Kapitel 173: Kalmāṣapādaśāpakāraṇam
Die Ursache von Kalmāṣapādas zweitem Fluch
Auf Arjunas Nachfrage, warum Vasiṣṭha sich auf einen an sich verbotenen Verkehr mit der Königin einließ, liefert der Gandharva die fehlende Vorgeschichte: Der vom ersten Fluch besessene Kalmāṣapāda verschlingt im Wald einen Brahmanen, den er bei einem unterbrochenen Beischlaf ergreift, trotz des Flehens von dessen Gattin. Diese verflucht ihn darauf in ihrem Feuertod: Sobald er sich seiner eigenen Gattin zur fruchtbaren Zeit nähere, werde er augenblicklich sterben – doch werde seine Gattin stattdessen mit Vasiṣṭha einen Sohn zeugen. Als der von diesem zweiten Fluch nicht mehr wissende König sich Jahre später Madayantī näherte, hielt sie ihn zurück und erinnerte ihn an den Fluch – weshalb er daraufhin Vasiṣṭha um die Zeugung des Erben bat, wie zuvor bereits erzählt (Adh.168).
jānatā ca paraṃ dharmaṃ lokyaṃ tena mahātmanā agamyāgamanaṃ kasmād vasiṣṭhena mahātmanā kṛtaṃ tena purā sarvaṃ vaktum arhasi pṛcchataḥ
‚Und weshalb beging jener hochherzige Vasiṣṭha, der doch den höchsten, weltgemäßen Dharma kannte, einst den Verkehr mit einer eigentlich verbotenen Frau? Du sollst mir, der ich frage, dies alles erzählen.'
Wort für Wort
jānatā ca paraṃ dharmaṃ lokyaṃ tena mahātmanā agamyāgamanaṃ kasmād vasiṣṭhena mahātmanā kṛtaṃ tena purā sarvaṃ vaktum arhasi pṛcchataḥ
‚Und weshalb beging jener hochherzige Vasiṣṭha, der doch den höchsten, weltgemäßen Dharma kannte, einst den Verkehr mit einer eigentlich verbotenen Frau? Du sollst mir, der ich frage, dies alles erzählen.'
‚Er zog in einen menschenleeren Wald und durchstreifte ihn mit seiner Gattin, einen Wald, voll von mancherlei Tierherden, wimmelnd von mancherlei Wesen.'
‚Er zog in einen menschenleeren Wald und durchstreifte ihn mit seiner Gattin, einen Wald, voll von mancherlei Tierherden, wimmelnd von mancherlei Wesen.'
‚Bedeckt mit mancherlei Gestrüpp und Schlingpflanzen, umgeben von mancherlei Bäumen, von schauerlichem Getön – so durchirrte er, vom Fluch ergriffen, den Wald.'
‚Bedeckt mit mancherlei Gestrüpp und Schlingpflanzen, umgeben von mancherlei Bäumen, von schauerlichem Getön – so durchirrte er, vom Fluch ergriffen, den Wald.'
‚Einst, von Hunger befallen, nach Nahrung für sich suchend, schwer erschöpft, erblickte er an einem Waldbach eine Brahmanenfrau und einen Brahmanen, die sich zur Vereinigung zusammengefunden hatten.'
‚Einst, von Hunger befallen, nach Nahrung für sich suchend, schwer erschöpft, erblickte er an einem Waldbach eine Brahmanenfrau und einen Brahmanen, die sich zur Vereinigung zusammengefunden hatten.'
tau samīkṣya tu vitrastāv akṛtārthau pradhāvitau tayoś ca dravator vipraṃ jagṛhe nṛpatir balāt
‚Als er sie erblickte, flohen die beiden, erschrocken, ihr Vorhaben unvollendet lassend; und während beide flohen, ergriff der König mit Gewalt den Brahmanen.'
Wort für Wort
tau samīkṣya tu vitrastāv akṛtārthau pradhāvitau tayoś ca dravator vipraṃ jagṛhe nṛpatir balāt
‚Als er sie erblickte, flohen die beiden, erschrocken, ihr Vorhaben unvollendet lassend; und während beide flohen, ergriff der König mit Gewalt den Brahmanen.'
