Kapitel 122: Droṇasya Kururājasabhāpraveśaḥ
Droṇas Ankunft am Kuru-Hof
Droṇa sucht seinen einstigen Studienfreund Drupada auf und beruft sich auf ihre alte Freundschaft; Drupada weist ihn schroff zurück mit der Lehre, echte Freundschaft bestehe nur zwischen Gleichrangigen. Von Zorn erfüllt, zieht Droṇa nach Hāstinapura. Dort zeigt er den spielenden Kuru-Prinzen, deren Ball in einen Brunnen gefallen ist, seine Waffenkunst, indem er ihn mit verzauberten Grashalmen heraufholt; die Prinzen berichten Bhīṣma davon, der Droṇa erkennt und als Lehrer aufnimmt. Droṇa erzählt Bhīṣma die Vorgeschichte mit Drupada und bittet – ohne das Ziel zu nennen – die Prinzen um ein künftiges Versprechen; nur Arjuna sagt es vorbehaltlos zu, was Droṇa zu Tränen der Freude rührt. Droṇa unterweist die Pāṇḍu-Söhne in göttlichen wie menschlichen Waffen; auch andere Fürstensöhne, darunter die Vṛṣṇis und Andhakas, sowie Karṇa (Rādheya) kommen zu ihm – doch Karṇa, im Wettstreit mit Arjuna, schließt sich Duryodhana an und verachtet die Pāṇḍavas.
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf, zu Drupada gelangt, sprach der glanzvolle Sohn Bharadvājas zu dem Sohn des Pṛṣata, o König: ‚Wisse, dass ich dein Freund bin.'
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf, zu Drupada gelangt, sprach der glanzvolle Sohn Bharadvājas zu dem Sohn des Pṛṣata, o König: ‚Wisse, dass ich dein Freund bin.'
drupada uvāca akṛteyaṃ tava prajñā brahman nātisamañjasī yan māṃ bravīṣi prasabhaṃ sakhā te 'ham iti dvija
Drupada sprach: Unausgereift ist dein Verstand, Brahmane, nicht sehr angemessen, wenn du mich so unumwunden nennst: ‚Ich bin dein Freund', o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
drupada uvāca akṛteyaṃ tava prajñā brahman nātisamañjasī yan māṃ bravīṣi prasabhaṃ sakhā te 'ham iti dvija
Drupada sprach: Unausgereift ist dein Verstand, Brahmane, nicht sehr angemessen, wenn du mich so unumwunden nennst: ‚Ich bin dein Freund', o Zweifachgeborener.
sauhṛdāny api jīryante kālena parijīryatām sauhṛdaṃ me tvayā hy āsīt pūrvaṃ sāmarthyabandhanam
Auch Freundschaften verwelken mit der Zeit bei denen, die selbst dahinschwinden; meine Freundschaft mit dir bestand einst, geknüpft aus Gleichrangigkeit.
Wort für Wort
sauhṛdāny api jīryante kālena parijīryatām sauhṛdaṃ me tvayā hy āsīt pūrvaṃ sāmarthyabandhanam
Auch Freundschaften verwelken mit der Zeit bei denen, die selbst dahinschwinden; meine Freundschaft mit dir bestand einst, geknüpft aus Gleichrangigkeit.
Halte dich nicht an diese verwelkte Freundschaft, sondern schließe eine neue; unsere frühere Freundschaft, bester der Zweifachgeborenen, war auf gleichen Verhältnissen begründet.
Halte dich nicht an diese verwelkte Freundschaft, sondern schließe eine neue; unsere frühere Freundschaft, bester der Zweifachgeborenen, war auf gleichen Verhältnissen begründet.
na daridro vasumato nāvidvān viduṣaḥ sakhā śūrasya na sakhā klībaḥ sakhipūrvaṃ kim iṣyate
Kein Armer ist Freund eines Reichen, kein Unwissender Freund eines Gelehrten, kein Feigling Freund eines Helden – was soll eine frühere Freundschaft da noch gelten?
Wort für Wort
na daridro vasumato nāvidvān viduṣaḥ sakhā śūrasya na sakhā klībaḥ sakhipūrvaṃ kim iṣyate
Kein Armer ist Freund eines Reichen, kein Unwissender Freund eines Gelehrten, kein Feigling Freund eines Helden – was soll eine frühere Freundschaft da noch gelten?
yayor eva samaṃ vittaṃ yayor eva samaṃ kulam tayoḥ sakhyaṃ vivāhaś ca na tu puṣṭavipuṣṭayoḥ
Nur zwischen denen, deren Vermögen gleich, deren Herkunft gleich ist, besteht Freundschaft und Eheverbindung – nicht aber zwischen einem Wohlhabenden und einem Verarmten.
