Kapitel 103: Gāndhārī-Vivāhaḥ
Bhīṣmas Heiratspläne und die Vermählung Gāndhārīs mit Dhṛtarāṣṭra
Bhīṣma berät mit Vidura über Gattinnen für die herangewachsenen Prinzen und wählt Gāndhārī, die Tochter König Subalas von Gāndhāra, die durch Śivas Gnade hundert Söhne verheißen bekommen hat. Subala überwindet sein Bedenken wegen Dhṛtarāṣṭras Blindheit und gibt sie ihm zur Frau; Gāndhārī selbst verbindet sich aus Gattentreue freiwillig die Augen, um ihrem blinden Gatten gleichzukommen. Ihr Bruder Śakuni überbringt sie nach Hāstinapura.
Bhīṣma sprach: Dieses unser Geschlecht, mit Tugenden völlig ausgestattet, ist berühmt geworden, allen anderen Erdherrschern übergeordnet, teilhaftig der Oberherrschaft auf Erden.
Bhīṣma sprach: Dieses unser Geschlecht, mit Tugenden völlig ausgestattet, ist berühmt geworden, allen anderen Erdherrschern übergeordnet, teilhaftig der Oberherrschaft auf Erden.
Ich habe gehört von einer Yādava-Jungfrau, die unserem Geschlecht entspricht, sowie von der Tochter Subalas und ebenso von der Tochter des Herrschers von Madra.
Ich habe gehört von einer Yādava-Jungfrau, die unserem Geschlecht entspricht, sowie von der Tochter Subalas und ebenso von der Tochter des Herrschers von Madra.
vidura uvāca bhavān pitā bhavān mātā bhavān naḥ paramo guruḥ tasmāt svayaṃ kulasyāsya vicārya kuru yad dhitam
Vidura sprach: ‚Du bist unser Vater, du unsere Mutter, du unser höchster Lehrer; deshalb ordne selbst, nach eigenem Ermessen über dieses Geschlecht, was zuträglich ist.'
Wort für Wort
vidura uvāca bhavān pitā bhavān mātā bhavān naḥ paramo guruḥ tasmāt svayaṃ kulasyāsya vicārya kuru yad dhitam
Vidura sprach: ‚Du bist unser Vater, du unsere Mutter, du unser höchster Lehrer; deshalb ordne selbst, nach eigenem Ermessen über dieses Geschlecht, was zuträglich ist.'
vaiśaṃpāyana uvāca atha śuśrāva viprebhyo gāndhārīṃ subalātmajām ārādhya varadaṃ devaṃ bhaganetraharaṃ haram gāndhārī kila putrāṇāṃ śataṃ lebhe varaṃ śubhā
Vaiśaṃpāyana sprach: Da hörte er von den Brahmanen von Gāndhārī, der Tochter Subalas, die, nachdem sie den gnadenspendenden Gott Hara [Śiva], den Zerstörer von Bhagas Auge, verehrt hatte, als Segen hundert Söhne erhalten haben soll, die glückverheißende Jungfrau.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca atha śuśrāva viprebhyo gāndhārīṃ subalātmajām ārādhya varadaṃ devaṃ bhaganetraharaṃ haram gāndhārī kila putrāṇāṃ śataṃ lebhe varaṃ śubhā
Vaiśaṃpāyana sprach: Da hörte er von den Brahmanen von Gāndhārī, der Tochter Subalas, die, nachdem sie den gnadenspendenden Gott Hara [Śiva], den Zerstörer von Bhagas Auge, verehrt hatte, als Segen hundert Söhne erhalten haben soll, die glückverheißende Jungfrau.
[Anm.: ‚Bhaganetrahara' (‚Zerstörer von Bhagas Auge') ist ein Epitheton Śivas, das auf einen bekannten Mythos anspielt, in dem Śiva dem Gott Bhaga bei der Zerstörung von Dakṣas Opfer ein Auge ausschlug.]
acakṣur iti tatrāsīt subalasya vicāraṇā kulaṃ khyātiṃ ca vṛttaṃ ca buddhyā tu prasamīkṣya saḥ dadau tāṃ dhṛtarāṣṭrāya gāndhārīṃ dharmacāriṇīm
‚Er ist blind' – das war Subalas Bedenken dabei; doch nachdem er mit Bedacht Geschlecht, Ruf und Lebenswandel [der Kurus] geprüft hatte, gab er die rechtschaffene Gāndhārī dem Dhṛtarāṣṭra zur Frau.
Wort für Wort
acakṣur iti tatrāsīt subalasya vicāraṇā kulaṃ khyātiṃ ca vṛttaṃ ca buddhyā tu prasamīkṣya saḥ dadau tāṃ dhṛtarāṣṭrāya gāndhārīṃ dharmacāriṇīm
‚Er ist blind' – das war Subalas Bedenken dabei; doch nachdem er mit Bedacht Geschlecht, Ruf und Lebenswandel [der Kurus] geprüft hatte, gab er die rechtschaffene Gāndhārī dem Dhṛtarāṣṭra zur Frau.
Da nahm sie, die Glückverheißende, ein Tuch, faltete es vielfach zusammen und verband sich damit, o König, die eigenen Augen – der Gattentreue ergeben, mit dem festen Entschluss: ‚Ich will nicht mehr genießen als mein Gatte.'
Da nahm sie, die Glückverheißende, ein Tuch, faltete es vielfach zusammen und verband sich damit, o König, die eigenen Augen – der Gattentreue ergeben, mit dem festen Entschluss: ‚Ich will nicht mehr genießen als mein Gatte.'
dattvā sa bhaginīṃ vīro yathārhaṃ ca paricchadam punar āyāt svanagaraṃ bhīṣmeṇa pratipūjitaḥ
Nachdem er, der Held, seine Schwester samt standesgemäßer Aussteuer übergeben hatte, kehrte er, von Bhīṣma geehrt, wieder in seine eigene Stadt zurück.
Wort für Wort
dattvā sa bhaginīṃ vīro yathārhaṃ ca paricchadam punar āyāt svanagaraṃ bhīṣmeṇa pratipūjitaḥ
Nachdem er, der Held, seine Schwester samt standesgemäßer Aussteuer übergeben hatte, kehrte er, von Bhīṣma geehrt, wieder in seine eigene Stadt zurück.