Kapitel 143: Ghaṭotkacotpattiḥ
Hiḍimbās Bitte und Ghaṭotkacas Geburt
Hiḍimbā erbittet von Kuntī und Yudhiṣṭhira, Bhīma heiraten zu dürfen, mit dem Argument, in Notlagen dürfe man zur Selbst- und Fremdrettung vom starren Dharma abweichen. Yudhiṣṭhira gewährt die Verbindung unter der Auflage, dass Bhīma tagsüber bei Hiḍimbā weile, nachts aber stets zu den Pāṇḍavas zurückkehre. Aus dieser Verbindung, die die beiden an zahlreichen paradiesischen Orten verbringen, geht der furchterregende, sagenhaft schnell heranwachsende Sohn Ghaṭotkaca hervor. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit kehrt Hiḍimbā in ihr eigenes Reich zurück, während Ghaṭotkaca, den Pāṇḍavas treu ergeben, sich mit dem Versprechen künftigen Beistands verabschiedet und nordwärts zieht – der Erzähler deutet dabei bereits an, dass Ghaṭotkaca von Indra erschaffen wurde, um dereinst durch Karṇas Śakti-Speer zu fallen.
Bhīma sprach: ‚Rākṣasas gedenken der Feindschaft, indem sie sich täuschender Zauberkraft bedienen; geh, Hiḍimbā, den Weg, den auch dein Bruder gegangen ist.'
Bhīma sprach: ‚Rākṣasas gedenken der Feindschaft, indem sie sich täuschender Zauberkraft bedienen; geh, Hiḍimbā, den Weg, den auch dein Bruder gegangen ist.'
[Anm.: Eine kaum verhüllte Drohung – Bhīma meint den Weg in den Tod, den auch Hiḍimba gegangen ist. [?]
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Auch im Zorn, Tiger unter den Männern, Bhīma, töte keine Frau; höher als den Schutz des eigenen Leibes hüte das Dharma, o Pāṇḍava.'
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Auch im Zorn, Tiger unter den Männern, Bhīma, töte keine Frau; höher als den Schutz des eigenen Leibes hüte das Dharma, o Pāṇḍava.'
‚Denn ich habe Freunde, mein eigenes Dharma und meine eigenen Leute aufgegeben und diesen tigergleichen Mann, deinen Sohn, zum Gatten erwählt, du Holde.'
‚Denn ich habe Freunde, mein eigenes Dharma und meine eigenen Leute aufgegeben und diesen tigergleichen Mann, deinen Sohn, zum Gatten erwählt, du Holde.'
vareṇāpi tathānena tvayā cāpi yaśasvini tathā bruvantī hi tadā pratyākhyātā kriyāṃ prati
‚Von ihm selbst als Freier und von dir, o Ruhmreiche, wurde ich, als ich meinen Wunsch äußerte, damals hinsichtlich der ehelichen Vollziehung zurückgewiesen.'
Wort für Wort
vareṇāpi tathānena tvayā cāpi yaśasvini tathā bruvantī hi tadā pratyākhyātā kriyāṃ prati
‚Von ihm selbst als Freier und von dir, o Ruhmreiche, wurde ich, als ich meinen Wunsch äußerte, damals hinsichtlich der ehelichen Vollziehung zurückgewiesen.'
ahaṃ hi manasā dhyātā sarvān neṣyāmi vaḥ sadā vṛjine tārayiṣyāmi durgeṣu ca nararṣabhān
‚Denn allein durch euren Gedanken an mich herbeigerufen, werde ich euch stets [beistehen]; ich werde euch, Stiere unter den Männern, in Not und in unwegsamem Gelände hindurchbringen.'
Wort für Wort
ahaṃ hi manasā dhyātā sarvān neṣyāmi vaḥ sadā vṛjine tārayiṣyāmi durgeṣu ca nararṣabhān
‚Denn allein durch euren Gedanken an mich herbeigerufen, werde ich euch stets [beistehen]; ich werde euch, Stiere unter den Männern, in Not und in unwegsamem Gelände hindurchbringen.'
āpadas taraṇe prāṇān dhārayed yena yena hi sarvam ādṛtya kartavyaṃ tad dharmam anuvartatā
‚Um Gefahren zu überstehen, soll man sein Leben erhalten, durch welches Mittel auch immer; alles dazu Nötige soll, unter Wahrung des Dharma, beachtet und getan werden.'
Wort für Wort
āpadas taraṇe prāṇān dhārayed yena yena hi sarvam ādṛtya kartavyaṃ tad dharmam anuvartatā
‚Um Gefahren zu überstehen, soll man sein Leben erhalten, durch welches Mittel auch immer; alles dazu Nötige soll, unter Wahrung des Dharma, beachtet und getan werden.'
‚Verdienstvoll ist es, das Leben zu bewahren; verdienstvoll wird auch genannt, wer einem anderen das Leben rettet; wodurch auch immer man das Dharma befolgt, darin liegt kein Tadel.'
‚Verdienstvoll ist es, das Leben zu bewahren; verdienstvoll wird auch genannt, wer einem anderen das Leben rettet; wodurch auch immer man das Dharma befolgt, darin liegt kein Tadel.'
Yudhiṣṭhira sprach: ‚So ist es, wie du sagst, Hiḍimbā, daran besteht kein Zweifel; doch du sollst beim Dharma bleiben, so wie ich es dir sage, du Schlanktaillierte.'
Yudhiṣṭhira sprach: ‚So ist es, wie du sagst, Hiḍimbā, daran besteht kein Zweifel; doch du sollst beim Dharma bleiben, so wie ich es dir sage, du Schlanktaillierte.'
