Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 222: Śārṅgakaparitrāṇam Die Rettung der Śārṅgakas

Jaritā versucht ihre Söhne mit der erfundenen Geschichte zu beruhigen, ein Habicht habe die gefährliche Maus im nahen Loch bereits geraubt; die Söhne durchschauen die fromme Lüge und weigern sich, ins Loch zu kriechen, überzeugt, dass ein ungewisser Tod im Feuer besser sei als ein gewisser durch die Maus. Sie drängen die widerstrebende Mutter, sie zurückzulassen und sich selbst zu retten; Jaritā fliegt schließlich fort. Als das Feuer die Söhnchen erreicht, wendet sich der älteste, Jaritāri, mit einer Ansprache an Agni.

jaritovāca asmād bilān niṣpatitaṃ śyena ākhuṃ jahāra tam kṣudraṃ gṛhītvā pādābhyāṃ bhayaṃ na bhavitā tataḥ

Jaritā sprach: Aus diesem Loch heraus hat ein Habicht jene Maus geraubt; er hat das kleine Tier mit den Krallen gepackt; darum wird es keine Gefahr mehr geben.

Wort für Wort
jaritovāca asmād bilān niṣpatitaṃ śyena ākhuṃ jahāra tam kṣudraṃ gṛhītvā pādābhyāṃ bhayaṃ na bhavitā tataḥ
Jaritā sprach: Aus diesem Loch heraus hat ein Habicht jene Maus geraubt; er hat das kleine Tier mit den Krallen gepackt; darum wird es keine Gefahr mehr geben.

śārṅgakā ūcuḥ na hṛtaṃ taṃ vayaṃ vidmaḥ śyenenākhuṃ kathaṃ cana anye 'pi bhavitāro 'tra tebhyo 'pi bhayam eva naḥ

Die Śārṅgakas sprachen: Wir wissen keineswegs, ob diese Maus vom Habicht geraubt wurde; auch andere Mäuse mag es hier geben, und auch vor ihnen haben wir Furcht.

Wort für Wort
śārṅgakā ūcuḥ na hṛtaṃ taṃ vayaṃ vidmaḥ śyenenākhuṃ kathaṃ cana anye 'pi bhavitāro 'tra tebhyo 'pi bhayam eva naḥ
Die Śārṅgakas sprachen: Wir wissen keineswegs, ob diese Maus vom Habicht geraubt wurde; auch andere Mäuse mag es hier geben, und auch vor ihnen haben wir Furcht.

saṃśayo hy agnir āgacched dṛṣṭaṃ vāyor nivartanam mṛtyur no bilavāsibhyo bhaven mātar asaṃśayam

Denn ungewiss ist, ob das Feuer käme; man hat schon gesehen, dass der Wind sich wendet; doch der Tod durch die Bewohner des Lochs wäre für uns gewiss, Mutter.

Wort für Wort
saṃśayo hy agnir āgacched dṛṣṭaṃ vāyor nivartanam mṛtyur no bilavāsibhyo bhaven mātar asaṃśayam
Denn ungewiss ist, ob das Feuer käme; man hat schon gesehen, dass der Wind sich wendet; doch der Tod durch die Bewohner des Lochs wäre für uns gewiss, Mutter.

niḥsaṃśayāt saṃśayito mṛtyur mātar viśiṣyate cara khe tvaṃ yathānyāyaṃ putrān vetsyasi śobhanān

Ein ungewisser Tod ist besser als ein gewisser, Mutter; fliege du nach Belieben durch die Luft, und du wirst deine Söhne wohlbehalten wiederfinden.

Wort für Wort
niḥsaṃśayāt saṃśayito mṛtyur mātar viśiṣyate cara khe tvaṃ yathānyāyaṃ putrān vetsyasi śobhanān
Ein ungewisser Tod ist besser als ein gewisser, Mutter; fliege du nach Belieben durch die Luft, und du wirst deine Söhne wohlbehalten wiederfinden.

jaritovāca ahaṃ vai śyenam āyāntam adrākṣaṃ bilam antikāt saṃcarantaṃ samādāya jahārākhuṃ bilād balī

Jaritā sprach: Ich sah selbst den Habicht herankommen, wie er sich dem Loch näherte, und der Mächtige packte die Maus und trug sie aus dem Loch fort.