Wort für Wort
yayor eva samaṃ vittaṃ yayor eva samaṃ kulam tayoḥ sakhyaṃ vivāhaś ca na tu puṣṭavipuṣṭayoḥ
Nur zwischen denen, deren Vermögen gleich, deren Herkunft gleich ist, besteht Freundschaft und Eheverbindung – nicht aber zwischen einem Wohlhabenden und einem Verarmten.
Kein Nicht-Vedenkundiger ist Freund eines Vedenkundigen, kein Wagenloser Freund eines Wagenkämpfers; mit einem Nicht-König verbindet sich kein König – was soll eine frühere Freundschaft da noch gelten?
Kein Nicht-Vedenkundiger ist Freund eines Vedenkundigen, kein Wagenloser Freund eines Wagenkämpfers; mit einem Nicht-König verbindet sich kein König – was soll eine frühere Freundschaft da noch gelten?
kumārās tv atha niṣkramya sametā gajasāhvayāt krīḍanto vīṭayā tatra vīrāḥ paryacaran mudā
Die Prinzen aber waren von Gajasāhvaya [Anm.: weiterer Beiname Hāstinapuras] ausgezogen und versammelten sich; dort spielten die jungen Helden fröhlich mit einem Ball.
Wort für Wort
kumārās tv atha niṣkramya sametā gajasāhvayāt krīḍanto vīṭayā tatra vīrāḥ paryacaran mudā
Die Prinzen aber waren von Gajasāhvaya [Anm.: weiterer Beiname Hāstinapuras] ausgezogen und versammelten sich; dort spielten die jungen Helden fröhlich mit einem Ball.
aho nu dhig balaṃ kṣātraṃ dhig etāṃ vaḥ kṛtāstratām bharatasyānvaye jātā ye vīṭāṃ nādhigacchata
‚Ach, Schande über die Kraft der Kṣatriyas, Schande über eure vermeintliche Waffenkunst! In der Linie Bharatas geboren, und ihr könnt nicht einmal einen Ball wiedererlangen!'
Wort für Wort
aho nu dhig balaṃ kṣātraṃ dhig etāṃ vaḥ kṛtāstratām bharatasyānvaye jātā ye vīṭāṃ nādhigacchata
‚Ach, Schande über die Kraft der Kṣatriyas, Schande über eure vermeintliche Waffenkunst! In der Linie Bharatas geboren, und ihr könnt nicht einmal einen Ball wiedererlangen!'
vetsyāmīṣīkayā vīṭāṃ tām iṣīkām athānyayā tām anyayā samāyogo vīṭāyā grahaṇe mama
‚Ich werde mit einem Halm den Ball durchbohren, diesen Halm mit einem weiteren, und diesen wieder mit einem weiteren – so wird die Verbindung mein Mittel sein, den Ball zu erlangen.'
Wort für Wort
vetsyāmīṣīkayā vīṭāṃ tām iṣīkām athānyayā tām anyayā samāyogo vīṭāyā grahaṇe mama
‚Ich werde mit einem Halm den Ball durchbohren, diesen Halm mit einem weiteren, und diesen wieder mit einem weiteren – so wird die Verbindung mein Mittel sein, den Ball zu erlangen.'
tad apaśyan kumārās te vismayotphullalocanāḥ aveṣkya coddhṛtāṃ vīṭāṃ vīṭāveddhāram abruvan
Das sahen die Prinzen mit vor Staunen weit geöffneten Augen; und als sie den so heraufgeholten Ball betrachtet hatten, sprachen sie zu dem, der den Ball durchbohrt hatte:
Wort für Wort
tad apaśyan kumārās te vismayotphullalocanāḥ aveṣkya coddhṛtāṃ vīṭāṃ vīṭāveddhāram abruvan
Das sahen die Prinzen mit vor Staunen weit geöffneten Augen; und als sie den so heraufgeholten Ball betrachtet hatten, sprachen sie zu dem, der den Ball durchbohrt hatte:
‚Wir grüßen dich ehrerbietig, Brahmane – so etwas findet sich bei keinem anderen! Wer bist du? Als wen sollen wir dich kennen? Was können wir für dich tun?'
