Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 162: Tapatyupākhyānam (3) Die Erzählung von Tapatī (Teil 3)

Tapatī entschwindet, Saṃvaraṇa sinkt erneut ohnmächtig zu Boden. Sein Minister richtet ihn auf und entlässt das Heer bis auf sich selbst. Der König verharrt zwölf Tage in Askese auf dem Berg und ruft im Geiste seinen Hauspriester Vasiṣṭha. Dieser erkennt durch göttliches Wissen die Ursache, steigt zur Sonne empor und stellt sich Vivasvant (der Sonne) vor, der ihn willkommen heißt.

gandharva uvāca evam uktvā tatas tūrṇaṃ jagāmordhvam aninditā sa tu rājā punar bhūmau tatraiva nipapāta ha

Der Gandharva sprach: ‚Nachdem sie so gesprochen hatte, entschwand die Makellose sogleich eilends nach oben; der König aber sank abermals ebendort zu Boden.'

Wort für Wort
gandharva uvāca evam uktvā tatas tūrṇaṃ jagāmordhvam aninditā sa tu rājā punar bhūmau tatraiva nipapāta ha
Der Gandharva sprach: ‚Nachdem sie so gesprochen hatte, entschwand die Makellose sogleich eilends nach oben; der König aber sank abermals ebendort zu Boden.'

amātyaḥ sānuyātras tu taṃ dadarśa mahāvane kṣitau nipatitaṃ kāle śakradhvajam ivocchritam

‚Der Minister aber, mit Gefolge, erblickte ihn im großen Wald zur Erde gesunken – gleich einer zur rechten Zeit hochaufgerichteten Indra-Standarte, die (nun) gefallen war.'

Wort für Wort
amātyaḥ sānuyātras tu taṃ dadarśa mahāvane kṣitau nipatitaṃ kāle śakradhvajam ivocchritam
‚Der Minister aber, mit Gefolge, erblickte ihn im großen Wald zur Erde gesunken – gleich einer zur rechten Zeit hochaufgerichteten Indra-Standarte, die (nun) gefallen war.'

[Anm.: Vergleich mit der rituell errichteten und nach dem Fest wieder niedergelegten Indra-Standarte (Śakradhvaja) – Sinnbild für den vom Glanz der Macht zu Fall gebrachten König.

taṃ hi dṛṣṭvā maheṣvāsaṃ niraśvaṃ patitaṃ kṣitau babhūva so 'sya sacivaḥ saṃpradīpta ivāgninā

‚Denn als er ihn, den großen Bogenschützen, ohne Pferd, zu Boden gefallen sah, da wurde sein Minister wie von Feuer entflammt.'

Wort für Wort
taṃ hi dṛṣṭvā maheṣvāsaṃ niraśvaṃ patitaṃ kṣitau babhūva so 'sya sacivaḥ saṃpradīpta ivāgninā
‚Denn als er ihn, den großen Bogenschützen, ohne Pferd, zu Boden gefallen sah, da wurde sein Minister wie von Feuer entflammt.'

tvarayā copasaṃgamya snehād āgatasaṃbhramaḥ taṃ samutthāpayām āsa nṛpatiṃ kāmamohitam

‚Eilends herantretend, aus Zuneigung bestürzt, richtete er den von Liebe verblendeten König wieder auf,'

Wort für Wort
tvarayā copasaṃgamya snehād āgatasaṃbhramaḥ taṃ samutthāpayām āsa nṛpatiṃ kāmamohitam
‚Eilends herantretend, aus Zuneigung bestürzt, richtete er den von Liebe verblendeten König wieder auf,'

bhūtalād bhūmipāleśaṃ piteva patitaṃ sutam prajñayā vayasā caiva vṛddhaḥ kīrtyā damena ca

‚wie ein Vater seinen gefallenen Sohn vom Erdboden – er, der an Einsicht, Alter, Ruhm und Selbstbeherrschung gereift war.'

