Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 45: Āstīka-parva (Fortsetzung): Janamejayas Frage nach Parikṣits Tod Āstīka-parva (Fortsetzung): Janamejaya lässt sich von seinen Ministern Parikṣits vorbildliche Regierung und die Vorgeschichte seines Todes berichten — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,045.001“ bis „01,045.028“). Auf Śaunakas Bitte hin berichtet Sūta, wie König Janamejaya seine Minister nach dem Verhalten und Tod seines Vaters Parikṣit befragte. Die Minister loben Parikṣits vorbildliche, gerechte Regierung (sechzig Jahre) und beginnen sodann, die bereits aus Adh.36-39 bekannte Vorgeschichte seines Todes – die Jagd, die Begegnung mit dem schweigenden Muni Śamīka, die tote Schlange auf dessen Schulter – noch einmal, aus der Rahmenperspektive des Sarpasatra, zu erzählen. Diese Wiederholung/Verschränkung der Erzählebenen ist charakteristisch für die Komposition des Epos. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

śaunaka uvāca | yad apṛcchat tadā rājā mantriṇo janamejayaḥ | pituḥ svargagatiṃ tan me vistareṇa punar vada

Śaunaka sprach: „Was König Janamejaya damals seine Minister fragte, über den Himmelsgang seines Vaters — das sage mir noch einmal ausführlich.“

Wort für Wort
śaunaka uvāca | yad apṛcchat tadā rājā mantriṇo janamejayaḥ | pituḥ svargagatiṃ tan me vistareṇa punar vada
Śaunaka sprach: „Was König Janamejaya damals seine Minister fragte, über den Himmelsgang seines Vaters — das sage mir noch einmal ausführlich.“

sūta uvāca | śṛṇu brahman yathā pṛṣṭā mantriṇo nṛpates tadā | ākhyātavantas te sarve nidhanaṃ tat parikṣitaḥ

Sūta sprach: Höre, o Brahmane, wie die Minister des Königs damals befragt wurden und wie sie alle jenes Ende Parikṣits berichteten.

Wort für Wort
sūta uvāca | śṛṇu brahman yathā pṛṣṭā mantriṇo nṛpates tadā | ākhyātavantas te sarve nidhanaṃ tat parikṣitaḥ
Sūta sprach: Höre, o Brahmane, wie die Minister des Königs damals befragt wurden und wie sie alle jenes Ende Parikṣits berichteten.

janamejaya uvāca | jānanti tu bhavantas tad yathāvṛttaḥ pitā mama | āsīd yathā ca nidhanaṃ gataḥ kāle mahāyaśāḥ

Janamejaya sprach: „Ihr wisst wohl, wie mein Vater sich verhielt und wie er, der Hochberühmte, zu gegebener Zeit den Tod fand.

Wort für Wort
janamejaya uvāca | jānanti tu bhavantas tad yathāvṛttaḥ pitā mama | āsīd yathā ca nidhanaṃ gataḥ kāle mahāyaśāḥ
Janamejaya sprach: „Ihr wisst wohl, wie mein Vater sich verhielt und wie er, der Hochberühmte, zu gegebener Zeit den Tod fand.

śrutvā bhavatsakāśād dhi pitur vṛttam aśeṣataḥ | kalyāṇaṃ pratipatsyāmi viparītaṃ na jātu cit

Nachdem ich von euch das Verhalten meines Vaters vollständig gehört habe, werde ich das Gute annehmen, niemals das Gegenteilige.“

Wort für Wort
śrutvā bhavatsakāśād dhi pitur vṛttam aśeṣataḥ | kalyāṇaṃ pratipatsyāmi viparītaṃ na jātu cit
Nachdem ich von euch das Verhalten meines Vaters vollständig gehört habe, werde ich das Gute annehmen, niemals das Gegenteilige.“

sūta uvāca | mantriṇo 'thābruvan vākyaṃ pṛṣṭās tena mahātmanā | sarvadharmavidaḥ prājñā rājānaṃ janamejayam

Sūta sprach: Da sprachen die Minister, von jenem Hochgesinnten befragt, das Wort — kundig aller Pflichten, weise — zum König Janamejaya:

Wort für Wort
sūta uvāca | mantriṇo 'thābruvan vākyaṃ pṛṣṭās tena mahātmanā | sarvadharmavidaḥ prājñā rājānaṃ janamejayam
Sūta sprach: Da sprachen die Minister, von jenem Hochgesinnten befragt, das Wort — kundig aller Pflichten, weise — zum König Janamejaya:

dharmātmā ca mahātmā ca prajāpālaḥ pitā tava | āsīd iha yathāvṛttaḥ sa mahātmā śṛṇuṣva tat

