Kapitel 55: Saṃkṣiptabhāratākhyānam (Adhyāya 55, Kritische Ausgabe)
Die Kurzfassung des Bhārata (Vaiśampāyanas Eröffnungsrede)
Vaiśampāyana beginnt seinen Vortrag mit einer stark gerafften Zusammenfassung der gesamten Mahābhārata-Haupthandlung: Kindheit und Rückkehr der Pāṇḍavas, Anschläge Duryodhanas (Gift, Schlangen, Lackhaus), Vidura als Beschützer, Hiḍimba, Baka, Draupadīs Gewinn, Gründung Khāṇḍavaprasthas, Weltunterwerfung, Arjunas Exil und Heirat mit Subhadrā, Verbrennung des Khāṇḍava-Waldes, Gāṇḍīva-Bogen, Sabhā des Maya, Würfelspiel, 13 Jahre Exil, Krieg und Sieg der Pāṇḍavas. Dies ist die knappe Vorschau, der ab dem nächsten Adhyāya die ausführliche Erzählung folgt.
Vaiśampāyana sprach: Nachdem ich zuvor meinem Lehrer mit Gedanken, Verstand und Sammlung Verehrung erwiesen und ebenso alle Brahmanen und andere kundige Männer geehrt habe,
Vaiśampāyana sprach: Nachdem ich zuvor meinem Lehrer mit Gedanken, Verstand und Sammlung Verehrung erwiesen und ebenso alle Brahmanen und andere kundige Männer geehrt habe,
„Du bist ein würdiges Gefäß, diese Bhārata-Erzählung zu hören, o König; das Bestreben, sie auf das Wort des Lehrers hin vorzutragen, spornt mich gleichsam freudig an.“
„Du bist ein würdiges Gefäß, diese Bhārata-Erzählung zu hören, o König; das Bestreben, sie auf das Wort des Lehrers hin vorzutragen, spornt mich gleichsam freudig an.“
„Höre, König, wie die Spaltung zwischen Kurus und Pāṇḍavas entstand, um des Königreichs willen, aus dem Würfelspiel hervorgegangen, und ebenso der Waldaufenthalt,“
„Höre, König, wie die Spaltung zwischen Kurus und Pāṇḍavas entstand, um des Königreichs willen, aus dem Würfelspiel hervorgegangen, und ebenso der Waldaufenthalt,“
„Als die Kurus sie sahen, so mit Schönheit, Tapferkeit und Kraft ausgestattet, von der Bürgerschaft geachtet, ertrugen sie es nicht, die Pāṇḍavas, die Glanz und Ruhm trugen.“
„Als die Kurus sie sahen, so mit Schönheit, Tapferkeit und Kraft ausgestattet, von der Bürgerschaft geachtet, ertrugen sie es nicht, die Pāṇḍavas, die Glanz und Ruhm trugen.“
„Als Vṛkodara bei Pramāṇakoṭi [?] eingeschlafen war, banden sie ihn erneut, warfen den Bhīma in die Fluten der Gaṅgā und zogen zur Stadt.“
[Anm.: „pramāṇakoṭyām“ ist unklar – vermutlich der Name eines Ortes/einer Furt an der Gaṅgā, an dem Bhīma eingeschlafen war; die genaue Bedeutung bleibt unsicher.]
yadā tu vividhopāyaiḥ saṃvṛtair vivṛtair api nāśaknod vinihantuṃ tān daivabhāvyartharakṣitān
„Als er sie aber mit vielfältigen Mitteln, verdeckten wie offenen, nicht zu vernichten vermochte – sie, die vom Schicksal und dem, was geschehen sollte, beschützt waren –“
Wort für Wort
yadā tu vividhopāyaiḥ saṃvṛtair vivṛtair api nāśaknod vinihantuṃ tān daivabhāvyartharakṣitān
„Als er sie aber mit vielfältigen Mitteln, verdeckten wie offenen, nicht zu vernichten vermochte – sie, die vom Schicksal und dem, was geschehen sollte, beschützt waren –“
„da beriet er [Duryodhana] sich mit seinen Ministern, mit Vṛṣa [?], Duḥśāsana und anderen, erwirkte Dhṛtarāṣṭras Zustimmung und ordnete das Lackhaus an.“
„da beriet er [Duryodhana] sich mit seinen Ministern, mit Vṛṣa [?], Duḥśāsana und anderen, erwirkte Dhṛtarāṣṭras Zustimmung und ordnete das Lackhaus an.“
[Anm.: „Vṛṣa“ ist hier nicht sicher zu identifizieren – möglicherweise ein sonst nicht näher bekannter Ratgeber Duryodhanas, nicht zu verwechseln mit Vṛṣasena, Karṇas Sohn.]
