Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 93: Vasiṣṭha-Vasu-Śāpaḥ (Nandinī-Haraṇam) Der Diebstahl der Wunschkuh und Vasiṣṭhas Fluch über die acht Vasus

Auf Śaṃtanus Frage erzählt Gaṅgā die volle, hier nur angedeutete Vorgeschichte des Fluchs: Der Weise Vasiṣṭha (Āpava, Sohn Varuṇas) besitzt eine wunscherfüllende Opferkuh, Tochter der Surabhi. Als die acht Vasu-Götter mit ihren Gattinnen durch seinen Wald streifen, begehrt die Gattin des Vasu Dyaus die Kuh für ihre menschliche Freundin Jinavatī, Tochter des Königs Uśīnara; auf ihre Bitte hin raubt Dyaus, unterstützt von seinen sieben Brüdern unter Führung Pṛthus, die Kuh. Vasiṣṭha entdeckt den Diebstahl und verflucht im Zorn alle acht Vasus zur Geburt als Sterbliche; da er seinen Fluch nicht zurücknehmen kann, mildert er ihn: Die sieben unbeteiligten Brüder werden nach nur einem Jahr Menschenleben erlöst, doch Dyaus, der eigentliche Dieb, muss ein langes, kinderloses, frauenentsagendes Menschenleben führen. Die Vasus bitten Gaṅgā, sie bei der Geburt sofort ins Wasser zurückzuwerfen, um die Erlösung zu beschleunigen – dies erklärt die Ereignisse aus Adh.92. Der überlebende achte Sohn erhält den Namen Devavrata (auch Gāṅgeya); Gaṅgā nimmt ihn zunächst mit sich. Das Kapitel endet mit der berühmten, selbstreferenziellen Ankündigung, nun von Śaṃtanus Sohn – dessen glanzvolle Geschichte ‚Mahābhārata' genannt wird – zu erzählen.

śaṃtanur uvāca āpavo nāma ko nv eṣa vasūnāṃ kiṃ ca duṣkṛtam yasyābhiśāpāt te sarve mānuṣīṃ tanum āgatāḥ

Śaṃtanu sprach: Wer ist dieser Āpava? Und welches Unrecht haben die Vasus begangen, durch dessen Fluch sie alle einen menschlichen Leib angenommen haben?

Wort für Wort
śaṃtanur uvāca āpavo nāma ko nv eṣa vasūnāṃ kiṃ ca duṣkṛtam yasyābhiśāpāt te sarve mānuṣīṃ tanum āgatāḥ
Śaṃtanu sprach: Wer ist dieser Āpava? Und welches Unrecht haben die Vasus begangen, durch dessen Fluch sie alle einen menschlichen Leib angenommen haben?

anena ca kumāreṇa gaṅgādattena kiṃ kṛtam yasya caiva kṛtenāyaṃ mānuṣeṣu nivatsyati

Und was hat dieser Knabe, Gaṅgādatta, getan, durch dessen eigenes Tun er unter den Menschen verweilen wird?

Wort für Wort
anena ca kumāreṇa gaṅgādattena kiṃ kṛtam yasya caiva kṛtenāyaṃ mānuṣeṣu nivatsyati
Und was hat dieser Knabe, Gaṅgādatta, getan, durch dessen eigenes Tun er unter den Menschen verweilen wird?

īśānāḥ sarvalokasya vasavas te ca vai katham mānuṣeṣūdapadyanta tan mamācakṣva jāhnavi

Wie sind die Vasus, die Herrscher über alle Welten, unter den Menschen entstanden? Das erkläre mir, Tochter des Jahnu.

Wort für Wort
īśānāḥ sarvalokasya vasavas te ca vai katham mānuṣeṣūdapadyanta tan mamācakṣva jāhnavi
Wie sind die Vasus, die Herrscher über alle Welten, unter den Menschen entstanden? Das erkläre mir, Tochter des Jahnu.

vaiśaṃpāyana uvāca saivam uktā tato gaṅgā rājānam idam abravīt bhartāraṃ jāhnavī devī śaṃtanuṃ puruṣarṣabham

Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte da Gaṅgā, die Tochter des Jahnu, die Göttin, zu ihrem Gatten, dem König Śaṃtanu, dem Stier unter den Männern, Folgendes:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca saivam uktā tato gaṅgā rājānam idam abravīt bhartāraṃ jāhnavī devī śaṃtanuṃ puruṣarṣabham
Vaiśaṃpāyana sprach: So angesprochen, sagte da Gaṅgā, die Tochter des Jahnu, die Göttin, zu ihrem Gatten, dem König Śaṃtanu, dem Stier unter den Männern, Folgendes:

yaṃ lebhe varuṇaḥ putraṃ purā bharatasattama vasiṣṭho nāma sa muniḥ khyāta āpava ity uta

‚Den Sohn, den Varuṇa einst erlangte, o Bester der Bharatas – jener Weise, mit Namen Vasiṣṭha, ist auch als »Āpava« bekannt.'

