Kapitel 51: Āstīka-parva (Fortsetzung): Der Höhepunkt des Sarpasatra
Āstīka-parva (Fortsetzung): Indras Schutz für Takṣaka, dessen Sturz Richtung Opferfeuer, und Āstīkas Verlangen nach Abbruch des Sarpasatra — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,051.001“ bis „01,051.023“). Janamejaya will Āstīka eine Gunst gewähren, doch die Beisitzer mahnen zu warten, bis auch Takṣaka erfasst ist. Es stellt sich heraus, dass Indra Takṣaka Schutz zugesichert hat; als der König die Priester anweist, notfalls auch Indra ins Feuer fallen zu lassen, erscheint Indra tatsächlich in Prunk, doch Takṣaka löst sich, von der Kraft der Zaubersprüche erfasst, aus seinem Schutz und taumelt dem Feuer entgegen. In diesem dramatischen Augenblick fordert Āstīka als seine Gunst den sofortigen Abbruch des gesamten Opfers — und lehnt alle Ersatzangebote des widerstrebenden Königs ab, während die Beisitzer sich auf seine Seite stellen. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
janamejaya uvāca | bālo vākyaṃ sthavira iva prabhāṣate; nāyaṃ bālaḥ sthaviro 'yaṃ mato me | icchāmy ahaṃ varam asmai pradātuṃ; tan me viprā vitaradhvaṃ sametāḥ
Janamejaya sprach: „Ein Kind spricht wie ein Greis; nicht ein Kind, ein Greis erscheint er mir; ich möchte ihm eine Gunst gewähren — dies gestattet mir, ihr versammelten Weisen.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca | bālo vākyaṃ sthavira iva prabhāṣate; nāyaṃ bālaḥ sthaviro 'yaṃ mato me | icchāmy ahaṃ varam asmai pradātuṃ; tan me viprā vitaradhvaṃ sametāḥ
Janamejaya sprach: „Ein Kind spricht wie ein Greis; nicht ein Kind, ein Greis erscheint er mir; ich möchte ihm eine Gunst gewähren — dies gestattet mir, ihr versammelten Weisen.“
sadasyā ūcuḥ | bālo 'pi vipro mānya eveha rājñāṃ; yaś cāvidvān yaś ca vidvān | yathāvat sarvān kāmāṃs tvatta eṣo 'rhate 'dya; yathā ca nas takṣaka eti śīghram
Die Beisitzer sprachen: „Auch ein Kind, ein Weiser, ist hier von den Königen zu ehren, sei er unwissend oder wissend; nach Gebühr verdient dieser heute alle Wünsche von dir — doch warte, bis Takṣaka rasch zu uns kommt.“
Wort für Wort
sadasyā ūcuḥ | bālo 'pi vipro mānya eveha rājñāṃ; yaś cāvidvān yaś ca vidvān | yathāvat sarvān kāmāṃs tvatta eṣo 'rhate 'dya; yathā ca nas takṣaka eti śīghram
Die Beisitzer sprachen: „Auch ein Kind, ein Weiser, ist hier von den Königen zu ehren, sei er unwissend oder wissend; nach Gebühr verdient dieser heute alle Wünsche von dir — doch warte, bis Takṣaka rasch zu uns kommt.“
Sūta sprach: Als der König, gunstbereit, zu dem Zweifachgeborenen sprechen wollte: „Wähle eine Gunst“ — da sprach der Hotṛ-Priester, nicht übermäßig erfreuten Herzens, das Wort: „Bei diesem Ritual ist Takṣaka bislang nicht gekommen.“
Sūta sprach: Als der König, gunstbereit, zu dem Zweifachgeborenen sprechen wollte: „Wähle eine Gunst“ — da sprach der Hotṛ-Priester, nicht übermäßig erfreuten Herzens, das Wort: „Bei diesem Ritual ist Takṣaka bislang nicht gekommen.“
janamejaya uvāca | yathā cedaṃ karma samāpyate me; yathā ca nas takṣaka eti śīghram | tathā bhavantaḥ prayatantu sarve; paraṃ śaktyā sa hi me vidviṣāṇaḥ
Janamejaya sprach: „Damit dieses mein Ritual vollendet werde, und damit Takṣaka rasch zu uns komme — bemüht euch alle darum, mit höchster Kraft; denn er ist mein Feind.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca | yathā cedaṃ karma samāpyate me; yathā ca nas takṣaka eti śīghram | tathā bhavantaḥ prayatantu sarve; paraṃ śaktyā sa hi me vidviṣāṇaḥ
Janamejaya sprach: „Damit dieses mein Ritual vollendet werde, und damit Takṣaka rasch zu uns komme — bemüht euch alle darum, mit höchster Kraft; denn er ist mein Feind.“
Die Opferpriester sprachen: „Wie es uns die Lehrschriften sagen, wie es das Feuer verkündet — in Indras Behausung, o König, weilt Takṣaka, von Furcht gepeinigt.“
