Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 98: Dīrghatamas-Upākhyānam Die Vorgeschichte des Dīrghatamas als Beispiel für Niyoga

Bhīṣma begründet die Sitte, Söhne für einen verstorbenen oder untauglichen Ehemann durch einen anderen Mann zeugen zu lassen (Niyoga), mit zwei alten Beispielen: den nach Paraśurāmas Kṣatriya-Ausrottungen von Brahmanen gezeugten Kṣatriya-Nachkommen, und der ausführlichen Erzählung von Dīrghatamas – im Mutterleib gezeugt und aus dem Leib heraus sprechend, von Bṛhaspati zur Blindheit verflucht, von den eigenen Söhnen ausgesetzt, von König Bali gerettet und gebeten, mit dessen Gattin Sudeṣṇā Söhne zu zeugen (darunter Aṅga, Stammvater eines Königreichs). Bhīṣma schließt mit der Aufforderung an Satyavatī, nach eigenem Willen zu handeln – die Vorbereitung auf die Vyāsa-Niyoga-Lösung im folgenden Kapitel.

bhīṣma uvāca jāmadagnyena rāmeṇa pitur vadham amṛṣyatā kruddhena ca mahābhāge haihayādhipatir hataḥ śatāni daśa bāhūnāṃ nikṛttāny arjunasya vai

Bhīṣma sprach: Als Rāma, der Sohn Jamadagnis, den Tod seines Vaters nicht ertrug und in Zorn geriet, o Hochgesegnete, erschlug er den Herrscher der Haihayas; die tausend Arme Arjunas [des Kārtavīrya] wurden abgehauen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca jāmadagnyena rāmeṇa pitur vadham amṛṣyatā kruddhena ca mahābhāge haihayādhipatir hataḥ śatāni daśa bāhūnāṃ nikṛttāny arjunasya vai
Bhīṣma sprach: Als Rāma, der Sohn Jamadagnis, den Tod seines Vaters nicht ertrug und in Zorn geriet, o Hochgesegnete, erschlug er den Herrscher der Haihayas; die tausend Arme Arjunas [des Kārtavīrya] wurden abgehauen.

[Anm.: ‚Arjuna' bezeichnet hier nicht den Pāṇḍava, sondern den tausendarmigen Haihaya-König Kārtavīryārjuna.]

punaś ca dhanur ādāya mahāstrāṇi pramuñcatā nirdagdhaṃ kṣatram asakṛd rathena jayatā mahīm

Und wieder, den Bogen ergreifend und mächtige Waffen entsendend, verbrannte er wiederholt die Kṣatriya-Krieger, indem er die Erde mit seinem Streitwagen eroberte.

Wort für Wort
punaś ca dhanur ādāya mahāstrāṇi pramuñcatā nirdagdhaṃ kṣatram asakṛd rathena jayatā mahīm
Und wieder, den Bogen ergreifend und mächtige Waffen entsendend, verbrannte er wiederholt die Kṣatriya-Krieger, indem er die Erde mit seinem Streitwagen eroberte.

evam uccāvacair astrair bhārgaveṇa mahātmanā triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivī kṛtā niḥkṣatriyā purā

So machte einst der hochherzige Bhārgava [Paraśurāma] mit mannigfaltigen Waffen die Erde einundzwanzigmal (dreimal siebenmal) kṣatriyalos.

Wort für Wort
evam uccāvacair astrair bhārgaveṇa mahātmanā triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivī kṛtā niḥkṣatriyā purā
So machte einst der hochherzige Bhārgava [Paraśurāma] mit mannigfaltigen Waffen die Erde einundzwanzigmal (dreimal siebenmal) kṣatriyalos.

tataḥ saṃbhūya sarvābhiḥ kṣatriyābhiḥ samantataḥ utpāditāny apatyāni brāhmaṇair niyatātmabhiḥ

Da vereinigten sich von überallher alle Kṣatriya-Frauen mit selbstbeherrschten Brahmanen, und es wurden Nachkommen gezeugt.

