Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 109: Kiṃdamamunivadhaḥ Die Tötung des Muni Kiṃdama und der Fluch über Pāṇḍu

Auf Janamejayas Bitte um die Geburtsgeschichte der Pāṇḍavas erzählt Vaiśaṃpāyana den Ursprung des Verhängnisses: Auf der Jagd erschießt Pāṇḍu ein sich paarendes Hirschpaar – tatsächlich der Muni Kiṃdama und seine Gattin, die sich aus Scham in Hirschgestalt vereinigt hatten. Sterbend hält der Muni Pāṇḍu in einem langen Streitgespräch die Grausamkeit seiner Tat vor und verflucht ihn: Pāṇḍu werde sterben, sobald er sich das nächste Mal in Liebe mit einer Frau vereinige.

janamejaya uvāca kathito dhārtarāṣṭrāṇām ārṣaḥ saṃbhava uttamaḥ amānuṣo mānuṣāṇāṃ bhavatā brahmavittama

Janamejaya sprach: Erzählt hast du, o bester Kenner des Veda, die erhabene, von einem Ṛṣi bewirkte, geradezu übermenschliche Abkunft der Dhārtarāṣṭras unter den Menschen.

Wort für Wort
janamejaya uvāca kathito dhārtarāṣṭrāṇām ārṣaḥ saṃbhava uttamaḥ amānuṣo mānuṣāṇāṃ bhavatā brahmavittama
Janamejaya sprach: Erzählt hast du, o bester Kenner des Veda, die erhabene, von einem Ṛṣi bewirkte, geradezu übermenschliche Abkunft der Dhārtarāṣṭras unter den Menschen.

nāmadheyāni cāpy eṣāṃ kathyamānāni bhāgaśaḥ tvattaḥ śrutāni me brahman pāṇḍavānāṃ tu kīrtaya

Auch ihre Namen, einzeln aufgezählt, habe ich von dir gehört, o Brahmane; verkünde mir nun die der Pāṇḍavas.

Wort für Wort
nāmadheyāni cāpy eṣāṃ kathyamānāni bhāgaśaḥ tvattaḥ śrutāni me brahman pāṇḍavānāṃ tu kīrtaya
Auch ihre Namen, einzeln aufgezählt, habe ich von dir gehört, o Brahmane; verkünde mir nun die der Pāṇḍavas.

te hi sarve mahātmāno devarājaparākramāḥ tvayaivāṃśāvataraṇe devabhāgāḥ prakīrtitāḥ

Denn sie alle, die Hochgesinnten, an Kraft dem König der Götter gleich, wurden von dir selbst schon in der Aṃśāvataraṇa als Anteile der Götter verkündet.

Wort für Wort
te hi sarve mahātmāno devarājaparākramāḥ tvayaivāṃśāvataraṇe devabhāgāḥ prakīrtitāḥ
Denn sie alle, die Hochgesinnten, an Kraft dem König der Götter gleich, wurden von dir selbst schon in der Aṃśāvataraṇa als Anteile der Götter verkündet.

tasmād icchāmy ahaṃ śrotum atimānuṣakarmaṇām teṣām ājananaṃ sarvaṃ vaiśaṃpāyana kīrtaya

Darum wünsche ich zu hören: verkünde, o Vaiśaṃpāyana, die ganze Geburt derer, deren Taten übermenschlich sind.

Wort für Wort
tasmād icchāmy ahaṃ śrotum atimānuṣakarmaṇām teṣām ājananaṃ sarvaṃ vaiśaṃpāyana kīrtaya
Darum wünsche ich zu hören: verkünde, o Vaiśaṃpāyana, die ganze Geburt derer, deren Taten übermenschlich sind.

vaiśaṃpāyana uvāca rājā pāṇḍur mahāraṇye mṛgavyālaniṣevite vane maithunakālasthaṃ dadarśa mṛgayūthapam

Vaiśaṃpāyana sprach: König Pāṇḍu erblickte im großen, von wilden Tieren und Schlangen bewohnten Wald den Leithirsch einer Hirschherde, wie er sich zur Paarungszeit mit seiner Hirschkuh vereinigte.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca rājā pāṇḍur mahāraṇye mṛgavyālaniṣevite vane maithunakālasthaṃ dadarśa mṛgayūthapam
Vaiśaṃpāyana sprach: König Pāṇḍu erblickte im großen, von wilden Tieren und Schlangen bewohnten Wald den Leithirsch einer Hirschherde, wie er sich zur Paarungszeit mit seiner Hirschkuh vereinigte.

tatas tāṃ ca mṛgīṃ taṃ ca rukmapuṅkhaiḥ supatribhiḥ nirbibheda śarais tīkṣṇaiḥ pāṇḍuḥ pañcabhir āśugaiḥ

Da durchbohrte Pāṇḍu sowohl die Hirschkuh als auch ihn mit fünf goldbefiederten, wohlgefiederten, scharfen, schnellfliegenden Pfeilen.

