Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 13: Āstīka-parva (Kurzfassung): Jaratkāru, Vāsukis Schwester und Āstīkas Rettungstat Āstīka-parva (Kurzfassung): Jaratkārus Ahnen-Vision, die Heirat mit Vāsukis Schwester und Āstīkas Rettung der Schlangen — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,013.001“ bis „01,013.045“). Die Rahmenerzählung kehrt zu Śaunaka und Sūta zurück (vgl. Adhyāya 4–5); Śaunaka erbittet die Erzählung von Āstīka und Janamejayas Schlangenopfer. Sūta erzählt zunächst eine kompakte Kurzfassung der gesamten Āstīka-Geschichte: der Asket Jaratkāru sieht seine Ahnen kopfüber in einer Grube hängen, vom Aussterben der Linie bedroht, da er kinderlos ist; er verspricht, nur eine ihm namensgleiche Frau zu heiraten und findet sie in der Schlangen-Prinzessin Jaratkārū, Schwester des Nāga-Königs Vāsuki, die eigens für ihn aufbewahrt wurde, um den mütterlichen Fluch über die Schlangen (bei Janamejayas Opfer verbrannt zu werden) abzuwenden. Ihr Sohn Āstīka rettet später tatsächlich die Schlangen aus dem Feuer des Sarpasatra. Der Adhyāya endet mit Sūtas Frage, was nun ausführlicher erzählt werden solle — die folgenden Adhyāyas dürften die Vorgeschichte (Kadrū-Vinatā-Wette, Garuḍas Geburt) und die ausführliche Opferszene nachliefern. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

śaunaka uvāca | kimarthaṃ rājaśārdūlaḥ sa rājā janamejayaḥ | sarpasatreṇa sarpāṇāṃ gato 'ntaṃ tad vadasva me

Śaunaka sprach: „Weshalb ist jener König Janamejaya, der Tiger unter den Königen, durch das Schlangenopfer zum Ende der Schlangen gelangt? Das sage mir.

Wort für Wort
śaunaka uvāca | kimarthaṃ rājaśārdūlaḥ sa rājā janamejayaḥ | sarpasatreṇa sarpāṇāṃ gato 'ntaṃ tad vadasva me
Śaunaka sprach: „Weshalb ist jener König Janamejaya, der Tiger unter den Königen, durch das Schlangenopfer zum Ende der Schlangen gelangt? Das sage mir.

āstīkaś ca dvijaśreṣṭhaḥ kimarthaṃ japatāṃ varaḥ | mokṣayām āsa bhujagān dīptāt tasmād dhutāśanāt

Und weshalb hat Āstīka, der Beste der Zweifachgeborenen, der Vortrefflichste der Veden-Rezitierenden, die Schlangen aus jenem lodernden Feuer befreit?

Wort für Wort
āstīkaś ca dvijaśreṣṭhaḥ kimarthaṃ japatāṃ varaḥ | mokṣayām āsa bhujagān dīptāt tasmād dhutāśanāt
Und weshalb hat Āstīka, der Beste der Zweifachgeborenen, der Vortrefflichste der Veden-Rezitierenden, die Schlangen aus jenem lodernden Feuer befreit?

kasya putraḥ sa rājāsīt sarpasatraṃ ya āharat | sa ca dvijātipravaraḥ kasya putro vadasva me

Wessen Sohn war jener König, der das Schlangenopfer veranstaltete? Und wessen Sohn war jener Vortrefflichste der Zweifachgeborenen? Das sage mir.“

Wort für Wort
kasya putraḥ sa rājāsīt sarpasatraṃ ya āharat | sa ca dvijātipravaraḥ kasya putro vadasva me
Wessen Sohn war jener König, der das Schlangenopfer veranstaltete? Und wessen Sohn war jener Vortrefflichste der Zweifachgeborenen? Das sage mir.“

sūta uvāca | mahad ākhyānam āstīkaṃ yatraitat procyate dvija | sarvam etad aśeṣeṇa śṛṇu me vadatāṃ vara

Sūta sprach: „Die große Erzählung von Āstīka, worin dies verkündet wird, o Zweifachgeborener – höre dies alles vollständig von mir, o Vortrefflichster der Redner.

