Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 143: Ghaṭotkacotpattiḥ Hiḍimbās Bitte und Ghaṭotkacas Geburt

Hiḍimbā erbittet von Kuntī und Yudhiṣṭhira, Bhīma heiraten zu dürfen, mit dem Argument, in Notlagen dürfe man zur Selbst- und Fremdrettung vom starren Dharma abweichen. Yudhiṣṭhira gewährt die Verbindung unter der Auflage, dass Bhīma tagsüber bei Hiḍimbā weile, nachts aber stets zu den Pāṇḍavas zurückkehre. Aus dieser Verbindung, die die beiden an zahlreichen paradiesischen Orten verbringen, geht der furchterregende, sagenhaft schnell heranwachsende Sohn Ghaṭotkaca hervor. Nach Ablauf der vereinbarten Zeit kehrt Hiḍimbā in ihr eigenes Reich zurück, während Ghaṭotkaca, den Pāṇḍavas treu ergeben, sich mit dem Versprechen künftigen Beistands verabschiedet und nordwärts zieht – der Erzähler deutet dabei bereits an, dass Ghaṭotkaca von Indra erschaffen wurde, um dereinst durch Karṇas Śakti-Speer zu fallen.

bhīma uvāca smaranti vairaṃ rakṣāṃsi māyām āśritya mohinīm hiḍimbe vraja panthānaṃ tvaṃ vai bhrātṛniṣevitam

Bhīma sprach: ‚Rākṣasas gedenken der Feindschaft, indem sie sich täuschender Zauberkraft bedienen; geh, Hiḍimbā, den Weg, den auch dein Bruder gegangen ist.'

Wort für Wort
bhīma uvāca smaranti vairaṃ rakṣāṃsi māyām āśritya mohinīm hiḍimbe vraja panthānaṃ tvaṃ vai bhrātṛniṣevitam
Bhīma sprach: ‚Rākṣasas gedenken der Feindschaft, indem sie sich täuschender Zauberkraft bedienen; geh, Hiḍimbā, den Weg, den auch dein Bruder gegangen ist.'

[Anm.: Eine kaum verhüllte Drohung – Bhīma meint den Weg in den Tod, den auch Hiḍimba gegangen ist. [?]

yudhiṣṭhira uvāca kruddho 'pi puruṣavyāghra bhīma mā sma striyaṃ vadhīḥ śarīraguptyābhyadhikaṃ dharmaṃ gopaya pāṇḍava

Yudhiṣṭhira sprach: ‚Auch im Zorn, Tiger unter den Männern, Bhīma, töte keine Frau; höher als den Schutz des eigenen Leibes hüte das Dharma, o Pāṇḍava.'

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca kruddho 'pi puruṣavyāghra bhīma mā sma striyaṃ vadhīḥ śarīraguptyābhyadhikaṃ dharmaṃ gopaya pāṇḍava
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Auch im Zorn, Tiger unter den Männern, Bhīma, töte keine Frau; höher als den Schutz des eigenen Leibes hüte das Dharma, o Pāṇḍava.'

vadhābhiprāyam āyāntam avadhīs tvaṃ mahābalam rakṣasas tasya bhaginī kiṃ naḥ kruddhā kariṣyati

‚Den, der mit Tötungsabsicht herankam, hast du getötet, den überaus Starken; was kann uns die Schwester jenes Rākṣasa, selbst im Zorn, antun?'

Wort für Wort
vadhābhiprāyam āyāntam avadhīs tvaṃ mahābalam rakṣasas tasya bhaginī kiṃ naḥ kruddhā kariṣyati
‚Den, der mit Tötungsabsicht herankam, hast du getötet, den überaus Starken; was kann uns die Schwester jenes Rākṣasa, selbst im Zorn, antun?'

vaiśaṃpāyana uvāca hiḍimbā tu tataḥ kuntīm abhivādya kṛtāñjaliḥ yudhiṣṭhiraṃ ca kaunteyam idaṃ vacanam abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Hiḍimbā aber, Kuntī grüßend, mit gefalteten Händen, sprach darauf zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn Kuntīs, dieses Wort:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca hiḍimbā tu tataḥ kuntīm abhivādya kṛtāñjaliḥ yudhiṣṭhiraṃ ca kaunteyam idaṃ vacanam abravīt
Vaiśaṃpāyana sprach: Hiḍimbā aber, Kuntī grüßend, mit gefalteten Händen, sprach darauf zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn Kuntīs, dieses Wort:

ārye jānāsi yad duḥkham iha strīṇām anaṅgajam tad idaṃ mām anuprāptaṃ bhīmasenakṛtaṃ śubhe

‚Edle, du weißt, welches Leid den Frauen hier durch den Liebesgott entsteht; eben dieses Leid, durch Bhīmasena verursacht, hat mich ereilt, du Holde.'