Wort für Wort
tatas tāṃ ca mṛgīṃ taṃ ca rukmapuṅkhaiḥ supatribhiḥ nirbibheda śarais tīkṣṇaiḥ pāṇḍuḥ pañcabhir āśugaiḥ
Da durchbohrte Pāṇḍu sowohl die Hirschkuh als auch ihn mit fünf goldbefiederten, wohlgefiederten, scharfen, schnellfliegenden Pfeilen.

sa ca rājan mahātejā ṛṣiputras tapodhanaḥ bhāryayā saha tejasvī mṛgarūpeṇa saṃgataḥ

Er aber, o König, war der glanzvolle Sohn eines Ṛṣi, von großer Macht, reich an Askese, der sich mit seiner Gattin in Hirschgestalt vereinigt hatte.

Wort für Wort
sa ca rājan mahātejā ṛṣiputras tapodhanaḥ bhāryayā saha tejasvī mṛgarūpeṇa saṃgataḥ
Er aber, o König, war der glanzvolle Sohn eines Ṛṣi, von großer Macht, reich an Askese, der sich mit seiner Gattin in Hirschgestalt vereinigt hatte.

saṃsaktas tu tayā mṛgyā mānuṣīm īrayan giram kṣaṇena patito bhūmau vilalāpākulendriyaḥ

Mit jener Hirschkuh vereint, eine menschliche Stimme erhebend, fiel er binnen eines Augenblicks zu Boden und wehklagte mit verwirrten Sinnen.

Wort für Wort
saṃsaktas tu tayā mṛgyā mānuṣīm īrayan giram kṣaṇena patito bhūmau vilalāpākulendriyaḥ
Mit jener Hirschkuh vereint, eine menschliche Stimme erhebend, fiel er binnen eines Augenblicks zu Boden und wehklagte mit verwirrten Sinnen.

mṛga uvāca kāmamanyuparītāpi buddhyaṅgarahitāpi ca varjayanti nṛśaṃsāni pāpeṣv abhiratā narāḥ

Der Hirsch sprach: Selbst von Begierde und Zorn Ergriffene, selbst der Klugheit gänzlich Beraubte – selbst Männer, die an Sünde Gefallen finden, meiden grausame Taten.

Wort für Wort
mṛga uvāca kāmamanyuparītāpi buddhyaṅgarahitāpi ca varjayanti nṛśaṃsāni pāpeṣv abhiratā narāḥ
Der Hirsch sprach: Selbst von Begierde und Zorn Ergriffene, selbst der Klugheit gänzlich Beraubte – selbst Männer, die an Sünde Gefallen finden, meiden grausame Taten.

na vidhiṃ grasate prajñā prajñāṃ tu grasate vidhiḥ vidhiparyāgatān arthān prajñā na pratipadyate

Nicht verschlingt Klugheit das Schicksal, doch das Schicksal verschlingt die Klugheit; die vom Schicksal bestimmten Dinge erfasst die Klugheit nicht.

Wort für Wort
na vidhiṃ grasate prajñā prajñāṃ tu grasate vidhiḥ vidhiparyāgatān arthān prajñā na pratipadyate
Nicht verschlingt Klugheit das Schicksal, doch das Schicksal verschlingt die Klugheit; die vom Schicksal bestimmten Dinge erfasst die Klugheit nicht.

śaśvaddharmātmanāṃ mukhye kule jātasya bhārata kāmalobhābhibhūtasya kathaṃ te calitā matiḥ

Wie konnte dir, o Bhārata, der du in einem erstrangigen Geschlecht von je frommgesinnten Männern geboren bist, von Begierde und Gier überwältigt, der Verstand wanken?

