Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 65: Śakuntalopākhyānam (1) Die Erzählung von Śakuntalā (1): Duḥṣanta trifft Śakuntalā; Indras Auftrag an Menakā

Duḥṣanta trifft in Kaṇvas Einsiedelei auf die schöne Śakuntalā, die sich als Kaṇvas Tochter vorstellt. Auf seine verwunderte Frage, wie der als kinderloser Asket geltende Kaṇva eine leibliche Tochter haben könne, erzählt sie die Vorgeschichte: Indra fürchtet Viśvāmitras wachsende Askesemacht und beauftragt die Apsaras Menakā, ihn zu verführen; Menakās Bedenken werden von Indra mit dem Versprechen des Schutzes durch Wind- und Liebesgott zerstreut. Zahlreiche knappe Anspielungen auf ältere, hier nicht ausgeführte Viśvāmitra-Mythen (Vasiṣṭha-Streit, Kauśikī-Fluss, Mataṅga-Episode, Sternbild-Schöpfung).

vaiśaṃpāyana uvāca tato gacchan mahābāhur eko 'mātyān visṛjya tān nāpaśyad āśrame tasmiṃs tam ṛṣiṃ saṃśitavratam

Vaiśaṃpāyana sprach: »Danach, allein weitergehend, der Starkarmige, nachdem er seine Minister zurückgeschickt hatte, sah er in jener Einsiedelei jenen Weisen mit den strengen Gelübden nicht.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato gacchan mahābāhur eko 'mātyān visṛjya tān nāpaśyad āśrame tasmiṃs tam ṛṣiṃ saṃśitavratam
Vaiśaṃpāyana sprach: »Danach, allein weitergehend, der Starkarmige, nachdem er seine Minister zurückgeschickt hatte, sah er in jener Einsiedelei jenen Weisen mit den strengen Gelübden nicht.

so 'paśyamānas tam ṛṣiṃ śūnyaṃ dṛṣṭvā tam āśramam uvāca ka ihety uccair vanaṃ saṃnādayann iva

Er, der jenen Weisen nicht erblickte, die Einsiedelei leer sehend, rief laut: »Wer ist hier?« - und ließ so gleichsam den Wald erdröhnen.

Wort für Wort
so 'paśyamānas tam ṛṣiṃ śūnyaṃ dṛṣṭvā tam āśramam uvāca ka ihety uccair vanaṃ saṃnādayann iva
Er, der jenen Weisen nicht erblickte, die Einsiedelei leer sehend, rief laut: »Wer ist hier?« - und ließ so gleichsam den Wald erdröhnen.

śrutvātha tasya taṃ śabdaṃ kanyā śrīr iva rūpiṇī niścakrāmāśramāt tasmāt tāpasīveṣadhāriṇī

Als sie diesen Laut hörte, trat eine Jungfrau, gestaltet wie die Glücksgöttin Śrī selbst, aus jener Einsiedelei hervor, im Gewand einer Asketin.

Wort für Wort
śrutvātha tasya taṃ śabdaṃ kanyā śrīr iva rūpiṇī niścakrāmāśramāt tasmāt tāpasīveṣadhāriṇī
Als sie diesen Laut hörte, trat eine Jungfrau, gestaltet wie die Glücksgöttin Śrī selbst, aus jener Einsiedelei hervor, im Gewand einer Asketin.

sā taṃ dṛṣṭvaiva rājānaṃ duḥṣantam asitekṣaṇā svāgataṃ ta iti kṣipram uvāca pratipūjya ca

Sie, kaum den König Duḥṣanta erblickend, mit dunklen Augen, sprach rasch: »Willkommen sei dir!« und erwies ihm Ehre.

Wort für Wort
sā taṃ dṛṣṭvaiva rājānaṃ duḥṣantam asitekṣaṇā svāgataṃ ta iti kṣipram uvāca pratipūjya ca
Sie, kaum den König Duḥṣanta erblickend, mit dunklen Augen, sprach rasch: »Willkommen sei dir!« und erwies ihm Ehre.

