Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 165: Vasiṣṭhaviśvāmitravivādaḥ (Vāsiṣṭham Ākhyānam, 1) Der Streit zwischen Vasiṣṭha und Viśvāmitra (Teil 1)

Auf Arjunas Frage nach dem Ursprung der Feindschaft zwischen Viśvāmitra und Vasiṣṭha erzählt der Gandharva die alte Vāsiṣṭha-Geschichte: Prinz Viśvāmitra wird im Einsiedlerhain Vasiṣṭhas von dessen Wunschkuh Nandinī prächtig bewirtet, begehrt sie daraufhin für sein Königreich, wird abgewiesen und will sie mit Gewalt rauben. Vasiṣṭha lässt es aus Gewaltlosigkeit geschehen, doch Nandinī selbst erschafft aus Zorn ganze Völkerscharen (Pahlavas, Śakas, Yavanas u.a.), die Viśvāmitras Heer vernichtend schlagen, ohne einen einzigen Soldaten zu töten. Erschüttert erkennt Viśvāmitra die Überlegenheit der Brahman-Kraft über kriegerische Macht, gibt sein Königreich auf und widmet sich der Askese, bis er selbst das Brahmanentum erlangt.

arjuna uvāca kiṃnimittam abhūd vairaṃ viśvāmitravasiṣṭhayoḥ vasator āśrame puṇye śaṃsa naḥ sarvam eva tat

Arjuna sprach: ‚Wodurch entstand die Feindschaft zwischen Viśvāmitra und Vasiṣṭha, die beide im heiligen Einsiedlerhain weilten? Erzähle uns dies alles.'

Wort für Wort
arjuna uvāca kiṃnimittam abhūd vairaṃ viśvāmitravasiṣṭhayoḥ vasator āśrame puṇye śaṃsa naḥ sarvam eva tat
Arjuna sprach: ‚Wodurch entstand die Feindschaft zwischen Viśvāmitra und Vasiṣṭha, die beide im heiligen Einsiedlerhain weilten? Erzähle uns dies alles.'

gandharva uvāca idaṃ vāsiṣṭham ākhyānaṃ purāṇaṃ paricakṣate pārtha sarveṣu lokeṣu yathāvat tan nibodha me

Der Gandharva sprach: ‚Diese alte Erzählung nennt man in allen Welten die Vāsiṣṭha-Geschichte, o Pārtha; vernimm sie von mir der Wahrheit gemäß.'

Wort für Wort
gandharva uvāca idaṃ vāsiṣṭham ākhyānaṃ purāṇaṃ paricakṣate pārtha sarveṣu lokeṣu yathāvat tan nibodha me
Der Gandharva sprach: ‚Diese alte Erzählung nennt man in allen Welten die Vāsiṣṭha-Geschichte, o Pārtha; vernimm sie von mir der Wahrheit gemäß.'

kanyakubje mahān āsīt pārthivo bharatarṣabha gādhīti viśruto loke satyadharmaparāyaṇaḥ

‚In Kānyakubja gab es einen großen König, o Stier der Bharatas, berühmt unter dem Namen Gādhi in der Welt, ganz dem Recht der Wahrheit ergeben.'

Wort für Wort
kanyakubje mahān āsīt pārthivo bharatarṣabha gādhīti viśruto loke satyadharmaparāyaṇaḥ
‚In Kānyakubja gab es einen großen König, o Stier der Bharatas, berühmt unter dem Namen Gādhi in der Welt, ganz dem Recht der Wahrheit ergeben.'

tasya dharmātmanaḥ putraḥ samṛddhabalavāhanaḥ viśvāmitra iti khyāto babhūva ripumardanaḥ

‚Dieses Rechtschaffenen Sohn, von blühendem Heer und Gefolge, war berühmt unter dem Namen Viśvāmitra, ein Zermalmer der Feinde.'

Wort für Wort
tasya dharmātmanaḥ putraḥ samṛddhabalavāhanaḥ viśvāmitra iti khyāto babhūva ripumardanaḥ
‚Dieses Rechtschaffenen Sohn, von blühendem Heer und Gefolge, war berühmt unter dem Namen Viśvāmitra, ein Zermalmer der Feinde.'

sa cacāra sahāmātyo mṛgayāṃ gahane vane mṛgān vidhyan varāhāṃś ca ramyeṣu marudhanvasu

‚Er streifte mit seinen Ministern auf der Jagd im dichten Wald umher, Hirsche und Eber durchbohrend, in den lieblichen Wüstensteppen.'

