Kapitel 122: Kṛṣṇavākyam
Kṛṣṇas Mahnrede an Duryodhana
Dhṛtarāṣṭra gesteht Nārada und Kṛṣṇa seine Ohnmacht gegenüber Duryodhana ein; daraufhin wendet sich Kṛṣṇa in einer langen, ununterbrochenen Rede direkt an Duryodhana. Er entfaltet die altindische Lehre von den drei Lebenszielen (Pflicht, Nutzen, Lust) und mahnt, Pflicht voranzustellen; er warnt vor Duryodhanas untauglichen Helfern und schildert eindringlich Arjunas Unbesiegbarkeit (mit Verweis auf Khāṇḍava und Virāṭa); schließlich appelliert er an Duryodhana, das Geschlecht der Kauravas nicht auszulöschen, sondern mit den Pāṇḍavas Frieden zu schließen und ihnen die Hälfte des Reiches zu geben.
dhṛtarāṣṭra uvāca bhagavann evam evaitad yathā vadasi nārada icchāmi cāham apy evaṃ na tv īśo bhagavann aham
Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Erhabener, ebenso ist es, wie du sprichst, Nārada; auch ich wünsche es ebenso, doch ich bin dessen nicht mächtig, Erhabener.‘
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭraḥ uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
bhagavan evam eva etat
Erhabener, ebenso ist es (Vok.Sg. + Adv. + Partikel + Pron.)
yathā vadasi nārada
wie du sprichst, Nārada (Vgl.-Partikel + Verb, Präs. 2.Sg. + Vok.Sg.)
icchāmi ca aham api evam
auch ich wünsche es ebenso (Verb, Präs. 1.Sg. + Partikel + Pron. + Partikel + Adv.)
na tu īśaḥ bhagavan aham
doch ich bin dessen nicht mächtig, Erhabener (Neg. + Partikel + Adj., Nom.Sg. + Vok.Sg. + Pron.)
Mit diesem Vers kehrt die Erzählung zur Grundebene (Vaiśaṃpāyana-Janamejaya) zurück; Dhṛtarāṣṭra antwortet auf Nāradas soeben (Kap.121) beendete Mahnrede.
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā tataḥ kṛṣṇam abhyabhāṣata bhārata svargyaṃ lokyaṃ ca mām āttha dharmyaṃ nyāyyaṃ ca keśava
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er so gesprochen hatte, wandte er sich dann an Kṛṣṇa, Nachkomme Bharatas: ‚Himmlisches und der Welt Zuträgliches hast du mir gesagt, Pflichtgemäßes und Rechtes, Keśava.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Verb, Perf. 3.Sg.)
evam uktvā tataḥ
nachdem er so gesprochen hatte, dann (Adv. + Absolutiv + Adv.)
kṛṣṇam abhyabhāṣata bhārata
wandte er sich an Kṛṣṇa, Nachkomme Bharatas (Akk.Sg. + Verb, Impf. 3.Sg. + Vok.Sg.)
svargyam lokyam ca mām āttha
Himmlisches und der Welt Zuträgliches hast du mir gesagt (Adj.Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Verb, Perf. 2.Sg.)
dharmyam nyāyyam ca keśava
Pflichtgemäßes und Rechtes, Keśava (Adj.Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg. + Partikel + Vok.Sg.)
tato 'bhyāvṛtya vārṣṇeyo duryodhanam amarṣaṇam abravīn madhurāṃ vācaṃ sarvadharmārthatattvavit
Da wandte sich der Vārṣṇeya (Kṛṣṇa) um und sprach zu dem zornmütigen Duryodhana eine liebliche Rede, er, der die Wahrheit aller Pflicht und alles Nutzens kennt:
Wort für Wort
tataḥ abhyāvṛtya vārṣṇeyaḥ
da wandte sich der Vārṣṇeya um (Adv. + Absolutiv + Subst., Nom.Sg.)
duryodhanam amarṣaṇam
zu dem zornmütigen Duryodhana (Akk.Sg. + Adj.Akk.Sg.)
abravīt madhurām vācam
er sprach eine liebliche Rede (Verb, Impf. 3.Sg. + Adj.Akk.Sg. + Subst.Akk.Sg.)
sarvadharmārthatattvavit
der die Wahrheit aller Pflicht und alles Nutzens kennt (Adj., Nom.Sg.)
