Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 161: Tapatyupākhyānam (2) Die Erzählung von Tapatī (Teil 2)

Saṃvaraṇa sinkt vor Liebe ohnmächtig zu Boden; Tapatī zeigt sich ihm erneut und tröstet ihn, doch der König, ganz von Liebesverlangen ergriffen, bittet sie inständig um eine sofortige Gandharva-Ehe. Tapatī erklärt, als unverheiratete Jungfrau nicht über sich selbst verfügen zu können, und weist ihn an, sie stattdessen förmlich von ihrem Vater, dem Sonnengott Āditya, durch Askese und Verehrung zu erbitten. Sie offenbart ihm ihren Namen: Tapatī, Tochter des Savitṛ.

gandharva uvāca atha tasyām adṛśyāyāṃ nṛpatiḥ kāmamohitaḥ pātanaḥ śatrusaṃghānāṃ papāta dharaṇītale

Der Gandharva sprach: ‚Als sie darauf unsichtbar geworden war, fiel der König, von Liebe verblendet, er, der Niederwerfer ganzer Feindscharen, zu Boden.'

Wort für Wort
gandharva uvāca atha tasyām adṛśyāyāṃ nṛpatiḥ kāmamohitaḥ pātanaḥ śatrusaṃghānāṃ papāta dharaṇītale
Der Gandharva sprach: ‚Als sie darauf unsichtbar geworden war, fiel der König, von Liebe verblendet, er, der Niederwerfer ganzer Feindscharen, zu Boden.'

tasmin nipatite bhūmāv atha sā cāruhāsinī punaḥ pīnāyataśroṇī darśayām āsa taṃ nṛpam

‚Als er zu Boden gesunken war, ließ sie, die lieblich Lächelnde, von vollen, schlanken Hüften, sich darauf abermals dem König sehen.'

Wort für Wort
tasmin nipatite bhūmāv atha sā cāruhāsinī punaḥ pīnāyataśroṇī darśayām āsa taṃ nṛpam
‚Als er zu Boden gesunken war, ließ sie, die lieblich Lächelnde, von vollen, schlanken Hüften, sich darauf abermals dem König sehen.'

athābabhāṣe kalyāṇī vācā madhurayā nṛpam taṃ kurūṇāṃ kulakaraṃ kāmābhihatacetasam

‚Da sprach die Holde mit süßer Stimme zu dem König, dem Stammvater der Kurus, dessen Sinn von Liebe geschlagen war:'

Wort für Wort
athābabhāṣe kalyāṇī vācā madhurayā nṛpam taṃ kurūṇāṃ kulakaraṃ kāmābhihatacetasam
‚Da sprach die Holde mit süßer Stimme zu dem König, dem Stammvater der Kurus, dessen Sinn von Liebe geschlagen war:'

uttiṣṭhottiṣṭha bhadraṃ te na tvam arhasy ariṃdama mohaṃ nṛpatiśārdūla gantum āviṣkṛtaḥ kṣitau

‚Steh auf, steh auf, Heil dir! Du sollst nicht, o Bezwinger der Feinde, o Tiger unter den Königen, offen auf der Erde in Ohnmacht sinken.'

Wort für Wort
uttiṣṭhottiṣṭha bhadraṃ te na tvam arhasy ariṃdama mohaṃ nṛpatiśārdūla gantum āviṣkṛtaḥ kṣitau
‚Steh auf, steh auf, Heil dir! Du sollst nicht, o Bezwinger der Feinde, o Tiger unter den Königen, offen auf der Erde in Ohnmacht sinken.'

evam ukto 'tha nṛpatir vācā madhurayā tadā dadarśa vipulaśroṇīṃ tām evābhimukhe sthitām

‚So mit süßer Stimme angesprochen, erblickte der König darauf jene mit vollen Hüften, vor ihm stehend.'

Wort für Wort
evam ukto 'tha nṛpatir vācā madhurayā tadā dadarśa vipulaśroṇīṃ tām evābhimukhe sthitām
‚So mit süßer Stimme angesprochen, erblickte der König darauf jene mit vollen Hüften, vor ihm stehend.'

atha tām asitāpāṅgīm ābabhāṣe narādhipaḥ manmathāgniparītātmā saṃdigdhākṣarayā girā

‚Da sprach der Herrscher der Menschen, dessen Wesen vom Feuer des Liebesgottes umfangen war, zu ihr, deren Augenwinkel dunkel waren, mit stockender, unklarer Stimme:'

Wort für Wort
atha tām asitāpāṅgīm ābabhāṣe narādhipaḥ manmathāgniparītātmā saṃdigdhākṣarayā girā
‚Da sprach der Herrscher der Menschen, dessen Wesen vom Feuer des Liebesgottes umfangen war, zu ihr, deren Augenwinkel dunkel waren, mit stockender, unklarer Stimme:'

sādhu mām asitāpāṅge kāmārtaṃ mattakāśini bhajasva bhajamānaṃ māṃ prāṇā hi prajahanti mām

‚Wohlan, liebe mich, o Dunkeläugige, mich, den von Liebe Gequälten, du mit dem berauschenden Glanz – liebe mich, den Liebenden, denn meine Lebenskräfte verlassen mich.'

