollte man nicht üben, denn Beharrlichkeit ist überaus verhängnisvoll.

Wort für Wort
śrotavyam api paśyāmi suhṛdāṃ kurunandana
auch das Zuhören der Freunde sehe ich als geboten an, o Freude der Kurus (Akk. Gerundivum + Partikel + 1. Sg. Präs. + Gen. Pl. + Vok.)
na kartavyaḥ ca nirbandhaḥ nirbandhaḥ hi sudāruṇaḥ
doch Beharrlichkeit sollte man nicht üben, denn Beharrlichkeit ist überaus verhängnisvoll (Neg. + Nom. Gerundivum + Nom. + Nom. + Partikel + Nom.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam yathā nirbandhataḥ prāpto gālavena parājayaḥ

Dazu erzählt man auch diese alte Geschichte, wie durch Beharrlichkeit Gālava eine Niederlage erlitt.

Wort für Wort
atra api udāharanti imam itihāsaṃ purātanam
dazu erzählt man auch diese alte Geschichte (Adv. + Partikel + 3. Pl. Präs. + Akk. + Akk. + Akk.)
yathā nirbandhataḥ prāptaḥ gālavena parājayaḥ
wie durch Beharrlichkeit Gālava eine Niederlage erlitt (Vergleich + Abl. + Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Nom.)

viśvāmitraṃ tapasyantaṃ dharmo jijñāsayā purā abhyagacchat svayaṃ bhūtvā vasiṣṭho bhagavān ṛṣiḥ

Einst näherte sich Dharma, aus Wissbegier, dem in Askese verharrenden Viśvāmitra, indem er selbst die Gestalt des erhabenen Sehers Vasiṣṭha annahm,

Wort für Wort
viśvāmitraṃ tapasyantaṃ dharmaḥ jijñāsayā purā
dem in Askese verharrenden Viśvāmitra näherte sich Dharma einst, aus Wissbegier (Akk. + Akk. Sg. Part. Präs. + Nom. + Instr. + Adv.)
abhyagacchat svayaṃ bhūtvā vasiṣṭhaḥ bhagavān ṛṣiḥ
näherte sich, selbst die Gestalt des erhabenen Sehers Vasiṣṭha annehmend (3. Sg. Ipf. + Adv. + Ger. + Nom. + Nom. + Nom.)

saptarṣīṇām anyatamaṃ veṣam āsthāya bhārata bubhukṣuḥ kṣudhito rājann āśramaṃ kauśikasya ha

in der Gestalt eines der Siebenweisen, o Bhārata, hungrig, nach Speise verlangend, o König, näherte er sich dem Āśrama des Kauśika.

Wort für Wort
saptarṣīṇām anyatamaṃ veṣam āsthāya bhārata
in der Gestalt eines der Siebenweisen, o Bhārata (Gen. Pl. + Akk. + Akk. + Ger. + Vok.)
bubhukṣuḥ kṣudhitaḥ rājan āśramaṃ kauśikasya ha
hungrig, nach Speise verlangend, o König, näherte er sich dem Āśrama des Kauśika (Nom. + Nom. + Vok. + Akk. + Gen. + Partikel)

[Anm.: ,Kauśika' (,Sohn des Kuśika') ist ein Beiname Viśvāmitras.]

viśvāmitro 'tha saṃbhrāntaḥ śrapayām āsa vai carum paramānnasya yatnena na ca sa pratyapālayat

Viśvāmitra, da bestürzt, bereitete eifrig einen Opferbrei vom vorzüglichsten Reis zu, doch er wartete nicht ab.

Wort für Wort
viśvāmitraḥ atha saṃbhrāntaḥ śrapayām āsa vai carum
Viśvāmitra, da bestürzt, bereitete fürwahr einen Opferbrei zu (Nom. + Adv. + Nom. Sg. Ppp. + 3. Sg. Perf. Kausativ + Partikel + Akk.)
paramānnasya yatnena na ca sa pratyapālayat
vom vorzüglichsten Reis, eifrig, doch er wartete nicht ab (Gen. + Instr. + Neg. + Nom. + 3. Sg. Ipf.)

annaṃ tena yadā bhuktam anyair dattaṃ tapasvibhiḥ atha gṛhyānnam atyuṣṇaṃ viśvāmitro 'bhyupāgamat

Als von ihm die Speise, von anderen Asketen gegeben, gegessen worden war, da kam Viśvāmitra, die noch sehr heiße Speise in Händen haltend, heran.