Wort für Wort
sa cacāra sahāmātyo mṛgayāṃ gahane vane mṛgān vidhyan varāhāṃś ca ramyeṣu marudhanvasu
‚Er streifte mit seinen Ministern auf der Jagd im dichten Wald umher, Hirsche und Eber durchbohrend, in den lieblichen Wüstensteppen.'

vyāyāmakarśitaḥ so 'tha mṛgalipsuḥ pipāsitaḥ ājagāma naraśreṣṭha vasiṣṭhasyāśramaṃ prati

‚Von der Anstrengung ermattet, begierig nach Wild, von Durst geplagt, gelangte er, o Bester der Männer, zum Einsiedlerhain Vasiṣṭhas.'

Wort für Wort
vyāyāmakarśitaḥ so 'tha mṛgalipsuḥ pipāsitaḥ ājagāma naraśreṣṭha vasiṣṭhasyāśramaṃ prati
‚Von der Anstrengung ermattet, begierig nach Wild, von Durst geplagt, gelangte er, o Bester der Männer, zum Einsiedlerhain Vasiṣṭhas.'

tam āgatam abhiprekṣya vasiṣṭhaḥ śreṣṭhabhāg ṛṣiḥ viśvāmitraṃ naraśreṣṭhaṃ pratijagrāha pūjayā

‚Als er ihn kommen sah, empfing Vasiṣṭha, der Ṛṣi mit dem besten Anteil, den Viśvāmitra, den Besten der Männer, mit Ehrerbietung.'

Wort für Wort
tam āgatam abhiprekṣya vasiṣṭhaḥ śreṣṭhabhāg ṛṣiḥ viśvāmitraṃ naraśreṣṭhaṃ pratijagrāha pūjayā
‚Als er ihn kommen sah, empfing Vasiṣṭha, der Ṛṣi mit dem besten Anteil, den Viśvāmitra, den Besten der Männer, mit Ehrerbietung.'

pādyārghyācamanīyena svāgatena ca bhārata tathaiva pratijagrāha vanyena haviṣā tathā

‚Mit Fußwasser, Ehrengabe und Mundwasser sowie mit einem Willkommensgruß, o Bhārata, empfing er ihn, und auch mit waldgewachsener Opferspeise.'

Wort für Wort
pādyārghyācamanīyena svāgatena ca bhārata tathaiva pratijagrāha vanyena haviṣā tathā
‚Mit Fußwasser, Ehrengabe und Mundwasser sowie mit einem Willkommensgruß, o Bhārata, empfing er ihn, und auch mit waldgewachsener Opferspeise.'

tasyātha kāmadhug dhenur vasiṣṭhasya mahātmanaḥ uktā kāmān prayaccheti sā kāmān duduhe tataḥ

‚Da wurde die wunscherfüllende Kuh des hochherzigen Vasiṣṭha angewiesen: „Gib alles, was gewünscht wird“; sie molk darauf alle Wünsche hervor.'

Wort für Wort
tasyātha kāmadhug dhenur vasiṣṭhasya mahātmanaḥ uktā kāmān prayaccheti sā kāmān duduhe tataḥ
‚Da wurde die wunscherfüllende Kuh des hochherzigen Vasiṣṭha angewiesen: „Gib alles, was gewünscht wird“; sie molk darauf alle Wünsche hervor.'

grāmyāraṇyā oṣadhīś ca duduhe paya eva ca ṣaḍrasaṃ cāmṛtarasaṃ rasāyanam anuttamam

‚Sie molk Kräuter der Dörfer wie der Wildnis, und auch Milch, sechsfachen Geschmack, Nektaressenz, unübertreffliches Lebenselixier.'

Wort für Wort
grāmyāraṇyā oṣadhīś ca duduhe paya eva ca ṣaḍrasaṃ cāmṛtarasaṃ rasāyanam anuttamam
‚Sie molk Kräuter der Dörfer wie der Wildnis, und auch Milch, sechsfachen Geschmack, Nektaressenz, unübertreffliches Lebenselixier.'

bhojanīyāni peyāni bhakṣyāṇi vividhāni ca lehyāny amṛtakalpāni coṣyāṇi ca tathārjuna

‚Speisen zum Essen, Getränke, mannigfaltige Genussmittel, leckbare, nektargleiche und saugbare Köstlichkeiten, o Arjuna.'