āsanenārcayitvā ca pādyenārghyeṇa caiva hi papracchānāmayaṃ rājan kuśalaṃ ca narādhipam

Und nachdem sie ihn mit einem Sitzplatz geehrt hatte, mit Fußwasser und Ehrenwasser, fragte sie den König, den Herrscher der Menschen, nach seinem Wohlergehen.

Wort für Wort
āsanenārcayitvā ca pādyenārghyeṇa caiva hi papracchānāmayaṃ rājan kuśalaṃ ca narādhipam
Und nachdem sie ihn mit einem Sitzplatz geehrt hatte, mit Fußwasser und Ehrenwasser, fragte sie den König, den Herrscher der Menschen, nach seinem Wohlergehen.

yathāvad arcayitvā sā pṛṣṭvā cānāmayaṃ tadā uvāca smayamāneva kiṃ kāryaṃ kriyatām iti

Nachdem sie ihn gebührend geehrt und nach seinem Wohlergehen gefragt hatte, sprach sie da wie lächelnd: »Was ist zu tun, das möge getan werden?«

Wort für Wort
yathāvad arcayitvā sā pṛṣṭvā cānāmayaṃ tadā uvāca smayamāneva kiṃ kāryaṃ kriyatām iti
Nachdem sie ihn gebührend geehrt und nach seinem Wohlergehen gefragt hatte, sprach sie da wie lächelnd: »Was ist zu tun, das möge getan werden?«

tām abravīt tato rājā kanyāṃ madhurabhāṣiṇīm dṛṣṭvā sarvānavadyāṅgīṃ yathāvat pratipūjitaḥ

Da sprach der König zu jener süßsprechenden Jungfrau, nachdem er sie, an allen Gliedern makellos, erblickt hatte, gebührend geehrt:

Wort für Wort
tām abravīt tato rājā kanyāṃ madhurabhāṣiṇīm dṛṣṭvā sarvānavadyāṅgīṃ yathāvat pratipūjitaḥ
Da sprach der König zu jener süßsprechenden Jungfrau, nachdem er sie, an allen Gliedern makellos, erblickt hatte, gebührend geehrt:

āgato 'haṃ mahābhāgam ṛṣiṃ kaṇvam upāsitum kva gato bhagavān bhadre tan mamācakṣva śobhane

»Ich bin gekommen, um den hochgesegneten Weisen Kaṇva aufzusuchen. Wohin ist der Erhabene gegangen, o Holde? Das sage mir, du Schöne.«

Wort für Wort
āgato 'haṃ mahābhāgam ṛṣiṃ kaṇvam upāsitum kva gato bhagavān bhadre tan mamācakṣva śobhane
»Ich bin gekommen, um den hochgesegneten Weisen Kaṇva aufzusuchen. Wohin ist der Erhabene gegangen, o Holde? Das sage mir, du Schöne.«

śakuntalovāca gataḥ pitā me bhagavān phalāny āhartum āśramāt muhūrtaṃ saṃpratīkṣasva drakṣyasy enam ihāgatam

Śakuntalā sprach: »Mein Vater, der Erhabene, ist von der Einsiedelei gegangen, um Früchte zu holen. Warte einen Augenblick, du wirst ihn hierher kommen sehen.«

Wort für Wort
śakuntalovāca gataḥ pitā me bhagavān phalāny āhartum āśramāt muhūrtaṃ saṃpratīkṣasva drakṣyasy enam ihāgatam
Śakuntalā sprach: »Mein Vater, der Erhabene, ist von der Einsiedelei gegangen, um Früchte zu holen. Warte einen Augenblick, du wirst ihn hierher kommen sehen.«

vaiśaṃpāyana uvāca apaśyamānas tam ṛṣiṃ tayā coktas tathā nṛpaḥ tāṃ ca dṛṣṭvā varārohāṃ śrīmatīṃ cāruhāsinīm

Vaiśaṃpāyana sprach: Da jener Weise nicht sichtbar war und der König so von ihr angesprochen wurde, und da er sie, die Schönhüftige, Glanzvolle, mit lieblichem Lächeln, erblickte,

