Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 42: Āstīka-parva (Fortsetzung): Jaratkārus Ehebedingungen und Vāsukis Angebot Āstīka-parva (Fortsetzung): Jaratkāru gelobt seinen Ahnen, unter strengen Bedingungen zu heiraten, und Vāsuki bietet ihm seine Schwester an — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,042.001“ bis „01,042.020“). Jaratkāru erkennt sich als der gesuchte Nachkomme und gelobt seinen Ahnen, zu heiraten — jedoch nur eine gleichnamige Jungfrau, die ihm unaufgefordert wie ein Almosen dargeboten wird und deren Unterhalt er nicht zu tragen hat. Da er keine Frau findet, ruft er verzweifelt alle Wesen zur Hilfe auf. Die Schlangen, die über ihn wachen, melden dies Vāsuki, der daraufhin seine geschmückte Schwester in den Wald bringt und sie Jaratkāru anbietet; dieser zögert jedoch, da er weder den Namen kennt noch die Unterhaltsfrage geklärt ist. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | etac chrutvā jaratkārur duḥkhaśokaparāyaṇaḥ | uvāca svān pitṝn duḥkhād bāṣpasaṃdigdhayā girā

Sūta sprach: Als er dies gehört hatte, sprach Jaratkāru, dem Schmerz und Kummer hingegeben, aus Schmerz, mit von Tränen erstickter Stimme, zu seinen eigenen Ahnen:

Wort für Wort
sūta uvāca | etac chrutvā jaratkārur duḥkhaśokaparāyaṇaḥ | uvāca svān pitṝn duḥkhād bāṣpasaṃdigdhayā girā
Sūta sprach: Als er dies gehört hatte, sprach Jaratkāru, dem Schmerz und Kummer hingegeben, aus Schmerz, mit von Tränen erstickter Stimme, zu seinen eigenen Ahnen:

aham eva jaratkāruḥ kilbiṣī bhavatāṃ sutaḥ | tad daṇḍaṃ dhārayata me duṣkṛter akṛtātmanaḥ

„Ich selbst bin Jaratkāru, der Übeltäter, euer Nachkomme; verhängt daher über mich, den Übeltäter von unreifem Selbst, die Strafe.

Wort für Wort
aham eva jaratkāruḥ kilbiṣī bhavatāṃ sutaḥ | tad daṇḍaṃ dhārayata me duṣkṛter akṛtātmanaḥ
„Ich selbst bin Jaratkāru, der Übeltäter, euer Nachkomme; verhängt daher über mich, den Übeltäter von unreifem Selbst, die Strafe.

pitara ūcuḥ | putra diṣṭyāsi saṃprāpta imaṃ deśaṃ yadṛcchayā | kimarthaṃ ca tvayā brahman na kṛto dārasaṃgrahaḥ

Die Ahnen sprachen: „Zum Glück, mein Sohn, bist du zufällig an diesen Ort gelangt; und warum, o Brahmane, hast du keine Gattin genommen?“

Wort für Wort
pitara ūcuḥ | putra diṣṭyāsi saṃprāpta imaṃ deśaṃ yadṛcchayā | kimarthaṃ ca tvayā brahman na kṛto dārasaṃgrahaḥ
Die Ahnen sprachen: „Zum Glück, mein Sohn, bist du zufällig an diesen Ort gelangt; und warum, o Brahmane, hast du keine Gattin genommen?“

jaratkārur uvāca | mamāyaṃ pitaro nityaṃ hṛdy arthaḥ parivartate | ūrdhvaretāḥ śarīraṃ vai prāpayeyam amutra vai

Jaratkāru sprach: „Dies, ihr Ahnen, bewegt sich mir stets im Herzen als Vorsatz: keusch lebend möchte ich meinen Körper in jene andere Welt hinüberführen.