Wort für Wort
bhojanīyāni peyāni bhakṣyāṇi vividhāni ca lehyāny amṛtakalpāni coṣyāṇi ca tathārjuna
‚Speisen zum Essen, Getränke, mannigfaltige Genussmittel, leckbare, nektargleiche und saugbare Köstlichkeiten, o Arjuna.'

taiḥ kāmaiḥ sarvasaṃpūrṇaiḥ pūjitaḥ sa mahīpatiḥ sāmātyaḥ sabalaś caiva tutoṣa sa bhṛśaṃ nṛpaḥ

‚Durch diese vollkommen erfüllten Wünsche geehrt, war jener Herrscher der Erde, samt Ministern und Heer, überaus zufrieden, jener König.'

Wort für Wort
taiḥ kāmaiḥ sarvasaṃpūrṇaiḥ pūjitaḥ sa mahīpatiḥ sāmātyaḥ sabalaś caiva tutoṣa sa bhṛśaṃ nṛpaḥ
‚Durch diese vollkommen erfüllten Wünsche geehrt, war jener Herrscher der Erde, samt Ministern und Heer, überaus zufrieden, jener König.'

ṣaḍāyatāṃ supārśvoruṃ tripṛthuṃ pañca saṃvṛtām maṇḍūkanetrāṃ svākārāṃ pīnodhasam aninditām

‚(Er sah die Kuh) mit sechsfach gestreckten Gliedern, schönen Flanken und Schenkeln, dreifach breit, fünffach wohlgerundet, froschäugig, wohlgestaltet, mit vollem Euter, makellos –'

Wort für Wort
ṣaḍāyatāṃ supārśvoruṃ tripṛthuṃ pañca saṃvṛtām maṇḍūkanetrāṃ svākārāṃ pīnodhasam aninditām
‚(Er sah die Kuh) mit sechsfach gestreckten Gliedern, schönen Flanken und Schenkeln, dreifach breit, fünffach wohlgerundet, froschäugig, wohlgestaltet, mit vollem Euter, makellos –'

[Anm.: formelhafte Beschreibung der Körpermerkmale einer als vollkommen geltenden Kuh; einzelne Zahlwörter (sechsfach/dreifach/fünffach) bleiben in der genauen Bezugnahme unsicher.

suvāladhiṃ śaṅkukarṇāṃ cāruśṛṅgāṃ manoramām puṣṭāyataśirogrīvāṃ vismitaḥ so 'bhivīkṣya tām

‚mit schönem Schweif, spitzen Ohren, lieblichen Hörnern, entzückend, mit vollem, gestrecktem Kopf und Hals – verwundert betrachtete er sie.'

Wort für Wort
suvāladhiṃ śaṅkukarṇāṃ cāruśṛṅgāṃ manoramām puṣṭāyataśirogrīvāṃ vismitaḥ so 'bhivīkṣya tām
‚mit schönem Schweif, spitzen Ohren, lieblichen Hörnern, entzückend, mit vollem, gestrecktem Kopf und Hals – verwundert betrachtete er sie.'

abhinandati tāṃ nandīṃ vasiṣṭhasya payasvinīm abravīc ca bhṛśaṃ tuṣṭo viśvāmitro muniṃ tadā

‚Er pries jene Nandinī, die milchspendende Kuh Vasiṣṭhas; und Viśvāmitra, überaus erfreut, sprach damals zu dem Muni:'

Wort für Wort
abhinandati tāṃ nandīṃ vasiṣṭhasya payasvinīm abravīc ca bhṛśaṃ tuṣṭo viśvāmitro muniṃ tadā
‚Er pries jene Nandinī, die milchspendende Kuh Vasiṣṭhas; und Viśvāmitra, überaus erfreut, sprach damals zu dem Muni:'

arbudena gavāṃ brahman mama rājyena vā punaḥ nandinīṃ saṃprayacchasva bhuṅkṣva rājyaṃ mahāmune

‚Für zehn Millionen Rinder, o Brahmane, oder auch für mein Königreich – gib mir Nandinī, genieße dafür das Königreich, o großer Muni!'

Wort für Wort
arbudena gavāṃ brahman mama rājyena vā punaḥ nandinīṃ saṃprayacchasva bhuṅkṣva rājyaṃ mahāmune
‚Für zehn Millionen Rinder, o Brahmane, oder auch für mein Königreich – gib mir Nandinī, genieße dafür das Königreich, o großer Muni!'

[Anm.: 'arbuda' – traditionell die Zahl 10.000.000 (auch abweichend überliefert).

vasiṣṭha uvāca devatātithipitrartham ājyārthaṃ ca payasvinī adeyā nandinīyaṃ me rājyenāpi tavānagha

Vasiṣṭha sprach: ‚Für Götter, Gäste und Ahnen, und für Ghī-Opfer dient diese Milchspenderin; nicht zu geben ist mir diese Nandinī, selbst nicht für dein Königreich, o Makelloser.'