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca apaśyamānas tam ṛṣiṃ tayā coktas tathā nṛpaḥ tāṃ ca dṛṣṭvā varārohāṃ śrīmatīṃ cāruhāsinīm
Vaiśaṃpāyana sprach: Da jener Weise nicht sichtbar war und der König so von ihr angesprochen wurde, und da er sie, die Schönhüftige, Glanzvolle, mit lieblichem Lächeln, erblickte,

vibhrājamānāṃ vapuṣā tapasā ca damena ca rūpayauvanasaṃpannām ity uvāca mahīpatiḥ

sie, die durch ihre Gestalt, durch Askese und Selbstbeherrschung erstrahlte, mit Schönheit und Jugend ausgestattet - da sprach der Herrscher der Erde:

Wort für Wort
vibhrājamānāṃ vapuṣā tapasā ca damena ca rūpayauvanasaṃpannām ity uvāca mahīpatiḥ
sie, die durch ihre Gestalt, durch Askese und Selbstbeherrschung erstrahlte, mit Schönheit und Jugend ausgestattet - da sprach der Herrscher der Erde:

kāsi kasyāsi suśroṇi kimarthaṃ cāgatā vanam evaṃrūpaguṇopetā kutas tvam asi śobhane

»Wer bist du, wessen bist du, o Schönhüftige, warum bist du in den Wald gekommen, du mit solcher Gestalt und solchen Tugenden Ausgestattete - woher stammst du, du Schöne?

Wort für Wort
kāsi kasyāsi suśroṇi kimarthaṃ cāgatā vanam evaṃrūpaguṇopetā kutas tvam asi śobhane
»Wer bist du, wessen bist du, o Schönhüftige, warum bist du in den Wald gekommen, du mit solcher Gestalt und solchen Tugenden Ausgestattete - woher stammst du, du Schöne?

darśanād eva hi śubhe tvayā me 'pahṛtaṃ manaḥ icchāmi tvām ahaṃ jñātuṃ tan mamācakṣva śobhane

Denn schon durch den bloßen Anblick, du Holde, hast du mir das Herz geraubt. Ich möchte dich kennenlernen - das sage mir, du Schöne.«

Wort für Wort
darśanād eva hi śubhe tvayā me 'pahṛtaṃ manaḥ icchāmi tvām ahaṃ jñātuṃ tan mamācakṣva śobhane
Denn schon durch den bloßen Anblick, du Holde, hast du mir das Herz geraubt. Ich möchte dich kennenlernen - das sage mir, du Schöne.«

evam uktā tadā kanyā tena rājñā tadāśrame uvāca hasatī vākyam idaṃ sumadhurākṣaram

So angesprochen, sprach da die Jungfrau in jener Einsiedelei zu jenem König, lächelnd, diese Worte mit überaus süßem Klang:

Wort für Wort
evam uktā tadā kanyā tena rājñā tadāśrame uvāca hasatī vākyam idaṃ sumadhurākṣaram
So angesprochen, sprach da die Jungfrau in jener Einsiedelei zu jenem König, lächelnd, diese Worte mit überaus süßem Klang:

kaṇvaṣyāhaṃ bhagavato duḥṣanta duhitā matā tapasvino dhṛtimato dharmajñasya yaśasvinaḥ

»Ich gelte, o Duḥṣanta, als Tochter des Erhabenen Kaṇva, des Asketen, des Standhaften, des Rechtskundigen, des Ruhmreichen.«

Wort für Wort
kaṇvaṣyāhaṃ bhagavato duḥṣanta duhitā matā tapasvino dhṛtimato dharmajñasya yaśasvinaḥ
»Ich gelte, o Duḥṣanta, als Tochter des Erhabenen Kaṇva, des Asketen, des Standhaften, des Rechtskundigen, des Ruhmreichen.«

duḥṣanta uvāca ūrdhvaretā mahābhāgo bhagavāṃl lokapūjitaḥ caled dhi vṛttād dharmo 'pi na calet saṃśitavrataḥ

Duḥṣanta sprach: »Der hochgesegnete, von der Welt verehrte Erhabene ist von aufwärtsgerichtetem Samen [d.h. ein Asket, der sich der Zeugung enthält]; auch wenn sein Wandel abweichen könnte, würde sein Dharma doch nicht abweichen, so streng ist sein Gelübde.

