Kapitel 45: Āstīka-parva (Fortsetzung): Janamejayas Frage nach Parikṣits Tod
Āstīka-parva (Fortsetzung): Janamejaya lässt sich von seinen Ministern Parikṣits vorbildliche Regierung und die Vorgeschichte seines Todes berichten — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,045.001“ bis „01,045.028“). Auf Śaunakas Bitte hin berichtet Sūta, wie König Janamejaya seine Minister nach dem Verhalten und Tod seines Vaters Parikṣit befragte. Die Minister loben Parikṣits vorbildliche, gerechte Regierung (sechzig Jahre) und beginnen sodann, die bereits aus Adh.36-39 bekannte Vorgeschichte seines Todes – die Jagd, die Begegnung mit dem schweigenden Muni Śamīka, die tote Schlange auf dessen Schulter – noch einmal, aus der Rahmenperspektive des Sarpasatra, zu erzählen. Diese Wiederholung/Verschränkung der Erzählebenen ist charakteristisch für die Komposition des Epos. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
Die vier Stände, in ihrer eigenen Pflicht verharrend, beschützte er sorgsam; nach der Pflicht handelnd, der Pflicht kundig, war der König gleichsam die verkörperte Pflicht selbst.
Die vier Stände, in ihrer eigenen Pflicht verharrend, beschützte er sorgsam; nach der Pflicht handelnd, der Pflicht kundig, war der König gleichsam die verkörperte Pflicht selbst.
rarakṣa pṛthivīṃ devīṃ śrīmān atulavikramaḥ | dveṣṭāras tasya naivāsan sa ca na dveṣṭi kaṃ cana | samaḥ sarveṣu bhūteṣu prajāpatir ivābhavat
Er beschützte die Erdgöttin, der Glückreiche, von unvergleichlicher Kraft; Feinde hatte er keine, und auch er selbst hasste niemanden; allen Wesen gegenüber gleichgesinnt, war er wie Prajāpati selbst.
Wort für Wort
rarakṣa pṛthivīṃ devīṃ śrīmān atulavikramaḥ | dveṣṭāras tasya naivāsan sa ca na dveṣṭi kaṃ cana | samaḥ sarveṣu bhūteṣu prajāpatir ivābhavat
Er beschützte die Erdgöttin, der Glückreiche, von unvergleichlicher Kraft; Feinde hatte er keine, und auch er selbst hasste niemanden; allen Wesen gegenüber gleichgesinnt, war er wie Prajāpati selbst.
Sein Volk war zufrieden und wohlgenährt, er, der Glückreiche, wahrhaftiger Rede, von festem Heldenmut; und in der Bogenschusskunde war der König ein Schüler des Sohnes Śaradvats [Kṛpa].
Sein Volk war zufrieden und wohlgenährt, er, der Glückreiche, wahrhaftiger Rede, von festem Heldenmut; und in der Bogenschusskunde war der König ein Schüler des Sohnes Śaradvats [Kṛpa].
parikṣīṇeṣu kuruṣu uttarāyām ajāyata | parikṣid abhavat tena saubhadrasyātmajo balī
Als die Kurus beinahe erloschen waren, wurde er von Uttarā geboren; Parikṣit wurde er genannt, der kraftvolle Sohn des Sohnes der Subhadrā [Abhimanyu].
Wort für Wort
parikṣīṇeṣu kuruṣu uttarāyām ajāyata | parikṣid abhavat tena saubhadrasyātmajo balī
Als die Kurus beinahe erloschen waren, wurde er von Uttarā geboren; Parikṣit wurde er genannt, der kraftvolle Sohn des Sohnes der Subhadrā [Abhimanyu].
rājadharmārthakuśalo yuktaḥ sarvaguṇair nṛpaḥ | jitendriyaś cātmavāṃś ca medhāvī vṛddhasevitaḥ
Kundig der Königspflicht und des Nutzens, mit allen Tugenden ausgestattet, der König, mit gezügelten Sinnen und selbstbeherrscht, klug, von den Alten verehrt,
Wort für Wort
rājadharmārthakuśalo yuktaḥ sarvaguṇair nṛpaḥ | jitendriyaś cātmavāṃś ca medhāvī vṛddhasevitaḥ
Kundig der Königspflicht und des Nutzens, mit allen Tugenden ausgestattet, der König, mit gezügelten Sinnen und selbstbeherrscht, klug, von den Alten verehrt,
kundig der sechs Staatsmittel, von großem Verstand, ein höchster Kenner der Staatsklugheit und der Pflicht — sechzig Jahre lang beschützte dein Vater diese Untertanen; dann erreichte er das vom Schicksal bestimmte, durch die Schlange unabwendbare Ende.
kundig der sechs Staatsmittel, von großem Verstand, ein höchster Kenner der Staatsklugheit und der Pflicht — sechzig Jahre lang beschützte dein Vater diese Untertanen; dann erreichte er das vom Schicksal bestimmte, durch die Schlange unabwendbare Ende.