Wort für Wort
tataḥ saṃbhūya sarvābhiḥ kṣatriyābhiḥ samantataḥ utpāditāny apatyāni brāhmaṇair niyatātmabhiḥ
Da vereinigten sich von überallher alle Kṣatriya-Frauen mit selbstbeherrschten Brahmanen, und es wurden Nachkommen gezeugt.

pāṇigrāhasya tanaya iti vedeṣu niścitam dharmaṃ manasi saṃsthāpya brāhmaṇāṃs tāḥ samabhyayuḥ loke 'py ācarito dṛṣṭaḥ kṣatriyāṇāṃ punarbhavaḥ

‚Der Sohn gehört dem, der die Hand [in der Ehe] ergriffen hat' – so ist es in den Veden festgelegt; diesen Grundsatz im Sinn tragend, näherten sich jene [Frauen] den Brahmanen. Auch in der Welt sieht man diese Wiederbelebung der Kṣatriyas als geübte Praxis.

Wort für Wort
pāṇigrāhasya tanaya iti vedeṣu niścitam dharmaṃ manasi saṃsthāpya brāhmaṇāṃs tāḥ samabhyayuḥ loke 'py ācarito dṛṣṭaḥ kṣatriyāṇāṃ punarbhavaḥ
‚Der Sohn gehört dem, der die Hand [in der Ehe] ergriffen hat' – so ist es in den Veden festgelegt; diesen Grundsatz im Sinn tragend, näherten sich jene [Frauen] den Brahmanen. Auch in der Welt sieht man diese Wiederbelebung der Kṣatriyas als geübte Praxis.

[Anm.: Bhīṣma begründet hier die rechtliche Grundlage des Niyoga – der auf diese Weise gezeugte Sohn gilt nicht dem biologischen Vater, sondern dem (verstorbenen oder untauglichen) Ehemann der Mutter.]

athotathya iti khyāta āsīd dhīmān ṛṣiḥ purā mamatā nāma tasyāsīd bhāryā paramasaṃmatā

Einst lebte ein weiser Seher, bekannt als Utathya; seine hochverehrte Gattin hieß Mamatā.

Wort für Wort
athotathya iti khyāta āsīd dhīmān ṛṣiḥ purā mamatā nāma tasyāsīd bhāryā paramasaṃmatā
Einst lebte ein weiser Seher, bekannt als Utathya; seine hochverehrte Gattin hieß Mamatā.

utathyasya yavīyāṃs tu purodhās tridivaukasām bṛhaspatir bṛhattejā mamatāṃ so 'nvapadyata

Utathyas jüngerer Bruder aber, der Hauspriester der Himmelsbewohner, Bṛhaspati von großem Glanz, begehrte Mamatā.

Wort für Wort
utathyasya yavīyāṃs tu purodhās tridivaukasām bṛhaspatir bṛhattejā mamatāṃ so 'nvapadyata
Utathyas jüngerer Bruder aber, der Hauspriester der Himmelsbewohner, Bṛhaspati von großem Glanz, begehrte Mamatā.

uvāca mamatā taṃ tu devaraṃ vadatāṃ varam antarvatnī ahaṃ bhrātrā jyeṣṭhenāramyatām iti

Mamatā aber sprach zu jenem Schwager, dem Besten der Redner: ‚Ich bin schwanger von meinem älteren Bruder [Gatten]; ich sollte nicht [von dir] begattet werden.

Wort für Wort
uvāca mamatā taṃ tu devaraṃ vadatāṃ varam antarvatnī ahaṃ bhrātrā jyeṣṭhenāramyatām iti
Mamatā aber sprach zu jenem Schwager, dem Besten der Redner: ‚Ich bin schwanger von meinem älteren Bruder [Gatten]; ich sollte nicht [von dir] begattet werden.

ayaṃ ca me mahābhāga kukṣāv eva bṛhaspate autathyo vedam atraiva ṣaḍaṅgaṃ pratyadhīyata

Und dieser mein Kind, o hochgesegneter Bṛhaspati, der Sohn Utathyas, hat schon hier in meinem Leib den sechsgliedrigen Veda erlernt.

