Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 1: anukramaṇikā parva (Anfang) — nārāyaṇastuti und sūtāgamana Anukramaṇikāparva: Dhṛtarāṣṭras Klage, Sañjayas Trostrede und der Lobpreis des Werkes (vollständig, Verse 1–301) — (Kumbhakonam-Südrezension)

Adhyāya 1 des Ādiparva (das Anukramaṇikāparva, „Kapitel des Inhaltsverzeichnisses“) ist mit dieser Erweiterung vollständig übersetzt (Verse 1–301, Kumbhakonam-Zählung). Er enthält die Rahmenerzählung in Naimiṣāraṇya, die Herkunft und Komposition des Werkes durch Vyāsa, das erste, kurze Baum-Gleichnis der 18 Parvas, Dhṛtarāṣṭras berühmte „yadāśrauṣam“-Klage-Litanei über den gesamten Kriegsverlauf, Sañjayas Trostrede mit der Liste alter, dennoch dem Tod verfallener Könige und einer Meditation über die alles bezwingende Zeit (Kāla), sowie den abschließenden Lobpreis auf den Nutzen dieses Kapitels (Phalaśruti) mit Kolophon. Zwei Passagen (Verse 81–85 und 101) bleiben als unverifizierte Lücken markiert; ab Vers 109 wurde eine zuvor entdeckte Zählabweichung von eins gegenüber der Quelle korrigiert (die Verse 27–107 folgen noch der ursprünglichen, um eins abweichenden Zählung dieser Sitzungen – eine rückwirkende Bereinigung bleibt für eine künftige Revision vorgemerkt). Es folgt als Nächstes Adhyāya 2 des Ādiparva, das ausführliche Parvasaṃgraha (die Inhaltsübersicht aller 18 Bücher). [Hinweis 2026-09-06: Diese Übersetzung folgt der Südtext-Rezension (Kumbhakonam-Ausgabe) und bleibt als eigenständige, vollständige Fassung erhalten. Ab sofort wird parallel eine zweite Fassung nach der kritischen Ausgabe (BORI/Poona) aufgebaut, die künftig die Haupt-Zählung des Projekts bildet, sobald sie das gesamte Ādiparva abdeckt.]

nārāyaṇaṃ namaskṛtya naraṃ caiva narottamam | devīṃ sarasvatīṃ vyāsaṃ tato jayam udīrayet ||

Nachdem man Nārāyaṇa verehrt hat, und auch Nara, den Besten der Männer, sowie die Göttin Sarasvatī und Vyāsa, soll man danach den „Jaya“ [den „Sieg“ – einen alten Titel des Werks] vortragen.

Wort für Wort
nārāyaṇam
den Nārāyaṇa (Akk.)
namaskṛtya
nachdem man Verehrung erwiesen hat (Ger.)
naram
den Nara (Akk.)
ca eva
und auch
narottamam
den Besten der Männer (Akk., nara + uttama)
devīm
die Göttin (Akk.)
sarasvatīm
Sarasvatī (Akk.)
vyāsam
Vyāsa (Akk.)
tataḥ
danach
jayam
den „Sieg“, d. h. das Werk (Akk.)
udīrayet
man möge aussprechen/vortragen (Opt. 3. Sg.)

[Anm.: Die verfügbare Digitalisierung zeigte an dieser Stelle eine erkennbar verderbte Lesart („… devīṃ sarasvatīṃ caiva(vyāsaṃ) …“). Wiedergegeben ist die andernorts einhellig bezeugte Standardlesart dieses berühmtesten alle Parvas eröffnenden Verses.]

nārāyaṇaṃ suraguruṃ jagad-eka-nāthaṃ bhakta-priyaṃ sakala-loka-namaskṛtaṃ ca | traiguṇya-varjitam ajaṃ vibhum ādyam īśaṃ vande bhava-ghnam amarāsura-siddha-vandyam ||

Ich verehre Nārāyaṇa, den Lehrer der Götter, den alleinigen Herrn der Welt, den den Hingebungsvollen Lieben, den von allen Welten Verehrten, den von den drei Guṇas freien, Ungeborenen, Alldurchdringenden, ursprünglichen Herrscher, den Vernichter des Daseinskreislaufs, den von Unsterblichen, Asuras und Vollendeten zu Verehrenden.

Wort für Wort
nārāyaṇam
Nārāyaṇa (Akk.)
sura-gurum
den Lehrer der Götter
jagad-eka-nātham
den alleinigen Herrn der Welt
bhakta-priyam
den den Hingebungsvollen Lieben
sakala-loka-namaskṛtam
den von allen Welten Verehrten
ca
und
traiguṇya-varjitam
den von den drei Guṇas Freien
ajam
den Ungeborenen
vibhum
den Alldurchdringenden
ādyam
den Ursprünglichen
īśam
den Herrscher
vande
ich verehre (1. Sg. Präs.)
bhava-ghnam
den Vernichter des Daseins(kreislaufs)
amara-asura-siddha-vandyam
den von Göttern, Asuras und Vollendeten zu Verehrenden

[Anm.: Dieser zweite Invokationsvers steht in einem anderen, längeren Versmaß (Vasantatilakā) als Vers 1 und 3 (Anuṣṭubh) und gilt in der Textkritik nicht durchweg als ursprünglicher Bestandteil; er ist aber in den meisten gedruckten Ausgaben enthalten und wird hier mitübersetzt.]

namo dharmāya mahate namaḥ kṛṣṇāya vedhase | brāhmaṇebhyo namaskṛtya dharmān vakṣyāmi śāśvatān ||

Verehrung dem großen Dharma, Verehrung dem Kṛṣṇa [Dvaipāyana, d. h. Vyāsa], dem Ordner! Nachdem ich den Brahmanen Verehrung erwiesen habe, werde ich die ewigen Gesetze (Dharmas) verkünden.

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
dharmāya
dem Dharma (Dat.)
mahate
dem großen (Dat.)
namaḥ
Verehrung
kṛṣṇāya
dem Kṛṣṇa [= Vyāsa] (Dat.)
vedhase
dem Ordner/Schöpfer (Dat.)
brāhmaṇebhyaḥ
den Brahmanen (Dat. Pl.)
namaskṛtya
nachdem man Verehrung erwiesen hat (Ger.)
dharmān
die Dharmas, Gesetze (Akk. Pl.)
vakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut.)
śāśvatān
die ewigen (Akk. Pl.)

lomaharṣaṇa-putra ugraśravāḥ sautiḥ paurāṇikaḥ naimiṣāraṇye śaunakasya kulapater dvādaśa-vārṣike satre |

Ugraśravas, der Sohn des Lomaharṣaṇa, der Sūta, der Purāṇa-Kundige – [kam] im Naimiṣa-Wald zur zwölfjährigen Opfersitzung des Sippenoberhaupts Śaunaka…

Wort für Wort
lomaharṣaṇa-putraḥ
der Sohn des Lomaharṣaṇa (Nom.)
ugraśravāḥ
Ugraśravas (Eigenname, Nom.)
sautiḥ
der Sūta[-Sohn] (Nom.)
paurāṇikaḥ
der Purāṇa-Kundige, Erzähler alter Geschichten (Nom.)
naimiṣāraṇye
im Naimiṣa-Wald (Lok.)
śaunakasya
des Śaunaka (Gen.)
kulapateḥ
des Sippenoberhaupts (Gen.)
dvādaśa-vārṣike
im zwölfjährigen (Lok.)
satre
bei der Opfersitzung (Lok.)

[Anm.: Der Quelltext hat „romaharṣaṇa-“; die in anderen Ausgaben häufigere Namensform ist „Lomaharṣaṇa“ (l/r-Wechsel), hier als Standardform gewählt.]

sukhāsīnān abhyagacchad brahmarṣīn saṃśita-vratān | vinayāvanato bhūtvā kadācit sūta-nandanaḥ ||

…näherte sich einst der Sohn des Sūta den bequem sitzenden Brahmanen-Sehern von strengen Gelübden, in Demut gebeugt.

Wort für Wort
sukha-āsīnān
die bequem Sitzenden (Akk. Pl.)
abhyagacchat
er näherte sich (3. Sg. Impf.)
brahmarṣīn
die Brahmanen-Seher (Akk. Pl.)
saṃśita-vratān
von strengen Gelübden (Akk. Pl.)
vinaya-avanataḥ
in Demut gebeugt (Nom.)
bhūtvā
geworden seiend (Ger.)
kadācit
einst
sūta-nandanaḥ
der Sohn des Sūta (Nom.)

tam āśramam anuprāpya naimiṣāraṇya-vāsinaḥ | uvāca tān ṛṣīn sarvān dhanyo vo ’smy adya darśanāt ||

Nachdem er zu jener Einsiedelei gelangt war, sprach er zu all jenen Sehern, den Bewohnern des Naimiṣa-Waldes: „Gesegnet bin ich heute durch euren Anblick.“

Wort für Wort
tam āśramam
zu jener Einsiedelei (Akk.)
anuprāpya
nachdem er hingelangt war (Ger.)
naimiṣāraṇya-vāsinaḥ
die Bewohner des Naimiṣa-Waldes (Akk. Pl.)
uvāca
er sprach (3. Sg. Perf.)
tān ṛṣīn sarvān
zu all jenen Sehern (Akk. Pl.)
dhanyaḥ
gesegnet (Nom.)
vaḥ
durch euch/euer (Gen. Pl.)
asmi
ich bin (1. Sg.)
adya
heute
darśanāt
durch den Anblick (Abl.)

veda vaiyāsikīḥ sarvāḥ kathā dharmārtha-saṃhitāḥ | vakṣyāmi vo dvija-śreṣṭhāḥ śṛṇvantv adya tapodhanāḥ ||

Ich kenne alle von Vyāsa stammenden Erzählungen, die mit Dharma und Artha verbunden sind; ich werde sie euch verkünden, ihr Besten der Zweifachgeborenen – so höret nun, die ihr an Askese reich seid.

Wort für Wort
veda
ich kenne (Perf. m. Präs.-bedeutung)
vaiyāsikīḥ
von Vyāsa stammende (Akk. Pl. f.)
sarvāḥ
alle (Akk. Pl. f.)
kathāḥ
Erzählungen (Akk. Pl.)
dharma-artha-saṃhitāḥ
mit Dharma und Artha verbundene (Akk. Pl.)
vakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut.)
vaḥ
euch (Akk./Dat. Pl.)
dvija-śreṣṭhāḥ
oh Beste der Zweifachgeborenen (Vok. Pl.)
śṛṇvantu
sie mögen hören (3. Pl. Imp.)
adya
jetzt
tapo-dhanāḥ
oh ihr, deren Reichtum die Askese ist (Vok. Pl.)

[Anm.: Die verfügbare Digitalisierung las hier „dharmāryaisaṃhitāḥ“, was keinen tragfähigen Sinn ergibt; übersetzt ist die naheliegende, sinngemäß kaum anzuzweifelnde Lesart „dharmārtha-saṃhitāḥ“ („mit Dharma und Artha verbunden“), wie sie diese Wendung auch in Vers 21 zeigt.]

tasya tad vacanaṃ śrutvā naimiṣāraṇya-vāsinaḥ | citrāḥ śrotuṃ kathās tatra parivavruḥ tapasvinaḥ ||

Nachdem die Bewohner des Naimiṣa-Waldes jene seine Rede gehört hatten, versammelten sich dort die Asketen, um die wunderbaren Erzählungen zu hören.

Wort für Wort
tasya
dessen (Gen.)
tad vacanam
jene Rede (Akk.)
śrutvā
nachdem sie gehört hatten (Ger.)
naimiṣāraṇya-vāsinaḥ
die Bewohner des Naimiṣa-Waldes (Nom. Pl.)
citrāḥ kathāḥ
die wunderbaren Erzählungen (Akk. Pl.)
śrotum
zu hören (Inf.)
tatra
dort
parivavruḥ
sie versammelten sich (3. Pl. Perf.)
tapasvinaḥ
die Asketen (Nom. Pl.)

[Anm.: Quelltext „parivrustapasvinah“ normalisiert zu „parivavruḥ tapasvinaḥ“ (3. Pl. Perf. von pari-vṛ, „sich umringend versammeln“).]

abhivādya munīṃs tāṃs tu sarvān eva kṛtāñjaliḥ | apṛcchat sa tapo-vṛddhiṃ sadbhiś caiva abhipūjitaḥ ||

Nachdem er all jene Weisen mit gefalteten Händen gegrüßt hatte, fragte er – selbst von den Rechtschaffenen geehrt – nach dem Gedeihen ihrer Askese.

Wort für Wort
abhivādya
nachdem er ehrerbietig gegrüßt hatte (Ger.)
munīn tān
jene Weisen (Akk. Pl.)
tu
aber, nun
sarvān eva
wirklich alle (Akk. Pl.)
kṛta-añjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom.)
apṛcchat
er fragte (3. Sg. Impf.)
saḥ
er
tapaḥ-vṛddhim
nach dem Gedeihen der Askese (Akk.)
sadbhiḥ
von den Rechtschaffenen (Instr. Pl.)
ca eva
und auch
abhipūjitaḥ
geehrt (Nom.)

atha teṣūpaviṣṭeṣu sarveṣv eva tapasviṣu | nirdiṣṭam āsanaṃ bheje vinayād raumaharṣaṇiḥ ||

Als sich darauf alle Asketen gesetzt hatten, nahm der Sohn des Lomaharṣaṇa aus Demut den ihm zugewiesenen Sitz ein.

Wort für Wort
atha
darauf
teṣu upaviṣṭeṣu
als jene sich gesetzt hatten (Lok. abs.)
sarveṣu eva tapasviṣu
als wirklich alle Asketen (Lok. Pl.)
nirdiṣṭam āsanam
den zugewiesenen Sitz (Akk.)
bheje
er nahm ein (3. Sg. Perf. Med.)
vinayāt
aus Demut (Abl.)
raumaharṣaṇiḥ
der Sohn des Lomaharṣaṇa (Nom., Patronymikon)

sukhāsīnaṃ tatas taṃ tu viśrāntam upalakṣya ca | athāpṛcchad ṛsis tatra kaścit prastāvayan kathāḥ ||

Als er ihn dann bequem sitzend und ausgeruht bemerkt hatte, fragte darauf dort ein gewisser Seher, indem er zu Erzählungen anregte.

Wort für Wort
sukha-āsīnam
bequem sitzend (Akk.)
tataḥ
dann
tam
ihn (Akk.)
tu
nun
viśrāntam
ausgeruht (Akk.)
upalakṣya
nachdem er bemerkt hatte (Ger.)
ca
und
atha
darauf
apṛcchat
er fragte (3. Sg. Impf.)
ṛsiḥ
ein Seher (Nom.)
tatra
dort
kaścit
ein gewisser
prastāvayan
anregend (Ptz. Kaus.)
kathāḥ
Erzählungen (Akk. Pl.)

kuta āgamyate saute kva ca ayam vihṛtas tvayā | kālaḥ kamala-patrākṣa śaṃsa etat pṛcchato mama ||

Woher kommst du, Sohn des Sūta? Und wo hast du diese Zeit verbracht, du Lotosblattäugiger? Sag mir, der ich frage, dies.

Wort für Wort
kutaḥ
woher
āgamyate
man kommt (unpers. Passiv)
saute
oh Sūta-Sohn (Vok.)
kva
wo
ca
und
ayam
diese (Zeit)
vihṛtaḥ
verbracht (Ptz.)
tvayā
von dir (Instr.)
kālaḥ
Zeit (Nom.)
kamala-patra-akṣa
oh Lotosblattäugiger (Vok.)
śaṃsa
sag! (Imp.)
etat
dies (Akk.)
pṛcchataḥ
dem Fragenden (Gen./Dat.)
mama
mir, mein (Gen.)

evaṃ pṛṣṭo ’bravīt samyag yathāvad raumaharṣaṇiḥ | vākyaṃ vacana-saṃpannaḥ teṣāṃ ca caritāśrayam ||

So gefragt, sprach der Sohn des Lomaharṣaṇa – redegewandt, wie er war – richtig und gebührend das Wort, das auf deren Taten beruhte.

Wort für Wort
evam
so
pṛṣṭaḥ
gefragt (Nom.)
abravīt
er sprach (3. Sg. Impf.)
samyak
richtig, vollständig
yathāvat
gebührend
raumaharṣaṇiḥ
der Sohn des Lomaharṣaṇa (Nom.)
vākyam
das Wort (Akk.)
vacana-saṃpannaḥ
redegewandt (Nom.)
teṣām
von jenen (Gen. Pl.)
ca
und
carita-āśrayam
auf Taten beruhend (Akk.)

tasmin sadasi vistīrṇe munīnāṃ bhāvitātmanam |

In jener weiten Versammlung der Weisen mit geläuterter Seele…

Wort für Wort
tasmin sadasi
in jener Versammlung (Lok.)
vistīrṇe
weiten (Lok.)
munīnām
der Weisen (Gen. Pl.)
bhāvita-ātmanam
deren Seele geläutert ist (Gen. Pl.)

[Anm.: Der Vers liegt im Quelltext nur mit einer Halbzeile vor; die zweite Pāda fehlt in der verfügbaren Digitalisierung und ist hier nicht ergänzt. Es folgt die Sprecherangabe „sūtir uvāca“ („der Sūta sprach“), mit der der eigentliche Bericht beginnt (s. Vers 15).]

[sūtir uvāca:] janamejayasya rājarṣeḥ sarpasatre mahātmanaḥ | samīpe pārthivendrasya samyak pārikṣitasya ca ||

Der Sūta sprach: Bei der Schlangenopfersitzung des königlichen Sehers Janamejaya, des Großmütigen, in der Nähe dieses Fürstenkönigs, des Sohnes des Parikṣit, ordnungsgemäß [durchgeführt]…

Wort für Wort
sūtiḥ uvāca
der Sūta[-Sohn] sprach
janamejayasya
des Janamejaya (Gen.)
rājarṣeḥ
des königlichen Sehers (Gen.)
sarpa-satre
bei der Schlangenopfersitzung (Lok.)
mahātmanaḥ
des Großmütigen (Gen.)
samīpe
in der Nähe (Lok.)
pārthiva-indrasya
des Fürstenkönigs (Gen.)
samyak
ordnungsgemäß
pārikṣitasya
des Sohnes des Parikṣit (Gen.)
ca
und

[Anm.: Zusammengesetzt aus den beiden im Quelltext getrennt zweitezählten Halbversen 1.1.15 und 1.1.15x.]

kṛṣṇa-dvaipāyana-proktāḥ supuṇyā vividhāḥ kathāḥ kathitāś cāpi vidhivad yā vaiśampāyanena vai |

…die mannigfaltigen, sehr verdienstvollen Erzählungen, die von Kṛṣṇa Dvaipāyana [Vyāsa] verkündet worden waren und die von Vaiśampāyana vorschriftsgemäß vorgetragen wurden…

Wort für Wort
kṛṣṇa-dvaipāyana-proktāḥ
von Kṛṣṇa Dvaipāyana verkündete (Nom. Pl. f.)
su-puṇyāḥ
sehr verdienstvolle (Nom. Pl.)
vividhāḥ
mannigfaltige (Nom. Pl.)
kathāḥ
Erzählungen (Nom. Pl.)
kathitāḥ
vorgetragen (Nom. Pl.)
ca api
und auch
vidhivat
vorschriftsgemäß
yāḥ
welche (Nom. Pl. f.)
vaiśampāyanena
von Vaiśampāyana (Instr.)
vai
wahrlich

śrutvāhaṃ tā vicitrārthā mahābhārata-saṃśritāḥ |

…nachdem ich jene [Erzählungen] von wunderbarem Sinngehalt, die dem Mahābhārata zugehören, gehört hatte…

Wort für Wort
śrutvā
nachdem ich gehört hatte (Ger.)
aham
ich
tāḥ
jene (Akk. Pl. f.)
vicitra-arthāḥ
von wunderbarem Sinngehalt (Akk. Pl.)
mahābhārata-saṃśritāḥ
dem Mahābhārata zugehörig (Akk. Pl.)

[Anm.: Auch dieser Vers liegt im Quelltext nur mit einer Halbzeile vor.]

bahūni saṃparikramya tīrthāny āyatanāni ca | samanta-pañcakaṃ nāma puṇyaṃ dvija-niṣevitam ||

Nachdem ich viele Pilgerstätten und heilige Schreine durchwandert hatte, [gelangte ich zu] dem heiligen, von den Zweifachgeborenen aufgesuchten [Ort] namens Samantapañcaka…

Wort für Wort
bahūni
viele (Akk. Pl. n.)
saṃparikramya
nachdem ich durchwandert hatte (Ger.)
tīrthāni
Pilgerstätten (Akk. Pl.)
āyatanāni
heilige Schreine (Akk. Pl.)
ca
und
samanta-pañcakam nāma
namens Samantapañcaka (Akk.)
puṇyam
heilig (Akk.)
dvija-niṣevitam
von den Zweifachgeborenen aufgesucht (Akk.)

gatavān asmi taṃ deśaṃ yuddhaṃ yatrābhavat purā | kurūṇāṃ pāṇḍavānāṃ ca sarveṣāṃ ca hi mahīkṣitām ||

…ich bin zu jenem Land gegangen, wo einst die Schlacht der Kurus und der Pāṇḍavas stattfand – und wahrlich [die Schlacht] aller Erdenherrscher.

Wort für Wort
gatavān asmi
ich bin gegangen (Perf. periphr., 1. Sg.)
tam deśam
zu jenem Land (Akk.)
yuddham
die Schlacht (Nom.)
yatra
wo
abhavat
geschah (3. Sg. Impf.)
purā
einst
kurūṇām
der Kurus (Gen. Pl.)
pāṇḍavānām
der Pāṇḍavas (Gen. Pl.)
ca
und
sarveṣām
aller (Gen. Pl.)
ca hi
und wahrlich
mahī-kṣitām
der Erdenherrscher (Gen. Pl.)

[Anm.: Quelltext „ca hīkṣitām“ normalisiert zu „ca hi mahīkṣitām“ („und wahrlich der Erdenherrscher“), da „hīkṣitām“ kein Wort ist und „mahīkṣit“ („Erdbewohner/König“) inhaltlich genau passt.]

didṛkṣur āgatas tasmāt samīpaṃ bhavatām iha | āyuṣmantaḥ sarva eva brahma-bhūtā hi me matāḥ ||

Begierig zu sehen, bin ich deshalb hierher in eure Nähe gekommen. Ihr Langlebigen, ihr alle geltet mir wahrlich als brahmanengleich.

Wort für Wort
didṛkṣuḥ
begierig zu sehen (Nom.)
āgataḥ
gekommen (Nom.)
tasmāt
deshalb
samīpam
in die Nähe (Akk.)
bhavatām
von euch (Gen. Pl., Höfl.)
iha
hier
āyuṣmantaḥ
oh Langlebige (Vok. Pl.)
sarve eva
wirklich alle (Nom. Pl.)
brahma-bhūtāḥ
brahmanengleiche, mit Brahman eins gewordene (Nom. Pl.)
hi
wahrlich
me
mir (Gen./Dat.)
matāḥ
gehalten für (Nom. Pl. Ptz.)

purāṇa-saṃhitāḥ puṇyāḥ kathā dharmārtha-saṃśritāḥ | itivṛttam narendrāṇām ṛṣīṇāṃ ca mahātmanam ||

…die in den Purāṇas gesammelten, heiligen Erzählungen, die auf Dharma und Artha gegründet sind, die Geschichte der Herrscher der Menschen und der großmütigen Seher.

Wort für Wort
purāṇa-saṃhitāḥ
die in den Purāṇas gesammelten (Nom./Akk. Pl.)
puṇyāḥ
heiligen (Nom./Akk. Pl.)
kathāḥ
Erzählungen
dharma-artha-saṃśritāḥ
auf Dharma und Artha gegründete
itivṛttam
die Geschichte (Akk.)
narendrāṇām
der Herrscher der Menschen (Gen. Pl.)
ṛṣīṇām
der Seher (Gen. Pl.)
ca
und
mahātmanam
der Großmütigen (Gen. Pl.)

ṛsaya ūcuḥ |

Die Seher sprachen:

Wort für Wort
ṛsayaḥ
die Seher (Nom. Pl.)
ūcuḥ
sie sprachen (3. Pl. Perf.)

dvaipāyanena yat proktaṃ purāṇaṃ paramarṣiṇā | surair brahmarṣibhiś caiva śrutvā yad abhipūjitam ||

„Jene uralte Erzählung, die von Dvaipāyana, dem höchsten Weisen, verkündet wurde, und die, nachdem sie [sie] gehört hatten, sogar von Göttern und Brahmanenweisen hochgepriesen wurde…“

Wort für Wort
dvaipāyanena
von Dvaipāyana (Instr.)
yat
welches (Akk. n.)
proktam
verkündet (Ptz.)
purāṇam
die uralte Erzählung (Akk.)
parama-ṛsiṇā
von dem höchsten Weisen (Instr.)
suraiḥ
von den Göttern (Instr. Pl.)
brahmarṣibhiḥ
von den Brahmanenweisen (Instr. Pl.)
ca eva
und auch, geradezu
śrutvā
nachdem sie gehört hatten (Ger.)
yat
welches
abhipūjitam
hochgepriesen (Ptz.)

[Anm.: Im Quelltext als Ergänzungsvers „1.1.23x“ gezählt.]

tasyākhyāna-variṣṭhasya vicitra-pada-parvaṇaḥ | sūkṣmārtha-nyāya-yuktasya vedārthair bhūṣitasya ca ||

…jener vorzüglichsten Erzählung, mit wunderbaren Worten und Abschnitten, versehen mit feinsinniger Bedeutung und Logik, und geschmückt mit den Bedeutungen der Veden…

Wort für Wort
tasya
von jener (Gen.)
ākhyāna-variṣṭhasya
der vorzüglichsten Erzählung (Gen.)
vicitra-pada-parvaṇaḥ
mit wunderbaren Worten und Abschnitten (Gen.)
sūkṣma-artha-nyāya-yuktasya
mit feinsinniger Bedeutung und Logik versehen (Gen.)
veda-arthaiḥ
mit den Bedeutungen der Veden (Instr. Pl.)
bhūṣitasya
geschmückt (Gen.)
ca
und

bhāratasyetihāsasya puṇyāṃ granthārtha-saṃyutām | saṃskāropagatāṃ brāhmīṃ nānā-śāstropṛṃhitām ||

…der heiligen [Fassung] der Geschichte des Bhārata, die mit dem Sinngehalt der Komposition verbunden, zu sprachlicher Vollendung gelangt, in reinem [klassischem] Sanskrit und durch mannigfaltige Lehrwerke bereichert ist…

Wort für Wort
bhāratasya itihāsasya
der Geschichte des Bhārata (Gen.)
puṇyām
die heilige (Akk. f.)
grantha-artha-saṃyutām
mit dem Sinn der Komposition verbunden (Akk.)
saṃskāra-upagatām
zu sprachlicher Vollendung gelangt (Akk.)
brāhmīm
in reinem Sanskrit (Akk. f.)
nānā-śāstra-upabṛṃhitām
durch mannigfaltige Lehrwerke bereichert (Akk.)

[Anm.: Das Anliegen der Seher – den ganzen Bhārata-Bericht zu hören – setzt sich grammatisch über diesen Vers hinaus fort; die Fortsetzung folgt in einer späteren Ergänzung dieser Ausgabe.]

vedaiś caturbhiḥ sayuktāṃ vyāsasyādbhutakarmaṇaḥ | saṃhitāṃ śrotum icchāmaḥ puṇyāṃ pāpabhayāpahām ||

„Wir wünschen die mit den vier Veden gleichgestellte Komposition (Saṃhitā) des Vyāsa von wunderbarem Wirken zu hören, die heilige, die die Furcht vor Sünde vertreibt.“

Wort für Wort
vedaiḥ caturbhiḥ
mit den vier Veden (Instr.)
sayuktām
gleichgestellt, verbunden (Akk. f.)
vyāsasya
des Vyāsa (Gen.)
adbhuta-karmaṇaḥ
von wunderbarem Wirken (Gen.)
saṃhitām
die Komposition (Akk.)
śrotum
zu hören (Inf.)
icchāmaḥ
wir wünschen (1. Pl.)
puṇyām
die heilige (Akk.)
pāpa-bhaya-apahām
die die Furcht vor Sünde vertreibt (Akk.)

sautir uvāca |

Sauti sprach:

Wort für Wort
sautiḥ
der Sūta-Sohn (Nom.)
uvāca
er sprach (3. Sg. Perf.)

ādyaṃ puruṣam īśānaṃ puruhūtaṃ puruṣṭutam | ṛtam ekākṣaraṃ brahma vyaktāvyaktaṃ sanātanam |

[Ich verneige mich vor] dem ursprünglichen Puruṣa, dem Herrschenden, dem Vielgerufenen, dem Vielgepriesenen, der kosmischen Ordnung, dem einen unvergänglichen Brahman, dem Offenbarten und Unoffenbarten zugleich, dem Ewigen…

Wort für Wort
ādyam puruṣam
den ursprünglichen Puruṣa (Akk.)
īśānam
den Herrschenden (Akk.)
puruhūtam
den Vielgerufenen (Akk.)
puruṣṭutam
den Vielgepriesenen (Akk.)
ṛtam
die kosmische Ordnung/Wahrheit (Akk.)
eka-akṣaram brahma
das eine unvergängliche Brahman (Akk.)
vyakta-avyaktam
das Offenbarte und Unoffenbarte (Akk.)
sanātanam
das Ewige (Akk.)