Wort für Wort
ārye jānāsi yad duḥkham iha strīṇām anaṅgajam tad idaṃ mām anuprāptaṃ bhīmasenakṛtaṃ śubhe
‚Edle, du weißt, welches Leid den Frauen hier durch den Liebesgott entsteht; eben dieses Leid, durch Bhīmasena verursacht, hat mich ereilt, du Holde.'

soḍhaṃ tat paramaṃ duḥkhaṃ mayā kālapratīkṣayā so 'yam abhyāgataḥ kālo bhavitā me sukhāya vai

‚Dieses höchste Leid habe ich ertragen, auf die rechte Zeit wartend; nun ist diese Zeit gekommen, die mir zum Glück gereichen wird.'

Wort für Wort
soḍhaṃ tat paramaṃ duḥkhaṃ mayā kālapratīkṣayā so 'yam abhyāgataḥ kālo bhavitā me sukhāya vai
‚Dieses höchste Leid habe ich ertragen, auf die rechte Zeit wartend; nun ist diese Zeit gekommen, die mir zum Glück gereichen wird.'

mayā hy utsṛjya suhṛdaḥ svadharmaṃ svajanaṃ tathā vṛto 'yaṃ puruṣavyāghras tava putraḥ patiḥ śubhe

‚Denn ich habe Freunde, mein eigenes Dharma und meine eigenen Leute aufgegeben und diesen tigergleichen Mann, deinen Sohn, zum Gatten erwählt, du Holde.'

Wort für Wort
mayā hy utsṛjya suhṛdaḥ svadharmaṃ svajanaṃ tathā vṛto 'yaṃ puruṣavyāghras tava putraḥ patiḥ śubhe
‚Denn ich habe Freunde, mein eigenes Dharma und meine eigenen Leute aufgegeben und diesen tigergleichen Mann, deinen Sohn, zum Gatten erwählt, du Holde.'

vareṇāpi tathānena tvayā cāpi yaśasvini tathā bruvantī hi tadā pratyākhyātā kriyāṃ prati

‚Von ihm selbst als Freier und von dir, o Ruhmreiche, wurde ich, als ich meinen Wunsch äußerte, damals hinsichtlich der ehelichen Vollziehung zurückgewiesen.'

Wort für Wort
vareṇāpi tathānena tvayā cāpi yaśasvini tathā bruvantī hi tadā pratyākhyātā kriyāṃ prati
‚Von ihm selbst als Freier und von dir, o Ruhmreiche, wurde ich, als ich meinen Wunsch äußerte, damals hinsichtlich der ehelichen Vollziehung zurückgewiesen.'

tvaṃ māṃ mūḍheti vā matvā bhaktā vānugateti vā bhartrānena mahābhāge saṃyojaya sutena te

‚Magst du mich für töricht halten, oder für ergeben, oder für dir folgsam – vereine mich mit diesem deinem Sohn als Gatten, du Hochgesegnete.'

Wort für Wort
tvaṃ māṃ mūḍheti vā matvā bhaktā vānugateti vā bhartrānena mahābhāge saṃyojaya sutena te
‚Magst du mich für töricht halten, oder für ergeben, oder für dir folgsam – vereine mich mit diesem deinem Sohn als Gatten, du Hochgesegnete.'

tam upādāya gaccheyaṃ yatheṣṭaṃ devarūpiṇam punaś caivāgamiṣyāmi viśrambhaṃ kuru me śubhe

‚Ich möchte ihn, den Göttergestaltigen, mitnehmen, wohin ich will, und dann wieder zurückkehren; schenke mir Vertrauen, du Holde.'