Hochweiser, in edlem Geschlecht Geborener, dies recht zu tun bist du würdig - mit Gelehrsamkeit und rechtem Wandel versehen, mit allen Tugenden ausgestattet.
Von Pflicht und Nutzen geleitet wird in dieser Welt das Verhalten der Guten wahrgenommen; das der Bösen aber wird als entgegengesetzt wahrgenommen, Stier der Bharatas.
Wort für Wort
dharmārthayuktā loke asmin
von Pflicht und Nutzen geleitet in dieser Welt (Adj.Nom.Sg. + Subst.Lok.Sg. + Pron.Lok.Sg.)
pravṛttiḥ lakṣyate satām
das Verhalten der Guten wird wahrgenommen (Subst.Nom.Sg. + Verb Passiv, Präs. 3.Sg. + Gen.Pl.)
asatām viparītā tu lakṣyate
das der Bösen aber wird als entgegengesetzt wahrgenommen (Gen.Pl. + Adj.Nom.Sg. + Partikel + Verb Passiv, Präs. 3.Sg.)
Mit den weisen, heldenhaften, hochtatkräftigen, selbstbeherrschten, vielgelehrten Pāṇḍavas schließe Frieden, Tiger unter den Männern, Stier der Bharatas.
Wort für Wort
prājñaiḥ śūraiḥ mahotsāhaiḥ
mit den weisen, heldenhaften, hochtatkräftigen (Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl.)
ātmavadbhiḥ bahuśrutaiḥ
mit den selbstbeherrschten, vielgelehrten (Adj.Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl.)
saṃdhatsva puruṣavyāghra
schließe Frieden, Tiger unter den Männern (Verb, Imp. 2.Sg. + Vok.Sg.)
pāṇḍavaiḥ bharatarṣabha
mit den Pāṇḍavas, Stier der Bharatas (Instr.Pl. + Vok.Sg.)
hrīmān asi kule jātaḥ śrutavān anṛśaṃsavān tiṣṭha tāta pituḥ śāstre mātuś ca bharatarṣabha
Scham besitzend bist du, in edlem Geschlecht geboren, gelehrt, nicht grausam - bleibe, Lieber, im Gebot deines Vaters und deiner Mutter, Stier der Bharatas.
Wort für Wort
hrīmān asi kule jātaḥ
Scham besitzend bist du, in edlem Geschlecht geboren (Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg. + Verb, Präs. 2.Sg. + Subst.Lok.Sg. + Partizip Perf., Nom.Sg.)
śrutavān anṛśaṃsavān
gelehrt, nicht grausam (Adj., Nom.Sg. + Bahuvrīhi-Adj., Nom.Sg.)
tiṣṭha tāta pituḥ śāstre
bleibe, Lieber, im Gebot des Vaters (Verb, Imp. 2.Sg. + Vok.Sg. + Gen.Sg. + Subst.Lok.Sg.)
mātuḥ ca bharatarṣabha
und der Mutter, Stier der Bharatas (Gen.Sg. + Partikel + Vok.Sg.)
Wer, nachdem er das Gebot der Freunde gehört hat, sterblich, es nicht befolgt - am Ende der Reifung verbrennt es ihn, wie ein gegessener Kiṃpāka-Apfel.