tatra te brāhmaṇārthāya bakaṃ hatvā mahābalam brāhmaṇaiḥ sahitā jagmuḥ pāñcālānāṃ puraṃ tataḥ
„Dort erschlugen sie, um eines Brahmanen willen, den überaus starken [Rākṣasa] Baka, und zogen dann, mit den Brahmanen zusammen, zur Stadt der Pāñcālas.“
Wort für Wort
tatra te brāhmaṇārthāya bakaṃ hatvā mahābalam brāhmaṇaiḥ sahitā jagmuḥ pāñcālānāṃ puraṃ tataḥ
„Dort erschlugen sie, um eines Brahmanen willen, den überaus starken [Rākṣasa] Baka, und zogen dann, mit den Brahmanen zusammen, zur Stadt der Pāñcālas.“
ta uktā dhṛtarāṣṭreṇa rājñā śāṃtanavena ca bhrātṛbhir vigrahas tāta kathaṃ vo na bhaved iti asmābhiḥ khāṇḍavaprasthe yuṣmadvāso 'nucintitaḥ
Sie wurden von König Dhṛtarāṣṭra und dem Sohn des Śāṃtanu [Bhīṣma] angesprochen: „Mein Kind, wie könnte zwischen euch Brüdern kein Streit entstehen? – Von uns ist als euer Wohnsitz Khāṇḍavaprastha erdacht worden.“
Wort für Wort
ta uktā dhṛtarāṣṭreṇa rājñā śāṃtanavena ca bhrātṛbhir vigrahas tāta kathaṃ vo na bhaved iti asmābhiḥ khāṇḍavaprasthe yuṣmadvāso 'nucintitaḥ
Sie wurden von König Dhṛtarāṣṭra und dem Sohn des Śāṃtanu [Bhīṣma] angesprochen: „Mein Kind, wie könnte zwischen euch Brüdern kein Streit entstehen? – Von uns ist als euer Wohnsitz Khāṇḍavaprastha erdacht worden.“
pañcabhiḥ sūryasaṃkāśaiḥ sūryeṇa ca virājatā ṣaṭsūryevābabhau pṛthvī pāṇḍavaiḥ satyavikramaiḥ
Mit den fünf, sonnengleich strahlenden, und mit der Sonne selbst erglänzend, erschien die Erde wie mit sechs Sonnen, durch die Pāṇḍavas von wahrer Tapferkeit.
Wort für Wort
pañcabhiḥ sūryasaṃkāśaiḥ sūryeṇa ca virājatā ṣaṭsūryevābabhau pṛthvī pāṇḍavaiḥ satyavikramaiḥ
Mit den fünf, sonnengleich strahlenden, und mit der Sonne selbst erglänzend, erschien die Erde wie mit sechs Sonnen, durch die Pāṇḍavas von wahrer Tapferkeit.
nātibhāro hi pārthasya keśavenābhavat saha vyavasāyasahāyasya viṣṇoḥ śatruvadheṣv iva
Denn keine allzu große Last war es für den Sohn Pṛthās, zusammen mit Keśava [Kṛṣṇa] zu sein – dem Gefährten im Unternehmen, wie einst für Viṣṇu beim Töten der Feinde.
Wort für Wort
nātibhāro hi pārthasya keśavenābhavat saha vyavasāyasahāyasya viṣṇoḥ śatruvadheṣv iva
Denn keine allzu große Last war es für den Sohn Pṛthās, zusammen mit Keśava [Kṛṣṇa] zu sein – dem Gefährten im Unternehmen, wie einst für Viṣṇu beim Töten der Feinde.
Dem Sohn Pṛthās gab Agni zudem den vortrefflichen Bogen Gāṇḍīva, zwei mit unerschöpflichen Pfeilen [gefüllte] Köcher und einen Wagen von fahlbrauner Farbe.
Dem Sohn Pṛthās gab Agni zudem den vortrefflichen Bogen Gāṇḍīva, zwei mit unerschöpflichen Pfeilen [gefüllte] Köcher und einen Wagen von fahlbrauner Farbe.
evam etat purāvṛttaṃ teṣām akliṣṭakarmaṇām bhedo rājyavināśaś ca jayaś ca jayatāṃ vara
So ist dies, was sich einst zutrug, von jenen, deren Werke untadelig waren: die Spaltung, der Untergang des Reiches und der Sieg, o Bester der Sieger.
Wort für Wort
evam etat purāvṛttaṃ teṣām akliṣṭakarmaṇām bhedo rājyavināśaś ca jayaś ca jayatāṃ vara
So ist dies, was sich einst zutrug, von jenen, deren Werke untadelig waren: die Spaltung, der Untergang des Reiches und der Sieg, o Bester der Sieger.
[Anm.: Damit endet Vaiśampāyanas erster Adhyāya – eine geraffte Kurzfassung der GESAMTEN Mahābhārata-Haupthandlung von der Giftung Bhīmas bis zum Kriegsende. Die ausführliche Erzählung, mit der die eigentliche Haupterzählung einsetzt, folgt ab dem nächsten Adhyāya.]