„Rechtschaffen und hochgesinnt, ein Beschützer der Untertanen war dein Vater; wie er sich hier verhielt, jener Hochgesinnte — höre dies:

Wort für Wort
dharmātmā ca mahātmā ca prajāpālaḥ pitā tava | āsīd iha yathāvṛttaḥ sa mahātmā śṛṇuṣva tat
„Rechtschaffen und hochgesinnt, ein Beschützer der Untertanen war dein Vater; wie er sich hier verhielt, jener Hochgesinnte — höre dies:

cāturvarṇyaṃ svadharmasthaṃ sa kṛtvā paryarakṣata | dharmato dharmavid rājā dharmo vigrahavān iva

Die vier Stände, in ihrer eigenen Pflicht verharrend, beschützte er sorgsam; nach der Pflicht handelnd, der Pflicht kundig, war der König gleichsam die verkörperte Pflicht selbst.

Wort für Wort
cāturvarṇyaṃ svadharmasthaṃ sa kṛtvā paryarakṣata | dharmato dharmavid rājā dharmo vigrahavān iva
Die vier Stände, in ihrer eigenen Pflicht verharrend, beschützte er sorgsam; nach der Pflicht handelnd, der Pflicht kundig, war der König gleichsam die verkörperte Pflicht selbst.

rarakṣa pṛthivīṃ devīṃ śrīmān atulavikramaḥ | dveṣṭāras tasya naivāsan sa ca na dveṣṭi kaṃ cana | samaḥ sarveṣu bhūteṣu prajāpatir ivābhavat

Er beschützte die Erdgöttin, der Glückreiche, von unvergleichlicher Kraft; Feinde hatte er keine, und auch er selbst hasste niemanden; allen Wesen gegenüber gleichgesinnt, war er wie Prajāpati selbst.

Wort für Wort
rarakṣa pṛthivīṃ devīṃ śrīmān atulavikramaḥ | dveṣṭāras tasya naivāsan sa ca na dveṣṭi kaṃ cana | samaḥ sarveṣu bhūteṣu prajāpatir ivābhavat
Er beschützte die Erdgöttin, der Glückreiche, von unvergleichlicher Kraft; Feinde hatte er keine, und auch er selbst hasste niemanden; allen Wesen gegenüber gleichgesinnt, war er wie Prajāpati selbst.

brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś caiva svakarmasu | sthitāḥ sumanaso rājaṃs tena rājñā svanuṣṭhitāḥ

Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und ebenso Śūdras, in ihren eigenen Aufgaben verharrend, wohlgesinnt, o König, wurden von jenem König wohlgeleitet.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś caiva svakarmasu | sthitāḥ sumanaso rājaṃs tena rājñā svanuṣṭhitāḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und ebenso Śūdras, in ihren eigenen Aufgaben verharrend, wohlgesinnt, o König, wurden von jenem König wohlgeleitet.

vidhavānāthakṛpaṇān vikalāṃś ca babhāra saḥ | sudarśaḥ sarvabhūtānām āsīt soma ivāparaḥ

Witwen, Beschützerlose, Elende und Behinderte unterhielt er; für alle Wesen war er wohlanzusehen, wie ein zweiter Mond.

Wort für Wort
vidhavānāthakṛpaṇān vikalāṃś ca babhāra saḥ | sudarśaḥ sarvabhūtānām āsīt soma ivāparaḥ
Witwen, Beschützerlose, Elende und Behinderte unterhielt er; für alle Wesen war er wohlanzusehen, wie ein zweiter Mond.

tuṣṭapuṣṭajanaḥ śrīmān satyavāg dṛḍhavikramaḥ | dhanurvede ca śiṣyo 'bhūn nṛpaḥ śāradvatasya saḥ

Sein Volk war zufrieden und wohlgenährt, er, der Glückreiche, wahrhaftiger Rede, von festem Heldenmut; und in der Bogenschusskunde war der König ein Schüler des Sohnes Śaradvats [Kṛpa].

Wort für Wort
tuṣṭapuṣṭajanaḥ śrīmān satyavāg dṛḍhavikramaḥ | dhanurvede ca śiṣyo 'bhūn nṛpaḥ śāradvatasya saḥ
Sein Volk war zufrieden und wohlgenährt, er, der Glückreiche, wahrhaftiger Rede, von festem Heldenmut; und in der Bogenschusskunde war der König ein Schüler des Sohnes Śaradvats [Kṛpa].

govindasya priyaś cāsīt pitā te janamejaya | lokasya caiva sarvasya priya āsīn mahāyaśāḥ

Und dem Govinda [Kṛṣṇa] lieb war dein Vater, Janamejaya; und der ganzen Welt lieb war er, der Hochberühmte.

