Kapitel 75: Śukra-Vṛṣaparva-Saṃvādaḥ
Śukras Zorn und die Unterwerfung Śarmiṣṭhās
Śukra droht Vṛṣaparvan wegen Kacas Tötung und der Beleidigung Devayānīs, den Hof zu verlassen; aus Furcht vor dem Verlust seines Priesters gewährt Vṛṣaparvan Devayānī jeden Wunsch. Sie fordert Śarmiṣṭhā samt tausend Mädchen als Dienerin, die ihr überallhin folgen soll, wohin ihr Vater sie auch verheiratet - Śarmiṣṭhā fügt sich zum Wohl ihrer bedrängten Sippe. Śukra kehrt versöhnt und geehrt in die Stadt zurück.
nādharmaś carito rājan sadyaḥ phalati gaur iva putreṣu vā naptṛṣu vā na ced ātmani paśyati phalaty eva dhruvaṃ pāpaṃ gurubhuktam ivodare
›Begangenes Unrecht, o König, trägt nicht sofort Frucht wie eine Kuh; sieht man es nicht an sich selbst, so trägt es doch gewiss bei Söhnen oder Enkeln Frucht - das Böse wirkt sicher, wie schwer verdauliche Speise im Bauch.
Wort für Wort
nādharmaś carito rājan sadyaḥ phalati gaur iva putreṣu vā naptṛṣu vā na ced ātmani paśyati phalaty eva dhruvaṃ pāpaṃ gurubhuktam ivodare
›Begangenes Unrecht, o König, trägt nicht sofort Frucht wie eine Kuh; sieht man es nicht an sich selbst, so trägt es doch gewiss bei Söhnen oder Enkeln Frucht - das Böse wirkt sicher, wie schwer verdauliche Speise im Bauch.
Dass du damals den Brahmanen Kaca, den Sohn des Aṅgiras, hast töten lassen - ihn, der von untadeligem Wesen, dharmakundig und gehorsam war und sich in meinem Haus wohlfühlte -
Dass du damals den Brahmanen Kaca, den Sohn des Aṅgiras, hast töten lassen - ihn, der von untadeligem Wesen, dharmakundig und gehorsam war und sich in meinem Haus wohlfühlte -
vadhād anarhatas tasya vadhāc ca duhitur mama vṛṣaparvan nibodhedaṃ tyakṣyāmi tvāṃ sabāndhavam sthātuṃ tvadviṣaye rājan na śakṣyāmi tvayā saha
wegen dieser unverdienten Tötung und wegen der [versuchten] Tötung meiner Tochter, Vṛṣaparvan, wisse dies: ich werde dich mit deinen Verwandten verlassen; in deinem Reich zu bleiben, o König, werde ich bei dir nicht mehr vermögen.
Wort für Wort
vadhād anarhatas tasya vadhāc ca duhitur mama vṛṣaparvan nibodhedaṃ tyakṣyāmi tvāṃ sabāndhavam sthātuṃ tvadviṣaye rājan na śakṣyāmi tvayā saha
wegen dieser unverdienten Tötung und wegen der [versuchten] Tötung meiner Tochter, Vṛṣaparvan, wisse dies: ich werde dich mit deinen Verwandten verlassen; in deinem Reich zu bleiben, o König, werde ich bei dir nicht mehr vermögen.
śukra uvāca samudraṃ praviśadhvaṃ vā diśo vā dravatāsurāḥ duhitur nāpriyaṃ soḍhuṃ śakto 'haṃ dayitā hi me
Śukra sprach: ›Stürzt euch ins Meer oder flieht in die Weltgegenden, ihr Asuras - ich kann das Unrecht gegen meine Tochter nicht ertragen, denn sie ist mir teuer.
Wort für Wort
śukra uvāca samudraṃ praviśadhvaṃ vā diśo vā dravatāsurāḥ duhitur nāpriyaṃ soḍhuṃ śakto 'haṃ dayitā hi me
Śukra sprach: ›Stürzt euch ins Meer oder flieht in die Weltgegenden, ihr Asuras - ich kann das Unrecht gegen meine Tochter nicht ertragen, denn sie ist mir teuer.
Vṛṣaparvan sprach: ›Was immer an Reichtum bei den Herrschern der Asuras vorhanden ist, o Bhārgava, auf Erden, an Elefanten, Rindern oder Pferden - darüber bist du ebenso Herr wie ich.
Vṛṣaparvan sprach: ›Was immer an Reichtum bei den Herrschern der Asuras vorhanden ist, o Bhārgava, auf Erden, an Elefanten, Rindern oder Pferden - darüber bist du ebenso Herr wie ich.