Wort für Wort
śrutvā yaḥ suhṛdām śāstram
wer, nachdem er das Gebot der Freunde gehört hat (Absolutiv + Rel.Pron. + Gen.Pl. + Subst.Akk.Sg.)
martyaḥ na pratipadyate
sterblich, es nicht befolgt (Adj., Nom.Sg. + Neg. + Verb, Präs.Med. 3.Sg.)
vipākānte dahati enam
am Ende der Reifung verbrennt es ihn (Subst.Lok.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg. + Akk.Sg.)
kiṃpākam iva bhakṣitam
wie ein gegessener Kiṃpāka-Apfel (Subst.Akk.Sg. + Vgl.-Partikel + Partizip Perf.Pass.Akk.Sg.)
Der Kiṃpāka ist eine sprichwörtlich giftige, aber verlockend duftende Frucht - ein häufiges Bild für scheinbar Gutes mit tödlicher Folge.
yas tu niḥśreyasaṃ śrutvā prāptam evābhipadyate ātmano matam utsṛjya sa loke sukham edhate
Wer aber, nachdem er das Heilsamste gehört hat, es sogleich, wie es gegeben ist, annimmt, seine eigene Meinung aufgebend, der gedeiht in Glück in der Welt.
Wort für Wort
yaḥ tu niḥśreyasam śrutvā
wer aber, nachdem er das Heilsamste gehört hat (Rel.Pron. + Partikel + Adj.Akk.Sg. + Absolutiv)
prāptam eva abhipadyate
es sogleich, wie erlangt, annimmt (Partizip Perf.Akk.Sg. + Partikel + Verb, Präs.Med. 3.Sg.)
ātmanaḥ matam utsṛjya
seine eigene Meinung aufgebend (Gen.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Absolutiv)
sa loke sukham edhate
der gedeiht in Glück in der Welt (Pron. + Subst.Lok.Sg. + Adv. + Verb, Präs.Med. 3.Sg.)
yo 'satsevī vṛthācāro na śrotā suhṛdāṃ sadā parān vṛṇīte svān dveṣṭi taṃ gauḥ śapati bhārata
Wer sich Bösen zugesellt, nichtig in seinem Wandel, niemals auf Freunde hörend, Fremde bevorzugt, die Eigenen hasst - den verflucht sogar die Kuh [?], Nachkomme Bharatas.
Wort für Wort
yaḥ asatsevī vṛthācāraḥ
wer sich Bösen zugesellt, nichtig in seinem Wandel (Rel.Pron. + Adj., Nom.Sg. + Adj., Nom.Sg.)
Fremde bevorzugt, die Eigenen hasst (Akk.Pl. + Verb, Präs.Med. 3.Sg. + Akk.Pl. + Verb, Präs. 3.Sg.)
tam gauḥ śapati bhārata
den verflucht die Kuh, Nachkomme Bharatas (Akk.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Verb, Präs. 3.Sg. + Vok.Sg.)
Die Wendung 'taṃ gauḥ śapati' ('die Kuh verflucht ihn') ist sprichwörtlich dunkel; sie wird hier wörtlich wiedergegeben als Bild für ein Verhalten, das selbst das geduldigste Wesen zum Fluchen bringt.
Auch von dir sollte ebenso gehandelt werden, Stier der Bharatas - gegenüber deinen eigenen, vorzüglichen Verwandten; gib den Zorn auf, nicht die Tapferkeit.
Wort für Wort
tvayā api tathā eva syāt vartitavyam
auch von dir sollte ebenso gehandelt werden (Instr.Sg. + Partikel + Adv. + Partikel + Verb, Opt. 3.Sg. + Gerundiv.Nom.Sg.)
kurūdvaha svabandhuṣu viśiṣṭeṣu
Stier der Bharatas, gegenüber deinen eigenen, vorzüglichen Verwandten (Vok.Sg. + Adj.Lok.Pl. + Adj.Lok.Pl.)
krodham hitvā parākramam
den Zorn aufgebend, [nicht aber] die Tapferkeit (Akk.Sg. + Absolutiv + Akk.Sg.)
trivargasaṃyuktam ihehā kāryaṃ bharatasattama dharmam arthaṃ ca kāmaṃ ca sevante 'py akhilaṃ narāḥ
Mit den drei Lebenszielen verbunden sollte hier das Streben sein, bester der Bharatas - Pflicht, Nutzen und Lust genießen die Menschen ja auch vollständig zugleich.
