Kapitel 13: Āstīka-parva (Kurzfassung): Jaratkāru, Vāsukis Schwester und Āstīkas Rettungstat
Āstīka-parva (Kurzfassung): Jaratkārus Ahnen-Vision, die Heirat mit Vāsukis Schwester und Āstīkas Rettung der Schlangen — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,013.001“ bis „01,013.045“). Die Rahmenerzählung kehrt zu Śaunaka und Sūta zurück (vgl. Adhyāya 4–5); Śaunaka erbittet die Erzählung von Āstīka und Janamejayas Schlangenopfer. Sūta erzählt zunächst eine kompakte Kurzfassung der gesamten Āstīka-Geschichte: der Asket Jaratkāru sieht seine Ahnen kopfüber in einer Grube hängen, vom Aussterben der Linie bedroht, da er kinderlos ist; er verspricht, nur eine ihm namensgleiche Frau zu heiraten und findet sie in der Schlangen-Prinzessin Jaratkārū, Schwester des Nāga-Königs Vāsuki, die eigens für ihn aufbewahrt wurde, um den mütterlichen Fluch über die Schlangen (bei Janamejayas Opfer verbrannt zu werden) abzuwenden. Ihr Sohn Āstīka rettet später tatsächlich die Schlangen aus dem Feuer des Sarpasatra. Der Adhyāya endet mit Sūtas Frage, was nun ausführlicher erzählt werden solle — die folgenden Adhyāyas dürften die Vorgeschichte (Kadrū-Vinatā-Wette, Garuḍas Geburt) und die ausführliche Opferszene nachliefern. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
śaunaka uvāca | kimarthaṃ rājaśārdūlaḥ sa rājā janamejayaḥ | sarpasatreṇa sarpāṇāṃ gato 'ntaṃ tad vadasva me
Śaunaka sprach: „Weshalb ist jener König Janamejaya, der Tiger unter den Königen, durch das Schlangenopfer zum Ende der Schlangen gelangt? Das sage mir.
Wort für Wort
śaunaka uvāca | kimarthaṃ rājaśārdūlaḥ sa rājā janamejayaḥ | sarpasatreṇa sarpāṇāṃ gato 'ntaṃ tad vadasva me
Śaunaka sprach: „Weshalb ist jener König Janamejaya, der Tiger unter den Königen, durch das Schlangenopfer zum Ende der Schlangen gelangt? Das sage mir.
sūta uvāca | mahad ākhyānam āstīkaṃ yatraitat procyate dvija | sarvam etad aśeṣeṇa śṛṇu me vadatāṃ vara
Sūta sprach: „Die große Erzählung von Āstīka, worin dies verkündet wird, o Zweifachgeborener – höre dies alles vollständig von mir, o Vortrefflichster der Redner.
Wort für Wort
sūta uvāca | mahad ākhyānam āstīkaṃ yatraitat procyate dvija | sarvam etad aśeṣeṇa śṛṇu me vadatāṃ vara
Sūta sprach: „Die große Erzählung von Āstīka, worin dies verkündet wird, o Zweifachgeborener – höre dies alles vollständig von mir, o Vortrefflichster der Redner.
Bekannt als Jaratkāru, ein großer Weiser, streng enthaltsam, kundig der rechten Ordnung, der Vortrefflichste unter den Yāyāvaras [einer Klasse wandernder Asketen], seinen strengen Gelübden treu.
Bekannt als Jaratkāru, ein großer Weiser, streng enthaltsam, kundig der rechten Ordnung, der Vortrefflichste unter den Yāyāvaras [einer Klasse wandernder Asketen], seinen strengen Gelübden treu.
Die Vorväter sprachen: „Wir sind Weise, genannt Yāyāvaras, unseren strengen Gelübden treu; wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Brahmane, sinken wir hinab zur Erde.
Die Vorväter sprachen: „Wir sind Weise, genannt Yāyāvaras, unseren strengen Gelübden treu; wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Brahmane, sinken wir hinab zur Erde.
na sa putrāñ janayituṃ dārān mūḍhaś cikīrṣati | tena lambāmahe garte saṃtānaprakṣayād iha
Er, der Törichte, beabsichtigt nicht, eine Gattin zu nehmen, um Söhne zu zeugen; deswegen hängen wir hier in dieser Grube, wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft.
Wort für Wort
na sa putrāñ janayituṃ dārān mūḍhaś cikīrṣati | tena lambāmahe garte saṃtānaprakṣayād iha
Er, der Törichte, beabsichtigt nicht, eine Gattin zu nehmen, um Söhne zu zeugen; deswegen hängen wir hier in dieser Grube, wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft.
anāthās tena nāthena yathā duṣkṛtinas tathā | kas tvaṃ bandhur ivāsmākam anuśocasi sattama
Wir sind, obwohl wir einen Beschützer haben, herrenlos, wie Übeltäter. Wer bist du, der du wie ein Verwandter mit uns Mitleid empfindest, o Trefflicher?