Wort für Wort
tam upādāya gaccheyaṃ yatheṣṭaṃ devarūpiṇam punaś caivāgamiṣyāmi viśrambhaṃ kuru me śubhe
‚Ich möchte ihn, den Göttergestaltigen, mitnehmen, wohin ich will, und dann wieder zurückkehren; schenke mir Vertrauen, du Holde.'

ahaṃ hi manasā dhyātā sarvān neṣyāmi vaḥ sadā vṛjine tārayiṣyāmi durgeṣu ca nararṣabhān

‚Denn allein durch euren Gedanken an mich herbeigerufen, werde ich euch stets [beistehen]; ich werde euch, Stiere unter den Männern, in Not und in unwegsamem Gelände hindurchbringen.'

Wort für Wort
ahaṃ hi manasā dhyātā sarvān neṣyāmi vaḥ sadā vṛjine tārayiṣyāmi durgeṣu ca nararṣabhān
‚Denn allein durch euren Gedanken an mich herbeigerufen, werde ich euch stets [beistehen]; ich werde euch, Stiere unter den Männern, in Not und in unwegsamem Gelände hindurchbringen.'

pṛṣṭhena vo vahiṣyāmi śīghrāṃ gatim abhīpsataḥ yūyaṃ prasādaṃ kuruta bhīmaseno bhajeta mām

‚Auf meinem Rücken werde ich euch tragen, wenn ihr rasches Vorankommen wünscht; gewährt mir eure Gunst – Bhīmasena möge sich mir zuwenden.'

Wort für Wort
pṛṣṭhena vo vahiṣyāmi śīghrāṃ gatim abhīpsataḥ yūyaṃ prasādaṃ kuruta bhīmaseno bhajeta mām
‚Auf meinem Rücken werde ich euch tragen, wenn ihr rasches Vorankommen wünscht; gewährt mir eure Gunst – Bhīmasena möge sich mir zuwenden.'

āpadas taraṇe prāṇān dhārayed yena yena hi sarvam ādṛtya kartavyaṃ tad dharmam anuvartatā

‚Um Gefahren zu überstehen, soll man sein Leben erhalten, durch welches Mittel auch immer; alles dazu Nötige soll, unter Wahrung des Dharma, beachtet und getan werden.'

Wort für Wort
āpadas taraṇe prāṇān dhārayed yena yena hi sarvam ādṛtya kartavyaṃ tad dharmam anuvartatā
‚Um Gefahren zu überstehen, soll man sein Leben erhalten, durch welches Mittel auch immer; alles dazu Nötige soll, unter Wahrung des Dharma, beachtet und getan werden.'

āpatsu yo dhārayati dharmaṃ dharmavid uttamaḥ vyasanaṃ hy eva dharmasya dharmiṇām āpad ucyate

‚Wer in Notlagen das Dharma bewahrt, ist der beste Dharma-Kundige; denn Not wird für die Dharma-Treuen geradezu als Prüfung des Dharma bezeichnet.'

Wort für Wort
āpatsu yo dhārayati dharmaṃ dharmavid uttamaḥ vyasanaṃ hy eva dharmasya dharmiṇām āpad ucyate
‚Wer in Notlagen das Dharma bewahrt, ist der beste Dharma-Kundige; denn Not wird für die Dharma-Treuen geradezu als Prüfung des Dharma bezeichnet.'

puṇyaṃ prāṇān dhārayati puṇyaṃ prāṇadam ucyate yena yenācared dharmaṃ tasmin garhā na vidyate

‚Verdienstvoll ist es, das Leben zu bewahren; verdienstvoll wird auch genannt, wer einem anderen das Leben rettet; wodurch auch immer man das Dharma befolgt, darin liegt kein Tadel.'

Wort für Wort
puṇyaṃ prāṇān dhārayati puṇyaṃ prāṇadam ucyate yena yenācared dharmaṃ tasmin garhā na vidyate
‚Verdienstvoll ist es, das Leben zu bewahren; verdienstvoll wird auch genannt, wer einem anderen das Leben rettet; wodurch auch immer man das Dharma befolgt, darin liegt kein Tadel.'

yudhiṣṭhira uvāca evam etad yathāttha tvaṃ hiḍimbe nātra saṃśayaḥ sthātavyaṃ tu tvayā dharme yathā brūyāṃ sumadhyame

Yudhiṣṭhira sprach: ‚So ist es, wie du sagst, Hiḍimbā, daran besteht kein Zweifel; doch du sollst beim Dharma bleiben, so wie ich es dir sage, du Schlanktaillierte.'