Wort für Wort
sūta uvāca | mahad ākhyānam āstīkaṃ yatraitat procyate dvija | sarvam etad aśeṣeṇa śṛṇu me vadatāṃ vara
Sūta sprach: „Die große Erzählung von Āstīka, worin dies verkündet wird, o Zweifachgeborener – höre dies alles vollständig von mir, o Vortrefflichster der Redner.

śaunaka uvāca | śrotum icchāmy aśeṣeṇa kathām etāṃ manoramām | āstīkasya purāṇasya brāhmaṇasya yaśasvinaḥ

Śaunaka sprach: „Ich wünsche vollständig diese entzückende Erzählung zu hören, von dem altehrwürdigen, ruhmreichen Brahmanen Āstīka.“

Wort für Wort
śaunaka uvāca | śrotum icchāmy aśeṣeṇa kathām etāṃ manoramām | āstīkasya purāṇasya brāhmaṇasya yaśasvinaḥ
Śaunaka sprach: „Ich wünsche vollständig diese entzückende Erzählung zu hören, von dem altehrwürdigen, ruhmreichen Brahmanen Āstīka.“

sūta uvāca | itihāsam imaṃ vṛddhāḥ purāṇaṃ paricakṣate | kṛṣṇadvaipāyanaproktaṃ naimiṣāraṇyavāsinaḥ

Sūta sprach: „Diese Geschichte bezeichnen die Alten, die Bewohner des Naimiṣa-Waldes, als von Kṛṣṇa Dvaipāyana verkündetes Purāṇa.

Wort für Wort
sūta uvāca | itihāsam imaṃ vṛddhāḥ purāṇaṃ paricakṣate | kṛṣṇadvaipāyanaproktaṃ naimiṣāraṇyavāsinaḥ
Sūta sprach: „Diese Geschichte bezeichnen die Alten, die Bewohner des Naimiṣa-Waldes, als von Kṛṣṇa Dvaipāyana verkündetes Purāṇa.

pūrvaṃ pracoditaḥ sūtaḥ pitā me lomaharṣaṇaḥ | śiṣyo vyāsasya medhāvī brāhmaṇair idam uktavān

Einst, dazu aufgefordert, hat mein Vater, der Sūta Lomaharṣaṇa, der gelehrte Schüler Vyāsas, dies den Brahmanen erzählt.

Wort für Wort
pūrvaṃ pracoditaḥ sūtaḥ pitā me lomaharṣaṇaḥ | śiṣyo vyāsasya medhāvī brāhmaṇair idam uktavān
Einst, dazu aufgefordert, hat mein Vater, der Sūta Lomaharṣaṇa, der gelehrte Schüler Vyāsas, dies den Brahmanen erzählt.

tasmād aham upaśrutya pravakṣyāmi yathātatham | idam āstīkam ākhyānaṃ tubhyaṃ śaunaka pṛcchate

Nachdem ich es von ihm gehört habe, will ich es dir wahrheitsgemäß erzählen, dir, o Śaunaka, der du danach fragst – diese Erzählung von Āstīka.

Wort für Wort
tasmād aham upaśrutya pravakṣyāmi yathātatham | idam āstīkam ākhyānaṃ tubhyaṃ śaunaka pṛcchate
Nachdem ich es von ihm gehört habe, will ich es dir wahrheitsgemäß erzählen, dir, o Śaunaka, der du danach fragst – diese Erzählung von Āstīka.

āstīkasya pitā hy āsīt prajāpatisamaḥ prabhuḥ | brahmacārī yatāhāras tapasy ugre rataḥ sadā

Āstīkas Vater war nämlich ein Herr, Prajāpati gleich, ein Keuschheits-Student von gemäßigter Nahrung, stets strenger Askese ergeben.

Wort für Wort
āstīkasya pitā hy āsīt prajāpatisamaḥ prabhuḥ | brahmacārī yatāhāras tapasy ugre rataḥ sadā
Āstīkas Vater war nämlich ein Herr, Prajāpati gleich, ein Keuschheits-Student von gemäßigter Nahrung, stets strenger Askese ergeben.

jaratkārur iti khyāta ūrdhvaretā mahān ṛṣiḥ | yāyāvarāṇāṃ dharmajñaḥ pravaraḥ saṃśitavrataḥ

Bekannt als Jaratkāru, ein großer Weiser, streng enthaltsam, kundig der rechten Ordnung, der Vortrefflichste unter den Yāyāvaras [einer Klasse wandernder Asketen], seinen strengen Gelübden treu.