Wort für Wort
yaṃ lebhe varuṇaḥ putraṃ purā bharatasattama vasiṣṭho nāma sa muniḥ khyāta āpava ity uta
‚Den Sohn, den Varuṇa einst erlangte, o Bester der Bharatas – jener Weise, mit Namen Vasiṣṭha, ist auch als »Āpava« bekannt.'

tasyāśramapadaṃ puṇyaṃ mṛgapakṣigaṇānvitam meroḥ pārśve nagendrasya sarvartukusumāvṛtam

‚Seine heilige Einsiedelei, von Scharen wilder Tiere und Vögel bevölkert, liegt an der Seite des Bergfürsten Meru, umgeben von Blüten aller Jahreszeiten.'

Wort für Wort
tasyāśramapadaṃ puṇyaṃ mṛgapakṣigaṇānvitam meroḥ pārśve nagendrasya sarvartukusumāvṛtam
‚Seine heilige Einsiedelei, von Scharen wilder Tiere und Vögel bevölkert, liegt an der Seite des Bergfürsten Meru, umgeben von Blüten aller Jahreszeiten.'

sa vāruṇis tapas tepe tasmin bharatasattama vane puṇyakṛtāṃ śreṣṭhaḥ svādumūlaphalodake

‚Dort übte der Sohn Varuṇas, o Bester der Bharatas, der beste der Verdienstvollen, Askese, in jenem Wald mit süßen Wurzeln, Früchten und Wasser.'

Wort für Wort
sa vāruṇis tapas tepe tasmin bharatasattama vane puṇyakṛtāṃ śreṣṭhaḥ svādumūlaphalodake
‚Dort übte der Sohn Varuṇas, o Bester der Bharatas, der beste der Verdienstvollen, Askese, in jenem Wald mit süßen Wurzeln, Früchten und Wasser.'

dakṣasya duhitā yā tu surabhīty atigarvitā gāṃ prajātā tu sā devī kaśyapād bharatarṣabha

‚Die Tochter des Dakṣa aber, hochgerühmt unter dem Namen Surabhi, jene Göttin gebar dem Kaśyapa eine Kuh, o Stier der Bharatas.'

Wort für Wort
dakṣasya duhitā yā tu surabhīty atigarvitā gāṃ prajātā tu sā devī kaśyapād bharatarṣabha
‚Die Tochter des Dakṣa aber, hochgerühmt unter dem Namen Surabhi, jene Göttin gebar dem Kaśyapa eine Kuh, o Stier der Bharatas.'

anugrahārthaṃ jagataḥ sarvakāmadughāṃ varām tāṃ lebhe gāṃ tu dharmātmā homadhenuṃ sa vāruṇiḥ

‚Zum Segen für die Welt erlangte der dharmagesinnte Sohn Varuṇas jene vortreffliche, alle Wünsche erfüllende Kuh als Opferkuh.'

Wort für Wort
anugrahārthaṃ jagataḥ sarvakāmadughāṃ varām tāṃ lebhe gāṃ tu dharmātmā homadhenuṃ sa vāruṇiḥ
‚Zum Segen für die Welt erlangte der dharmagesinnte Sohn Varuṇas jene vortreffliche, alle Wünsche erfüllende Kuh als Opferkuh.'

sā tasmiṃs tāpasāraṇye vasantī munisevite cacāra ramye dharmye ca gaur apetabhayā tadā

‚Sie, die Kuh, in jenem von Asketen bewohnten Wald weilend, wanderte damals furchtlos umher, in dem lieblichen, dharmagemäßen Gebiet.'

Wort für Wort
sā tasmiṃs tāpasāraṇye vasantī munisevite cacāra ramye dharmye ca gaur apetabhayā tadā
‚Sie, die Kuh, in jenem von Asketen bewohnten Wald weilend, wanderte damals furchtlos umher, in dem lieblichen, dharmagemäßen Gebiet.'

atha tad vanam ājagmuḥ kadā cid bharatarṣabha pṛthvādyā vasavaḥ sarve devadevarṣisevitam

‚Einst nun kamen alle Vasus, mit Pṛthu an ihrer Spitze, o Stier der Bharatas, in jenen von Göttern und Sehern besuchten Wald.'