Wort für Wort
śaśvaddharmātmanāṃ mukhye kule jātasya bhārata kāmalobhābhibhūtasya kathaṃ te calitā matiḥ
Wie konnte dir, o Bhārata, der du in einem erstrangigen Geschlecht von je frommgesinnten Männern geboren bist, von Begierde und Gier überwältigt, der Verstand wanken?

pāṇḍur uvāca śatrūṇāṃ yā vadhe vṛttiḥ sā mṛgāṇāṃ vadhe smṛtā rājñāṃ mṛga na māṃ mohāt tvaṃ garhayitum arhasi

Pāṇḍu sprach: Was für Feinde die Weise der Tötung ist, dieselbe gilt, wie überliefert, für Könige bei der Tötung von Wild, o Hirsch; du solltest mich nicht aus Verblendung tadeln.

Wort für Wort
pāṇḍur uvāca śatrūṇāṃ yā vadhe vṛttiḥ sā mṛgāṇāṃ vadhe smṛtā rājñāṃ mṛga na māṃ mohāt tvaṃ garhayitum arhasi
Pāṇḍu sprach: Was für Feinde die Weise der Tötung ist, dieselbe gilt, wie überliefert, für Könige bei der Tötung von Wild, o Hirsch; du solltest mich nicht aus Verblendung tadeln.

acchadmanāmāyayā ca mṛgāṇāṃ vadha iṣyate sa eva dharmo rājñāṃ tu tad vidvān kiṃ nu garhase

Ohne Trug und ohne List wird das Töten von Wild gebilligt; eben dies ist die Pflicht der Könige – warum tadelst du es also, obwohl du es weißt?

Wort für Wort
acchadmanāmāyayā ca mṛgāṇāṃ vadha iṣyate sa eva dharmo rājñāṃ tu tad vidvān kiṃ nu garhase
Ohne Trug und ohne List wird das Töten von Wild gebilligt; eben dies ist die Pflicht der Könige – warum tadelst du es also, obwohl du es weißt?

agastyaḥ satram āsīnaś cacāra mṛgayām ṛṣiḥ āraṇyān sarvadaivatyān mṛgān prokṣya mahāvane

Der Ṛṣi Agastya, während eines Opfersitzes weilend, betrieb die Jagd, nachdem er die wilden, allen Göttern geweihten Tiere im großen Wald [dem Opfer] geweiht hatte.

Wort für Wort
agastyaḥ satram āsīnaś cacāra mṛgayām ṛṣiḥ āraṇyān sarvadaivatyān mṛgān prokṣya mahāvane
Der Ṛṣi Agastya, während eines Opfersitzes weilend, betrieb die Jagd, nachdem er die wilden, allen Göttern geweihten Tiere im großen Wald [dem Opfer] geweiht hatte.

pramāṇadṛṣṭadharmeṇa katham asmān vigarhase agastyasyābhicāreṇa yuṣmākaṃ vai vapā hutā

Wie kannst du uns tadeln, da dies doch durch maßgebliche Autoritäten als Recht erkannt ist? Durch Agastyas Opferhandlung wurde ja auch das Fett eurer Art dargebracht.

Wort für Wort
pramāṇadṛṣṭadharmeṇa katham asmān vigarhase agastyasyābhicāreṇa yuṣmākaṃ vai vapā hutā
Wie kannst du uns tadeln, da dies doch durch maßgebliche Autoritäten als Recht erkannt ist? Durch Agastyas Opferhandlung wurde ja auch das Fett eurer Art dargebracht.

mṛga uvāca na ripūn vai samuddiśya vimuñcanti purā śarān randhra eṣāṃ viśeṣeṇa vadhakālaḥ praśasyate

Der Hirsch sprach: Nicht schießt man Pfeile gegen zuvor benannte Feinde ab; als deren Tötungszeit wird insbesondere allein eine [offene] Blöße gepriesen.

Wort für Wort
mṛga uvāca na ripūn vai samuddiśya vimuñcanti purā śarān randhra eṣāṃ viśeṣeṇa vadhakālaḥ praśasyate
Der Hirsch sprach: Nicht schießt man Pfeile gegen zuvor benannte Feinde ab; als deren Tötungszeit wird insbesondere allein eine [offene] Blöße gepriesen.

[Anm.: Knapp formulierter Einwand – gemeint scheint: anders als im offenen Kampf gegen erklärte Feinde, die bei einer erkennbaren Schwachstelle angegriffen werden, überfiel Pāṇḍu den Hirsch gerade in dessen verletzlichstem, intimstem Augenblick.]

pāṇḍur uvāca pramattam apramattaṃ vā vivṛtaṃ ghnanti caujasā upāyair iṣubhis tīkṣṇaiḥ kasmān mṛga vigarhase

Pāṇḍu sprach: Ob unachtsam oder nicht, ob offen daliegend – man tötet mit Kraft, mit Mitteln, mit scharfen Pfeilen; warum tadelst du mich deswegen, o Hirsch?