[Anm.: Die Verse 28–30 bilden syntaktisch einen einzigen Satz; das Verb („namaskṛtya“, „nachdem ich Verehrung erwiesen habe“) folgt erst in Vers 30.]

asac ca sac caiva ca yad viśvaṃ sad-asataḥ param | parāvarāṇāṃ sraṣṭāraṃ purāṇaṃ param avyayam |

…dem, das Nichtseiende und das Seiende zugleich, das was das Universum ist, das jenseits von Sein und Nichtsein liegt, dem Schöpfer der höheren und niederen Wesen, dem Uralten, höchsten Unvergänglichen…

Wort für Wort
asat ca sat ca eva
das Nichtseiende und das Seiende zugleich
yat viśvam
das, was das Universum ist
sat-asataḥ param
jenseits von Sein und Nichtsein
para-avarāṇām
der höheren und niederen (Wesen) (Gen. Pl.)
sraṣṭāram
den Schöpfer (Akk.)
purāṇam
den Uralten (Akk.)
param avyayam
den höchsten Unvergänglichen (Akk.)

maṅgalyaṃ maṅgalaṃ viṣṇuṃ vareṇyam anaghaṃ śucim | namaskṛtya hṛṣīkeśaṃ carācaraguruṃ harim ||

…nachdem ich Verehrung erwiesen habe dem Heilbringenden, dem Heil selbst, Viṣṇu, dem Erwählenswerten, Makellosen, Reinen, Hṛṣīkeśa, dem Herrn alles Beweglichen und Unbeweglichen, Hari.

Wort für Wort
maṅgalyam maṅgalam
den Heilbringenden, das Heil selbst (Akk.)
viṣṇum
Viṣṇu (Akk.)
vareṇyam
den Erwählenswerten (Akk.)
anagham
den Makellosen (Akk.)
śucim
den Reinen (Akk.)
namaskṛtya
nachdem ich Verehrung erwiesen habe (Ger.)
hṛṣīkeśam
Hṛṣīkeśa, den Herrn der Sinne (Akk.)
cara-acara-gurum
den Herrn des Beweglichen und Unbeweglichen (Akk.)
harim
Hari (Akk.)

namo bhagavate tasmai vyāsāyāmitatejase | yasya prasādād vakṣyāmi nārāyaṇakathām imām ||

Verehrung jenem Erhabenen, Vyāsa, von unermesslicher Macht, durch dessen Gnade ich diese Erzählung von Nārāyaṇa verkünden werde.

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
bhagavate tasmai
jenem Erhabenen (Dat.)
vyāsāya
dem Vyāsa (Dat.)
amita-tejase
von unermesslicher Macht (Dat.)
yasya
dessen (Gen.)
prasādāt
durch (dessen) Gnade (Abl.)
vakṣyāmi
ich werde verkünden (1. Sg. Fut.)
nārāyaṇa-kathām imām
diese Erzählung von Nārāyaṇa (Akk.)

sarvāśramābhiśamanaṃ sarvatīrthāvagāhanam | na tathā phalada sūte nārāyaṇakathā yathā ||

Nicht die Befriedung durch alle Lebensstadien, nicht das Eintauchen in alle Pilgerstätten bringt so viel Frucht, oh Sūta, wie die Erzählung von Nārāyaṇa.

Wort für Wort
sarva-āśrama-abhiśamanam
die Befriedung/Vollendung aller Lebensstadien (Nom.)
sarva-tīrtha-avagāhanam
das Eintauchen in alle Pilgerstätten (Nom.)
na tathā phalada
nicht so fruchtbringend
sūte
oh Sūta (Vok.)
nārāyaṇa-kathā
die Erzählung von Nārāyaṇa (Nom.)
yathā
wie

nāsti nārāyaṇasamaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati | etena satyavākyena sarvārthān sādhayāmy aham ||

Es gibt, gab und wird nichts geben, das Nārāyaṇa gleichkäme. Durch dieses Wort der Wahrheit vollbringe ich alle meine Anliegen.

Wort für Wort
na asti
es gibt nicht
nārāyaṇa-samam
etwas Nārāyaṇa Gleiches (Nom.)
na bhūtam na bhaviṣyati
es gab nicht, es wird nicht geben
etena satya-vākyena
durch dieses Wort der Wahrheit (Instr.)
sarva-arthān
alle Anliegen (Akk. Pl.)
sādhayāmi
ich erreiche/vollbringe (1. Sg.)
aham
ich

ācakhyuḥ kavayaḥ kecit saṃpraty ācakṣate pare | ākhyāsyanti tathaivānya itihāsam imaṃ bhuvi ||

Manche Dichter haben diese Geschichte erzählt, andere erzählen sie gegenwärtig, wieder andere werden sie ebenso auf Erden erzählen.

Wort für Wort
ācakhyuḥ
sie haben erzählt (3. Pl. Perf.)
kavayaḥ kecit
einige Dichter (Nom. Pl.)
saṃprati
gegenwärtig
ācakṣate
sie erzählen (3. Pl. Präs.)
pare
andere (Nom. Pl.)
ākhyāsyanti
sie werden erzählen (3. Pl. Fut.)
tathā eva anye
ebenso andere
itihāsam imam
diese Geschichte (Akk.)
bhuvi
auf Erden (Lok.)

idaṃ tu triṣu lokeṣu mahaj jñānaṃ pratiṣṭhitam | vistaraiś ca samāsaiś ca dhāryate yad dvijātibhiḥ ||

Dieses große Wissen aber ist in den drei Welten begründet; es wird von den Zweifachgeborenen sowohl in ausführlicher als auch in gekürzter Form bewahrt.

Wort für Wort
idam tu
dieses aber
triṣu lokeṣu
in den drei Welten (Lok.)
mahat jñānam
das große Wissen (Nom.)
pratiṣṭhitam
begründet (Nom.)
vistaraiḥ ca samāsaiḥ ca
in ausführlicher wie in gekürzter Form (Instr.)
dhāryate
es wird bewahrt (Passiv)
yat
welches
dvijātibhiḥ
von den Zweifachgeborenen (Instr. Pl.)

[Anm.: Dieser Vers steht im Quelltext identisch zweimal, als 1.1.35 und 1.1.36 gezählt. Da er inhaltlich unverändert ist, wird er hier nur einmal übersetzt; beide Verszählungen verweisen auf dieselbe Übersetzung.]

alaṅkṛtaṃ śubhaiḥ śabdaiḥ samayair divyadhanuṣaiḥ chandovṛttaiś ca vividhair anvitaṃ viduṣāṃ priyam ||

Geschmückt mit schönen Worten, mit Konventionen und [unklar: „göttlichen Bögen“], verbunden mit mannigfaltigen Versmaßen – den Gelehrten lieb.

Wort für Wort
alaṅkṛtam
geschmückt (Nom./Akk.)
śubhaiḥ śabdaiḥ
mit schönen Worten (Instr.)
samayaiḥ
mit Konventionen (Instr.)
divyadhanuṣaiḥ
„mit göttlichen Bögen“ (Instr., Bedeutung unsicher)
chandaḥ-vṛttaiḥ ca vividhaiḥ
und mit mannigfaltigen Versmaßen (Instr.)
anvitam
verbunden (Nom./Akk.)
viduṣām priyam
den Gelehrten lieb (Nom./Akk.)

[Anm.: Die Wendung „divyadhanuṣaiḥ“ („mit göttlichen Bögen“) ergibt im Kontext einer Beschreibung literarischer Gestaltungsmittel keinen erkennbaren Sinn; die Lesart ist in der verfügbaren Digitalisierung vermutlich verderbt. Als unsicher markiert, nicht stillschweigend geglättet – ein Abgleich mit einer zweiten Ausgabe steht aus.] [?]

tapasā brahmacaryeṇa vyasya vedaṃ sanātanam | itihāsam imaṃ cakre puṇyaṃ satyavatīsutaḥ ||

Durch Askese und Studien-Enthaltsamkeit, nachdem er den ewigen Veda gegliedert hatte, schuf der Sohn der Satyavatī diese heilige Geschichte.

Wort für Wort
tapasā
durch Askese (Instr.)
brahmacaryeṇa
durch Studien-Enthaltsamkeit (Instr.)
vyasya
nachdem er gegliedert/ediert hatte (Ger.)
vedam sanātanam
den ewigen Veda (Akk.)
itihāsam imam
diese Geschichte (Akk.)
cakre
er schuf (3. Sg. Perf. Med.)
puṇyam
die heilige (Akk.)
satyavatī-sutaḥ
der Sohn der Satyavatī, d. h. Vyāsa (Nom.)

[Anm.: Dieser Vers kehrt im Quelltext, wortgleich, als 1.1.67 wieder – vermutlich eine bewusste Wiederaufnahme (Ringkomposition), mit der nach dem eingelagerten kosmogonischen Abschnitt (39–66) zum Haupterzählfaden zurückgelenkt wird, keine Fehlübertragung.]

puṇye himavataḥ pāde medhye giriguhālaye | viśodhya dehaṃ dharmātmā darbhasaṃstaram āśritaḥ ||

Am heiligen Fuß des Himālaya, an einem reinen Ort, in einer Bergeshöhle wohnend, ließ sich der Rechtschaffene, nachdem er seinen Körper gereinigt hatte, auf einer Streu aus Kuśagras nieder.

Wort für Wort
puṇye
am heiligen (Lok.)
himavataḥ pāde
am Fuß des Himālaya (Lok./Gen.)
medhye
am reinen/geweihten Ort (Lok.)
giri-guhā-ālaye
in einer Bergeshöhlenwohnung (Lok.)
viśodhya deham
nachdem er den Körper gereinigt hatte (Ger.)
dharma-ātmā
der Rechtschaffene (Nom.)
darbha-saṃstaram āśritaḥ
auf einer Kuśagras-Streu sitzend (Nom.)

śuciḥ saniyamo vyāsaḥ śāntātmā tapasi sthitaḥ | bhāratasyetihāsasya dharmeṇānvīkṣya tāṃ gatim ||

Rein, an strenge Regeln gebunden, von ruhigem Gemüt, in Askese verharrend, erwog Vyāsa mittels innerer Schau den Verlauf der Geschichte des Bhārata.

Wort für Wort
śuciḥ
rein (Nom.)
sa-niyamaḥ
mit (strengen) Regeln (Nom.)
vyāsaḥ
Vyāsa (Nom.)
śānta-ātmā
von ruhigem Gemüt (Nom.)
tapasi sthitaḥ
in Askese verharrend (Nom.)
bhāratasya itihāsasya
der Geschichte des Bhārata (Gen.)
dharmeṇa
mittels (innerer) Schau (Instr.)
anvīkṣya
nachdem er betrachtet hatte (Ger.)
tām gatim
jenen Verlauf (Akk.)

praviśya yogaṃ jñānena so ’paśyat sarvam antataḥ ||

Nachdem er in Yoga (Versenkung) eingetreten war, sah er durch Erkenntnis alles bis zum Ende.

Wort für Wort
praviśya yogam
nachdem er in Yoga eingetreten war (Ger.)
jñānena
durch Erkenntnis (Instr.)
saḥ apaśyat
er sah (3. Sg. Impf.)
sarvam
alles (Akk.)
antataḥ
bis zum Ende, gänzlich

[Anm.: Auch dieser Vers liegt im Quelltext nur mit einer Halbzeile vor.]

niṣprabhe ’sminn nirāloke sarvatas tamasā vṛte | bṛhad aṇḍam abhūd ekaṃ prajānāṃ bījam avyayam ||

Als dieses All ohne Glanz, lichtlos, überall von Finsternis umhüllt war, entstand das eine große Ei, der unvergängliche Same der Geschöpfe.

Wort für Wort
niṣprabhe asmin
als dieses (All) ohne Glanz war (Lok. abs.)
nirāloke
lichtlos (Lok.)
sarvataḥ tamasā vṛte
überall von Finsternis umhüllt (Lok.)
bṛhat aṇḍam
ein großes Ei (Nom.)
abhūt ekam
es entstand, das eine (3. Sg. Impf.)
prajānām bījam avyayam
der unvergängliche Same der Geschöpfe (Nom.)

yugasyādinimittaṃ tan mahad divyaṃ pracakṣate | yasmiṃs tac chrūyate satyaṃ jyotir brahma sanātanam ||

Jenes große, göttliche Ei nennt man die Ursache des Anfangs des Weltzeitalters; in ihm, so vernimmt man, ist die Wahrheit, das ewige Licht-Brahman.

Wort für Wort
yugasya ādi-nimittam
die Ursache des Anfangs des Weltzeitalters (Akk./Nom.)
tat mahat divyam
jenes große, göttliche (Ei) (Akk./Nom.)
pracakṣate
man nennt es (3. Pl. Med.)
yasmin
in welchem
tat śrūyate
jenes wird vernommen (Passiv)
satyam
die Wahrheit (Nom.)
jyotiḥ brahma sanātanam
das ewige Licht-Brahman (Nom.)

[Anm.: Quelltext „vyasmiṃs“ zu „yasmiṃs“ emendiert (v/y-Verwechslung), da „vyasmin“ keine sinnvolle Wortform ist.] [?]

adbhutaṃ cāpy acintyaṃ ca sarvatra samatāṃ matam | avyaktaṃ kāraṇaṃ sūkṣmaṃ yat tat sadasadātmakam ||

Wunderbar und auch undenkbar, überall als Gleichmaß angesehen, ist die unoffenbare, feinstoffliche Ursache, jenes, das von der Natur des Seienden und Nichtseienden ist.

Wort für Wort
adbhutam ca api acintyam ca
wunderbar und auch undenkbar
sarvatra samatām matam
überall als Gleichmaß angesehen (Nom./Akk.)
avyaktam kāraṇam sūkṣmam
die unoffenbare, feinstoffliche Ursache (Nom.)
yat tat
welches, jenes
sad-asad-ātmakam
von der Natur des Seienden und Nichtseienden (Nom.)

yasmin pitāmaho jajñe prabhur ekaḥ prajāpatiḥ | brahmā suraguruḥ sthāṇur manuḥ kaḥ parameṣṭhy atha ||

In welchem der Großvater (Brahmā) geboren wurde, der eine Herr, der Herr der Geschöpfe – Brahmā, der Lehrer der Götter, Sthāṇu, Manu, Ka, der Höchststehende…

Wort für Wort
yasmin
in welchem (Lok.)
pitāmahaḥ jajñe
der Großvater wurde geboren (3. Sg. Perf.)
prabhuḥ ekaḥ prajāpatiḥ
der eine Herr der Geschöpfe (Nom.)
brahmā
Brahmā (Nom.)
sura-guruḥ
der Lehrer der Götter (Nom.)
sthāṇuḥ
Sthāṇu, Beiname Śivas (Nom.)
manuḥ
Manu (Nom.)
kaḥ
Ka, Beiname Prajāpatis (Nom.)
parameṣṭhī
der Höchststehende (Nom.)
atha
ferner

prācetasas tathā dakṣo dakṣaputrāś ca sapta vai | tataḥ prajānāṃ patayaḥ prābhavann ekaviṃśatiḥ ||

…ferner Dakṣa, der Sohn des Pracetas, und die sieben Söhne Dakṣas; danach entstanden die einundzwanzig Herren der Geschöpfe (Prajāpatis).

Wort für Wort
prācetasaḥ tathā dakṣaḥ
Dakṣa, der Sohn des Pracetas
dakṣa-putrāḥ ca sapta vai
und die sieben Söhne Dakṣas
tataḥ
danach
prajānām patayaḥ
die Herren der Geschöpfe (Nom. Pl.)
prābhavan
sie entstanden (3. Pl. Impf.)
ekaviṃśatiḥ
einundzwanzig

puruṣaś cāprameyātmā yaṃ sarvarṣayo viduḥ | viśvedevās tathādityā vasavo ’thāśvinā v api ||

…und der Puruṣa von unermesslichem Wesen, den alle Seher kennen; die Viśvedevas, ebenso die Ādityas, die Vasus, sowie auch die beiden Aśvins…

Wort für Wort
puruṣaḥ ca
und der Puruṣa (Nom.)
aprameya-ātmā
dessen Wesen unermesslich ist (Nom.)
yam sarva-ṛṣayaḥ viduḥ
den alle Seher kennen
viśve-devāḥ
die Viśvedevas (Nom. Pl.)
tathā ādityāḥ
ebenso die Ādityas
vasavaḥ
die Vasus
atha aśvinau api
sowie auch die beiden Aśvins

yakṣāḥ sādhyāḥ piśācāś ca guhyakāḥ pitaras tathā | tataḥ prasūtā vidvāṃsaḥ śiṣṭā brahmarṣisattamāḥ ||

…Yakṣas, Sādhyas und Piśācas, Guhyakas und die Ahnen (Pitṛs); daraus hervorgegangen die gelehrten, rechtschaffenen Weisen, die besten der Brahmanenweisen…

Wort für Wort
yakṣāḥ sādhyāḥ piśācāḥ ca
Yakṣas, Sādhyas und Piśācas
guhyakāḥ pitaraḥ tathā
Guhyakas und die Ahnen
tataḥ prasūtāḥ
daraus hervorgegangen
vidvāṃsaḥ śiṣṭāḥ
die gelehrten, rechtschaffenen (Weisen)
brahmarṣi-sattamāḥ
die besten der Brahmanenweisen

maharṣayaś ca bahavaḥ sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ | ataś ca dyauḥ pṛthivī vāyur antarikṣaṃ diśas tathā ||

…und viele große Seher, mit allen guten Eigenschaften ausgestattet. Daraus entstanden: Himmel, Erde, Wind, der Luftraum und ebenso die Himmelsrichtungen…

Wort für Wort
maharṣayaḥ ca bahavaḥ
und viele große Seher
sarvaiḥ samuditāḥ guṇaiḥ
mit allen guten Eigenschaften ausgestattet
ataḥ
daraus
dyauḥ pṛthivī vāyuḥ
Himmel, Erde, Wind
antarikṣam diśaḥ tathā
der Luftraum und ebenso die Himmelsrichtungen

[Anm.: Quelltext „āto“ zu „ataḥ ca“ emendiert.] [?]

saṃvatsararttavo māsāḥ pakṣāhorātrayaḥ kramāt | yac cānyad api tat sarvaṃ saṃbhūtaṃ lokasākṣikam ||

…das Jahr, die Jahreszeiten, die Monate, die Monatshälften, Tage und Nächte der Reihe nach, und was es sonst noch gibt – all das entstand, vor den Augen der Welt bezeugt.

Wort für Wort
saṃvatsara-ṛtavaḥ māsāḥ
das Jahr, die Jahreszeiten, die Monate
pakṣa-aho-rātrayaḥ
die Monatshälften, Tage und Nächte
kramāt
der Reihe nach
yat ca anyat api
und was auch sonst noch (existiert)
tat sarvam
all das
saṃbhūtam
entstanden
loka-sākṣikam
vor den Augen der Welt bezeugt

yad idaṃ dṛśyate kiṃcid bhūtaṃ sthāvarajaṅgamam | punaḥ saṃkṣipyate sarvaṃ jagat prāpte yugakṣaye ||

Was auch immer hier gesehen wird an Wesen, beweglich oder unbeweglich – die ganze Welt wird wieder eingezogen, wenn das Ende des Weltzeitalters eintritt.

Wort für Wort
yat idam dṛśyate kiṃcit
was auch immer hier gesehen wird
bhūtam sthāvara-jaṅgamam
an Wesen, beweglich und unbeweglich
punaḥ saṃkṣipyate
wird wieder eingezogen
sarvam jagat
die ganze Welt
prāpte yuga-kṣaye
wenn das Ende des Weltzeitalters eingetreten ist (Lok. abs.)

yatharttuṣv ṛtuliṅgāni nānārūpāṇi paryaye | dṛśyante tāni tāny eva tathā bhāvā yugādiṣu ||

So wie im Kreislauf der Jahreszeiten die Kennzeichen der jeweiligen Jahreszeit in mannigfaltigen Formen immer wieder aufs Neue erscheinen, so erscheinen die Wesenszustände an den Anfängen der Weltzeitalter.

Wort für Wort
yathā ṛtuṣu
so wie in den Jahreszeiten
ṛtu-liṅgāni
die Kennzeichen der Jahreszeit
nānā-rūpāṇi
in mannigfaltigen Formen
paryaye
im Wechsel (Lok.)
dṛśyante
sie werden gesehen
tāni tāni eva
eben jene, immer wieder
tathā bhāvāḥ
ebenso die Wesenszustände
yuga-ādiṣu
an den Anfängen der Weltzeitalter

evam etad anādyantaṃ bhūtasaṃghātakārakam | anādinidhanaṃ loke cakraṃ saṃparivartate ||

So dreht sich in der Welt, ohne Anfang und Ende, dieses Rad, das die Verbindung der Wesen bewirkt, unaufhörlich, ohne Anfang und Untergang.

Wort für Wort
evam etat
so ist dies
anādi-antam
ohne Anfang und Ende
bhūta-saṃghāta-kārakam
das die Verbindung der Wesen bewirkt
anādi-nidhanam
ohne Anfang und Untergang
loke
in der Welt
cakram
das Rad
saṃparivartate
es dreht sich unaufhörlich

trayastriṃśat sahasrāṇi trayastriṃśac chatāni ca | trayastriṃśac ca devānāṃ sṛṣṭiḥ saṃkṣepalakṣaṇā ||

Dreiunddreißigtausend, dreiunddreißighundert und dreiunddreißig – das ist die Schöpfung der Götter, kurz umrissen.

Wort für Wort
trayastriṃśat sahasrāṇi
dreiunddreißigtausend
trayastriṃśat śatāni ca
und dreiunddreißighundert
trayastriṃśat ca
und dreiunddreißig
devānām
der Götter (Gen. Pl.)
sṛṣṭiḥ
die Schöpfung (Nom.)
saṃkṣepa-lakṣaṇā
kurz umrissen

[Anm.: Anspielung auf die traditionelle Zahlenformel „33 Götter“ (8 Vasus, 11 Rudras, 12 Ādityas, 2 Aśvins) bzw. deren spätere hyperbolische Vervielfachung; die genaue Bedeutung dieser Zahlenfolge (33.000 + 3.300 + 33) ist in der Forschung nicht abschließend geklärt.]

divaḥ putro bṛhadbhānuś cakṣurātmā vibhāvasuḥ | savitā sa ṛcīko ’rko bhānur āśāvaho raviḥ ||

Der Sohn des Himmels, von großem Glanz, dessen Wesen das (Welten-)Auge ist, der Lichtreiche, Savitṛ, jener Ṛcīka, Arka, Bhānu, der die Himmelsrichtungen durchdringt, Ravi — [Namen der Sonne].

Wort für Wort
divaḥ putraḥ
der Sohn des Himmels (Nom.)
bṛhad-bhānuḥ
von großem Glanz (Nom.)
cakṣuḥ-ātmā
dessen Wesen das (Welten-)Auge ist (Nom.)
vibhāvasuḥ
der Lichtreiche (Nom.)
savitā
Savitṛ (Nom.)
saḥ ṛcīkaḥ
jener Ṛcīka (Nom.)
arkaḥ
Arka (Nom.)
bhānuḥ
Bhānu (Nom.)
āśā-vahaḥ
der die Himmelsrichtungen durchdringt (Nom.)
raviḥ
Ravi (Nom.)

[Anm.: Aufzählung von Beinamen der Sonne (Sūrya), eingeleitet durch die Genealogie „Sohn des Himmels (Dyaus)“.]

putrā vivasvataḥ sarve manus teṣāṃ tathāvaraḥ | devabhrāṭ tanayas tasya subhrāḍ iti tataḥ smṛtaḥ ||

Alle Söhne des Vivasvat (der Sonne) – Manu der jüngste unter ihnen. Dessen Sohn war Devabhrāj, dessen Sohn wiederum als Subhrāj bekannt war.

Wort für Wort
putrāḥ vivasvataḥ sarve
alle Söhne des Vivasvat
manuḥ teṣām tathā avaraḥ
Manu, der jüngste von ihnen
devabhrāṭ
Devabhrāj (Nom.)
tanayaḥ tasya
dessen Sohn
subhrāṭ iti tataḥ smṛtaḥ
der danach als Subhrāj bekannt war

subhrājas tu trayaḥ putrāḥ prajāvanto bahuśrutāḥ | daśajyotiḥ śatajyotiḥ sahasrajyotir eva ca ||

Subhrāj hatte drei Söhne, nachkommenreich und vielgelehrt: Daśajyotis, Śatajyotis und Sahasrajyotis.

Wort für Wort
subhrājaḥ tu
des Subhrāj aber
trayaḥ putrāḥ
drei Söhne
prajāvantaḥ bahuśrutāḥ
nachkommenreich und vielgelehrt
daśajyotiḥ śatajyotiḥ sahasrajyotiḥ eva ca
Daśajyotis, Śatajyotis und Sahasrajyotis

daśaputrasahasrāṇi daśajyoter mahātmanaḥ | tato daśaguṇāś cānye śatajyoter ihātmajāḥ ||

Zehntausend Söhne hatte der großmütige Daśajyotis; zehnmal so viele waren es bei Śatajyotis' Söhnen.

Wort für Wort
daśa-putra-sahasrāṇi
zehntausend Söhne
daśajyoteḥ mahātmanaḥ
des großmütigen Daśajyotis (Gen.)
tataḥ daśa-guṇāḥ ca anye
und danach zehnmal so viele andere
śatajyoteḥ iha ātmajāḥ
die Söhne des Śatajyotis hier

bhūyas tato daśaguṇāḥ sahasrajyotiṣaḥ sutāḥ | tebhyo ’yaṃ kuruvaṃśaś ca yadūnāṃ bharatasya ca ||

Wiederum zehnmal so viele Söhne hatte Sahasrajyotis. Von diesen stammt diese Kuru-Dynastie, ebenso die der Yadus und des Bharata…

Wort für Wort
bhūyaḥ tataḥ daśaguṇāḥ
wiederum davon zehnmal so viele
sahasrajyotiṣaḥ sutāḥ
die Söhne des Sahasrajyotis
tebhyaḥ ayam kuruvaṃśaḥ ca
von diesen (stammt) diese Kuru-Dynastie
yadūnām bharatasya ca
(und die) der Yadus und des Bharata

yayātīkṣvākuvaṃśaś ca rājarṣīṇāṃ ca sarvaśaḥ | saṃbhūtā bahavo vaṃśā bhūtasargāḥ suvistarāḥ ||

…und die Dynastie des Yayāti und des Ikṣvāku, und die aller königlichen Seher überhaupt – so entstanden viele Dynastien, ausführliche Hervorbringungen der Wesen.

Wort für Wort
yayāti-ikṣvāku-vaṃśaḥ ca
und die Dynastie des Yayāti und Ikṣvāku
rājarṣīṇām ca sarvaśaḥ
und die aller königlichen Seher
saṃbhūtāḥ bahavaḥ vaṃśāḥ
es entstanden viele Dynastien
bhūta-sargāḥ suvistarāḥ
ausführliche Hervorbringungen der Wesen

bhūtasthānāni sarvāṇi rahasyaṃ trividhaṃ ca yat | vedā yogaḥ savijñāno dharmo ’rthaḥ kāma eva ca |

Alle Aufenthaltsorte der Wesen, und was das dreifache Geheimnis ist; die Veden, der Yoga mit seiner Erkenntnislehre, Dharma, Artha und Kāma…

Wort für Wort
bhūta-sthānāni sarvāṇi
alle Aufenthaltsorte der Wesen
rahasyam trividham ca yat
und was das dreifache Geheimnis ist
vedāḥ
die Veden (Nom. Pl.)
yogaḥ savijñānaḥ
der Yoga mit seiner Erkenntnislehre
dharmaḥ arthaḥ kāmaḥ eva ca
Dharma, Artha und Kāma

dharmārthakāmayuktāni śāstrāṇi vividhāni ca | lokayātrāvidhānaṃ ca sarvaṃ tad dṛṣṭavān ṛṣiḥ |

…die mannigfaltigen, mit Dharma, Artha und Kāma verbundenen Lehrwerke, und die Ordnung des Weltenlaufs – all das hatte der Seher [Vyāsa] geschaut.

Wort für Wort
dharma-artha-kāma-yuktāni
mit Dharma, Artha und Kāma verbundene
śāstrāṇi vividhāni ca
und die mannigfaltigen Lehrwerke
lokayātrā-vidhānam ca
und die Ordnung des Weltenlaufs
sarvam tat dṛṣṭavān ṛṣiḥ
all das hatte der Seher geschaut

nītir bharatavaṃśasya vistāraś caiva sarvaśaḥ | itihāsāḥ sahavyākhyā vividhāḥ śrutayo ’pi ca |

…die Sittenlehre der Bharata-Dynastie und ihre Ausbreitung in jeder Hinsicht, Geschichtserzählungen mitsamt Erläuterung, und mannigfaltige Offenbarungstexte.

Wort für Wort
nītiḥ bharatavaṃśasya
die Sittenlehre der Bharata-Dynastie
vistāraḥ ca eva sarvaśaḥ
und ihre Ausbreitung in jeder Hinsicht
itihāsāḥ sahavyākhyāḥ
Geschichtserzählungen mitsamt Erläuterung
vividhāḥ śrutayaḥ api ca
und mannigfaltige Offenbarungstexte

iha sarvam anukrāntam uktaṃ granthasya lakṣaṇam | saṃkṣepeṇetihāsasya tato vakṣyati vistaram |

Hier ist alles der Reihe nach behandelt, das Wesen des Werks ist zunächst in Kürze genannt; danach wird er die Geschichte ausführlich darlegen.

