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Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 20: Āstīka-parva (Fortsetzung): die Wettauflösung und Garuḍas Geburt Āstīka-parva (Fortsetzung): Vinatās Versklavung durch Kadrūs Betrug und die furchterregende Geburt Garuḍas — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,020.001“ bis „01,020.015“). Am Pferd Uccaiḥśravas angekommen, erblickt Kadrū den (durch den in Adhyāya 18 angebahnten, hier nicht ausdrücklich benannten Betrug der Schlangensöhne) scheinbar schwarzen Schweif und macht die unterlegene Vinatā zu ihrer Dienerin. Zugleich wird Garuḍa geboren, von so gewaltigem, feuergleichem Glanz, dass die Götter und alle Geschöpfe, erschreckt, bei Agni Zuflucht suchen; Agni klärt sie auf, dass es sich um den ihm ebenbürtigen Garuḍa handelt, und die Götter besänftigen ihn durch einen ausführlichen Lobpreis (Vers 10-14), woraufhin Garuḍa seinen Glanz zurückzieht. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | taṃ samudram atikramya kadrūr vinatayā saha | nyapatat turagābhyāśe nacirād iva śīghragā

Sūta sprach: Nachdem sie jenen Ozean überquert hatte, fiel Kadrū, zusammen mit Vinatā, wie im Fluge eilend, alsbald in der Nähe des Pferdes nieder.

Wort für Wort
sūta uvāca | taṃ samudram atikramya kadrūr vinatayā saha | nyapatat turagābhyāśe nacirād iva śīghragā
Sūta sprach: Nachdem sie jenen Ozean überquert hatte, fiel Kadrū, zusammen mit Vinatā, wie im Fluge eilend, alsbald in der Nähe des Pferdes nieder.

niśāmya ca bahūn vālān kṛṣṇān pucchaṃ samāśritān | vinatāṃ viṣaṇṇavadanāṃ kadrūr dāsye nyayojayat

Und als sie viele schwarze Haare erblickte, die dem Schweif anhafteten, verpflichtete Kadrū die betrübten Antlitzes dreinschauende Vinatā zur Dienstbarkeit.

Wort für Wort
niśāmya ca bahūn vālān kṛṣṇān pucchaṃ samāśritān | vinatāṃ viṣaṇṇavadanāṃ kadrūr dāsye nyayojayat
Und als sie viele schwarze Haare erblickte, die dem Schweif anhafteten, verpflichtete Kadrū die betrübten Antlitzes dreinschauende Vinatā zur Dienstbarkeit.

[Anm.: Der Betrug der tausend Schlangensöhne aus Adhyāya 18 – die sich, entgegen ihrer dortigen Weigerung, offenbar doch als schwarze Haare um den Schweif geschlungen haben – wird hier vorausgesetzt, aber nicht ausdrücklich als Betrug benannt; die Quelldatei überspringt an dieser Stelle die explizite Feststellung des Betrugs, die im weiteren Verlauf des Epos (Adhyāya 21) nachgeholt wird.]

tataḥ sā vinatā tasmin paṇitena parājitā | abhavad duḥkhasaṃtaptā dāsībhāvaṃ samāsthitā

Da wurde jene Vinatā, durch die Wette besiegt, von Kummer versengt, und trat in den Stand der Dienerin ein.

Wort für Wort
tataḥ sā vinatā tasmin paṇitena parājitā | abhavad duḥkhasaṃtaptā dāsībhāvaṃ samāsthitā
Da wurde jene Vinatā, durch die Wette besiegt, von Kummer versengt, und trat in den Stand der Dienerin ein.

etasminn antare caiva garuḍaḥ kāla āgate | vinā mātrā mahātejā vidāryāṇḍam ajāyata

Unterdessen, als die Zeit gekommen war, wurde Garuḍa, von großem Glanz, ohne Zutun der Mutter, das Ei aufspaltend, geboren.

Wort für Wort
etasminn antare caiva garuḍaḥ kāla āgate | vinā mātrā mahātejā vidāryāṇḍam ajāyata
Unterdessen, als die Zeit gekommen war, wurde Garuḍa, von großem Glanz, ohne Zutun der Mutter, das Ei aufspaltend, geboren.

agnirāśir ivodbhāsan samiddho 'tibhayaṃkaraḥ | pravṛddhaḥ sahasā pakṣī mahākāyo nabhogataḥ

wie ein loderndes Feuerhaufen strahlend, entfacht, überaus furchterregend, plötzlich emporgewachsen, ein Vogel von gewaltigem Leib, in den Himmel aufsteigend.