Wort für Wort
jaratkārur uvāca | mamāyaṃ pitaro nityaṃ hṛdy arthaḥ parivartate | ūrdhvaretāḥ śarīraṃ vai prāpayeyam amutra vai
Jaratkāru sprach: „Dies, ihr Ahnen, bewegt sich mir stets im Herzen als Vorsatz: keusch lebend möchte ich meinen Körper in jene andere Welt hinüberführen.

evaṃ dṛṣṭvā tu bhavataḥ śakuntān iva lambataḥ | mayā nivartitā buddhir brahmacaryāt pitāmahāḥ

Da ich euch nun aber so, wie Vögel an einer Stange hängend, gesehen habe, ist mein Entschluss vom Keuschheitsgelübde abgewandt worden, ihr Großväter.

Wort für Wort
evaṃ dṛṣṭvā tu bhavataḥ śakuntān iva lambataḥ | mayā nivartitā buddhir brahmacaryāt pitāmahāḥ
Da ich euch nun aber so, wie Vögel an einer Stange hängend, gesehen habe, ist mein Entschluss vom Keuschheitsgelübde abgewandt worden, ihr Großväter.

kariṣye vaḥ priyaṃ kāmaṃ nivekṣye nātra saṃśayaḥ | sanāmnīṃ yady ahaṃ kanyām upalapsye kadā cana

Ich werde euch den lieben Wunsch erfüllen; ich werde heiraten, daran ist kein Zweifel — wenn ich jemals eine gleichnamige Jungfrau erlangen sollte,

Wort für Wort
kariṣye vaḥ priyaṃ kāmaṃ nivekṣye nātra saṃśayaḥ | sanāmnīṃ yady ahaṃ kanyām upalapsye kadā cana
Ich werde euch den lieben Wunsch erfüllen; ich werde heiraten, daran ist kein Zweifel — wenn ich jemals eine gleichnamige Jungfrau erlangen sollte,

bhaviṣyati ca yā kā cid bhaikṣavat svayam udyatā | pratigrahītā tām asmi na bhareyaṃ ca yām aham

und wenn es irgendeine gäbe, die mir von selbst wie ein Almosen dargeboten würde — die werde ich annehmen; doch eine, die ich selbst zu unterhalten hätte, nehme ich nicht.

Wort für Wort
bhaviṣyati ca yā kā cid bhaikṣavat svayam udyatā | pratigrahītā tām asmi na bhareyaṃ ca yām aham
und wenn es irgendeine gäbe, die mir von selbst wie ein Almosen dargeboten würde — die werde ich annehmen; doch eine, die ich selbst zu unterhalten hätte, nehme ich nicht.

evaṃvidham ahaṃ kuryāṃ niveśaṃ prāpnuyāṃ yadi | anyathā na kariṣye tu satyam etat pitāmahāḥ

So beschaffen werde ich meine Heirat vollziehen, wenn ich eine solche Gelegenheit erlange; anders aber werde ich es nicht tun — dies ist wahr, ihr Großväter.“

Wort für Wort
evaṃvidham ahaṃ kuryāṃ niveśaṃ prāpnuyāṃ yadi | anyathā na kariṣye tu satyam etat pitāmahāḥ
So beschaffen werde ich meine Heirat vollziehen, wenn ich eine solche Gelegenheit erlange; anders aber werde ich es nicht tun — dies ist wahr, ihr Großväter.“

sūta uvāca | evam uktvā tu sa pitṝṃś cacāra pṛthivīṃ muniḥ | na ca sma labhate bhāryāṃ vṛddho 'yam iti śaunaka

Sūta sprach: Nachdem er so zu seinen Ahnen gesprochen hatte, durchwanderte der Muni die Erde; doch er fand keine Gattin, denn man dachte „dieser ist schon alt“, o Śaunaka.