Wort für Wort
atha tad vanam ājagmuḥ kadā cid bharatarṣabha pṛthvādyā vasavaḥ sarve devadevarṣisevitam
‚Einst nun kamen alle Vasus, mit Pṛthu an ihrer Spitze, o Stier der Bharatas, in jenen von Göttern und Sehern besuchten Wald.'

te sadārā vanaṃ tac ca vyacaranta samantataḥ remire ramaṇīyeṣu parvateṣu vaneṣu ca

‚Sie durchstreiften, samt ihren Gattinnen, jenen Wald nach allen Seiten und vergnügten sich auf den lieblichen Bergen und in den Wäldern.'

Wort für Wort
te sadārā vanaṃ tac ca vyacaranta samantataḥ remire ramaṇīyeṣu parvateṣu vaneṣu ca
‚Sie durchstreiften, samt ihren Gattinnen, jenen Wald nach allen Seiten und vergnügten sich auf den lieblichen Bergen und in den Wäldern.'

tatraikasya tu bhāryā vai vasor vāsavavikrama sā carantī vane tasmin gāṃ dadarśa sumadhyamā yā sā vasiṣṭhasya muneḥ sarvakāmadhug uttamā

‚Dort erblickte die Gattin eines der Vasus, o Indra-gleicher an Tapferkeit, die schöngegürtete, während sie in jenem Wald umherging, jene beste, allwunscherfüllende Kuh des Weisen Vasiṣṭha.'

Wort für Wort
tatraikasya tu bhāryā vai vasor vāsavavikrama sā carantī vane tasmin gāṃ dadarśa sumadhyamā yā sā vasiṣṭhasya muneḥ sarvakāmadhug uttamā
‚Dort erblickte die Gattin eines der Vasus, o Indra-gleicher an Tapferkeit, die schöngegürtete, während sie in jenem Wald umherging, jene beste, allwunscherfüllende Kuh des Weisen Vasiṣṭha.'

sā vismayasamāviṣṭā śīladraviṇasaṃpadā dive vai darśayām āsa tāṃ gāṃ govṛṣabhekṣaṇa

‚Von Staunen erfüllt über die Fülle ihrer guten Eigenschaften und ihres Wertes, zeigte sie, du mit den Augen eines Stieres, dem Dyaus jene Kuh.'

Wort für Wort
sā vismayasamāviṣṭā śīladraviṇasaṃpadā dive vai darśayām āsa tāṃ gāṃ govṛṣabhekṣaṇa
‚Von Staunen erfüllt über die Fülle ihrer guten Eigenschaften und ihres Wertes, zeigte sie, du mit den Augen eines Stieres, dem Dyaus jene Kuh.'

svāpīnāṃ ca sudogdhrīṃ ca suvāladhimukhāṃ śubhām upapannāṃ guṇaiḥ sarvaiḥ śīlenānuttamena ca

‚Wohlgenährt, leicht zu melken, mit schönem Schwanz und Antlitz, gesegnet mit allen guten Eigenschaften und unübertrefflichem Wesen.'

Wort für Wort
svāpīnāṃ ca sudogdhrīṃ ca suvāladhimukhāṃ śubhām upapannāṃ guṇaiḥ sarvaiḥ śīlenānuttamena ca
‚Wohlgenährt, leicht zu melken, mit schönem Schwanz und Antlitz, gesegnet mit allen guten Eigenschaften und unübertrefflichem Wesen.'

evaṃguṇasamāyuktāṃ vasave vasunandinī darśayām āsa rājendra purā pauravanandana

‚So mit Eigenschaften ausgestattet, zeigte, o König der Könige, Freude des Paurava-Geschlechts, jene den Vasu erfreuende Gattin sie ihrem Gatten.'