Wort für Wort
sādhu mām asitāpāṅge kāmārtaṃ mattakāśini bhajasva bhajamānaṃ māṃ prāṇā hi prajahanti mām
‚Wohlan, liebe mich, o Dunkeläugige, mich, den von Liebe Gequälten, du mit dem berauschenden Glanz – liebe mich, den Liebenden, denn meine Lebenskräfte verlassen mich.'

tvadarthaṃ hi viśālākṣi mām ayaṃ niśitaiḥ śaraiḥ kāmaḥ kamalagarbhābhe pratividhyan na śāmyati

‚Denn deinetwegen, o Großäugige, durchbohrt mich dieser Liebesgott mit scharfen Pfeilen, o du, dem Lotoskelch Gleichende, und lässt nicht nach.'

Wort für Wort
tvadarthaṃ hi viśālākṣi mām ayaṃ niśitaiḥ śaraiḥ kāmaḥ kamalagarbhābhe pratividhyan na śāmyati
‚Denn deinetwegen, o Großäugige, durchbohrt mich dieser Liebesgott mit scharfen Pfeilen, o du, dem Lotoskelch Gleichende, und lässt nicht nach.'

grastam evam anākrande bhadre kāmamahāhinā sā tvaṃ pīnāyataśroṇi paryāpnuhi śubhānane

‚Mich, so von der gewaltigen Schlange des Liebesbegehrens Ergriffenen, in dieser Hilflosigkeit, Holde – du, mit vollen, schlanken Hüften, umfange mich, du mit dem strahlenden Antlitz.'

Wort für Wort
grastam evam anākrande bhadre kāmamahāhinā sā tvaṃ pīnāyataśroṇi paryāpnuhi śubhānane
‚Mich, so von der gewaltigen Schlange des Liebesbegehrens Ergriffenen, in dieser Hilflosigkeit, Holde – du, mit vollen, schlanken Hüften, umfange mich, du mit dem strahlenden Antlitz.'

tvayy adhīnā hi me prāṇāḥ kiṃnarodgītabhāṣiṇi cārusarvānavadyāṅgi padmendusadṛśānane

‚Denn von dir hängt mein Leben ab, o du, deren Stimme wie der Gesang der Kiṃnaras klingt, mit lauter lieblichen, makellosen Gliedern, mit einem Antlitz wie Lotos und Mond.'

Wort für Wort
tvayy adhīnā hi me prāṇāḥ kiṃnarodgītabhāṣiṇi cārusarvānavadyāṅgi padmendusadṛśānane
‚Denn von dir hängt mein Leben ab, o du, deren Stimme wie der Gesang der Kiṃnaras klingt, mit lauter lieblichen, makellosen Gliedern, mit einem Antlitz wie Lotos und Mond.'

na hy ahaṃ tvad ṛte bhīru śakṣye jīvitum ātmanā tasmāt kuru viśālākṣi mayy anukrośam aṅgane

‚Denn ohne dich, du Zaghafte, werde ich nicht aus eigener Kraft weiterleben können; deshalb erbarme dich meiner, o Großäugige, du Holde.'

Wort für Wort
na hy ahaṃ tvad ṛte bhīru śakṣye jīvitum ātmanā tasmāt kuru viśālākṣi mayy anukrośam aṅgane
‚Denn ohne dich, du Zaghafte, werde ich nicht aus eigener Kraft weiterleben können; deshalb erbarme dich meiner, o Großäugige, du Holde.'

bhaktaṃ mām asitāpāṅge na parityaktum arhasi tvaṃ hi māṃ prītiyogena trātum arhasi bhāmini

‚Mich, deinen Verehrer, o Dunkeläugige, sollst du nicht verlassen; du sollst mich vielmehr in liebevoller Verbindung retten, du Schöne.'

Wort für Wort
bhaktaṃ mām asitāpāṅge na parityaktum arhasi tvaṃ hi māṃ prītiyogena trātum arhasi bhāmini
‚Mich, deinen Verehrer, o Dunkeläugige, sollst du nicht verlassen; du sollst mich vielmehr in liebevoller Verbindung retten, du Schöne.'

gāndharveṇa ca māṃ bhīru vivāhenaihi sundari vivāhānāṃ hi rambhoru gāndharvaḥ śreṣṭha ucyate

‚Und mit der Gandharva-Eheschließung komm zu mir, du Zaghafte, Schöne; denn unter den Eheformen, o du mit den Schenkeln wie eine Bananenstaude, gilt die Gandharva-Ehe als die beste.'

Wort für Wort
gāndharveṇa ca māṃ bhīru vivāhenaihi sundari vivāhānāṃ hi rambhoru gāndharvaḥ śreṣṭha ucyate
‚Und mit der Gandharva-Eheschließung komm zu mir, du Zaghafte, Schöne; denn unter den Eheformen, o du mit den Schenkeln wie eine Bananenstaude, gilt die Gandharva-Ehe als die beste.'