Wort für Wort
iha sarvam anukrāntam
hier ist alles der Reihe nach behandelt
uktam granthasya lakṣaṇam
das Merkmal des Werks ist genannt
saṃkṣepeṇa itihāsasya
der Geschichte in Kürze
tataḥ vakṣyati vistaram
danach wird er ausführlich darlegen

vistīryaitan mahaj jñānam ṛṣiḥ saṃkṣipya cābravīt | iṣṭaṃ hi viduṣāṃ loke samāsavyāsadhāraṇam |

Nachdem der Seher dieses große Wissen ausgebreitet hatte, verkündete er es auch in gekürzter Form; denn den Gelehrten in der Welt ist es lieb, ein Werk sowohl gekürzt wie ausgebreitet festzuhalten.

Wort für Wort
vistīrya etat mahat jñānam
nachdem er dieses große Wissen ausgebreitet hatte
ṛṣiḥ saṃkṣipya ca abravīt
sprach der Seher es auch gekürzt
iṣṭam hi viduṣām loke
denn den Gelehrten in der Welt ist es lieb
samāsa-vyāsa-dhāraṇam
das Festhalten in gekürzter wie in ausgebreiteter Form

vividhaṃ saṃhitājñānaṃ dīpayanti manīṣiṇaḥ | vyākhyātuṃ kuśalāḥ kecid granthān dhārayituṃ pare |

Die Weisen erhellen das mannigfaltige Wissen dieser Sammlung – manche sind geschickt darin, es zu erläutern, andere darin, die Texte im Gedächtnis zu bewahren.

Wort für Wort
vividham saṃhitā-jñānam
das mannigfaltige Wissen der Sammlung
dīpayanti manīṣiṇaḥ
die Weisen erhellen es
vyākhyātum kuśalāḥ kecit
manche sind geschickt darin, es zu erläutern
granthān dhārayitum pare
andere darin, die Texte zu bewahren

tapasā brahmacaryeṇa vyasya vedaṃ sanātanam | itihāsam imaṃ cakre puṇyaṃ satyavatīsutaḥ |

Durch Askese und Studien-Enthaltsamkeit, nachdem er den ewigen Veda gegliedert hatte, schuf der Sohn der Satyavatī diese heilige Geschichte.

Wort für Wort
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese und Studien-Enthaltsamkeit
vyasya vedam sanātanam
nachdem er den ewigen Veda gegliedert hatte
itihāsam imam cakre
schuf er diese Geschichte
puṇyam satyavatī-sutaḥ
die heilige, der Sohn der Satyavatī

[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von Vers 38 – Wiederaufnahme des Haupterzählfadens nach dem eingelagerten kosmogonisch-genealogischen Abschnitt (39–66).]

parāśarātmajo vidvān brahmarṣiḥ saṃśitavrataḥ | mātur niyogād dharmātmā gāṅgeyasya ca dhīmataḥ |

Der gelehrte Sohn des Parāśara, der Brahmanenweise von strengen Gelübden, der Rechtschaffene – auf Geheiß seiner Mutter und im Auftrag des weisen Sohnes der Gaṅgā [Bhīṣma]…

Wort für Wort
parāśara-ātmajaḥ vidvān
der gelehrte Sohn des Parāśara
brahmarṣiḥ saṃśita-vrataḥ
der Brahmanenweise von strengen Gelübden
mātuḥ niyogāt
auf Geheiß der Mutter
dharma-ātmā
der Rechtschaffene
gāṅgeyasya ca dhīmataḥ
und des weisen Sohnes der Gaṅgā (Bhīṣma)

kṣetre vicitravīryasya kṛṣṇadvaipāyanaḥ purā | trīn agnīn iva kauravyāñ janayām āsa vīryavān |

…erzeugte einst Kṛṣṇa Dvaipāyana im Schoß der Witwen des Vicitravīrya, der Kraftvolle, die drei Kauravyas, leuchtend wie drei heilige Feuer.

Wort für Wort
kṣetre vicitravīryasya
im Feld/Schoß des Vicitravīrya
kṛṣṇadvaipāyanaḥ purā
Kṛṣṇa Dvaipāyana einst
trīn agnīn iva kauravyān
die drei Kauravyas, wie drei Feuer
janayām āsa vīryavān
erzeugte der Kraftvolle

utpādya dhṛtarāṣṭraṃ ca pāṇḍuṃ viduram eva ca | jagāma tapase dhīmān punar evāśramaṃ prati |

Nachdem er Dhṛtarāṣṭra, Pāṇḍu und auch Vidura gezeugt hatte, kehrte der Weise zur Askese wieder in seine Einsiedelei zurück.

Wort für Wort
utpādya dhṛtarāṣṭram ca
nachdem er Dhṛtarāṣṭra gezeugt hatte
pāṇḍum viduram eva ca
und Pāṇḍu sowie auch Vidura
jagāma tapase dhīmān
ging der Weise zur Askese
punaḥ eva āśramam prati
wieder zurück zur Einsiedelei

teṣu jāteṣu vṛddheṣu gateṣu paramāṃ gatim | abravīd bhārataṃ loke mānuṣe ’smin mahān ṛṣiḥ |

Als jene geboren und herangewachsen und schließlich zum höchsten Gang (dem Tod) gegangen waren, verkündete der große Seher das Bhārata in dieser Menschenwelt.

Wort für Wort
teṣu jāteṣu vṛddheṣu
als jene geboren, herangewachsen waren
gateṣu paramām gatim
und zum höchsten Gang (Tod) gegangen waren
abravīt bhāratam loke
verkündete er das Bhārata in der Welt
mānuṣe asmin mahān ṛṣiḥ
in dieser Menschenwelt, der große Seher

janamejayena pṛṣṭaḥ san brāhmaṇaiś ca sahasraśaḥ | śaśāsa śiṣyam āsīnaṃ vaiśampāyanam antike |

Von Janamejaya befragt, und von den Brahmanen zu Tausenden, unterwies er seinen in seiner Nähe sitzenden Schüler Vaiśampāyana.

Wort für Wort
janamejayena pṛṣṭaḥ san
von Janamejaya befragt seiend
brāhmaṇaiḥ ca sahasraśaḥ
und von den Brahmanen zu Tausenden
śaśāsa śiṣyam āsīnam
er unterwies den sitzenden Schüler
vaiśampāyanam antike
Vaiśampāyana, in der Nähe

sa sadasyaiḥ sahāsīnaṃ śrāvayām āsa bhāratam | karmāntareṣu yajñasya codyamānaḥ punaḥ punaḥ |

Jener Vaiśampāyana trug, zusammen mit den Opferpriestern sitzend, das Bhārata vor, in den Pausen zwischen den Ritualhandlungen des Opfers, immer wieder dazu aufgefordert.

Wort für Wort
saḥ sadasyaiḥ saha āsīnam
jener, zusammen mit den Opferpriestern sitzend
śrāvayām āsa bhāratam
ließ das Bhārata hören
karma-antareṣu yajñasya
in den Pausen zwischen den Ritualhandlungen
codyamānaḥ punaḥ punaḥ
immer wieder dazu aufgefordert

vistāraṃ kuruvaṃśasya gāndhāryā dharmaśīlatām | kṣattuḥ prajñāṃ dhṛtiṃ kuntyāḥ samyag dvaipāyano ’bravīt |

Die Ausbreitung der Kuru-Dynastie, die Rechtschaffenheit der Gāndhārī, die Weisheit Viduras, die Standhaftigkeit der Kuntī – all dies verkündete Dvaipāyana genau.

Wort für Wort
vistāram kuruvaṃśasya
die Ausbreitung der Kuru-Dynastie
gāndhāryāḥ dharma-śīlatām
die Rechtschaffenheit der Gāndhārī
kṣattuḥ prajñām
die Weisheit des Kṣattṛ (Vidura)
dhṛtim kuntyāḥ
die Standhaftigkeit der Kuntī
samyak dvaipāyanaḥ abravīt
genau verkündete Dvaipāyana

vāsudevasya māhātmyaṃ pāṇḍavānāṃ ca satyatām | durvṛttaṃ dhārtarāṣṭrāṇām uktavān bhagavān ṛṣiḥ |

Die Erhabenheit des Vāsudeva (Kṛṣṇa), die Wahrhaftigkeit der Pāṇḍavas, das schlechte Verhalten der Söhne des Dhṛtarāṣṭra – all dies verkündete der erhabene Seher.

Wort für Wort
vāsudevasya māhātmyam
die Erhabenheit des Vāsudeva
pāṇḍavānām ca satyatām
und die Wahrhaftigkeit der Pāṇḍavas
durvṛttam dhārtarāṣṭrāṇām
das schlechte Verhalten der Söhne des Dhṛtarāṣṭra
uktavān bhagavān ṛṣiḥ
verkündete der erhabene Seher

idaṃ śatasahasraṃ tu ślokānāṃ puṇyakarmaṇām | upākhyānaiḥ saha jñeyaṃ śrāvyaṃ bhāratam uttamam |

Dieses vorzutragende, vortreffliche Bhārata ist mitsamt seinen Nebenerzählungen als ein Hunderttausend an Versen von heiligem Wirken zu verstehen.

Wort für Wort
idam śatasahasram tu
dieses Hunderttausend aber
ślokānām puṇyakarmaṇām
an Versen von heiligem Wirken
upākhyānaiḥ saha jñeyam
mitsamt den Nebenerzählungen zu verstehen
śrāvyam bhāratam uttamam
das vorzutragende, vortreffliche Bhārata

caturviṃśatisāhasrīṃ cakre bhāratasaṃhitām | upākhyānair vinā tāvad bhārataṃ procyate budhaiḥ |

Vierundzwanzigtausend Verse umfassend schuf er die Bhārata-Komposition; ohne die Nebenerzählungen wird dieser kürzere Kern von den Gelehrten einfach als „Bhārata“ bezeichnet.

Wort für Wort
caturviṃśati-sāhasrīm
aus vierundzwanzigtausend (Versen)
cakre bhārata-saṃhitām
schuf er die Bhārata-Komposition
upākhyānaiḥ vinā tāvat
ohne die Nebenerzählungen, so viel
bhāratam procyate budhaiḥ
wird von den Gelehrten als „Bhārata“ bezeichnet

tato ’dhyardhaśataṃ bhūyaḥ saṃkṣepaṃ kṛtavān ṛṣiḥ | anukramaṇikādhyāyaṃ vṛttāntaṃ sarvaparvaṇām |

Danach verfasste der Seher, in hundertfünfzig weiteren Versen, eine Zusammenfassung – den „Inhaltsverzeichnis-Adhyāya“, den Bericht über alle Parvas.

Wort für Wort
tataḥ adhyardha-śatam bhūyaḥ
danach, in hundertfünfzig (Versen) weiter
saṃkṣepam kṛtavān ṛṣiḥ
machte der Seher eine Zusammenfassung
anukramaṇikā-adhyāyam
den Inhaltsverzeichnis-Adhyāya
vṛttāntam sarvaparvaṇām
den Bericht über alle Parvas

tasyākhyānavariṣṭhasya kṛtvā dvaipāyanaḥ prabhuḥ | katham adhyāpayānīha śiṣyān ity anvacintayat |

Nachdem der Herr Dvaipāyana jene vorzüglichste Erzählung verfasst hatte, überlegte er: „Wie soll ich hier meine Schüler darin unterrichten?“

Wort für Wort
tasya ākhyāna-variṣṭhasya
nachdem er jene vorzüglichste Erzählung
kṛtvā dvaipāyanaḥ prabhuḥ
verfasst hatte, der Herr Dvaipāyana
katham adhyāpayāni iha śiṣyān
wie soll ich hier (meine) Schüler unterrichten
iti anvacintayat
so überlegte er

tasya taccintitaṃ jñātvā ṛṣer dvaipāyanasya ca | tatrājagāma bhagavān brahmā lokaguruḥ svayam |

Nachdem er die Gedanken des Sehers Dvaipāyana erkannt hatte, kam dorthin der Erhabene, Brahmā, der Weltenlehrer, selbst.

Wort für Wort
tasya tat cintitam jñātvā
nachdem er dessen Gedanken erkannt hatte
ṛṣeḥ dvaipāyanasya ca
des Sehers Dvaipāyana
tatra ājagāma bhagavān
dorthin kam der Erhabene
brahmā lokaguruḥ svayam
Brahmā, der Weltenlehrer, selbst

[Anm.: Die Verse 81–85 (Beschreibung der Ankunft Brahmās und der Begrüßung durch Vyāsa) konnten in dieser Runde in der verfügbaren Digitalisierung nicht zweifelsfrei verifiziert werden und fehlen daher vorerst; sie werden in einer künftigen Erweiterung ergänzt.]

uvāca sa mahātejā brahmāṇaṃ parameṣṭhinam | kṛtaṃ mayedaṃ bhagavan kāvyaṃ paramapūjitam |

Jener von großer Glut (Vyāsa) sprach zu Brahmā, dem Höchststehenden: „Von mir wurde, oh Herr, dieses höchst verehrungswürdige Dichtwerk verfasst.“

Wort für Wort
uvāca saḥ mahātejāḥ
es sprach jener von großer Glut
brahmāṇam parameṣṭhinam
zu Brahmā, dem Höchststehenden
kṛtam mayā idam bhagavan
verfasst wurde von mir dies, oh Herr
kāvyam paramapūjitam
ein höchst verehrungswürdiges Dichtwerk

brahman vedarahasyaṃ ca yac cānyat sthāpitaṃ mayā | sāṅgopaniṣadāṃ caiva vedānāṃ vistarakriyā |

„Oh Brahman, das Geheimnis der Veden und was ich sonst noch dargelegt habe, die ausführliche Darlegung der Veden mitsamt ihren Hilfswissenschaften und Upaniṣaden…“

Wort für Wort
brahman veda-rahasyam ca
oh Brahman, das Geheimnis der Veden
yat ca anyat sthāpitam mayā
und was sonst noch von mir dargelegt wurde
sa-aṅga-upaniṣadām ca eva
der (Veden) mitsamt ihren Hilfswissenschaften und Upaniṣaden
vedānām vistara-kriyā
die ausführliche Darlegung der Veden

itihāsapurāṇānām unmeṣaṃ nimiṣaṃ ca yat | bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyac ca trividhaṃ kālasaṃjñitam |

…das Entstehen und Vergehen der Geschichten und alten Erzählungen, das Gewesene, Gegenwärtige und Zukünftige – die dreifache, „Zeit“ genannte Gliederung…

Wort für Wort
itihāsa-purāṇānām
der Geschichten und alten Erzählungen
unmeṣam nimiṣam ca yat
deren Entstehen und Vergehen
bhūtam bhavyam bhaviṣyat ca
das Gewesene, Gegenwärtige und Zukünftige
trividham kāla-saṃjñitam
die dreifache, „Zeit“ genannte (Gliederung)

jarāmṛtyubhayavyādhibhāvābhāvaviniścayaḥ | vividhasya ca dharmasya hy āśramāṇāṃ ca lakṣaṇam |

…die gesicherte Erkenntnis über Alter, Tod, Furcht, Krankheit, Sein und Nichtsein, sowie über den mannigfaltigen Dharma und die Kennzeichen der Lebensstadien…

Wort für Wort
jarā-mṛtyu-bhaya-vyādhi-
von Alter, Tod, Furcht, Krankheit
bhāva-abhāva-viniścayaḥ
die gesicherte Erkenntnis von Sein und Nichtsein
vividhasya ca dharmasya
und des mannigfaltigen Dharma
āśramāṇāṃ ca lakṣaṇam
und das Kennzeichen der Lebensstadien

cāturvarṇyavidhānaṃ ca purāṇānāṃ ca kṛtsnaśaḥ | tapaso brahmacaryasya pṛthivyāś candrasūryayoḥ |

…die Ordnung der vier Stände, das gesamte Wissen der Purāṇas, über Askese, Studien-Enthaltsamkeit, über die Erde, über Mond und Sonne…

Wort für Wort
cāturvarṇya-vidhānam ca
und die Ordnung der vier Stände
purāṇānām ca kṛtsnaśaḥ
und (das Wissen) aller Purāṇas insgesamt
tapasaḥ brahmacaryasya
der Askese, der Studien-Enthaltsamkeit
pṛthivyāḥ candra-sūryayoḥ
der Erde, von Mond und Sonne

nyāyaśikṣā cikitsā ca dānaṃ pāśupataṃ tathā | iti naikāśrayaṃ janma divyamānuṣasaṃjñitam |

…Logik, Sprachlehre, Heilkunde, Freigebigkeit und ebenso die Pāśupata-Lehre – so entfaltet sich eine Entstehung, die nicht auf eine einzige Grundlage beschränkt ist und die als „göttlich-menschlich“ bezeichnet wird…

Wort für Wort
nyāya-śikṣā cikitsā ca
Logik, Sprachlehre und Heilkunde
dānam pāśupatam tathā
Freigebigkeit und ebenso die Pāśupata-Lehre
iti na eka-āśrayam janma
so eine nicht auf eine einzige Grundlage beschränkte Entstehung
divya-mānuṣa-saṃjñitam
die als „göttlich-menschlich“ bezeichnet wird

tīrthānāṃ caiva puṇyānāṃ deśānāṃ caiva kīrtanam | nadīnāṃ parvatānāṃ ca vanānāṃ sāgarasya ca |

…und die Aufzählung der heiligen Pilgerstätten und Länder, der Flüsse, Berge, Wälder und des Meeres…

Wort für Wort
tīrthānām ca eva puṇyānām
und der heiligen Pilgerstätten
deśānām ca eva kīrtanam
und die Aufzählung der Länder
nadīnām parvatānām ca
der Flüsse und Berge
vanānām sāgarasya ca
der Wälder und des Meeres

purāṇāṃ caiva divyānāṃ kalpānāṃ yuddhakauśalam | vākyajātiviśeṣāś ca lokayātrākramaś ca yaḥ |

…und der göttlichen (Städte/Überlieferungen), die Kunstfertigkeit im Kampf der Weltzeitalter, die Besonderheiten der Redearten und die Ordnung des Weltenlaufs…

Wort für Wort
purāṇām ca eva divyānām
und der göttlichen (Städte/Überlieferungen)
kalpānām yuddha-kauśalam
die Kunstfertigkeit im Kampf der Weltzeitalter
vākya-jāti-viśeṣāḥ ca
und die Besonderheiten der Redearten
lokayātrā-kramaḥ ca yaḥ
und die Ordnung des Weltenlaufs, welche es gibt

[Anm.: „purāṇāṃ ... divyānāṃ“ bleibt in dieser Wendung mehrdeutig (etwa „göttliche Städte“ oder „göttliche Überlieferungen“); der genaue Bezug ist im vorliegenden Ausschnitt nicht restlos zu klären.] [?]

yac cāpi sarvagaṃ vastu tac caiva pratipāditam | paraṃ na lekhakaḥ kaścid etasya bhuvi vidyate |

„Und was auch immer eine alldurchdringende Sache ist – eben das ist in diesem Werk dargelegt. Aber es gibt auf Erden keinen geeigneten Schreiber dafür.“

Wort für Wort
yat ca api sarvagam vastu
und was auch immer eine alldurchdringende Sache ist
tat ca eva pratipāditam
eben das ist dargelegt
param na lekhakaḥ kaścit
aber es gibt keinen (geeigneten) Schreiber
etasya bhuvi vidyate
dafür auf Erden

brahmovāca |

Brahmā sprach:

Wort für Wort
brahmā
Brahmā (Nom.)
uvāca
er sprach (3. Sg. Perf.)

tapoviśiṣṭam advaivaṃ vasiṣṭhān munipuṅgavāt | manye śreṣṭhatayā tvāṃ vai rahasyajñānavedanāt |

„Ich halte dich, ausgezeichnet durch Askese, im Vergleich zu Vasiṣṭha, dem Stier unter den Weisen, fürwahr für überlegen aufgrund deiner Kenntnis des Geheimwissens.“

Wort für Wort
tapaḥ-viśiṣṭam
ausgezeichnet durch Askese (Akk.)
advaivam
unklare Form (Bedeutung unsicher)
vasiṣṭhāt munipuṅgavāt
im Vergleich zu Vasiṣṭha, dem Stier unter den Weisen
manye śreṣṭhatayā tvām vai
ich halte dich fürwahr für überlegen
rahasya-jñāna-vedanāt
aufgrund deiner Kenntnis des Geheimwissens

[Anm.: Das Wort „advaivam“ ist in der verfügbaren Digitalisierung unklar bzw. möglicherweise verderbt; nicht sicher aufgelöst, sinngemäß als verstärkende Partikel behandelt.] [?]

janmaprabhṛti satyāṃ te vedmi gāṃ brahmavādinīm | tvayā ca kāvyam ity uktaṃ tasmāt kāvyaṃ bhaviṣyati |

„Seit deiner Geburt kenne ich deine Wahrhaftigkeit, ich kenne deine Rede als brahmanverkündend. Und da du es selbst ‚Kāvya‘ genannt hast, wird es zu Recht ein Kāvya sein.“

Wort für Wort
janma-prabhṛti satyām te
seit (deiner) Geburt (kenne ich) deine Wahrhaftigkeit
vedmi gām brahmavādinīm
ich kenne (deine) Rede als brahmanverkündend
tvayā ca kāvyam iti uktam
und von dir wurde es „Kāvya“ genannt
tasmāt kāvyam bhaviṣyati
deshalb wird es (zu Recht) ein Kāvya sein

asya kāvyasya kavayo na samarthā viśeṣaṇe | viśeṣaṇe gṛhasthasya śeṣās traya ivāśramāḥ |

„Andere Dichter sind nicht fähig, dieses Dichtwerk zu übertreffen – so wie die übrigen drei Lebensstadien nicht fähig sind, den Hausvaterstand zu übertreffen.“

Wort für Wort
asya kāvyasya kavayaḥ
die Dichter dieses Dichtwerks
na samarthāḥ viśeṣaṇe
sind nicht fähig, es zu übertreffen
viśeṣaṇe gṛhasthasya
wie im Übertreffen des Hausvaterstandes
śeṣāḥ trayaḥ iva āśramāḥ
(wie) die übrigen drei Lebensstadien (nicht fähig sind)

[Anm.: Der Vergleich mit den vier Lebensstadien (āśrama) ist im Detail nicht restlos eindeutig; sinngemäß übersetzt.] [?]

jaḍāndhabadhironmattaṃ tamobhūtaṃ jagad bhavet | yadi jñānahutāśena tvayā nojjvalitaṃ bhavet |

„Stumpfsinnig, blind, taub und wahnsinnig, zu purer Finsternis würde die Welt, wenn sie nicht durch das Feuer der Erkenntnis von dir erleuchtet würde.“

Wort für Wort
jaḍa-andha-badhira-unmattam
stumpfsinnig, blind, taub und wahnsinnig
tamaḥ-bhūtam jagat bhavet
die Welt würde zu (purer) Finsternis werden
yadi jñāna-hutāśena
wenn nicht durch das Feuer der Erkenntnis
tvayā na ujjvalitam bhavet
von dir erleuchtet würde

tamasāndhasya lokasya veṣṭitasya svakarmabhiḥ | jñānāñjanaśalākābhir buddhinetrotsavaḥ kṛtaḥ |

„Der von Finsternis erblindeten, von ihren eigenen Taten umschlungenen Welt wurde mit den Salbstäbchen der Erkenntnis ein Fest für das innere Auge des Verstandes bereitet.“

Wort für Wort
tamasā andhasya lokasya
der von Finsternis erblindeten Welt
veṣṭitasya svakarmabhiḥ
die von ihren eigenen Taten umschlungen ist
jñāna-añjana-śalākābhiḥ
mit den Salbstäbchen der Erkenntnis
buddhi-netra-utsavaḥ kṛtaḥ
wurde ein Fest für das Auge des Verstandes bereitet

[Anm.: Bildhafte Anspielung auf die traditionelle Anwendung von Augensalbe (añjana) mit einem Stäbchen (śalākā) gegen Blindheit – hier auf die „Blindheit“ der Unwissenheit übertragen.]

itihāsapradīpena mohāvaraṇaghātinā | lokagarbhagṛhaṃ kṛtsnaṃ yathāvat saṃprakāśitam |

Durch die Lampe der Geschichtserzählung, die die Hülle der Verblendung zerschlägt, wurde das gesamte innerste Gemach der Welt, wie es sich gebührt, erhellt.

Wort für Wort
itihāsa-pradīpena
durch die Lampe der Geschichtserzählung
moha-āvaraṇa-ghātinā
die die Hülle der Verblendung zerschlägt
loka-garbha-gṛham kṛtsnam
das gesamte innerste Gemach der Welt
yathāvat saṃprakāśitam
wurde, wie es sich gebührt, erhellt

[Anm.: Vers 101 konnte in dieser Runde nicht zweifelsfrei verifiziert werden (widersprüchliche Lesarten in der verfügbaren Digitalisierung) und fehlt daher vorerst.]

saṃgrahādhyāyabījo vai paulomāstīkamūlavān | sambhavaskandhavistāraḥ sabhāparvaviṭaṅkavān |

[Dieser Baum der Erzählung] hat den Zusammenfassungs-Adhyāya als Samen, die Unterbücher Paulomā und Āstīka als Wurzel, das Sambhavaparva als Stammausbreitung, das Sabhāparva als Kronenaufbau…

Wort für Wort
saṃgraha-adhyāya-bījaḥ vai
dessen Same fürwahr der Zusammenfassungs-Adhyāya ist
paulomā-āstīka-mūlavān
der Paulomā und Āstīka als Wurzel hat
sambhava-skandha-vistāraḥ
dessen Stammausbreitung das Sambhavaparva ist
sabhāparva-viṭaṅkavān
der das Sabhāparva als Kronenaufbau hat

[Anm.: Hier beginnt das berühmte „Baum-Gleichnis“ (Parvasaṃgraha), das die 18 Parvas als Same, Wurzel, Stamm, Äste, Laub, Blüten und Frucht eines Baumes beschreibt.]

āraṇyaparvarūpāḍhyo virāṭodyogasāravān | bhīṣmaparvamahāśākho droṇaparvapalāśavān |

…reich an der Gestalt des Āraṇyaparva, mit dem Virāṭa- und Udyogaparva als Kernholz, das Bhīṣmaparva als großen Ast, das Droṇaparva als Laub…

Wort für Wort
āraṇyaparva-rūpa-āḍhyaḥ
reich an der Gestalt des Āraṇyaparva
virāṭa-udyoga-sāravān
der Virāṭa- und Udyogaparva als Kern hat
bhīṣmaparva-mahāśākhaḥ
der das Bhīṣmaparva als großen Ast hat
droṇaparva-palāśavān
der das Droṇaparva als Laub hat

karṇaparvasitaiḥ puṣpaiḥ śalyaparvasugandhibhiḥ | strīparvaiṣīkaviśrāmaḥ śāntiparvamahāphalaḥ |

…mit den weißen, durch das Śalyaparva wohlriechenden Blüten des Karṇaparva, im Strīparva wie in Schilfrohr zur Ruhe kommend, mit dem Śāntiparva als großer Frucht…

Wort für Wort
karṇaparva-sitaiḥ puṣpaiḥ
mit den weißen Blüten des Karṇaparva
śalyaparva-sugandhibhiḥ
die durch das Śalyaparva wohlriechend sind
strīparva-eṣīka-viśrāmaḥ
der im Strīparva wie im Schilfrohr Ruhe findet
śāntiparva-mahāphalaḥ
der das Śāntiparva als große Frucht hat

[Anm.: Das Bild „strīparvaiṣīkaviśrāmaḥ“ bleibt in der Forschung uneindeutig; hier sinngemäß als Bild einer Rast im Schilfrohr wiedergegeben.] [?]

aśvamedhāmṛtarasas tv āśramasthānasaṃśrayaḥ | mausalaśrutisaṃkṣepaḥ śiṣṭadvijaniṣevitaḥ |

…mit dem Amṛta-Saft des Aśvamedhaparva, im Āśramavāsikaparva seine Zuflucht, im Mausalaparva seine abschließende Zusammenfassung – von rechtschaffenen Zweifachgeborenen aufgesucht…

Wort für Wort
aśvamedha-amṛta-rasaḥ tu
der aber den Amṛta-Saft des Aśvamedhaparva hat
āśramasthāna-saṃśrayaḥ
der im Āśramavāsikaparva Zuflucht hat
mausala-śruti-saṃkṣepaḥ
der im Mausalaparva seine Zusammenfassung hat
śiṣṭa-dvija-niṣevitaḥ
der von rechtschaffenen Zweifachgeborenen aufgesucht wird

sarveṣāṃ kavimukhyānām upajīvyo bhaviṣyati | parjanya iva bhūtānām akṣayo bhāradrumaḥ |

Für alle bedeutenden Dichter wird er zur Lebensgrundlage werden – wie die Regenwolke für die Geschöpfe: der unvergängliche Bhārata-Baum.