Wort für Wort
evaṃguṇasamāyuktāṃ vasave vasunandinī darśayām āsa rājendra purā pauravanandana
‚So mit Eigenschaften ausgestattet, zeigte, o König der Könige, Freude des Paurava-Geschlechts, jene den Vasu erfreuende Gattin sie ihrem Gatten.'

dyaus tadā tāṃ tu dṛṣṭvaiva gāṃ gajendrendravikrama uvāca rājaṃs tāṃ devīṃ tasyā rūpaguṇān vadan

‚Dyaus, kaum die Kuh erblickt, o an Kraft dem Elefantenfürsten und Indra gleicher König, sprach zu jener Göttin, von deren Schönheit und Eigenschaften redend:'

Wort für Wort
dyaus tadā tāṃ tu dṛṣṭvaiva gāṃ gajendrendravikrama uvāca rājaṃs tāṃ devīṃ tasyā rūpaguṇān vadan
‚Dyaus, kaum die Kuh erblickt, o an Kraft dem Elefantenfürsten und Indra gleicher König, sprach zu jener Göttin, von deren Schönheit und Eigenschaften redend:'

eṣā gaur uttamā devi vāruṇer asitekṣaṇe ṛṣes tasya varārohe yasyedaṃ vanam uttamam

‚Dies ist die beste Kuh, Göttin, o Dunkeläugige, des Sohnes Varuṇas, jenes Sehers, du Schönhüftige, dem dieser herrliche Wald gehört.'

Wort für Wort
eṣā gaur uttamā devi vāruṇer asitekṣaṇe ṛṣes tasya varārohe yasyedaṃ vanam uttamam
‚Dies ist die beste Kuh, Göttin, o Dunkeläugige, des Sohnes Varuṇas, jenes Sehers, du Schönhüftige, dem dieser herrliche Wald gehört.'

asyāḥ kṣīraṃ piben martyaḥ svādu yo vai sumadhyame daśa varṣasahasrāṇi sa jīvet sthirayauvanaḥ

‚Wer, o Schöngegürtete, deren süße Milch trinkt, ein Sterblicher, der wird zehntausend Jahre leben, in beständiger Jugend.'

Wort für Wort
asyāḥ kṣīraṃ piben martyaḥ svādu yo vai sumadhyame daśa varṣasahasrāṇi sa jīvet sthirayauvanaḥ
‚Wer, o Schöngegürtete, deren süße Milch trinkt, ein Sterblicher, der wird zehntausend Jahre leben, in beständiger Jugend.'

etac chrutvā tu sā devī nṛpottama sumadhyamā tam uvācānavadyāṅgī bhartāraṃ dīptatejasam

‚Als sie dies hörte, o bester der Könige, sprach jene schöngegürtete, makellose Göttin zu ihrem glanzvollen Gatten:'

Wort für Wort
etac chrutvā tu sā devī nṛpottama sumadhyamā tam uvācānavadyāṅgī bhartāraṃ dīptatejasam
‚Als sie dies hörte, o bester der Könige, sprach jene schöngegürtete, makellose Göttin zu ihrem glanzvollen Gatten:'

asti me mānuṣe loke naradevātmajā sakhī nāmnā jinavatī nāma rūpayauvanaśālinī

‚Ich habe in der Menschenwelt eine Freundin, die Tochter eines Menschenkönigs, mit Namen Jinavatī, reich an Schönheit und Jugend.'

Wort für Wort
asti me mānuṣe loke naradevātmajā sakhī nāmnā jinavatī nāma rūpayauvanaśālinī
‚Ich habe in der Menschenwelt eine Freundin, die Tochter eines Menschenkönigs, mit Namen Jinavatī, reich an Schönheit und Jugend.'

uśīnarasya rājarṣeḥ satyasaṃdhasya dhīmataḥ duhitā prathitā loke mānuṣe rūpasaṃpadā

‚Sie ist die Tochter des königlichen Weisen Uśīnara, des wahrhaftigen und weisen, berühmt in der Menschenwelt durch die Fülle ihrer Schönheit.'

Wort für Wort
uśīnarasya rājarṣeḥ satyasaṃdhasya dhīmataḥ duhitā prathitā loke mānuṣe rūpasaṃpadā
‚Sie ist die Tochter des königlichen Weisen Uśīnara, des wahrhaftigen und weisen, berühmt in der Menschenwelt durch die Fülle ihrer Schönheit.'

tasyā hetor mahābhāga savatsāṃ gāṃ mamepsitām ānayasvāmaraśreṣṭha tvaritaṃ puṇyavardhana

‚Um ihretwillen, du Hochgesegneter, bringe mir diese von mir begehrte Kuh samt ihrem Kalb, du Bester der Unsterblichen, eilends, du Mehrer des Verdienstes.'