Wort für Wort
pāṇḍur uvāca pramattam apramattaṃ vā vivṛtaṃ ghnanti caujasā upāyair iṣubhis tīkṣṇaiḥ kasmān mṛga vigarhase
Pāṇḍu sprach: Ob unachtsam oder nicht, ob offen daliegend – man tötet mit Kraft, mit Mitteln, mit scharfen Pfeilen; warum tadelst du mich deswegen, o Hirsch?

mṛga uvāca nāhaṃ ghnantaṃ mṛgān rājan vigarhe ātmakāraṇāt maithunaṃ tu pratīkṣyaṃ me syāt tvayehānṛśaṃsataḥ

Der Hirsch sprach: Nicht tadle ich dich, o König, meinetwegen, dass du Hirsche tötest; doch meine Paarung hättest du aus Mitgefühl abwarten sollen.

Wort für Wort
mṛga uvāca nāhaṃ ghnantaṃ mṛgān rājan vigarhe ātmakāraṇāt maithunaṃ tu pratīkṣyaṃ me syāt tvayehānṛśaṃsataḥ
Der Hirsch sprach: Nicht tadle ich dich, o König, meinetwegen, dass du Hirsche tötest; doch meine Paarung hättest du aus Mitgefühl abwarten sollen.

sarvabhūtahite kāle sarvabhūtepsite tathā ko hi vidvān mṛgaṃ hanyāc carantaṃ maithunaṃ vane puruṣārthaphalaṃ kāntaṃ yat tvayā vitathaṃ kṛtam

Zu der Zeit, die allen Wesen zuträglich und von allen Wesen begehrt ist – welcher Weise würde einen Hirsch töten, der sich im Wald der Paarung hingibt? Jenes geliebte Werk, das die Frucht menschlichen Strebens trägt, hast du zunichtegemacht.

Wort für Wort
sarvabhūtahite kāle sarvabhūtepsite tathā ko hi vidvān mṛgaṃ hanyāc carantaṃ maithunaṃ vane puruṣārthaphalaṃ kāntaṃ yat tvayā vitathaṃ kṛtam
Zu der Zeit, die allen Wesen zuträglich und von allen Wesen begehrt ist – welcher Weise würde einen Hirsch töten, der sich im Wald der Paarung hingibt? Jenes geliebte Werk, das die Frucht menschlichen Strebens trägt, hast du zunichtegemacht.

pauravāṇām ṛṣīṇāṃ ca teṣām akliṣṭakarmaṇām vaṃśe jātasya kauravya nānurūpam idaṃ tava

In der Linie der Pauravas und jener Ṛṣis von makellosem Wirken geboren, o Kaurava, ziemt sich dies für dich nicht.

Wort für Wort
pauravāṇām ṛṣīṇāṃ ca teṣām akliṣṭakarmaṇām vaṃśe jātasya kauravya nānurūpam idaṃ tava
In der Linie der Pauravas und jener Ṛṣis von makellosem Wirken geboren, o Kaurava, ziemt sich dies für dich nicht.

nṛśaṃsaṃ karma sumahat sarvalokavigarhitam asvargyam ayaśasyaṃ ca adharmiṣṭhaṃ ca bhārata

Es ist eine überaus grausame Tat, von aller Welt getadelt, den Himmel verwehrend, unrühmlich und höchst unrechtmäßig, o Bhārata.

Wort für Wort
nṛśaṃsaṃ karma sumahat sarvalokavigarhitam asvargyam ayaśasyaṃ ca adharmiṣṭhaṃ ca bhārata
Es ist eine überaus grausame Tat, von aller Welt getadelt, den Himmel verwehrend, unrühmlich und höchst unrechtmäßig, o Bhārata.

strībhogānāṃ viśeṣajñaḥ śāstradharmārthatattvavit nārhas tvaṃ surasaṃkāśa kartum asvargyam īdṛśam

Du, der die Besonderheiten des Genusses mit Frauen kennt, der die Wahrheit von Lehrbuch, Recht und Nutzen kennt, o Götterähnlicher, solltest eine solche, den Himmel verwehrende Tat nicht begehen.