Wort für Wort
sarveṣām kavimukhyānām
für alle bedeutenden Dichter
upajīvyaḥ bhaviṣyati
wird er zur Lebensgrundlage werden
parjanyaḥ iva bhūtānām
wie die Regenwolke für die Geschöpfe
akṣayaḥ bhāradrumaḥ
der unvergängliche Bhārata-Baum

kāvyasya lekhanārthāya gaṇeśaḥ smaryatāṃ mune |

„Für die Niederschrift dieses Dichtwerks möge Gaṇeśa angerufen werden, oh Weiser!“

Wort für Wort
kāvyasya lekhana-arthāya
für den Zweck der Niederschrift des Dichtwerks
gaṇeśaḥ smaryatām mune
möge Gaṇeśa angerufen werden, oh Weiser

[Anm.: Ab hier zeigte ein unabhängiger Abgleich, dass die fortlaufende Zählung dieser Ausgabe seit etwa Vers 27 um eins hinter der internen Verszählung der Kumbhakonam-Ausgabe zurückliegt (vermutlich durch die Zählung der Sprecherangabe „sautir uvāca“ als eigener Halbvers). Die Nummerierung ab hier folgt wieder exakt der Editionszählung; eine rückwirkende Bereinigung der Verse 27–107 ist für eine künftige Revision vorgesehen und wird dann vermerkt.]

evam ābhāṣya taṃ brahmā jagāma svaṃ niveśanam | bhagavān sa jagatsraṣṭā ṛṣidevagaṇaiḥ saha |

Nachdem er so zu ihm gesprochen hatte, ging Brahmā, der erhabene Weltenschöpfer, zusammen mit den Scharen der Seher und Götter zu seiner eigenen Wohnstatt.

Wort für Wort
evam ābhāṣya tam
nachdem er so zu ihm gesprochen hatte
brahmā jagāma svam niveśanam
ging Brahmā zu seiner eigenen Wohnstatt
bhagavān sa jagat-sraṣṭā
jener erhabene Weltenschöpfer
ṛṣi-deva-gaṇaiḥ saha
zusammen mit den Scharen der Seher und Götter

tataḥ sasmāra herambaṃ vyāsaḥ satyavatīsutaḥ |

Danach gedachte Vyāsa, der Sohn der Satyavatī, des Heramba (Gaṇeśa).

Wort für Wort
tataḥ sasmāra herambam
danach gedachte er des Heramba
vyāsaḥ satyavatīsutaḥ
Vyāsa, der Sohn der Satyavatī

smṛtamātro gaṇeśāno bhaktacintitapūrakaḥ | tatrājagāma vighneśo vedavyāso yataḥ sthitaḥ |

Kaum gedacht, kam der Herr Gaṇeśa, der die Wünsche der Hingebungsvollen erfüllt, der Hindernis-Herr, dorthin, wo Veda-Vyāsa sich befand.

Wort für Wort
smṛta-mātraḥ gaṇeśānaḥ
kaum gedacht, der Herr Gaṇeśa
bhakta-cintita-pūrakaḥ
der die Wünsche der Hingebungsvollen erfüllt
tatra ājagāma vighneśaḥ
dorthin kam der Hindernis-Herr
vedavyāsaḥ yataḥ sthitaḥ
wo Veda-Vyāsa sich befand

pūjitaś copaviṣṭaś ca vyāsenoktas tadānagha | lekhako bhāratasyāsya bhava tvaṃ gaṇanāyaka | mayaiva procyamānasya manasā kalpitasya ca |

Verehrt und niedergesetzt, wurde er da von Vyāsa angesprochen: „Sei du, oh Anführer der Scharen, der Schreiber dieses Bhārata, das von mir diktiert und im Geiste ersonnen wird.“

Wort für Wort
pūjitaḥ ca upaviṣṭaḥ ca
verehrt und niedergesetzt
vyāsena uktaḥ tadā anagha
wurde er da von Vyāsa angesprochen, oh Makelloser
lekhakaḥ bhāratasya asya
der Schreiber dieses Bhārata
bhava tvam gaṇanāyaka
sei du, oh Anführer der Scharen
mayā eva procyamānasya
das von mir selbst diktiert wird
manasā kalpitasya ca
und im Geiste ersonnen ist

śrutvaitat prāha vighneśo yadi me lekhanī kṣaṇam | likhato nāvatiṣṭheta tadā syāṃ lekhako hy aham |

Nachdem er dies gehört hatte, sagte der Hindernis-Herr: „Wenn mein Schreibrohr, während ich schreibe, auch nur einen Augenblick nicht innehält, dann werde ich fürwahr dein Schreiber sein.“

Wort für Wort
śrutvā etat prāha vighneśaḥ
nachdem er dies gehört hatte, sagte der Hindernis-Herr
yadi me lekhanī kṣaṇam
wenn mein Schreibrohr auch nur einen Augenblick
likhataḥ na avatiṣṭheta
beim Schreiben nicht innehält
tadā syām lekhakaḥ hi aham
dann werde ich fürwahr der Schreiber sein

vyāso ’py uvāca taṃ devam abuddhvā mā likha kvacit | om ity uktvā gaṇeśo ’pi babhūva kila lekhakaḥ |

Auch Vyāsa sprach zu jenem Gott: „Schreibe nichts nieder, ohne es verstanden zu haben.“ Nachdem er „Om“ gesagt hatte, wurde Gaṇeśa fürwahr der Schreiber.

Wort für Wort
vyāsaḥ api uvāca tam devam
auch Vyāsa sprach zu jenem Gott
abuddhvā mā likha kvacit
ohne (den Sinn) verstanden zu haben, schreibe nirgends
om iti uktvā
nachdem er „Om“ gesagt hatte
gaṇeśaḥ api babhūva kila lekhakaḥ
wurde auch Gaṇeśa fürwahr der Schreiber

granthagranthiṃ tadā cakre munir gūḍhaṃ kutūhalāt | yasmin pratijñayā prāha munir dvaipāyanas tv idam |

Da schuf der Weise, aus (absichtlicher) Neugier-Erregung, einen verborgenen Textknoten, worin der Weise Dvaipāyana mit folgendem Versprechen sprach:

Wort für Wort
grantha-granthim tadā cakre
da schuf er einen Knoten im Text
muniḥ gūḍham kutūhalāt
der Weise, verborgen, aus Neugier
yasmin pratijñayā prāha
worin er mit einem Versprechen sagte
muniḥ dvaipāyanaḥ tu idam
der Weise Dvaipāyana nämlich dies

aṣṭau ślokasahasrāṇi aṣṭau ślokaśatāni ca | ahaṃ vedmi śuko vetti saṃjayo vetti vā na vā |

„Achttausend und achthundert Verse gibt es, deren wahren Sinn ich kenne, Śuka kennt, und Sañjaya vielleicht kennt oder auch nicht.“

Wort für Wort
aṣṭau śloka-sahasrāṇi
achttausend Verse
aṣṭau śloka-śatāni ca
und achthundert Verse
aham vedmi
ich kenne (ihren Sinn)
śukaḥ vetti
Śuka kennt (ihn)
saṃjayaḥ vetti vā na vā
Sañjaya kennt (ihn) vielleicht, vielleicht nicht

tac chlokakūṭam adyāpi grathitaṃ sudṛḍhaṃ mune | bhettuṃ na śakyate ’rthasya gūḍhatvāt praśritasya ca |

„Jene Rätselverse sind bis heute, oh Weiser, fest verknotet; sie können wegen der Verborgenheit ihres Sinnes und ihrer sprachlichen Verhülltheit nicht aufgelöst werden.“

Wort für Wort
tat śloka-kūṭam adya api
jene Vers-Verdichtung bis heute
grathitam sudṛḍham mune
fest verknotet, oh Weiser
bhettum na śakyate
kann nicht aufgelöst werden
arthasya gūḍhatvāt
wegen der Verborgenheit ihres Sinnes
praśritasya ca
und ihrer sprachlichen Verhülltheit

sarvajño ’pi gaṇeśo yat kṣaṇam āste vicārayan | tāvac cakāra vyāso ’pi ślokān anyān bahūn api |

Während auch der allwissende Gaṇeśa einen Augenblick nachsinnend verweilte, verfasste Vyāsa in dieser Zeit noch viele weitere Verse.

Wort für Wort
sarvajñaḥ api gaṇeśaḥ
auch der allwissende Gaṇeśa
yat kṣaṇam āste vicārayan
während er einen Augenblick nachsinnend verweilte
tāvat cakāra vyāsaḥ api
solange verfasste auch Vyāsa
ślokān anyān bahūn api
viele andere Verse noch dazu

tasya vṛkṣasya vakṣyāmi śākhāpuṣpaphalodayam | svādumedhyarasopetam acchedyam amarair api |

Von jenem Baum werde ich das Hervorbringen von Ästen, Blüten und Früchten verkünden, versehen mit süßem, reinem Saft, unzerstörbar selbst für die Unsterblichen.

Wort für Wort
tasya vṛkṣasya vakṣyāmi
von jenem Baum werde ich verkünden
śākhā-puṣpa-phala-udayam
das Hervorkommen von Ästen, Blüten und Früchten
svādu-medhya-rasa-upetam
versehen mit süßem, reinem Saft
acchedyam amaraiḥ api
unzerstörbar selbst durch die Unsterblichen

[Anm.: Knüpft an das Baum-Gleichnis aus 103–107 an und leitet zu einer erneuten kurzen Zusammenfassung über.]

anukramaṇikādhyāyaṃ vṛttāntaṃ sarvaparvaṇām | idaṃ dvaipāyanaḥ pūrvaṃ putram adhyāpayac chukam |

Diesen Inhaltsverzeichnis-Adhyāya, den Bericht über alle Parvas, lehrte Dvaipāyana zuerst seinem Sohn Śuka.

Wort für Wort
anukramaṇikā-adhyāyam
den Inhaltsverzeichnis-Adhyāya
vṛttāntam sarvaparvaṇām
den Bericht über alle Parvas
idam dvaipāyanaḥ pūrvam
dieses lehrte Dvaipāyana zuerst
putram adhyāpayat śukam
seinen Sohn Śuka

tato ’nyebhyo ’nurūpebhyaḥ śiṣyebhyaḥ pradadau prabhuḥ | ṣaṣṭiṃ śatasahasrāṇi cakāra anyāṃ sa saṃhitām | triṃśac chatasahasraṃ ca devaloke pratiṣṭhitam |

Danach gab der Herr das Werk auch anderen, geeigneten Schülern weiter. Er schuf eine weitere, aus sechzig Hunderttausend-Versen bestehende Komposition; dreißig Hunderttausend davon sind in der Götterwelt verankert.

Wort für Wort
tataḥ anyebhyaḥ anurūpebhyaḥ
danach den anderen, geeigneten
śiṣyebhyaḥ pradadau prabhuḥ
Schülern gab der Herr es weiter
ṣaṣṭim śatasahasrāṇi
sechzig Hunderttausend
cakāra anyām sa saṃhitām
schuf er eine andere Komposition
triṃśat śatasahasram ca
und dreißig Hunderttausend
devaloke pratiṣṭhitam
in der Götterwelt verankert

[Anm.: Diese Zahlen (60 bzw. 30 „Hunderttausend“) sind mythisch-hyperbolisch zu verstehen und beziehen sich auf kosmisch verteilte Fassungen des Werks, nicht auf die irdische Textmenge (vgl. Vers 123 und den bekannten Umfang von „100.000 Versen“).]

pitrye pañcadaśa proktaṃ rakṣoyakṣe caturdaśa | ekaṃ śatasahasraṃ tu mānuṣeṣu pratiṣṭhitam |

Bei den Ahnen spricht man von fünfzehn Hunderttausend-Versen, bei den Rākṣasas und Yakṣas von vierzehn; eines aber, ein Hunderttausend, ist bei den Menschen verankert.

Wort für Wort
pitrye pañcadaśa proktam
bei den Ahnen wird von fünfzehn gesprochen
rakṣas-yakṣe caturdaśa
bei den Rākṣasas und Yakṣas vierzehn
ekam śatasahasram tu
eines aber, ein Hunderttausend
mānuṣeṣu pratiṣṭhitam
ist bei den Menschen verankert

nārado ’śrāvayad devān asito devalaḥ pitṝn | gandharvayakṣarakṣāṃsi śrāvayām āsa vai śukaḥ |

Nārada trug es den Göttern vor, Asita Devala den Ahnen; den Gandharvas, Yakṣas und Rākṣasas trug es Śuka vor.

Wort für Wort
nāradaḥ aśrāvayat devān
Nārada trug es den Göttern vor
asitaḥ devalaḥ pitṝn
Asita Devala den Ahnen
gandharva-yakṣa-rakṣāṃsi
den Gandharvas, Yakṣas und Rākṣasas
śrāvayām āsa vai śukaḥ
trug es fürwahr Śuka vor

vaiśampāyanaviprarṣiḥ śrāvayām āsa pārthivam | pārikṣitaṃ mahātmānaṃ nāmnā tu janamejayam |

Der Brahmanenweise Vaiśampāyana trug es dem König vor, dem großmütigen Sohn des Parikṣit namens Janamejaya.

Wort für Wort
vaiśampāyana-vipra-ṛṣiḥ
der Brahmanenweise Vaiśampāyana
śrāvayām āsa pārthivam
trug es dem König vor
pārikṣitam mahātmānam
dem großmütigen Sohn des Parikṣit
nāmnā tu janamejayam
namens Janamejaya

[Anm.: In der Quelle als Variante/Einschub in eigenen Anführungszeichen markiert.]

asmiṃs tu mānuṣe loke vaiśampāyana uktavān | śiṣyo vyāsasya dharmātmā sarvavedavidāṃ varaḥ |

In dieser Menschenwelt aber hat Vaiśampāyana, der rechtschaffene Schüler des Vyāsa, der Beste der Kenner aller Veden, es verkündet.

Wort für Wort
asmin tu mānuṣe loke
in dieser Menschenwelt aber
vaiśampāyanaḥ uktavān
hat Vaiśampāyana verkündet
śiṣyaḥ vyāsasya dharmātmā
der rechtschaffene Schüler des Vyāsa
sarva-veda-vidām varaḥ
der Beste der Kenner aller Veden

ekaṃ śatasahasraṃ tu mayoktaṃ vai nibodhata |

Vernehmt: ein Hunderttausend Verse sind es, die von mir verkündet wurden.

Wort für Wort
ekam śatasahasram tu
ein Hunderttausend aber
mayā uktam vai nibodhata
von mir verkündet, das vernehmt fürwahr

duryodhano manyumayo mahādrumaḥ karṇaḥ skandhaḥ śakunis tasya śākhāḥ | duḥśāsanaḥ puṣpaphale samṛddhe mūlaṃ rājā dhṛtarāṣṭro ’manīṣī |

Duryodhana ist der aus Zorn bestehende große Baum, Karṇa sein Stamm, Śakuni seine Äste, Duḥśāsana seine reiche Blüte und Frucht, und die Wurzel ist der unweise König Dhṛtarāṣṭra.

Wort für Wort
duryodhanaḥ manyu-mayaḥ mahādrumaḥ
Duryodhana, der aus Zorn bestehende große Baum
karṇaḥ skandhaḥ
Karṇa der Stamm
śakuniḥ tasya śākhāḥ
Śakuni seine Äste
duḥśāsanaḥ puṣpaphale samṛddhe
Duḥśāsana die reiche Blüte und Frucht
mūlam rājā dhṛtarāṣṭraḥ amanīṣī
die Wurzel ist der unweise König Dhṛtarāṣṭra

yudhiṣṭhire dharmamayo mahādrumaḥ skandho ’rjuno bhīmaseno ’sya śākhāḥ | mādrīsutau puṣpaphale samṛddhe mūlaṃ kṛṣṇo brahma ca brāhmaṇāś ca |

In Yudhiṣṭhira ist der aus Dharma bestehende große Baum, Arjuna sein Stamm, Bhīmasena seine Äste, die beiden Söhne der Mādrī seine reiche Blüte und Frucht, und die Wurzel ist Kṛṣṇa, das Brahman und die Brahmanen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhire dharmamayaḥ mahādrumaḥ
in Yudhiṣṭhira ist der aus Dharma bestehende große Baum
skandhaḥ arjunaḥ
Arjuna der Stamm
bhīmasenaḥ asya śākhāḥ
Bhīmasena seine Äste
mādrī-sutau puṣpaphale samṛddhe
die beiden Söhne der Mādrī die reiche Blüte und Frucht
mūlam kṛṣṇaḥ brahma ca brāhmaṇāḥ ca
die Wurzel ist Kṛṣṇa, das Brahman und die Brahmanen

pāṇḍur jitvā bahūn deśān yudhā vikramaṇena ca | araṇye mṛgayāśīlo nyavasat sajanas tathā |

Pāṇḍu, nachdem er durch Kampf und Heldentum viele Länder erobert hatte, weilte, der Jagd zugeneigt, mit seinen Leuten im Wald.

Wort für Wort
pāṇḍuḥ jitvā bahūn deśān
Pāṇḍu, nachdem er viele Länder erobert hatte
yudhā vikramaṇena ca
durch Kampf und Heldentum
araṇye mṛgayā-śīlaḥ
im Wald, der Jagd zugeneigt
nyavasat sajanaḥ tathā
weilte er, samt seinen Leuten, ebendort

mṛgavyavāyanidhanāt kṛcchrāṃ prāpa sa āpadam | janmaprabhṛti pārthānāṃ tatrācāravidhikramaḥ |

Durch den Tod, den er sich zuzog, als er sich mit einer verwandelten Weisen in Gazellengestalt paarte, geriet er in schweres Unglück. Von der Geburt der Pārthas an begann dort die Ordnung ihrer Lebensführung.

Wort für Wort
mṛga-vyavāya-nidhanāt
durch den Tod bei der Vereinigung mit einer Gazelle (Fluchgeschichte)
kṛcchrām prāpa sa āpadam
geriet er in schweres Unglück
janma-prabhṛti pārthānām
seit der Geburt der Pārthas
tatra ācāra-vidhi-kramaḥ
dort begann die Ordnung ihrer Lebensführung

[Anm.: Stark verkürzte Anspielung auf die Vorgeschichte von Pāṇḍus Tod durch einen Fluch; die Einzelheiten folgen später im entsprechenden Parva.]

mātror abhyupapattiś ca dharmopaniṣadaṃ prati | dharmānilendrāṃs tābhiḥ sā ’’juhāva sutavāñchayā |

Und was das Herankommen der beiden Mütter an die geheime Mantra-Lehre betrifft: Sie (Kuntī) rief mit jenen Mantras, aus dem Wunsch nach einem Sohn, Dharma, Anila (den Windgott) und Indra an…

Wort für Wort
mātroḥ abhyupapattiḥ ca
und das Herankommen der beiden Mütter
dharma-upaniṣadam prati
hinsichtlich der geheimen Dharma-Lehre (Mantra)
dharma-anila-indrān tābhiḥ
Dharma, Anila und Indra durch jene (Mantras)
sā juhāva sutavāñchayā
sie rief an, aus Wunsch nach einem Sohn

tato dharmopaniṣadaṃ bhūtvā bhartuḥ priyā pṛthā | dharmānilendrāṃs tābhiḥ sā ’’juhāva sutavāñchayā |

…nachdem Pṛthā (Kuntī), die Geliebte ihres Gatten, so die geheime Dharma-Lehre erlangt hatte, rief sie mit jenen Mantras, aus Wunsch nach einem Sohn, Dharma, Anila und Indra an.

Wort für Wort
tataḥ dharma-upaniṣadam bhūtvā
nachdem sie die geheime Dharma-Lehre erlangt hatte
bhartuḥ priyā pṛthā
Pṛthā, die Geliebte ihres Gatten
dharma-anila-indrān tābhiḥ
Dharma, Anila und Indra durch jene (Mantras)
sā juhāva sutavāñchayā
sie rief an, aus Wunsch nach einem Sohn

[Anm.: In der Quelle als Variante mit fast wortgleicher zweiter Zeile zu Vers 132 markiert; beide Fassungen sind überliefert und werden hier beide wiedergegeben.]

tad dattopaniṣan mādrī cāśvināv ājuhāva ca | jātāḥ pārthās tataḥ sarve kuntyā mādryāś ca mantrataḥ | tāpasaiḥ saha saṃvṛddhā mātṛbhyāṃ parirakṣitāḥ |

Nachdem Kuntī ihr diese geheime Lehre übergeben hatte, rief auch Mādrī die beiden Aśvins an. So wurden alle Pārthas von Kuntī und Mādrī mittels dieses Mantras geboren, wuchsen zusammen mit den Asketen auf und wurden von den beiden Müttern behütet.

Wort für Wort
tat-datta-upaniṣat mādrī
die von jener (Kuntī) übergebene geheime Lehre, Mādrī
ca aśvinau ājuhāva ca
rief auch die beiden Aśvins an
jātāḥ pārthāḥ tataḥ sarve
so wurden alle Pārthas geboren
kuntyā mādryāḥ ca mantrataḥ
von Kuntī und Mādrī, mittels des Mantras
tāpasaiḥ saha saṃvṛddhāḥ
zusammen mit den Asketen aufgewachsen
mātṛbhyām parirakṣitāḥ
von den beiden Müttern behütet

medhyāraṇyeṣu puṇyeṣu mahatām āśrameṣu ca | teṣu jāteṣu sarveṣu pāṇḍaveṣu mahātmasu |

In reinen, heiligen Wäldern und in den Einsiedeleien der Großen wurden sie geboren – als alle jene großmütigen Pāṇḍavas geboren waren…

Wort für Wort
medhya-araṇyeṣu puṇyeṣu
in reinen, heiligen Wäldern
mahatām āśrameṣu ca
und in den Einsiedeleien der Großen
teṣu jāteṣu sarveṣu
als all jene geboren waren
pāṇḍaveṣu mahātmasu
die großmütigen Pāṇḍavas

mādryā tu saha saṃgamya ṛṣiśāpaprabhāvataḥ | mṛtaḥ pāṇḍur mahāpuṇye śataśṛṅge mahāgirau |

Nachdem er sich aber mit Mādrī vereinigt hatte, starb Pāṇḍu, durch die Wirkung des Seherfluchs, am hochheiligen großen Berg Śataśṛṅga.

Wort für Wort
mādryā tu saha saṃgamya
nachdem er sich aber mit Mādrī vereinigt hatte
ṛṣi-śāpa-prabhāvataḥ
durch die Wirkung des Seherfluchs
mṛtaḥ pāṇḍuḥ mahāpuṇye
starb Pāṇḍu am hochheiligen
śataśṛṅge mahāgirau
Berg Śataśṛṅga (Hundert Gipfel)

ṛṣibhiś ca samānītā dhārtarāṣṭrān prati svayam | śiśavaś cābhirūpāś ca jaṭilā brahmacāriṇaḥ |

Und von den Sehern selbst wurden sie zu den Söhnen des Dhṛtarāṣṭra gebracht – Kinder, wohlgestaltet, mit Flechtenhaar, wie Vedaschüler…

Wort für Wort
ṛṣibhiḥ ca samānītāḥ
und von den Sehern selbst hergebracht
dhārtarāṣṭrān prati svayam
zu den Söhnen des Dhṛtarāṣṭra selbst
śiśavaḥ ca abhirūpāḥ ca
Kinder und wohlgestaltet
jaṭilāḥ brahmacāriṇaḥ
mit Flechtenhaar, wie Vedaschüler

putrāś ca bhrātaraś ceme śiṣyāś ca suhṛdaś ca vaḥ | pāṇḍavā eta ity uktvā munayo ’ntarhitās tataḥ |

„Diese hier sind Söhne, Brüder, Schüler und Freunde von euch – dies sind die Pāṇḍavas“ – so sprechend, verschwanden die Weisen darauf.

Wort für Wort
putrāḥ ca bhrātaraḥ ca ime
diese sind Söhne und Brüder
śiṣyāḥ ca suhṛdaḥ ca vaḥ
Schüler und Freunde von euch
pāṇḍavāḥ ete iti uktvā
dies sind die Pāṇḍavas, so sprechend
munayaḥ antarhitāḥ tataḥ
verschwanden die Weisen darauf

tāṃs tair niveditān dṛṣṭvā pāṇḍavān kauravās tadā | śiṣṭāś ca varṇāḥ paurā ye te harṣāc cukruśur bhṛśam |

Als die Kauravas, die rechtschaffenen Stände und die Stadtbewohner die so von den Sehern vorgestellten Pāṇḍavas sahen, schrien sie vor Freude heftig auf.

Wort für Wort
tān taiḥ niveditān dṛṣṭvā
nachdem sie diese vorgestellten gesehen hatten
pāṇḍavān kauravāḥ tadā
die Pāṇḍavas, die Kauravas da
śiṣṭāḥ ca varṇāḥ paurāḥ ye
und die rechtschaffenen Stände, die Stadtbewohner
te harṣāt cukruśuḥ bhṛśam
jene schrien vor Freude heftig auf

āhuḥ kecin na tasyaite tasyaita iti cāpare | yadā ciraṃ mṛtaḥ pāṇḍuḥ kathaṃ tasyeti cāpare |

Manche sagten: „Diese sind nicht seine Söhne“, andere: „Diese sind seine.“ Wieder andere sagten: „Da Pāṇḍu doch schon lange tot ist, wie können sie seine Söhne sein?“

Wort für Wort
āhuḥ kecit na tasya ete
manche sagten: diese sind nicht seine
tasya ete iti ca apare
andere: diese sind seine
yadā ciram mṛtaḥ pāṇḍuḥ
da Pāṇḍu doch schon lange tot ist
katham tasya iti ca apare
wie (können sie) seine sein, sagten wieder andere

svāgataṃ sarvathā diṣṭyā pāṇḍoḥ paśyāma santatim | ucyatāṃ svāgatam iti vāco ’śrūyanta sarvaśaḥ |

„Willkommen, durch Schicksalsfügung sehen wir nun die Nachkommenschaft des Pāṇḍu! Man heiße sie willkommen!“ – solche Worte wurden von allen Seiten gehört.

Wort für Wort
svāgatam sarvathā diṣṭyā
willkommen, auf jeden Fall, durch Schicksalsfügung
pāṇḍoḥ paśyāma santatim
sehen wir die Nachkommenschaft des Pāṇḍu
ucyatām svāgatam iti
es werde „willkommen“ gesagt
vācaḥ aśrūyanta sarvaśaḥ
solche Worte wurden von allen Seiten gehört

tasmin uparate śabde diśaḥ sarvā ninādayan | antarhitānāṃ bhūtānāṃ niḥsvanas tumulī ’bhavat |

Als jener Lärm sich gelegt hatte, entstand, alle Himmelsrichtungen erdröhnen lassend, ein tosender Klang unsichtbarer Wesen.

Wort für Wort
tasmin uparate śabde
als jener Lärm sich gelegt hatte
diśaḥ sarvāḥ ninādayan
alle Himmelsrichtungen erdröhnen lassend
antarhitānām bhūtānām
der unsichtbaren Wesen
niḥsvanaḥ tumulī abhavat
entstand ein tosender Klang

puṣpavṛṣṭiḥ śubhā gandhāḥ śaṅkhadundubhiniḥsvanāḥ | āsan praveśe pārthānāṃ tad adbhutam ivābhavat |

Blütenregen, wohlriechende Düfte, das Tönen von Muschelhörnern und Kesselpauken gab es beim Einzug der Pārthas – das war wie ein Wunder.

Wort für Wort
puṣpa-vṛṣṭiḥ śubhā gandhāḥ
Blütenregen, wohlriechende Düfte
śaṅkha-dundubhi-niḥsvanāḥ
das Tönen von Muschelhörnern und Kesselpauken
āsan praveśe pārthānām
gab es beim Einzug der Pārthas
tat adbhutam iva abhavat
das war wie ein Wunder

tat prītyā caiva sarveṣāṃ paurāṇāṃ harṣasaṃbhavaḥ | śabda āsīn mahāṃs tatra divaspṛk kīrtivardhanaḥ |

Aus Freude entstand bei allen Stadtbewohnern Entzücken; ein gewaltiger, den Himmel berührender Lärm entstand dort, der ihren Ruhm mehrte.

Wort für Wort
tat prītyā ca eva sarveṣām
und aus Freude bei allen
paurāṇām harṣa-saṃbhavaḥ
entstand bei den Stadtbewohnern Entzücken
śabdaḥ āsīt mahān tatra
es entstand dort ein gewaltiger Lärm
diva-spṛk kīrti-vardhanaḥ
der den Himmel berührte, den Ruhm mehrend

te ’dhītya nikhilān vedāñ chāstrāṇi vividhāni ca | nyavasan pāṇḍavās tatra pūjitā akutobhayāḥ |

Nachdem sie alle Veden und die mannigfaltigen Lehrwerke studiert hatten, weilten die Pāṇḍavas dort, verehrt und ohne jegliche Furcht.

Wort für Wort
te adhītya nikhilān vedān
jene, nachdem sie alle Veden studiert hatten
śāstrāṇi vividhāni ca
und die mannigfaltigen Lehrwerke
nyavasan pāṇḍavāḥ tatra
weilten die Pāṇḍavas dort
pūjitāḥ akutobhayāḥ
verehrt, ohne jegliche Furcht

yudhiṣṭhirasya śaucena prītāḥ prakṛtayo ’bhavan | dhṛtyā ca bhīmasenasya vikrameṇārjunasya ca |

Durch Yudhiṣṭhiras Reinheit, durch Bhīmasenas Standhaftigkeit und durch Arjunas Heldenmut wurden die Untertanen erfreut.

Wort für Wort
yudhiṣṭhirasya śaucena
durch Yudhiṣṭhiras Reinheit
prītāḥ prakṛtayaḥ abhavan
wurden die Untertanen erfreut
dhṛtyā ca bhīmasenasya
und durch Bhīmasenas Standhaftigkeit
vikrameṇa arjunasya ca
und durch Arjunas Heldenmut

guruśuśrūṣayā kuntyā yamayor vinayena ca | tutoṣa lokaḥ sakalas teṣāṃ śauryaguṇena ca |

Durch Kuntīs Dienst an den Älteren, durch die Bescheidenheit der beiden Zwillinge (Nakula und Sahadeva) und durch ihrer aller Tapferkeit wurde das ganze Volk zufrieden.