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca devatātithipitrartham ājyārthaṃ ca payasvinī adeyā nandinīyaṃ me rājyenāpi tavānagha
Vasiṣṭha sprach: ‚Für Götter, Gäste und Ahnen, und für Ghī-Opfer dient diese Milchspenderin; nicht zu geben ist mir diese Nandinī, selbst nicht für dein Königreich, o Makelloser.'

viśvāmitra uvāca kṣatriyo 'haṃ bhavān vipras tapaḥsvādhyāyasādhanaḥ brāhmaṇeṣu kuto vīryaṃ praśānteṣu dhṛtātmasu

Viśvāmitra sprach: ‚Ich bin ein Kṣatriya, du ein Brahmane, der sich durch Askese und Studium vollendet; woher käme bei Brahmanen, den Friedvollen, Selbstbeherrschten, Tapferkeit?'

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca kṣatriyo 'haṃ bhavān vipras tapaḥsvādhyāyasādhanaḥ brāhmaṇeṣu kuto vīryaṃ praśānteṣu dhṛtātmasu
Viśvāmitra sprach: ‚Ich bin ein Kṣatriya, du ein Brahmane, der sich durch Askese und Studium vollendet; woher käme bei Brahmanen, den Friedvollen, Selbstbeherrschten, Tapferkeit?'

arbudena gavāṃ yas tvaṃ na dadāsi mamepsitām svadharmaṃ na prahāsyāmi nayiṣye te balena gām

‚Da du mir die begehrte Kuh nicht für zehn Millionen Rinder gibst, werde ich meine eigene Pflicht nicht aufgeben – ich werde dir die Kuh mit Gewalt fortführen.'

Wort für Wort
arbudena gavāṃ yas tvaṃ na dadāsi mamepsitām svadharmaṃ na prahāsyāmi nayiṣye te balena gām
‚Da du mir die begehrte Kuh nicht für zehn Millionen Rinder gibst, werde ich meine eigene Pflicht nicht aufgeben – ich werde dir die Kuh mit Gewalt fortführen.'

vasiṣṭha uvāca balasthaś cāsi rājā ca bāhuvīryaś ca kṣatriyaḥ yathecchasi tathā kṣipraṃ kuru tvaṃ mā vicāraya

Vasiṣṭha sprach: ‚Du bist stark und ein König und, ein Kṣatriya, von Armeskraft – tu rasch, wie du willst, ohne zu überlegen.'

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca balasthaś cāsi rājā ca bāhuvīryaś ca kṣatriyaḥ yathecchasi tathā kṣipraṃ kuru tvaṃ mā vicāraya
Vasiṣṭha sprach: ‚Du bist stark und ein König und, ein Kṣatriya, von Armeskraft – tu rasch, wie du willst, ohne zu überlegen.'

gandharva uvāca evam uktas tadā pārtha viśvāmitro balād iva haṃsacandrapratīkāśāṃ nandinīṃ tāṃ jahāra gām

Der Gandharva sprach: ‚So angesprochen, o Pārtha, raubte Viśvāmitra darauf mit Gewalt jene Kuh Nandinī, dem Glanz eines Schwans oder Mondes gleich.'

Wort für Wort
gandharva uvāca evam uktas tadā pārtha viśvāmitro balād iva haṃsacandrapratīkāśāṃ nandinīṃ tāṃ jahāra gām
Der Gandharva sprach: ‚So angesprochen, o Pārtha, raubte Viśvāmitra darauf mit Gewalt jene Kuh Nandinī, dem Glanz eines Schwans oder Mondes gleich.'

kaśādaṇḍapratihatā kālyamānā tatas tataḥ hambhāyamānā kalyāṇī vasiṣṭhasyātha nandinī

‚Mit Peitsche und Stock geschlagen, dahin und dorthin getrieben, laut blökend, die holde Nandinī Vasiṣṭhas,'

Wort für Wort
kaśādaṇḍapratihatā kālyamānā tatas tataḥ hambhāyamānā kalyāṇī vasiṣṭhasyātha nandinī
‚Mit Peitsche und Stock geschlagen, dahin und dorthin getrieben, laut blökend, die holde Nandinī Vasiṣṭhas,'

āgamyābhimukhī pārtha tasthau bhagavadunmukhī bhṛśaṃ ca tāḍyamānāpi na jagāmāśramāt tataḥ

‚kam und blieb, o Pārtha, dem Erhabenen zugewandt stehen; und obwohl heftig geschlagen, verließ sie den Einsiedlerhain dennoch nicht.'