Wort für Wort
trivargasaṃyuktam iha īhā
mit den drei Lebenszielen verbunden hier das Streben (Adj.Nom.Sg. + Adv. + Subst.Nom.Sg.)
kāryam bharatasattama
sollte sein, bester der Bharatas (Gerundiv.Nom.Sg. + Vok.Sg.)
dharmam artham ca kāmam ca
Pflicht und Nutzen und Lust (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Partikel + Akk.Sg. + Partikel)
sevante api akhilam narāḥ
genießen ja auch vollständig die Menschen (Verb, Präs. 3.Pl. + Partikel + Adj.Akk.Sg. + Subst.Nom.Pl.)
Trivarga: die 'drei Ziele' Pflicht (dharma), Nutzen (artha) und Lust (kāma), ein Grundbegriff altindischer Lebenslehre.
yas tv eṣām eka śas tāta prasajyeta narādhipa sa dharmyam āpnuyāt kāmam arthaṃ vāpy anupūrvaśaḥ
Wer aber sich diesen einzeln, der Reihe nach hingibt, Lieber, Herr der Menschen, der möge die dem Recht gemäße Lust erlangen, oder ebenso den Nutzen, der Reihe nach.
Wort für Wort
yaḥ tu eṣām ekaśaḥ tāta
wer aber diesen einzeln, Lieber (Pron.Nom.Sg. + Partikel + Pron.Gen.Pl. + Adv. + Vok.Sg.)
prasajyeta narādhipa
sich hingibt, Herr der Menschen (Verb, Opt. 3.Sg. + Vok.Sg.)
saḥ dharmyam āpnuyāt kāmam
der möge die dem Recht gemäße Lust erlangen (Pron.Nom.Sg. + Adj.Akk.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg. + Akk.Sg.)
artham vā api anupūrvaśaḥ
oder auch den Nutzen, der Reihe nach (Akk.Sg. + Partikel + Partikel + Adv.)
na chettavyā matis tasya na cāsya vijayaṃ vṛṇe abhedyasthirabuddhes tu śreyaḥ paśyāmahe vayam
Nicht soll dessen Einsicht zerschnitten werden, und nicht wünsche ich dessen Sieg - des Unzertrennten, Standhaften Einsicht aber, dessen Heil sehen wir.
Wort für Wort
na chettavyā matiḥ tasya
nicht soll dessen Einsicht zerschnitten werden (Neg. + Gerundiv.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg. + Pron.Gen.Sg.)
na ca asya vijayam vṛṇe
und nicht wünsche ich dessen Sieg (Neg. + Partikel + Pron.Gen.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Verb, Präs. 1.Sg.)
abhedyasthirabuddheḥ tu śreyaḥ
des Unzertrennten, Standhaften Einsicht aber, das Heil (Adj.Gen.Sg. + Partikel + Subst.Akk.Sg.)
Den, der sich selbst aufgegeben hat, sollte man nicht bedrängen, irgendeinen auch nur geringen Mann, Nachkomme Bharatas - wieviel weniger jenen mächtigen Besten der Pāṇḍavas.
Wort für Wort
hīnaprāṇam na ca udvejyaḥ
den, der sich aufgegeben hat, sollte man nicht bedrängen (Adj.Akk.Sg. + Neg. + Partikel + Gerundiv.Nom.Sg.)
kaścit api avaraḥ pumān
irgendeinen auch nur geringen Mann (Pron.Nom.Sg. + Partikel + Adj.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
bharatānta yataḥ na anyaḥ
Nachkomme Bharatas, wieviel weniger einen anderen (Vok.Sg. + Konj. + Neg. + Pron.Nom.Sg.)
prabalaḥ pāṇḍavottamaḥ
mächtigen Besten der Pāṇḍavas (Adj.Nom.Sg. + Subst.Nom.Sg.)