Da hast du, bester der Männer, rechtmäßig dieses auf tausend Jahre angelegte Königreich übernommen, das aus dem Kuru-Geschlecht überkommen ist; schon als Kind bist du geboren worden, ein Beschützer aller Wesen.“
Da hast du, bester der Männer, rechtmäßig dieses auf tausend Jahre angelegte Königreich übernommen, das aus dem Kuru-Geschlecht überkommen ist; schon als Kind bist du geboren worden, ein Beschützer aller Wesen.“
janamejaya uvāca | nāsmin kule jātu babhūva rājā; yo na prajānāṃ hitakṛt priyaś ca viśeṣataḥ; prekṣya pitāmahānāṃ; vṛttaṃ mahad vṛttaparāyaṇānām
Janamejaya sprach: „In diesem Geschlecht gab es niemals einen König, der nicht seinen Untertanen zum Wohl gereicht und ihnen besonders lieb gewesen wäre — wenn ich das große Verhalten meiner Vorväter betrachte, die dem rechten Verhalten hingegeben waren.
Wort für Wort
janamejaya uvāca | nāsmin kule jātu babhūva rājā; yo na prajānāṃ hitakṛt priyaś ca viśeṣataḥ; prekṣya pitāmahānāṃ; vṛttaṃ mahad vṛttaparāyaṇānām
Janamejaya sprach: „In diesem Geschlecht gab es niemals einen König, der nicht seinen Untertanen zum Wohl gereicht und ihnen besonders lieb gewesen wäre — wenn ich das große Verhalten meiner Vorväter betrachte, die dem rechten Verhalten hingegeben waren.
„Dein Vater, o König, war der Jagd stets zugetan, wie einst Pāṇḍu, der Hochgesegnete, der beste Bogenträger im Kampf, indem er uns alle Regierungsgeschäfte vollständig anvertraute.
„Dein Vater, o König, war der Jagd stets zugetan, wie einst Pāṇḍu, der Hochgesegnete, der beste Bogenträger im Kampf, indem er uns alle Regierungsgeschäfte vollständig anvertraute.
Er, einst im Wald umherstreifend, durchbohrte ein Reh mit einem gefiederten Pfeil; und nachdem er es durchbohrt hatte, verfolgte er jenes Reh eilends in den dichten Wald.
Er, einst im Wald umherstreifend, durchbohrte ein Reh mit einem gefiederten Pfeil; und nachdem er es durchbohrt hatte, verfolgte er jenes Reh eilends in den dichten Wald.
pariśrānto vayaḥsthaś ca ṣaṣṭivarṣo jarānvitaḥ | kṣudhitaḥ sa mahāraṇye dadarśa munim antike
Erschöpft, sechzig Jahre alt, vom Alter gezeichnet, hungrig, sah er in dem großen Wald einen Muni in der Nähe.
Wort für Wort
pariśrānto vayaḥsthaś ca ṣaṣṭivarṣo jarānvitaḥ | kṣudhitaḥ sa mahāraṇye dadarśa munim antike
Erschöpft, sechzig Jahre alt, vom Alter gezeichnet, hungrig, sah er in dem großen Wald einen Muni in der Nähe.
[Anm.: Diese Altersangabe („sechzig Jahre“) steht in gewisser Spannung zu V.15, wonach Parikṣit „sechzig Jahre“ regierte, bevor er starb — ob beide Zahlen dieselbe Lebensphase meinen oder verschiedene Zähltraditionen wiedergeben, bleibt in der Quelle offen und wird hier nicht geglättet.]
Da geriet der König, von Hunger und Erschöpfung geplagt, angesichts jenes Muni, der wie ein Pfahl dastand, dem Schweigegelübde ergeben, friedvoll, sogleich in die Gewalt des Zorns.
Da geriet der König, von Hunger und Erschöpfung geplagt, angesichts jenes Muni, der wie ein Pfahl dastand, dem Schweigegelübde ergeben, friedvoll, sogleich in die Gewalt des Zorns.
indem er eine tote Schlange mit der Spitze des Bogens vom Erdboden aufhob und sie jenem Reinen von Geist auf die Schulter legte, o Bester der Bharatas.
indem er eine tote Schlange mit der Spitze des Bogens vom Erdboden aufhob und sie jenem Reinen von Geist auf die Schulter legte, o Bester der Bharatas.
na covāca sa medhāvī tam atho sādhv asādhu vā | tasthau tathaiva cākrudhyan sarpaṃ skandhena dhārayan
Und jener Kluge sagte ihm weder Gutes noch Schlechtes; er blieb, ohne zu zürnen, so stehen, die Schlange auf der Schulter tragend.“
Wort für Wort
na covāca sa medhāvī tam atho sādhv asādhu vā | tasthau tathaiva cākrudhyan sarpaṃ skandhena dhārayan
Und jener Kluge sagte ihm weder Gutes noch Schlechtes; er blieb, ohne zu zürnen, so stehen, die Schlange auf der Schulter tragend.“
[Anm.: Adhyāya 45 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Dieser Adhyāya bietet eine zusammenfassende Rückblende: Janamejaya, im Rahmen des Sarpasatra, lässt sich von seinen Ministern die bereits in Adh.36-40 ausführlich erzählte Vorgeschichte von Parikṣits Tod noch einmal berichten — eine für das Epos typische Wiederholung/Verschränkung der Erzählebenen.]