Wort für Wort
agnirāśir ivodbhāsan samiddho 'tibhayaṃkaraḥ | pravṛddhaḥ sahasā pakṣī mahākāyo nabhogataḥ
wie ein loderndes Feuerhaufen strahlend, entfacht, überaus furchterregend, plötzlich emporgewachsen, ein Vogel von gewaltigem Leib, in den Himmel aufsteigend.

taṃ dṛṣṭvā śaraṇaṃ jagmuḥ prajāḥ sarvā vibhāvasum | praṇipatyābruvaṃś cainam āsīnaṃ viśvarūpiṇam

Als sie ihn erblickten, nahmen alle Geschöpfe ihre Zuflucht zu Agni [Vibhāvasu]; sie warfen sich nieder und sprachen zu ihm, der da in allgestaltiger Form saß:

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā śaraṇaṃ jagmuḥ prajāḥ sarvā vibhāvasum | praṇipatyābruvaṃś cainam āsīnaṃ viśvarūpiṇam
Als sie ihn erblickten, nahmen alle Geschöpfe ihre Zuflucht zu Agni [Vibhāvasu]; sie warfen sich nieder und sprachen zu ihm, der da in allgestaltiger Form saß:

[Anm.: „Vibhāvasu“ („der Glanzreiche“) ist ein Epitheton Agnis.]

agne mā tvaṃ pravardhiṣṭhāḥ kaccin no na didhakṣasi | asau hi rāśiḥ sumahān samiddhas tava sarpati

„O Agni, wachse du nicht noch mehr! Willst du uns wohl nicht verbrennen? Denn jener überaus große, entfachte Feuerhaufen kriecht ja dir gleich heran.“

Wort für Wort
agne mā tvaṃ pravardhiṣṭhāḥ kaccin no na didhakṣasi | asau hi rāśiḥ sumahān samiddhas tava sarpati
„O Agni, wachse du nicht noch mehr! Willst du uns wohl nicht verbrennen? Denn jener überaus große, entfachte Feuerhaufen kriecht ja dir gleich heran.“

agnir uvāca | naitad evaṃ yathā yūyaṃ manyadhvam asurārdanāḥ | garuḍo balavān eṣa mama tulyaḥ svatejasā

Agni sprach: „Nicht ist es so, wie ihr, o Bedränger der Asuras, meint: Dies ist der starke Garuḍa, mir an eigenem Glanz gleich.“

Wort für Wort
agnir uvāca | naitad evaṃ yathā yūyaṃ manyadhvam asurārdanāḥ | garuḍo balavān eṣa mama tulyaḥ svatejasā
Agni sprach: „Nicht ist es so, wie ihr, o Bedränger der Asuras, meint: Dies ist der starke Garuḍa, mir an eigenem Glanz gleich.“

sūta uvāca | evam uktās tato gatvā garuḍaṃ vāgbhir astuvan | adūrād abhyupetyainaṃ devāḥ sarṣigaṇās tadā

Sūta sprach: So angesprochen, gingen die Götter samt den Scharen der Seher da hin, näherten sich ihm aus der Nähe und priesen Garuḍa mit Worten.

Wort für Wort
sūta uvāca | evam uktās tato gatvā garuḍaṃ vāgbhir astuvan | adūrād abhyupetyainaṃ devāḥ sarṣigaṇās tadā
Sūta sprach: So angesprochen, gingen die Götter samt den Scharen der Seher da hin, näherten sich ihm aus der Nähe und priesen Garuḍa mit Worten.

tvam ṛṣis tvaṃ mahābhāgas tvaṃ devaḥ patageśvaraḥ | tvaṃ prabhus tapanaprakhyas tvaṃ nas trāṇam anuttamam

„Du bist der Seher, du der Hochgesegnete, du der Gott, der Herr der Vögel; du bist der Herrscher, der Sonne gleich glänzend, du bist unser höchster Schutz.“

Wort für Wort
tvam ṛṣis tvaṃ mahābhāgas tvaṃ devaḥ patageśvaraḥ | tvaṃ prabhus tapanaprakhyas tvaṃ nas trāṇam anuttamam
„Du bist der Seher, du der Hochgesegnete, du der Gott, der Herr der Vögel; du bist der Herrscher, der Sonne gleich glänzend, du bist unser höchster Schutz.“

balormimān sādhur adīnasattvaḥ samṛddhimān duṣprasahas tvam eva | tapaḥ śrutaṃ sarvam ahīnakīrte anāgataṃ copagataṃ ca sarvam

„Kraftvoll wie eine Woge, rechtschaffen, unverzagten Wesens, gedeihlich, unbezwingbar bist du allein; Askese und heilige Überlieferung sind gänzlich in dir, o du von makelloser Kunde – alles Zukünftige und Gegenwärtige ist dir bekannt.“

