Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 40: Āstīka-parva (Fortsetzung): Janamejayas Krönung und Hochzeit Āstīka-parva (Fortsetzung): Parikṣits Bestattung, Janamejayas Krönung zum Kindkönig und seine Hochzeit mit Vapuṣṭamā — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,040.001“ bis „01,040.011“). Die Minister sehen Takṣaka als Schlange davonziehen und fliehen aus dem brennenden Palast; der Hauspriester vollzieht die Totenriten für Parikṣit. Sein kleiner Sohn Janamejaya wird zum König erhoben und regiert, unterstützt von Ministern und Priestern. Als er herangewachsen ist, wird er mit Vapuṣṭamā, der Tochter des Kāśi-Herrschers Suvarṇavarman, vermählt; das Paar lebt in williger Zuneigung. Damit ist die Bühne für Janamejayas Sarpasatra bereitet, dessen Vorgeschichte hiermit abgeschlossen ist. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | taṃ tathā mantriṇo dṛṣṭvā bhogena pariveṣṭitam | vivarṇavadanāḥ sarve rurudur bhṛśaduḥkhitāḥ

Sūta sprach: Als die Minister ihn so, von den Windungen der Schlange umschlungen, sahen, weinten sie alle, mit erblassten Gesichtern, überaus bekümmert.

Wort für Wort
sūta uvāca | taṃ tathā mantriṇo dṛṣṭvā bhogena pariveṣṭitam | vivarṇavadanāḥ sarve rurudur bhṛśaduḥkhitāḥ
Sūta sprach: Als die Minister ihn so, von den Windungen der Schlange umschlungen, sahen, weinten sie alle, mit erblassten Gesichtern, überaus bekümmert.

taṃ tu nādaṃ tataḥ śrutvā mantriṇas te pradudruvuḥ | apaśyaṃś caiva te yāntam ākāśe nāgam adbhutam

Als sie dann jenen Laut hörten, liefen die Minister davon; und sie sahen die wunderbare Schlange durch den Himmel dahinziehen,

Wort für Wort
taṃ tu nādaṃ tataḥ śrutvā mantriṇas te pradudruvuḥ | apaśyaṃś caiva te yāntam ākāśe nāgam adbhutam
Als sie dann jenen Laut hörten, liefen die Minister davon; und sie sahen die wunderbare Schlange durch den Himmel dahinziehen,

sīmantam iva kurvāṇaṃ nabhasaḥ padmavarcasam | takṣakaṃ pannagaśreṣṭhaṃ bhṛśaṃ śokaparāyaṇāḥ

gleichsam eine Bahn am Himmel ziehend, von Lotusglanz — Takṣaka, den Besten der Schlangen —, [selbst,] überaus dem Kummer hingegeben.

Wort für Wort
sīmantam iva kurvāṇaṃ nabhasaḥ padmavarcasam | takṣakaṃ pannagaśreṣṭhaṃ bhṛśaṃ śokaparāyaṇāḥ
gleichsam eine Bahn am Himmel ziehend, von Lotusglanz — Takṣaka, den Besten der Schlangen —, [selbst,] überaus dem Kummer hingegeben.

tatas tu te tad gṛham agninā vṛtaṃ; pradīpyamānaṃ viṣajena bhoginaḥ; bhayāt parityajya diśaḥ prapedire; papāta tac cāśanitāḍitaṃ yathā

Da verließen sie, aus Furcht, jenes Haus, das vom Gift des Schlangenwesens mit Feuer umgeben und in Flammen stand, und flohen in alle Richtungen; und es stürzte ein, wie vom Blitz getroffen.

Wort für Wort
tatas tu te tad gṛham agninā vṛtaṃ; pradīpyamānaṃ viṣajena bhoginaḥ; bhayāt parityajya diśaḥ prapedire; papāta tac cāśanitāḍitaṃ yathā
Da verließen sie, aus Furcht, jenes Haus, das vom Gift des Schlangenwesens mit Feuer umgeben und in Flammen stand, und flohen in alle Richtungen; und es stürzte ein, wie vom Blitz getroffen.

[Anm.: Verse 4-11 im Vasantatilaka-Versmaß (in der Quelldatei durch Semikola markiert), zum Abschluss dieses Erzählabschnitts.]

tato nṛpe takṣakatejasā hate; prayujya sarvāḥ paralokasatkriyāḥ; śucir dvijo rājapurohitas tadā; tathaiva te tasya nṛpasya mantriṇaḥ

Nachdem der König so durch Takṣakas Glutgift getötet worden war, vollzog der reine Zweifachgeborene, der königliche Hauspriester, alle Riten für die jenseitige Welt, ebenso wie jene Minister jenes Königs.

Wort für Wort
tato nṛpe takṣakatejasā hate; prayujya sarvāḥ paralokasatkriyāḥ; śucir dvijo rājapurohitas tadā; tathaiva te tasya nṛpasya mantriṇaḥ
Nachdem der König so durch Takṣakas Glutgift getötet worden war, vollzog der reine Zweifachgeborene, der königliche Hauspriester, alle Riten für die jenseitige Welt, ebenso wie jene Minister jenes Königs.

nṛpaṃ śiśuṃ tasya sutaṃ pracakrire; sametya sarve puravāsino janāḥ; nṛpaṃ yam āhus tam amitraghātinaṃ; kurupravīraṃ janamejayaṃ janāḥ

Sie machten das Kind, seinen Sohn, zum König — indem sich alle Bewohner der Stadt versammelten —, den König, den die Leute den Feindevernichter nennen, den Kuru-Helden Janamejaya.