Der Sinn ist frei sinngemäß erschlossen; das Kompositum hīnaprāṇa ('der das Leben aufgegeben hat') wird hier auf jemanden bezogen, der sich selbst preisgegeben hat.
varaṃ tv ayaṃ hi saṃyogaḥ pāṇḍavaiḥ pāpakair api teṣām hi mataye labdhvā prāpsyase sarvakāmikān
Besser ist dir doch diese Vereinigung mit den Pāṇḍavas, auch wenn Böses [geschehen ist] - denn ihrem Sinn gemäß handelnd wirst du alle Wünsche erlangen.
Wort für Wort
varam tu ayam hi saṃyogaḥ
besser ist doch diese Vereinigung (Adj.Nom.Sg. + Partikel + Pron.Nom.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
pāṇḍavaiḥ pāpakaiḥ api
mit den Pāṇḍavas, auch bei Bösem (Instr.Pl. + Adj.Instr.Pl. + Partikel)
teṣām hi mataye labdhvā
denn ihrem Sinn gemäß erlangend (Pron.Gen.Pl. + Partikel + Subst.Dat.Sg. + Absolutiv)
prāpsyase sarvakāmikān
wirst du erlangen alle Wünsche (Verb, Fut. 2.Sg. + Adj.Akk.Pl.)
Der Vers ist sinngemäß, da einzelne Wortformen im Sanskrit-Original nicht mit letzter Sicherheit auflösbar sind [?].
āśaṃse śreya ātmānaṃ tāta yais tvam upāsitaḥ na te dharmārthakuśalā na ca śaktāḥ paraṃtapa
Du hoffst, Lieber, auf dein Heil durch jene, von denen du umgeben bist - doch weder sind sie kundig in Pflicht und Nutzen, noch fähig, Bezwinger der Feinde.
Wort für Wort
āśaṃse śreyaḥ ātmānam tāta
du hoffst auf dein Heil, Lieber (Verb, Präs. 2.Sg. [Med.] + Akk.Sg. + Akk.Sg. + Vok.Sg.)
yaiḥ tvam upāsitaḥ
durch die du umgeben bist (Instr.Pl. + Pron.Nom.Sg. + Partizip Perf.Nom.Sg.)
na te dharmārthakuśalāḥ
nicht sind sie kundig in Pflicht und Nutzen (Neg. + Pron.Nom.Pl. + Adj.Nom.Pl.)
na ca śaktāḥ paraṃtapa
und nicht fähig, Bezwinger der Feinde (Neg. + Partikel + Adj.Nom.Pl. + Vok.Sg.)
akṣayyaṃ hi dhanuṣ pāṇḍor akṣayyau ca maheṣudhī arjunaṃ ratham āsthāya ko yudhyed api vajrabhṛt
Unerschöpflich ist Pāṇḍus Sohnes Bogen, und unerschöpflich sind die beiden großen Köcher - gegen Arjuna, den Wagen besteigend, wer könnte kämpfen, selbst der Blitzträger?
Wort für Wort
akṣayyam hi dhanuḥ pāṇḍoḥ
unerschöpflich ist der Bogen des Pāṇḍu-Sohnes (Adj.Nom.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg. + Subst.Gen.Sg.)
akṣayyau ca maheṣudhī
und unerschöpflich die beiden großen Köcher (Adj.Nom.Du. + Partikel + Subst.Nom.Du.)
arjunam ratham āsthāya
Arjuna, den Wagen besteigend (Akk.Sg. + Akk.Sg. + Absolutiv)
kaḥ yudhyet api vajrabhṛt
wer könnte kämpfen, selbst der Blitzträger (Interr. + Verb, Opt. 3.Sg. + Partikel + Subst.Nom.Sg.)