Wort für Wort
ayaṃ ca me mahābhāga kukṣāv eva bṛhaspate autathyo vedam atraiva ṣaḍaṅgaṃ pratyadhīyata
Und dieser mein Kind, o hochgesegneter Bṛhaspati, der Sohn Utathyas, hat schon hier in meinem Leib den sechsgliedrigen Veda erlernt.

amogharetās tvaṃ cāpi nūnaṃ bhavitum arhasi tasmād evaṃgate 'dya tvam upāramitum arhasi

Auch du gewiss musst von unfehlbarem Samen sein; deshalb, da es sich nun so verhält, solltest du innehalten.'

Wort für Wort
amogharetās tvaṃ cāpi nūnaṃ bhavitum arhasi tasmād evaṃgate 'dya tvam upāramitum arhasi
Auch du gewiss musst von unfehlbarem Samen sein; deshalb, da es sich nun so verhält, solltest du innehalten.'

evam uktas tayā samyag bṛhattejā bṛhaspatiḥ kāmātmānaṃ tadātmānaṃ na śaśāka niyacchitum

So recht angesprochen von ihr, vermochte Bṛhaspati von großem Glanz, von Begierde ergriffen, sich selbst dennoch nicht zu beherrschen.

Wort für Wort
evam uktas tayā samyag bṛhattejā bṛhaspatiḥ kāmātmānaṃ tadātmānaṃ na śaśāka niyacchitum
So recht angesprochen von ihr, vermochte Bṛhaspati von großem Glanz, von Begierde ergriffen, sich selbst dennoch nicht zu beherrschen.

saṃbabhūva tataḥ kāmī tayā sārdham akāmayā utsṛjantaṃ tu taṃ retaḥ sa garbhastho 'bhyabhāṣata

Da vereinigte er sich, begierig, mit ihr, obwohl sie unwillig war; und als er den Samen ausstieß, sprach der im Mutterleib befindliche [Sohn] zu ihm:

Wort für Wort
saṃbabhūva tataḥ kāmī tayā sārdham akāmayā utsṛjantaṃ tu taṃ retaḥ sa garbhastho 'bhyabhāṣata
Da vereinigte er sich, begierig, mit ihr, obwohl sie unwillig war; und als er den Samen ausstieß, sprach der im Mutterleib befindliche [Sohn] zu ihm:

bhos tāta kanyasa vade dvayor nāsty atra saṃbhavaḥ amoghaśukraś ca bhavān pūrvaṃ cāham ihāgataḥ

‚Ho, lieber Onkel, ich sage dir: Für zwei ist hier kein Platz zur Empfängnis. Du bist von unfehlbarem Samen, und ich bin bereits zuvor hierher gelangt.'

Wort für Wort
bhos tāta kanyasa vade dvayor nāsty atra saṃbhavaḥ amoghaśukraś ca bhavān pūrvaṃ cāham ihāgataḥ
‚Ho, lieber Onkel, ich sage dir: Für zwei ist hier kein Platz zur Empfängnis. Du bist von unfehlbarem Samen, und ich bin bereits zuvor hierher gelangt.'

śaśāpa taṃ tataḥ kruddha evam ukto bṛhaspatiḥ utathyaputraṃ garbhasthaṃ nirbhartsya bhagavān ṛṣiḥ

Da verfluchte der zornige, erhabene Weise Bṛhaspati, so angesprochen, den im Mutterleib befindlichen Sohn Utathyas, ihn schmähend:

Wort für Wort
śaśāpa taṃ tataḥ kruddha evam ukto bṛhaspatiḥ utathyaputraṃ garbhasthaṃ nirbhartsya bhagavān ṛṣiḥ
Da verfluchte der zornige, erhabene Weise Bṛhaspati, so angesprochen, den im Mutterleib befindlichen Sohn Utathyas, ihn schmähend:

yasmāt tvam īdṛśe kāle sarvabhūtepsite sati evam āttha vacas tasmāt tamo dīrghaṃ pravekṣyasi

‚Weil du zu einer solchen Zeit, da sie von allen Wesen begehrt wird, solche Worte sprichst, wirst du deshalb in langandauernde Finsternis (tamas) eingehen.'