Wort für Wort
tasyā hetor mahābhāga savatsāṃ gāṃ mamepsitām ānayasvāmaraśreṣṭha tvaritaṃ puṇyavardhana
‚Um ihretwillen, du Hochgesegneter, bringe mir diese von mir begehrte Kuh samt ihrem Kalb, du Bester der Unsterblichen, eilends, du Mehrer des Verdienstes.'

yāvad asyāḥ payaḥ pītvā sā sakhī mama mānada mānuṣeṣu bhavatv ekā jarārogavivarjitā

‚Auf dass jene meine Freundin, deren Milch trinkend, o Ehrengeber, allein unter den Menschen frei von Alter und Krankheit sei.'

Wort für Wort
yāvad asyāḥ payaḥ pītvā sā sakhī mama mānada mānuṣeṣu bhavatv ekā jarārogavivarjitā
‚Auf dass jene meine Freundin, deren Milch trinkend, o Ehrengeber, allein unter den Menschen frei von Alter und Krankheit sei.'

etan mama mahābhāga kartum arhasy anindita priyaṃ priyataraṃ hy asmān nāsti me 'nyat kathaṃ cana

‚Dies, du Hochgesegneter, Untadeliger, mögest du mir zuliebe tun; nichts ist mir lieber als dies, nichts anderes begehre ich in irgendeiner Weise.'

Wort für Wort
etan mama mahābhāga kartum arhasy anindita priyaṃ priyataraṃ hy asmān nāsti me 'nyat kathaṃ cana
‚Dies, du Hochgesegneter, Untadeliger, mögest du mir zuliebe tun; nichts ist mir lieber als dies, nichts anderes begehre ich in irgendeiner Weise.'

etac chrutvā vacas tasyā devyāḥ priyacikīrṣayā pṛthvādyair bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ dyaus tadā tāṃ jahāra gām

Als er diese Worte der Göttin hörte, raubte Dyaus, aus Wunsch, ihr zu gefallen, damals, zusammen mit seinen Brüdern, angeführt von Pṛthu, jene Kuh.

Wort für Wort
etac chrutvā vacas tasyā devyāḥ priyacikīrṣayā pṛthvādyair bhrātṛbhiḥ sārdhaṃ dyaus tadā tāṃ jahāra gām
Als er diese Worte der Göttin hörte, raubte Dyaus, aus Wunsch, ihr zu gefallen, damals, zusammen mit seinen Brüdern, angeführt von Pṛthu, jene Kuh.

tayā kamalapatrākṣyā niyukto dyaus tadā nṛpa ṛṣes tasya tapas tīvraṃ na śaśāka nirīkṣitum hṛtā gauḥ sā tadā tena prapātas tu na tarkitaḥ

Von jener Lotusäugigen dazu veranlasst, o König, vermochte Dyaus die strenge Askese jenes Sehers nicht zu bedenken; so raubte er die Kuh, ohne den drohenden Sturz ins Menschsein zu bedenken.

Wort für Wort
tayā kamalapatrākṣyā niyukto dyaus tadā nṛpa ṛṣes tasya tapas tīvraṃ na śaśāka nirīkṣitum hṛtā gauḥ sā tadā tena prapātas tu na tarkitaḥ
Von jener Lotusäugigen dazu veranlasst, o König, vermochte Dyaus die strenge Askese jenes Sehers nicht zu bedenken; so raubte er die Kuh, ohne den drohenden Sturz ins Menschsein zu bedenken.

athāśramapadaṃ prāptaḥ phalāny ādāya vāruṇiḥ na cāpaśyata gāṃ tatra savatsāṃ kānanottame

Als der Sohn Varuṇas dann, Früchte tragend, zu seiner Einsiedelei zurückkehrte, sah er dort die Kuh samt ihrem Kalb nicht mehr in dem prächtigen Wald.

Wort für Wort
athāśramapadaṃ prāptaḥ phalāny ādāya vāruṇiḥ na cāpaśyata gāṃ tatra savatsāṃ kānanottame
Als der Sohn Varuṇas dann, Früchte tragend, zu seiner Einsiedelei zurückkehrte, sah er dort die Kuh samt ihrem Kalb nicht mehr in dem prächtigen Wald.

tataḥ sa mṛgayām āsa vane tasmiṃs tapodhanaḥ nādhyagacchac ca mṛgayaṃs tāṃ gāṃ munir udāradhīḥ

Da suchte er, der Askesereiche, in jenem Wald danach; doch fand der hochgesinnte Weise, so suchend, die Kuh nicht.