‚Wir grüßen dich ehrerbietig, Brahmane – so etwas findet sich bei keinem anderen! Wer bist du? Als wen sollen wir dich kennen? Was können wir für dich tun?'
vaiśaṃpāyana uvāca tathety uktvā tu te sarve bhīṣmam ūcuḥ pitāmaham brāhmaṇasya vacas tathyaṃ tac ca karmaviśeṣavat
Vaiśaṃpāyana sprach: ‚So sei es', sprachen alle jene und berichteten dem Großvater Bhīṣma die wahrheitsgetreuen Worte des Brahmanen samt seiner außerordentlichen Tat.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathety uktvā tu te sarve bhīṣmam ūcuḥ pitāmaham brāhmaṇasya vacas tathyaṃ tac ca karmaviśeṣavat
Vaiśaṃpāyana sprach: ‚So sei es', sprachen alle jene und berichteten dem Großvater Bhīṣma die wahrheitsgetreuen Worte des Brahmanen samt seiner außerordentlichen Tat.
Da ließ er ihn herbeiführen, ehrte ihn selbst gebührend und fragte ihn eingehend, Bhīṣma, der Beste der Waffenträger, nach dem Grund seines Kommens; und Droṇa berichtete ihm alles.
Da ließ er ihn herbeiführen, ehrte ihn selbst gebührend und fragte ihn eingehend, Bhīṣma, der Beste der Waffenträger, nach dem Grund seines Kommens; und Droṇa berichtete ihm alles.
pāñcālarājaputras tu yajñaseno mahābalaḥ mayā sahākarod vidyāṃ guroḥ śrāmyan samāhitaḥ
‚Der Sohn des Pāñcāla-Königs aber, der mächtige Yajñasena [Anm.: Beiname Drupadas], erlernte mit mir zusammen die Wissenschaft, sich mühend, unter der Anleitung unseres Lehrers, mit gesammeltem Sinn.'
Wort für Wort
pāñcālarājaputras tu yajñaseno mahābalaḥ mayā sahākarod vidyāṃ guroḥ śrāmyan samāhitaḥ
‚Der Sohn des Pāñcāla-Königs aber, der mächtige Yajñasena [Anm.: Beiname Drupadas], erlernte mit mir zusammen die Wissenschaft, sich mühend, unter der Anleitung unseres Lehrers, mit gesammeltem Sinn.'
sa me tatra sakhā cāsīt upakārī priyaś ca me tenāhaṃ saha saṃgamya ratavān suciraṃ bata bālyāt prabhṛti kauravya sahādhyayanam eva ca
‚Er war dort mein Freund, hilfreich und mir lieb; mit ihm zusammengekommen, verweilte ich lange in Freude, ach, o Kauravya, seit der Kindheit an, im gemeinsamen Studium.'
Wort für Wort
sa me tatra sakhā cāsīt upakārī priyaś ca me tenāhaṃ saha saṃgamya ratavān suciraṃ bata bālyāt prabhṛti kauravya sahādhyayanam eva ca
‚Er war dort mein Freund, hilfreich und mir lieb; mit ihm zusammengekommen, verweilte ich lange in Freude, ach, o Kauravya, seit der Kindheit an, im gemeinsamen Studium.'
tvadbhojyaṃ bhavitā rājyaṃ sakhe satyena te śape mama bhogāś ca vittaṃ ca tvadadhīnaṃ sukhāni ca
‚wird das Königreich dir zur Nutznießung gehören, Freund – ich schwöre es dir bei der Wahrheit; mein Genuss, mein Reichtum und meine Freuden werden dir untertan sein.'
Wort für Wort
tvadbhojyaṃ bhavitā rājyaṃ sakhe satyena te śape mama bhogāś ca vittaṃ ca tvadadhīnaṃ sukhāni ca
‚wird das Königreich dir zur Nutznießung gehören, Freund – ich schwöre es dir bei der Wahrheit; mein Genuss, mein Reichtum und meine Freuden werden dir untertan sein.'
‚So angesprochen, zog ich fort, waffenkundig geworden, im Verlangen nach Reichtum; und als ich hörte, dass er gekrönt worden war, dachte ich: Ich bin am Ziel angelangt.'