Wort für Wort
annaṃ tena yadā bhuktam anyaiḥ dattaṃ tapasvibhiḥ
als von ihm die Speise, von anderen Asketen gegeben, gegessen worden war (Nom. + Instr. + Adv. + Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Nom. Sg. Ppp. + Instr.)
atha gṛhya annam atyuṣṇaṃ viśvāmitraḥ abhyupāgamat
da kam Viśvāmitra, die noch sehr heiße Speise in Händen haltend, heran (Adv. + Ger. + Akk. + Akk. + Nom. + 3. Sg. Ipf.)

[Anm.: gemeint ist, dass der verkleidete Dharma bereits von anderen Asketen Speise erhalten und gegessen hatte, bevor Viśvāmitra mit dem eigens zubereiteten Opferbrei zurückkehrte.]

bhuktaṃ me tiṣṭha tāvat tvam ity uktvā bhagavān yayau viśvāmitras tato rājan sthita eva mahādyutiḥ

„Ich habe schon gegessen; warte du derweil“ - so gesprochen habend, ging der Erhabene fort; Viśvāmitra aber, o König, blieb da stehen, von großem Glanz.

Wort für Wort
bhuktaṃ me tiṣṭha tāvat tvam iti uktvā bhagavān yayau
ich habe schon gegessen, warte du derweil - so gesprochen habend, ging der Erhabene fort (Nom. Sg. Ppp. + Dat. + Imperativ + Adv. + Nom. + Partikel + Ger. + Nom. + 3. Sg. Perf.)
viśvāmitraḥ tataḥ rājan sthitaḥ eva mahādyutiḥ
Viśvāmitra aber, o König, blieb da stehen, von großem Glanz (Nom. + Adv. + Vok. + Nom. Sg. Ppp. + Partikel + Nom.)

[Anm.: CQ öffnet und schließt hier innerhalb eines Verses - Dharmas kurzer, mit ,iti' markierter Ausspruch, mit dem er Viśvāmitra beim ersten Besuch auf die Probe stellt.]

bhaktaṃ pragṛhya mūrdhnā tad bāhubhyāṃ pārśvato 'gamat sthitaḥ sthāṇur ivābhyāśe niśceṣṭo mārutāśanaḥ

Den Speisebrei mit dem Haupt gefasst haltend, mit beiden Armen, ging er zur Seite, stand regungslos wie ein Pfahl in der Nähe, nur von Luft sich nährend.

Wort für Wort
bhaktaṃ pragṛhya mūrdhnā tad bāhubhyāṃ pārśvataḥ agamat
den Speisebrei mit dem Haupt gefasst haltend, mit beiden Armen, ging er zur Seite (Akk. + Ger. + Instr. + Akk. + Instr. Dual + Adv. + 3. Sg. Ipf.)
sthitaḥ sthāṇuḥ iva abhyāśe niśceṣṭaḥ mārutāśanaḥ
stand regungslos wie ein Pfahl in der Nähe, nur von Luft sich nährend (Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Vergleich + Lok. + Nom., Bahuvrīhi + Nom., Bahuvrīhi)

tasya śuśrūṣaṇe yatnam akarod gālavo muniḥ gauravād bahumānāc ca hārdena priyakāmyayā

Um ihm zu dienen, bemühte sich der Weise Gālava, aus Ehrerbietung, hoher Achtung und Herzenswärme, aus Wunsch, ihm zu gefallen.

Wort für Wort
tasya śuśrūṣaṇe yatnam akarod gālavaḥ muniḥ
um ihm zu dienen, bemühte sich der Weise Gālava (Gen. + Lok. + Akk. + 3. Sg. Ipf. + Nom. + Nom.)
gauravād bahumānāt ca hārdena priyakāmyayā
aus Ehrerbietung, hoher Achtung und Herzenswärme, aus Wunsch, ihm zu gefallen (Abl. + Abl. + Instr. + Instr.)

atha varṣaśate pūrṇe dharmaḥ punar upāgamat vāsiṣṭhaṃ veṣam āsthāya kauśikaṃ bhojanepsayā

Da, nachdem hundert Jahre vergangen waren, kam Dharma wieder heran, die Gestalt des Vasiṣṭha annehmend, zum Kauśika, aus Verlangen nach Speise.