Wort für Wort
tataḥ sa mṛgayām āsa vane tasmiṃs tapodhanaḥ nādhyagacchac ca mṛgayaṃs tāṃ gāṃ munir udāradhīḥ
Da suchte er, der Askesereiche, in jenem Wald danach; doch fand der hochgesinnte Weise, so suchend, die Kuh nicht.

jñātvā tathāpanītāṃ tāṃ vasubhir divyadarśanaḥ yayau krodhavaśaṃ sadyaḥ śaśāpa ca vasūṃs tadā

Als er mit seinem göttlichen Blick erkannte, dass sie so von den Vasus fortgeführt worden war, geriet er alsbald in die Gewalt des Zorns und verfluchte da die Vasus:

Wort für Wort
jñātvā tathāpanītāṃ tāṃ vasubhir divyadarśanaḥ yayau krodhavaśaṃ sadyaḥ śaśāpa ca vasūṃs tadā
Als er mit seinem göttlichen Blick erkannte, dass sie so von den Vasus fortgeführt worden war, geriet er alsbald in die Gewalt des Zorns und verfluchte da die Vasus:

yasmān me vasavo jahrur gāṃ vai dogdhrīṃ suvāladhim tasmāt sarve janiṣyanti mānuṣeṣu na saṃśayaḥ

‚Weil die Vasus mir meine milchgebende, schönschwänzige Kuh geraubt haben, darum werden sie alle unter den Menschen geboren werden, ohne Zweifel.'

Wort für Wort
yasmān me vasavo jahrur gāṃ vai dogdhrīṃ suvāladhim tasmāt sarve janiṣyanti mānuṣeṣu na saṃśayaḥ
‚Weil die Vasus mir meine milchgebende, schönschwänzige Kuh geraubt haben, darum werden sie alle unter den Menschen geboren werden, ohne Zweifel.'

evaṃ śaśāpa bhagavān vasūṃs tān munisattamaḥ vaśaṃ kopasya saṃprāpta āpavo bharatarṣabha

So verfluchte der erhabene, beste der Weisen, Āpava, in die Gewalt des Zorns geraten, jene Vasus, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
evaṃ śaśāpa bhagavān vasūṃs tān munisattamaḥ vaśaṃ kopasya saṃprāpta āpavo bharatarṣabha
So verfluchte der erhabene, beste der Weisen, Āpava, in die Gewalt des Zorns geraten, jene Vasus, o Stier der Bharatas.

śaptvā ca tān mahābhāgas tapasy eva mano dadhe evaṃ sa śaptavān rājan vasūn aṣṭau tapodhanaḥ mahāprabhāvo brahmarṣir devān roṣasamanvitaḥ

Nachdem er sie verflucht hatte, richtete der Hochgesegnete seinen Sinn wieder auf die Askese. So verfluchte, o König, jener askesereiche, hochmächtige Brahmanenweise, von Zorn erfüllt, die acht Vasu-Götter.

Wort für Wort
śaptvā ca tān mahābhāgas tapasy eva mano dadhe evaṃ sa śaptavān rājan vasūn aṣṭau tapodhanaḥ mahāprabhāvo brahmarṣir devān roṣasamanvitaḥ
Nachdem er sie verflucht hatte, richtete der Hochgesegnete seinen Sinn wieder auf die Askese. So verfluchte, o König, jener askesereiche, hochmächtige Brahmanenweise, von Zorn erfüllt, die acht Vasu-Götter.

athāśramapadaṃ prāpya taṃ sma bhūyo mahātmanaḥ śaptāḥ sma iti jānanta ṛṣiṃ tam upacakramuḥ

Als sie dann zur Einsiedelei jenes Hochherzigen zurückkehrten und erkannten, dass sie verflucht worden waren, näherten sie sich jenem Seher.

Wort für Wort
athāśramapadaṃ prāpya taṃ sma bhūyo mahātmanaḥ śaptāḥ sma iti jānanta ṛṣiṃ tam upacakramuḥ
Als sie dann zur Einsiedelei jenes Hochherzigen zurückkehrten und erkannten, dass sie verflucht worden waren, näherten sie sich jenem Seher.

prasādayantas tam ṛṣiṃ vasavaḥ pārthivarṣabha na lebhire ca tasmāt te prasādam ṛṣisattamāt āpavāt puruṣavyāghra sarvadharmaviśāradāt

Die Vasus versuchten, den Seher zu besänftigen, o Stier unter den Fürsten, doch erlangten sie von jenem besten der Seher, Āpava, dem in allem Dharma Bewanderten, o Tiger unter den Männern, keine Gnade.