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca evam etad yathāttha tvaṃ hiḍimbe nātra saṃśayaḥ sthātavyaṃ tu tvayā dharme yathā brūyāṃ sumadhyame
Yudhiṣṭhira sprach: ‚So ist es, wie du sagst, Hiḍimbā, daran besteht kein Zweifel; doch du sollst beim Dharma bleiben, so wie ich es dir sage, du Schlanktaillierte.'

snātaṃ kṛtāhnikaṃ bhadre kṛtakautukamaṅgalam bhīmasenaṃ bhajethās tvaṃ prāg astagamanād raveḥ

‚Den gebadeten, seine Tagespflichten vollzogen habenden, mit Kautuka-Segensritus versehenen Bhīmasena sollst du, du Gute, jeweils vor Sonnenuntergang zu dir nehmen.'

Wort für Wort
snātaṃ kṛtāhnikaṃ bhadre kṛtakautukamaṅgalam bhīmasenaṃ bhajethās tvaṃ prāg astagamanād raveḥ
‚Den gebadeten, seine Tagespflichten vollzogen habenden, mit Kautuka-Segensritus versehenen Bhīmasena sollst du, du Gute, jeweils vor Sonnenuntergang zu dir nehmen.'

[Anm.: kautuka – ein einleitender Segens-/Glücksritus, hier wohl vor dem ehelichen Beisammensein.

ahaḥsu viharānena yathākāmaṃ manojavā ayaṃ tv ānayitavyas te bhīmasenaḥ sadā niśi

‚Bei Tage magst du dich mit ihm nach Belieben vergnügen, du Gedankenschnelle; doch diesen, Bhīmasena, sollst du stets zur Nacht wieder zu uns zurückbringen.'

Wort für Wort
ahaḥsu viharānena yathākāmaṃ manojavā ayaṃ tv ānayitavyas te bhīmasenaḥ sadā niśi
‚Bei Tage magst du dich mit ihm nach Belieben vergnügen, du Gedankenschnelle; doch diesen, Bhīmasena, sollst du stets zur Nacht wieder zu uns zurückbringen.'

vaiśaṃpāyana uvāca tatheti tat pratijñāya hiḍimbā rākṣasī tadā bhīmasenam upādāya ūrdhvam ācakrame tataḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: ‚So sei es', dies gelobend, nahm die Rākṣasī Hiḍimbā darauf Bhīmasena und stieg mit ihm empor.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tatheti tat pratijñāya hiḍimbā rākṣasī tadā bhīmasenam upādāya ūrdhvam ācakrame tataḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: ‚So sei es', dies gelobend, nahm die Rākṣasī Hiḍimbā darauf Bhīmasena und stieg mit ihm empor.

śailaśṛṅgeṣu ramyeṣu devatāyataneṣu ca mṛgapakṣivighuṣṭeṣu ramaṇīyeṣu sarvadā

Auf lieblichen Berggipfeln und in Götterheiligtümern, die stets von den Rufen der Tiere und Vögel durchklungen, lieblich waren,

Wort für Wort
śailaśṛṅgeṣu ramyeṣu devatāyataneṣu ca mṛgapakṣivighuṣṭeṣu ramaṇīyeṣu sarvadā
Auf lieblichen Berggipfeln und in Götterheiligtümern, die stets von den Rufen der Tiere und Vögel durchklungen, lieblich waren,

kṛtvā ca paramaṃ rūpaṃ sarvābharaṇabhūṣitā saṃjalpantī sumadhuraṃ ramayām āsa pāṇḍavam

nahm sie höchste Schönheit an, mit allem Schmuck geziert, und erfreute, überaus süß plaudernd, den Pāṇḍava.

