Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 24: Āstīka-parva (Fortsetzung): Vinatās Speiseanweisung und Garuḍas Aufbruch Āstīka-parva (Fortsetzung): Vinatās Speiseanweisung, das Brahmanen-Schutzgebot, und Garuḍas Vertilgung der Niṣādas — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,024.001“ bis „01,024.014“). Garuḍa bricht zum Amṛta-Raub auf und fragt seine Mutter, was er essen dürfe; sie weist ihn an die Niṣādas, warnt ihn aber eindringlich davor, je einen Brahmanen zu verletzen (mit dem Erkennungszeichen: ein verschluckter Brahmane verbrennt die Kehle wie eine glühende Angel), und entlässt ihn mit einem ausführlichen Segenswunsch. Garuḍa fliegt auf, öffnet ein riesiges Maul und verschlingt die vor ihm fliehenden Niṣādas samt aufgescheuchter Vögel zu Tausenden. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | ity ukto garuḍaḥ sarpais tato mātaram abravīt | gacchāmy amṛtam āhartuṃ bhakṣyam icchāmi veditum

Sūta sprach: So von den Schlangen angesprochen, sagte Garuḍa darauf zu seiner Mutter: „Ich gehe, um das Amṛta zu holen; welche Speise mir erlaubt sei, begehre ich zu erfahren.“

Wort für Wort
sūta uvāca | ity ukto garuḍaḥ sarpais tato mātaram abravīt | gacchāmy amṛtam āhartuṃ bhakṣyam icchāmi veditum
Sūta sprach: So von den Schlangen angesprochen, sagte Garuḍa darauf zu seiner Mutter: „Ich gehe, um das Amṛta zu holen; welche Speise mir erlaubt sei, begehre ich zu erfahren.“

vinatovāca | samudrakukṣāv ekānte niṣādālayam uttamam | sahasrāṇām anekānāṃ tān bhuktvāmṛtam ānaya

Vinatā sprach: „In einem abgelegenen Winkel des Ozeanschoßes ist die vortreffliche Wohnstätte der Niṣādas; nachdem du viele Tausende von ihnen verzehrt hast, bringe das Amṛta.“

Wort für Wort
vinatovāca | samudrakukṣāv ekānte niṣādālayam uttamam | sahasrāṇām anekānāṃ tān bhuktvāmṛtam ānaya
Vinatā sprach: „In einem abgelegenen Winkel des Ozeanschoßes ist die vortreffliche Wohnstätte der Niṣādas; nachdem du viele Tausende von ihnen verzehrt hast, bringe das Amṛta.“

[Anm.: Die Niṣādas sind ein am Rande der brahmanischen Ordnung stehendes Volk von Fischern/Jägern.]

na tu te brāhmaṇaṃ hantuṃ kāryā buddhiḥ kathaṃ cana | avadhyaḥ sarvabhūtānāṃ brāhmaṇo hy analopamaḥ

„Doch darfst du keinesfalls den Gedanken fassen, einen Brahmanen zu töten; unverletzlich ist der Brahmane für alle Wesen, denn er gleicht dem Feuer.“

Wort für Wort
na tu te brāhmaṇaṃ hantuṃ kāryā buddhiḥ kathaṃ cana | avadhyaḥ sarvabhūtānāṃ brāhmaṇo hy analopamaḥ
„Doch darfst du keinesfalls den Gedanken fassen, einen Brahmanen zu töten; unverletzlich ist der Brahmane für alle Wesen, denn er gleicht dem Feuer.“

agnir arko viṣaṃ śastraṃ vipro bhavati kopitaḥ | bhūtānām agrabhug vipro varṇaśreṣṭhaḥ pitā guruḥ

„Feuer, Sonne, Gift, Waffe wird der Brahmane, wenn er erzürnt ist; der die Erstlingsgabe der Wesen empfängt, ist der Brahmane, der Beste der Stände, Vater, Lehrer.“

Wort für Wort
agnir arko viṣaṃ śastraṃ vipro bhavati kopitaḥ | bhūtānām agrabhug vipro varṇaśreṣṭhaḥ pitā guruḥ
„Feuer, Sonne, Gift, Waffe wird der Brahmane, wenn er erzürnt ist; der die Erstlingsgabe der Wesen empfängt, ist der Brahmane, der Beste der Stände, Vater, Lehrer.“

garuḍa uvāca | yathāham abhijānīyāṃ brāhmaṇaṃ lakṣaṇaiḥ śubhaiḥ | tan me kāraṇato mātaḥ pṛcchato vaktum arhasi