Wort für Wort
balormimān sādhur adīnasattvaḥ samṛddhimān duṣprasahas tvam eva | tapaḥ śrutaṃ sarvam ahīnakīrte anāgataṃ copagataṃ ca sarvam
„Kraftvoll wie eine Woge, rechtschaffen, unverzagten Wesens, gedeihlich, unbezwingbar bist du allein; Askese und heilige Überlieferung sind gänzlich in dir, o du von makelloser Kunde – alles Zukünftige und Gegenwärtige ist dir bekannt.“

tvam uttamaḥ sarvam idaṃ carācaraṃ gabhastibhir bhānur ivāvabhāsase | samākṣipan bhānumataḥ prabhāṃ muhus tvam antakaḥ sarvam idaṃ dhruvādhruvam

„Du bist der Höchste über all dies Bewegte und Unbewegte; wie die Sonne mit ihren Strahlen erstrahlst du, immer wieder den Glanz des Sonnengottes überstrahlend; du bist der Beender all dieses Beständigen und Unbeständigen.“

Wort für Wort
tvam uttamaḥ sarvam idaṃ carācaraṃ gabhastibhir bhānur ivāvabhāsase | samākṣipan bhānumataḥ prabhāṃ muhus tvam antakaḥ sarvam idaṃ dhruvādhruvam
„Du bist der Höchste über all dies Bewegte und Unbewegte; wie die Sonne mit ihren Strahlen erstrahlst du, immer wieder den Glanz des Sonnengottes überstrahlend; du bist der Beender all dieses Beständigen und Unbeständigen.“

divākaraḥ parikupito yathā dahet prajās tathā dahasi hutāśanaprabha | bhayaṃkaraḥ pralaya ivāgnir utthito vināśayan yugaparivartanāntakṛt

„Wie die zornentbrannte Tagessonne die Geschöpfe verbrennen würde, so verbrennst du sie, o du von Feuerglanz; furchterregend, wie das beim Weltuntergang aufsteigende Feuer, vernichtend, den Wechsel der Weltzeitalter beendend.“

Wort für Wort
divākaraḥ parikupito yathā dahet prajās tathā dahasi hutāśanaprabha | bhayaṃkaraḥ pralaya ivāgnir utthito vināśayan yugaparivartanāntakṛt
„Wie die zornentbrannte Tagessonne die Geschöpfe verbrennen würde, so verbrennst du sie, o du von Feuerglanz; furchterregend, wie das beim Weltuntergang aufsteigende Feuer, vernichtend, den Wechsel der Weltzeitalter beendend.“

khageśvaraṃ śaraṇam upasthitā vayaṃ mahaujasaṃ vitimiram abhragocaram | mahābalaṃ garuḍam upetya khecaraṃ parāvaraṃ varadam ajayyavikramam

„Zu dem Herrn der Vögel sind wir als Zuflucht gekommen, dem hochgewaltigen, dunkelheitlosen, in den Wolken Wandelnden; zu dem hochstarken, luftwandelnden Garuḍa sind wir getreten, dem Höchsten und Niedersten zugleich, dem Gabenspender von unbezwingbarer Kraft.“

Wort für Wort
khageśvaraṃ śaraṇam upasthitā vayaṃ mahaujasaṃ vitimiram abhragocaram | mahābalaṃ garuḍam upetya khecaraṃ parāvaraṃ varadam ajayyavikramam
„Zu dem Herrn der Vögel sind wir als Zuflucht gekommen, dem hochgewaltigen, dunkelheitlosen, in den Wolken Wandelnden; zu dem hochstarken, luftwandelnden Garuḍa sind wir getreten, dem Höchsten und Niedersten zugleich, dem Gabenspender von unbezwingbarer Kraft.“

evaṃ stutaḥ suparṇas tu devaiḥ sarṣigaṇais tadā | tejasaḥ pratisaṃhāram ātmanaḥ sa cakāra ha

So gepriesen von den Göttern samt den Scharen der Seher, zog Suparṇa [Garuḍa] da seinen eigenen Glanz wieder in sich zurück.

Wort für Wort
evaṃ stutaḥ suparṇas tu devaiḥ sarṣigaṇais tadā | tejasaḥ pratisaṃhāram ātmanaḥ sa cakāra ha
So gepriesen von den Göttern samt den Scharen der Seher, zog Suparṇa [Garuḍa] da seinen eigenen Glanz wieder in sich zurück.

[Anm.: „Suparṇa“ („Schönbeflügelter“) ist ein gängiges Epitheton Garuḍas. Adhyāya 20 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei; die Fortsetzung – Vinatās Dienstbarkeit bei Kadrū und den Schlangen, sowie Garuḍas spätere Befreiung der Mutter – folgt in Adhyāya 21.]

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