Wort für Wort
jaritovāca ahaṃ vai śyenam āyāntam adrākṣaṃ bilam antikāt saṃcarantaṃ samādāya jahārākhuṃ bilād balī
Jaritā sprach: Ich sah selbst den Habicht herankommen, wie er sich dem Loch näherte, und der Mächtige packte die Maus und trug sie aus dem Loch fort.

taṃ patantam ahaṃ śyenaṃ tvaritā pṛṣṭhato 'nvagām āśiṣo 'sya prayuñjānā harato mūṣakaṃ bilāt

Diesem davonfliegenden Habicht folgte ich eilig auf seinem Rücken nach, ihm Segenswünsche zusprechend, als er die Maus aus dem Loch forttrug.

Wort für Wort
taṃ patantam ahaṃ śyenaṃ tvaritā pṛṣṭhato 'nvagām āśiṣo 'sya prayuñjānā harato mūṣakaṃ bilāt
Diesem davonfliegenden Habicht folgte ich eilig auf seinem Rücken nach, ihm Segenswünsche zusprechend, als er die Maus aus dem Loch forttrug.

yo no dveṣṭāram ādāya śyenarāja pradhāvasi bhava tvaṃ divam āsthāya niramitro hiraṇmayaḥ

König der Habichte, der du unseren Feind ergriffen hast und davoneilst: Mögest du, nachdem du den Himmel bestiegen hast, ohne Feinde und golden sein.

Wort für Wort
yo no dveṣṭāram ādāya śyenarāja pradhāvasi bhava tvaṃ divam āsthāya niramitro hiraṇmayaḥ
König der Habichte, der du unseren Feind ergriffen hast und davoneilst: Mögest du, nachdem du den Himmel bestiegen hast, ohne Feinde und golden sein.

yadā sa bhakṣitas tena kṣudhitena patatriṇā tadāhaṃ tam anujñāpya pratyupāyāṃ gṛhān prati

Als sie von jenem hungrigen Vogel gefressen worden war, da kehrte ich, nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte, wieder zurück zur Wohnstatt.

Wort für Wort
yadā sa bhakṣitas tena kṣudhitena patatriṇā tadāhaṃ tam anujñāpya pratyupāyāṃ gṛhān prati
Als sie von jenem hungrigen Vogel gefressen worden war, da kehrte ich, nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte, wieder zurück zur Wohnstatt.

praviśadhvaṃ bilaṃ putrā viśrabdhā nāsti vo bhayam śyenena mama paśyantyā hṛta ākhur na saṃśayaḥ

Kriecht in das Loch, meine Söhne, getrost, ihr habt nichts zu fürchten; vor meinen eigenen Augen wurde die Maus vom Habicht fortgetragen, ohne Zweifel.

Wort für Wort
praviśadhvaṃ bilaṃ putrā viśrabdhā nāsti vo bhayam śyenena mama paśyantyā hṛta ākhur na saṃśayaḥ
Kriecht in das Loch, meine Söhne, getrost, ihr habt nichts zu fürchten; vor meinen eigenen Augen wurde die Maus vom Habicht fortgetragen, ohne Zweifel.

śārṅgakā ūcuḥ na vidma vai vayaṃ mātar hṛtam ākhum itaḥ purā avijñāya na śakṣyāmo bilam āviśatuṃ vayam

Die Śārṅgakas sprachen: Wir wissen wahrlich nicht, Mutter, ob die Maus zuvor von hier fortgetragen wurde; ohne es zu wissen, vermögen wir nicht, in das Loch zu kriechen.

Wort für Wort
śārṅgakā ūcuḥ na vidma vai vayaṃ mātar hṛtam ākhum itaḥ purā avijñāya na śakṣyāmo bilam āviśatuṃ vayam
Die Śārṅgakas sprachen: Wir wissen wahrlich nicht, Mutter, ob die Maus zuvor von hier fortgetragen wurde; ohne es zu wissen, vermögen wir nicht, in das Loch zu kriechen.

jaritovāca ahaṃ hi taṃ prajānāmi hṛtaṃ śyenena mūṣakam ata eva bhayaṃ nāsti kriyatāṃ vacanaṃ mama

Jaritā sprach: Ich weiß es doch genau, dass die Maus vom Habicht fortgetragen wurde; darum gibt es keine Gefahr; befolgt mein Wort.

Wort für Wort
jaritovāca ahaṃ hi taṃ prajānāmi hṛtaṃ śyenena mūṣakam ata eva bhayaṃ nāsti kriyatāṃ vacanaṃ mama
Jaritā sprach: Ich weiß es doch genau, dass die Maus vom Habicht fortgetragen wurde; darum gibt es keine Gefahr; befolgt mein Wort.

śārṅgakā ūcuḥ na tvaṃ mithyopacāreṇa mokṣayethā bhayaṃ mahat samākuleṣu jñāneṣu na buddhikṛtam eva tat

Die Śārṅgakas sprachen: Du sollst uns nicht durch falsche Fürsorge aus dieser großen Gefahr befreien wollen; bei verwirrter Erkenntnis ist dies nicht das Werk des Verstandes.