Wort für Wort
bhūtalād bhūmipāleśaṃ piteva patitaṃ sutam prajñayā vayasā caiva vṛddhaḥ kīrtyā damena ca
‚wie ein Vater seinen gefallenen Sohn vom Erdboden – er, der an Einsicht, Alter, Ruhm und Selbstbeherrschung gereift war.'

amātyas taṃ samutthāpya babhūva vigatajvaraḥ uvāca cainaṃ kalyāṇyā vācā madhurayotthitam mā bhair manujaśārdūla bhadraṃ cāstu tavānagha

‚Der Minister, nachdem er ihn aufgerichtet hatte, war von seiner Sorge befreit und sprach zu dem Aufgestandenen mit heilsamer, süßer Stimme: „Fürchte dich nicht, Tiger unter den Menschen, Heil sei dir, Makelloser.“'

Wort für Wort
amātyas taṃ samutthāpya babhūva vigatajvaraḥ uvāca cainaṃ kalyāṇyā vācā madhurayotthitam mā bhair manujaśārdūla bhadraṃ cāstu tavānagha
‚Der Minister, nachdem er ihn aufgerichtet hatte, war von seiner Sorge befreit und sprach zu dem Aufgestandenen mit heilsamer, süßer Stimme: „Fürchte dich nicht, Tiger unter den Menschen, Heil sei dir, Makelloser.“'

kṣutpipāsāpariśrāntaṃ tarkayām āsa taṃ nṛpam patitaṃ pātanaṃ saṃkhye śātravāṇāṃ mahītale

‚Er vermutete, der König, der Niederwerfer der Feinde im Kampf, sei von Hunger und Durst erschöpft zur Erde gefallen.'

Wort für Wort
kṣutpipāsāpariśrāntaṃ tarkayām āsa taṃ nṛpam patitaṃ pātanaṃ saṃkhye śātravāṇāṃ mahītale
‚Er vermutete, der König, der Niederwerfer der Feinde im Kampf, sei von Hunger und Durst erschöpft zur Erde gefallen.'

vāriṇātha suśītena śiras tasyābhyaṣecayat aspṛśan mukuṭaṃ rājñaḥ puṇḍarīkasugandhinā

‚Da besprengte er dessen Haupt mit sehr kühlem, nach weißen Lotos duftendem Wasser und berührte dabei die Krone des Königs.'

Wort für Wort
vāriṇātha suśītena śiras tasyābhyaṣecayat aspṛśan mukuṭaṃ rājñaḥ puṇḍarīkasugandhinā
‚Da besprengte er dessen Haupt mit sehr kühlem, nach weißen Lotos duftendem Wasser und berührte dabei die Krone des Königs.'

tataḥ pratyāgataprāṇas tad balaṃ balavān nṛpaḥ sarvaṃ visarjayām āsa tam ekaṃ sacivaṃ vinā

‚Darauf, mit zurückgekehrten Lebenskräften, entließ der starke König jenes gesamte Heer, ausgenommen jenen einen Minister.'

Wort für Wort
tataḥ pratyāgataprāṇas tad balaṃ balavān nṛpaḥ sarvaṃ visarjayām āsa tam ekaṃ sacivaṃ vinā
‚Darauf, mit zurückgekehrten Lebenskräften, entließ der starke König jenes gesamte Heer, ausgenommen jenen einen Minister.'

tatas tasyājñayā rājño vipratasthe mahad balam sa tu rājā giriprasthe tasmin punar upāviśat

‚Darauf zog auf seinen Befehl das große Heer fort; der König selbst aber setzte sich wieder auf jener Bergeshöhe nieder.'

Wort für Wort
tatas tasyājñayā rājño vipratasthe mahad balam sa tu rājā giriprasthe tasmin punar upāviśat
‚Darauf zog auf seinen Befehl das große Heer fort; der König selbst aber setzte sich wieder auf jener Bergeshöhe nieder.'

tatas tasmin girivare śucir bhūtvā kṛtāñjaliḥ ārirādhayiṣuḥ sūryaṃ tasthāv ūrdhvabhujaḥ kṣitau

‚Darauf verharrte er auf jenem herrlichen Berg, rein geworden, mit gefalteten Händen, in der Absicht, die Sonne zu verehren, mit erhobenen Armen auf der Erde stehend.'

Wort für Wort
tatas tasmin girivare śucir bhūtvā kṛtāñjaliḥ ārirādhayiṣuḥ sūryaṃ tasthāv ūrdhvabhujaḥ kṣitau
‚Darauf verharrte er auf jenem herrlichen Berg, rein geworden, mit gefalteten Händen, in der Absicht, die Sonne zu verehren, mit erhobenen Armen auf der Erde stehend.'

jagāma manasā caiva vasiṣṭham ṛṣisattamam purohitam amitraghnas tadā saṃvaraṇo nṛpaḥ

‚Und im Geiste wandte sich Saṃvaraṇa, der Feindevernichter, der König, damals an Vasiṣṭha, den besten der Ṛṣis, seinen Hauspriester.'