Wort für Wort
nṛpaṃ śiśuṃ tasya sutaṃ pracakrire; sametya sarve puravāsino janāḥ; nṛpaṃ yam āhus tam amitraghātinaṃ; kurupravīraṃ janamejayaṃ janāḥ
Sie machten das Kind, seinen Sohn, zum König — indem sich alle Bewohner der Stadt versammelten —, den König, den die Leute den Feindevernichter nennen, den Kuru-Helden Janamejaya.

sa bāla evāryamatir nṛpottamaḥ; sahaiva tair mantripurohitais tadā; śaśāsa rājyaṃ kurupuṃgavāgrajo; yathāsya vīraḥ prapitāmahas tathā

Er, obwohl noch ein Kind, von edler Gesinnung, der beste der Könige, regierte, zusammen mit jenen Ministern und Hauspriestern, das Reich — der Nachfolger des Stiers der Kurus [Parikṣit] —, so wie einst sein heldenhafter Urgroßvater.

Wort für Wort
sa bāla evāryamatir nṛpottamaḥ; sahaiva tair mantripurohitais tadā; śaśāsa rājyaṃ kurupuṃgavāgrajo; yathāsya vīraḥ prapitāmahas tathā
Er, obwohl noch ein Kind, von edler Gesinnung, der beste der Könige, regierte, zusammen mit jenen Ministern und Hauspriestern, das Reich — der Nachfolger des Stiers der Kurus [Parikṣit] —, so wie einst sein heldenhafter Urgroßvater.

tatas tu rājānam amitratāpanaṃ; samīkṣya te tasya nṛpasya mantriṇaḥ; suvarṇavarmāṇam upetya kāśipaṃ; vapuṣṭamārthaṃ varayāṃ pracakramuḥ

Da, als sie den König, den Peiniger der Feinde, herangewachsen erblickten, begaben sich jene Minister jenes Königs zu Suvarṇavarman, dem Herrn von Kāśi, und begannen um dessen Tochter Vapuṣṭamā zu werben.

Wort für Wort
tatas tu rājānam amitratāpanaṃ; samīkṣya te tasya nṛpasya mantriṇaḥ; suvarṇavarmāṇam upetya kāśipaṃ; vapuṣṭamārthaṃ varayāṃ pracakramuḥ
Da, als sie den König, den Peiniger der Feinde, herangewachsen erblickten, begaben sich jene Minister jenes Königs zu Suvarṇavarman, dem Herrn von Kāśi, und begannen um dessen Tochter Vapuṣṭamā zu werben.

tataḥ sa rājā pradadau vapuṣṭamāṃ; kurupravīrāya parīkṣya dharmataḥ; sa cāpi tāṃ prāpya mudā yuto 'bhavan; na cānyanārīṣu mano dadhe kva cit

Da gab jener König, nachdem er den Bewerber rechtmäßig geprüft hatte, Vapuṣṭamā dem Kuru-Helden; und dieser, sie erlangend, wurde von Freude erfüllt und richtete seinen Sinn auf keine andere Frau mehr.

Wort für Wort
tataḥ sa rājā pradadau vapuṣṭamāṃ; kurupravīrāya parīkṣya dharmataḥ; sa cāpi tāṃ prāpya mudā yuto 'bhavan; na cānyanārīṣu mano dadhe kva cit
Da gab jener König, nachdem er den Bewerber rechtmäßig geprüft hatte, Vapuṣṭamā dem Kuru-Helden; und dieser, sie erlangend, wurde von Freude erfüllt und richtete seinen Sinn auf keine andere Frau mehr.

saraḥsu phulleṣu vaneṣu caiva ha; prasannacetā vijahāra vīryavān; tathā sa rājanyavaro vijahrivān; yathorvaśīṃ prāpya purā purūravāḥ

An blühenden Seen und in Wäldern erging sich der Kraftvolle, heiteren Gemüts; so erging sich jener beste der Fürsten, wie einst Purūravas, als er Urvaśī erlangt hatte.

Wort für Wort
saraḥsu phulleṣu vaneṣu caiva ha; prasannacetā vijahāra vīryavān; tathā sa rājanyavaro vijahrivān; yathorvaśīṃ prāpya purā purūravāḥ
An blühenden Seen und in Wäldern erging sich der Kraftvolle, heiteren Gemüts; so erging sich jener beste der Fürsten, wie einst Purūravas, als er Urvaśī erlangt hatte.

vapuṣṭamā cāpi varaṃ patiṃ tadā; pratītarūpaṃ samavāpya bhūmipam; bhāvena rāmā ramayāṃ babhūva vai; vihārakāleṣv avarodhasundarī

Und auch Vapuṣṭamā, nachdem sie da den vortrefflichen Gatten, den anerkannt schönen Herrn der Erde erlangt hatte, erfreute ihn, die Schöne, in den Stunden des Liebesspiels, mit ganzem Herzen, sie, die Zierde des Frauengemachs.

Wort für Wort
vapuṣṭamā cāpi varaṃ patiṃ tadā; pratītarūpaṃ samavāpya bhūmipam; bhāvena rāmā ramayāṃ babhūva vai; vihārakāleṣv avarodhasundarī
Und auch Vapuṣṭamā, nachdem sie da den vortrefflichen Gatten, den anerkannt schönen Herrn der Erde erlangt hatte, erfreute ihn, die Schöne, in den Stunden des Liebesspiels, mit ganzem Herzen, sie, die Zierde des Frauengemachs.

[Anm.: Adhyāya 40 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Der Vergleich mit Purūravas und Urvaśī (Vers 10) ist eine beiläufige Anspielung auf jenes bekannte Liebespaar der Mythologie; die Geschichte selbst wird hier nicht erzählt.]

Dieses Kapitel in der Leseansicht