Wort für Wort
duḥṣanta uvāca ūrdhvaretā mahābhāgo bhagavāṃl lokapūjitaḥ caled dhi vṛttād dharmo 'pi na calet saṃśitavrataḥ
Duḥṣanta sprach: »Der hochgesegnete, von der Welt verehrte Erhabene ist von aufwärtsgerichtetem Samen [d.h. ein Asket, der sich der Zeugung enthält]; auch wenn sein Wandel abweichen könnte, würde sein Dharma doch nicht abweichen, so streng ist sein Gelübde.

[Anm.: »ūrdhvaretas« bezeichnet einen Asketen, der seinen Samen zurückhält und daher als kinderlos gilt - Grund für Duḥṣantas Verwunderung über eine leibliche Tochter.

kathaṃ tvaṃ tasya duhitā saṃbhūtā varavarṇinī saṃśayo me mahān atra taṃ me chettum ihārhasi

Wie also bist du, du von vortrefflicher Farbe, seine Tochter geworden? Groß ist mein Zweifel hierin - diesen sollst du mir auflösen.«

Wort für Wort
kathaṃ tvaṃ tasya duhitā saṃbhūtā varavarṇinī saṃśayo me mahān atra taṃ me chettum ihārhasi
Wie also bist du, du von vortrefflicher Farbe, seine Tochter geworden? Groß ist mein Zweifel hierin - diesen sollst du mir auflösen.«

śakuntalovāca yathāyam āgamo mahyaṃ yathā cedam abhūt purā śṛṇu rājan yathātattvaṃ yathāsmi duhitā muneḥ

Śakuntalā sprach: »Wie diese Überlieferung zu mir kam und wie es sich einst zugetragen hat, höre, o König, wahrheitsgemäß, wie ich die Tochter des Weisen bin.

Wort für Wort
śakuntalovāca yathāyam āgamo mahyaṃ yathā cedam abhūt purā śṛṇu rājan yathātattvaṃ yathāsmi duhitā muneḥ
Śakuntalā sprach: »Wie diese Überlieferung zu mir kam und wie es sich einst zugetragen hat, höre, o König, wahrheitsgemäß, wie ich die Tochter des Weisen bin.

ṛṣiḥ kaś cid ihāgamya mama janmābhyacodayat tasmai provāca bhagavān yathā tac chṛṇu pārthiva

Ein gewisser Weiser kam hierher und befragte ihn über meine Geburt; dem erzählte es der Erhabene - so höre es, o Herrscher der Erde.

Wort für Wort
ṛṣiḥ kaś cid ihāgamya mama janmābhyacodayat tasmai provāca bhagavān yathā tac chṛṇu pārthiva
Ein gewisser Weiser kam hierher und befragte ihn über meine Geburt; dem erzählte es der Erhabene - so höre es, o Herrscher der Erde.

tapyamānaḥ kila purā viśvāmitro mahat tapaḥ subhṛśaṃ tāpayām āsa śakraṃ suragaṇeśvaram

Einst, so heißt es, übte Viśvāmitra große Askese und quälte damit gewaltig Śakra, den Herrn der Götterscharen.

Wort für Wort
tapyamānaḥ kila purā viśvāmitro mahat tapaḥ subhṛśaṃ tāpayām āsa śakraṃ suragaṇeśvaram
Einst, so heißt es, übte Viśvāmitra große Askese und quälte damit gewaltig Śakra, den Herrn der Götterscharen.

tapasā dīptavīryo 'yaṃ sthānān māṃ cyāvayed iti bhītaḥ puraṃdaras tasmān menakām idam abravīt

›Dieser könnte mich, durch Askese an Kraft entflammt, von meinem Rang stürzen‹ - so dachte, von Furcht erfüllt, Puraṃdara [Indra] und sprach dies zu Menakā:

Wort für Wort
tapasā dīptavīryo 'yaṃ sthānān māṃ cyāvayed iti bhītaḥ puraṃdaras tasmān menakām idam abravīt
›Dieser könnte mich, durch Askese an Kraft entflammt, von meinem Rang stürzen‹ - so dachte, von Furcht erfüllt, Puraṃdara [Indra] und sprach dies zu Menakā:

guṇair divyair apsarasāṃ menake tvaṃ viśiṣyase śreyo me kuru kalyāṇi yat tvāṃ vakṣyāmi tac chṛṇu

›Menakā, an göttlichen Vorzügen ragst du unter den Apsaras hervor - erweise mir einen Gefallen, du Holde; was ich dir sagen will, das höre.