Wort für Wort
prasādayantas tam ṛṣiṃ vasavaḥ pārthivarṣabha na lebhire ca tasmāt te prasādam ṛṣisattamāt āpavāt puruṣavyāghra sarvadharmaviśāradāt
Die Vasus versuchten, den Seher zu besänftigen, o Stier unter den Fürsten, doch erlangten sie von jenem besten der Seher, Āpava, dem in allem Dharma Bewanderten, o Tiger unter den Männern, keine Gnade.

uvāca ca sa dharmātmā sapta yūyaṃ dharādayaḥ anu saṃvatsarāc chāpamokṣaṃ vai samavāpsyatha

Und jener Dharmagesinnte sprach: ‚Ihr sieben, mit Dhara beginnend, werdet nach nur einem Jahr die Befreiung vom Fluch erlangen.'

Wort für Wort
uvāca ca sa dharmātmā sapta yūyaṃ dharādayaḥ anu saṃvatsarāc chāpamokṣaṃ vai samavāpsyatha
Und jener Dharmagesinnte sprach: ‚Ihr sieben, mit Dhara beginnend, werdet nach nur einem Jahr die Befreiung vom Fluch erlangen.'

ayaṃ tu yatkṛte yūyaṃ mayā śaptāḥ sa vatsyati dyaus tadā mānuṣe loke dīrghakālaṃ svakarmaṇā

‚Doch dieser, um dessentwillen ihr von mir verflucht worden seid, Dyaus, wird für lange Zeit in der Menschenwelt verweilen, durch seine eigene Tat.'

Wort für Wort
ayaṃ tu yatkṛte yūyaṃ mayā śaptāḥ sa vatsyati dyaus tadā mānuṣe loke dīrghakālaṃ svakarmaṇā
‚Doch dieser, um dessentwillen ihr von mir verflucht worden seid, Dyaus, wird für lange Zeit in der Menschenwelt verweilen, durch seine eigene Tat.'

nānṛtaṃ tac cikīrṣāmi yuṣmān kruddho yad abruvam na prajāsyati cāpy eṣa mānuṣeṣu mahāmanāḥ

‚Nicht will ich zur Unwahrheit machen, was ich im Zorn zu euch gesagt habe; doch wird dieser Hochgesinnte unter den Menschen keine Nachkommenschaft zeugen.'

Wort für Wort
nānṛtaṃ tac cikīrṣāmi yuṣmān kruddho yad abruvam na prajāsyati cāpy eṣa mānuṣeṣu mahāmanāḥ
‚Nicht will ich zur Unwahrheit machen, was ich im Zorn zu euch gesagt habe; doch wird dieser Hochgesinnte unter den Menschen keine Nachkommenschaft zeugen.'

bhaviṣyati ca dharmātmā sarvaśāstraviśāradaḥ pituḥ priyahite yuktaḥ strībhogān varjayiṣyati evam uktvā vasūn sarvāñ jagāma bhagavān ṛṣiḥ

‚Und er wird dharmagesinnt sein, in allen Lehrschriften bewandert, dem Wohl und Wunsch seines Vaters zugetan, und wird die Freuden der Frauen meiden.' So zu allen Vasus gesprochen habend, ging der erhabene Seher fort.

Wort für Wort
bhaviṣyati ca dharmātmā sarvaśāstraviśāradaḥ pituḥ priyahite yuktaḥ strībhogān varjayiṣyati evam uktvā vasūn sarvāñ jagāma bhagavān ṛṣiḥ
‚Und er wird dharmagesinnt sein, in allen Lehrschriften bewandert, dem Wohl und Wunsch seines Vaters zugetan, und wird die Freuden der Frauen meiden.' So zu allen Vasus gesprochen habend, ging der erhabene Seher fort.

tato mām upajagmus te samastā vasavas tadā ayācanta ca māṃ rājan varaṃ sa ca mayā kṛtaḥ jātāñ jātān prakṣipāsmān svayaṃ gaṅge tvam ambhasi

Da kamen all jene Vasus zu mir und baten mich, o König, um eine Gunst; und diese wurde von mir erfüllt: ‚Wirf uns selbst, sobald wir geboren sind, du Gaṅgā, ins Wasser.'