Vajrabhṛt, 'der Blitzträger', ist ein Beiname Indras.
athavāpi samāgacchen mānavaḥ ko rathe sthitaḥ arjunena samāgamya yo gaccheta svam ālayam
Oder es zeige sich irgendein Mensch, auf dem Wagen stehend, der, nachdem er mit Arjuna zusammengetroffen ist, wohlbehalten zu seinem eigenen Heim zurückkehren würde.
Wort für Wort
athavā api samāgacchet
oder es zeige sich (Partikel + Partikel + Verb, Opt. 3.Sg.)
mānavaḥ kaḥ rathe sthitaḥ
irgendein Mensch, auf dem Wagen stehend (Subst.Nom.Sg. + Interr. + Subst.Lok.Sg. + Partizip Perf.Nom.Sg.)
arjunena samāgamya
mit Arjuna zusammengetroffen (Instr.Sg. + Absolutiv)
yaḥ gaccheta svam ālayam
der zurückkehren würde zu seinem eigenen Heim (Pron.Nom.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg. + Adj.Akk.Sg. + Subst.Akk.Sg.)
yena devāḥ sagandharvā yakṣarākṣasapannagāḥ nirjitāḥ samare rājan khāṇḍave phalgunena vai
Durch den die Götter samt den Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen im Kampf besiegt wurden, König, bei Khāṇḍava, durch Phalguna (Arjuna) fürwahr.
Wort für Wort
yena devāḥ sagandharvāḥ
durch den die Götter samt den Gandharvas (Instr.Sg. + Subst.Nom.Pl. + Adj.Nom.Pl.)
yakṣarākṣasapannagāḥ
Yakṣas, Rākṣasas und Schlangen (Subst.Nom.Pl.)
nirjitāḥ samare rājan
besiegt wurden im Kampf, König (Partizip Perf.Pass.Nom.Pl. + Subst.Lok.Sg. + Vok.Sg.)
khāṇḍave phalgunena vai
bei Khāṇḍava, durch Phalguna fürwahr (Lok.Sg. + Instr.Sg. + Partikel)
Jenen Unbesiegbaren, Unangreifbaren im Kampf, den Siegreichen, Feindebezwinger, wünschst du heute im Kampf zu bestehen, den Tapferen, überaus Mächtigen.
kas taṃ pṛthāsutaṃ yudhya dvitīyena mayā saha praty udyād api saṃrabdho vajrapāṇir yathā svayam
Wer könnte jenem Sohn der Pṛthā, mit mir als Zweitem, im Kampf feindlich entgegentreten, selbst erzürnt, wie Indra, der Blitzträger, selbst leibhaftig?
Wort für Wort
kaḥ tam pṛthāsutam yudhya
wer könnte jenem Sohn der Pṛthā im Kampf (Interr. + Pron.Akk.Sg. + Subst.Akk.Sg. + Subst.Lok.Sg.)
dvitīyena mayā saha
mit mir als Zweitem (Adj.Instr.Sg. + Pron.Instr.Sg. + Partikel)
praty udyāt api saṃrabdhaḥ
entgegentreten, selbst erzürnt (Verb, Opt. 3.Sg. + Partikel + Partizip Perf.Nom.Sg.)
vajrapāṇiḥ yathā svayam
wie Indra, der Blitzträger, selbst (Subst.Nom.Sg. + Partikel + Pron.)
Mit seinen Armen könnte er Berge emporheben, im Zorn könnte er so die Geschöpfe verbrennen, die Götter vom dritten Himmel herabstürzen lassen - wer Arjuna im Kampf besiegen könnte.