Wort für Wort
guṇair divyair apsarasāṃ menake tvaṃ viśiṣyase śreyo me kuru kalyāṇi yat tvāṃ vakṣyāmi tac chṛṇu
›Menakā, an göttlichen Vorzügen ragst du unter den Apsaras hervor - erweise mir einen Gefallen, du Holde; was ich dir sagen will, das höre.

asāv ādityasaṃkāśo viśvāmitro mahātapāḥ tapyamānas tapo ghoraṃ mama kampayate manaḥ

Jener, der Sonne gleichende Viśvāmitra von großer Askese, der eine schreckliche Buße übt, lässt mein Herz erzittern.

Wort für Wort
asāv ādityasaṃkāśo viśvāmitro mahātapāḥ tapyamānas tapo ghoraṃ mama kampayate manaḥ
Jener, der Sonne gleichende Viśvāmitra von großer Askese, der eine schreckliche Buße übt, lässt mein Herz erzittern.

menake tava bhāro 'yaṃ viśvāmitraḥ sumadhyame saṃśitātmā sudurdharṣa ugre tapasi vartate

Menakā, diese Bürde liegt bei dir: Viśvāmitra, du Schönhüftige, von gebändigtem Geist, überaus unbezwingbar, verharrt in schrecklicher Askese.

Wort für Wort
menake tava bhāro 'yaṃ viśvāmitraḥ sumadhyame saṃśitātmā sudurdharṣa ugre tapasi vartate
Menakā, diese Bürde liegt bei dir: Viśvāmitra, du Schönhüftige, von gebändigtem Geist, überaus unbezwingbar, verharrt in schrecklicher Askese.

sa māṃ na cyāvayet sthānāt taṃ vai gatvā pralobhaya cara tasya tapovighnaṃ kuru me priyam uttamam

Er möge mich nicht von meinem Rang stürzen - geh zu ihm und verlocke ihn, bringe ihm ein Hindernis seiner Askese, tu mir diesen größten Gefallen.

Wort für Wort
sa māṃ na cyāvayet sthānāt taṃ vai gatvā pralobhaya cara tasya tapovighnaṃ kuru me priyam uttamam
Er möge mich nicht von meinem Rang stürzen - geh zu ihm und verlocke ihn, bringe ihm ein Hindernis seiner Askese, tu mir diesen größten Gefallen.

rūpayauvanamādhuryaceṣṭitasmitabhāṣitaiḥ lobhayitvā varārohe tapasaḥ saṃnivartaya

Durch Schönheit, Jugend, Anmut, Gebärde, Lächeln und Reden verlockend, du Schönhüftige, bring ihn ab von seiner Askese.‹

Wort für Wort
rūpayauvanamādhuryaceṣṭitasmitabhāṣitaiḥ lobhayitvā varārohe tapasaḥ saṃnivartaya
Durch Schönheit, Jugend, Anmut, Gebärde, Lächeln und Reden verlockend, du Schönhüftige, bring ihn ab von seiner Askese.‹

menakovāca mahātejāḥ sa bhagavān sadaiva ca mahātapāḥ kopanaś ca tathā hy enaṃ jānāti bhagavān api

Menakā sprach: ›Er ist von großem Glanz, der Erhabene, und stets von großer Askese und jähzornig; auch das weißt du, Erhabener, selbst wohl von ihm.

Wort für Wort
menakovāca mahātejāḥ sa bhagavān sadaiva ca mahātapāḥ kopanaś ca tathā hy enaṃ jānāti bhagavān api
Menakā sprach: ›Er ist von großem Glanz, der Erhabene, und stets von großer Askese und jähzornig; auch das weißt du, Erhabener, selbst wohl von ihm.

tejasas tapasaś caiva kopasya ca mahātmanaḥ tvam apy udvijase yasya nodvijeyam ahaṃ katham

Vor seinem Glanz, seiner Askese und seinem Zorn erschrickst sogar du - wie sollte ich mich da nicht fürchten?