Wort für Wort
guru-śuśrūṣayā kuntyā
durch Kuntīs Dienst an den Lehrern/Älteren
yamayoḥ vinayena ca
und durch die Bescheidenheit der beiden Zwillinge
tutoṣa lokaḥ sakalaḥ
das ganze Volk wurde zufrieden
teṣām śaurya-guṇena ca
und durch ihre Tapferkeits-Tugend

samavāye tato rājñāṃ kanyāṃ bhartṛsvayaṃvarām | prāptavān arjunaḥ kṛṣṇāṃ kṛtvā karma suduṣkaram |

Danach, in der Versammlung der Könige, erlangte Arjuna, nachdem er eine überaus schwierige Tat vollbracht hatte, Kṛṣṇā (Draupadī), die Jungfrau, die sich selbst ihren Gatten wählte.

Wort für Wort
samavāye tataḥ rājñām
danach, in der Versammlung der Könige
kanyām bhartṛ-svayaṃvarām
das Mädchen, das ihren Gatten selbst wählte
prāptavān arjunaḥ kṛṣṇām
erlangte Arjuna, Kṛṣṇā (Draupadī)
kṛtvā karma suduṣkaram
nachdem er eine überaus schwierige Tat vollbracht hatte

tataḥ prabhṛti loke ’smin pūjyaḥ sarvadhanuṣmatām | āditya iva duṣprekṣyaḥ samareṣv api cābhavat |

Von da an war er in dieser Welt unter allen Bogenschützen verehrt, und wurde auch in den Schlachten wie die Sonne schwer anzuschauen.

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti loke asmin
von da an in dieser Welt
pūjyaḥ sarva-dhanuṣmatām
verehrt unter allen Bogenschützen
ādityaḥ iva duṣprekṣyaḥ
wie die Sonne schwer anzuschauen
samareṣu api ca abhavat
wurde er auch in den Schlachten

sa sarvān pārthivāñ jitvā sarvāṃś ca mahato gaṇān | ājahārārjuno rājño rājasūyaṃ mahākratum |

Nachdem er alle Könige und alle mächtigen Völker besiegt hatte, verhalf Arjuna dem König (Yudhiṣṭhira) zum großen Rājasūya-Opfer.

Wort für Wort
saḥ sarvān pārthivān jitvā
nachdem er alle Könige besiegt hatte
sarvān ca mahataḥ gaṇān
und alle mächtigen Scharen
ājahāra arjunaḥ rājñaḥ
brachte Arjuna dem König
rājasūyam mahākratum
das große Opfer Rājasūya

annavān dakṣiṇāvāṃś ca sarvaiḥ samudito guṇaiḥ | yudhiṣṭhireṇa saṃprāpto rājasūyo mahākratuḥ |

Reich an Speise und Opferlohn, mit allen guten Eigenschaften ausgestattet, wurde das große Rājasūya-Opfer von Yudhiṣṭhira vollzogen.

Wort für Wort
anna-vān dakṣiṇā-vān ca
reich an Speise und an Opferlohn
sarvaiḥ samuditaḥ guṇaiḥ
mit allen guten Eigenschaften ausgestattet
yudhiṣṭhireṇa saṃprāptaḥ
von Yudhiṣṭhira erlangt/vollzogen
rājasūyaḥ mahākratuḥ
das große Rājasūya-Opfer

sunayād vāsudevasya bhīmārjunabalena ca | ghātayitvā jarāsandhaṃ caidyaṃ ca balagarvitam |

Durch die weise Politik des Vāsudeva und durch die Kraft von Bhīma und Arjuna, nachdem er Jarāsandha und den auf seine Kraft stolzen Fürsten von Cedi (Śiśupāla) hatte töten lassen…

Wort für Wort
sunayāt vāsudevasya
durch die weise Politik des Vāsudeva
bhīma-arjuna-balena ca
und durch die Kraft von Bhīma und Arjuna
ghātayitvā jarāsandham
nachdem er Jarāsandha hatte töten lassen
caidyam ca balagarvitam
und den Fürsten von Cedi, stolz auf seine Kraft

duryodhanaṃ samāgacchann arhaṇāni tatas tataḥ | maṇikāñcanaratnāni gohastyaśvadhanāni ca |

…zu Duryodhana kommend mit Ehrengaben von überallher – Juwelen, Gold, Edelsteine, Kühe, Elefanten, Pferde und Reichtümer…

Wort für Wort
duryodhanam samāgacchan
zu Duryodhana kommend
arhaṇāni tatas tataḥ
mit Ehrengaben von da und dort
maṇi-kāñcana-ratnāni
Juwelen, Gold und Edelsteine
go-hasti-aśva-dhanāni ca
Kühe, Elefanten, Pferde und Reichtümer

vicitrāṇi ca vāsāṃsi prāvārāvaraṇāni ca | kambalājinaratnāni rāṅkavāstaraṇāni ca |

…und bunte Gewänder, Umhänge und Decken, Wolldecken, Fellkleider, Edelsteine und Teppiche aus feiner Wolle…

Wort für Wort
vicitrāṇi ca vāsāṃsi
und bunte Gewänder
prāvāra-āvaraṇāni ca
und Umhänge, Hüllen
kambala-ajina-ratnāni
Decken, Fellkleider, Edelsteine
rāṅkava-āstaraṇāni ca
und Teppiche aus feiner Wolle

samṛddhāṃ tāṃ tathā dṛṣṭvā pāṇḍavānāṃ tadā śriyam | īrṣyāsamutthaḥ sumahāṃs tasya manyur ajāyata |

Als er diesen reichen Wohlstand, die damalige Pracht der Pāṇḍavas sah, entstand in ihm ein sehr großer, aus Eifersucht entsprungener Zorn.

Wort für Wort
samṛddhām tām tathā dṛṣṭvā
als er diesen so reichen (Wohlstand) sah
pāṇḍavānām tadā śriyam
der Pāṇḍavas damalige Pracht
īrṣyā-samutthaḥ sumahān
aus Eifersucht entstanden, sehr groß
tasya manyuḥ ajāyata
entstand in ihm Zorn

vimānapratimāṃ tatra mayena sukṛtāṃ sabhām | pāṇḍavānām upahṛtāṃ sa dṛṣṭvā paryatapyata |

Als er die von Maya kunstvoll errichtete, einem Götterwagen gleichende Versammlungshalle sah, die den Pāṇḍavas dargebracht worden war, quälte er sich vor Neid.

Wort für Wort
vimāna-pratimām tatra
dort, dem Götterwagen gleichend
mayena sukṛtām sabhām
die von Maya kunstvoll errichtete Versammlungshalle
pāṇḍavānām upahṛtām
den Pāṇḍavas dargebracht
saḥ dṛṣṭvā paryatapyata
als er sie sah, quälte er sich

tatrāvahasitaś cāsīt praskandan iva saṃbhramāt | pratyakṣaṃ vāsudevasya bhīmenānabhijātavat |

Dort wurde er, wie vor Verwirrung ausgleitend, auch verspottet – von Bhīma, vor den Augen des Vāsudeva, als sei er von unedler Herkunft.

Wort für Wort
tatra avahasitaḥ ca āsīt
dort wurde er auch verspottet
praskandan iva saṃbhramāt
wie ausgleitend, vor Verwirrung
pratyakṣam vāsudevasya
vor den Augen des Vāsudeva
bhīmena anabhijātavat
von Bhīma, als wäre er unedler Herkunft

[Anm.: Anspielung auf die berühmte Szene, in der Duryodhana in der Wunder-Versammlungshalle über eine spiegelglatte, wasserähnlich wirkende Fläche stolpert und von Bhīma verlacht wird.]

sa bhogān vividhān bhuñjan ratnāni vividhāni ca | kathito dhṛtarāṣṭrasya vivarṇo hariṇaḥ kṛśaḥ |

Er, obwohl er mannigfaltige Genüsse und Edelsteine besaß, wurde dem Dhṛtarāṣṭra als blass, fahl und abgemagert geschildert.

Wort für Wort
saḥ bhogān vividhān bhuñjan
er, mannigfaltige Genüsse genießend
ratnāni vividhāni ca
und mannigfaltige Edelsteine (besitzend)
kathitaḥ dhṛtarāṣṭrasya
wurde dem Dhṛtarāṣṭra berichtet
vivarṇaḥ hariṇaḥ kṛśaḥ
blass, fahl, abgemagert

anvajānāt tato dyūtaṃ dhṛtarāṣṭraḥ sutapriyaḥ | tac chrutvā vāsudevasya kopaḥ samabhavan mahān |

Daraufhin erlaubte Dhṛtarāṣṭra, der seinen Sohn liebte, das Würfelspiel. Als Vāsudeva dies hörte, entstand in ihm großer Zorn.

Wort für Wort
anvajānāt tataḥ dyūtam
danach erlaubte er das Würfelspiel
dhṛtarāṣṭraḥ suta-priyaḥ
Dhṛtarāṣṭra, der seinen Sohn liebte
tat śrutvā vāsudevasya
als er dies hörte, beim Vāsudeva
kopaḥ samabhavat mahān
entstand ein großer Zorn

nātiprītamanāś cāsīd vivādāṃś cānvamodata | dyūtādīnanayān ghorān vividhāṃś cāpy upaikṣata |

Und obwohl er nicht sonderlich erfreuten Sinnes war, billigte er doch die Streitigkeiten und übersah das Würfelspiel und andere schreckliche, mannigfaltige Unrechtstaten.

Wort für Wort
na atiprīta-manāḥ ca āsīt
und er war nicht sonderlich erfreuten Sinnes
vivādān ca anvamodata
und billigte doch die Streitigkeiten
dyūta-ādīn anayān ghorān
das Würfelspiel und andere schreckliche Unrechtstaten
vividhān ca api upaikṣata
und mannigfaltige (andere) übersah er

nirasya viduraṃ bhīṣmaṃ droṇaṃ śāradvataṃ kṛpam | vigrahe tumule tasmin dahan kṣatraṃ parasparam |

Vidura, Bhīṣma, Droṇa und Kṛpa, den Sohn des Śaradvat, beiseiteschiebend, ließ er zu, dass in jenem tosenden Streit die Kriegerkaste sich gegenseitig verzehrte…

Wort für Wort
nirasya viduram bhīṣmam
Vidura, Bhīṣma
droṇam śāradvatam kṛpam
Droṇa und den Sohn des Śaradvat, Kṛpa, beiseiteschiebend
vigrahe tumule tasmin
in jenem tosenden Streit
dahan kṣatram parasparam
das Kriegertum gegenseitig verbrennend

jayatsu pāṇḍuputreṣu śrutvā sumahad apriyam | duryodhanamataṃ jñātvā karṇasya śakunes tathā |

…während die Söhne des Pāṇḍu siegten, nachdem er sehr Unliebsames gehört und die Gesinnung Duryodhanas sowie ebenso die des Karṇa und Śakuni erkannt hatte…

Wort für Wort
jayatsu pāṇḍuputreṣu
während die Söhne des Pāṇḍu siegten
śrutvā sumahat apriyam
nachdem er sehr Unliebsames gehört hatte
duryodhana-matam jñātvā
nachdem er Duryodhanas Ansicht erkannt hatte
karṇasya śakuneḥ tathā
und ebenso die des Karṇa und Śakuni

dhṛtarāṣṭraś ciraṃ dhyātvā saṃjayaṃ vākyam abravīt | śṛṇu saṃjaya sarvaṃ me na cāsūyitum arhasi |

Dhṛtarāṣṭra, nachdem er lange nachgesonnen hatte, sprach zu Sañjaya: „Höre alles von mir, Sañjaya, und sei nicht missgünstig gegen mich.“

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭraḥ ciram dhyātvā
Dhṛtarāṣṭra, nachdem er lange nachgesonnen hatte
saṃjayam vākyam abravīt
sprach zu Sañjaya das Wort
śṛṇu saṃjaya sarvam me
höre, Sañjaya, alles von mir
na ca asūyitum arhasi
und du sollst nicht missgünstig sein

śrutavān asi medhāvī buddhimān prājñasaṃmataḥ | na vigrahe mama matir na ca prīye kulakṣaye |

„Du bist gelehrt, klug, verständig, von den Weisen geachtet. Meine Absicht ist nicht auf Streit gerichtet, und ich freue mich nicht am Untergang der Sippe.“

Wort für Wort
śrutavān asi medhāvī
du bist gelehrt, klug
buddhimān prājña-saṃmataḥ
verständig, von den Weisen geachtet
na vigrahe mama matiḥ
meine Absicht ist nicht auf Streit gerichtet
na ca prīye kulakṣaye
und ich freue mich nicht am Untergang der Sippe

na me viśeṣaḥ putreṣu sveṣu pāṇḍusuteṣu vā | vṛddhaṃ mām abhyasūyanti putrā manyuparāyaṇāḥ |

„Ich mache keinen Unterschied zwischen meinen eigenen Söhnen und den Söhnen des Pāṇḍu. Aber meine dem Zorn ergebenen Söhne missachten mich, den Alten.“

Wort für Wort
na me viśeṣaḥ putreṣu
ich mache keinen Unterschied zwischen meinen Söhnen
sveṣu pāṇḍusuteṣu vā
meinen eigenen oder den Söhnen des Pāṇḍu
vṛddham mām abhyasūyanti
mich, den Alten, missachten
putrāḥ manyuparāyaṇāḥ
die Söhne, dem Zorn ergeben

ahaṃ tv acakṣuḥ kārpaṇyāt putraprītyā sahāmi tat | muhyantaṃ cānumuhyāmi duryodhanam acetanam |

„Ich aber, aus Blindheit und Hilflosigkeit, dulde dies aus Liebe zum Sohn, und stimme dem sich verwirrenden, unbesonnenen Duryodhana in seiner Verwirrung zu.“

Wort für Wort
aham tu acakṣuḥ kārpaṇyāt
ich aber, aus Blindheit und Hilflosigkeit
putra-prītyā sahāmi tat
dulde dies aus Liebe zum Sohn
muhyantam ca anumuhyāmi
und dem sich Verwirrenden stimme ich zu
duryodhanam acetanam
dem unbesonnenen Duryodhana

rājasūye śriyaṃ dṛṣṭvā pāṇḍavasya mahaujasaḥ | tac cāvahasanaṃ prāpya sabhārohaṇadarśane |

„Als er beim Rājasūya die Pracht des überaus mächtigen Pāṇḍava (Yudhiṣṭhira) sah, und danach jene Verhöhnung erfuhr, beim Betreten der Wunder-Halle…“

Wort für Wort
rājasūye śriyam dṛṣṭvā
als er beim Rājasūya die Pracht sah
pāṇḍavasya mahaujasaḥ
des überaus mächtigen Pāṇḍava
tat ca avahasanam prāpya
und jene Verhöhnung erfahrend
sabhā-ārohaṇa-darśane
beim Anblick, als er die Halle betrat

amarṣitaḥ svayaṃ jetum aśaktaḥ pāṇḍavān raṇe | nirutsāhaś ca saṃprāptuṃ suśriyaṃ kṣatriyo ’pi san |

„…unfähig, es zu ertragen, selbst nicht imstande, die Pāṇḍavas in der Schlacht zu besiegen, und ohne die Tatkraft, selbst solchen Wohlstand zu erlangen, obwohl er ein Kṣatriya war…“

Wort für Wort
amarṣitaḥ svayam jetum
unfähig zu ertragen, selbst zu siegen
aśaktaḥ pāṇḍavān raṇe
nicht imstande, die Pāṇḍavas in der Schlacht (zu besiegen)
nirutsāhaḥ ca saṃprāptum
und ohne Tatkraft zu erlangen
suśriyam kṣatriyaḥ api san
solchen Wohlstand, obwohl er ein Kṣatriya war

gāndhārarājasahitaś chadmadyūtam amantrayat | tatra yad yad yathā jñātaṃ mayā saṃjaya tac chṛṇu |

„…zusammen mit dem König von Gāndhāra (Śakuni) beriet er ein betrügerisches Würfelspiel. Was auch immer mir davon bekannt wurde, das höre nun von mir, Sañjaya.“

Wort für Wort
gāndhāra-rāja-sahitaḥ
zusammen mit dem König von Gāndhāra
chadma-dyūtam amantrayat
beriet er ein betrügerisches Würfelspiel
tatra yat yat yathā jñātam
was auch immer davon mir bekannt wurde
mayā saṃjaya tat śṛṇu
höre das von mir, Sañjaya

śrutvā tu mama vākyāni buddhiyuktāni tattvataḥ | tato jñāsyasi māṃ saute prajñācakṣuṣam ity uta |

„Nachdem du aber meine der Vernunft entsprechenden, wahrheitsgemäßen Worte gehört hast, wirst du mich, Sūta-Sohn, als einen erkennen, ‚dessen Auge die Weisheit ist‘ – so heißt es.“

Wort für Wort
śrutvā tu mama vākyāni
nachdem du aber meine Worte gehört hast
buddhi-yuktāni tattvataḥ
die der Vernunft entsprechen, der Wahrheit gemäß
tataḥ jñāsyasi mām saute
dann wirst du mich erkennen, Sūta-Sohn
prajñā-cakṣuṣam iti uta
als einen, dessen Auge die Weisheit ist, so heißt es

[Anm.: Hier endet für diese Erweiterung die Übersetzung. Es folgt im Original die berühmte, sehr lange Litanei Dhṛtarāṣṭras („yadāśrauṣam … tadā nāśaṃse vijayāya saṃjaya“, Verse 171–242), die formelhaft den gesamten Kriegsverlauf in Frageform rekapituliert, danach Saṃjayas Trostrede mit einer Liste alter Könige und einer Meditation über die Zeit (Kāla, 243–280), und schließlich der Lobpreis auf den Nutzen dieses Kapitels (281–300) mit dem Kolophon. Diese ca. 130 Verse folgen in einer künftigen Erweiterung.]

yadāśrauṣaṃ dhanur āyamya citraṃ viddhaṃ lakṣyaṃ pātitaṃ vai pṛthivyām | kṛṣṇāṃ hṛtāṃ prekṣatāṃ sarvarājñāṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

„Als ich hörte, dass er den Bogen spannte, das schwer zu treffende Ziel traf und zu Boden warf, und dass Kṛṣṇā [Draupadī] vor den Augen aller Könige gewonnen wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam dhanuḥ āyamya
als ich hörte: er spannte den Bogen
citram viddham lakṣyam pātitam pṛthivyām
das seltsame Ziel wurde getroffen und zu Boden geworfen
kṛṣṇām hṛtām prekṣatām sarva-rājñām
Kṛṣṇā [Draupadī] wurde gewonnen, während alle Könige zusahen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Hier beginnt die berühmte, im Original sehr lange Litanei Dhṛtarāṣṭras (die „yadāśrauṣam“-Verse), in der er formelhaft den gesamten Kriegsverlauf in Rückblenden rekapituliert und dabei stets mit dem Kehrreim „da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya“ schließt. An einigen Stellen (Einheiten 200, 209, 212, 223) variiert das Original den einleitenden Halbvers und lässt das Wort „aśrauṣam“ („ich hörte“) formal aus, ohne den Sinn zu ändern; dies wird jeweils wörtlich wiedergegeben.]

yadāśrauṣaṃ dvārakāyāṃ subhadrāṃ prasahyoḍhāṃ mādhavīm arjunena | indraprasthaṃ vṛṣṇivīrau ca yātau tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Arjuna in Dvārakā die Mādhava-Frau Subhadrā mit Gewalt zur Frau nahm, und dass die beiden Vṛṣṇi-Helden [Kṛṣṇa und Balarāma] nach Indraprastha zogen, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam dvārakāyām subhadrām
als ich hörte: in Dvārakā wurde Subhadrā
prasahya ūḍhām mādhavīm arjunena
die Mādhava-Frau, mit Gewalt von Arjuna zur Frau genommen
indraprastham vṛṣṇi-vīrau ca yātau
und die beiden Vṛṣṇi-Helden nach Indraprastha zogen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ devarājaṃ pravṛṣṭaṃ śarair divyair vāritaṃ cārjunena | agniṃ tathā tarpitaṃ khāṇḍave ca tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Arjuna den heftig regnenden Götterkönig [Indra] mit himmlischen Pfeilen abwehrte, und dass Agni dabei im Khāṇḍava-Wald gesättigt wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam deva-rājam pravṛṣṭam
als ich hörte: den heftig regnenden Götterkönig
śaraiḥ divyaiḥ vāritam ca arjunena
wehrte Arjuna mit himmlischen Pfeilen ab
agnim tathā tarpitam khāṇḍave
und Agni wurde dabei im Khāṇḍava[-Wald] gesättigt
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ jātuṣād veśmanas tān muktān pārthān pañca kuntyā sametān | yuktaṃ caiṣāṃ viduraṃ svārthasiddhyai tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die fünf Pārthas [Söhne des Pāṇḍu] aus dem Haus aus Lack entkommen waren, mit Kuntī vereint, und dass Vidura ihnen zu ihrem eigenen Wohl beigestanden hatte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam jātuṣāt veśmanaḥ muktān
als ich hörte: aus dem Lackhaus entkommen
tān pārthān pañca kuntyā sametān
jene fünf Pārthas, mit Kuntī vereint
yuktam ca eṣām viduram sva-artha-siddhyai
und dass Vidura ihnen zu ihrem eigenen Wohl beigestanden hatte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ draupadīṃ raṅgamadhye lakṣyaṃ bhittvā nirjitām arjunena | śūrān pañcālān pāṇḍaveyāṃś ca yuktāṃs tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Draupadī inmitten der Wettkampf-Arena von Arjuna gewonnen wurde, nachdem er das Ziel durchbohrt hatte, und dass sich die tapferen Pāñcālas mit den Pāṇḍu-Söhnen verbündeten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam draupadīm raṅga-madhye
als ich hörte: Draupadī inmitten der Arena
lakṣyam bhittvā nirjitām arjunena
wurde, nachdem das Ziel durchbohrt war, von Arjuna gewonnen
śūrān pañcālān pāṇḍaveyān ca yuktān
und die tapferen Pāñcālas sich mit den Pāṇḍu-Söhnen verbündeten
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ māgadhānāṃ variṣṭhaṃ jarāsandhaṃ raṅgamadhye jvalantam | dorbhyāṃ hataṃ bhīmasenena gatvā tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der Beste der Māgadhas, Jarāsandha, der [vor Kraft] loderte, von Bhīmasena, der zu ihm gegangen war, mit bloßen Armen inmitten der Kampfbahn getötet wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam māgadhānām variṣṭham jarāsandham
als ich hörte: den Besten der Māgadhas, Jarāsandha
raṅga-madhye jvalantam
der [vor Kraft] loderte, inmitten der Kampfbahn
dorbhyām hatam bhīmasenena gatvā
wurde er, nachdem Bhīmasena zu ihm gegangen war, mit bloßen Armen getötet
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Die im Quelltext überlieferte Lesung an dieser Stelle („kṣvamadhye“/„raṅgamadhye“) ist unsicher überliefert und wurde nach dem Sinn („inmitten der Kampfbahn“) übersetzt.]

yadāśrauṣaṃ digjaye pāṇḍuputrair vaśīkṛtān bhūmipālān prasahya | mahākratuṃ rājasūyaṃ kṛtaṃ ca tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Söhne des Pāṇḍu bei der Eroberung der Weltgegenden die Herrscher der Erde mit Gewalt unterworfen hatten, und dass das große Opfer, der Rājasūya, vollzogen wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam dik-jaye pāṇḍu-putraiḥ
als ich hörte: bei der Eroberung der Weltgegenden durch die Pāṇḍu-Söhne
vaśīkṛtān bhūmi-pālān prasahya
die Herrscher der Erde mit Gewalt unterworfen
mahā-kratum rājasūyam kṛtam ca
und das große Opfer, den Rājasūya, vollzogen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ draupadīm aśrukaṇṭhīṃ sabhāṃ nītāṃ duḥkhitām ekavastrām | rajasvalāṃ nāthavatīm anāthavat tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Draupadī, mit tränenerstickter Kehle, im einzigen Gewand, leidend und in ihrer monatlichen Reinheitszeit, in die Versammlungshalle geführt wurde – sie, die einen Beschützer hatte, doch wie eine Beschützerlose behandelt wurde –, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam draupadīm aśru-kaṇṭhīm
als ich hörte: Draupadī, mit tränenerstickter Kehle
sabhām nītām duḥkhitām eka-vastrām
in die Versammlungshalle geführt, leidend, im einzigen Gewand
rajasvalām nātha-vatīm anātha-vat
in ihrer Reinheitszeit, obwohl beschützt, wie eine Beschützerlose behandelt
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ vāsasāṃ tatra rāśiṃ samākṣipat kitavo mandabuddhiḥ | duḥśāsano gatavān naiva cāntaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der einfältige Falschspieler [Duḥśāsana] dort einen Berg von Gewändern herbeischleuderte, und dabei doch kein Ende fand, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vāsasām tatra rāśim
als ich hörte: einen Berg von Gewändern dort
samākṣipat kitavaḥ manda-buddhiḥ
herbeischleuderte der einfältige Falschspieler
duḥśāsanaḥ gatavān na eva ca antam
und Duḥśāsana dabei doch kein Ende fand
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Bezieht sich auf den vergeblichen Versuch, Draupadī zu entkleiden – ihr Gewand erneuerte sich der Überlieferung nach wie durch ein Wunder.]

yadāśrauṣaṃ hṛtarājyaṃ yudhiṣṭhiraṃ parājitaṃ saubalenākṣavatyām | anvāgataṃ bhrātṛbhir aprameyais tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Yudhiṣṭhira, seines Reiches beraubt, von dem Sohn Subalas [Śakuni] beim Würfelspiel besiegt wurde, und dass ihm seine unermesslich [treuen] Brüder folgten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam hṛta-rājyam yudhiṣṭhiram
als ich hörte: Yudhiṣṭhira, seines Reiches beraubt
parājitam saubalena akṣavatyām
besiegt vom Sohn Subalas beim Würfelspiel
anvāgatam bhrātṛbhiḥ aprameyaiḥ
und dass ihm seine unermesslichen Brüder folgten
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ vividhās tatra ceṣṭā dharmātmanāṃ prasthitānāṃ vanāya | jyeṣṭhaprītyā kliśyatāṃ pāṇḍavānāṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte von den mancherlei Bemühungen der rechtschaffenen Pāṇḍavas, die in den Wald aufgebrochen waren und aus Liebe zum ältesten Bruder Leiden ertrugen, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vividhāḥ tatra ceṣṭāḥ
als ich hörte von den mancherlei Bemühungen dort
dharma-ātmanām prasthitānām vanāya
der rechtschaffenen, in den Wald aufgebrochenen [Pāṇḍavas]
jyeṣṭha-prītyā kliśyatām pāṇḍavānām
die aus Liebe zum ältesten Bruder Leiden ertrugen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ snātakānāṃ sahasrair anvāgataṃ dharmarājaṃ vanastham | bhikṣābhujāṃ brāhmaṇānāṃ mahātmanāṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass dem im Wald weilenden Dharmarāja [Yudhiṣṭhira] Tausende von Snātaka-Brahmanen folgten, hochherzige Männer, die von Almosen lebten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam snātakānām sahasraiḥ
als ich hörte: von Tausenden von Snātaka[-Brahmanen]
anvāgatam dharma-rājam vana-stham
begleitet wurde der im Wald weilende Dharmarāja
bhikṣā-bhujām brāhmaṇānām mahā-ātmanām
hochherzigen Brahmanen, die von Almosen lebten
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Zwischen dieser und der folgenden Einheit könnte im Original ein weiterer Vers stehen (die Episode von Arjunas Zweikampf mit Śiva in Gestalt eines Kirāta-Jägers um die Pāśupata-Waffe); seine Bezeugung in der herangezogenen Ausgabe war nicht sicher zu verifizieren, weshalb er hier nicht ergänzt, sondern als mögliche Lücke vermerkt wird.]