‚So angesprochen, zog ich fort, waffenkundig geworden, im Verlangen nach Reichtum; und als ich hörte, dass er gekrönt worden war, dachte ich: Ich bin am Ziel angelangt.'
nāśrotriyaḥ śrotriyasya nārathī rathinaḥ sakhā nārājā pārthivasyāpi sakhipūrvaṃ kim iṣyate
‚Kein Nicht-Vedenkundiger ist Freund eines Vedenkundigen, kein Wagenloser Freund eines Wagenkämpfers; mit einem König verbindet sich kein Nicht-König – was soll eine frühere Freundschaft da noch gelten?'
Wort für Wort
nāśrotriyaḥ śrotriyasya nārathī rathinaḥ sakhā nārājā pārthivasyāpi sakhipūrvaṃ kim iṣyate
‚Kein Nicht-Vedenkundiger ist Freund eines Vedenkundigen, kein Wagenloser Freund eines Wagenkämpfers; mit einem König verbindet sich kein Nicht-König – was soll eine frühere Freundschaft da noch gelten?'
Nachdem er sie alle angenommen hatte, sprach Droṇa im Geheimen, allein, wohlgemut, zu ihnen, als sie sich zu seiner Verehrung eingefunden hatten, folgende Worte:
Nachdem er sie alle angenommen hatte, sprach Droṇa im Geheimen, allein, wohlgemut, zu ihnen, als sie sich zu seiner Verehrung eingefunden hatten, folgende Worte:
kāryaṃ me kāṅkṣitaṃ kiṃ cid dhṛdi saṃparivartate kṛtāstrais tat pradeyaṃ me tad ṛtaṃ vadatānaghāḥ
‚Ein bestimmtes Anliegen, das ich wünsche, bewegt sich in meinem Herzen; sobald ihr die Waffenkunst vollendet habt, sollt ihr es mir erfüllen – sagt mir wahrheitsgemäß zu, ihr Makellosen.'
Wort für Wort
kāryaṃ me kāṅkṣitaṃ kiṃ cid dhṛdi saṃparivartate kṛtāstrais tat pradeyaṃ me tad ṛtaṃ vadatānaghāḥ
‚Ein bestimmtes Anliegen, das ich wünsche, bewegt sich in meinem Herzen; sobald ihr die Waffenkunst vollendet habt, sollt ihr es mir erfüllen – sagt mir wahrheitsgemäß zu, ihr Makellosen.'
rājaputrās tathaivānye sametya bharatarṣabha abhijagmus tato droṇam astrārthe dvijasattamam vṛṣṇayaś cāndhakāś caiva nānādeśyāś ca pārthivāḥ
Auch andere Königssöhne fanden sich zusammen, o Stier der Bharatas, und suchten den Droṇa, den Besten der Zweifachgeborenen, um der Waffen willen auf: die Vṛṣṇis, die Andhakas und Fürsten aus verschiedenen Ländern.
Wort für Wort
rājaputrās tathaivānye sametya bharatarṣabha abhijagmus tato droṇam astrārthe dvijasattamam vṛṣṇayaś cāndhakāś caiva nānādeśyāś ca pārthivāḥ
Auch andere Königssöhne fanden sich zusammen, o Stier der Bharatas, und suchten den Droṇa, den Besten der Zweifachgeborenen, um der Waffen willen auf: die Vṛṣṇis, die Andhakas und Fürsten aus verschiedenen Ländern.
sūtaputraś ca rādheyo guruṃ droṇam iyāt tadā spardhamānas tu pārthena sūtaputro 'tyamarṣaṇaḥ duryodhanam upāśritya pāṇḍavān atyamanyata
Auch der Sūta-Sohn Rādheya [Anm.: Karṇa] kam damals zum Lehrer Droṇa; doch der Sūta-Sohn, in großem Unmut mit dem Sohn Pṛthās wetteifernd, schloss sich Duryodhana an und verachtete die Pāṇḍavas.
Wort für Wort
sūtaputraś ca rādheyo guruṃ droṇam iyāt tadā spardhamānas tu pārthena sūtaputro 'tyamarṣaṇaḥ duryodhanam upāśritya pāṇḍavān atyamanyata
Auch der Sūta-Sohn Rādheya [Anm.: Karṇa] kam damals zum Lehrer Droṇa; doch der Sūta-Sohn, in großem Unmut mit dem Sohn Pṛthās wetteifernd, schloss sich Duryodhana an und verachtete die Pāṇḍavas.