Wort für Wort
anāthās tena nāthena yathā duṣkṛtinas tathā | kas tvaṃ bandhur ivāsmākam anuśocasi sattama
Wir sind, obwohl wir einen Beschützer haben, herrenlos, wie Übeltäter. Wer bist du, der du wie ein Verwandter mit uns Mitleid empfindest, o Trefflicher?
pitara ūcuḥ | yatasva yatnavāṃs tāta saṃtānāya kulasya naḥ | ātmano 'rthe 'smadarthe ca dharma ity eva cābhibho
Die Vorväter sprachen: „Bemühe dich mit Eifer, mein Sohn, um die Nachkommenschaft unseres Geschlechts – um deiner selbst und um unseretwillen; dies ist eben die rechte Ordnung, o Gebieter.
Wort für Wort
pitara ūcuḥ | yatasva yatnavāṃs tāta saṃtānāya kulasya naḥ | ātmano 'rthe 'smadarthe ca dharma ity eva cābhibho
Die Vorväter sprachen: „Bemühe dich mit Eifer, mein Sohn, um die Nachkommenschaft unseres Geschlechts – um deiner selbst und um unseretwillen; dies ist eben die rechte Ordnung, o Gebieter.
na hi dharmaphalais tāta na tapobhiḥ susaṃcitaiḥ | tāṃ gatiṃ prāpnuvantīha putriṇo yāṃ vrajanti ha
Denn weder durch die Früchte der Pflichterfüllung, mein Sohn, noch durch wohlangesammelte Askese erlangen Kinderlose jenen Zustand, den die Väter von Söhnen erlangen.
Wort für Wort
na hi dharmaphalais tāta na tapobhiḥ susaṃcitaiḥ | tāṃ gatiṃ prāpnuvantīha putriṇo yāṃ vrajanti ha
Denn weder durch die Früchte der Pflichterfüllung, mein Sohn, noch durch wohlangesammelte Askese erlangen Kinderlose jenen Zustand, den die Väter von Söhnen erlangen.
tad dāragrahaṇe yatnaṃ saṃtatyāṃ ca manaḥ kuru | putrakāsmanniyogāt tvam etan naḥ paramaṃ hitam
So richte deinen Eifer auf das Nehmen einer Gattin und deinen Sinn auf Nachkommenschaft; mein Sohn, tue dies auf unser Geheiß – es ist unser höchstes Wohl.“
Wort für Wort
tad dāragrahaṇe yatnaṃ saṃtatyāṃ ca manaḥ kuru | putrakāsmanniyogāt tvam etan naḥ paramaṃ hitam
So richte deinen Eifer auf das Nehmen einer Gattin und deinen Sinn auf Nachkommenschaft; mein Sohn, tue dies auf unser Geheiß – es ist unser höchstes Wohl.“
sanāmnī yā bhavitrī me ditsitā caiva bandhubhiḥ | bhaikṣavat tām ahaṃ kanyām upayaṃsye vidhānataḥ
Ein Mädchen, das denselben Namen wie ich trägt und mir von ihren Verwandten freiwillig gegeben wird – wie eine Bettelgabe, werde ich sie ritenkonform zur Frau nehmen.
Wort für Wort
sanāmnī yā bhavitrī me ditsitā caiva bandhubhiḥ | bhaikṣavat tām ahaṃ kanyām upayaṃsye vidhānataḥ
Ein Mädchen, das denselben Namen wie ich trägt und mir von ihren Verwandten freiwillig gegeben wird – wie eine Bettelgabe, werde ich sie ritenkonform zur Frau nehmen.
sūta uvāca | tato niveśāya tadā sa vipraḥ saṃśitavrataḥ | mahīṃ cacāra dārārthī na ca dārān avindata
Sūta sprach: Da durchwanderte jener Brahmane, seinen strengen Gelübden treu, um der Niederlassung willen die Erde, eine Gattin suchend, doch fand er keine Gattin.
Wort für Wort
sūta uvāca | tato niveśāya tadā sa vipraḥ saṃśitavrataḥ | mahīṃ cacāra dārārthī na ca dārān avindata
Sūta sprach: Da durchwanderte jener Brahmane, seinen strengen Gelübden treu, um der Niederlassung willen die Erde, eine Gattin suchend, doch fand er keine Gattin.