Wort für Wort
sūta uvāca | evam uktvā tu sa pitṝṃś cacāra pṛthivīṃ muniḥ | na ca sma labhate bhāryāṃ vṛddho 'yam iti śaunaka
Sūta sprach: Nachdem er so zu seinen Ahnen gesprochen hatte, durchwanderte der Muni die Erde; doch er fand keine Gattin, denn man dachte „dieser ist schon alt“, o Śaunaka.

yadā nirvedam āpannaḥ pitṛbhiś coditas tathā | tadāraṇyaṃ sa gatvoccaiś cukrośa bhṛśaduḥkhitaḥ

Als er Verzweiflung ergriff, so von den Ahnen angetrieben, ging er da in den Wald und schrie laut, überaus bekümmert:

Wort für Wort
yadā nirvedam āpannaḥ pitṛbhiś coditas tathā | tadāraṇyaṃ sa gatvoccaiś cukrośa bhṛśaduḥkhitaḥ
Als er Verzweiflung ergriff, so von den Ahnen angetrieben, ging er da in den Wald und schrie laut, überaus bekümmert:

yāni bhūtāni santīha sthāvarāṇi carāṇi ca | antarhitāni vā yāni tāni śṛṇvantu me vacaḥ

„Alle Wesen, die hier sind, die unbeweglichen und die beweglichen, und auch die verborgenen — sie sollen mein Wort hören!

Wort für Wort
yāni bhūtāni santīha sthāvarāṇi carāṇi ca | antarhitāni vā yāni tāni śṛṇvantu me vacaḥ
„Alle Wesen, die hier sind, die unbeweglichen und die beweglichen, und auch die verborgenen — sie sollen mein Wort hören!

ugre tapasi vartantaṃ pitaraś codayanti mām | niviśasveti duḥkhārtās teṣāṃ priyacikīrṣayā

Mich, der ich in strenger Askese verharre, treiben die Ahnen an: ‚Heirate!' — sie, von Schmerz geplagt; aus dem Wunsch, ihnen zu Willen zu sein,

Wort für Wort
ugre tapasi vartantaṃ pitaraś codayanti mām | niviśasveti duḥkhārtās teṣāṃ priyacikīrṣayā
Mich, der ich in strenger Askese verharre, treiben die Ahnen an: ‚Heirate!' — sie, von Schmerz geplagt; aus dem Wunsch, ihnen zu Willen zu sein,

niveśārthy akhilāṃ bhūmiṃ kanyābhaikṣaṃ carāmi bhoḥ | daridro duḥkhaśīlaś ca pitṛbhiḥ saṃniyojitaḥ

suche ich, heiratswillig, die ganze Erde ab, gleichsam um Almosen einer Jungfrau bettelnd, o ihr Wesen; arm und von leidvollem Wesen, von den Ahnen dazu verpflichtet.

Wort für Wort
niveśārthy akhilāṃ bhūmiṃ kanyābhaikṣaṃ carāmi bhoḥ | daridro duḥkhaśīlaś ca pitṛbhiḥ saṃniyojitaḥ
suche ich, heiratswillig, die ganze Erde ab, gleichsam um Almosen einer Jungfrau bettelnd, o ihr Wesen; arm und von leidvollem Wesen, von den Ahnen dazu verpflichtet.

yasya kanyāsti bhūtasya ye mayeha prakīrtitāḥ | te me kanyāṃ prayacchantu carataḥ sarvatodiśam

Wer von den Wesen, die ich hier genannt habe, eine Tochter hat — der möge mir seine Tochter geben, mir, der ich nach allen Richtungen umherziehe.

Wort für Wort
yasya kanyāsti bhūtasya ye mayeha prakīrtitāḥ | te me kanyāṃ prayacchantu carataḥ sarvatodiśam
Wer von den Wesen, die ich hier genannt habe, eine Tochter hat — der möge mir seine Tochter geben, mir, der ich nach allen Richtungen umherziehe.

mama kanyā sanāmnī yā bhaikṣavac codyatā bhavet | bhareyaṃ caiva yāṃ nāhaṃ tāṃ me kanyāṃ prayacchata

Meine künftige Gattin soll eine gleichnamige Jungfrau sein, die mir wie ein Almosen dargeboten wird; und die ich nicht zu unterhalten habe — eine solche Jungfrau gebt mir!“

Wort für Wort
mama kanyā sanāmnī yā bhaikṣavac codyatā bhavet | bhareyaṃ caiva yāṃ nāhaṃ tāṃ me kanyāṃ prayacchata
Meine künftige Gattin soll eine gleichnamige Jungfrau sein, die mir wie ein Almosen dargeboten wird; und die ich nicht zu unterhalten habe — eine solche Jungfrau gebt mir!“

tatas te pannagā ye vai jaratkārau samāhitāḥ | tām ādāya pravṛttiṃ te vāsukeḥ pratyavedayan

Da meldeten jene Schlangen, die ständig auf Jaratkāru bedacht waren, diese Nachricht Vāsuki.