Wort für Wort
govindasya priyaś cāsīt pitā te janamejaya | lokasya caiva sarvasya priya āsīn mahāyaśāḥ
Und dem Govinda [Kṛṣṇa] lieb war dein Vater, Janamejaya; und der ganzen Welt lieb war er, der Hochberühmte.

parikṣīṇeṣu kuruṣu uttarāyām ajāyata | parikṣid abhavat tena saubhadrasyātmajo balī

Als die Kurus beinahe erloschen waren, wurde er von Uttarā geboren; Parikṣit wurde er genannt, der kraftvolle Sohn des Sohnes der Subhadrā [Abhimanyu].

Wort für Wort
parikṣīṇeṣu kuruṣu uttarāyām ajāyata | parikṣid abhavat tena saubhadrasyātmajo balī
Als die Kurus beinahe erloschen waren, wurde er von Uttarā geboren; Parikṣit wurde er genannt, der kraftvolle Sohn des Sohnes der Subhadrā [Abhimanyu].

rājadharmārthakuśalo yuktaḥ sarvaguṇair nṛpaḥ | jitendriyaś cātmavāṃś ca medhāvī vṛddhasevitaḥ

Kundig der Königspflicht und des Nutzens, mit allen Tugenden ausgestattet, der König, mit gezügelten Sinnen und selbstbeherrscht, klug, von den Alten verehrt,

Wort für Wort
rājadharmārthakuśalo yuktaḥ sarvaguṇair nṛpaḥ | jitendriyaś cātmavāṃś ca medhāvī vṛddhasevitaḥ
Kundig der Königspflicht und des Nutzens, mit allen Tugenden ausgestattet, der König, mit gezügelten Sinnen und selbstbeherrscht, klug, von den Alten verehrt,

ṣaḍvargavin mahābuddhir nītidharmavid uttamaḥ | prajā imās tava pitā ṣaṣṭiṃ varṣāṇy apālayat | tato diṣṭāntam āpannaḥ sarpeṇānativartitam

kundig der sechs Staatsmittel, von großem Verstand, ein höchster Kenner der Staatsklugheit und der Pflicht — sechzig Jahre lang beschützte dein Vater diese Untertanen; dann erreichte er das vom Schicksal bestimmte, durch die Schlange unabwendbare Ende.

Wort für Wort
ṣaḍvargavin mahābuddhir nītidharmavid uttamaḥ | prajā imās tava pitā ṣaṣṭiṃ varṣāṇy apālayat | tato diṣṭāntam āpannaḥ sarpeṇānativartitam
kundig der sechs Staatsmittel, von großem Verstand, ein höchster Kenner der Staatsklugheit und der Pflicht — sechzig Jahre lang beschützte dein Vater diese Untertanen; dann erreichte er das vom Schicksal bestimmte, durch die Schlange unabwendbare Ende.

tatas tvaṃ puruṣaśreṣṭha dharmeṇa pratipedivān | idaṃ varṣasahasrāya rājyaṃ kurukulāgatam | bāla evābhijāto 'si sarvabhūtānupālakaḥ

Da hast du, bester der Männer, rechtmäßig dieses auf tausend Jahre angelegte Königreich übernommen, das aus dem Kuru-Geschlecht überkommen ist; schon als Kind bist du geboren worden, ein Beschützer aller Wesen.“

Wort für Wort
tatas tvaṃ puruṣaśreṣṭha dharmeṇa pratipedivān | idaṃ varṣasahasrāya rājyaṃ kurukulāgatam | bāla evābhijāto 'si sarvabhūtānupālakaḥ
Da hast du, bester der Männer, rechtmäßig dieses auf tausend Jahre angelegte Königreich übernommen, das aus dem Kuru-Geschlecht überkommen ist; schon als Kind bist du geboren worden, ein Beschützer aller Wesen.“

janamejaya uvāca | nāsmin kule jātu babhūva rājā; yo na prajānāṃ hitakṛt priyaś ca viśeṣataḥ; prekṣya pitāmahānāṃ; vṛttaṃ mahad vṛttaparāyaṇānām

Janamejaya sprach: „In diesem Geschlecht gab es niemals einen König, der nicht seinen Untertanen zum Wohl gereicht und ihnen besonders lieb gewesen wäre — wenn ich das große Verhalten meiner Vorväter betrachte, die dem rechten Verhalten hingegeben waren.

