Kapitel 136: Lākṣāgṛhadāhaḥ
Der Brand des Lackhauses
Nach einem Jahr scheinbarer Arglosigkeit beschließen die Pāṇḍavas, Purocana zuvorzukommen: Sie entzünden selbst das Waffenlager und lassen darin Purocana sowie – als grausiges Alibi für die eigene ‚Verbrennung' – eine zufällig anwesende, betrunken eingeschlafene Niṣāda-Frau mit ihren fünf Söhnen zurück. In der Nacht entfacht Bhīma den Brand; die Bürger von Vāraṇāvata halten Duryodhana für den Mörder der Pāṇḍavas und beklagen Dhṛtarāṣṭras Untat, freuen sich aber über Purocanas vermeintlichen Tod im eigenen Feuer. Die Pāṇḍavas entkommen währenddessen unbemerkt durch den Fluchttunnel; der übermüdete, verängstigte Familienverband kommt nur langsam voran, bis der gewaltige Bhīma Mutter und Brüder auf Schultern, Hüfte und Händen trägt und mit ihnen davoneilt.
‚Lasst uns das Waffenlager anzünden und Purocana verbrennen; sechs andere Lebewesen hier zurücklassend, wollen wir unbemerkt entfliehen.'
[Anm.: Die ‚sechs Lebewesen' sind die im Folgenden eingeführte Niṣāda-Frau und ihre fünf Söhne (V.7f.), die – ein moralisch zwiespältiges Detail des Originaltextes – im Feuer zurückgelassen werden, damit man die verbrannten Leichen für die Pāṇḍavas und Kuntī hält.
tā vihṛtya yathākāmaṃ bhuktvā pītvā ca bhārata jagmur niśi gṛhān eva samanujñāpya mādhavīm
Nachdem sie sich nach Belieben vergnügt, gegessen und getrunken hatten, o Bhārata, begaben sie sich in der Nacht, nach Einnehmen des Madhu-Weins, wieder nach Hause.
Wort für Wort
tā vihṛtya yathākāmaṃ bhuktvā pītvā ca bhārata jagmur niśi gṛhān eva samanujñāpya mādhavīm
Nachdem sie sich nach Belieben vergnügt, gegessen und getrunken hatten, o Bhārata, begaben sie sich in der Nacht, nach Einnehmen des Madhu-Weins, wieder nach Hause.
[Anm.: mādhavīm – unsicher, ob hier ein süßer Wein (mādhavī) gemeint ist oder eine sonst nicht genannte Person; die Übersetzung folgt der gebräuchlicheren Deutung als Getränk. [?]
niṣādī pañcaputrā tu tasmin bhojye yadṛcchayā annārthinī samabhyāgāt saputrā kālacoditā
Eine Niṣāda-Frau mit fünf Söhnen aber kam, nach Speise verlangend, zufällig zu jenem Mahl, mit ihren Söhnen, vom Schicksal zu ihrem Verhängnis getrieben.
Wort für Wort
niṣādī pañcaputrā tu tasmin bhojye yadṛcchayā annārthinī samabhyāgāt saputrā kālacoditā
Eine Niṣāda-Frau mit fünf Söhnen aber kam, nach Speise verlangend, zufällig zu jenem Mahl, mit ihren Söhnen, vom Schicksal zu ihrem Verhängnis getrieben.
sā pītvā madirāṃ mattā saputrā madavihvalā saha sarvaiḥ sutai rājaṃs tasminn eva niveśane suṣvāpa vigatajñānā mṛtakalpā narādhipa
Sie, vom Wein trunken gemacht, mit ihren Söhnen, von Rausch betäubt, schlief mit all ihren Söhnen, o König, eben in jenem Haus ein, ohne Bewusstsein, einer Toten gleich, o Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
sā pītvā madirāṃ mattā saputrā madavihvalā saha sarvaiḥ sutai rājaṃs tasminn eva niveśane suṣvāpa vigatajñānā mṛtakalpā narādhipa
Sie, vom Wein trunken gemacht, mit ihren Söhnen, von Rausch betäubt, schlief mit all ihren Söhnen, o König, eben in jenem Haus ein, ohne Bewusstsein, einer Toten gleich, o Herrscher der Menschen.
paurā ūcuḥ duryodhanaprayuktena pāpenākṛtabuddhinā gṛham ātmavināśāya kāritaṃ dāhitaṃ ca yat
Die Bürger sprachen: ‚Von dem bösen, unbesonnenen Mann, den Duryodhana beauftragt hat, wurde das Haus zum eigenen Verderben errichtet und in Brand gesetzt.'
Wort für Wort
paurā ūcuḥ duryodhanaprayuktena pāpenākṛtabuddhinā gṛham ātmavināśāya kāritaṃ dāhitaṃ ca yat
Die Bürger sprachen: ‚Von dem bösen, unbesonnenen Mann, den Duryodhana beauftragt hat, wurde das Haus zum eigenen Verderben errichtet und in Brand gesetzt.'
diṣṭyā tv idānīṃ pāpātmā dagdho 'yam atidurmatiḥ anāgasaḥ suviśvastān yo dadāha narottamān
‚Zum Glück ist nun jener Bösgesinnte, der überaus Übelgesinnte, selbst verbrannt, der die schuldlosen, völlig arglosen besten der Männer verbrannt hat.'
Wort für Wort
diṣṭyā tv idānīṃ pāpātmā dagdho 'yam atidurmatiḥ anāgasaḥ suviśvastān yo dadāha narottamān
‚Zum Glück ist nun jener Bösgesinnte, der überaus Übelgesinnte, selbst verbrannt, der die schuldlosen, völlig arglosen besten der Männer verbrannt hat.'
indem er, der Kraftvolle, die Mutter auf seine Schulter hob, die Zwillinge auf die Hüfte nahm und die beiden überaus starken Pārthas-Brüder [Yudhiṣṭhira und Arjuna] mit den Händen ergriff,
indem er, der Kraftvolle, die Mutter auf seine Schulter hob, die Zwillinge auf die Hüfte nahm und die beiden überaus starken Pārthas-Brüder [Yudhiṣṭhira und Arjuna] mit den Händen ergriff,