Wort für Wort
strībhogānāṃ viśeṣajñaḥ śāstradharmārthatattvavit nārhas tvaṃ surasaṃkāśa kartum asvargyam īdṛśam
Du, der die Besonderheiten des Genusses mit Frauen kennt, der die Wahrheit von Lehrbuch, Recht und Nutzen kennt, o Götterähnlicher, solltest eine solche, den Himmel verwehrende Tat nicht begehen.

tvayā nṛśaṃsakartāraḥ pāpācārāś ca mānavāḥ nigrāhyāḥ pārthivaśreṣṭha trivargaparivarjitāḥ

Von dir sollten grausam Handelnde und in Sünde wandelnde Menschen, die die drei Lebensziele verworfen haben, gebändigt werden, o Bester der Herrscher.

Wort für Wort
tvayā nṛśaṃsakartāraḥ pāpācārāś ca mānavāḥ nigrāhyāḥ pārthivaśreṣṭha trivargaparivarjitāḥ
Von dir sollten grausam Handelnde und in Sünde wandelnde Menschen, die die drei Lebensziele verworfen haben, gebändigt werden, o Bester der Herrscher.

kiṃ kṛtaṃ te naraśreṣṭha nighnato mām anāgasam muniṃ mūlaphalāhāraṃ mṛgaveṣadharaṃ nṛpa vasamānam araṇyeṣu nityaṃ śamaparāyaṇam

Was habe ich dir angetan, o Bester der Männer, dass du mich Schuldlosen erschlägst – einen Muni, der von Wurzeln und Früchten lebt, der die Gestalt eines Hirsches trägt, o König, der beständig in den Wäldern wohnt, der Ruhe hingegeben?

Wort für Wort
kiṃ kṛtaṃ te naraśreṣṭha nighnato mām anāgasam muniṃ mūlaphalāhāraṃ mṛgaveṣadharaṃ nṛpa vasamānam araṇyeṣu nityaṃ śamaparāyaṇam
Was habe ich dir angetan, o Bester der Männer, dass du mich Schuldlosen erschlägst – einen Muni, der von Wurzeln und Früchten lebt, der die Gestalt eines Hirsches trägt, o König, der beständig in den Wäldern wohnt, der Ruhe hingegeben?

tvayāhaṃ hiṃsito yasmāt tasmāt tvām apy asaṃśayam dvayor nṛśaṃsakartāram avaśaṃ kāmamohitam jīvitāntakaro bhāva evam evāgamiṣyati

Weil ich von dir verletzt wurde, wird dich, den unbeherrschten, von Begierde verblendeten Täter dieser Grausamkeit an zweien, ohne Zweifel ebenso ein lebenbeendendes Geschick ereilen – gerade in einer solchen Lage.

Wort für Wort
tvayāhaṃ hiṃsito yasmāt tasmāt tvām apy asaṃśayam dvayor nṛśaṃsakartāram avaśaṃ kāmamohitam jīvitāntakaro bhāva evam evāgamiṣyati
Weil ich von dir verletzt wurde, wird dich, den unbeherrschten, von Begierde verblendeten Täter dieser Grausamkeit an zweien, ohne Zweifel ebenso ein lebenbeendendes Geschick ereilen – gerade in einer solchen Lage.

ahaṃ hi kiṃdamo nāma tapasāpratimo muniḥ vyapatrapan manuṣyāṇāṃ mṛgyāṃ maithunam ācaram

Denn ich bin ein Muni namens Kiṃdama, an Askese unvergleichlich, der, aus Scham vor Menschen, den Beischlaf mit einer Hirschkuh vollzieht.

Wort für Wort
ahaṃ hi kiṃdamo nāma tapasāpratimo muniḥ vyapatrapan manuṣyāṇāṃ mṛgyāṃ maithunam ācaram
Denn ich bin ein Muni namens Kiṃdama, an Askese unvergleichlich, der, aus Scham vor Menschen, den Beischlaf mit einer Hirschkuh vollzieht.

mṛgo bhūtvā mṛgaiḥ sārdhaṃ carāmi gahane vane na tu te brahmahatyeyaṃ bhaviṣyaty avijānataḥ mṛgarūpadharaṃ hatvā mām evaṃ kāmamohitam

Ein Hirsch geworden, wandle ich mit den Hirschen im dichten Wald umher; doch wird dies für dich, der es nicht wusste, keine Brahmanentötung sein, da du mich, den Hirschgestaltigen, so, von Begierde verblendet, getötet hast.