Vāsuki sprach: „O Jaratkāru, ‚Jaratkārū‘ heißt diese meine jüngere Schwester; sie wurde einst für dich aufbewahrt – nimm sie an, o Bester der Zweifachgeborenen.“
Vāsuki sprach: „O Jaratkāru, ‚Jaratkārū‘ heißt diese meine jüngere Schwester; sie wurde einst für dich aufbewahrt – nimm sie an, o Bester der Zweifachgeborenen.“
[Anm.: Bemerkenswerte Namensgleichheit im Original: der Weise Jaratkāru (maskulin) und seine künftige Gattin Jaratkārū (feminin) tragen denselben Namen – genau die Bedingung, die Jaratkāru zuvor gestellt hatte (Vers 25/32).]
sūta uvāca | mātrā hi bhujagāḥ śaptāḥ pūrvaṃ brahmavidāṃ vara | janamejayasya vo yajñe dhakṣyaty anilasārathiḥ
Sūta sprach: Die Schlangen nämlich waren einst von ihrer Mutter verflucht worden, o Vortrefflichster der Kenner des Brahman: „Bei Janamejayas Opfer wird euch der Windgefährte [Agni] verbrennen.“
Wort für Wort
sūta uvāca | mātrā hi bhujagāḥ śaptāḥ pūrvaṃ brahmavidāṃ vara | janamejayasya vo yajñe dhakṣyaty anilasārathiḥ
Sūta sprach: Die Schlangen nämlich waren einst von ihrer Mutter verflucht worden, o Vortrefflichster der Kenner des Brahman: „Bei Janamejayas Opfer wird euch der Windgefährte [Agni] verbrennen.“
[Anm.: Die Vorgeschichte dieses Mutter-Fluchs (Kadrū gegen ihre eigenen Söhne, die Nāgas, wegen einer verlorenen Wette um die Farbe des Pferdes Uccaiḥśravas) wird hier vorausgesetzt, aber nicht erzählt; sie dürfte in einem der folgenden Adhyāyas ausführlich nachgeholt werden.]
Danach, nach langer Zeit, veranstaltete der Herrscher der Menschen aus dem Geschlecht der Pāṇḍavas das große Opfer, genannt Sarpasatra, wie überliefert ist.
Danach, nach langer Zeit, veranstaltete der Herrscher der Menschen aus dem Geschlecht der Pāṇḍavas das große Opfer, genannt Sarpasatra, wie überliefert ist.
nāgāṃś ca mātulāṃś caiva tathā cānyān sa bāndhavān | pitṝṃś ca tārayām āsa saṃtatyā tapasā tathā | vrataiś ca vividhair brahman svādhyāyaiś cānṛṇo 'bhavat
Die Nāgas, seine Onkel mütterlicherseits, sowie auch die anderen Verwandten und die Vorväter rettete er hinüber – durch Nachkommenschaft, durch Askese, durch mancherlei Gelübde, o Brahmane, und durch vedisches Studium wurde er seiner Schuld ledig.
Wort für Wort
nāgāṃś ca mātulāṃś caiva tathā cānyān sa bāndhavān | pitṝṃś ca tārayām āsa saṃtatyā tapasā tathā | vrataiś ca vividhair brahman svādhyāyaiś cānṛṇo 'bhavat
Die Nāgas, seine Onkel mütterlicherseits, sowie auch die anderen Verwandten und die Vorväter rettete er hinüber – durch Nachkommenschaft, durch Askese, durch mancherlei Gelübde, o Brahmane, und durch vedisches Studium wurde er seiner Schuld ledig.
Nachdem er die schwere Last der Vorväter abgetragen hatte, ging Jaratkāru, seinen strengen Gelübden treu, zum Himmel, zusammen mit seinen eigenen Ahnen.
Nachdem er die schwere Last der Vorväter abgetragen hatte, ging Jaratkāru, seinen strengen Gelübden treu, zum Himmel, zusammen mit seinen eigenen Ahnen.
Nachdem er den Sohn Āstīka und die unübertreffliche Pflichterfüllung erlangt hatte, ging der Weise Jaratkāru nach überaus langer Zeit in den Himmel ein.
Nachdem er den Sohn Āstīka und die unübertreffliche Pflichterfüllung erlangt hatte, ging der Weise Jaratkāru nach überaus langer Zeit in den Himmel ein.
Dies ist die Erzählung von Āstīka, wie sie mir überliefert wurde, vollständig verkündet. Sprich, o Tiger unter den Bhṛgus, was soll weiter erzählt werden?“
Dies ist die Erzählung von Āstīka, wie sie mir überliefert wurde, vollständig verkündet. Sprich, o Tiger unter den Bhṛgus, was soll weiter erzählt werden?“
[Anm.: Adhyāya 13 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Diese kompakte Fassung ist eine im Epos übliche vorwegnehmende Kurzfassung der gesamten Āstīka-Erzählung, bevor die ausführliche Version (mit u.a. der Kadrū-Vinatā-Wette, Garuḍas Geburt und der ausführlichen Sarpasatra-Szene) in den folgenden Adhyāyas entfaltet wird. „Bhṛguśārdūla“ [Tiger unter den Bhṛgus] ist eine Anrede an Śaunaka als Bhārgava-Nachkommen.]