Garuḍa sprach: „Wie ich einen Brahmanen an günstigen Merkmalen erkennen könnte, das sollst du mir, o Mutter, auf meine Frage hin dem Grunde nach sagen.“

Wort für Wort
garuḍa uvāca | yathāham abhijānīyāṃ brāhmaṇaṃ lakṣaṇaiḥ śubhaiḥ | tan me kāraṇato mātaḥ pṛcchato vaktum arhasi
Garuḍa sprach: „Wie ich einen Brahmanen an günstigen Merkmalen erkennen könnte, das sollst du mir, o Mutter, auf meine Frage hin dem Grunde nach sagen.“

vinatovāca | yas te kaṇṭham anuprāpto nigīrṇaṃ baḍiśaṃ yathā | dahed aṅgāravat putra taṃ vidyād brāhmaṇarṣabham

Vinatā sprach: „Wer, in deine Kehle gelangt, verschluckt, dich verbrennt wie eine Angel, wie eine Glut, mein Sohn, den sollst du als den besten der Brahmanen erkennen.“

Wort für Wort
vinatovāca | yas te kaṇṭham anuprāpto nigīrṇaṃ baḍiśaṃ yathā | dahed aṅgāravat putra taṃ vidyād brāhmaṇarṣabham
Vinatā sprach: „Wer, in deine Kehle gelangt, verschluckt, dich verbrennt wie eine Angel, wie eine Glut, mein Sohn, den sollst du als den besten der Brahmanen erkennen.“

sūta uvāca | provāca cainaṃ vinatā putrahārdād idaṃ vacaḥ | jānanty apy atulaṃ vīryam āśīrvādasamanvitam

Sūta sprach: Und Vinatā sprach zu ihm aus mütterlicher Liebe dieses Wort, obwohl sie um seine unvergleichliche Kraft wusste, verbunden mit einem Segenswunsch:

Wort für Wort
sūta uvāca | provāca cainaṃ vinatā putrahārdād idaṃ vacaḥ | jānanty apy atulaṃ vīryam āśīrvādasamanvitam
Sūta sprach: Und Vinatā sprach zu ihm aus mütterlicher Liebe dieses Wort, obwohl sie um seine unvergleichliche Kraft wusste, verbunden mit einem Segenswunsch:

pakṣau te mārutaḥ pātu candraḥ pṛṣṭhaṃ tu putraka | śiras tu pātu te vahnir bhāskaraḥ sarvam eva tu

„Deine Flügel möge der Wind schützen, der Mond deinen Rücken, mein Söhnchen; dein Haupt möge das Feuer schützen, die Sonne aber alles Übrige.“

Wort für Wort
pakṣau te mārutaḥ pātu candraḥ pṛṣṭhaṃ tu putraka | śiras tu pātu te vahnir bhāskaraḥ sarvam eva tu
„Deine Flügel möge der Wind schützen, der Mond deinen Rücken, mein Söhnchen; dein Haupt möge das Feuer schützen, die Sonne aber alles Übrige.“

ahaṃ ca te sadā putra śāntisvastiparāyaṇā | ariṣṭaṃ vraja panthānaṃ vatsa kāryārthasiddhaye

„Und ich bin dir, mein Sohn, stets dem Heil und Wohlergehen zugetan; gehe unversehrt deinen Weg, mein Kind, zur Erfüllung deines Vorhabens.“

Wort für Wort
ahaṃ ca te sadā putra śāntisvastiparāyaṇā | ariṣṭaṃ vraja panthānaṃ vatsa kāryārthasiddhaye
„Und ich bin dir, mein Sohn, stets dem Heil und Wohlergehen zugetan; gehe unversehrt deinen Weg, mein Kind, zur Erfüllung deines Vorhabens.“

tataḥ sa mātur vacanaṃ niśamya vitatya pakṣau nabha utpapāta | tato niṣādān balavān upāgamad bubhukṣitaḥ kāla ivāntako mahān

Da, nachdem er das Wort der Mutter vernommen hatte, breitete er die Flügel aus und erhob sich in den Himmel; dann näherte sich der Starke den Niṣādas, hungrig, wie der große Antaka [der Tod] zur Zeit des Weltendes.