Wort für Wort
āgamyābhimukhī pārtha tasthau bhagavadunmukhī bhṛśaṃ ca tāḍyamānāpi na jagāmāśramāt tataḥ
‚kam und blieb, o Pārtha, dem Erhabenen zugewandt stehen; und obwohl heftig geschlagen, verließ sie den Einsiedlerhain dennoch nicht.'

vasiṣṭha uvāca śṛṇomi te ravaṃ bhadre vinadantyāḥ punaḥ punaḥ balād dhriyasi me nandi kṣamāvān brāhmaṇo hy aham

Vasiṣṭha sprach: ‚Ich höre deine Stimme, Holde, die du wieder und wieder aufschreist; mit Gewalt wirst du mir fortgeführt, Nandinī – doch ich bin ein Brahmane, der Nachsicht übt.'

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca śṛṇomi te ravaṃ bhadre vinadantyāḥ punaḥ punaḥ balād dhriyasi me nandi kṣamāvān brāhmaṇo hy aham
Vasiṣṭha sprach: ‚Ich höre deine Stimme, Holde, die du wieder und wieder aufschreist; mit Gewalt wirst du mir fortgeführt, Nandinī – doch ich bin ein Brahmane, der Nachsicht übt.'

gandharva uvāca sā tu teṣāṃ balān nandī balānāṃ bharatarṣabha viśvāmitrabhayodvignā vasiṣṭhaṃ samupāgamat

Der Gandharva sprach: ‚Sie aber, Nandinī, von jenen Truppen, o Stier der Bharatas, aus Furcht vor Viśvāmitras Streitmacht erregt, näherte sich Vasiṣṭha.'

Wort für Wort
gandharva uvāca sā tu teṣāṃ balān nandī balānāṃ bharatarṣabha viśvāmitrabhayodvignā vasiṣṭhaṃ samupāgamat
Der Gandharva sprach: ‚Sie aber, Nandinī, von jenen Truppen, o Stier der Bharatas, aus Furcht vor Viśvāmitras Streitmacht erregt, näherte sich Vasiṣṭha.'

gaur uvāca pāṣāṇadaṇḍābhihatāṃ krandantīṃ mām anāthavat viśvāmitrabalair ghorair bhagavan kim upekṣase

Die Kuh sprach: ‚Mich, mit Stein und Stock geschlagen, hilflos schreiend, durch Viśvāmitras furchtbare Truppen – warum, Erhabener, siehst du dem untätig zu?'

Wort für Wort
gaur uvāca pāṣāṇadaṇḍābhihatāṃ krandantīṃ mām anāthavat viśvāmitrabalair ghorair bhagavan kim upekṣase
Die Kuh sprach: ‚Mich, mit Stein und Stock geschlagen, hilflos schreiend, durch Viśvāmitras furchtbare Truppen – warum, Erhabener, siehst du dem untätig zu?'

gandharva uvāca evaṃ tasyāṃ tadā partha dharṣitāyāṃ mahāmuniḥ na cukṣubhe na dhairyāc ca vicacāla dhṛtavrataḥ

Der Gandharva sprach: ‚Als sie so bedrängt wurde, o Pārtha, geriet der große Muni nicht in Aufruhr und wich, seinem Gelübde treu, nicht von seiner Standhaftigkeit ab.'

Wort für Wort
gandharva uvāca evaṃ tasyāṃ tadā partha dharṣitāyāṃ mahāmuniḥ na cukṣubhe na dhairyāc ca vicacāla dhṛtavrataḥ
Der Gandharva sprach: ‚Als sie so bedrängt wurde, o Pārtha, geriet der große Muni nicht in Aufruhr und wich, seinem Gelübde treu, nicht von seiner Standhaftigkeit ab.'

vasiṣṭha uvāca kṣatriyāṇāṃ balaṃ tejo brāhmaṇānāṃ kṣamā balam kṣamā māṃ bhajate tasmād gamyatāṃ yadi rocate

Vasiṣṭha sprach: ‚Der Kṣatriyas Stärke ist die Tatkraft, der Brahmanen Stärke ist die Nachsicht; die Nachsicht ist mir eigen – deshalb geh, wenn es dir beliebt.'