yadāśrauṣaṃ tridivasthaṃ dhanañjayaṃ śakrāt sākṣād divyam astraṃ yathāvat | adhīyānaṃ śaṃsitaṃ satyasandhaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Dhanañjaya [Arjuna], im dritten Himmel weilend, von Śakra [Indra] persönlich die göttlichen Waffen erlernte, wie es sich gebührt, und der Wahrhaftige [dafür] gepriesen wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam tridiva-stham dhanañjayam
als ich hörte: Dhanañjaya, im Himmel weilend
śakrāt sākṣāt divyam astram yathāvat
erlernte von Śakra persönlich die göttlichen Waffen, wie es sich gebührt
adhīyānam śaṃsitam satya-sandham
und der Wahrhaftige wurde [dafür] gepriesen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ kālakeyās tatas te paulomāno varadānāc ca dṛptāḥ | devair ajeyā nirjitāś cārjunena tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Kālakeyas und die Paulomas, hochmütig durch eine [ihnen gewährte] Gunst, von den Göttern unbesiegbar, [dennoch] von Arjuna bezwungen wurden, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam kālakeyāḥ tataḥ te paulomānaḥ
als ich hörte: die Kālakeyas und die Paulomas
vara-dānāt ca dṛptāḥ devaiḥ ajeyāḥ
hochmütig durch eine Gunst, von den Göttern unbesiegbar
nirjitāḥ ca arjunena
wurden dennoch von Arjuna bezwungen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣam asurāṇāṃ vadhārthe kirīṭinaṃ yāntam amitrakarśanam | kṛtārthaṃ cāpy āgataṃ śakralokāt tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der Diademträger [Arjuna], der Bezwinger der Feinde, zur Vernichtung der Asuras auszog, und dass er, sein Ziel erreicht habend, aus der Welt des Śakra [Indra] zurückkehrte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam asurāṇām vadha-arthe
als ich hörte: zur Vernichtung der Asuras
kirīṭinam yāntam amitra-karśanam
zog der Diademträger, der Bezwinger der Feinde, aus
kṛta-artham ca api āgatam śakra-lokāt
und kehrte, sein Ziel erreicht habend, aus Śakras Welt zurück
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ tīrthayātrāpravṛttaṃ pāṇḍoḥ sutaṃ sahitaṃ lomaśena | bṛhadaśvād akṣahṛdayaṃ ca prāptaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der Sohn des Pāṇḍu [Yudhiṣṭhira], begleitet von Lomaśa, sich auf die Pilgerfahrt zu den heiligen Furten begab, und dass er von Bṛhadaśva das Geheimnis des Würfelspiels empfing, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam tīrtha-yātrā-pravṛttam pāṇḍoḥ sutam
als ich hörte: der Sohn des Pāṇḍu, auf die Pilgerfahrt zu den Furten aufgebrochen
sahitam lomaśena
begleitet von Lomaśa
bṛhadaśvāt akṣa-hṛdayam ca prāptam
und dass er von Bṛhadaśva das Geheimnis des Würfelspiels empfing
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: „akṣahṛdaya“, wörtlich „das Herz/Geheimnis des Würfels“, bezeichnet die von Bṛhadaśva an Yudhiṣṭhira weitergegebene Kunst des Würfelspiels (im Zusammenhang mit der Nala-Erzählung).]

yadāśrauṣaṃ vaiśravaṇena sārdhaṃ samāgataṃ bhīmam anyāṃś ca pārthān | tasmin deśe mānuṣāṇām agamye tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Bhīma und die anderen Pārthas mit Vaiśravaṇa [Kubera] zusammentrafen, an jenem Ort, der für Menschen unzugänglich ist, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vaiśravaṇena sārdham samāgatam bhīmam
als ich hörte: Bhīma traf mit Vaiśravaṇa zusammen
anyān ca pārthān
und die anderen Pārthas
tasmin deśe mānuṣāṇām agamye
an jenem für Menschen unzugänglichen Ort
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ ghoṣayātrāgatānāṃ bandhaṃ gandharvair mokṣaṇaṃ cārjunena | sveṣāṃ sutānāṃ karṇabuddhau ratānāṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte von der Gefangennahme meiner eigenen Söhne, die zur Hirtenlager-Fahrt gezogen waren und sich auf Karṇas Rat verließen, durch die Gandharvas, und von ihrer Befreiung durch Arjuna, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam ghoṣa-yātrā-āgatānām bandham gandharvaiḥ
als ich hörte von ihrer Gefangennahme durch die Gandharvas, [meiner Söhne,] die zur Hirtenlager-Fahrt gezogen waren
mokṣaṇam ca arjunena
und von ihrer Befreiung durch Arjuna
sveṣām sutānām karṇa-buddhau ratānām
[meiner] eigenen Söhne, die sich auf Karṇas Rat verließen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ yakṣarūpeṇa dharmaṃ samāgataṃ dharmarājena sūta | praśnān kāṃścid vibruvāṇaṃ ca samyak tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Dharma in Gestalt eines Yakṣa dem Dharmarāja begegnete, Sūta-Sohn, und ihm gewisse Fragen stellte, die jener treffend beantwortete, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam yakṣa-rūpeṇa dharmam samāgatam
als ich hörte: Dharma in Gestalt eines Yakṣa begegnete
dharma-rājena sūta
dem Dharmarāja, Sūta-Sohn
praśnān kāṃścit vibruvāṇam ca samyak
und stellte gewisse Fragen, die jener treffend beantwortete
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ na vidur māmakās tān pracchannarūpān vasataḥ pāṇḍaveyān | virāṭarāṣṭre saha kṛṣṇayā ca tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass meine Leute die Pāṇḍu-Söhne nicht erkannten, die verkleidet, zusammen mit Kṛṣṇā [Draupadī], im Reich Virāṭas lebten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam na viduḥ māmakāḥ tān
als ich hörte: meine Leute erkannten sie nicht
pracchanna-rūpān vasataḥ pāṇḍaveyān
die verkleidet lebenden Pāṇḍu-Söhne
virāṭa-rāṣṭre saha kṛṣṇayā ca
im Reich Virāṭas, zusammen mit Kṛṣṇā [Draupadī]
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ kīcakānāṃ variṣṭhaṃ niṣūditaṃ bhrātṛśatena sārdham | draupadyarthe bhīmasenena saṅkhye tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der Vornehmste der Kīcakas samt seinen hundert Brüdern um Draupadīs willen von Bhīmasena im Kampf vernichtet wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam kīcakānām variṣṭham niṣūditam
als ich hörte: der Vornehmste der Kīcakas wurde vernichtet
bhrātṛ-śatena sārdham
samt seinen hundert Brüdern
draupadī-arthe bhīmasenena saṅkhye
um Draupadīs willen, von Bhīmasena im Kampf
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ māmakānāṃ variṣṭhān dhanañjayenaikarathena bhagnān | virāṭarāṣṭre vasatā mahātmanā tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Vornehmsten der Meinen von Dhanañjaya, dem hochherzigen [Arjuna], der [zu jener Zeit unerkannt] im Reich Virāṭas lebte, allein auf einem einzigen Wagen [kämpfend] geschlagen wurden, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam māmakānām variṣṭhān bhagnān
als ich hörte: die Vornehmsten der Meinen wurden geschlagen
dhanañjayena eka-rathena
von Dhanañjaya, auf einem einzigen Wagen
virāṭa-rāṣṭre vasatā mahā-ātmanā
der im Reich Virāṭas lebte, dem Hochherzigen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ satkṛtaṃ matsyarājñā sutāṃ dattām uttarām arjunāya | tāṃ cārjunaḥ pratyagṛhṇāt sutārthe tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der König der Matsyas [Virāṭa], ihn ehrend, seine Tochter Uttarā dem Arjuna anbot, und dass Arjuna sie für seinen Sohn [Abhimanyu] annahm, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam satkṛtam matsya-rājñā
als ich hörte: geehrt vom König der Matsyas
sutām dattām uttarām arjunāya
wurde [ihm] die Tochter Uttarā angeboten, dem Arjuna
tām ca arjunaḥ pratyagṛhṇāt suta-arthe
und Arjuna nahm sie an, für seinen Sohn
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ nirjitasyādhanasya pravrājitasya svajanāt pracyutasya | akṣauhiṇīḥ sapta yudhiṣṭhirasya tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Yudhiṣṭhira, der besiegte, besitzlose, verbannte, von den Seinen getrennte, [dennoch] sieben Akṣauhiṇī-Heere [aufbieten konnte], da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam nirjitasya adhanasya
als ich hörte: des besiegten, besitzlosen
pravrājitasya svajanāt pracyutasya
des verbannten, von den Seinen getrennten [Yudhiṣṭhira]
akṣauhiṇīḥ sapta yudhiṣṭhirasya
[dass er dennoch] sieben Akṣauhiṇī-Heere [hatte]
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ mādhavaṃ vāsudevaṃ sarvātmanā pāṇḍavārthe niviṣṭam | yasyemāṃ gāṃ vikramam ekam āhus tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Mādhava, der Sohn Vasudevas [Kṛṣṇa], sich mit ganzer Seele für die Sache der Pāṇḍavas einsetzte – er, von dem man sagt, diese Erde sei nur einer seiner Schritte –, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam mādhavam vāsudevam
als ich hörte: Mādhava, der Sohn Vasudevas
sarva-ātmanā pāṇḍava-arthe niviṣṭam
setzte sich mit ganzer Seele für die Sache der Pāṇḍavas ein
yasya imām gām vikramam ekam āhuḥ
von dem man sagt, diese Erde sei [nur] einer seiner Schritte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ naranārāyaṇau tau kṛṣṇārjunau vadato nāradasya | ahaṃ draṣṭā brahmaloke ca samyak tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, wie Nārada sagte, Kṛṣṇa und Arjuna seien Nara und Nārāyaṇa, und dass er sie selbst in der Brahma-Welt mit eigenen Augen gesehen habe, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam nara-nārāyaṇau tau kṛṣṇa-arjunau
als ich hörte: jene beiden, Kṛṣṇa und Arjuna, seien Nara und Nārāyaṇa
vadataḥ nāradasya
so sprach Nārada
aham draṣṭā brahma-loke ca samyak
‚ich selbst habe [sie] in der Brahma-Welt mit eigenen Augen gesehen'
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ lokahitāya kṛṣṇaṃ śamārthinam upayātaṃ kurūṇām | śamaṃ kurvāṇam akṛtārthaṃ ca yātaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Kṛṣṇa, zum Wohl der Welt, zu den Kurus kam, um Frieden zu suchen, und dass er, obwohl er sich um Frieden bemühte, unverrichteter Dinge wieder ging, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam loka-hitāya kṛṣṇam śama-arthinam
als ich hörte: Kṛṣṇa, zum Wohl der Welt, den Frieden suchend
upayātam kurūṇām
kam zu den Kurus
śamam kurvāṇam akṛta-artham ca yātam
und ging, obwohl er sich um Frieden bemühte, unverrichteter Dinge wieder
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ karṇaduryodhanābhyāṃ buddhiṃ kṛtāṃ nigrahe keśavasya | taṃ cātmānaṃ bahudhā darśayānaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Karṇa und Duryodhana den Entschluss fassten, Keśava [Kṛṣṇa] gefangen zu nehmen, und dass er sich daraufhin in vielfacher Gestalt zeigte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam karṇa-duryodhanābhyām buddhim kṛtām
als ich hörte: von Karṇa und Duryodhana wurde der Entschluss gefasst
nigrahe keśavasya
Keśava gefangen zu nehmen
tam ca ātmānam bahudhā darśayānam
und er zeigte sich daraufhin in vielfacher Gestalt
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ vāsudeve prayāte rathasyaikām agratas tiṣṭhamānām | ārtāṃ pṛthāṃ sāntvitāṃ keśavena tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass, als Vāsudeva [Kṛṣṇa] aufbrach, Pṛthā [Kuntī], leidend, allein vor seinem Wagen stand, und dass Keśava sie tröstete, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vāsudeve prayāte
als ich hörte: während Vāsudeva aufbrach
rathasya ekām agrataḥ tiṣṭhamānām ārtām pṛthām
stand Pṛthā [Kuntī], leidend, allein vor seinem Wagen
sāntvitām keśavena
und wurde von Keśava getröstet
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ mantriṇaṃ vāsudevaṃ tathā bhīṣmaṃ śāntanavaṃ ca teṣām | bhāradvājaṃ cāśiṣo 'nubruvāṇaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Vāsudeva [den Pāṇḍavas] als Ratgeber diente, und ebenso Bhīṣma, der Sohn Śāntanus, und der Sohn Bharadvājas [Droṇa] ihnen [beim Abschied] Segenswünsche aussprachen, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam mantriṇam vāsudevam
als ich hörte: Vāsudeva als Ratgeber
tathā bhīṣmam śāntanavam ca teṣām
und ebenso Bhīṣma, den Sohn Śāntanus, für sie
bhāradvājam ca āśiṣaḥ anubruvāṇam
und der Sohn Bharadvājas [Droṇa] Segenswünsche aussprach
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadā karṇo bhīṣmam uvāca vākyaṃ nāhaṃ yotsye yudhyamāne tvayīti | hitvā senām apacakrāma cāpi tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Karṇa zu Bhīṣma die Worte sprach: ‚Solange du kämpfst, werde ich nicht kämpfen', und dass er das Heer verließ und sich zurückzog, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā karṇaḥ bhīṣmam uvāca vākyam
als Karṇa zu Bhīṣma die Worte sprach
na aham yotsye yudhyamāne tvayi iti
‚ich werde nicht kämpfen, solange du kämpfst'
hitvā senām apacakrāma ca api
und das Heer verließ und sich zurückzog
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Dieser Vers weicht im Original vom festen Kehrreim ab und beginnt mit „yadā“ statt „yadāśrauṣaṃ“ („als“ statt „als ich hörte“) – hier wörtlich wiedergegeben.]

yadāśrauṣaṃ vāsudevārjunau tau tathā dhanur gāṇḍivam aprameyam | trīṇy ugravīryāṇi samāgatāni tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Vāsudeva und Arjuna, und ebenso der unermessliche Bogen Gāṇḍīva – diese drei von gewaltiger Kraft – zusammenkamen, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vāsudeva-arjunau tau
als ich hörte: jene beiden, Vāsudeva und Arjuna
tathā dhanuḥ gāṇḍivam aprameyam
und ebenso der unermessliche Bogen Gāṇḍīva
trīṇi ugra-vīryāṇi samāgatāni
diese drei von gewaltiger Kraft kamen zusammen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ kaśmalenābhipanne rathopasthe sīdamāne 'rjune vai | kṛṣṇaṃ lokān darśayānaṃ śarīre tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Arjuna, von Verzagtheit ergriffen, auf dem Wagensitz zusammensank, und dass Kṛṣṇa ihm daraufhin die Welten in seinem Leib zeigte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam kaśmalena abhipanne
als ich hörte: von Verzagtheit ergriffen
ratha-upasthe sīdamāne arjune vai
sank Arjuna auf dem Wagensitz zusammen
kṛṣṇam lokān darśayānam śarīre
und Kṛṣṇa zeigte ihm die Welten in seinem Leib
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Dies ist die im Mahābhārata berühmte Episode von Arjunas Mutlosigkeit vor der Schlacht und Kṛṣṇas Unterweisung/Offenbarung, die als eigenständiger Abschnitt unter dem Namen „Bhagavadgītā“ bekannt ist.]

yadāśrauṣaṃ bhīṣmam amitrakarśanaṃ nighnantam ājāv ayutaṃ rathānām | naiṣāṃ kaścid vadhyate khyātarūpas tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Bhīṣma, der Bezwinger der Feinde, in der Schlacht zehntausend Wagenkämpfer erschlug, und dass keiner der Berühmten unter ihnen [den Pāṇḍavas] getötet wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam bhīṣmam amitra-karśanam
als ich hörte: Bhīṣma, der Bezwinger der Feinde
nighnantam ājau ayutam rathānām
erschlug in der Schlacht zehntausend Wagenkämpfer
na eṣām kaścit vadhyate khyāta-rūpaḥ
und keiner der Berühmten unter ihnen wurde getötet
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ cāpageyena saṅkhye svayaṃ mṛtyuṃ vihitaṃ dhārmikeṇa | tac cākārṣuḥ pāṇḍaveyāḥ prahṛṣṭās tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der rechtschaffene Sohn der Gaṅgā [Bhīṣma] im Kampf selbst [den Zeitpunkt] seines Todes festlegte, und dass die hocherfreuten Pāṇḍu-Söhne dies vollbrachten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam āpageyena saṅkhye
als ich hörte: vom Sohn der Gaṅgā [Bhīṣma] im Kampf
svayam mṛtyum vihitam dhārmikeṇa
wurde von dem Rechtschaffenen selbst [der Zeitpunkt] seines Todes festgelegt
tat ca akārṣuḥ pāṇḍaveyāḥ prahṛṣṭāḥ
und die hocherfreuten Pāṇḍu-Söhne vollbrachten dies
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ bhīṣmam atyantaśūraṃ hataṃ pārthenāhaveṣv apradhṛṣyam | śikhaṇḍinaṃ purataḥ sthāpayitvā tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Bhīṣma, der überaus tapfere, in Schlachten unangreifbare, von Pārtha [Arjuna] getötet wurde, indem dieser Śikhaṇḍin vor sich aufstellte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam bhīṣmam atyanta-śūram
als ich hörte: Bhīṣma, den überaus tapferen
hatam pārthena āhaveṣu apradhṛṣyam
in Schlachten unangreifbar, [dennoch] von Pārtha getötet
śikhaṇḍinam purataḥ sthāpayitvā
indem er Śikhaṇḍin vor sich aufstellte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ śaratalpe śayānaṃ vṛddhaṃ vīraṃ sāditaṃ citrapuṅkhaiḥ | bhīṣmaṃ kṛtvā somakān alpaśeṣāṃs tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der alte Held Bhīṣma, von bunt gefiederten Pfeilen niedergestreckt, auf einem Pfeilbett lag, nachdem er die Somakas beinahe völlig aufgerieben hatte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam śara-talpe śayānam
als ich hörte: auf einem Pfeilbett liegend
vṛddham vīram sāditam citra-puṅkhaiḥ
der alte Held, von bunt gefiederten Pfeilen niedergestreckt
bhīṣmam kṛtvā somakān alpa-śeṣān
Bhīṣma, nachdem er die Somakas beinahe völlig aufgerieben hatte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ śāntanave śayāne pānīyārthe coditenārjunena | bhūmiṃ bhittvā tarpitaṃ tatra bhīṣmaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass, während der Sohn Śāntanus [Bhīṣma] daniederlag, Arjuna, um Wasser gebeten, die Erde durchbohrte und Bhīṣma damit dort labte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam śāntanave śayāne
als ich hörte: während der Sohn Śāntanus daniederlag
pānīya-arthe coditena arjunena
von Arjuna, um Wasser gebeten
bhūmim bhittvā tarpitam tatra bhīṣmam
wurde die Erde durchbohrt und Bhīṣma damit dort gelabt
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ śukrasūryau ca yuktau kaunteyānām anulomau jayāya | nityaṃ cāsmāñ śvāpadā bhīṣayanti tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Śukra [Venus] und die Sonne den Kaunteyas günstig standen, ihrem Sieg zugewandt, und dass wilde Tiere uns beständig in Schrecken versetzten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam śukra-sūryau ca yuktau
als ich hörte: Śukra [Venus] und die Sonne standen günstig
kaunteyānām anulomau jayāya
den Kaunteyas zugewandt, ihrem Sieg
nityam ca asmān śvāpadāḥ bhīṣayanti
und wilde Tiere versetzten uns beständig in Schrecken
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Astrologisch-omenhafter Vers; die genaue Lesart der Planetenkonstellation ist im Quelltext nicht ganz eindeutig überliefert.]

yadā droṇo vividhān astramārgān nidarśayan samare citrayodhī | na pāṇḍavāñ śreṣṭhatarān nihanti tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Droṇa, der wunderbar kämpfende, in der Schlacht die mannigfachen Wege der Waffenkunst zeigte, und dennoch die vornehmsten Pāṇḍavas nicht erschlug, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā droṇaḥ vividhān astra-mārgān nidarśayan
als Droṇa die mannigfachen Wege der Waffenkunst zeigte
samare citra-yodhī
in der Schlacht, der wunderbar kämpfende
na pāṇḍavān śreṣṭhatarān nihanti
und die vornehmsten Pāṇḍavas nicht erschlug
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ cāsmadīyān mahārathān vyavasthitān arjunasyāntakāya | saṃśaptakān nihatān arjunena tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass unsere Großwagenkämpfer, die Saṃśaptakas, die sich zu Arjunas Vernichtung verschworen und aufgestellt hatten, [selbst] von Arjuna erschlagen wurden, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam ca asmadīyān mahā-rathān
als ich hörte: unsere Großwagenkämpfer
vyavasthitān arjunasya antakāya
die zu Arjunas Vernichtung [verschworen und] aufgestellt waren
saṃśaptakān nihatān arjunena
die Saṃśaptakas, wurden [selbst] von Arjuna erschlagen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ vyūham abhedyam anyair bhāradvājenāttaśastreṇa guptam | bhittvā saubhadraṃ vīram ekaṃ praviṣṭaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die von anderen unzerbrechliche Heeresformation, bewacht vom waffentragenden Sohn Bharadvājas [Droṇa], von dem Sohn Subhadrās [Abhimanyu] allein durchbrochen wurde und er allein [in sie] eindrang, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vyūham abhedyam anyaiḥ
als ich hörte: die von anderen unzerbrechliche Heeresformation
bhāradvājena ātta-śastreṇa guptam
bewacht vom waffentragenden Sohn Bharadvājas
bhittvā saubhadram vīram ekam praviṣṭam
wurde durchbrochen, und der Sohn Subhadrās drang allein ein
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadābhimanyuṃ parivārya bālaṃ sarve hatvā hṛṣṭarūpā babhūvuḥ | mahārathāḥ pārtham aśaknuvantas tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Großwagenkämpfer, unfähig, dem [jungen] Pārtha [Abhimanyu] [im Einzelkampf zu begegnen], den Knaben Abhimanyu umzingelten, ihn gemeinsam töteten und sich darüber freuten, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā abhimanyum parivārya bālam
als [ich hörte:] den Knaben Abhimanyu umzingelnd
sarve hatvā hṛṣṭa-rūpāḥ babhūvuḥ
töteten sie ihn alle gemeinsam und freuten sich darüber
mahārathāḥ pārtham aśaknuvantaḥ
die Großwagenkämpfer, unfähig, [ihm im Einzelkampf zu begegnen]
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣam abhimanyuṃ nihatya harṣān mūḍhān krośato dhārtarāṣṭrān | krodhād uktaṃ saindhave cārjunena tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Dhārtarāṣṭras [meine Söhne], nachdem sie Abhimanyu getötet hatten, in ihrer Torheit vor Freude aufschrien, und was Arjuna daraufhin voller Zorn über den Sindhu-König [Jayadratha] aussprach, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam abhimanyum nihatya
als ich hörte: nachdem sie Abhimanyu getötet hatten
harṣāt mūḍhān krośataḥ dhārtarāṣṭrān
die törichten Dhārtarāṣṭras vor Freude aufschrien
krodhāt uktam saindhave ca arjunena
und was Arjuna voller Zorn über den Sindhu-König aussprach
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ saindhavārthe pratijñāṃ pratijñātāṃ tadvadhāyārjunena | satyāṃ tīrṇāṃ śatrumadhye ca tena tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Arjuna wegen des Sindhu-Königs den Schwur ablegte, ihn zu töten, und dass er diesen Schwur inmitten der Feinde wahr machte und einlöste, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam saindhava-arthe pratijñām
als ich hörte: wegen des Sindhu-Königs den Schwur
pratijñātām tad-vadhāya arjunena
den Arjuna ablegte, ihn zu töten
satyām tīrṇām śatru-madhye ca tena
wahr gemacht und eingelöst inmitten der Feinde
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ śrāntahaye dhanañjaye muktvā hayān pāyayitvopavṛttān | punar yuktvā vāsudevaṃ prayātaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass, während Dhanañjayas [Arjunas] Pferde erschöpft waren, Vāsudeva [Kṛṣṇa] sie ausspannte, tränkte, ausruhen ließ, wieder anspannte und weiterfuhr, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam śrānta-haye dhanañjaye
als ich hörte: während Dhanañjayas Pferde erschöpft waren
muktvā hayān pāyayitvā upavṛttān
spannte er die Pferde aus, tränkte und ließ sie ausruhen
punaḥ yuktvā vāsudevam prayātam
Vāsudeva spannte sie wieder an und fuhr weiter
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ vāhaneṣv akṣameṣu rathopasthe tiṣṭhatā pāṇḍavena | sarvān yodhān vāritān arjunena tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass, während die Zugtiere zu erschöpft und unfähig waren, der auf dem Wagensitz stehende Pāṇḍava [Arjuna] dennoch alle anstürmenden Krieger abwehrte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vāhaneṣu akṣameṣu
als ich hörte: während die Zugtiere unfähig waren
ratha-upasthe tiṣṭhatā pāṇḍavena
durch den auf dem Wagensitz stehenden Pāṇḍava
sarvān yodhān vāritān arjunena
wurden alle Krieger von Arjuna abgewehrt
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ nāgabalaiḥ suduḥsahaṃ droṇānīkaṃ yuyudhānaṃ pramathya | yātaṃ vārṣṇeyaṃ yatra tau kṛṣṇapārthau tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Yuyudhāna [Sātyaki], nachdem er Droṇas mit Elefantentruppen kaum erträgliches Heer durchbrochen hatte, zu jenem Ort gelangte, wo Kṛṣṇa und Arjuna [gemeinsam] waren, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam nāga-balaiḥ su-duḥsaham
als ich hörte: mit Elefantentruppen kaum erträglich
droṇa-anīkam yuyudhānam pramathya
durchbrach Yuyudhāna [Sātyaki] Droṇas Heer
yātam vārṣṇeyam yatra tau kṛṣṇa-pārthau
und gelangte, der Vṛṣṇi-Held, zu dem Ort, wo Kṛṣṇa und Arjuna waren
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ karṇam āsādya muktaṃ vadhād bhīmaṃ kutsayitvā vacobhiḥ | dhanuṣkoṭyātudya karṇena vīraṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Bhīma, als er auf Karṇa traf, [zwar] mit Worten verspottet und mit der Bogenspitze von Karṇa gestochen wurde, doch von der Tötung verschont blieb, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam karṇam āsādya muktam vadhāt bhīmam
als ich hörte: Bhīma, der auf Karṇa traf, wurde von der Tötung verschont
kutsayitvā vacobhiḥ
[obwohl er] mit Worten verspottet [wurde]
dhanuḥ-koṭyā ātudya karṇena vīram
und mit der Bogenspitze von Karṇa, dem Helden, gestochen [wurde]
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ devarājena dattāṃ divyāṃ śaktiṃ vyaṃsitāṃ mādhavena | ghaṭotkace rākṣase ghorarūpe tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der vom Götterkönig [Indra] geschenkte göttliche Speer [Karṇas], durch Mādhava [Kṛṣṇa] vereitelt, an dem furchtgestaltigen Rākṣasa Ghaṭotkaca verbraucht wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam deva-rājena dattām divyām śaktim
als ich hörte: den vom Götterkönig geschenkten göttlichen Speer
vyaṃsitām mādhavena
durch Mādhava [Kṛṣṇa] vereitelt
ghaṭotkace rākṣase ghora-rūpe
verbraucht an dem furchtgestaltigen Rākṣasa Ghaṭotkaca
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ karṇaghaṭotkacābhyāṃ yuddhe muktāṃ sūtaputreṇa śaktim | yayā vadhyaḥ samare savyasācī tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass im Kampf zwischen Karṇa und Ghaṭotkaca der Sūta-Sohn [Karṇa] jenen Speer verschoss, mit dem eigentlich der Linkshänder [Arjuna] in der Schlacht [hätte] getötet werden [sollen], da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam karṇa-ghaṭotkacābhyām yuddhe
als ich hörte: im Kampf zwischen Karṇa und Ghaṭotkaca
muktām sūta-putreṇa śaktim
verschoss der Sūta-Sohn [Karṇa] den Speer
yayā vadhyaḥ samare savya-sācī
mit dem der Linkshänder [Arjuna] in der Schlacht [hätte] getötet werden [sollen]
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadā droṇam ācāryam ekaṃ dhṛṣṭadyumnenābhyatikramya dharmam | rathopasthe prāyagataṃ viśastaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Dhṛṣṭadyumna, das Recht verletzend, den Lehrer Droṇa allein, während dieser auf dem Wagensitz die Todesfasten angetreten hatte, erschlug, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā droṇam ācāryam ekam
als [ich hörte:] den Lehrer Droṇa, allein
dhṛṣṭadyumnena abhyatikramya dharmam
durch Dhṛṣṭadyumna, das Recht verletzend
ratha-upasthe prāya-gatam viśastam
auf dem Wagensitz, die Todesfasten angetreten habend, erschlagen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ drauṇinā dvairathasthaṃ mādrīsutaṃ nakulaṃ lokamadhye | samaṃ yuddhe maṇḍalebhyaś carantaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Nakula, der Sohn der Mādrī, im Zweikampf gegen den Sohn Droṇas [Aśvatthāman] vor aller Augen ebenbürtig kämpfte und ihn in kunstvollen Kreisbewegungen umkreiste, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam drauṇinā dvairatha-stham
als ich hörte: im Zweikampf gegen den Sohn Droṇas
mādrī-sutam nakulam loka-madhye
der Sohn der Mādrī, Nakula, vor aller Augen
samam yuddhe maṇḍalebhyaḥ carantam
kämpfte ebenbürtig, ihn in Kreisbewegungen umkreisend
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadā droṇe nihate droṇaputro nārāyaṇaṃ divyam astraṃ vikurvan | naiṣām antaṃ gatavān pāṇḍavānāṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass, nachdem Droṇa gefallen war, der Sohn Droṇas [Aśvatthāman] die göttliche Nārāyaṇa-Waffe entfesselte, damit jedoch den Pāṇḍavas kein Ende bereiten konnte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā droṇe nihate droṇa-putraḥ
als, nachdem Droṇa gefallen war, der Sohn Droṇas
nārāyaṇam divyam astram vikurvan
die göttliche Nārāyaṇa-Waffe entfesselte
na eṣām antam gatavān pāṇḍavānām
[damit jedoch] den Pāṇḍavas kein Ende bereiten konnte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ bhīmasenena pītaṃ raktaṃ bhrātur yudhi duḥśāsanasya | nivāritaṃ nānyatamena bhīmaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Bhīmasena im Kampf das Blut seines Bruders Duḥśāsana trank, und dass niemand imstande war, Bhīma daran zu hindern, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam bhīmasenena pītam raktam
als ich hörte: von Bhīmasena getrunken das Blut
bhrātuḥ yudhi duḥśāsanasya
seines Bruders Duḥśāsana im Kampf
nivāritam na anyatamena bhīmam
und niemand imstande war, Bhīma daran zu hindern
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ karṇam atyantaśūraṃ hataṃ pārthenāhaveṣv apradhṛṣyam | tasmin bhrātṝṇāṃ vigrahe devaguhye tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Karṇa, der überaus tapfere, in Schlachten unangreifbare, von Pārtha [Arjuna] getötet wurde, in jenem von den Göttern verborgen gehaltenen Bruderzwist, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam karṇam atyanta-śūram
als ich hörte: Karṇa, den überaus tapferen
hatam pārthena āhaveṣu apradhṛṣyam
in Schlachten unangreifbar, [dennoch] von Pārtha getötet
tasmin bhrātṝṇām vigrahe deva-guhye
in jenem von den Göttern verborgen gehaltenen Bruderzwist
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: „deva-guhye“ – wörtlich „von den Göttern verborgen“ – spielt darauf an, dass Karṇas wahre Herkunft als älterer Bruder der Pāṇḍavas den Kämpfenden zu diesem Zeitpunkt unbekannt war.]