Wort für Wort
tejasas tapasaś caiva kopasya ca mahātmanaḥ tvam apy udvijase yasya nodvijeyam ahaṃ katham
Vor seinem Glanz, seiner Askese und seinem Zorn erschrickst sogar du - wie sollte ich mich da nicht fürchten?

mahābhāgaṃ vasiṣṭhaṃ yaḥ putrair iṣṭair vyayojayat kṣatre jātaś ca yaḥ pūrvam abhavad brāhmaṇo balāt

Er, der den hochgesegneten Vasiṣṭha von seinen geliebten Söhnen trennte, und der, im Kṣatriya-Stand geboren, zuvor durch Kraft ein Brahmane wurde,

Wort für Wort
mahābhāgaṃ vasiṣṭhaṃ yaḥ putrair iṣṭair vyayojayat kṣatre jātaś ca yaḥ pūrvam abhavad brāhmaṇo balāt
Er, der den hochgesegneten Vasiṣṭha von seinen geliebten Söhnen trennte, und der, im Kṣatriya-Stand geboren, zuvor durch Kraft ein Brahmane wurde,

[Anm.: Anspielung auf ältere, hier nicht ausgeführte Viśvāmitra-Vasiṣṭha-Mythen (u.a. den Streit um die Wunschkuh Śabalā/Nandinī), die dem Hörer als bekannt vorausgesetzt werden.

śaucārthaṃ yo nadīṃ cakre durgamāṃ bahubhir jalaiḥ yāṃ tāṃ puṇyatamāṃ loke kauśikīti vidur janāḥ

der, um sich zu reinigen, einen Fluss schuf, unwegsam durch viele Wasser, den man in der Welt als den heiligsten kennt, unter dem Namen Kauśikī,

Wort für Wort
śaucārthaṃ yo nadīṃ cakre durgamāṃ bahubhir jalaiḥ yāṃ tāṃ puṇyatamāṃ loke kauśikīti vidur janāḥ
der, um sich zu reinigen, einen Fluss schuf, unwegsam durch viele Wasser, den man in der Welt als den heiligsten kennt, unter dem Namen Kauśikī,

babhāra yatrāsya purā kāle durge mahātmanaḥ dārān mataṅgo dharmātmā rājarṣir vyādhatāṃ gataḥ

wo er einst, in schwerer Zeit, die Gattin des hochgesinnten, rechtschaffenen Königsweisen Mataṅga, der in Bedrängnis geraten war, ernährte,

Wort für Wort
babhāra yatrāsya purā kāle durge mahātmanaḥ dārān mataṅgo dharmātmā rājarṣir vyādhatāṃ gataḥ
wo er einst, in schwerer Zeit, die Gattin des hochgesinnten, rechtschaffenen Königsweisen Mataṅga, der in Bedrängnis geraten war, ernährte,

[Anm.: Bezug einer sonst nicht näher erzählten Viśvāmitra-Episode; Details der Mataṅga-Notlage bleiben im Text unausgeführt.

atītakāle durbhikṣe yatraitya punar āśramam muniḥ pāreti nadyā vai nāma cakre tadā prabhuḥ

der, als er nach vergangener Hungerzeit wieder zu seiner Einsiedelei kam, dem Fluss dort den Namen ›Pārā‹ (die Hinüberführende) gab, der Weise, der Mächtige,

Wort für Wort
atītakāle durbhikṣe yatraitya punar āśramam muniḥ pāreti nadyā vai nāma cakre tadā prabhuḥ
der, als er nach vergangener Hungerzeit wieder zu seiner Einsiedelei kam, dem Fluss dort den Namen ›Pārā‹ (die Hinüberführende) gab, der Weise, der Mächtige,

[Anm.: Volksetymologie des Flussnamens »Pārā«, im Grundtext knapp angedeutet.