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca kṣatriyāṇāṃ balaṃ tejo brāhmaṇānāṃ kṣamā balam kṣamā māṃ bhajate tasmād gamyatāṃ yadi rocate
Vasiṣṭha sprach: ‚Der Kṣatriyas Stärke ist die Tatkraft, der Brahmanen Stärke ist die Nachsicht; die Nachsicht ist mir eigen – deshalb geh, wenn es dir beliebt.'

gaur uvāca kiṃ nu tyaktāsmi bhagavan yad evaṃ māṃ prabhāṣase atyaktāhaṃ tvayā brahman na śakyā nayituṃ balāt

Die Kuh sprach: ‚Bin ich denn verlassen, Erhabener, da du so zu mir sprichst? Doch von dir nicht verlassen, o Brahmane, kann ich nicht mit Gewalt fortgeführt werden.'

Wort für Wort
gaur uvāca kiṃ nu tyaktāsmi bhagavan yad evaṃ māṃ prabhāṣase atyaktāhaṃ tvayā brahman na śakyā nayituṃ balāt
Die Kuh sprach: ‚Bin ich denn verlassen, Erhabener, da du so zu mir sprichst? Doch von dir nicht verlassen, o Brahmane, kann ich nicht mit Gewalt fortgeführt werden.'

vasiṣṭha uvāca na tvāṃ tyajāmi kalyāṇi sthīyatāṃ yadi śakyate dṛḍhena dāmnā baddhvaiṣa vatsas te hriyate balāt

Vasiṣṭha sprach: ‚Ich verlasse dich nicht, Holde; bleibe, wenn es dir möglich ist – dieses dein Kalb wird mit festem Strick gebunden mit Gewalt fortgeführt.'

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca na tvāṃ tyajāmi kalyāṇi sthīyatāṃ yadi śakyate dṛḍhena dāmnā baddhvaiṣa vatsas te hriyate balāt
Vasiṣṭha sprach: ‚Ich verlasse dich nicht, Holde; bleibe, wenn es dir möglich ist – dieses dein Kalb wird mit festem Strick gebunden mit Gewalt fortgeführt.'

gandharva uvāca sthīyatām iti tac chrutvā vasiṣṭhasya payasvinī ūrdhvāñcitaśirogrīvā prababhau ghoradarśanā

Der Gandharva sprach: ‚Als sie „Bleibe!“ von Vasiṣṭha vernommen hatte, erhob die Milchspenderin Kopf und Hals aufwärts und erstrahlte furchterregend anzusehen.'

Wort für Wort
gandharva uvāca sthīyatām iti tac chrutvā vasiṣṭhasya payasvinī ūrdhvāñcitaśirogrīvā prababhau ghoradarśanā
Der Gandharva sprach: ‚Als sie „Bleibe!“ von Vasiṣṭha vernommen hatte, erhob die Milchspenderin Kopf und Hals aufwärts und erstrahlte furchterregend anzusehen.'

krodharaktekṣaṇā sā gaur hambhāravaghanasvanā viśvāmitrasya tat sainyaṃ vyadrāvayata sarvaśaḥ

‚Mit vor Zorn geröteten Augen, mit einem Blöken, dröhnend wie eine Wolke, jagte jene Kuh Viśvāmitras Heer nach allen Seiten in die Flucht.'

Wort für Wort
krodharaktekṣaṇā sā gaur hambhāravaghanasvanā viśvāmitrasya tat sainyaṃ vyadrāvayata sarvaśaḥ
‚Mit vor Zorn geröteten Augen, mit einem Blöken, dröhnend wie eine Wolke, jagte jene Kuh Viśvāmitras Heer nach allen Seiten in die Flucht.'

kaśāgradaṇḍābhihatā kālyamānā tatas tataḥ krodhadīptekṣaṇā krodhaṃ bhūya eva samādadhe

‚Von Peitschenspitze und Stock geschlagen, dahin und dorthin getrieben, mit vor Zorn flammenden Augen, fasste sie immer neuen Zorn.'

Wort für Wort
kaśāgradaṇḍābhihatā kālyamānā tatas tataḥ krodhadīptekṣaṇā krodhaṃ bhūya eva samādadhe
‚Von Peitschenspitze und Stock geschlagen, dahin und dorthin getrieben, mit vor Zorn flammenden Augen, fasste sie immer neuen Zorn.'

āditya iva madhyāhne krodhadīptavapur babhau aṅgāravarṣaṃ muñcantī muhur vāladhito mahat

‚Wie die Sonne am Mittag erstrahlte sie, ihr Leib vor Zorn erglühend, indem sie wiederholt einen gewaltigen Regen glühender Kohlen aus ihrem Schweif entließ.'