Wort für Wort
atha varṣaśate pūrṇe dharmaḥ punar upāgamat
da, nachdem hundert Jahre vergangen waren, kam Dharma wieder heran (Adv. + Lok. Abs. + Lok. Abs. Ppp. + Nom. + Adv. + 3. Sg. Ipf.)
vāsiṣṭhaṃ veṣam āsthāya kauśikaṃ bhojanepsayā
die Gestalt des Vasiṣṭha annehmend, zum Kauśika, aus Verlangen nach Speise (Akk. + Akk. + Ger. + Akk. + Instr.)

sa dṛṣṭvā śirasā bhaktaṃ dhriyamāṇaṃ maharṣiṇā tiṣṭhatā vāyubhakṣeṇa viśvāmitreṇa dhīmatā

Er sah den vom hochweisen Viśvāmitra mit dem Haupt gehaltenen Speisebrei, während dieser, nur von Luft sich nährend, dastand,

Wort für Wort
sa dṛṣṭvā śirasā bhaktaṃ dhriyamāṇaṃ maharṣiṇā
er sah den mit dem Haupt gehaltenen Speisebrei vom großen Weisen (Nom. + Ger. + Instr. + Akk. + Akk. Sg. Part. Präs. Pass. + Instr.)
tiṣṭhatā vāyubhakṣeṇa viśvāmitreṇa dhīmatā
während dieser, nur von Luft sich nährend, dastand, dem hochweisen Viśvāmitra (Instr. Sg. Part. Präs. + Instr., Bahuvrīhi + Instr. + Instr.)

pratigṛhya tato dharmas tathaivoṣṇaṃ tathā navam bhuktvā prīto 'smi viprarṣe tam uktvā sa munir gataḥ

da nahm Dharma ihn entgegen, noch ebenso heiß, ebenso frisch wie zuvor, und nachdem er gegessen hatte: „Ich bin erfreut, o Weiser unter den Brahmanen“ - so zu ihm gesprochen habend, ging jener Weise fort.

Wort für Wort
pratigṛhya tataḥ dharmaḥ tathā eva uṣṇaṃ tathā navam
da nahm Dharma ihn entgegen, noch ebenso heiß, ebenso frisch (Ger. + Adv. + Nom. + Adv. + Akk. + Adv. + Akk.)
bhuktvā prītaḥ asmi viprarṣe tam uktvā sa muniḥ gataḥ
nachdem er gegessen hatte: ich bin erfreut, o Weiser unter den Brahmanen - so zu ihm gesprochen habend, ging jener Weise fort (Ger. + Nom. Sg. Ppp. + 1. Sg. Präs. + Vok. + Akk. + Ger. + Nom. + Nom. + Nom. Sg. Ppp.)

[Anm.: CQ öffnet und schließt hier innerhalb eines Verses - Dharmas kurzer Ausspruch beim zweiten Besuch, nun als Lob statt als Prüfung.]

kṣatrabhāvād apagato brāhmaṇatvam upāgataḥ dharmasya vacanāt prīto viśvāmitras tadābhavat

Vom Kṣatriya-Wesen abgekommen, zum Brahmanentum gelangt, war Viśvāmitra da erfreut über Dharmas Wort.

Wort für Wort
kṣatrabhāvād apagataḥ brāhmaṇatvam upāgataḥ
vom Kṣatriya-Wesen abgekommen, zum Brahmanentum gelangt (Abl. + Nom. Sg. Ppp. + Akk. + Nom. Sg. Ppp.)
dharmasya vacanāt prītaḥ viśvāmitraḥ tadā abhavat
war Viśvāmitra da erfreut über Dharmas Wort (Gen. + Abl. + Nom. Sg. Ppp. + Nom. + Adv. + 3. Sg. Ipf.)

viśvāmitras tu śiṣyasya gālavasya tapasvinaḥ śuśrūṣayā ca bhaktyā ca prītimān ity uvāca tam anujñāto mayā vatsa yatheṣṭaṃ gaccha gālava

Viśvāmitra aber, erfreut durch den Dienst und die Hingabe seines asketischen Schülers Gālava, sprach zu ihm: „Du bist von mir entlassen, mein Kind; geh, wie es dir beliebt, Gālava.“

Wort für Wort
viśvāmitraḥ tu śiṣyasya gālavasya tapasvinaḥ śuśrūṣayā ca bhaktyā ca prītimān
Viśvāmitra aber, erfreut durch den Dienst und die Hingabe seines asketischen Schülers Gālava (Nom. + Gen. + Gen. + Gen. + Instr. + Instr. + Nom.)
iti uvāca tam anujñātaḥ mayā vatsa yatheṣṭaṃ gaccha gālava
sprach so zu ihm: du bist von mir entlassen, mein Kind; geh, wie es dir beliebt, Gālava (Partikel + 3. Sg. Perf. + Akk. + Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Vok. + Adv. + Imperativ + Vok.)