mataṅgaṃ yājayāṃ cakre yatra prītamanāḥ svayam tvaṃ ca somaṃ bhayād yasya gataḥ pātuṃ śureśvara

der den Mataṅga selbst mit freudigem Sinn ein Opfer vollziehen ließ, und zu dem selbst du aus Furcht gegangen bist, um den Soma zu trinken, o Herr der Helden,

Wort für Wort
mataṅgaṃ yājayāṃ cakre yatra prītamanāḥ svayam tvaṃ ca somaṃ bhayād yasya gataḥ pātuṃ śureśvara
der den Mataṅga selbst mit freudigem Sinn ein Opfer vollziehen ließ, und zu dem selbst du aus Furcht gegangen bist, um den Soma zu trinken, o Herr der Helden,

[Anm.: Der genaue Bezug dieser Zeile (Indra und der Soma-Trank in Verbindung mit Viśvāmitra) bleibt im Text unklar und wird nicht weiter ausgeführt.

ati nakṣatravaṃśāṃś ca kruddho nakṣatrasaṃpadā prati śravaṇapūrvāṇi nakṣatrāṇi sasarja yaḥ

der, zornig über die Sternbild-Geschlechter, mit dem Reichtum der Sternbilder wetteifernd, dem Śravaṇa vorangestellte Sternbilder neu erschuf,

Wort für Wort
ati nakṣatravaṃśāṃś ca kruddho nakṣatrasaṃpadā prati śravaṇapūrvāṇi nakṣatrāṇi sasarja yaḥ
der, zornig über die Sternbild-Geschlechter, mit dem Reichtum der Sternbilder wetteifernd, dem Śravaṇa vorangestellte Sternbilder neu erschuf,

[Anm.: Anspielung auf den Mythos von Viśvāmitras eigener, konkurrierender Sternbild-Schöpfung; im Grundtext nur knapp angedeutet, nicht weiter ausgeführt.

etāni yasya karmāṇi tasyāhaṃ bhṛśam udvije yathā māṃ na dahet kruddhas tathājñāpaya māṃ vibho

- vor dessen Taten, die dies alles sind, erschrecke ich gewaltig. Gebiete mir so, o Gebieter, dass er mich im Zorn nicht verbrenne.

Wort für Wort
etāni yasya karmāṇi tasyāhaṃ bhṛśam udvije yathā māṃ na dahet kruddhas tathājñāpaya māṃ vibho
- vor dessen Taten, die dies alles sind, erschrecke ich gewaltig. Gebiete mir so, o Gebieter, dass er mich im Zorn nicht verbrenne.

tejasā nirdahel lokān kampayed dharaṇīṃ padā saṃkṣipec ca mahāmeruṃ tūrṇam āvartayet tathā

Durch seinen Glanz könnte er die Welten verbrennen, mit dem Fuß die Erde erschüttern, den großen Meru zusammenpressen und ihn im Nu umdrehen.

Wort für Wort
tejasā nirdahel lokān kampayed dharaṇīṃ padā saṃkṣipec ca mahāmeruṃ tūrṇam āvartayet tathā
Durch seinen Glanz könnte er die Welten verbrennen, mit dem Fuß die Erde erschüttern, den großen Meru zusammenpressen und ihn im Nu umdrehen.

tādṛśaṃ tapasā yuktaṃ pradīptam iva pāvakam katham asmadvidhā bālā jitendriyam abhispṛśet

Wie sollte ein solcher, mit Askese Ausgestatteter, wie loderndes Feuer, von einer Törin wie mir berührt werden, der doch seine Sinne bezwungen hat?

Wort für Wort
tādṛśaṃ tapasā yuktaṃ pradīptam iva pāvakam katham asmadvidhā bālā jitendriyam abhispṛśet
Wie sollte ein solcher, mit Askese Ausgestatteter, wie loderndes Feuer, von einer Törin wie mir berührt werden, der doch seine Sinne bezwungen hat?

hutāśanamukhaṃ dīptaṃ sūryacandrākṣitārakam kālajihvaṃ suraśreṣṭha katham asmadvidhā spṛśet

Wie sollte eine wie ich den berühren, dessen Mund das lodernde Opferfeuer ist, dessen Augen Sonne, Mond und Sterne sind, dessen Zunge die Zeit (des Todes) ist, o Bester der Götter?