Wort für Wort
yasmāt tvam īdṛśe kāle sarvabhūtepsite sati evam āttha vacas tasmāt tamo dīrghaṃ pravekṣyasi
‚Weil du zu einer solchen Zeit, da sie von allen Wesen begehrt wird, solche Worte sprichst, wirst du deshalb in langandauernde Finsternis (tamas) eingehen.'

sa vai dīrghatamā nāma śāpād ṛṣir ajāyata bṛhaspater bṛhatkīrter bṛhaspatir ivaujasā

So wurde durch den Fluch jener Seher geboren, namens Dīrghatamas [‚Langdunkel'], an Tatkraft dem hochberühmten Bṛhaspati selbst gleich.

Wort für Wort
sa vai dīrghatamā nāma śāpād ṛṣir ajāyata bṛhaspater bṛhatkīrter bṛhaspatir ivaujasā
So wurde durch den Fluch jener Seher geboren, namens Dīrghatamas [‚Langdunkel'], an Tatkraft dem hochberühmten Bṛhaspati selbst gleich.

sa putrāñ janayām āsa gautamādīn mahāyaśāḥ ṛṣer utathyasya tadā saṃtānakulavṛddhaye

Er zeugte Söhne, Gautama und andere, hochberühmt, zur Mehrung von Nachkommenschaft und Geschlecht des Sehers Utathya.

Wort für Wort
sa putrāñ janayām āsa gautamādīn mahāyaśāḥ ṛṣer utathyasya tadā saṃtānakulavṛddhaye
Er zeugte Söhne, Gautama und andere, hochberühmt, zur Mehrung von Nachkommenschaft und Geschlecht des Sehers Utathya.

lobhamohābhibhūtās te putrās taṃ gautamādayaḥ kāṣṭhe samudge prakṣipya gaṅgāyāṃ samavāsṛjan

Jene Söhne aber, von Gier und Verblendung überwältigt, die Gautama-Söhne, warfen ihn, in eine Kiste eingeschlossen, in die Gaṅgā.

Wort für Wort
lobhamohābhibhūtās te putrās taṃ gautamādayaḥ kāṣṭhe samudge prakṣipya gaṅgāyāṃ samavāsṛjan
Jene Söhne aber, von Gier und Verblendung überwältigt, die Gautama-Söhne, warfen ihn, in eine Kiste eingeschlossen, in die Gaṅgā.

na syād andhaś ca vṛddhaś ca bhartavyo 'yam iti sma te cintayitvā tataḥ krūrāḥ pratijagmur atho gṛhān

‚Er, blind und alt, soll nicht von uns ernährt werden müssen' – so dachten sie, die Grausamen, und kehrten darauf nach Hause zurück.

Wort für Wort
na syād andhaś ca vṛddhaś ca bhartavyo 'yam iti sma te cintayitvā tataḥ krūrāḥ pratijagmur atho gṛhān
‚Er, blind und alt, soll nicht von uns ernährt werden müssen' – so dachten sie, die Grausamen, und kehrten darauf nach Hause zurück.

so 'nusrotas tadā rājan plavamāna ṛṣis tataḥ jagāma subahūn deśān andhas tenoḍupena ha

Da trieb der blinde Seher, auf jenem Floß stromabwärts treibend, o König, durch sehr viele Länder.

Wort für Wort
so 'nusrotas tadā rājan plavamāna ṛṣis tataḥ jagāma subahūn deśān andhas tenoḍupena ha
Da trieb der blinde Seher, auf jenem Floß stromabwärts treibend, o König, durch sehr viele Länder.

taṃ tu rājā balir nāma sarvadharmaviśāradaḥ apaśyan majjanagataḥ srotasābhyāśam āgatam

Ihn aber erblickte ein König namens Bali, in allen Pflichten bewandert, als er, im Wasser badend, sich der Strömung näherte.

Wort für Wort
taṃ tu rājā balir nāma sarvadharmaviśāradaḥ apaśyan majjanagataḥ srotasābhyāśam āgatam
Ihn aber erblickte ein König namens Bali, in allen Pflichten bewandert, als er, im Wasser badend, sich der Strömung näherte.

