Kapitel 154: Droṇacaritakathanam
Die Erzählung von Droṇas Leben
Der wandernde Brahmane beginnt die Vorgeschichte Draupadīs mit einer erneuten, gerafften Erzählung von Droṇas wunderbarer Geburt aus dem Samen Bharadvājas (der beim Anblick der badenden Apsaras Ghṛtācī entstand und in einem Droṇa-Gefäß aufgefangen wurde), seiner Kindheitsfreundschaft mit Prinz Drupada, dem Erwerb aller Waffen einschließlich der Brahmāstra von Paraśurāma, Drupadas hochmütiger Zurückweisung der erneuerten Freundschaft nach seiner Thronbesteigung, Droṇas Anstellung als Waffenlehrer der Kuru-Prinzen in Hastināpura, der Gurudakṣiṇā-Forderung (Gefangennahme Drupadas) und der Teilung von dessen Reich – Ereignisse, die inhaltlich bereits in Adh.121-128 ausführlicher erzählt wurden, hier aber aus der Perspektive der Draupadī-Vorgeschichte knapp rekapituliert werden.
so 'bhiṣektuṃ gato gaṅgāṃ pūrvam evāgatāṃ satīm dadarśāpsarasaṃ tatra ghṛtācīm āplutām ṛṣiḥ
‚Er, zur Gaṅgā gegangen, um sein rituelles Bad zu nehmen, erblickte dort die Apsaras Ghṛtācī, die bereits zuvor gekommen war, die Tugendhafte, badend.'
Wort für Wort
so 'bhiṣektuṃ gato gaṅgāṃ pūrvam evāgatāṃ satīm dadarśāpsarasaṃ tatra ghṛtācīm āplutām ṛṣiḥ
‚Er, zur Gaṅgā gegangen, um sein rituelles Bad zu nehmen, erblickte dort die Apsaras Ghṛtācī, die bereits zuvor gekommen war, die Tugendhafte, badend.'
tasyāṃ saṃsaktamanasaḥ kaumārabrahmacāriṇaḥ hṛṣṭasya retaś caskanda tad ṛṣir droṇa ādadhe
‚Ihm, dessen Sinn an sie geheftet war, dem seit der Kindheit Keuschheit übenden, entströmte, erregt, der Same; diesen fing der Ṛṣi in einem Droṇa [Gefäß] auf.'
Wort für Wort
tasyāṃ saṃsaktamanasaḥ kaumārabrahmacāriṇaḥ hṛṣṭasya retaś caskanda tad ṛṣir droṇa ādadhe
‚Ihm, dessen Sinn an sie geheftet war, dem seit der Kindheit Keuschheit übenden, entströmte, erregt, der Same; diesen fing der Ṛṣi in einem Droṇa [Gefäß] auf.'
‚Zu Rāma, der sich schon zum Rückzug in den Wald aufmachte, sprach der Sohn Bharadvājas: ‚Wisse, dass ich, Droṇa, aus Verlangen nach Reichtum gekommen bin, o Bester der Zweifachgeborenen.''
‚Zu Rāma, der sich schon zum Rückzug in den Wald aufmachte, sprach der Sohn Bharadvājas: ‚Wisse, dass ich, Droṇa, aus Verlangen nach Reichtum gekommen bin, o Bester der Zweifachgeborenen.''
Drupada sprach: ‚Kein Nicht-Veda-Kenner ist der Freund eines Veda-Kenners, kein Nicht-Wagenkämpfer der Freund eines Wagenkämpfers, und auch kein Nicht-König der Freund eines Fürsten – wozu wird eine frühere Freundschaft noch gewünscht?'
Drupada sprach: ‚Kein Nicht-Veda-Kenner ist der Freund eines Veda-Kenners, kein Nicht-Wagenkämpfer der Freund eines Wagenkämpfers, und auch kein Nicht-König der Freund eines Fürsten – wozu wird eine frühere Freundschaft noch gewünscht?'
brāhmaṇa uvāca sa viniścitya manasā pāñcālyaṃ prati buddhimān jagāma kurumukhyānāṃ nagaraṃ nāgasāhvayam
Der Brahmane sprach: Er, im Geiste einen Entschluss gegen den Pāñcāla fassend, der Kluge, zog zur Stadt der Kuru-Fürsten, der ‚Elefantenbenannten' [Hastināpura].
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca sa viniścitya manasā pāñcālyaṃ prati buddhimān jagāma kurumukhyānāṃ nagaraṃ nāgasāhvayam
Der Brahmane sprach: Er, im Geiste einen Entschluss gegen den Pāñcāla fassend, der Kluge, zog zur Stadt der Kuru-Fürsten, der ‚Elefantenbenannten' [Hastināpura].
[Anm.: ‚Nāgasāhvaya' (,die nach dem Elefanten Benannte') ist ein Beiname der Stadt Hastināpura.
ācāryavetanaṃ kiṃ cid dhṛdi saṃparivartate kṛtāstrais tat pradeyaṃ syāt tad ṛtaṃ vadatānaghāḥ
‚Ein gewisser Lehrerlohn bewegt sich mir im Herzen; sobald ihr die Waffenkunst vollendet habt, sollt ihr ihn entrichten – sprecht wahrhaftig zu, ihr Makellosen.'
Wort für Wort
ācāryavetanaṃ kiṃ cid dhṛdi saṃparivartate kṛtāstrais tat pradeyaṃ syāt tad ṛtaṃ vadatānaghāḥ
‚Ein gewisser Lehrerlohn bewegt sich mir im Herzen; sobald ihr die Waffenkunst vollendet habt, sollt ihr ihn entrichten – sprecht wahrhaftig zu, ihr Makellosen.'
droṇa uvāca prārthayāmi tvayā sakhyaṃ punar eva narādhipa arājā kila no rājñaḥ sakhā bhavitum arhati
Droṇa sprach: ‚Ich erbitte mir abermals deine Freundschaft, o Herrscher der Menschen; ein Nicht-König ist ja nicht wert, der Freund eines Königs zu sein.'
Wort für Wort
droṇa uvāca prārthayāmi tvayā sakhyaṃ punar eva narādhipa arājā kila no rājñaḥ sakhā bhavitum arhati
Droṇa sprach: ‚Ich erbitte mir abermals deine Freundschaft, o Herrscher der Menschen; ein Nicht-König ist ja nicht wert, der Freund eines Königs zu sein.'