Wort für Wort
hutāśanamukhaṃ dīptaṃ sūryacandrākṣitārakam kālajihvaṃ suraśreṣṭha katham asmadvidhā spṛśet
Wie sollte eine wie ich den berühren, dessen Mund das lodernde Opferfeuer ist, dessen Augen Sonne, Mond und Sterne sind, dessen Zunge die Zeit (des Todes) ist, o Bester der Götter?

yamaś ca somaś ca maharṣayaś ca sādhyā viśve vālakhilyāś ca sarve ete 'pi yasyodvijante prabhāvāt kasmāt tasmān mādṛśī nodvijeta

Yama und Soma und die großen Weisen, die Sādhyas, alle Viśvedevas und die Vālakhilyas - auch sie alle erzittern vor seiner Macht; warum sollte da eine wie ich nicht erzittern?‹

Wort für Wort
yamaś ca somaś ca maharṣayaś ca sādhyā viśve vālakhilyāś ca sarve ete 'pi yasyodvijante prabhāvāt kasmāt tasmān mādṛśī nodvijeta
Yama und Soma und die großen Weisen, die Sādhyas, alle Viśvedevas und die Vālakhilyas - auch sie alle erzittern vor seiner Macht; warum sollte da eine wie ich nicht erzittern?‹

tvayaivam uktā ca kathaṃ samīpam ṛṣer na gaccheyam ahaṃ surendra rakṣāṃ tu me cintaya devarāja yathā tvadarthaṃ rakṣitāhaṃ careyam

Von dir so angesprochen, wie sollte ich mich diesem Weisen nicht nähern, o Herr der Götter? Sorge du aber für meinen Schutz, o Götterkönig, so dass ich, für dich beschützt, umherwandeln kann.

Wort für Wort
tvayaivam uktā ca kathaṃ samīpam ṛṣer na gaccheyam ahaṃ surendra rakṣāṃ tu me cintaya devarāja yathā tvadarthaṃ rakṣitāhaṃ careyam
Von dir so angesprochen, wie sollte ich mich diesem Weisen nicht nähern, o Herr der Götter? Sorge du aber für meinen Schutz, o Götterkönig, so dass ich, für dich beschützt, umherwandeln kann.

kāmaṃ tu me mārutas tatra vāsaḥ prakrīḍitāyā vivṛṇotu deva bhavec ca me manmathas tatra kārye sahāyabhūtas tava devaprasādāt

Gerne möge mir dabei der Windgott mein Gewand lüften, während ich spiele, o Gott; und dabei möge mir auch der Liebesgott bei diesem Werk als Helfer zur Seite stehen, durch deine göttliche Gunst,

Wort für Wort
kāmaṃ tu me mārutas tatra vāsaḥ prakrīḍitāyā vivṛṇotu deva bhavec ca me manmathas tatra kārye sahāyabhūtas tava devaprasādāt
Gerne möge mir dabei der Windgott mein Gewand lüften, während ich spiele, o Gott; und dabei möge mir auch der Liebesgott bei diesem Werk als Helfer zur Seite stehen, durch deine göttliche Gunst,

vanāc ca vāyuḥ surabhiḥ pravāyet tasmin kāle tam ṛṣiṃ lobhayantyāḥ tathety uktvā vihite caiva tasmiṃs tato yayau sāśramaṃ kauśikasya

und aus dem Wald möge duftender Wind wehen zu jener Zeit, wenn ich jenen Weisen verlocke.‹ - ›So sei es‹, sprach er, und nachdem dies so verabredet war, zog sie hin zur Einsiedelei des Kauśika [Viśvāmitra].«

Wort für Wort
vanāc ca vāyuḥ surabhiḥ pravāyet tasmin kāle tam ṛṣiṃ lobhayantyāḥ tathety uktvā vihite caiva tasmiṃs tato yayau sāśramaṃ kauśikasya
und aus dem Wald möge duftender Wind wehen zu jener Zeit, wenn ich jenen Weisen verlocke.‹ - ›So sei es‹, sprach er, und nachdem dies so verabredet war, zog sie hin zur Einsiedelei des Kauśika [Viśvāmitra].«

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