Wort für Wort
kṛtvā ca paramaṃ rūpaṃ sarvābharaṇabhūṣitā saṃjalpantī sumadhuraṃ ramayām āsa pāṇḍavam
nahm sie höchste Schönheit an, mit allem Schmuck geziert, und erfreute, überaus süß plaudernd, den Pāṇḍava.

tathaiva vanadurgeṣu puṣpitadrumasānuṣu saraḥsu ramaṇīyeṣu padmotpalayuteṣu ca

ebenso in unzugänglichen Wäldern, auf Hügeln mit blühenden Bäumen, an lieblichen Seen mit Lotos- und Wasserlilien,

Wort für Wort
tathaiva vanadurgeṣu puṣpitadrumasānuṣu saraḥsu ramaṇīyeṣu padmotpalayuteṣu ca
ebenso in unzugänglichen Wäldern, auf Hügeln mit blühenden Bäumen, an lieblichen Seen mit Lotos- und Wasserlilien,

nadīdvīpapradeśeṣu vaiḍūryasikatāsu ca sutīrthavanatoyāsu tathā girinadīṣu ca

an Flussinseln, auf Ufern mit Beryll-Sand, an Wasserstellen mit gutem Wald und Wasser, sowie an Gebirgsflüssen,

Wort für Wort
nadīdvīpapradeśeṣu vaiḍūryasikatāsu ca sutīrthavanatoyāsu tathā girinadīṣu ca
an Flussinseln, auf Ufern mit Beryll-Sand, an Wasserstellen mit gutem Wald und Wasser, sowie an Gebirgsflüssen,

sagarasya pradeśeṣu maṇihemaciteṣu ca pattaneṣu ca ramyeṣu mahāśālavaneṣu ca

an den mit Edelsteinen und Gold bestreuten Küstenstrichen des Meeres, in lieblichen Handelsstädten und in großen Śāla-Wäldern,

Wort für Wort
sagarasya pradeśeṣu maṇihemaciteṣu ca pattaneṣu ca ramyeṣu mahāśālavaneṣu ca
an den mit Edelsteinen und Gold bestreuten Küstenstrichen des Meeres, in lieblichen Handelsstädten und in großen Śāla-Wäldern,

devāraṇyeṣu puṇyeṣu tathā parvatasānuṣu guhyakānāṃ nivāseṣu tāpasāyataneṣu ca

in heiligen Götterwäldern, auf Bergrücken, in den Wohnstätten der Guhyakas und in Asketenklausen,

Wort für Wort
devāraṇyeṣu puṇyeṣu tathā parvatasānuṣu guhyakānāṃ nivāseṣu tāpasāyataneṣu ca
in heiligen Götterwäldern, auf Bergrücken, in den Wohnstätten der Guhyakas und in Asketenklausen,

sarvartuphalapuṣpeṣu mānaseṣu saraḥsu ca bibhratī paramaṃ rūpaṃ ramayām āsa pāṇḍavam

an Orten mit Früchten und Blüten aller Jahreszeiten und am Mānasa-See, höchste Schönheit tragend, erfreute sie den Pāṇḍava.

Wort für Wort
sarvartuphalapuṣpeṣu mānaseṣu saraḥsu ca bibhratī paramaṃ rūpaṃ ramayām āsa pāṇḍavam
an Orten mit Früchten und Blüten aller Jahreszeiten und am Mānasa-See, höchste Schönheit tragend, erfreute sie den Pāṇḍava.

ramayantī tathā bhīmaṃ tatra tatra manojavā prajajñe rākṣasī putraṃ bhīmasenān mahābalam

Bhīma so dort und dort erfreuend, gebar die gedankenschnelle Rākṣasī von Bhīmasena einen überaus starken Sohn.

Wort für Wort
ramayantī tathā bhīmaṃ tatra tatra manojavā prajajñe rākṣasī putraṃ bhīmasenān mahābalam
Bhīma so dort und dort erfreuend, gebar die gedankenschnelle Rākṣasī von Bhīmasena einen überaus starken Sohn.

virūpākṣaṃ mahāvaktraṃ śaṅkukarṇaṃ vibhīṣaṇam bhīmarūpaṃ sutāmroṣṭhaṃ tīkṣṇadaṃṣṭraṃ mahābalam

mit ungewöhnlichen Augen, großem Maul, pfeilspitzenförmigen Ohren, furchterregend, von schrecklicher Gestalt, mit kupferroten Lippen, scharfen Fangzähnen, überaus stark,