Wort für Wort
tataḥ sa mātur vacanaṃ niśamya vitatya pakṣau nabha utpapāta | tato niṣādān balavān upāgamad bubhukṣitaḥ kāla ivāntako mahān
Da, nachdem er das Wort der Mutter vernommen hatte, breitete er die Flügel aus und erhob sich in den Himmel; dann näherte sich der Starke den Niṣādas, hungrig, wie der große Antaka [der Tod] zur Zeit des Weltendes.

sa tān niṣādān upasaṃharaṃs tadā rajaḥ samuddhūya nabhaḥspṛśaṃ mahat | samudrakukṣau ca viśoṣayan payaḥ samīpagān bhūmidharān vicālayan

Er, der jene Niṣādas da zusammenraffte, wirbelte gewaltigen, himmelberührenden Staub auf; das Wasser im Ozeanschoß austrocknend, erschütterte er die nahegelegenen Berge.

Wort für Wort
sa tān niṣādān upasaṃharaṃs tadā rajaḥ samuddhūya nabhaḥspṛśaṃ mahat | samudrakukṣau ca viśoṣayan payaḥ samīpagān bhūmidharān vicālayan
Er, der jene Niṣādas da zusammenraffte, wirbelte gewaltigen, himmelberührenden Staub auf; das Wasser im Ozeanschoß austrocknend, erschütterte er die nahegelegenen Berge.

tataḥ sa cakre mahad ānanaṃ tadā niṣādamārgaṃ pratirudhya pakṣirāṭ | tato niṣādās tvaritāḥ pravavrajur yato mukhaṃ tasya bhujaṃgabhojinaḥ

Da machte der Vogelkönig ein gewaltiges Maul, den Weg der Niṣādas versperrend; da zogen die Niṣādas eilends dorthin, wohin das Maul jenes Schlangenfressers gerichtet war.

Wort für Wort
tataḥ sa cakre mahad ānanaṃ tadā niṣādamārgaṃ pratirudhya pakṣirāṭ | tato niṣādās tvaritāḥ pravavrajur yato mukhaṃ tasya bhujaṃgabhojinaḥ
Da machte der Vogelkönig ein gewaltiges Maul, den Weg der Niṣādas versperrend; da zogen die Niṣādas eilends dorthin, wohin das Maul jenes Schlangenfressers gerichtet war.

tadānanaṃ vivṛtam atipramāṇavat samabhyayur gaganam ivārditāḥ khagāḥ | sahasraśaḥ pavanarajobhramohitā mahānilapracalitapādape vane

Jenes weit geöffnete, überaus riesenhafte Maul suchten sie auf wie den Himmelsraum, gequält; auch Vögel zu Tausenden, verwirrt vom windgetriebenen Staub, im vom großen Sturm erschütterten Baumbestand des Waldes.

Wort für Wort
tadānanaṃ vivṛtam atipramāṇavat samabhyayur gaganam ivārditāḥ khagāḥ | sahasraśaḥ pavanarajobhramohitā mahānilapracalitapādape vane
Jenes weit geöffnete, überaus riesenhafte Maul suchten sie auf wie den Himmelsraum, gequält; auch Vögel zu Tausenden, verwirrt vom windgetriebenen Staub, im vom großen Sturm erschütterten Baumbestand des Waldes.

tataḥ khago vadanam amitratāpanaḥ samāharat paricapalo mahābalaḥ | niṣūdayan bahuvidhamatsyabhakṣiṇo bubhukṣito gaganacareśvaras tadā

Da schlang der Vogel, der Feindeserhitzer, überaus rasch und hochmächtig, allerlei Fischfresser vernichtend, hungrig, der Herr der Himmelswandler, sie da in sich hinein.

Wort für Wort
tataḥ khago vadanam amitratāpanaḥ samāharat paricapalo mahābalaḥ | niṣūdayan bahuvidhamatsyabhakṣiṇo bubhukṣito gaganacareśvaras tadā
Da schlang der Vogel, der Feindeserhitzer, überaus rasch und hochmächtig, allerlei Fischfresser vernichtend, hungrig, der Herr der Himmelswandler, sie da in sich hinein.

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