Wort für Wort
āditya iva madhyāhne krodhadīptavapur babhau aṅgāravarṣaṃ muñcantī muhur vāladhito mahat
‚Wie die Sonne am Mittag erstrahlte sie, ihr Leib vor Zorn erglühend, indem sie wiederholt einen gewaltigen Regen glühender Kohlen aus ihrem Schweif entließ.'

asṛjat pahlavān pucchāc chakṛtaḥ śabarāñ śakān mūtrataś cāsṛjac cāpi yavanān krodhamūrcchitā

‚Aus ihrem Schweif erschuf sie die Pahlavas, aus ihrem Kot die Śabaras und Śakas, und aus ihrem Urin erschuf sie, in Zorn versunken, die Yavanas.'

Wort für Wort
asṛjat pahlavān pucchāc chakṛtaḥ śabarāñ śakān mūtrataś cāsṛjac cāpi yavanān krodhamūrcchitā
‚Aus ihrem Schweif erschuf sie die Pahlavas, aus ihrem Kot die Śabaras und Śakas, und aus ihrem Urin erschuf sie, in Zorn versunken, die Yavanas.'

puṇḍrān kirātān dramiḍān siṃhalān barbarāṃs tathā tathaiva daradān mlecchān phenataḥ sā sasarja ha

‚Die Puṇḍras, Kirātas, Draviḍas, Siṃhalas, ebenso die Barbaras und Daradas – diese Mlecchas erschuf sie aus ihrem Schaum.'

Wort für Wort
puṇḍrān kirātān dramiḍān siṃhalān barbarāṃs tathā tathaiva daradān mlecchān phenataḥ sā sasarja ha
‚Die Puṇḍras, Kirātas, Draviḍas, Siṃhalas, ebenso die Barbaras und Daradas – diese Mlecchas erschuf sie aus ihrem Schaum.'

[Anm.: mythische Ätiologie realer Völkernamen (u.a. Parther/Pahlava, Skythen/Śaka, Griechen/Yavana) als Ausdruck der überbordenden Zornkraft der Kuh – nicht wörtlich als Abstammungslehre zu verstehen.

tair visṛṣṭair mahat sainyaṃ nānāmlecchagaṇais tadā nānāvaraṇasaṃchannair nānāyudhadharais tathā avākīryata saṃrabdhair viśvāmitrasya paśyataḥ

‚Von diesen freigesetzten, mit mancherlei Rüstung bedeckten, mancherlei Waffen tragenden, wütenden Scharen verschiedener Mlecchas wurde damals ein gewaltiges Heer ausgebreitet, vor Viśvāmitras Augen.'

Wort für Wort
tair visṛṣṭair mahat sainyaṃ nānāmlecchagaṇais tadā nānāvaraṇasaṃchannair nānāyudhadharais tathā avākīryata saṃrabdhair viśvāmitrasya paśyataḥ
‚Von diesen freigesetzten, mit mancherlei Rüstung bedeckten, mancherlei Waffen tragenden, wütenden Scharen verschiedener Mlecchas wurde damals ein gewaltiges Heer ausgebreitet, vor Viśvāmitras Augen.'

ekaikaś ca tadā yodhaḥ pañcabhiḥ saptabhir vṛtaḥ astravarṣeṇa mahatā kālyamānaṃ balaṃ tataḥ prabhagnaṃ sarvatas trastaṃ viśvāmitrasya paśyataḥ

‚Und ein jeder Krieger, von fünf oder sieben umringt, trieb durch gewaltigen Waffenregen (Viśvāmitras Heer) zurück; so wurde jenes Heer darauf zersprengt, überall in Schrecken versetzt, vor Viśvāmitras Augen.'

Wort für Wort
ekaikaś ca tadā yodhaḥ pañcabhiḥ saptabhir vṛtaḥ astravarṣeṇa mahatā kālyamānaṃ balaṃ tataḥ prabhagnaṃ sarvatas trastaṃ viśvāmitrasya paśyataḥ
‚Und ein jeder Krieger, von fünf oder sieben umringt, trieb durch gewaltigen Waffenregen (Viśvāmitras Heer) zurück; so wurde jenes Heer darauf zersprengt, überall in Schrecken versetzt, vor Viśvāmitras Augen.'

na ca prāṇair viyujyanta ke cit te sainikās tadā viśvāmitrasya saṃkruddhair vāsiṣṭhair bharatarṣabha

‚Und doch wurde keiner jener Soldaten Viśvāmitras von den erzürnten Kämpfern Vasiṣṭhas seines Lebens beraubt, o Stier der Bharatas.'