Die Opferpriester sprachen: „Wie es uns die Lehrschriften sagen, wie es das Feuer verkündet — in Indras Behausung, o König, weilt Takṣaka, von Furcht gepeinigt.“
Sūta sprach: Wie der hochgesinnte Sūta Lohitākṣa, der Purāṇakundige, es zuvor erfahren hatte, so sprach er, damals befragt, zum König: „Wie es die Weisen gesagt haben, ebenso verhält es sich, Herrscher der Menschen —
Sūta sprach: Wie der hochgesinnte Sūta Lohitākṣa, der Purāṇakundige, es zuvor erfahren hatte, so sprach er, damals befragt, zum König: „Wie es die Weisen gesagt haben, ebenso verhält es sich, Herrscher der Menschen —
purāṇam āgamya tato bravīmy ahaṃ; dattaṃ tasmai varam indreṇa rājan | vaseha tvaṃ matsakāśe sugupto; na pāvakas tvāṃ pradahiṣyatīti
gestützt auf die alte Überlieferung, sage ich dir dies: eine Gunst wurde ihm von Indra gewährt, o König: ‚Weile hier bei mir, wohlbeschützt; das Opferfeuer wird dich nicht verbrennen.'“
Wort für Wort
purāṇam āgamya tato bravīmy ahaṃ; dattaṃ tasmai varam indreṇa rājan | vaseha tvaṃ matsakāśe sugupto; na pāvakas tvāṃ pradahiṣyatīti
gestützt auf die alte Überlieferung, sage ich dir dies: eine Gunst wurde ihm von Indra gewährt, o König: ‚Weile hier bei mir, wohlbeschützt; das Opferfeuer wird dich nicht verbrennen.'“
etac chrutvā dīkṣitas tapyamāna; āste hotāraṃ codayan karmakāle | hotā ca yattaḥ sa juhāva mantrair; atho indraḥ svayam evājagāma
Als er dies gehört hatte, verharrte der Geweihte, sich quälend, den Hotṛ-Priester zur Zeit des Rituals antreibend; und der Hotṛ-Priester, bemüht, opferte mit Sprüchen — da kam Indra selbst herbei,
Wort für Wort
etac chrutvā dīkṣitas tapyamāna; āste hotāraṃ codayan karmakāle | hotā ca yattaḥ sa juhāva mantrair; atho indraḥ svayam evājagāma
Als er dies gehört hatte, verharrte der Geweihte, sich quälend, den Hotṛ-Priester zur Zeit des Rituals antreibend; und der Hotṛ-Priester, bemüht, opferte mit Sprüchen — da kam Indra selbst herbei,
auf seinem Himmelswagen fahrend, von großer Macht, von allen Göttern ringsum gepriesen, von Wolkenwesen begleitet, sowie von Vidyādharas und Scharen von Apsaras.
auf seinem Himmelswagen fahrend, von großer Macht, von allen Göttern ringsum gepriesen, von Wolkenwesen begleitet, sowie von Vidyādharas und Scharen von Apsaras.
tasyottarīye nihitaḥ sa nāgo; bhayodvignaḥ śarma naivābhyagacchat | tato rājā mantravido 'bravīt punaḥ; kruddho vākyaṃ takṣakasyāntam icchan
An seinem Obergewand verborgen, jene Schlange, von Furcht erregt, fand dennoch keine Ruhe; da sprach der König, zornig, wieder zu den zaubersprüchekundigen Priestern das Wort, das Ende Takṣakas begehrend:
Wort für Wort
tasyottarīye nihitaḥ sa nāgo; bhayodvignaḥ śarma naivābhyagacchat | tato rājā mantravido 'bravīt punaḥ; kruddho vākyaṃ takṣakasyāntam icchan
An seinem Obergewand verborgen, jene Schlange, von Furcht erregt, fand dennoch keine Ruhe; da sprach der König, zornig, wieder zu den zaubersprüchekundigen Priestern das Wort, das Ende Takṣakas begehrend:
[Anm.: Ob „tasyottarīye nihitaḥ“ ein wörtliches Verbergen in Indras Obergewand oder bildhaft eine schützende Umarmung meint, bleibt unklar; die Übersetzung folgt dem naheliegenderen wörtlichen Sinn.]
ṛtvija ūcuḥ | ayam āyāti vai tūrṇaṃ takṣakas te vaśaṃ nṛpa | śrūyate 'sya mahān nādo ruvato bhairavaṃ bhayāt
Die Opferpriester sprachen: „Dieser Takṣaka kommt eilends in deine Gewalt, o König; sein gewaltiger Laut ist zu hören, wie er, aus Furcht, furchtbar brüllt.
Wort für Wort
ṛtvija ūcuḥ | ayam āyāti vai tūrṇaṃ takṣakas te vaśaṃ nṛpa | śrūyate 'sya mahān nādo ruvato bhairavaṃ bhayāt
Die Opferpriester sprachen: „Dieser Takṣaka kommt eilends in deine Gewalt, o König; sein gewaltiger Laut ist zu hören, wie er, aus Furcht, furchtbar brüllt.