śāpaṃ prāpto 'si durdharṣa na pāpaṃ kartum arhasi ṛtukāle tu saṃprāpte bhartrāsmy adya samāgatā
‚„Du hast, Unbezwingbarer, einen Fluch erlangt – doch du sollst kein Übel begehen; zur eingetretenen fruchtbaren Zeit bin ich heute mit meinem Gatten zusammengekommen.“'
Wort für Wort
śāpaṃ prāpto 'si durdharṣa na pāpaṃ kartum arhasi ṛtukāle tu saṃprāpte bhartrāsmy adya samāgatā
‚„Du hast, Unbezwingbarer, einen Fluch erlangt – doch du sollst kein Übel begehen; zur eingetretenen fruchtbaren Zeit bin ich heute mit meinem Gatten zusammengekommen.“'
akṛtārthā hy ahaṃ bhartrā prasavārthaś ca me mahān prasīda nṛpatiśreṣṭha bhartā me 'yaṃ visṛjyatām
‚„Ich bin von meinem Gatten noch nicht erfüllt, und groß ist mein Ziel der Nachkommenschaft; sei gnädig, bester der Könige – lass diesen meinen Gatten frei.“'
Wort für Wort
akṛtārthā hy ahaṃ bhartrā prasavārthaś ca me mahān prasīda nṛpatiśreṣṭha bhartā me 'yaṃ visṛjyatām
‚„Ich bin von meinem Gatten noch nicht erfüllt, und groß ist mein Ziel der Nachkommenschaft; sei gnädig, bester der Könige – lass diesen meinen Gatten frei.“'
‚„Weil du, Niederträchtiger, mir, der noch Unerfüllten, meinen ruhmreichen, gebietenden Gatten heute vor meinen eigenen Augen grausam verzehrt hast –“'
‚„Weil du, Niederträchtiger, mir, der noch Unerfüllten, meinen ruhmreichen, gebietenden Gatten heute vor meinen eigenen Augen grausam verzehrt hast –“'
‚„– deshalb wirst auch du, Übelgesinnter, von meinem Fluch getroffen, sobald du dich deiner Gattin zur fruchtbaren Zeit näherst, augenblicklich dein Leben verlieren!“'
‚„– deshalb wirst auch du, Übelgesinnter, von meinem Fluch getroffen, sobald du dich deiner Gattin zur fruchtbaren Zeit näherst, augenblicklich dein Leben verlieren!“'
yasya carṣer vasiṣṭhasya tvayā putrā vināśitāḥ tena saṃgamya te bhāryā tanayaṃ janayiṣyati sa te vaṃśakaraḥ putro bhaviṣyati nṛpādhama
‚„Mit dem Ṛṣi Vasiṣṭha, dessen Söhne du vernichtet hast, wird sich deine Gattin vereinigen und einen Sohn gebären; dieser wird dein geschlechtsfortsetzender Sohn sein, niedrigster der Könige!“'
Wort für Wort
yasya carṣer vasiṣṭhasya tvayā putrā vināśitāḥ tena saṃgamya te bhāryā tanayaṃ janayiṣyati sa te vaṃśakaraḥ putro bhaviṣyati nṛpādhama
‚„Mit dem Ṛṣi Vasiṣṭha, dessen Söhne du vernichtet hast, wird sich deine Gattin vereinigen und einen Sohn gebären; dieser wird dein geschlechtsfortsetzender Sohn sein, niedrigster der Könige!“'
muktaśāpaś ca rājarṣiḥ kālena mahatā tataḥ ṛtukāle 'bhipatito madayantyā nivāritaḥ
‚Und der königliche Weise, vom Fluch getroffen, wurde darauf, nach langer Zeit, als er sich zur fruchtbaren Zeit seiner Gattin näherte, von Madayantī zurückgehalten.'
Wort für Wort
muktaśāpaś ca rājarṣiḥ kālena mahatā tataḥ ṛtukāle 'bhipatito madayantyā nivāritaḥ
‚Und der königliche Weise, vom Fluch getroffen, wurde darauf, nach langer Zeit, als er sich zur fruchtbaren Zeit seiner Gattin näherte, von Madayantī zurückgehalten.'
na hi sasmāra nṛpatis taṃ śāpaṃ śāpamohitaḥ devyāḥ so 'tha vacaḥ śrutvā sa tasyā nṛpasattamaḥ taṃ ca śāpam anusmṛtya paryatapyad bhṛśaṃ tadā
‚Denn der König, vom Fluch umnebelt, erinnerte sich nicht an jenen Fluch; doch als jener beste der Könige darauf das Wort der Königin vernommen hatte, erinnerte er sich an jenen Fluch und wurde darüber heftig gequält.'
Wort für Wort
na hi sasmāra nṛpatis taṃ śāpaṃ śāpamohitaḥ devyāḥ so 'tha vacaḥ śrutvā sa tasyā nṛpasattamaḥ taṃ ca śāpam anusmṛtya paryatapyad bhṛśaṃ tadā
‚Denn der König, vom Fluch umnebelt, erinnerte sich nicht an jenen Fluch; doch als jener beste der Könige darauf das Wort der Königin vernommen hatte, erinnerte er sich an jenen Fluch und wurde darüber heftig gequält.'