Wort für Wort
jaratkārur iti khyāta ūrdhvaretā mahān ṛṣiḥ | yāyāvarāṇāṃ dharmajñaḥ pravaraḥ saṃśitavrataḥ
Bekannt als Jaratkāru, ein großer Weiser, streng enthaltsam, kundig der rechten Ordnung, der Vortrefflichste unter den Yāyāvaras [einer Klasse wandernder Asketen], seinen strengen Gelübden treu.

aṭamānaḥ kadā cit sa svān dadarśa pitāmahān | lambamānān mahāgarte pādair ūrdhvair adhomukhān

Als er einst umherwanderte, erblickte er seine eigenen Vorväter, die in einer großen Grube hingen, mit den Füßen nach oben, das Gesicht nach unten.

Wort für Wort
aṭamānaḥ kadā cit sa svān dadarśa pitāmahān | lambamānān mahāgarte pādair ūrdhvair adhomukhān
Als er einst umherwanderte, erblickte er seine eigenen Vorväter, die in einer großen Grube hingen, mit den Füßen nach oben, das Gesicht nach unten.

tān abravīt sa dṛṣṭvaiva jaratkāruḥ pitāmahān | ke bhavanto 'valambante garte 'smin vā adhomukhāḥ

Als er sie erblickte, sprach Jaratkāru zu jenen Vorvätern: „Wer seid ihr, die ihr in dieser Grube hängt, mit dem Gesicht nach unten,

Wort für Wort
tān abravīt sa dṛṣṭvaiva jaratkāruḥ pitāmahān | ke bhavanto 'valambante garte 'smin vā adhomukhāḥ
Als er sie erblickte, sprach Jaratkāru zu jenen Vorvätern: „Wer seid ihr, die ihr in dieser Grube hängt, mit dem Gesicht nach unten,

vīraṇastambake lagnāḥ sarvataḥ paribhakṣite | mūṣakena nigūḍhena garte 'smin nityavāsinā

an einem Grasbüschel hängend, das ringsum bereits abgefressen ist, von einer verborgenen Maus, die ständig in dieser Grube wohnt?“

Wort für Wort
vīraṇastambake lagnāḥ sarvataḥ paribhakṣite | mūṣakena nigūḍhena garte 'smin nityavāsinā
an einem Grasbüschel hängend, das ringsum bereits abgefressen ist, von einer verborgenen Maus, die ständig in dieser Grube wohnt?“

pitara ūcuḥ | yāyāvarā nāma vayam ṛṣayaḥ saṃśitavratāḥ | saṃtānaprakṣayād brahmann adho gacchāma medinīm

Die Vorväter sprachen: „Wir sind Weise, genannt Yāyāvaras, unseren strengen Gelübden treu; wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Brahmane, sinken wir hinab zur Erde.

Wort für Wort
pitara ūcuḥ | yāyāvarā nāma vayam ṛṣayaḥ saṃśitavratāḥ | saṃtānaprakṣayād brahmann adho gacchāma medinīm
Die Vorväter sprachen: „Wir sind Weise, genannt Yāyāvaras, unseren strengen Gelübden treu; wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft, o Brahmane, sinken wir hinab zur Erde.

asmākaṃ saṃtatis tv eko jaratkārur iti śrutaḥ | mandabhāgyo 'lpabhāgyānāṃ tapa eva samāsthitaḥ

Unser einziger Nachkomme ist einer, bekannt als Jaratkāru, unglücklich unter den Unglücklichen, der sich einzig der Askese hingegeben hat.

Wort für Wort
asmākaṃ saṃtatis tv eko jaratkārur iti śrutaḥ | mandabhāgyo 'lpabhāgyānāṃ tapa eva samāsthitaḥ
Unser einziger Nachkomme ist einer, bekannt als Jaratkāru, unglücklich unter den Unglücklichen, der sich einzig der Askese hingegeben hat.

na sa putrāñ janayituṃ dārān mūḍhaś cikīrṣati | tena lambāmahe garte saṃtānaprakṣayād iha

Er, der Törichte, beabsichtigt nicht, eine Gattin zu nehmen, um Söhne zu zeugen; deswegen hängen wir hier in dieser Grube, wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft.