Wort für Wort
bāhubhyām utkṣipet śailān
mit den Armen könnte er Berge emporheben (Instr.Du. + Verb, Opt. 3.Sg. + Akk.Pl.)
kruddhaḥ dahyet tathā prajāḥ
im Zorn könnte er so die Geschöpfe verbrennen (Adj.Nom.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg. + Partikel + Subst.Akk.Pl.)
pātayet tridivāt devān
könnte herabstürzen lassen vom dritten Himmel die Götter (Verb, Opt. 3.Sg. + Abl.Sg. + Akk.Pl.)
yaḥ pareṇa arjunam jayet
wer im Kampf Arjuna besiegen könnte (Pron.Nom.Sg. + Instr.Sg. + Akk.Sg. + Verb, Opt. 3.Sg.)
Es möge ein Rest der Kauravas übrig bleiben, nicht möge dieses Geschlecht zugrunde gehen, Lieber - nicht sollst du als „Geschlechtsvernichter“ bekannt sein, nicht mit vernichtetem Ruhm, Herr der Menschen.
Wort für Wort
śeṣaḥ kauravyāṇām bhavatu
es möge ein Rest der Kauravas sein (Subst.Nom.Sg. + Gen.Pl. + Verb, Imp. 3.Sg.)
mā kulam tāta vinaśyatu
nicht möge das Geschlecht zugrunde gehen, Lieber (Neg.Partikel + Subst.Nom.Sg. + Vok.Sg. + Verb, Imp. 3.Sg.)
na kulaghnaḥ iti khyātaḥ
nicht als „Geschlechtsvernichter“ bekannt (Neg. + Subst.Nom.Sg. + Partikel + Partizip Perf.Nom.Sg.)
mā bhūḥ naṣṭayaśāḥ nṛpa
sei nicht mit vernichtetem Ruhm, Herr der Menschen (Neg.Partikel + Verb, Inj. 2.Sg. + Adj.Nom.Sg. + Vok.Sg.)
tvām eva sthāpayiṣyanti yauvarājye mahārathāḥ mahārājye ca pitaraṃ dhṛtarāṣṭraṃ janeśvaram
Dich eben werden die großen Wagenkämpfer in die Stellung des Kronprinzen einsetzen, und deinen Vater Dhṛtarāṣṭra, den Herrn der Menschen, in die große Königswürde.
Wort für Wort
tvām eva sthāpayiṣyanti
dich eben werden einsetzen (Akk.Sg. + Partikel + Verb, Fut. 3.Pl.)
yauvarājye mahārathāḥ
in die Stellung des Kronprinzen die großen Wagenkämpfer (Lok.Sg. + Subst.Nom.Pl.)
mahārājye ca pitaram
und in die große Königswürde den Vater (Lok.Sg. + Partikel + Akk.Sg.)
dhṛtarāṣṭram janeśvaram
Dhṛtarāṣṭra, den Herrn der Menschen (Akk.Sg. + Akk.Sg.)
sambhāvitasya lokeṣu bhūmāv apratimasya ca kuru saṃdhiṃ mahārāja pāṇḍavaiḥ saha bhārata
Frieden geschlossen mit den Pāṇḍavas und dem Wort der Freunde befolgend, geehrt in den Welten und auf Erden ohnegleichen, von den Freunden geliebt, wirst du, Großkönig, Nachkomme Bharatas, lange Zeit Segen erlangen.‘
Wort für Wort
sambhāvitasya lokeṣu
des Geehrten in den Welten (Adj.Gen.Sg. + Subst.Lok.Pl.)
bhūmau apratimasya ca
und auf Erden des Unvergleichlichen (Lok.Sg. + Adj.Gen.Sg. + Partikel)
mit den Pāṇḍavas, Nachkomme Bharatas (Instr.Pl. + Partikel + Vok.Sg.)
Der deutsche Wortlaut ist sinngemäß aus dem Kontext des gesamten Aufrufs ergänzt, da die letzten Wortformen des überlieferten Verses knapp und elliptisch sind [?]; die Kernaussage - schließe Frieden mit den Pāṇḍavas - ist gesichert.