[Anm.: die Gandharva-Ehe ist eine der acht traditionellen Eheformen – ein einvernehmlicher Bund allein zwischen den Liebenden, ohne Zeremonie oder elterliche Zustimmung.

tapaty uvāca nāham īśātmano rājan kanyā pitṛmatī hy aham mayi ced asti te prītir yācasva pitaraṃ mama

Tapatī sprach: ‚Ich bin nicht Herrin meiner selbst, o König; ich bin ja eine Jungfrau, die einen Vater hat. Wenn du Liebe zu mir empfindest, so erbitte mich von meinem Vater.'

Wort für Wort
tapaty uvāca nāham īśātmano rājan kanyā pitṛmatī hy aham mayi ced asti te prītir yācasva pitaraṃ mama
Tapatī sprach: ‚Ich bin nicht Herrin meiner selbst, o König; ich bin ja eine Jungfrau, die einen Vater hat. Wenn du Liebe zu mir empfindest, so erbitte mich von meinem Vater.'

yathā hi te mayā prāṇāḥ saṃgṛhītā nareśvara darśanād eva bhūyas tvaṃ tathā prāṇān mamāharaḥ

‚Denn ebenso wie meine Lebenskräfte von dir durch den bloßen Anblick ergriffen wurden, o Herrscher der Menschen, so hast auch du mir die Lebenskräfte geraubt.'

Wort für Wort
yathā hi te mayā prāṇāḥ saṃgṛhītā nareśvara darśanād eva bhūyas tvaṃ tathā prāṇān mamāharaḥ
‚Denn ebenso wie meine Lebenskräfte von dir durch den bloßen Anblick ergriffen wurden, o Herrscher der Menschen, so hast auch du mir die Lebenskräfte geraubt.'

na cāham īśā dehasya tasmān nṛpatisattama samīpaṃ nopagacchāmi na svatantrā hi yoṣitaḥ

‚Und ich bin nicht Herrin meines eigenen Leibes; deshalb, bester der Könige, nähere ich mich dir nicht – denn Frauen sind nicht unabhängig.'

Wort für Wort
na cāham īśā dehasya tasmān nṛpatisattama samīpaṃ nopagacchāmi na svatantrā hi yoṣitaḥ
‚Und ich bin nicht Herrin meines eigenen Leibes; deshalb, bester der Könige, nähere ich mich dir nicht – denn Frauen sind nicht unabhängig.'

kā hi sarveṣu lokeṣu viśrutābhijanaṃ nṛpam kanyā nābhilaṣen nāthaṃ bhartāraṃ bhaktavatsalam

‚Denn welche Jungfrau in allen Welten würde sich nicht einen von berühmter Abstammung, einen König, als Beschützer und liebevollen, seinen Verehrern zugetanen Gatten wünschen?'

Wort für Wort
kā hi sarveṣu lokeṣu viśrutābhijanaṃ nṛpam kanyā nābhilaṣen nāthaṃ bhartāraṃ bhaktavatsalam
‚Denn welche Jungfrau in allen Welten würde sich nicht einen von berühmter Abstammung, einen König, als Beschützer und liebevollen, seinen Verehrern zugetanen Gatten wünschen?'

tasmād evaṃgate kāle yācasva pitaraṃ mama ādityaṃ praṇipātena tapasā niyamena ca

‚Deshalb, da es sich nun so verhält, erbitte dich von meinem Vater, dem Āditya, durch Verneigung, durch Askese und durch Selbstbeherrschung.'

Wort für Wort
tasmād evaṃgate kāle yācasva pitaraṃ mama ādityaṃ praṇipātena tapasā niyamena ca
‚Deshalb, da es sich nun so verhält, erbitte dich von meinem Vater, dem Āditya, durch Verneigung, durch Askese und durch Selbstbeherrschung.'

sa cet kāmayate dātuṃ tava mām arimardana bhaviṣyāmy atha te rājan satataṃ vaśavartinī

‚Wenn er wünscht, mich dir zu geben, o Feindezerschmetterer, dann werde ich dir, o König, für immer ergeben sein.'

Wort für Wort
sa cet kāmayate dātuṃ tava mām arimardana bhaviṣyāmy atha te rājan satataṃ vaśavartinī
‚Wenn er wünscht, mich dir zu geben, o Feindezerschmetterer, dann werde ich dir, o König, für immer ergeben sein.'

ahaṃ hi tapatī nāma sāvitryavarajā sutā asya lokapradīpasya savituḥ kṣatriyarṣabha

‚Ich nämlich heiße Tapatī, die jüngere Schwester der Sāvitrī, die Tochter dieses Lichtes der Welt, des Savitṛ, o Stier der Kṣatriyas.'

Wort für Wort
ahaṃ hi tapatī nāma sāvitryavarajā sutā asya lokapradīpasya savituḥ kṣatriyarṣabha
‚Ich nämlich heiße Tapatī, die jüngere Schwester der Sāvitrī, die Tochter dieses Lichtes der Welt, des Savitṛ, o Stier der Kṣatriyas.'

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