Wort für Wort
na sa putrāñ janayituṃ dārān mūḍhaś cikīrṣati | tena lambāmahe garte saṃtānaprakṣayād iha
Er, der Törichte, beabsichtigt nicht, eine Gattin zu nehmen, um Söhne zu zeugen; deswegen hängen wir hier in dieser Grube, wegen des Erlöschens unserer Nachkommenschaft.

anāthās tena nāthena yathā duṣkṛtinas tathā | kas tvaṃ bandhur ivāsmākam anuśocasi sattama

Wir sind, obwohl wir einen Beschützer haben, herrenlos, wie Übeltäter. Wer bist du, der du wie ein Verwandter mit uns Mitleid empfindest, o Trefflicher?

Wort für Wort
anāthās tena nāthena yathā duṣkṛtinas tathā | kas tvaṃ bandhur ivāsmākam anuśocasi sattama
Wir sind, obwohl wir einen Beschützer haben, herrenlos, wie Übeltäter. Wer bist du, der du wie ein Verwandter mit uns Mitleid empfindest, o Trefflicher?

jñātum icchāmahe brahman ko bhavān iha dhiṣṭhitaḥ | kimarthaṃ caiva naḥ śocyān anukampitum arhasi

Wir wünschen zu wissen, o Brahmane, wer du bist, der hier steht, und weshalb du mit uns, den Bemitleidenswerten, Mitleid empfindest.“

Wort für Wort
jñātum icchāmahe brahman ko bhavān iha dhiṣṭhitaḥ | kimarthaṃ caiva naḥ śocyān anukampitum arhasi
Wir wünschen zu wissen, o Brahmane, wer du bist, der hier steht, und weshalb du mit uns, den Bemitleidenswerten, Mitleid empfindest.“

jaratkārur uvāca | mama pūrve bhavanto vai pitaraḥ sapitāmahāḥ | brūta kiṃ karavāṇy adya jaratkārur ahaṃ svayam

Jaratkāru sprach: „Ihr seid ja meine Vorväter samt den Ahnen! Sagt mir, was ich heute tun soll – ich selbst bin Jaratkāru.“

Wort für Wort
jaratkārur uvāca | mama pūrve bhavanto vai pitaraḥ sapitāmahāḥ | brūta kiṃ karavāṇy adya jaratkārur ahaṃ svayam
Jaratkāru sprach: „Ihr seid ja meine Vorväter samt den Ahnen! Sagt mir, was ich heute tun soll – ich selbst bin Jaratkāru.“

pitara ūcuḥ | yatasva yatnavāṃs tāta saṃtānāya kulasya naḥ | ātmano 'rthe 'smadarthe ca dharma ity eva cābhibho

Die Vorväter sprachen: „Bemühe dich mit Eifer, mein Sohn, um die Nachkommenschaft unseres Geschlechts – um deiner selbst und um unseretwillen; dies ist eben die rechte Ordnung, o Gebieter.

Wort für Wort
pitara ūcuḥ | yatasva yatnavāṃs tāta saṃtānāya kulasya naḥ | ātmano 'rthe 'smadarthe ca dharma ity eva cābhibho
Die Vorväter sprachen: „Bemühe dich mit Eifer, mein Sohn, um die Nachkommenschaft unseres Geschlechts – um deiner selbst und um unseretwillen; dies ist eben die rechte Ordnung, o Gebieter.

na hi dharmaphalais tāta na tapobhiḥ susaṃcitaiḥ | tāṃ gatiṃ prāpnuvantīha putriṇo yāṃ vrajanti ha

Denn weder durch die Früchte der Pflichterfüllung, mein Sohn, noch durch wohlangesammelte Askese erlangen Kinderlose jenen Zustand, den die Väter von Söhnen erlangen.