Wort für Wort
janamejaya uvāca | nāsmin kule jātu babhūva rājā; yo na prajānāṃ hitakṛt priyaś ca viśeṣataḥ; prekṣya pitāmahānāṃ; vṛttaṃ mahad vṛttaparāyaṇānām
Janamejaya sprach: „In diesem Geschlecht gab es niemals einen König, der nicht seinen Untertanen zum Wohl gereicht und ihnen besonders lieb gewesen wäre — wenn ich das große Verhalten meiner Vorväter betrachte, die dem rechten Verhalten hingegeben waren.

kathaṃ nidhanam āpannaḥ pitā mama tathāvidhaḥ | ācakṣadhvaṃ yathāvan me śrotum icchāmi tattvataḥ

Wie fand ein solcher Vater von mir den Tod? Berichtet es mir, wie es sich gehört; ich möchte es der Wahrheit gemäß hören.“

Wort für Wort
kathaṃ nidhanam āpannaḥ pitā mama tathāvidhaḥ | ācakṣadhvaṃ yathāvan me śrotum icchāmi tattvataḥ
Wie fand ein solcher Vater von mir den Tod? Berichtet es mir, wie es sich gehört; ich möchte es der Wahrheit gemäß hören.“

sūta uvāca | evaṃ saṃcoditā rājñā mantriṇas te narādhipam | ūcuḥ sarve yathāvṛttaṃ rājñaḥ priyahite ratāḥ

Sūta sprach: So vom König gedrängt, berichteten jene Minister dem Herrscher der Menschen alle den wahren Hergang, dem Wohl des Königs zugetan:

Wort für Wort
sūta uvāca | evaṃ saṃcoditā rājñā mantriṇas te narādhipam | ūcuḥ sarve yathāvṛttaṃ rājñaḥ priyahite ratāḥ
Sūta sprach: So vom König gedrängt, berichteten jene Minister dem Herrscher der Menschen alle den wahren Hergang, dem Wohl des Königs zugetan:

babhūva mṛgayāśīlas tava rājan pitā sadā | yathā pāṇḍur mahābhāgo dhanurdharavaro yudhi | asmāsv āsajya sarvāṇi rājakāryāṇy aśeṣataḥ

„Dein Vater, o König, war der Jagd stets zugetan, wie einst Pāṇḍu, der Hochgesegnete, der beste Bogenträger im Kampf, indem er uns alle Regierungsgeschäfte vollständig anvertraute.

Wort für Wort
babhūva mṛgayāśīlas tava rājan pitā sadā | yathā pāṇḍur mahābhāgo dhanurdharavaro yudhi | asmāsv āsajya sarvāṇi rājakāryāṇy aśeṣataḥ
„Dein Vater, o König, war der Jagd stets zugetan, wie einst Pāṇḍu, der Hochgesegnete, der beste Bogenträger im Kampf, indem er uns alle Regierungsgeschäfte vollständig anvertraute.

sa kadā cid vanacaro mṛgaṃ vivyādha patriṇā | viddhvā cānvasarat tūrṇaṃ taṃ mṛgaṃ gahane vane

Er, einst im Wald umherstreifend, durchbohrte ein Reh mit einem gefiederten Pfeil; und nachdem er es durchbohrt hatte, verfolgte er jenes Reh eilends in den dichten Wald.

Wort für Wort
sa kadā cid vanacaro mṛgaṃ vivyādha patriṇā | viddhvā cānvasarat tūrṇaṃ taṃ mṛgaṃ gahane vane
Er, einst im Wald umherstreifend, durchbohrte ein Reh mit einem gefiederten Pfeil; und nachdem er es durchbohrt hatte, verfolgte er jenes Reh eilends in den dichten Wald.

padātir baddhanistriṃśas tatāyudhakalāpavān | na cāsasāda gahane mṛgaṃ naṣṭaṃ pitā tava

Zu Fuß, das Schwert umgegürtet, mit gespanntem Bogen und Köcher versehen — doch fand dein Vater in dem Dickicht das entkommene Reh nicht.

Wort für Wort
padātir baddhanistriṃśas tatāyudhakalāpavān | na cāsasāda gahane mṛgaṃ naṣṭaṃ pitā tava
Zu Fuß, das Schwert umgegürtet, mit gespanntem Bogen und Köcher versehen — doch fand dein Vater in dem Dickicht das entkommene Reh nicht.

pariśrānto vayaḥsthaś ca ṣaṣṭivarṣo jarānvitaḥ | kṣudhitaḥ sa mahāraṇye dadarśa munim antike

Erschöpft, sechzig Jahre alt, vom Alter gezeichnet, hungrig, sah er in dem großen Wald einen Muni in der Nähe.