śukra uvāca yat kiṃ cid asti draviṇaṃ daityendrāṇāṃ mahāsura tasyeśvaro 'smi yadi te devayānī prasādyatām
Śukra sprach: ›Was immer an Besitz bei den Herrschern der Daityas vorhanden ist, o großer Asura, darüber bin ich Herr, wenn nur Devayānī von dir besänftigt wird.‹
Wort für Wort
śukra uvāca yat kiṃ cid asti draviṇaṃ daityendrāṇāṃ mahāsura tasyeśvaro 'smi yadi te devayānī prasādyatām
Śukra sprach: ›Was immer an Besitz bei den Herrschern der Daityas vorhanden ist, o großer Asura, darüber bin ich Herr, wenn nur Devayānī von dir besänftigt wird.‹
devayāny uvāca yadi tvam īśvaras tāta rājño vittasya bhārgava nābhijānāmi tat te 'haṃ rājā tu vadatu svayam
Devayānī sprach: ›Wenn du, Vater, Herr über den Besitz des Königs bist, o Bhārgava, so beanspruche ich das nicht für mich; der König selbst soll zu mir sprechen.‹
Wort für Wort
devayāny uvāca yadi tvam īśvaras tāta rājño vittasya bhārgava nābhijānāmi tat te 'haṃ rājā tu vadatu svayam
Devayānī sprach: ›Wenn du, Vater, Herr über den Besitz des Königs bist, o Bhārgava, so beanspruche ich das nicht für mich; der König selbst soll zu mir sprechen.‹
devayāny uvāca dāsīṃ kanyāsahasreṇa śarmiṣṭhām abhikāmaye anu māṃ tatra gacchet sā yatra dāsyati me pitā
Devayānī sprach: ›Als Dienerin, mit tausend Mädchen als Gefolge, begehre ich Śarmiṣṭhā; sie soll mir dorthin folgen, wohin mein Vater mich verheiratet.‹
Wort für Wort
devayāny uvāca dāsīṃ kanyāsahasreṇa śarmiṣṭhām abhikāmaye anu māṃ tatra gacchet sā yatra dāsyati me pitā
Devayānī sprach: ›Als Dienerin, mit tausend Mädchen als Gefolge, begehre ich Śarmiṣṭhā; sie soll mir dorthin folgen, wohin mein Vater mich verheiratet.‹
Der Brahmane [Śukra] verlässt seine Schüler, von Devayānī dazu gedrängt; welchen Wunsch sie auch begehrt, der soll heute von dir erfüllt werden, du Makellose.‹
Der Brahmane [Śukra] verlässt seine Schüler, von Devayānī dazu gedrängt; welchen Wunsch sie auch begehrt, der soll heute von dir erfüllt werden, du Makellose.‹
śarmiṣṭhovāca ahaṃ kanyāsahasreṇa dāsī te paricārikā anu tvāṃ tatra yāsyāmi yatra dāsyati te pitā
Śarmiṣṭhā sprach: ›Ich, mit den tausend Mädchen, bin deine Dienerin, deine Aufwärterin; ich werde dir dorthin folgen, wohin dein Vater dich verheiratet.‹
Wort für Wort
śarmiṣṭhovāca ahaṃ kanyāsahasreṇa dāsī te paricārikā anu tvāṃ tatra yāsyāmi yatra dāsyati te pitā
Śarmiṣṭhā sprach: ›Ich, mit den tausend Mädchen, bin deine Dienerin, deine Aufwärterin; ich werde dir dorthin folgen, wohin dein Vater dich verheiratet.‹
Devayānī sprach: ›Ich bin die Tochter eines Lobpreisers, eines Barden, eines Empfängers - du aber bist die Tochter eines Gepriesenen; wie kannst du [meine] Dienerin werden?‹
Devayānī sprach: ›Ich bin die Tochter eines Lobpreisers, eines Barden, eines Empfängers - du aber bist die Tochter eines Gepriesenen; wie kannst du [meine] Dienerin werden?‹
[Anm.: Devayānī wiederholt hier ironisch dieselbe Rangfolge-Logik, mit der Śarmiṣṭhā sie zuvor beleidigt hatte (Adh.73) - nun aus umgekehrter Position, da Śarmiṣṭhā sich freiwillig unterstellt.
śarmiṣṭhovāca yena kena cid ārtānāṃ jñātīnāṃ sukham āvahet atas tvām anuyāsyāmi yatra dāsyati te pitā
Śarmiṣṭhā sprach: ›Wodurch auch immer man den bedrängten Verwandten Glück bringen kann, das will ich tun - darum werde ich dir folgen, wohin dein Vater dich verheiratet.‹
Wort für Wort
śarmiṣṭhovāca yena kena cid ārtānāṃ jñātīnāṃ sukham āvahet atas tvām anuyāsyāmi yatra dāsyati te pitā
Śarmiṣṭhā sprach: ›Wodurch auch immer man den bedrängten Verwandten Glück bringen kann, das will ich tun - darum werde ich dir folgen, wohin dein Vater dich verheiratet.‹
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als die Tochter des Vṛṣaparvan den Dienerinnenstand zugesagt hatte, o Bester der Könige, sprach Devayānī zu ihrem Vater dieses Wort:
Vaiśaṃpāyana sprach: »Als die Tochter des Vṛṣaparvan den Dienerinnenstand zugesagt hatte, o Bester der Könige, sprach Devayānī zu ihrem Vater dieses Wort:
praviśāmi puraṃ tāta tuṣṭāsmi dvijasattama amoghaṃ tava vijñānam asti vidyābalaṃ ca te
›Ich betrete nun die Stadt, Vater; ich bin zufrieden, o Bester der Zweifachgeborenen. Untrüglich ist deine Erkenntnis, und groß ist die Kraft deines Wissens.‹
Wort für Wort
praviśāmi puraṃ tāta tuṣṭāsmi dvijasattama amoghaṃ tava vijñānam asti vidyābalaṃ ca te
›Ich betrete nun die Stadt, Vater; ich bin zufrieden, o Bester der Zweifachgeborenen. Untrüglich ist deine Erkenntnis, und groß ist die Kraft deines Wissens.‹