Wort für Wort
na hi dharmaphalais tāta na tapobhiḥ susaṃcitaiḥ | tāṃ gatiṃ prāpnuvantīha putriṇo yāṃ vrajanti ha
Denn weder durch die Früchte der Pflichterfüllung, mein Sohn, noch durch wohlangesammelte Askese erlangen Kinderlose jenen Zustand, den die Väter von Söhnen erlangen.

tad dāragrahaṇe yatnaṃ saṃtatyāṃ ca manaḥ kuru | putrakāsmanniyogāt tvam etan naḥ paramaṃ hitam

So richte deinen Eifer auf das Nehmen einer Gattin und deinen Sinn auf Nachkommenschaft; mein Sohn, tue dies auf unser Geheiß – es ist unser höchstes Wohl.“

Wort für Wort
tad dāragrahaṇe yatnaṃ saṃtatyāṃ ca manaḥ kuru | putrakāsmanniyogāt tvam etan naḥ paramaṃ hitam
So richte deinen Eifer auf das Nehmen einer Gattin und deinen Sinn auf Nachkommenschaft; mein Sohn, tue dies auf unser Geheiß – es ist unser höchstes Wohl.“

jaratkārur uvāca | na dārān vai kariṣyāmi sadā me bhāvitaṃ manaḥ | bhavatāṃ tu hitārthāya kariṣye dārasaṃgraham

Jaratkāru sprach: „Ich werde keine Gattin nehmen; stets war mein Sinn so gerichtet. Doch euch zum Wohle will ich die Aufnahme einer Gattin vollziehen.

Wort für Wort
jaratkārur uvāca | na dārān vai kariṣyāmi sadā me bhāvitaṃ manaḥ | bhavatāṃ tu hitārthāya kariṣye dārasaṃgraham
Jaratkāru sprach: „Ich werde keine Gattin nehmen; stets war mein Sinn so gerichtet. Doch euch zum Wohle will ich die Aufnahme einer Gattin vollziehen.

samayena ca kartāham anena vidhipūrvakam | tathā yady upalapsyāmi kariṣye nānyathā tv aham

Unter dieser Bedingung werde ich es tun, dem Ritus gemäß: nur wenn ich eine solche finde, werde ich es tun, nicht anders.

Wort für Wort
samayena ca kartāham anena vidhipūrvakam | tathā yady upalapsyāmi kariṣye nānyathā tv aham
Unter dieser Bedingung werde ich es tun, dem Ritus gemäß: nur wenn ich eine solche finde, werde ich es tun, nicht anders.

sanāmnī yā bhavitrī me ditsitā caiva bandhubhiḥ | bhaikṣavat tām ahaṃ kanyām upayaṃsye vidhānataḥ

Ein Mädchen, das denselben Namen wie ich trägt und mir von ihren Verwandten freiwillig gegeben wird – wie eine Bettelgabe, werde ich sie ritenkonform zur Frau nehmen.

Wort für Wort
sanāmnī yā bhavitrī me ditsitā caiva bandhubhiḥ | bhaikṣavat tām ahaṃ kanyām upayaṃsye vidhānataḥ
Ein Mädchen, das denselben Namen wie ich trägt und mir von ihren Verwandten freiwillig gegeben wird – wie eine Bettelgabe, werde ich sie ritenkonform zur Frau nehmen.

daridrāya hi me bhāryāṃ ko dāsyati viśeṣataḥ | pratigrahīṣye bhikṣāṃ tu yadi kaś cit pradāsyati

Denn wer wird mir, dem Armen, überhaupt eine Gattin geben? Als Almosen aber werde ich sie annehmen, falls mir jemand eine gibt.

Wort für Wort
daridrāya hi me bhāryāṃ ko dāsyati viśeṣataḥ | pratigrahīṣye bhikṣāṃ tu yadi kaś cit pradāsyati
Denn wer wird mir, dem Armen, überhaupt eine Gattin geben? Als Almosen aber werde ich sie annehmen, falls mir jemand eine gibt.

evaṃ dārakriyāhetoḥ prayatiṣye pitāmahāḥ | anena vidhinā śaśvan na kariṣye 'ham anyathā

So will ich mich, ihr Ahnen, um der Gattenwahl willen bemühen, stets nach dieser Regel; ich werde es nicht anders tun.