Wort für Wort
mṛgo bhūtvā mṛgaiḥ sārdhaṃ carāmi gahane vane na tu te brahmahatyeyaṃ bhaviṣyaty avijānataḥ mṛgarūpadharaṃ hatvā mām evaṃ kāmamohitam
Ein Hirsch geworden, wandle ich mit den Hirschen im dichten Wald umher; doch wird dies für dich, der es nicht wusste, keine Brahmanentötung sein, da du mich, den Hirschgestaltigen, so, von Begierde verblendet, getötet hast.

asya tu tvaṃ phalaṃ mūḍha prāpsyasīdṛśam eva hi priyayā saha saṃvāsaṃ prāpya kāmavimohitaḥ tvam apy asyām avasthāyāṃ pretalokaṃ gamiṣyasi

Doch die Frucht davon wirst du, Tor, ebenso gerade erlangen: Wenn du mit einer Geliebten die Vereinigung eingehst, von Begierde ganz verblendet, wirst auch du in eben diesem Zustand in die Welt der Toten eingehen.

Wort für Wort
asya tu tvaṃ phalaṃ mūḍha prāpsyasīdṛśam eva hi priyayā saha saṃvāsaṃ prāpya kāmavimohitaḥ tvam apy asyām avasthāyāṃ pretalokaṃ gamiṣyasi
Doch die Frucht davon wirst du, Tor, ebenso gerade erlangen: Wenn du mit einer Geliebten die Vereinigung eingehst, von Begierde ganz verblendet, wirst auch du in eben diesem Zustand in die Welt der Toten eingehen.

[Anm.: Dies ist der Fluch, der später Pāṇḍus Tod herbeiführt (bereits in Adh.107 V5 knapp vorausgedeutet, dort noch unerklärt).]

antakāle ca saṃvāsaṃ yayā gantāsi kāntayā pretarājavaśaṃ prāptaṃ sarvabhūtaduratyayam bhaktyā matimatāṃ śreṣṭha saiva tvām anuyāsyati

Und mit jener Geliebten, mit der du zur Zeit deines Endes die Vereinigung eingehen wirst, wird eben sie, o Bester der Weisen, dir aus Ergebenheit folgen, wenn du in die Gewalt des allen Wesen unentrinnbaren Königs der Toten gelangt bist.

Wort für Wort
antakāle ca saṃvāsaṃ yayā gantāsi kāntayā pretarājavaśaṃ prāptaṃ sarvabhūtaduratyayam bhaktyā matimatāṃ śreṣṭha saiva tvām anuyāsyati
Und mit jener Geliebten, mit der du zur Zeit deines Endes die Vereinigung eingehen wirst, wird eben sie, o Bester der Weisen, dir aus Ergebenheit folgen, wenn du in die Gewalt des allen Wesen unentrinnbaren Königs der Toten gelangt bist.

vartamānaḥ sukhe duḥkhaṃ yathāhaṃ prāpitas tvayā tathā sukhaṃ tvāṃ saṃprāptaṃ duḥkham abhyāgamiṣyati

So wie ich, mitten im Glück weilend, von dir ins Leid versetzt wurde, so wird auch dich, mitten im Glück, Leid ereilen.

Wort für Wort
vartamānaḥ sukhe duḥkhaṃ yathāhaṃ prāpitas tvayā tathā sukhaṃ tvāṃ saṃprāptaṃ duḥkham abhyāgamiṣyati
So wie ich, mitten im Glück weilend, von dir ins Leid versetzt wurde, so wird auch dich, mitten im Glück, Leid ereilen.

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā suduḥkhārto jīvitāt sa vyayujyata mṛgaḥ pāṇḍuś ca śokārtaḥ kṣaṇena samapadyata

Vaiśaṃpāyana sprach: So sprechend, von schwerem Leid gequält, schied jener Hirsch aus dem Leben; und Pāṇḍu wurde binnen eines Augenblicks von Kummer überwältigt.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā suduḥkhārto jīvitāt sa vyayujyata mṛgaḥ pāṇḍuś ca śokārtaḥ kṣaṇena samapadyata
Vaiśaṃpāyana sprach: So sprechend, von schwerem Leid gequält, schied jener Hirsch aus dem Leben; und Pāṇḍu wurde binnen eines Augenblicks von Kummer überwältigt.

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