[Anm.: CQ öffnet und schließt hier innerhalb eines Verses - Viśvāmitra entlässt seinen Schüler Gālava aus dem Lehrdienst.]

ity uktaḥ pratyuvācedaṃ gālavo munisattamam prīto madhurayā vācā viśvāmitraṃ mahādyutim

So angesprochen, erwiderte Gālava dem besten der Weisen, dem glanzvollen Viśvāmitra, erfreut, mit süßer Stimme:

Wort für Wort
iti uktaḥ pratyuvāca idaṃ gālavaḥ munisattamam
so angesprochen, erwiderte Gālava dies dem besten der Weisen (Partikel + Nom. Sg. Ppp. + 3. Sg. Perf. + Akk. + Nom. + Akk.)
prītaḥ madhurayā vācā viśvāmitraṃ mahādyutim
erfreut, mit süßer Stimme, dem glanzvollen Viśvāmitra (Nom. Sg. Ppp. + Instr. + Instr. + Akk. + Akk.)

[Anm.: reine Übergangs-Erzählung - kein neues Zitat, sondern Abschluss von Viśvāmitras vorigem Ausspruch (V.019, dort bereits geschlossen) und Einleitung zu Gālavas Erwiderung, die erst in V.021 beginnt.]

dakṣiṇāṃ kāṃ prayacchāmi bhavate gurukarmaṇi dakṣiṇābhir upetaṃ hi karma sidhyati mānavam

„Welchen Lehrerlohn soll ich dir für den Lehrdienst darbringen? Denn ein Werk, das von einem Lohn begleitet ist, gelingt dem Menschen.

Wort für Wort
dakṣiṇāṃ kāṃ prayacchāmi bhavate gurukarmaṇi
welchen Lehrerlohn soll ich dir für den Lehrdienst darbringen (Akk. + Akk. + 1. Sg. Präs. + Dat. + Lok.)
dakṣiṇābhiḥ upetaṃ hi karma sidhyati mānavam
denn ein Werk, das von einem Lohn begleitet ist, gelingt dem Menschen (Instr. + Nom. Sg. Ppp. + Partikel + Nom. + 3. Sg. Präs. + Akk.)

[Anm.: CQ öffnet hier neu - Gālavas Erwiderung an Viśvāmitra beginnt.]

dakṣiṇānāṃ hi sṛṣṭānām apavargeṇa bhujyate svarge kratuphalaṃ sadbhir dakṣiṇā śāntir ucyate kim āharāmi gurvarthaṃ bravītu bhagavān iti

[?] Denn von den gegebenen Lohngaben wird durch ihre Vollendung die Frucht des Opfers im Himmel genossen, so sagen die Guten; ein Lohn wird als Mittel des Friedens bezeichnet. Was soll ich für den Lehrer herbeischaffen - der Erhabene möge es sagen.“

Wort für Wort
dakṣiṇānāṃ hi sṛṣṭānām apavargeṇa bhujyate svarge kratuphalaṃ sadbhiḥ
denn von den gegebenen Lohngaben wird durch ihre Vollendung die Frucht des Opfers im Himmel genossen, so sagen die Guten (Gen. Pl. + Partikel + Gen. Pl. Ppp. + Instr. + 3. Sg. Präs. Pass. + Lok. + Nom. + Instr.)
dakṣiṇā śāntiḥ ucyate kim āharāmi gurvarthaṃ bravītu bhagavān iti
ein Lohn wird als Mittel des Friedens bezeichnet; was soll ich für den Lehrer herbeischaffen - der Erhabene möge es sagen (Nom. + Nom. + 3. Sg. Präs. Pass. + Frage + 1. Sg. Präs. + Akk. + 3. Sg. Imperativ + Nom. + Partikel)

[Anm.: CQ schließt hier - Ende von Gālavas Erwiderung, im Sanskrit durch ,iti' markiert; die genaue Bedeutung von ,apavargeṇa' (,durch Vollendung/Erfüllung') bleibt leicht unsicher [?], sinngemäß im Sinn der Vollendung der Lohngabe wiedergegeben.]