‚Den gebadeten, seine Tagespflichten vollzogen habenden, mit Kautuka-Segensritus versehenen Bhīmasena sollst du, du Gute, jeweils vor Sonnenuntergang zu dir nehmen.'
‚Den gebadeten, seine Tagespflichten vollzogen habenden, mit Kautuka-Segensritus versehenen Bhīmasena sollst du, du Gute, jeweils vor Sonnenuntergang zu dir nehmen.'
[Anm.: kautuka – ein einleitender Segens-/Glücksritus, hier wohl vor dem ehelichen Beisammensein.
ahaḥsu viharānena yathākāmaṃ manojavā ayaṃ tv ānayitavyas te bhīmasenaḥ sadā niśi
‚Bei Tage magst du dich mit ihm nach Belieben vergnügen, du Gedankenschnelle; doch diesen, Bhīmasena, sollst du stets zur Nacht wieder zu uns zurückbringen.'
Wort für Wort
ahaḥsu viharānena yathākāmaṃ manojavā ayaṃ tv ānayitavyas te bhīmasenaḥ sadā niśi
‚Bei Tage magst du dich mit ihm nach Belieben vergnügen, du Gedankenschnelle; doch diesen, Bhīmasena, sollst du stets zur Nacht wieder zu uns zurückbringen.'
amānuṣaṃ mānuṣajaṃ bhīmavegaṃ mahābalam yaḥ piśācān atīvānyān babhūvāti sa mānuṣān
unmenschlich, doch von einem Menschen gezeugt, von furchtbarer Wucht, überaus stark, der andere Piśācas an Schrecklichkeit übertraf, und noch mehr die Menschen.
Wort für Wort
amānuṣaṃ mānuṣajaṃ bhīmavegaṃ mahābalam yaḥ piśācān atīvānyān babhūvāti sa mānuṣān
unmenschlich, doch von einem Menschen gezeugt, von furchtbarer Wucht, überaus stark, der andere Piśācas an Schrecklichkeit übertraf, und noch mehr die Menschen.
Obwohl noch ein Kind, erreichte er unter den Menschen, o Herrscher der Untertanen, sogleich die Jugendreife; der tapfere, kraftvolle Sohn erlangte höchste Vollkommenheit in allen Waffen.
Obwohl noch ein Kind, erreichte er unter den Menschen, o Herrscher der Untertanen, sogleich die Jugendreife; der tapfere, kraftvolle Sohn erlangte höchste Vollkommenheit in allen Waffen.
[Anm.: Rākṣasa-Nachkommen wachsen der Tradition nach sagenhaft schnell heran – ein wiederkehrendes Motiv.
ghaṭabhāsotkaca iti mātaraṃ so 'bhyabhāṣata abhavat tena nāmāsya ghaṭotkaca iti sma ha
‚Mit einem Kopf glänzend wie ein kahler Wasserkrug' – so sprach er zu seiner Mutter; davon wurde sein Name ‚Ghaṭotkaca' [‚der mit dem krugkahlen Haupt'].
Wort für Wort
ghaṭabhāsotkaca iti mātaraṃ so 'bhyabhāṣata abhavat tena nāmāsya ghaṭotkaca iti sma ha
‚Mit einem Kopf glänzend wie ein kahler Wasserkrug' – so sprach er zu seiner Mutter; davon wurde sein Name ‚Ghaṭotkaca' [‚der mit dem krugkahlen Haupt'].
[Anm.: Volksetymologie des Namens Ghaṭotkaca aus ghaṭa (,Krug') und utkaca (,haarlos').
‚Die Zeit unseres Zusammenlebens ist abgelaufen' – so sprach sie darauf zu ihm; Hiḍimbā, die Abmachung erfüllt habend, kehrte zu ihrem eigenen Wirkungsbereich zurück.
‚Die Zeit unseres Zusammenlebens ist abgelaufen' – so sprach sie darauf zu ihm; Hiḍimbā, die Abmachung erfüllt habend, kehrte zu ihrem eigenen Wirkungsbereich zurück.
‚Wenn die Zeit der nötigen Tat kommt, werde ich meinen Vätern beistehen' – so sprach Ghaṭotkaca, der Beste der Rākṣasas, nahm Abschied und zog in die nördliche Richtung fort.
‚Wenn die Zeit der nötigen Tat kommt, werde ich meinen Vätern beistehen' – so sprach Ghaṭotkaca, der Beste der Rākṣasas, nahm Abschied und zog in die nördliche Richtung fort.
sa hi sṛṣṭo maghavatā śaktihetor mahātmanā karṇasyāprativīryasya vināśāya mahātmanaḥ
Denn er war von dem hochherzigen Maghavat [Indra] erschaffen worden, um der Śakti-Waffe willen, zum Verderben des hochherzigen, an Tapferkeit unübertroffenen Karṇa.
Wort für Wort
sa hi sṛṣṭo maghavatā śaktihetor mahātmanā karṇasyāprativīryasya vināśāya mahātmanaḥ
Denn er war von dem hochherzigen Maghavat [Indra] erschaffen worden, um der Śakti-Waffe willen, zum Verderben des hochherzigen, an Tapferkeit unübertroffenen Karṇa.
[Anm.: Eine deutliche Vorausdeutung auf Ghaṭotkacas späteren Tod im Kurukṣetra-Krieg durch Karṇas Śakti-Speer, mit dem dieser eigentlich Arjuna töten sollte.