yadāśrauṣaṃ droṇaputraṃ ca śūraṃ kṛtavarmāṇam ugram ca karṇam | yudhiṣṭhiraṃ dharmarājaṃ jayantaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Yudhiṣṭhira, der Dharmarāja, den tapferen Sohn Droṇas, den furchterregenden Kṛtavarman und Karṇa [im Wortgefecht] besiegte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam droṇa-putram ca śūram
als ich hörte: den tapferen Sohn Droṇas
kṛtavarmāṇam ugram ca karṇam
den furchterregenden Kṛtavarman und Karṇa
yudhiṣṭhiram dharma-rājam jayantam
besiegte Yudhiṣṭhira, der Dharmarāja
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

[Anm.: Diese Einheit gibt den überlieferten Vers sinngemäß und leicht geglättet wieder, da die Nennung eines zweiten, sonst nicht identifizierbaren „Duḥśāsana“ neben Karṇa und Kṛtavarman an dieser Stelle im Quelltext unklar blieb; vermutlich ist schlicht Karṇa gemeint. Der genaue Wortlaut bleibt für eine künftige Prüfung vorgemerkt.]

yadāśrauṣaṃ nihataṃ madrarājaṃ raṇe śūraṃ dharmarājena sūta | sadā saṅgrāme spardhate yas tu kṛṣṇaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der tapfere König der Madras [Śalya], der in der Schlacht stets mit Kṛṣṇa wetteiferte, von Dharmarāja im Kampf erschlagen wurde, Sūta-Sohn, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam nihatam madra-rājam raṇe śūram
als ich hörte: den tapferen König der Madras, in der Schlacht erschlagen
dharma-rājena sūta
von Dharmarāja, Sūta-Sohn
sadā saṅgrāme spardhate yaḥ tu kṛṣṇam
der stets in der Schlacht mit Kṛṣṇa wetteiferte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ kalahadyūtamūlaṃ māyābalaṃ saubalaṃ pāṇḍavena | hataṃ saṅgrāme sahadevena pāpaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass der Sohn Subalas [Śakuni], die Wurzel von Streit und Würfelspiel, mächtig durch Blendwerk, der Sündige, von dem Pāṇḍava Sahadeva im Kampf erschlagen wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam kalaha-dyūta-mūlam
als ich hörte: die Wurzel von Streit und Würfelspiel
māyā-balam saubalam pāṇḍavena
mächtig durch Blendwerk, den Sohn Subalas, von dem Pāṇḍava
hatam saṅgrāme sahadevena pāpam
erschlagen im Kampf durch Sahadeva, den Sündigen
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ śrāntam ekaṃ śayānaṃ hradaṃ gatvā stambhayitvā tad ambhaḥ | duryodhanaṃ virathaṃ bhagnaśaktiṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Duryodhana, erschöpft, wagenlos, seiner Kraft beraubt, allein zu einem See ging, dessen Wasser er [durch Zauberkraft] erstarren ließ, und sich dort niederlegte, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam śrāntam ekam śayānam
als ich hörte: erschöpft, allein, sich niederlegend
hradam gatvā stambhayitvā tat ambhaḥ
zu einem See gegangen, dessen Wasser er erstarren ließ
duryodhanam viratham bhagna-śaktim
Duryodhana, wagenlos, seiner Kraft beraubt
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ pāṇḍavāṃs tiṣṭhamānān gatvā hrade vāsudevena sārdham | amarṣaṇaṃ dharṣayataḥ sutaṃ me tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Pāṇḍavas, zusammen mit Vāsudeva [Kṛṣṇa], zum See gingen und dort standen, meinen zornentbrannten Sohn [Duryodhana] verhöhnend, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam pāṇḍavān tiṣṭhamānān
als ich hörte: die Pāṇḍavas, dort stehend
gatvā hrade vāsudevena sārdham
zum See gegangen, zusammen mit Vāsudeva
amarṣaṇam dharṣayataḥ sutam me
meinen zornentbrannten Sohn verhöhnend
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ vividhāṃś citramārgān gadāyuddhe maṇḍalaśaś carantam | mithyā hataṃ vāsudevasya buddhyā tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass er [Duryodhana], der im Keulenkampf mancherlei kunstvolle Bewegungen und Kreisgänge vollführte, durch einen unlauteren Schlag, [angestiftet] durch Vāsudevas [Kṛṣṇas] Rat, getötet wurde, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam vividhān citra-mārgān
als ich hörte: mancherlei kunstvolle Bewegungen
gadā-yuddhe maṇḍalaśaḥ carantam
im Keulenkampf, in Kreisgängen vollführend
mithyā hatam vāsudevasya buddhyā
durch einen unlauteren Schlag, angestiftet durch Vāsudevas Rat, getötet
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ droṇaputrādibhis tair hatān pāñcālān draupadeyāṃś ca suptān | kṛtaṃ bībhatsam ayaśasyaṃ ca karma tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass die Pāñcālas und die schlafenden Söhne Draupadīs von Droṇas Sohn [Aśvatthāman] und seinen Gefährten erschlagen wurden, eine abscheuliche und schändliche Tat, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam droṇa-putra-ādibhiḥ taiḥ hatān pāñcālān
als ich hörte: von Droṇas Sohn und seinen Gefährten erschlagen die Pāñcālas
draupadeyān ca suptān
und die schlafenden Söhne Draupadīs
kṛtam bībhatsam ayaśasyam ca karma
eine abscheuliche und schändliche Tat vollbracht
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ bhīmasenānuyātenāśvatthāmnā paramāstraṃ prayuktam | kruddhenaiṣīkam avadhīd yena garbhaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Aśvatthāman, von Bhīmasena verfolgt, im Zorn die höchste Waffe, die Aiṣīka-Waffe, einsetzte, mit der er die [ungeborene] Leibesfrucht zu töten [versuchte], da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam bhīmasena-anuyātena aśvatthāmnā
als ich hörte: von Aśvatthāman, von Bhīmasena verfolgt
parama-astram prayuktam kruddhena
wurde im Zorn die höchste Waffe eingesetzt
aiṣīkam avadhīt yena garbham
die Aiṣīka-Waffe, mit der er die Leibesfrucht zu töten versuchte
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

yadāśrauṣaṃ brahmaśiro 'rjunena svastīty uktvāstram astreṇa śāntam | aśvatthāmnā maṇiratnaṃ ca dattaṃ tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya |

Als ich hörte, dass Arjuna die Brahmaśiras-Waffe mit den Worten ‚Heil [dir]' durch eine Gegenwaffe besänftigte, und dass Aśvatthāman [daraufhin] sein Juwel [als Lösegeld] hergab, da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya.

Wort für Wort
yadā aśrauṣam brahma-śiraḥ arjunena
als ich hörte: die Brahmaśiras-Waffe wurde von Arjuna
svasti iti uktvā astram astreṇa śāntam
mit den Worten ‚Heil' durch eine Gegenwaffe besänftigt
aśvatthāmnā maṇi-ratnam ca dattam
und Aśvatthāman gab [daraufhin] sein Juwel her
tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya
da hoffte ich nicht mehr auf den Sieg, Sañjaya

dvaipāyanaḥ keśavo droṇaputraṃ parasparenābhiśāpaiḥ śaśāpa | buddhvā cāhaṃ buddhihīno 'dya sūta saṃtapye vai putrapautraiś ca hīnaḥ |

Dvaipāyana [Vyāsa] und Keśava [Kṛṣṇa] belegten den Sohn Droṇas [Aśvatthāman] mit gegenseitigen Flüchen. Da ich dies erfuhr, Sūta-Sohn, leide ich nun, meiner Einsicht beraubt, ohne Söhne und Enkel.

Wort für Wort
dvaipāyanaḥ keśavaḥ droṇa-putram
Dvaipāyana [Vyāsa] und Keśava [Kṛṣṇa] belegten den Sohn Droṇas
parasparena abhiśāpaiḥ śaśāpa
mit gegenseitigen Flüchen
buddhvā ca aham buddhi-hīnaḥ adya sūta
da ich dies erfuhr, leide ich nun, meiner Einsicht beraubt, Sūta-Sohn
saṃtapye vai putra-pautraiḥ ca hīnaḥ
ich leide, ohne Söhne und Enkel

[Anm.: Hier endet der feste Kehrreim „yadāśrauṣam … tadā nāśaṃse vijayāya sañjaya“; die folgenden Verse bilden Dhṛtarāṣṭras abschließende, freie Klage.]

śocyā gāndhārī putrapautrair vihīnā tathā vadhvāḥ pitṛbhir bhrātṛbhiś ca | kṛtaṃ kāryaṃ duṣkaraṃ pāṇḍaveyaiḥ prāptaṃ rājyam asapatnaṃ punas taiḥ |

Zu beklagen ist Gāndhārī, ihrer Söhne und Enkel beraubt, ebenso die Schwiegertöchter, ihrer Väter und Brüder beraubt. Vollbracht wurde von den Pāṇḍu-Söhnen eine schwer zu vollbringende Tat, und wiedererlangt haben sie nun ein Königreich ohne Widersacher.

Wort für Wort
śocyā gāndhārī putra-pautraiḥ vihīnā
zu beklagen ist Gāndhārī, ihrer Söhne und Enkel beraubt
tathā vadhvāḥ pitṛbhiḥ bhrātṛbhiḥ ca
ebenso die Schwiegertöchter, ihrer Väter und Brüder beraubt
kṛtam kāryam duṣkaram pāṇḍaveyaiḥ
vollbracht wurde von den Pāṇḍu-Söhnen eine schwer zu vollbringende Tat
prāptam rājyam asapatnam punaḥ taiḥ
und wiedererlangt haben sie nun ein Königreich ohne Widersacher

kaṣṭaṃ yuddhe daśa śeṣāḥ śrutā me trayo 'smākaṃ pāṇḍavānāṃ ca sapta | dvyūnā viṃśatir āhatākṣauhiṇīnāṃ tasmin saṅgrāme bhairave kṣatriyāṇām |

Schmerzlich – ich hörte, dass im Kampf nur zehn übrig blieben: drei von den Unseren und sieben von den Pāṇḍavas; achtzehn Akṣauhiṇī-Heere der Kṣatriyas wurden in jener furchtbaren Schlacht vernichtet.

Wort für Wort
kaṣṭam yuddhe daśa śeṣāḥ śrutā me
schmerzlich – ich hörte, im Kampf blieben zehn übrig
trayaḥ asmākam pāṇḍavānām ca sapta
drei von den Unseren und sieben von den Pāṇḍavas
dvi-ūnā viṃśatiḥ āhata-akṣauhiṇīnām
achtzehn [wörtlich: zwanzig weniger zwei] Akṣauhiṇī-Heere wurden vernichtet
tasmin saṅgrāme bhairave kṣatriyāṇām
in jener furchtbaren Schlacht der Kṣatriyas

[Anm.: „dvyūnā viṃśatiḥ“, wörtlich „zwanzig weniger zwei“, bezeichnet die Zahl achtzehn – die Gesamtzahl der im Krieg aufgebotenen Akṣauhiṇī-Heere (elf auf kaurava-, sieben auf pāṇḍava-Seite).]

tamas tv atīva vistīrṇaṃ moha āviśatīva mām | saṃjñāṃ nopalabhe sūta mano vihvalatīva me |

Überaus weite Finsternis, so scheint es, ergreift mich – Verblendung überkommt mich. Ich finde meine Besinnung nicht wieder, Sūta-Sohn; mein Geist scheint zu wanken.

Wort für Wort
tamaḥ tu atīva vistīrṇam
überaus weite Finsternis
moha āviśati iva mām
Verblendung überkommt mich, so scheint es
saṃjñām na upalabhe sūta
ich finde meine Besinnung nicht wieder, Sūta-Sohn
manaḥ vihvalati iva me
mein Geist scheint zu wanken

[Anm.: Hier bricht Dhṛtarāṣṭras Klage ab; im Original fällt er in Ohnmacht. Es folgen Sañjayas trostreiche Erwiderung mit einer Liste alter, ruhmreicher, doch dem Tod verfallener Könige und einer Meditation über die alles bezwingende Zeit (Kāla) sowie – zum Abschluss des Adhyāya – der Lobpreis auf den Nutzen dieses einleitenden Kapitels (Phalaśruti) mit dem Kolophon. Diese verbleibenden Verse (ca. 240–300/301) folgen in einer künftigen Erweiterung.]

ity uktvā dhṛtarāṣṭro ’tha vilapya bahu duḥkhitaḥ | mūrcchitaḥ punar āśvastaḥ sañjayaṃ vākyam abravīt |

Sūta sprach: „Nachdem er so gesprochen hatte, brach Dhṛtarāṣṭra in überaus schmerzliches Klagen aus; er wurde ohnmächtig, kam wieder zu sich und sprach zu Sañjaya folgende Worte:

Wort für Wort
ity uktvā dhṛtarāṣṭraḥ atha vilapya bahu duḥkhitaḥ
nachdem er so gesprochen hatte, brach Dhṛtarāṣṭra in überaus schmerzliches Klagen aus
mūrcchitaḥ punaḥ āśvastaḥ sañjayam vākyam abravīt
er wurde ohnmächtig, kam wieder zu sich und sprach zu Sañjaya folgende Worte

sañjayaivaṃ gate prāṇāṃs tyaktum icchāmi mā ciram | stokaṃ hy api na paśyāmi phalaṃ jīvitadhāraṇe |

Dhṛtarāṣṭra sprach: ‚Da es nun so gekommen ist, Sañjaya, will ich mein Leben aufgeben, ohne Verzug; denn ich sehe nicht den geringsten Nutzen mehr darin, am Leben festzuhalten.‘

Wort für Wort
sañjaya evam gate prāṇān tyaktum icchāmi mā ciram
Sañjaya, da es nun so gekommen ist, will ich mein Leben aufgeben, ohne Verzug
stokam hi api na paśyāmi phalam jīvita-dhāraṇe
denn ich sehe nicht den geringsten Nutzen darin, am Leben festzuhalten

taṃ tathā vādinaṃ dīnaṃ vilapantaṃ mahīpatim | niḥśvasantaṃ yathā nāgaṃ muhyamānaṃ punaḥ punaḥ | gāvalgaṇir idaṃ dhīmān mahārthaṃ vākyam abravīt |

Sūta sprach: Zu ihm, der so klagend sprach, dem elenden, wehklagenden Herrscher der Erde, der wie ein Elefant schwer atmete und immer wieder die Besinnung verlor, sprach der kluge Sohn Gavalgaṇas [Sañjaya] daraufhin diese bedeutungsvollen Worte:

Wort für Wort
tam tathā vādinam dīnam vilapantam mahī-patim
zu ihm, der so klagend sprach, dem elenden, wehklagenden Herrscher der Erde
niḥśvasantam yathā nāgam muhyamānam punaḥ punaḥ
der wie ein Elefant schwer atmete und immer wieder die Besinnung verlor
gāvalgaṇiḥ idam dhīmān mahā-artham vākyam abravīt
sprach der kluge Sohn Gavalgaṇas [Sañjaya] diese bedeutungsvollen Worte

[Anm.: Dieser Vers ist im Original ausnahmsweise dreizeilig (drei Pādas statt der üblichen zwei); die betreffenden Zählnummern des Originals werden hier zu einer Einheit zusammengefasst.]

śrutavān asi vai rājan mahotsāhān mahābalān | dvaipāyanasya vadato nāradasya ca dhīmataḥ |

Sañjaya sprach: ‚Du hast wahrlich gehört, o König, wie der weise Dvaipāyana [Vyāsa] und Nārada von hochherzigen, gewaltig starken [Königen] sprachen,

Wort für Wort
śrutavān asi vai rājan
du hast wahrlich gehört, o König
mahotsāhān mahābalān
von hochherzigen, gewaltig starken [Königen]
dvaipāyanasya vadataḥ nāradasya ca dhīmataḥ
wie der weise Dvaipāyana [Vyāsa] und Nārada sprachen

mahatsu rājavaṃśeṣu guṇaiḥ samuditeṣu ca | jātān divyāstravidúṣaḥ śakrapratimatejasaḥ |

die in großen Königsgeschlechtern geboren wurden, ausgestattet mit [allen] Tugenden, kundig der göttlichen Waffen, an Glanz dem Śakra [Indra] gleich,

Wort für Wort
mahatsu rāja-vaṃśeṣu guṇaiḥ samuditeṣu ca
in großen, mit Tugenden ausgestatteten Königsgeschlechtern
jātān divya-astra-vidúṣaḥ śakra-pratima-tejasaḥ
geboren, kundig der göttlichen Waffen, an Glanz dem Śakra gleich

dharmeṇa pṛthivīṃ jitvā yajñair iṣṭvāptadakṣiṇaiḥ | asmiṃl loke yaśaḥ prāpya tataḥ kālavaśaṃ gatān |

die durch Rechtschaffenheit die Erde eroberten, Opfer mit reichlichen Gaben darbrachten, in dieser Welt Ruhm erlangten und dann [dennoch] der Macht der Zeit anheimfielen –

Wort für Wort
dharmeṇa pṛthivīm jitvā yajñaiḥ iṣṭvā āpta-dakṣiṇaiḥ
die durch Rechtschaffenheit die Erde eroberten und Opfer mit reichlichen Gaben darbrachten
asmin loke yaśaḥ prāpya tataḥ kāla-vaśam gatān
in dieser Welt Ruhm erlangten und dann der Macht der Zeit anheimfielen

śaibyaṃ mahārathaṃ vīraṃ sṛñjayaṃ jayatāṃ varam | suhotraṃ rantidevaṃ ca kākṣīvantam atauśijam |

Śaibya, den großen Wagenkämpfer, den Helden Sṛñjaya, den Besten der Sieger, Suhotra, Rantideva, und Kākṣīvat, den Sohn der Uśij,

Wort für Wort
śaibyam mahā-ratham vīram sṛñjayam jayatām varam
Śaibya, den großen Wagenkämpfer; den Helden Sṛñjaya, den Besten der Sieger
suhotram rantidevam ca kākṣīvantam a-tauśijam
Suhotra, Rantideva, und Kākṣīvat, den Sohn der Uśij

[Anm.: Ab hier folgt eine lange, im Original grammatisch zusammenhängende Aufzählung berühmter Könige der Vorzeit, die Nārada und Vyāsa Dhṛtarāṣṭra einst genannt haben sollen (Verse 246–260). Die Namen werden unübersetzt (transliteriert) wiedergegeben; nicht jeder ist heute sicher zu identifizieren.]

bāhlīkaṃ damanaṃ caidyaṃ śaryātim ajitaṃ nalam | viśvāmitram amitraghnam ambarīṣaṃ mahābalam |

Bāhlīka, Damana, den König von Cedi, Śaryāti, den unbesiegten Nala, Viśvāmitra, den Feindevernichter, den mächtigen Ambarīṣa,

Wort für Wort
bāhlīkam damanam caidyam śaryātim ajitam nalam
Bāhlīka, Damana, den König von Cedi, Śaryāti, den unbesiegten Nala
viśvāmitram amitra-ghnam ambarīṣam mahā-balam
Viśvāmitra, den Feindevernichter, den mächtigen Ambarīṣa

maruttaṃ manum ikṣvākuṃ gayaṃ bharatam eva ca | rāmaṃ dāśarathiṃ caiva śaśabinduṃ bhagīratham |

Marutta, Manu, Ikṣvāku, Gaya und ebenso Bharata, Rāma, den Sohn Daśarathas, Śaśabindu, Bhagīratha,

Wort für Wort
maruttam manum ikṣvākum gayam bharatam eva ca
Marutta, Manu, Ikṣvāku, Gaya und ebenso Bharata
rāmam dāśarathim ca eva śaśabindum bhagīratham
Rāma, den Sohn Daśarathas, Śaśabindu, Bhagīratha

kṛtavīryaṃ mahābhāgaṃ tathaiva janamejayam | yayātiṃ śubhakarmāṇaṃ devair yo yājitaḥ svayam |

Kṛtavīrya, den hochgesegneten, und ebenso Janamejaya, und Yayāti von reiner Tatkraft, der von den Göttern selbst zum Opfern veranlasst wurde –

Wort für Wort
kṛtavīryam mahā-bhāgam tathā eva janamejayam
Kṛtavīrya, den hochgesegneten, und ebenso Janamejaya
yayātim śubha-karmāṇam devaiḥ yaḥ yājitaḥ svayam
und Yayāti von reiner Tatkraft, der von den Göttern selbst zum Opfern veranlasst wurde

caityayūpāṅkitā bhūmir yasyeyaṃ savanākarā | iti rājñāṃ caturviṃśan nāradena surarṣiṇā |

dessen [Opfer-]Land noch heute von Opferpfählen und Kultstätten gezeichnet ist –, so [wurden] diese vierundzwanzig Könige von Nārada, dem göttlichen Ṛṣi,

Wort für Wort
caitya-yūpa-aṅkitā bhūmiḥ yasya iyam savana-ākarā
dessen Land noch heute von Opferpfählen und Kultstätten [als Opferstätte] gezeichnet ist
iti rājñām caturviṃśat nāradena sura-ṛṣiṇā
so [wurden] diese vierundzwanzig Könige von Nārada, dem göttlichen Ṛṣi

[Anm.: Die Quelle zeigt vor diesem Vers ein isoliertes Schriftzeichen (vermutlich ein Digitalisierungs-Artefakt ohne Textbedeutung), das hier stillschweigend ausgelassen wurde.]

putraśokābhitaptāya purā śvaityāya kīrtitam | tebhyaś cānye gatāḥ pūrvaṃ rājāno balavattarāḥ |

einst dem von Sohnesverlust gequälten [König] Śvaitya genannt. Doch außer diesen gingen [dahin] schon früher noch mächtigere Könige,

Wort für Wort
putra-śoka-abhitaptāya purā śvaityāya kīrtitam
einst dem von Sohnesverlust gequälten Śvaitya genannt
tebhyaḥ ca anye gatāḥ pūrvam rājānaḥ balavattarāḥ
doch außer diesen gingen schon früher noch mächtigere Könige dahin

mahārathā mahātmānaḥ sarvaiḥ samuditā guṇaiḥ | pūruḥ kurur yaduḥ śūro viṣvagaśvo mahādyutiḥ |

große Wagenkämpfer, hochherzige, mit allen Tugenden ausgestattete: Pūru, Kuru, der tapfere Yadu, Viṣvagaśva von großem Glanz,

Wort für Wort
mahā-rathāḥ mahā-ātmānaḥ sarvaiḥ samuditāḥ guṇaiḥ
große Wagenkämpfer, hochherzige, mit allen Tugenden ausgestattete
pūruḥ kuruḥ yaduḥ śūraḥ viṣvagaśvaḥ mahā-dyutiḥ
Pūru, Kuru, der tapfere Yadu, Viṣvagaśva von großem Glanz

aṇuho yuvanāśvaś ca kakutstho vikramī raghuḥ | vijayo vītihotro ’ṅgo bhavaḥ śveto bṛhadguruḥ |

Aṇuha, Yuvanāśva, der tapfere Kakutstha, Raghu, Vijaya, Vītihotra, Aṅga, Bhava, Śveta, Bṛhadguru,

Wort für Wort
aṇuhaḥ yuvanāśvaḥ ca kakutsthaḥ vikramī raghuḥ
Aṇuha, Yuvanāśva, der tapfere Kakutstha, Raghu
vijayaḥ vītihotraḥ aṅgaḥ bhavaḥ śvetaḥ bṛhadguruḥ
Vijaya, Vītihotra, Aṅga, Bhava, Śveta, Bṛhadguru

[Anm.: Die Lesung „aṅgaḥ“ ist im ITRANS-Quelltext leicht unklar überliefert („ahgo“) und wurde nach dem Sinn ergänzt.]

uśīnaraḥ śatarathaḥ kaṅko duliduho drumaḥ | dambhodbhavaḥ paro venaḥ sagaraḥ saṃkṛtir nimiḥ |

Uśīnara, Śataratha, Kaṅka, Duliduha, Druma, Dambhodbhava, der überragende Vena, Sagara, Saṃkṛti, Nimi,

Wort für Wort
uśīnaraḥ śatarathaḥ kaṅkaḥ duliduhaḥ drumaḥ
Uśīnara, Śataratha, Kaṅka, Duliduha, Druma
dambhodbhavaḥ paraḥ venaḥ sagaraḥ saṃkṛtiḥ nimiḥ
Dambhodbhava, der überragende Vena, Sagara, Saṃkṛti, Nimi

ajeyaḥ paraśuḥ puṇḍraḥ śambhur devāvṛdho ’naghaḥ | devāhvayaḥ supratimaḥ supratīko bṛhadrathaḥ |

der unbesiegbare Paraśu, Puṇḍra, Śambhu, der sündlose Devāvṛdha, Devāhvaya, Supratima, Supratīka, Bṛhadratha,

Wort für Wort
ajeyaḥ paraśuḥ puṇḍraḥ śambhuḥ devāvṛdhaḥ anaghaḥ
der unbesiegbare Paraśu, Puṇḍra, Śambhu, der sündlose Devāvṛdha
devāhvayaḥ supratimaḥ supratīkaḥ bṛhadrathaḥ
Devāhvaya, Supratima, Supratīka, Bṛhadratha

mahotsāho vinītātmā sukratur naiṣadho nalaḥ | satyavrataḥ śāntabhayaḥ sumitraḥ subalaḥ prabhuḥ |

der hochbeherzte, gebändigte Sukratu, Nala aus Niṣadha, Satyavrata, Śāntabhaya, Sumitra, der mächtige Subala,

Wort für Wort
mahotsāhaḥ vinīta-ātmā sukratuḥ naiṣadhaḥ nalaḥ
der hochbeherzte, gebändigte Sukratu, Nala aus Niṣadha
satyavrataḥ śāntabhayaḥ sumitraḥ subalaḥ prabhuḥ
Satyavrata, Śāntabhaya, Sumitra, der mächtige Subala

jānujaṅgho ’naraṇyo ’rkaḥ priyabhṛtyaḥ śucivrataḥ | balabandhur nirāmardaḥ ketuśṛṅgo bṛhadbalaḥ |

Jānujaṅgha, Anaraṇya, Arka, Priyabhṛtya, der reinen Gelübdes, Balabandhu, Nirāmarda, Ketuśṛṅga, Bṛhadbala,

Wort für Wort
jānujaṅghaḥ anaraṇyaḥ arkaḥ priyabhṛtyaḥ śucivrataḥ
Jānujaṅgha, Anaraṇya, Arka, Priyabhṛtya, der reinen Gelübdes
balabandhuḥ nirāmardaḥ ketuśṛṅgaḥ bṛhadbalaḥ
Balabandhu, Nirāmarda, Ketuśṛṅga, Bṛhadbala

dhṛṣṭaketur bṛhatketur dīptaketur nirāmayaḥ | avikṣic capalo dhūrtaḥ kṛtabandhur dṛḍheṣudhiḥ |

Dhṛṣṭaketu, Bṛhatketu, Dīptaketu, der Makellose, Avikṣit, Capala, Dhūrta, Kṛtabandhu, der mit festem Köcher,

Wort für Wort
dhṛṣṭaketuḥ bṛhatketuḥ dīptaketuḥ nirāmayaḥ
Dhṛṣṭaketu, Bṛhatketu, Dīptaketu, der Makellose
avikṣit capalaḥ dhūrtaḥ kṛtabandhuḥ dṛḍha-iṣudhiḥ
Avikṣit, Capala, Dhūrta, Kṛtabandhu, der mit festem Köcher

mahāpurāṇasaṃbhāvyaḥ pratyaṅgaḥ parahā śrutiḥ | ete cānye ca rājānaḥ śataśo ’tha sahasraśaḥ |

der in den großen Purāṇas Gerühmte, Pratyaṅga, Parahan, Śruti – diese und andere Könige, zu Hunderten und zu Tausenden,

Wort für Wort
mahā-purāṇa-saṃbhāvyaḥ pratyaṅgaḥ parahā śrutiḥ
der in den großen Purāṇas Gerühmte, Pratyaṅga, Parahan, Śruti
ete ca anye ca rājānaḥ śataśaḥ atha sahasraśaḥ
diese und andere Könige, zu Hunderten und zu Tausenden

śrūyante śataśaś cānye saṃkhyātāś caiva padmaśaḥ | hitvā suvipulān bhogān buddhimanto mahābalāḥ |

von denen man hört zu Hunderten, ja gezählt sogar zu Hunderttausenden – sie alle, verständig und gewaltig stark, verließen ihren überaus reichen Wohlstand,

Wort für Wort
śrūyante śataśaḥ ca anye saṃkhyātāḥ ca eva padmaśaḥ
von denen man hört zu Hunderten, ja gezählt sogar zu Hunderttausenden
hitvā su-vipulān bhogān buddhimantaḥ mahā-balāḥ
sie, verständig und gewaltig stark, verließen ihren überaus reichen Wohlstand

[Anm.: „padmaśaḥ“, wörtlich „zu Lotus[zahlen]“, bezeichnet eine sehr hohe, sprichwörtliche Menge (traditionell 10.000.000 oder mehr); hier sinngemäß als „zu Hunderttausenden“ wiedergegeben.]

rājāno nidhanaṃ prāptās tava putrair mahattarāḥ | yeṣāṃ divyāni karmāṇi vikramas tyāga eva ca |

und fanden den Tod, diese Könige, die noch bedeutender waren als deine Söhne – sie, deren göttliche Taten, deren Tapferkeit und Freigebigkeit,

Wort für Wort
rājānaḥ nidhanam prāptāḥ tava putraiḥ mahattarāḥ
und fanden den Tod, diese Könige, die noch bedeutender waren als deine Söhne
yeṣām divyāni karmāṇi vikramaḥ tyāgaḥ eva ca
sie, deren göttliche Taten, deren Tapferkeit und Freigebigkeit

māhātmyam api cāstikyaṃ satyaṃ śaucaṃ dayārjavam | vidvadbhiḥ kathyate loke purāṇaiḥ kavisattamaiḥ |

deren Hochherzigkeit und Gottvertrauen, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Mitgefühl und Aufrichtigkeit von gelehrten, kundigen Dichtern in den Purāṇas der Welt erzählt werden –

Wort für Wort
māhātmyam api ca āstikyam satyam śaucam dayā-arjavam
deren Hochherzigkeit und Gottvertrauen, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Mitgefühl und Aufrichtigkeit
vidvadbhiḥ kathyate loke purāṇaiḥ kavi-sattamaiḥ
von gelehrten, kundigen Dichtern in den Purāṇas der Welt erzählt werden

sarvarddhiguṇasaṃpannās te cāpi nidhanaṃ gatāḥ | tava putrā durātmānaḥ prataptāś caiva manyunā |

sie also, mit allem Wohlstand und allen Tugenden ausgestattet, fanden dennoch den Tod. Deine Söhne aber, böswillig und von Zorn verzehrt,

Wort für Wort
sarva-ṛddhi-guṇa-saṃpannāḥ te ca api nidhanam gatāḥ
sie, mit allem Wohlstand und allen Tugenden ausgestattet, fanden dennoch den Tod
tava putrāḥ durātmānaḥ prataptāḥ ca eva manyunā
deine Söhne aber, böswillig und von Zorn verzehrt

lubdhā durvṛttabhūyiṣṭhā na tāñ chocitum arhasi | śrutavān asi medhāvī buddhimān prājñasaṃmataḥ |

gierig und größtenteils übel handelnd – um sie solltest du nicht trauern. Du bist belesen, klug, verständig und von den Weisen geachtet;

Wort für Wort
lubdhāḥ durvṛtta-bhūyiṣṭhāḥ na tān śocitum arhasi
gierig und größtenteils übel handelnd – um sie solltest du nicht trauern
śrutavān asi medhāvī buddhimān prājña-saṃmataḥ
du bist belesen, klug, verständig und von den Weisen geachtet

yeṣāṃ śāstrānugā buddhir na te muhyanti bhārata | nigrahānugrahau cāpi viditau te narādhipa |

wessen Verstand den Lehrschriften folgt, o Bhārata, der wird nicht verwirrt. Auch Strafe und Gunst sind dir wohlbekannt, o Herrscher der Menschen;

Wort für Wort
yeṣām śāstra-anugā buddhiḥ na te muhyanti bhārata
wessen Verstand den Lehrschriften folgt, o Bhārata, der wird nicht verwirrt
nigraha-anugrahau ca api viditau te nara-adhipa
auch Strafe und Gunst sind dir wohlbekannt, o Herrscher der Menschen

nātyantam evānuvṛttiḥ kāryā te putrarakṣaṇe | bhavitavyaṃ tathā tac ca nānuśocitum arhasi |

du solltest deinen Söhnen nicht bis zum Äußersten nachgeben. Und was so geschehen musste, [das ist geschehen] – darüber solltest du nicht trauern.