jānamānas tu bhagavāñ jitaḥ śuśrūṣaṇena ca viśvāmitras tam asakṛd gaccha gacchety acodayat

Der Erhabene Viśvāmitra aber, obwohl er dessen Absicht kannte, doch durch seinen Dienst gewonnen, drängte ihn wiederholt: „Geh, geh.“

Wort für Wort
jānamānaḥ tu bhagavān jitaḥ śuśrūṣaṇena ca
der Erhabene aber, obwohl er es kannte, doch durch den Dienst gewonnen (Nom. Sg. Part. Präs. + Partikel + Nom. + Nom. Sg. Ppp. + Instr.)
viśvāmitraḥ tam asakṛd gaccha gaccha iti acodayat
Viśvāmitra drängte ihn wiederholt: geh, geh (Nom. + Akk. + Adv. + Imperativ + Imperativ + Partikel + 3. Sg. Ipf.)

[Anm.: CQ öffnet und schließt hier innerhalb eines Verses - Viśvāmitras kurzer, wiederholter Ausspruch, mit dem er Gālava fortschickt, ohne einen Lohn zu nennen.]

asakṛd gaccha gaccheti viśvāmitreṇa bhāṣitaḥ kiṃ dadānīti bahuśo gālavaḥ pratyabhāṣata

Wiederholt von Viśvāmitra mit „Geh, geh“ angesprochen, erwiderte Gālava mehrfach: „Was soll ich geben?“

Wort für Wort
asakṛd gaccha gaccha iti viśvāmitreṇa bhāṣitaḥ
wiederholt von Viśvāmitra mit ,geh, geh' angesprochen (Adv. + Imperativ + Imperativ + Partikel + Instr. + Nom. Sg. Ppp.)
kiṃ dadāni iti bahuśaḥ gālavaḥ pratyabhāṣata
erwiderte Gālava mehrfach: was soll ich geben (Frage + 1. Sg. Präs. Konj. + Partikel + Adv. + Nom. + 3. Sg. Ipf. Med.)

[Anm.: zwei kurze eingebettete Zitate in diesem Vers - die wiederholte Anrede Viśvāmitras (Rückverweis auf V.023) und Gālavas eigene, mehrfach wiederholte Gegenfrage.]

nirbandhatas tu bahuśo gālavasya tapasvinaḥ kiṃ cid āgatasaṃrambho viśvāmitro 'bravīd idam

Doch wegen der wiederholten Beharrlichkeit des asketischen Gālava, ein wenig von Erregung erfasst, sprach Viśvāmitra dies:

Wort für Wort
nirbandhataḥ tu bahuśaḥ gālavasya tapasvinaḥ
doch wegen der wiederholten Beharrlichkeit des asketischen Gālava (Abl. + Partikel + Adv. + Gen. + Gen.)
kiṃ cid āgatasaṃrambhaḥ viśvāmitraḥ abravīt idam
ein wenig von Erregung erfasst, sprach Viśvāmitra dies (Indef. Akk. + Nom. Sg. Ppp., Bahuvrīhi + Nom. + 3. Sg. Ipf. + Akk.)

[Anm.: reine Übergangs-Erzählung - kein Zitat; Viśvāmitras berühmte, unmögliche Lohnforderung beginnt erst in V.026.]

ekataḥśyāmakarṇānāṃ śatāny aṣṭau dadasva me hayānāṃ candraśubhrāṇāṃ gaccha gālava māciram

„Achthundert Rosse, einseitig dunkelohrig, mondweiß-glänzend, gib mir; geh, Gālava, ohne Verzug.

Wort für Wort
ekataḥśyāmakarṇānāṃ śatāni aṣṭau dadasva me
achthundert einseitig dunkelohrige (Rosse), gib mir (Gen. Pl., Bahuvrīhi + Akk. + Num. + Imperativ Med. + Dat.)
hayānāṃ candraśubhrāṇāṃ gaccha gālava māciram
der Rosse, mondweiß-glänzend; geh, Gālava, ohne Verzug (Gen. Pl. + Gen. Pl. + Imperativ + Vok. + Adv.)

[Anm.: CQ öffnet hier neu - Viśvāmitras berühmte, scheinbar unmögliche Lohnforderung beginnt; bleibt am Kapitelende offen, Fortsetzung in Kap.105 erwartet.]

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