Wort für Wort
na ca prāṇair viyujyanta ke cit te sainikās tadā viśvāmitrasya saṃkruddhair vāsiṣṭhair bharatarṣabha
‚Und doch wurde keiner jener Soldaten Viśvāmitras von den erzürnten Kämpfern Vasiṣṭhas seines Lebens beraubt, o Stier der Bharatas.'

viśvāmitrasya sainyaṃ tu kālyamānaṃ triyojanam krośamānaṃ bhayodvignaṃ trātāraṃ nādhyagacchata

‚Viśvāmitras Heer aber, drei Yojanas weit vertrieben, laut schreiend, von Furcht erregt, fand keinen Beschützer.'

Wort für Wort
viśvāmitrasya sainyaṃ tu kālyamānaṃ triyojanam krośamānaṃ bhayodvignaṃ trātāraṃ nādhyagacchata
‚Viśvāmitras Heer aber, drei Yojanas weit vertrieben, laut schreiend, von Furcht erregt, fand keinen Beschützer.'

dṛṣṭvā tan mahad āścaryaṃ brahmatejobhavaṃ tadā viśvāmitraḥ kṣatrabhāvān nirviṇṇo vākyam abravīt

‚Als er jenes große Wunder sah, das aus der Kraft des Brahman entstanden war, sprach Viśvāmitra, seines Kṣatriya-Standes überdrüssig geworden, folgendes Wort:'

Wort für Wort
dṛṣṭvā tan mahad āścaryaṃ brahmatejobhavaṃ tadā viśvāmitraḥ kṣatrabhāvān nirviṇṇo vākyam abravīt
‚Als er jenes große Wunder sah, das aus der Kraft des Brahman entstanden war, sprach Viśvāmitra, seines Kṣatriya-Standes überdrüssig geworden, folgendes Wort:'

dhig balaṃ kṣatriyabalaṃ brahmatejobalaṃ balam balābalaṃ viniścitya tapa eva paraṃ balam

‚Schande über die Kraft, die Kṣatriya-Kraft! Die Kraft der Brahman-Macht allein ist wahre Kraft. Nachdem ich Stärke und Schwäche erkannt habe: Askese allein ist die höchste Kraft.'

Wort für Wort
dhig balaṃ kṣatriyabalaṃ brahmatejobalaṃ balam balābalaṃ viniścitya tapa eva paraṃ balam
‚Schande über die Kraft, die Kṣatriya-Kraft! Die Kraft der Brahman-Macht allein ist wahre Kraft. Nachdem ich Stärke und Schwäche erkannt habe: Askese allein ist die höchste Kraft.'

sa rājyaṃ sphītam utsṛjya tāṃ ca dīptāṃ nṛpaśriyam bhogāṃś ca pṛṣṭhataḥ kṛtvā tapasy eva mano dadhe

‚Er gab sein blühendes Königreich auf, samt jenem strahlenden königlichen Glanz, ließ die Genüsse hinter sich und richtete den Sinn allein auf Askese.'

Wort für Wort
sa rājyaṃ sphītam utsṛjya tāṃ ca dīptāṃ nṛpaśriyam bhogāṃś ca pṛṣṭhataḥ kṛtvā tapasy eva mano dadhe
‚Er gab sein blühendes Königreich auf, samt jenem strahlenden königlichen Glanz, ließ die Genüsse hinter sich und richtete den Sinn allein auf Askese.'

sa gatvā tapasā siddhiṃ lokān viṣṭabhya tejasā tatāpa sarvān dīptaujā brāhmaṇatvam avāpa ca apibat sutaṃ somam indreṇa saha kauśikaḥ

‚Er, der zur Vollkommenheit durch Askese gelangte, durchdrang die Welten mit seinem Glanz, versengte alle mit seiner flammenden Kraft, erlangte das Brahmanentum – und Kauśika trank den gepressten Soma zusammen mit Indra.'

Wort für Wort
sa gatvā tapasā siddhiṃ lokān viṣṭabhya tejasā tatāpa sarvān dīptaujā brāhmaṇatvam avāpa ca apibat sutaṃ somam indreṇa saha kauśikaḥ
‚Er, der zur Vollkommenheit durch Askese gelangte, durchdrang die Welten mit seinem Glanz, versengte alle mit seiner flammenden Kraft, erlangte das Brahmanentum – und Kauśika trank den gepressten Soma zusammen mit Indra.'

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