Wort für Wort
tatas te pannagā ye vai jaratkārau samāhitāḥ | tām ādāya pravṛttiṃ te vāsukeḥ pratyavedayan
Da meldeten jene Schlangen, die ständig auf Jaratkāru bedacht waren, diese Nachricht Vāsuki.

teṣāṃ śrutvā sa nāgendraḥ kanyāṃ tāṃ samalaṃkṛtām | pragṛhyāraṇyam agamat samīpaṃ tasya pannagaḥ

Nachdem er sie von ihnen gehört hatte, nahm jener Schlangenkönig jene geschmückte Jungfrau mit sich und begab sich, die Schlange, in den Wald, in seine Nähe.

Wort für Wort
teṣāṃ śrutvā sa nāgendraḥ kanyāṃ tāṃ samalaṃkṛtām | pragṛhyāraṇyam agamat samīpaṃ tasya pannagaḥ
Nachdem er sie von ihnen gehört hatte, nahm jener Schlangenkönig jene geschmückte Jungfrau mit sich und begab sich, die Schlange, in den Wald, in seine Nähe.

tatra tāṃ bhaikṣavat kanyāṃ prādāt tasmai mahātmane | nāgendro vāsukir brahman na sa tāṃ pratyagṛhṇata

Dort bot der Schlangenkönig Vāsuki jene Jungfrau, wie ein Almosen, jenem Hochgesinnten dar, o Brahmane; doch er nahm sie nicht an,

Wort für Wort
tatra tāṃ bhaikṣavat kanyāṃ prādāt tasmai mahātmane | nāgendro vāsukir brahman na sa tāṃ pratyagṛhṇata
Dort bot der Schlangenkönig Vāsuki jene Jungfrau, wie ein Almosen, jenem Hochgesinnten dar, o Brahmane; doch er nahm sie nicht an,

asanāmeti vai matvā bharaṇe cāvicārite | mokṣabhāve sthitaś cāpi dvandvībhūtaḥ parigrahe

da er meinte, sie trüge nicht denselben Namen, und wegen der ungeklärten Frage des Unterhalts; und er verblieb in Unentschlossenheit, gespalten hinsichtlich der Annahme.

Wort für Wort
asanāmeti vai matvā bharaṇe cāvicārite | mokṣabhāve sthitaś cāpi dvandvībhūtaḥ parigrahe
da er meinte, sie trüge nicht denselben Namen, und wegen der ungeklärten Frage des Unterhalts; und er verblieb in Unentschlossenheit, gespalten hinsichtlich der Annahme.

tato nāma sa kanyāyāḥ papraccha bhṛgunandana | vāsuke bharaṇaṃ cāsyā na kuryām ity uvāca ha

Da fragte er nach dem Namen der Jungfrau, o Spross Bhṛgus; und er sprach: „Vāsuki, auch für ihren Unterhalt werde ich nicht sorgen.“

Wort für Wort
tato nāma sa kanyāyāḥ papraccha bhṛgunandana | vāsuke bharaṇaṃ cāsyā na kuryām ity uvāca ha
Da fragte er nach dem Namen der Jungfrau, o Spross Bhṛgus; und er sprach: „Vāsuki, auch für ihren Unterhalt werde ich nicht sorgen.“

[Anm.: Adhyāya 42 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. „Spross Bhṛgus“ (bhṛgunandana) bezeichnet Śaunaka, den Zuhörer der Rahmenerzählung. Die Auflösung der Namensfrage – dass die Jungfrau tatsächlich ebenfalls „Jaratkāru“ heißt, wie in Adh.35 durch Brahmā festgelegt – folgt im nächsten Adhyāya.]

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