Wort für Wort
pariśrānto vayaḥsthaś ca ṣaṣṭivarṣo jarānvitaḥ | kṣudhitaḥ sa mahāraṇye dadarśa munim antike
Erschöpft, sechzig Jahre alt, vom Alter gezeichnet, hungrig, sah er in dem großen Wald einen Muni in der Nähe.

[Anm.: Diese Altersangabe („sechzig Jahre“) steht in gewisser Spannung zu V.15, wonach Parikṣit „sechzig Jahre“ regierte, bevor er starb — ob beide Zahlen dieselbe Lebensphase meinen oder verschiedene Zähltraditionen wiedergeben, bleibt in der Quelle offen und wird hier nicht geglättet.]

sa taṃ papraccha rājendro muniṃ maunavratānvitam | na ca kiṃ cid uvācainaṃ sa muniḥ pṛcchato 'pi san

Jener König der Könige befragte den Muni, der dem Schweigegelübde ergeben war; doch jener Muni sagte ihm nichts, obwohl er befragt wurde.

Wort für Wort
sa taṃ papraccha rājendro muniṃ maunavratānvitam | na ca kiṃ cid uvācainaṃ sa muniḥ pṛcchato 'pi san
Jener König der Könige befragte den Muni, der dem Schweigegelübde ergeben war; doch jener Muni sagte ihm nichts, obwohl er befragt wurde.

tato rājā kṣucchramārtas taṃ muniṃ sthāṇuvat sthitam | maunavratadharaṃ śāntaṃ sadyo manyuvaśaṃ yayau

Da geriet der König, von Hunger und Erschöpfung geplagt, angesichts jenes Muni, der wie ein Pfahl dastand, dem Schweigegelübde ergeben, friedvoll, sogleich in die Gewalt des Zorns.

Wort für Wort
tato rājā kṣucchramārtas taṃ muniṃ sthāṇuvat sthitam | maunavratadharaṃ śāntaṃ sadyo manyuvaśaṃ yayau
Da geriet der König, von Hunger und Erschöpfung geplagt, angesichts jenes Muni, der wie ein Pfahl dastand, dem Schweigegelübde ergeben, friedvoll, sogleich in die Gewalt des Zorns.

na bubodha hi taṃ rājā maunavratadharaṃ munim | sa taṃ manyusamāviṣṭo dharṣayām āsa te pitā

Denn der König erkannte nicht, dass jener Muni dem Schweigegelübde ergeben war; von Zorn ergriffen, kränkte ihn dein Vater —

Wort für Wort
na bubodha hi taṃ rājā maunavratadharaṃ munim | sa taṃ manyusamāviṣṭo dharṣayām āsa te pitā
Denn der König erkannte nicht, dass jener Muni dem Schweigegelübde ergeben war; von Zorn ergriffen, kränkte ihn dein Vater —

mṛtaṃ sarpaṃ dhanuṣkoṭyā samutkṣipya dharātalāt | tasya śuddhātmanaḥ prādāt skandhe bharatasattama

indem er eine tote Schlange mit der Spitze des Bogens vom Erdboden aufhob und sie jenem Reinen von Geist auf die Schulter legte, o Bester der Bharatas.

Wort für Wort
mṛtaṃ sarpaṃ dhanuṣkoṭyā samutkṣipya dharātalāt | tasya śuddhātmanaḥ prādāt skandhe bharatasattama
indem er eine tote Schlange mit der Spitze des Bogens vom Erdboden aufhob und sie jenem Reinen von Geist auf die Schulter legte, o Bester der Bharatas.

na covāca sa medhāvī tam atho sādhv asādhu vā | tasthau tathaiva cākrudhyan sarpaṃ skandhena dhārayan

Und jener Kluge sagte ihm weder Gutes noch Schlechtes; er blieb, ohne zu zürnen, so stehen, die Schlange auf der Schulter tragend.“

Wort für Wort
na covāca sa medhāvī tam atho sādhv asādhu vā | tasthau tathaiva cākrudhyan sarpaṃ skandhena dhārayan
Und jener Kluge sagte ihm weder Gutes noch Schlechtes; er blieb, ohne zu zürnen, so stehen, die Schlange auf der Schulter tragend.“

[Anm.: Adhyāya 45 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Dieser Adhyāya bietet eine zusammenfassende Rückblende: Janamejaya, im Rahmen des Sarpasatra, lässt sich von seinen Ministern die bereits in Adh.36-40 ausführlich erzählte Vorgeschichte von Parikṣits Tod noch einmal berichten — eine für das Epos typische Wiederholung/Verschränkung der Erzählebenen.]

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