[Anm.: Ob dieser König Bali mit dem gleichnamigen Dānava-König (Vater Bāṇas, aus der Vāmana-Erzählung) identisch ist, bleibt hier offen; spätere Überlieferung identifiziert sie gelegentlich miteinander.]

jagrāha cainaṃ dharmātmā baliḥ satyaparākramaḥ jñātvā cainaṃ sa vavre 'tha putrārthaṃ manujarṣabha

Der fromme Bali, von wahrhafter Tatkraft, ergriff ihn, und als er ihn erkannt hatte, bat er ihn, o Stier unter den Menschen, um eines Sohnes willen:

Wort für Wort
jagrāha cainaṃ dharmātmā baliḥ satyaparākramaḥ jñātvā cainaṃ sa vavre 'tha putrārthaṃ manujarṣabha
Der fromme Bali, von wahrhafter Tatkraft, ergriff ihn, und als er ihn erkannt hatte, bat er ihn, o Stier unter den Menschen, um eines Sohnes willen:

saṃtānārthaṃ mahābhāga bhāryāsu mama mānada putrān dharmārthakuśalān utpādayitum arhasi

‚Zur Fortpflanzung, o Hochgesegneter, sollst du mit meinen Gattinnen Söhne zeugen, die in Dharma und Artha kundig sind, o Gebieter.'

Wort für Wort
saṃtānārthaṃ mahābhāga bhāryāsu mama mānada putrān dharmārthakuśalān utpādayitum arhasi
‚Zur Fortpflanzung, o Hochgesegneter, sollst du mit meinen Gattinnen Söhne zeugen, die in Dharma und Artha kundig sind, o Gebieter.'

evam uktaḥ sa tejasvī taṃ tathety uktavān ṛṣiḥ tasmai sa rājā svāṃ bhāryāṃ sudeṣṇāṃ prāhiṇot tadā

So angesprochen, sagte der glanzvolle Seher ‚So sei es'; da schickte ihm der König darauf seine eigene Gattin Sudeṣṇā.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa tejasvī taṃ tathety uktavān ṛṣiḥ tasmai sa rājā svāṃ bhāryāṃ sudeṣṇāṃ prāhiṇot tadā
So angesprochen, sagte der glanzvolle Seher ‚So sei es'; da schickte ihm der König darauf seine eigene Gattin Sudeṣṇā.

andhaṃ vṛddhaṃ ca taṃ matvā na sā devī jagāma ha svāṃ tu dhātreyikāṃ tasmai vṛddhāya prāhiṇot tadā

Doch da sie ihn für blind und alt hielt, ging jene Königin nicht selbst zu ihm; ihre eigene Amme-Tochter aber schickte sie stattdessen zu dem Alten.

Wort für Wort
andhaṃ vṛddhaṃ ca taṃ matvā na sā devī jagāma ha svāṃ tu dhātreyikāṃ tasmai vṛddhāya prāhiṇot tadā
Doch da sie ihn für blind und alt hielt, ging jene Königin nicht selbst zu ihm; ihre eigene Amme-Tochter aber schickte sie stattdessen zu dem Alten.

tasyāṃ kākṣīvadādīn sa śūdrayonāv ṛṣir vaśī janayām āsa dharmātmā putrān ekādaśaiva tu

Mit ihr zeugte der beherrschte, fromme Seher Kākṣīvat und die anderen, elf Söhne, in einem Śūdra-Schoß.

Wort für Wort
tasyāṃ kākṣīvadādīn sa śūdrayonāv ṛṣir vaśī janayām āsa dharmātmā putrān ekādaśaiva tu
Mit ihr zeugte der beherrschte, fromme Seher Kākṣīvat und die anderen, elf Söhne, in einem Śūdra-Schoß.

kākṣīvadādīn putrāṃs tān dṛṣṭvā sarvān adhīyataḥ uvāca tam ṛṣiṃ rājā mamaita iti vīryavān

Als der tatkräftige König jene Söhne, Kākṣīvat und die anderen, sah, wie sie alle [die Veden] studierten, sprach er zu jenem Seher: ‚Diese sind mein.'

Wort für Wort
kākṣīvadādīn putrāṃs tān dṛṣṭvā sarvān adhīyataḥ uvāca tam ṛṣiṃ rājā mamaita iti vīryavān
Als der tatkräftige König jene Söhne, Kākṣīvat und die anderen, sah, wie sie alle [die Veden] studierten, sprach er zu jenem Seher: ‚Diese sind mein.'

nety uvāca maharṣis taṃ mamaivaita iti bruvan śūdrayonau mayā hīme jātāḥ kākṣīvadādayaḥ

‚Nein', sprach der große Seher, als jener sagte ‚Diese sind mein': ‚Diese, Kākṣīvat und die anderen, wurden von mir in einem Śūdra-Schoß gezeugt.