Wort für Wort
evaṃ dārakriyāhetoḥ prayatiṣye pitāmahāḥ | anena vidhinā śaśvan na kariṣye 'ham anyathā
So will ich mich, ihr Ahnen, um der Gattenwahl willen bemühen, stets nach dieser Regel; ich werde es nicht anders tun.

tatra cotpatsyate jantur bhavatāṃ tāraṇāya vai | śāśvataṃ sthānam āsādya modantāṃ pitaro mama

Und dort wird ein Wesen entstehen zu eurer Errettung; möget ihr, meine Vorväter, einen ewigen Ort erlangend, euch freuen.“

Wort für Wort
tatra cotpatsyate jantur bhavatāṃ tāraṇāya vai | śāśvataṃ sthānam āsādya modantāṃ pitaro mama
Und dort wird ein Wesen entstehen zu eurer Errettung; möget ihr, meine Vorväter, einen ewigen Ort erlangend, euch freuen.“

sūta uvāca | tato niveśāya tadā sa vipraḥ saṃśitavrataḥ | mahīṃ cacāra dārārthī na ca dārān avindata

Sūta sprach: Da durchwanderte jener Brahmane, seinen strengen Gelübden treu, um der Niederlassung willen die Erde, eine Gattin suchend, doch fand er keine Gattin.

Wort für Wort
sūta uvāca | tato niveśāya tadā sa vipraḥ saṃśitavrataḥ | mahīṃ cacāra dārārthī na ca dārān avindata
Sūta sprach: Da durchwanderte jener Brahmane, seinen strengen Gelübden treu, um der Niederlassung willen die Erde, eine Gattin suchend, doch fand er keine Gattin.

sa kadā cid vanaṃ gatvā vipraḥ pitṛvacaḥ smaran | cukrośa kanyābhikṣārthī tisro vācaḥ śanair iva

Einst, in den Wald gegangen, an der Vorväter Worte denkend, rief der Brahmane, um ein Mädchen als Almosen bittend, dreimal leise seine Bitte aus.

Wort für Wort
sa kadā cid vanaṃ gatvā vipraḥ pitṛvacaḥ smaran | cukrośa kanyābhikṣārthī tisro vācaḥ śanair iva
Einst, in den Wald gegangen, an der Vorväter Worte denkend, rief der Brahmane, um ein Mädchen als Almosen bittend, dreimal leise seine Bitte aus.

taṃ vāsukiḥ pratyagṛhṇād udyamya bhaginīṃ tadā | na sa tāṃ pratijagrāha na sanāmnīti cintayan

Vāsuki nahm sich seiner an und bot ihm da seine Schwester dar; doch er nahm sie nicht an, weil er dachte, sie trage nicht denselben Namen wie er.

Wort für Wort
taṃ vāsukiḥ pratyagṛhṇād udyamya bhaginīṃ tadā | na sa tāṃ pratijagrāha na sanāmnīti cintayan
Vāsuki nahm sich seiner an und bot ihm da seine Schwester dar; doch er nahm sie nicht an, weil er dachte, sie trage nicht denselben Namen wie er.

sanāmnīm udyatāṃ bhāryāṃ gṛhṇīyām iti tasya hi | mano niviṣṭam abhavaj jaratkāror mahātmanaḥ

„Nur eine mir namensgleiche, dargebotene Gattin will ich nehmen“ – darauf war der Sinn des hochgesinnten Jaratkāru fest gerichtet.

Wort für Wort
sanāmnīm udyatāṃ bhāryāṃ gṛhṇīyām iti tasya hi | mano niviṣṭam abhavaj jaratkāror mahātmanaḥ
„Nur eine mir namensgleiche, dargebotene Gattin will ich nehmen“ – darauf war der Sinn des hochgesinnten Jaratkāru fest gerichtet.

tam uvāca mahāprājño jaratkārur mahātapāḥ | kiṃnāmnī bhaginīyaṃ te brūhi satyaṃ bhujaṃgama

Da sprach der hochweise, in großer Askese stehende Jaratkāru zu ihm: „Wie heißt diese deine Schwester? Sage mir die Wahrheit, o Schlangenwesen.“

Wort für Wort
tam uvāca mahāprājño jaratkārur mahātapāḥ | kiṃnāmnī bhaginīyaṃ te brūhi satyaṃ bhujaṃgama
Da sprach der hochweise, in großer Askese stehende Jaratkāru zu ihm: „Wie heißt diese deine Schwester? Sage mir die Wahrheit, o Schlangenwesen.“

vāsukir uvāca | jaratkāro jaratkāruḥ svaseyam anujā mama | tvadarthaṃ rakṣitā pūrvaṃ pratīcchemāṃ dvijottama