Wort für Wort
śārṅgakā ūcuḥ na tvaṃ mithyopacāreṇa mokṣayethā bhayaṃ mahat samākuleṣu jñāneṣu na buddhikṛtam eva tat
Die Śārṅgakas sprachen: Du sollst uns nicht durch falsche Fürsorge aus dieser großen Gefahr befreien wollen; bei verwirrter Erkenntnis ist dies nicht das Werk des Verstandes.

na copakṛtam asmābhir na cāsmān vettha ye vayam pīḍyamānā bharasy asmān kā satī ke vayaṃ tava

Wir haben dir nichts Gutes getan, und du weißt auch nicht, wer wir sind; wenn du, bedrängt, uns trotzdem versorgst - welche Tugendhafte bist du, und was sind wir dir?

Wort für Wort
na copakṛtam asmābhir na cāsmān vettha ye vayam pīḍyamānā bharasy asmān kā satī ke vayaṃ tava
Wir haben dir nichts Gutes getan, und du weißt auch nicht, wer wir sind; wenn du, bedrängt, uns trotzdem versorgst - welche Tugendhafte bist du, und was sind wir dir?

taruṇī darśanīyāsi samarthā bhartur eṣaṇe anugaccha svabhartāraṃ putrān āpsyasi śobhanān

Du bist jung und ansehnlich, fähig, einen Gatten zu suchen; folge deinem eigenen Gatten, du wirst noch wohlgeratene Söhne bekommen.

Wort für Wort
taruṇī darśanīyāsi samarthā bhartur eṣaṇe anugaccha svabhartāraṃ putrān āpsyasi śobhanān
Du bist jung und ansehnlich, fähig, einen Gatten zu suchen; folge deinem eigenen Gatten, du wirst noch wohlgeratene Söhne bekommen.

vayam apy agnim āviśya lokān prāpsyāmahe śubhān athāsmān na dahed agnir āyās tvaṃ punar eva naḥ

Auch wir werden, indem wir ins Feuer eingehen, glückselige Welten erlangen; sollte das Feuer uns aber doch nicht verbrennen, so komm du wieder zu uns zurück.

Wort für Wort
vayam apy agnim āviśya lokān prāpsyāmahe śubhān athāsmān na dahed agnir āyās tvaṃ punar eva naḥ
Auch wir werden, indem wir ins Feuer eingehen, glückselige Welten erlangen; sollte das Feuer uns aber doch nicht verbrennen, so komm du wieder zu uns zurück.

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktā tataḥ śārṅgī putrān utsṛjya khāṇḍave jagāma tvaritā deśaṃ kṣemam agner anāśrayam

Vaiśampāyana sprach: So angesprochen, verließ die Śārṅgī ihre Söhne im Khāṇḍava und begab sich eilig zu einem sicheren, vom Feuer nicht erreichten Ort.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktā tataḥ śārṅgī putrān utsṛjya khāṇḍave jagāma tvaritā deśaṃ kṣemam agner anāśrayam
Vaiśampāyana sprach: So angesprochen, verließ die Śārṅgī ihre Söhne im Khāṇḍava und begab sich eilig zu einem sicheren, vom Feuer nicht erreichten Ort.

tatas tīkṣṇārcir abhyāgāj jvalito havyavāhanaḥ yatra śārṅgā babhūvus te mandapālasya putrakāḥ

Dann kam der scharflodernde, brennende Opferträger dorthin, wo jene Śārṅgas waren, die Söhnchen Mandapālas.

Wort für Wort
tatas tīkṣṇārcir abhyāgāj jvalito havyavāhanaḥ yatra śārṅgā babhūvus te mandapālasya putrakāḥ
Dann kam der scharflodernde, brennende Opferträger dorthin, wo jene Śārṅgas waren, die Söhnchen Mandapālas.

te śārṅgā jvalanaṃ dṛṣṭvā jvalitaṃ svena tejasā jaritāris tato vācaṃ śrāvayām āsa pāvakam

Als jene Śārṅgas das Feuer sahen, das durch seinen eigenen Glanz loderte, ließ Jaritāri da seine Stimme den Pāvaka hören.

Wort für Wort
te śārṅgā jvalanaṃ dṛṣṭvā jvalitaṃ svena tejasā jaritāris tato vācaṃ śrāvayām āsa pāvakam
Als jene Śārṅgas das Feuer sahen, das durch seinen eigenen Glanz loderte, ließ Jaritāri da seine Stimme den Pāvaka hören.

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