Wort für Wort
nety uvāca maharṣis taṃ mamaivaita iti bruvan śūdrayonau mayā hīme jātāḥ kākṣīvadādayaḥ
‚Nein', sprach der große Seher, als jener sagte ‚Diese sind mein': ‚Diese, Kākṣīvat und die anderen, wurden von mir in einem Śūdra-Schoß gezeugt.

andhaṃ vṛddhaṃ ca māṃ matvā sudeṣṇā mahiṣī tava avamanya dadau mūḍhā śūdrāṃ dhātreyikāṃ hi me

Deine Hauptgemahlin Sudeṣṇā hat mich, im Glauben, ich sei blind und alt, verachtet und mir törichterweise stattdessen eine Śūdra, ihre Amme-Tochter, gegeben.'

Wort für Wort
andhaṃ vṛddhaṃ ca māṃ matvā sudeṣṇā mahiṣī tava avamanya dadau mūḍhā śūdrāṃ dhātreyikāṃ hi me
Deine Hauptgemahlin Sudeṣṇā hat mich, im Glauben, ich sei blind und alt, verachtet und mir törichterweise stattdessen eine Śūdra, ihre Amme-Tochter, gegeben.'

tataḥ prasādayām āsa punas tam ṛṣisattamam baliḥ sudeṣṇāṃ bhāryāṃ ca tasmai tāṃ prāhiṇot punaḥ

Da besänftigte Bali den besten der Seher abermals und schickte ihm seine Gattin Sudeṣṇā erneut.

Wort für Wort
tataḥ prasādayām āsa punas tam ṛṣisattamam baliḥ sudeṣṇāṃ bhāryāṃ ca tasmai tāṃ prāhiṇot punaḥ
Da besänftigte Bali den besten der Seher abermals und schickte ihm seine Gattin Sudeṣṇā erneut.

tāṃ sa dīrghatamāṅgeṣu spṛṣṭvā devīm athābravīt bhaviṣyati kumāras te tejasvī satyavāg iti

Diese berührte Dīrghatamas an den Gliedern und sprach zur Königin: ‚Dir wird ein glanzvoller, wahrhaft redender Knabe geboren werden.'

Wort für Wort
tāṃ sa dīrghatamāṅgeṣu spṛṣṭvā devīm athābravīt bhaviṣyati kumāras te tejasvī satyavāg iti
Diese berührte Dīrghatamas an den Gliedern und sprach zur Königin: ‚Dir wird ein glanzvoller, wahrhaft redender Knabe geboren werden.'

tatrāṅgo nāma rājarṣiḥ sudeṣṇāyām ajāyata evam anye maheṣvāsā brāhmaṇaiḥ kṣatriyā bhuvi

Dort wurde ihr, der Sudeṣṇā, der königliche Seher namens Aṅga geboren. Ebenso wurden auch andere große Bogenschützen, Kṣatriyas, auf Erden von Brahmanen gezeugt,

Wort für Wort
tatrāṅgo nāma rājarṣiḥ sudeṣṇāyām ajāyata evam anye maheṣvāsā brāhmaṇaiḥ kṣatriyā bhuvi
Dort wurde ihr, der Sudeṣṇā, der königliche Seher namens Aṅga geboren. Ebenso wurden auch andere große Bogenschützen, Kṣatriyas, auf Erden von Brahmanen gezeugt,

jātāḥ paramadharmajñā vīryavanto mahābalāḥ etac chrutvā tvam apy atra mātaḥ kuru yathepsitam

hochgeboren, im höchsten Dharma bewandert, tapfer und mächtig. Nachdem du dies gehört hast, Mutter, handle du auch hierin nach deinem Willen.'

Wort für Wort
jātāḥ paramadharmajñā vīryavanto mahābalāḥ etac chrutvā tvam apy atra mātaḥ kuru yathepsitam
hochgeboren, im höchsten Dharma bewandert, tapfer und mächtig. Nachdem du dies gehört hast, Mutter, handle du auch hierin nach deinem Willen.'

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