Kapitel 54: Vaiśaṃpāyanasya Kathārambhaḥ (Adhyāya 54, Kritische Ausgabe)
Vyāsas Ankunft und die Bestellung Vaiśampāyanas zum Erzähler
Vyāsa (Kṛṣṇa Dvaipāyana) kommt zum Schlangenopfer Janamejayas; kurzer Rückblick auf seine Geburt (Kālī/Satyavatī und Parāśara) und seine Zeugung von Pāṇḍu, Dhṛtarāṣṭra und Vidura. Ehrenempfang durch Janamejaya. Janamejaya bittet Vyāsa um die Geschichte der Kuru-Pāṇḍava-Spaltung und des großen Krieges; Vyāsa beauftragt seinen Schüler Vaiśampāyana, sie vorzutragen. Vaiśampāyana beginnt die Erzählung – damit ist die dritte und innerste Rahmenebene der Mahābhārata-Erzählung etabliert.
der, kaum geboren, sogleich aus eigenem Willen [?] seinen Leib heranwachsen ließ und die Veden samt ihren Zweigwissenschaften und den Itihāsas erlangte, der hochberühmte,
der, kaum geboren, sogleich aus eigenem Willen [?] seinen Leib heranwachsen ließ und die Veden samt ihren Zweigwissenschaften und den Itihāsas erlangte, der hochberühmte,
[Anm.: „iṣṭyā“ (Instr. von iṣṭi/iṣ, ‚Wunsch, Wille‘) ist hier knapp – gemeint ist wohl, dass Vyāsa durch bloßen Willensakt sofort erwachsen wurde.]
yaṃ nātitapasā kaś cin na vedādhyayanena ca na vratair nopavāsaiś ca na prasūtyā na manyunā
den niemand an übermäßiger Askese übertraf, noch am Vedastudium, noch an Gelübden, noch an Fasten, noch an [heiliger] Geburt, noch an Zornesglut [?] –
Wort für Wort
yaṃ nātitapasā kaś cin na vedādhyayanena ca na vratair nopavāsaiś ca na prasūtyā na manyunā
den niemand an übermäßiger Askese übertraf, noch am Vedastudium, noch an Gelübden, noch an Fasten, noch an [heiliger] Geburt, noch an Zornesglut [?] –
[Anm.: Der Vers ist elliptisch – ein Verb wie „übertraf“ ist aus dem Zusammenhang zu ergänzen; „manyu“ kann Zorn, aber auch geistige Glut/Eifer bedeuten.]
janamejayas tu rājarṣir dṛṣṭvā tam ṛṣim āgatam sagaṇo 'byudyayau tūrṇaṃ prītyā bharatasattamaḥ
Als der königliche Ṛṣi Janamejaya jenen angekommenen Ṛṣi erblickte, erhob er sich eilends mit seinem Gefolge, voller Zuneigung, der beste der Bhāratas.
Wort für Wort
janamejayas tu rājarṣir dṛṣṭvā tam ṛṣim āgatam sagaṇo 'byudyayau tūrṇaṃ prītyā bharatasattamaḥ
Als der königliche Ṛṣi Janamejaya jenen angekommenen Ṛṣi erblickte, erhob er sich eilends mit seinem Gefolge, voller Zuneigung, der beste der Bhāratas.
Den dort Sitzenden, Gnade-Gewährenden, von der Schar der Götter-Ṛṣis Verehrten verehrte der Herrscher der Könige mit dem in den Lehrschriften vorgesehenen Ritus.
Den dort Sitzenden, Gnade-Gewährenden, von der Schar der Götter-Ṛṣis Verehrten verehrte der Herrscher der Könige mit dem in den Lehrschriften vorgesehenen Ritus.
tasmai rājñe sadasyebhyaḥ kṣatriyebhyaś ca sarvaśaḥ bhedaṃ rājyavināśaṃ ca kurupāṇḍavayos tadā
jenem König, den Sadasyas und den Kṣatriyas allesamt: die Spaltung und den Untergang des Reiches der Kurus und Pāṇḍavas, damals.
Wort für Wort
tasmai rājñe sadasyebhyaḥ kṣatriyebhyaś ca sarvaśaḥ bhedaṃ rājyavināśaṃ ca kurupāṇḍavayos tadā
jenem König, den Sadasyas und den Kṣatriyas allesamt: die Spaltung und den Untergang des Reiches der Kurus und Pāṇḍavas, damals.
[Anm.: Mit diesem Adhyāya wird Vaiśampāyana, Vyāsas Schüler, zum eigentlichen Erzähler der Mahābhārata-Haupthandlung vor Janamejaya bestimmt – eine dritte Rahmenebene innerhalb der Rahmenerzählung (Śaunaka-Sūta → Janamejaya-Vyāsa → Janamejaya-Vaiśampāyana). Ab dem nächsten Adhyāya beginnt Vaiśampāyanas Vortrag.]