Kapitel 20: Āstīka-parva (Fortsetzung): die Wettauflösung und Garuḍas Geburt
Āstīka-parva (Fortsetzung): Vinatās Versklavung durch Kadrūs Betrug und die furchterregende Geburt Garuḍas — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,020.001“ bis „01,020.015“). Am Pferd Uccaiḥśravas angekommen, erblickt Kadrū den (durch den in Adhyāya 18 angebahnten, hier nicht ausdrücklich benannten Betrug der Schlangensöhne) scheinbar schwarzen Schweif und macht die unterlegene Vinatā zu ihrer Dienerin. Zugleich wird Garuḍa geboren, von so gewaltigem, feuergleichem Glanz, dass die Götter und alle Geschöpfe, erschreckt, bei Agni Zuflucht suchen; Agni klärt sie auf, dass es sich um den ihm ebenbürtigen Garuḍa handelt, und die Götter besänftigen ihn durch einen ausführlichen Lobpreis (Vers 10-14), woraufhin Garuḍa seinen Glanz zurückzieht. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
Und als sie viele schwarze Haare erblickte, die dem Schweif anhafteten, verpflichtete Kadrū die betrübten Antlitzes dreinschauende Vinatā zur Dienstbarkeit.
Und als sie viele schwarze Haare erblickte, die dem Schweif anhafteten, verpflichtete Kadrū die betrübten Antlitzes dreinschauende Vinatā zur Dienstbarkeit.
[Anm.: Der Betrug der tausend Schlangensöhne aus Adhyāya 18 – die sich, entgegen ihrer dortigen Weigerung, offenbar doch als schwarze Haare um den Schweif geschlungen haben – wird hier vorausgesetzt, aber nicht ausdrücklich als Betrug benannt; die Quelldatei überspringt an dieser Stelle die explizite Feststellung des Betrugs, die im weiteren Verlauf des Epos (Adhyāya 21) nachgeholt wird.]
wie ein loderndes Feuerhaufen strahlend, entfacht, überaus furchterregend, plötzlich emporgewachsen, ein Vogel von gewaltigem Leib, in den Himmel aufsteigend.
wie ein loderndes Feuerhaufen strahlend, entfacht, überaus furchterregend, plötzlich emporgewachsen, ein Vogel von gewaltigem Leib, in den Himmel aufsteigend.
Als sie ihn erblickten, nahmen alle Geschöpfe ihre Zuflucht zu Agni [Vibhāvasu]; sie warfen sich nieder und sprachen zu ihm, der da in allgestaltiger Form saß:
Als sie ihn erblickten, nahmen alle Geschöpfe ihre Zuflucht zu Agni [Vibhāvasu]; sie warfen sich nieder und sprachen zu ihm, der da in allgestaltiger Form saß:
[Anm.: „Vibhāvasu“ („der Glanzreiche“) ist ein Epitheton Agnis.]
„Du bist der Seher, du der Hochgesegnete, du der Gott, der Herr der Vögel; du bist der Herrscher, der Sonne gleich glänzend, du bist unser höchster Schutz.“
„Du bist der Seher, du der Hochgesegnete, du der Gott, der Herr der Vögel; du bist der Herrscher, der Sonne gleich glänzend, du bist unser höchster Schutz.“
balormimān sādhur adīnasattvaḥ samṛddhimān duṣprasahas tvam eva | tapaḥ śrutaṃ sarvam ahīnakīrte anāgataṃ copagataṃ ca sarvam
„Kraftvoll wie eine Woge, rechtschaffen, unverzagten Wesens, gedeihlich, unbezwingbar bist du allein; Askese und heilige Überlieferung sind gänzlich in dir, o du von makelloser Kunde – alles Zukünftige und Gegenwärtige ist dir bekannt.“
Wort für Wort
balormimān sādhur adīnasattvaḥ samṛddhimān duṣprasahas tvam eva | tapaḥ śrutaṃ sarvam ahīnakīrte anāgataṃ copagataṃ ca sarvam
„Kraftvoll wie eine Woge, rechtschaffen, unverzagten Wesens, gedeihlich, unbezwingbar bist du allein; Askese und heilige Überlieferung sind gänzlich in dir, o du von makelloser Kunde – alles Zukünftige und Gegenwärtige ist dir bekannt.“
„Du bist der Höchste über all dies Bewegte und Unbewegte; wie die Sonne mit ihren Strahlen erstrahlst du, immer wieder den Glanz des Sonnengottes überstrahlend; du bist der Beender all dieses Beständigen und Unbeständigen.“
„Du bist der Höchste über all dies Bewegte und Unbewegte; wie die Sonne mit ihren Strahlen erstrahlst du, immer wieder den Glanz des Sonnengottes überstrahlend; du bist der Beender all dieses Beständigen und Unbeständigen.“
„Wie die zornentbrannte Tagessonne die Geschöpfe verbrennen würde, so verbrennst du sie, o du von Feuerglanz; furchterregend, wie das beim Weltuntergang aufsteigende Feuer, vernichtend, den Wechsel der Weltzeitalter beendend.“
„Wie die zornentbrannte Tagessonne die Geschöpfe verbrennen würde, so verbrennst du sie, o du von Feuerglanz; furchterregend, wie das beim Weltuntergang aufsteigende Feuer, vernichtend, den Wechsel der Weltzeitalter beendend.“
„Zu dem Herrn der Vögel sind wir als Zuflucht gekommen, dem hochgewaltigen, dunkelheitlosen, in den Wolken Wandelnden; zu dem hochstarken, luftwandelnden Garuḍa sind wir getreten, dem Höchsten und Niedersten zugleich, dem Gabenspender von unbezwingbarer Kraft.“
„Zu dem Herrn der Vögel sind wir als Zuflucht gekommen, dem hochgewaltigen, dunkelheitlosen, in den Wolken Wandelnden; zu dem hochstarken, luftwandelnden Garuḍa sind wir getreten, dem Höchsten und Niedersten zugleich, dem Gabenspender von unbezwingbarer Kraft.“
evaṃ stutaḥ suparṇas tu devaiḥ sarṣigaṇais tadā | tejasaḥ pratisaṃhāram ātmanaḥ sa cakāra ha
So gepriesen von den Göttern samt den Scharen der Seher, zog Suparṇa [Garuḍa] da seinen eigenen Glanz wieder in sich zurück.
Wort für Wort
evaṃ stutaḥ suparṇas tu devaiḥ sarṣigaṇais tadā | tejasaḥ pratisaṃhāram ātmanaḥ sa cakāra ha
So gepriesen von den Göttern samt den Scharen der Seher, zog Suparṇa [Garuḍa] da seinen eigenen Glanz wieder in sich zurück.
[Anm.: „Suparṇa“ („Schönbeflügelter“) ist ein gängiges Epitheton Garuḍas. Adhyāya 20 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei; die Fortsetzung – Vinatās Dienstbarkeit bei Kadrū und den Schlangen, sowie Garuḍas spätere Befreiung der Mutter – folgt in Adhyāya 21.]