Wort für Wort
jagāma manasā caiva vasiṣṭham ṛṣisattamam purohitam amitraghnas tadā saṃvaraṇo nṛpaḥ
‚Und im Geiste wandte sich Saṃvaraṇa, der Feindevernichter, der König, damals an Vasiṣṭha, den besten der Ṛṣis, seinen Hauspriester.'

naktaṃdinam athaikasthe sthite tasmiñ janādhipe athājagāma viprarṣis tadā dvādaśame 'hani

‚Als jener Herrscher der Menschen Tag und Nacht an einem Ort verharrte, kam der Brahmanen-Ṛṣi am zwölften Tag herbei.'

Wort für Wort
naktaṃdinam athaikasthe sthite tasmiñ janādhipe athājagāma viprarṣis tadā dvādaśame 'hani
‚Als jener Herrscher der Menschen Tag und Nacht an einem Ort verharrte, kam der Brahmanen-Ṛṣi am zwölften Tag herbei.'

sa viditvaiva nṛpatiṃ tapatyā hṛtamānasam divyena vidhinā jñātvā bhāvitātmā mahān ṛṣiḥ

‚Er, der große Ṛṣi geläuterten Wesens, erkannte, da er es durch göttliches Mittel wusste, sogleich den König, dessen Sinn von Tapatī geraubt war.'

Wort für Wort
sa viditvaiva nṛpatiṃ tapatyā hṛtamānasam divyena vidhinā jñātvā bhāvitātmā mahān ṛṣiḥ
‚Er, der große Ṛṣi geläuterten Wesens, erkannte, da er es durch göttliches Mittel wusste, sogleich den König, dessen Sinn von Tapatī geraubt war.'

tathā tu niyatātmānaṃ sa taṃ nṛpatisattamam ābabhāṣe sa dharmātmā tasyaivārthacikīrṣayā

‚So sprach er, der Rechtschaffene, zu jenem besten der Könige, dessen Wesen gebändigt war, im Wunsch, ihm zu nützen.'

Wort für Wort
tathā tu niyatātmānaṃ sa taṃ nṛpatisattamam ābabhāṣe sa dharmātmā tasyaivārthacikīrṣayā
‚So sprach er, der Rechtschaffene, zu jenem besten der Könige, dessen Wesen gebändigt war, im Wunsch, ihm zu nützen.'

sa tasya manujendrasya paśyato bhagavān ṛṣiḥ ūrdhvam ācakrame draṣṭuṃ bhāskaraṃ bhāskaradyutiḥ

‚Vor den Augen jenes Herrschers der Menschen erhob sich der erhabene Ṛṣi, selbst von der Strahlkraft der Sonne, nach oben, um Bhāskara, die Sonne, zu erblicken.'

Wort für Wort
sa tasya manujendrasya paśyato bhagavān ṛṣiḥ ūrdhvam ācakrame draṣṭuṃ bhāskaraṃ bhāskaradyutiḥ
‚Vor den Augen jenes Herrschers der Menschen erhob sich der erhabene Ṛṣi, selbst von der Strahlkraft der Sonne, nach oben, um Bhāskara, die Sonne, zu erblicken.'

sahasrāṃśuṃ tato vipraḥ kṛtāñjalir upasthitaḥ vasiṣṭho 'ham iti prītyā sa cātmānaṃ nyavedayat

‚Darauf trat der Brahmane mit gefalteten Händen vor den Tausendstrahligen und nannte ihm freudig seinen eigenen Namen: „Ich bin Vasiṣṭha.“'

Wort für Wort
sahasrāṃśuṃ tato vipraḥ kṛtāñjalir upasthitaḥ vasiṣṭho 'ham iti prītyā sa cātmānaṃ nyavedayat
‚Darauf trat der Brahmane mit gefalteten Händen vor den Tausendstrahligen und nannte ihm freudig seinen eigenen Namen: „Ich bin Vasiṣṭha.“'

tam uvāca mahātejā vivasvān munisattamam maharṣe svāgataṃ te 'stu kathayasva yathecchasi

‚Zu ihm sprach der hochglanzvolle Vivasvant, zu dem besten der Muni: „Willkommen sei dir, o großer Ṛṣi; sprich, wie es dir beliebt.“'

Wort für Wort
tam uvāca mahātejā vivasvān munisattamam maharṣe svāgataṃ te 'stu kathayasva yathecchasi
‚Zu ihm sprach der hochglanzvolle Vivasvant, zu dem besten der Muni: „Willkommen sei dir, o großer Ṛṣi; sprich, wie es dir beliebt.“'

Dieses Kapitel in der Leseansicht