Wort für Wort
virūpākṣaṃ mahāvaktraṃ śaṅkukarṇaṃ vibhīṣaṇam bhīmarūpaṃ sutāmroṣṭhaṃ tīkṣṇadaṃṣṭraṃ mahābalam
mit ungewöhnlichen Augen, großem Maul, pfeilspitzenförmigen Ohren, furchterregend, von schrecklicher Gestalt, mit kupferroten Lippen, scharfen Fangzähnen, überaus stark,

maheṣvāsaṃ mahāvīryaṃ mahāsattvaṃ mahābhujam mahājavaṃ mahākāyaṃ mahāmāyam ariṃdamam

ein großer Bogenschütze, von großer Tapferkeit, großem Wesen, mächtigen Armen, großer Schnelligkeit, riesigem Leib, großer Zauberkraft, Bezwinger der Feinde,

Wort für Wort
maheṣvāsaṃ mahāvīryaṃ mahāsattvaṃ mahābhujam mahājavaṃ mahākāyaṃ mahāmāyam ariṃdamam
ein großer Bogenschütze, von großer Tapferkeit, großem Wesen, mächtigen Armen, großer Schnelligkeit, riesigem Leib, großer Zauberkraft, Bezwinger der Feinde,

amānuṣaṃ mānuṣajaṃ bhīmavegaṃ mahābalam yaḥ piśācān atīvānyān babhūvāti sa mānuṣān

unmenschlich, doch von einem Menschen gezeugt, von furchtbarer Wucht, überaus stark, der andere Piśācas an Schrecklichkeit übertraf, und noch mehr die Menschen.

Wort für Wort
amānuṣaṃ mānuṣajaṃ bhīmavegaṃ mahābalam yaḥ piśācān atīvānyān babhūvāti sa mānuṣān
unmenschlich, doch von einem Menschen gezeugt, von furchtbarer Wucht, überaus stark, der andere Piśācas an Schrecklichkeit übertraf, und noch mehr die Menschen.

bālo 'pi yauvanaṃ prāpto mānuṣeṣu viśāṃ pate sarvāstreṣu paraṃ vīraḥ prakarṣam agamad balī

Obwohl noch ein Kind, erreichte er unter den Menschen, o Herrscher der Untertanen, sogleich die Jugendreife; der tapfere, kraftvolle Sohn erlangte höchste Vollkommenheit in allen Waffen.

Wort für Wort
bālo 'pi yauvanaṃ prāpto mānuṣeṣu viśāṃ pate sarvāstreṣu paraṃ vīraḥ prakarṣam agamad balī
Obwohl noch ein Kind, erreichte er unter den Menschen, o Herrscher der Untertanen, sogleich die Jugendreife; der tapfere, kraftvolle Sohn erlangte höchste Vollkommenheit in allen Waffen.

[Anm.: Rākṣasa-Nachkommen wachsen der Tradition nach sagenhaft schnell heran – ein wiederkehrendes Motiv.

sadyo hi garbhaṃ rākṣasyo labhante prasavanti ca kāmarūpadharāś caiva bhavanti bahurūpiṇaḥ

Denn Rākṣasī-Frauen empfangen und gebären sogleich, ohne die übliche Schwangerschaftsdauer, und sie sind von Wunschgestalt, vielgestaltig.

Wort für Wort
sadyo hi garbhaṃ rākṣasyo labhante prasavanti ca kāmarūpadharāś caiva bhavanti bahurūpiṇaḥ
Denn Rākṣasī-Frauen empfangen und gebären sogleich, ohne die übliche Schwangerschaftsdauer, und sie sind von Wunschgestalt, vielgestaltig.

praṇamya vikacaḥ pādāv agṛhṇāt sa pitus tadā mātuś ca parameṣvāsas tau ca nāmāsya cakratuḥ

Kahlköpfig geboren, verneigte sich der große Bogenschütze und ergriff die Füße seines Vaters und seiner Mutter; und die beiden gaben ihm einen Namen.