Wort für Wort
tato mām upajagmus te samastā vasavas tadā ayācanta ca māṃ rājan varaṃ sa ca mayā kṛtaḥ jātāñ jātān prakṣipāsmān svayaṃ gaṅge tvam ambhasi
Da kamen all jene Vasus zu mir und baten mich, o König, um eine Gunst; und diese wurde von mir erfüllt: ‚Wirf uns selbst, sobald wir geboren sind, du Gaṅgā, ins Wasser.'

evaṃ teṣām ahaṃ samyak śaptānāṃ rājasattama mokṣārthaṃ mānuṣāl lokād yathāvat kṛtavaty aham

So habe ich, o bester der Könige, für jene, die rechtmäßig verflucht worden waren, zu ihrer Erlösung aus der Menschenwelt gebührend gehandelt.

Wort für Wort
evaṃ teṣām ahaṃ samyak śaptānāṃ rājasattama mokṣārthaṃ mānuṣāl lokād yathāvat kṛtavaty aham
So habe ich, o bester der Könige, für jene, die rechtmäßig verflucht worden waren, zu ihrer Erlösung aus der Menschenwelt gebührend gehandelt.

ayaṃ śāpād ṛṣes tasya eka eva nṛpottama dyau rājan mānuṣe loke ciraṃ vatsyati bhārata

Allein dieser, Dyaus, wird infolge des Fluches jenes Sehers, o bester der Könige, lange Zeit in der Menschenwelt verweilen, o Bhārata.

Wort für Wort
ayaṃ śāpād ṛṣes tasya eka eva nṛpottama dyau rājan mānuṣe loke ciraṃ vatsyati bhārata
Allein dieser, Dyaus, wird infolge des Fluches jenes Sehers, o bester der Könige, lange Zeit in der Menschenwelt verweilen, o Bhārata.

etad ākhyāya sā devī tatraivāntaradhīyata ādāya ca kumāraṃ taṃ jagāmātha yathepsitam

Nachdem sie dies verkündet hatte, verschwand die Göttin eben dort; und den Knaben mitnehmend, ging sie fort, wohin es ihr beliebte.

Wort für Wort
etad ākhyāya sā devī tatraivāntaradhīyata ādāya ca kumāraṃ taṃ jagāmātha yathepsitam
Nachdem sie dies verkündet hatte, verschwand die Göttin eben dort; und den Knaben mitnehmend, ging sie fort, wohin es ihr beliebte.

sa tu devavrato nāma gāṅgeya iti cābhavat dvināmā śaṃtanoḥ putraḥ śaṃtanor adhiko guṇaiḥ

Er aber, mit Namen Devavrata, wurde auch Gāṅgeya (‚Sohn der Gaṅgā') genannt – zweifach benannt, Śaṃtanus Sohn, an Tugenden Śaṃtanu selbst überlegen.

Wort für Wort
sa tu devavrato nāma gāṅgeya iti cābhavat dvināmā śaṃtanoḥ putraḥ śaṃtanor adhiko guṇaiḥ
Er aber, mit Namen Devavrata, wurde auch Gāṅgeya (‚Sohn der Gaṅgā') genannt – zweifach benannt, Śaṃtanus Sohn, an Tugenden Śaṃtanu selbst überlegen.

śaṃtanuś cāpi śokārto jagāma svapuraṃ tataḥ tasyāhaṃ kīrtayiṣyāmi śaṃtanor amitān guṇān

Auch Śaṃtanu, von Kummer gequält, kehrte darauf in seine eigene Stadt zurück. Von ihm werde ich nun die unermesslichen Tugenden Śaṃtanus verkünden,

Wort für Wort
śaṃtanuś cāpi śokārto jagāma svapuraṃ tataḥ tasyāhaṃ kīrtayiṣyāmi śaṃtanor amitān guṇān
Auch Śaṃtanu, von Kummer gequält, kehrte darauf in seine eigene Stadt zurück. Von ihm werde ich nun die unermesslichen Tugenden Śaṃtanus verkünden,

mahābhāgyaṃ ca nṛpater bhāratasya yaśasvinaḥ yasyetihāso dyutimān mahābhāratam ucyate

und das große Glück des ruhmreichen, dem Bharata-Geschlecht entstammenden Königs, dessen glanzvolle Geschichte ‚Mahābhārata' genannt wird.

Wort für Wort
mahābhāgyaṃ ca nṛpater bhāratasya yaśasvinaḥ yasyetihāso dyutimān mahābhāratam ucyate
und das große Glück des ruhmreichen, dem Bharata-Geschlecht entstammenden Königs, dessen glanzvolle Geschichte ‚Mahābhārata' genannt wird.

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