Gewiss losgelassen von dem Blitzträger, jene Schlange, aus seiner Umarmung gefallen, den Leib durch unsere Zaubersprüche gelöst — im Himmel taumelnd, der Besinnung beraubt, naht sie sich, jener Schlangenkönig, heftige Seufzer ausstoßend.
Gewiss losgelassen von dem Blitzträger, jene Schlange, aus seiner Umarmung gefallen, den Leib durch unsere Zaubersprüche gelöst — im Himmel taumelnd, der Besinnung beraubt, naht sie sich, jener Schlangenkönig, heftige Seufzer ausstoßend.
Dieses dein Ritual, o König der Könige, vollzieht sich vorschriftsgemäß, o Herr; nun sollst du diesem besten der Zweifachgeborenen eine Gunst gewähren.“
Dieses dein Ritual, o König der Könige, vollzieht sich vorschriftsgemäß, o Herr; nun sollst du diesem besten der Zweifachgeborenen eine Gunst gewähren.“
janamejaya uvāca | bālābhirūpasya tavāprameya; varaṃ prayacchāmi yathānurūpam | vṛṇīṣva yat te 'bhimataṃ hṛdi sthitaṃ; tat te pradāsyāmy api ced adeyam
Janamejaya sprach: „Dir, dem an Alter Kindlichen, doch an Weisheit Unermesslichen, gewähre ich eine Gunst, wie es sich geziemt; wähle, was dir im Herzen als Wunsch liegt — das werde ich dir geben, selbst wenn es unmöglich zu geben wäre.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca | bālābhirūpasya tavāprameya; varaṃ prayacchāmi yathānurūpam | vṛṇīṣva yat te 'bhimataṃ hṛdi sthitaṃ; tat te pradāsyāmy api ced adeyam
Janamejaya sprach: „Dir, dem an Alter Kindlichen, doch an Weisheit Unermesslichen, gewähre ich eine Gunst, wie es sich geziemt; wähle, was dir im Herzen als Wunsch liegt — das werde ich dir geben, selbst wenn es unmöglich zu geben wäre.“
varaṃ dadāsi cen mahyaṃ vṛṇomi janamejaya | satraṃ te viramatv etan na pateyur ihoragāḥ
„Wenn du mir eine Gunst gewährst, so wähle ich, Janamejaya: Dieses dein Opfer soll aufhören — die Schlangen sollen hier nicht mehr in das Feuer fallen!“
Wort für Wort
varaṃ dadāsi cen mahyaṃ vṛṇomi janamejaya | satraṃ te viramatv etan na pateyur ihoragāḥ
„Wenn du mir eine Gunst gewährst, so wähle ich, Janamejaya: Dieses dein Opfer soll aufhören — die Schlangen sollen hier nicht mehr in das Feuer fallen!“
suvarṇaṃ rajataṃ gāś ca yac cānyan manyase vibho | tat te dadyāṃ varaṃ vipra na nivartet kratur mama
„Gold, Silber, Rinder, und was du sonst noch begehrst, o Mächtiger — das würde ich dir als Gunst geben, o Weiser; nur soll mein Opfer nicht abgebrochen werden.“
Wort für Wort
suvarṇaṃ rajataṃ gāś ca yac cānyan manyase vibho | tat te dadyāṃ varaṃ vipra na nivartet kratur mama
„Gold, Silber, Rinder, und was du sonst noch begehrst, o Mächtiger — das würde ich dir als Gunst geben, o Weiser; nur soll mein Opfer nicht abgebrochen werden.“
āstīka uvāca | suvarṇaṃ rajataṃ gāś ca na tvāṃ rājan vṛṇomy aham | satraṃ te viramatv etat svasti mātṛkulasya naḥ
Āstīka sprach: „Gold, Silber und Rinder erbitte ich nicht von dir, o König; nur dieses dein Opfer soll aufhören — zum Heil meines mütterlichen Geschlechts.“
Wort für Wort
āstīka uvāca | suvarṇaṃ rajataṃ gāś ca na tvāṃ rājan vṛṇomy aham | satraṃ te viramatv etat svasti mātṛkulasya naḥ
Āstīka sprach: „Gold, Silber und Rinder erbitte ich nicht von dir, o König; nur dieses dein Opfer soll aufhören — zum Heil meines mütterlichen Geschlechts.“
tato vedavidas tatra sadasyāḥ sarva eva tam | rājānam ūcuḥ sahitā labhatāṃ brāhmaṇo varam
Da sprachen die vedakundigen Beisitzer dort alle gemeinsam zu jenem König: „Der Brahmane soll seine Gunst erhalten!“
Wort für Wort
tato vedavidas tatra sadasyāḥ sarva eva tam | rājānam ūcuḥ sahitā labhatāṃ brāhmaṇo varam
Da sprachen die vedakundigen Beisitzer dort alle gemeinsam zu jenem König: „Der Brahmane soll seine Gunst erhalten!“
[Anm.: Adhyāya 51 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei, mitten in der Spannung, ob Janamejaya nachgeben wird. Die Auflösung – Takṣakas Rettung und das tatsächliche Ende des Sarpasatra – folgt im nächsten Adhyāya.]