Wort für Wort
praṇamya vikacaḥ pādāv agṛhṇāt sa pitus tadā mātuś ca parameṣvāsas tau ca nāmāsya cakratuḥ
Kahlköpfig geboren, verneigte sich der große Bogenschütze und ergriff die Füße seines Vaters und seiner Mutter; und die beiden gaben ihm einen Namen.

ghaṭabhāsotkaca iti mātaraṃ so 'bhyabhāṣata abhavat tena nāmāsya ghaṭotkaca iti sma ha

‚Mit einem Kopf glänzend wie ein kahler Wasserkrug' – so sprach er zu seiner Mutter; davon wurde sein Name ‚Ghaṭotkaca' [‚der mit dem krugkahlen Haupt'].

Wort für Wort
ghaṭabhāsotkaca iti mātaraṃ so 'bhyabhāṣata abhavat tena nāmāsya ghaṭotkaca iti sma ha
‚Mit einem Kopf glänzend wie ein kahler Wasserkrug' – so sprach er zu seiner Mutter; davon wurde sein Name ‚Ghaṭotkaca' [‚der mit dem krugkahlen Haupt'].

[Anm.: Volksetymologie des Namens Ghaṭotkaca aus ghaṭa (,Krug') und utkaca (,haarlos').

anuraktaś ca tān āsīt pāṇḍavān sa ghaṭotkacaḥ teṣāṃ ca dayito nityam ātmabhūto babhūva saḥ

Und jener Ghaṭotkaca war den Pāṇḍavas zugetan, und er wurde ihr stets geliebter, wie ein eigener Sohn.

Wort für Wort
anuraktaś ca tān āsīt pāṇḍavān sa ghaṭotkacaḥ teṣāṃ ca dayito nityam ātmabhūto babhūva saḥ
Und jener Ghaṭotkaca war den Pāṇḍavas zugetan, und er wurde ihr stets geliebter, wie ein eigener Sohn.

saṃvāsasamayo jīrṇa ity abhāṣata taṃ tataḥ hiḍimbā samayaṃ kṛtvā svāṃ gatiṃ pratyapadyata

‚Die Zeit unseres Zusammenlebens ist abgelaufen' – so sprach sie darauf zu ihm; Hiḍimbā, die Abmachung erfüllt habend, kehrte zu ihrem eigenen Wirkungsbereich zurück.

Wort für Wort
saṃvāsasamayo jīrṇa ity abhāṣata taṃ tataḥ hiḍimbā samayaṃ kṛtvā svāṃ gatiṃ pratyapadyata
‚Die Zeit unseres Zusammenlebens ist abgelaufen' – so sprach sie darauf zu ihm; Hiḍimbā, die Abmachung erfüllt habend, kehrte zu ihrem eigenen Wirkungsbereich zurück.

kṛtyakāla upasthāsye pitṝn iti ghaṭotkacaḥ āmantrya rākṣasaśreṣṭhaḥ pratasthe cottarāṃ diśam

‚Wenn die Zeit der nötigen Tat kommt, werde ich meinen Vätern beistehen' – so sprach Ghaṭotkaca, der Beste der Rākṣasas, nahm Abschied und zog in die nördliche Richtung fort.

Wort für Wort
kṛtyakāla upasthāsye pitṝn iti ghaṭotkacaḥ āmantrya rākṣasaśreṣṭhaḥ pratasthe cottarāṃ diśam
‚Wenn die Zeit der nötigen Tat kommt, werde ich meinen Vätern beistehen' – so sprach Ghaṭotkaca, der Beste der Rākṣasas, nahm Abschied und zog in die nördliche Richtung fort.

sa hi sṛṣṭo maghavatā śaktihetor mahātmanā karṇasyāprativīryasya vināśāya mahātmanaḥ

Denn er war von dem hochherzigen Maghavat [Indra] erschaffen worden, um der Śakti-Waffe willen, zum Verderben des hochherzigen, an Tapferkeit unübertroffenen Karṇa.

Wort für Wort
sa hi sṛṣṭo maghavatā śaktihetor mahātmanā karṇasyāprativīryasya vināśāya mahātmanaḥ
Denn er war von dem hochherzigen Maghavat [Indra] erschaffen worden, um der Śakti-Waffe willen, zum Verderben des hochherzigen, an Tapferkeit unübertroffenen Karṇa.

[Anm.: Eine deutliche Vorausdeutung auf Ghaṭotkacas späteren Tod im Kurukṣetra-Krieg durch Karṇas Śakti-Speer, mit dem dieser eigentlich Arjuna töten sollte.

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