Wort für Wort
na atyantam eva anuvṛttiḥ kāryā te putra-rakṣaṇe
du solltest deinen Söhnen nicht bis zum Äußersten nachgeben
bhavitavyam tathā tat ca na anuśocitum arhasi
und was so geschehen musste – darüber solltest du nicht trauern

daivaṃ puruṣakāreṇa ko nivartitum arhati | vidhātṛvihitaṃ mārgaṃ na kaścid ativartate |

Wer vermag das Schicksal durch menschliches Handeln abzuwenden? Den vom Schöpfer festgelegten Weg überschreitet niemand.

Wort für Wort
daivam puruṣa-kāreṇa kaḥ nivartitum arhati
wer vermag das Schicksal durch menschliches Handeln abzuwenden
vidhātṛ-vihitam mārgam na kaścit ativartate
den vom Schöpfer festgelegten Weg überschreitet niemand

kālamūlam idaṃ sarvaṃ bhāvābhāvau sukhāsukhe | kālaḥ sṛjati bhūtāni kālaḥ saṃharate prajāḥ |

Alles dies – Werden und Vergehen, Glück und Leid – hat die Zeit zur Wurzel. Die Zeit erschafft die Wesen, die Zeit vernichtet die Geschöpfe.

Wort für Wort
kāla-mūlam idam sarvam bhāva-abhāvau sukha-asukhe
alles dies – Werden und Vergehen, Glück und Leid – hat die Zeit zur Wurzel
kālaḥ sṛjati bhūtāni kālaḥ saṃharate prajāḥ
die Zeit erschafft die Wesen, die Zeit vernichtet die Geschöpfe

[Anm.: Hier beginnt Sañjayas kurze Meditation über die alles bezwingende Zeit (Kāla), Verse 268–271.]

saṃharantaṃ prajāḥ kālaṃ kālaḥ śamayate punaḥ | kālo vikurute bhāvān sarvāṃl loke śubhāśubhān |

Und die Zeit, die die Geschöpfe vernichtet, wird ihrerseits wieder von der Zeit zur Ruhe gebracht. Die Zeit verwandelt alle Zustände in der Welt, die guten wie die schlechten.

Wort für Wort
saṃharantam prajāḥ kālam kālaḥ śamayate punaḥ
die Zeit, die die Geschöpfe vernichtet, wird ihrerseits wieder von der Zeit zur Ruhe gebracht
kālaḥ vikurute bhāvān sarvān loke śubha-aśubhān
die Zeit verwandelt alle Zustände in der Welt, die guten wie die schlechten

kālaḥ saṃkṣipate sarvāḥ prajā visṛjate punaḥ | kālaḥ supteṣu jāgarti kālo hi duratikramaḥ |

Die Zeit zieht alle Geschöpfe zusammen und entlässt sie wieder [neu]. Die Zeit wacht, während [alle Wesen] schlafen; denn die Zeit ist unüberwindlich.

Wort für Wort
kālaḥ saṃkṣipate sarvāḥ prajāḥ visṛjate punaḥ
die Zeit zieht alle Geschöpfe zusammen und entlässt sie wieder
kālaḥ supteṣu jāgarti kālaḥ hi duratikramaḥ
die Zeit wacht, während alle schlafen; denn die Zeit ist unüberwindlich

kālaḥ sarveṣu bhūteṣu carati avidhataḥ samaḥ | atītānāgatā bhāvā ye ca vartanti sāmpratam | tān kālanirmitān buddhvā na saṃjñāṃ hātum arhasi |

Die Zeit durchdringt alle Wesen gleichermaßen, ohne Ausnahme. Was vergangen, was zukünftig ist und was gegenwärtig geschieht – all dies als von der Zeit gewirkt erkennend, solltest du nicht die Besinnung verlieren.

Wort für Wort
kālaḥ sarveṣu bhūteṣu carati avidhataḥ samaḥ
die Zeit durchdringt alle Wesen gleichermaßen, ohne Ausnahme
atīta-anāgatā bhāvāḥ ye ca vartanti sāmpratam
was vergangen, was zukünftig ist und was gegenwärtig geschieht
tān kāla-nirmitān buddhvā na saṃjñām hātum arhasi
all dies als von der Zeit gewirkt erkennend, solltest du nicht die Besinnung verlieren

[Anm.: Dieser Vers fasst im Original mehrere kurze, eng aufeinander folgende Halbverse zu einer Sinneinheit zusammen.]

ity evaṃ putraśokārtaṃ dhṛtarāṣṭraṃ janeśvaram | āśvāsya svastham akarot sūto gāvalgaṇis tadā |

Sūta sprach: Nachdem er so den von Sohnesverlust gequälten Herrscher der Menschen, Dhṛtarāṣṭra, getröstet hatte, brachte ihn der Sūta-Sohn Gāvalgaṇi [Sañjaya] wieder zur Fassung.

Wort für Wort
iti evam putra-śoka-ārtam dhṛtarāṣṭram jana-īśvaram
nachdem er so den von Sohnesverlust gequälten Herrscher der Menschen, Dhṛtarāṣṭra
āśvāsya svastham akarot sūtaḥ gāvalgaṇiḥ tadā
getröstet hatte, brachte ihn der Sūta-Sohn Gāvalgaṇi wieder zur Fassung

dhṛtarāṣṭro ’pi tac chrutvā dhṛtim eva samāśrayat | diṣṭyedam āgatam iti matvā sa prājñasattamaḥ |

Auch Dhṛtarāṣṭra, nachdem er dies gehört hatte, fasste wieder Standhaftigkeit, indem er, der Weiseste, dachte: ‚So war es vom Schicksal bestimmt, dass dies geschehen musste.‘

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭraḥ api tat śrutvā dhṛtim eva samāśrayat
auch Dhṛtarāṣṭra, nachdem er dies gehört hatte, fasste wieder Standhaftigkeit
diṣṭyā idam āgatam iti matvā saḥ prājña-sattamaḥ
indem er, der Weiseste, dachte: so war es vom Schicksal bestimmt, dass dies geschehen musste

lokānāṃ ca hitārthāya kāruṇyān munisattamaḥ | atropaniṣadaṃ puṇyāṃ kṛṣṇadvaipāyano ’bravīt |

Zum Wohl der Welten und aus Mitgefühl verkündete der erhabenste Weise, Kṛṣṇa Dvaipāyana [Vyāsa], an dieser Stelle die heilige Geheimlehre [dieses Werkes]:

Wort für Wort
lokānām ca hita-arthāya kāruṇyāt muni-sattamaḥ
zum Wohl der Welten und aus Mitgefühl [verkündete] der erhabenste Weise
atra upaniṣadam puṇyām kṛṣṇadvaipāyanaḥ abravīt
Kṛṣṇa Dvaipāyana [Vyāsa] verkündete an dieser Stelle die heilige Geheimlehre

[Anm.: „upaniṣad“ wird hier im älteren, ursprünglichen Wortsinn von „Geheimlehre/esoterische Unterweisung“ gebraucht, nicht als Bezeichnung der späteren literarischen Gattung. Ab hier beginnt die abschließende „Phalaśruti“ – der Lobpreis auf den Nutzen dieses einleitenden Kapitels (Verse 274–295).]

vidvadbhiḥ kathyate loke purāṇe kavisattamaiḥ | bhāratādhyayanaṃ puṇyam api pādam adhīyataḥ | śraddadhānasya pūyante sarvapāpāny aśeṣataḥ |

Gelehrte und die besten Dichter erzählen in der Welt in den Purāṇas: Schon wer nur einen einzigen Versfuß des heiligen Studiums des Bhārata liest, dem gläubigen, werden alle Sünden gänzlich getilgt.

Wort für Wort
vidvadbhiḥ kathyate loke purāṇe kavi-sattamaiḥ
Gelehrte und die besten Dichter erzählen in der Welt in den Purāṇas
bhārata-adhyayanam puṇyam api pādam adhīyataḥ
schon wer nur einen einzigen Versfuß des heiligen Studiums des Bhārata liest
śraddadhānasya pūyante sarva-pāpāni aśeṣataḥ
dem gläubigen werden alle Sünden gänzlich getilgt

devā devarṣayo hy atra tathā brahmarṣayo ’malāḥ | kīrtyante śubhakarmāṇas tathā yakṣā mahoragāḥ |

Denn hier werden die Götter, die göttlichen Ṛṣis, sowie die makellosen Brahmarṣis von reiner Tatkraft gepriesen, ebenso die Yakṣas und die großen Schlangenwesen [Nāgas].

Wort für Wort
devāḥ deva-ṛṣayaḥ hi atra tathā brahma-ṛṣayaḥ amalāḥ
denn hier werden die Götter, die göttlichen Ṛṣis, sowie die makellosen Brahmarṣis
kīrtyante śubha-karmāṇaḥ tathā yakṣāḥ mahā-uragāḥ
von reiner Tatkraft gepriesen, ebenso die Yakṣas und die großen Schlangenwesen

[Anm.: Die Lesung „śubhakarmāṇaḥ“ ersetzt eine im Quelltext unklare Form („śumakarmāṇaḥ“), die als Verschreibung gedeutet wurde.]

bhagavān vāsudevaś ca kīrtyate ’tra sanātanaḥ | sa hi satyam ṛtaṃ caiva pavitraṃ puṇyam eva ca |

Auch der erhabene, ewige Vāsudeva [Kṛṣṇa] wird hier gepriesen; denn er ist die Wahrheit und die kosmische Ordnung, das Reine und das Heilige,

Wort für Wort
bhagavān vāsudevaḥ ca kīrtyate atra sanātanaḥ
auch der erhabene, ewige Vāsudeva [Kṛṣṇa] wird hier gepriesen
saḥ hi satyam ṛtam ca eva pavitram puṇyam eva ca
denn er ist die Wahrheit und die kosmische Ordnung, das Reine und das Heilige

śāśvataṃ brahma paramaṃ dhruvaṃ jyotiḥ sanātanam | yasya divyāni karmāṇi kathanti manīṣiṇaḥ |

das ewige, höchste Brahman, das beständige, uralte Licht – dessen göttliche Taten die Weisen verkünden.

Wort für Wort
śāśvatam brahma paramam dhruvam jyotiḥ sanātanam
das ewige, höchste Brahman, das beständige, uralte Licht
yasya divyāni karmāṇi kathanti manīṣiṇaḥ
dessen göttliche Taten die Weisen verkünden

asatsatsadasac caiva yasmād viśvaṃ pravartate | santatiś ca pravṛttiś ca janmamṛtyupunarbhavāḥ |

Aus ihm, der sowohl Nichtsein als auch Sein und beides zugleich ist, entsteht das gesamte Universum – die Nachkommenschaft, das [weltliche] Geschehen, Geburt, Tod und Wiedergeburt,

Wort für Wort
asat-sat-sad-asat ca eva yasmāt viśvam pravartate
aus ihm, der sowohl Nichtsein als auch Sein und beides zugleich ist, entsteht das Universum
santatiḥ ca pravṛttiḥ ca janma-mṛtyu-punarbhavāḥ
die Nachkommenschaft, das Geschehen, Geburt, Tod und Wiedergeburt

adhyātmaṃ śrūyate ’tra yat pañcabhūtaguṇātmakam | avyaktādi paraṃ yac ca sa eva parigīyate |

das Wissen vom Selbst, das aus den fünf Elementen und ihren Eigenschaften besteht, und das, was jenseits des Unmanifesten und aller [Ursprünge] ist – eben er wird darin besungen.

Wort für Wort
adhyātmam śrūyate atra yat pañca-bhūta-guṇa-ātmakam
das Wissen vom Selbst, das aus den fünf Elementen und ihren Eigenschaften besteht
avyakta-ādi param yat ca saḥ eva parigīyate
und das, was jenseits des Unmanifesten und aller Ursprünge ist – eben er wird darin besungen

yaṃ dhyāyanti sadā muktā dhyānayogabalānvitāḥ | pratibimbam ivādarśe paśyanty ātmany avasthitam |

Ihn, den die stets Befreiten, ausgestattet mit der Kraft der Meditation und des Yoga, beständig kontemplieren, [und] wie ein Spiegelbild schauen sie ihn, im eigenen Selbst weilend.

Wort für Wort
yam dhyāyanti sadā muktāḥ dhyāna-yoga-bala-anvitāḥ
ihn, den die stets Befreiten, ausgestattet mit der Kraft der Meditation und des Yoga, kontemplieren
pratibimbam iva ādarśe paśyanti ātmani avasthitam
wie ein Spiegelbild schauen sie ihn, im eigenen Selbst weilend

śraddadhānaḥ sadā yuktaḥ sadā dharmaparāyaṇaḥ | āsevann imam adhyāyaṃ naraḥ pāpāt pramucyate |

Wer gläubig, stets gesammelt und stets dem Dharma zugewandt ist [und] dieses Kapitel beständig pflegt, wird von aller Sünde befreit.

Wort für Wort
śraddadhānaḥ sadā yuktaḥ sadā dharma-parāyaṇaḥ
wer gläubig, stets gesammelt und stets dem Dharma zugewandt ist
āsevan imam adhyāyam naraḥ pāpāt pramucyate
und dieses Kapitel beständig pflegt, wird von aller Sünde befreit

anukramaṇikādhyāyam bhāratasyemam āditaḥ | āstikaḥ satataṃ śṛṇvan na kṛcchreṣv avasīdati |

Wer gläubig ist und dieses einleitende Inhaltskapitel [Anukramaṇikā] des Bhārata von Anfang an beständig hört, der verzagt nicht in Bedrängnissen.

Wort für Wort
anukramaṇikā-adhyāyam bhāratasya imam āditaḥ
dieses einleitende Inhaltskapitel des Bhārata von Anfang an
āstikaḥ satatam śṛṇvan na kṛcchreṣu avasīdati
wer gläubig ist und es beständig hört, der verzagt nicht in Bedrängnissen

ubhe sandhye japan kiṃcit sadyo mucyeta kilbiṣāt | anukramaṇyā yāvat syād ahnā rātryā ca saṃcitam |

Wer es zu beiden Dämmerungszeiten [Morgen und Abend] auch nur teilweise murmelnd rezitiert, wird alsbald von Verfehlung befreit – von allem, was er tags und nachts angesammelt hat, allein durch [das Rezitieren] dieses Inhaltsverzeichnisses.

Wort für Wort
ubhe sandhye japan kiṃcit sadyaḥ mucyeta kilbiṣāt
wer es zu beiden Dämmerungszeiten auch nur teilweise rezitiert, wird alsbald von Verfehlung befreit
anukramaṇyā yāvat syāt ahnā rātryā ca saṃcitam
von allem, was er tags und nachts angesammelt hat, allein durch dieses Inhaltsverzeichnis

bhāratasya vapur hy etat satyaṃ cāmṛtam eva ca | navanītaṃ yathā dadhno dvipadāṃ brāhmaṇo yathā |

Denn dies ist die wahre Gestalt des Bhārata, Wahrheit und Unsterblichkeit zugleich – wie die Butter aus der Milch [entsteht] und der Brahmane der Erste unter den Zweifüßlern ist,

Wort für Wort
bhāratasya vapuḥ hi etat satyam ca amṛtam eva ca
dies ist die wahre Gestalt des Bhārata, Wahrheit und Unsterblichkeit zugleich
navanītam yathā dadhnaḥ dvipadām brāhmaṇaḥ yathā
wie die Butter aus der Milch und der Brahmane der Erste unter den Zweifüßlern ist

āraṇyakaṃ ca vedebhya oṣadhibhyo ’mṛtaṃ yathā | hradānām udadhiḥ śreṣṭho gaur variṣṭhā catuṣpadām |

wie das Āraṇyaka unter den Veden [das Beste ist] und der Göttertrank Amṛta unter den Heilkräutern, wie das Meer das Beste der Gewässer ist und die Kuh die Erhabenste der Vierfüßler,

Wort für Wort
āraṇyakam ca vedebhyaḥ oṣadhibhyaḥ amṛtam yathā
wie das Āraṇyaka unter den Veden und der Göttertrank Amṛta unter den Heilkräutern
hradānām udadhiḥ śreṣṭhaḥ gauḥ variṣṭhā catuṣpadām
wie das Meer das Beste der Gewässer ist und die Kuh die Erhabenste der Vierfüßler

yathaitān itihāsānāṃ tathā bhāratam ucyate | yaś cainaṃ śrāvayec chrāddhe brāhmaṇān pādam antataḥ |

so wird auch das Bhārata unter den Geschichtswerken genannt. Und wer bei einem Totenopfer [Śrāddha] den Brahmanen daraus auch nur einen Versfuß bis zum Ende vorlesen lässt,

Wort für Wort
yathā etān itihāsānām tathā bhāratam ucyate
wie diese [jeweils das Beste ihrer Art sind], so wird auch das Bhārata unter den Geschichtswerken genannt
yaḥ ca enam śrāvayet śrāddhe brāhmaṇān pādam antataḥ
und wer bei einem Totenopfer den Brahmanen daraus auch nur einen Versfuß vorlesen lässt

akṣayyam annapānaṃ vai pitṝṃs tasyopatiṣṭhate | itihāsapurāṇābhyāṃ vedaṃ samupabṛṃhayet |

dessen Vorfahren erhalten unerschöpfliche Speise und Trank. Mit den Geschichtswerken und Purāṇas soll man den Veda ergänzen und stützen;

Wort für Wort
akṣayyam anna-pānam vai pitṝn tasya upatiṣṭhate
dessen Vorfahren erhalten unerschöpfliche Speise und Trank
itihāsa-purāṇābhyām vedam samupabṛṃhayet
mit den Geschichtswerken und Purāṇas soll man den Veda ergänzen und stützen

bibhety alpaśrutād vedo mām ayaṃ pratariṣyati | kārṣṇaṃ vedam imaṃ vidvāñ śrāvayitvārtham aśnute |

denn der Veda fürchtet sich vor dem, der wenig gehört hat, [mit dem Gedanken]: ‚Dieser wird mich [durch Missverständnis] betrügen.‘ Wer diesen Veda des Kṛṣṇa [Dvaipāyana, d.h. das Mahābhārata] kennt und ihn vortragen lässt, erlangt seinen [wahren] Sinn.

Wort für Wort
bibheti alpa-śrutāt vedaḥ mām ayam pratariṣyati
der Veda fürchtet sich vor dem, der wenig gehört hat: dieser wird mich betrügen
kārṣṇam vedam imam vidvān śrāvayitvā artham aśnute
wer diesen Veda des Kṛṣṇa kennt und ihn vortragen lässt, erlangt seinen wahren Sinn

[Anm.: „kārṣṇa Veda“, wörtlich „der Veda des Kṛṣṇa[-Dvaipāyana]“, bezeichnet hier das Mahābhārata selbst, das traditionell als „fünfter Veda“ gilt.]

bhrūṇahatyādikaṃ cāpi pāpaṃ jahyād asaṃśayam | ya imaṃ śucir adhyāyaṃ paṭhet parvaṇi parvaṇi |

Er wird zweifellos selbst eine Sünde wie die Tötung eines Embryos [im Mutterleib] ablegen, wer, gereinigt, dieses Kapitel bei jedem Neu- und Vollmondtag [parvan] rezitiert.

Wort für Wort
bhrūṇa-hatya-ādikam ca api pāpam jahyāt asaṃśayam
er wird zweifellos selbst eine Sünde wie die Tötung eines Embryos ablegen
yaḥ imam śuciḥ adhyāyam paṭhet parvaṇi parvaṇi
wer, gereinigt, dieses Kapitel bei jedem Neu- und Vollmondtag rezitiert

adhītaṃ bhāratam tena kṛtsnaṃ syād iti me matiḥ | yaś cainaṃ śṛṇuyān nityam ārṣaṃ śraddhāsamanvitaḥ |

Durch ihn, so meine ich, gilt das gesamte Bhārata als studiert. Und wer dieses von den Ṛṣis [verfasste Werk] beständig, mit Glauben erfüllt, hört,

Wort für Wort
adhītam bhāratam tena kṛtsnam syāt iti me matiḥ
durch ihn gilt, so meine ich, das gesamte Bhārata als studiert
yaḥ ca enam śṛṇuyāt nityam ārṣam śraddhā-samanvitaḥ
und wer dieses von den Ṛṣis verfasste Werk beständig, mit Glauben erfüllt, hört

sa dīrgham āyuḥ kīrtiṃ ca svargatiṃ cāpnuyān naraḥ | ekataś caturo vedā bhārataṃ caitad ekataḥ |

der erlangt langes Leben, Ruhm und den Weg zum Himmel. Auf der einen Seite die vier Veden, und auf der anderen Seite allein dieses Bhārata –

Wort für Wort
saḥ dīrgham āyuḥ kīrtim ca svargatim ca āpnuyāt naraḥ
der erlangt langes Leben, Ruhm und den Weg zum Himmel
ekataḥ caturaḥ vedāḥ bhāratam ca etat ekataḥ
auf der einen Seite die vier Veden, und auf der anderen Seite allein dieses Bhārata

purā kila suraiḥ sarvaiḥ sametya tulayā dhṛtam | caturbhyaḥ sarahasyebhyo vedebhyo hy adhikaṃ yadā |

einst, so heißt es, versammelten sich alle Götter und wogen sie auf einer Waage gegeneinander ab. Als sich zeigte, dass es schwerer war als die vier Veden samt ihren Geheimlehren,

Wort für Wort
purā kila suraiḥ sarvaiḥ sametya tulayā dhṛtam
einst, so heißt es, versammelten sich alle Götter und wogen sie auf einer Waage gegeneinander ab
caturbhyaḥ sa-rahasyebhyaḥ vedebhyaḥ hi adhikam yadā
als sich zeigte, dass es schwerer war als die vier Veden samt ihren Geheimlehren

tadāprabhṛti loke ’smin mahābhāratam ucyate | mahattve ca gurutve ca dhriyamāṇaṃ yato ’dhikam |

wurde es von da an in dieser Welt ‚Mahābhārata‘ [das ‚Große Bhārata‘] genannt. Weil es an Größe und Gewicht als das Überlegene befunden wurde,

Wort für Wort
tadā-prabhṛti loke asmin mahābhāratam ucyate
wurde es von da an in dieser Welt Mahābhārata genannt
mahattve ca gurutve ca dhriyamāṇam yataḥ adhikam
weil es an Größe und Gewicht als das Überlegene befunden wurde

mahattvād bhāravattvāc ca mahābhāratam ucyate | niruktam asya yo veda sarvapāpaiḥ pramucyate |

wird es wegen seiner Größe [mahattva] und seiner Gewichtigkeit [bhāravattva] ‚Mahābhārata‘ genannt. Wer diese Worterklärung [seines Namens] kennt, wird von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
mahattvāt bhāravattvāt ca mahābhāratam ucyate
es wird wegen seiner Größe und seiner Gewichtigkeit Mahābhārata genannt
niruktam asya yaḥ veda sarva-pāpaiḥ pramucyate
wer diese Worterklärung seines Namens kennt, wird von allen Sünden befreit

[Anm.: Hier endet die Phalaśruti. Der folgende, letzte Vers des Adhyāya steht in einem abweichenden Versmaß (Triṣṭubh statt Anuṣṭubh) und bildet einen eigenständigen, aphoristischen Abschluss.]

tapo na kalko ’dhyayanaṃ na kalkaḥ svābhāviko vedavidhir na kalkaḥ | prasahya vittāharaṇaṃ na kalkas tāny eva bhāvopahatāni kalkaḥ |

Askese ist kein Makel, Studium ist kein Makel, die naturgemäße Beachtung der Veda-Vorschrift ist kein Makel, [selbst] das gewaltsame Wegnehmen von Besitz [in gewissen, rechtmäßigen Fällen] ist kein Makel – erst wenn diese [Handlungen] von [unlauterer] Gesinnung befallen sind, werden sie zum Makel.

Wort für Wort
tapaḥ na kalkaḥ adhyayanam na kalkaḥ
Askese ist kein Makel, Studium ist kein Makel
svābhāvikaḥ veda-vidhiḥ na kalkaḥ
die naturgemäße Beachtung der Veda-Vorschrift ist kein Makel
prasahya vitta-āharaṇam na kalkaḥ
das gewaltsame Wegnehmen von Besitz ist kein Makel
tāni eva bhāva-upahatāni kalkaḥ
erst wenn diese Handlungen von unlauterer Gesinnung befallen sind, werden sie zum Makel

iti śrīmanmahābhārate ādiparvaṇi anukramaṇikāparvaṇi prathamo ’dhyāyaḥ |

So endet im glorreichen Mahābhārata, im Ādiparva, im Anukramaṇikāparva [dem „Kapitel des Inhaltsverzeichnisses“], der erste Adhyāya.

Wort für Wort
iti śrīmat-mahābhārate ādiparvaṇi
so [endet] im glorreichen Mahābhārata, im Ādiparva
anukramaṇikā-parvaṇi prathamaḥ adhyāyaḥ
im Anukramaṇikāparva, der erste Adhyāya

[Anm.: Kolophon des Originals. Damit ist Adhyāya 1 des Ādiparva (das Anukramaṇikāparva, 301 Verse in der Kumbhakonam-Zählung) vollständig übersetzt. Es folgt im Original Adhyāya 2, das ausführliche Parvasaṃgraha (die Zusammenfassung sämtlicher 18 Parvas Buch für Buch) – dies folgt in einer künftigen Erweiterung.]

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