Vāsuki sprach: „O Jaratkāru, ‚Jaratkārū‘ heißt diese meine jüngere Schwester; sie wurde einst für dich aufbewahrt – nimm sie an, o Bester der Zweifachgeborenen.“

Wort für Wort
vāsukir uvāca | jaratkāro jaratkāruḥ svaseyam anujā mama | tvadarthaṃ rakṣitā pūrvaṃ pratīcchemāṃ dvijottama
Vāsuki sprach: „O Jaratkāru, ‚Jaratkārū‘ heißt diese meine jüngere Schwester; sie wurde einst für dich aufbewahrt – nimm sie an, o Bester der Zweifachgeborenen.“

[Anm.: Bemerkenswerte Namensgleichheit im Original: der Weise Jaratkāru (maskulin) und seine künftige Gattin Jaratkārū (feminin) tragen denselben Namen – genau die Bedingung, die Jaratkāru zuvor gestellt hatte (Vers 25/32).]

sūta uvāca | mātrā hi bhujagāḥ śaptāḥ pūrvaṃ brahmavidāṃ vara | janamejayasya vo yajñe dhakṣyaty anilasārathiḥ

Sūta sprach: Die Schlangen nämlich waren einst von ihrer Mutter verflucht worden, o Vortrefflichster der Kenner des Brahman: „Bei Janamejayas Opfer wird euch der Windgefährte [Agni] verbrennen.“

Wort für Wort
sūta uvāca | mātrā hi bhujagāḥ śaptāḥ pūrvaṃ brahmavidāṃ vara | janamejayasya vo yajñe dhakṣyaty anilasārathiḥ
Sūta sprach: Die Schlangen nämlich waren einst von ihrer Mutter verflucht worden, o Vortrefflichster der Kenner des Brahman: „Bei Janamejayas Opfer wird euch der Windgefährte [Agni] verbrennen.“

[Anm.: Die Vorgeschichte dieses Mutter-Fluchs (Kadrū gegen ihre eigenen Söhne, die Nāgas, wegen einer verlorenen Wette um die Farbe des Pferdes Uccaiḥśravas) wird hier vorausgesetzt, aber nicht erzählt; sie dürfte in einem der folgenden Adhyāyas ausführlich nachgeholt werden.]

tasya śāpasya śāntyarthaṃ pradadau pannagottamaḥ | svasāram ṛṣaye tasmai suvratāya tapasvine

Zur Besänftigung dieses Fluches gab der Vortrefflichste der Schlangen jenem Weisen, dem tugendhaften Asketen, seine Schwester.

Wort für Wort
tasya śāpasya śāntyarthaṃ pradadau pannagottamaḥ | svasāram ṛṣaye tasmai suvratāya tapasvine
Zur Besänftigung dieses Fluches gab der Vortrefflichste der Schlangen jenem Weisen, dem tugendhaften Asketen, seine Schwester.

sa ca tāṃ pratijagrāha vidhidṛṣṭena karmaṇā | āstīko nāma putraś ca tasyāṃ jajñe mahātmanaḥ

Und er nahm sie an, gemäß dem im Ritual vorgeschriebenen Brauch; und ihm, dem Hochgesinnten, wurde von ihr ein Sohn geboren, namens Āstīka.

Wort für Wort
sa ca tāṃ pratijagrāha vidhidṛṣṭena karmaṇā | āstīko nāma putraś ca tasyāṃ jajñe mahātmanaḥ
Und er nahm sie an, gemäß dem im Ritual vorgeschriebenen Brauch; und ihm, dem Hochgesinnten, wurde von ihr ein Sohn geboren, namens Āstīka.

tapasvī ca mahātmā ca vedavedāṅgapāragaḥ | samaḥ sarvasya lokasya pitṛmātṛbhayāpahaḥ

Ein Asket, hochgesinnt, kundig der Veden und Vedāṅgas bis zum Ende, allen Welten gegenüber gleichmütig, der die Furcht von Vater und Mutter vertrieb.

Wort für Wort
tapasvī ca mahātmā ca vedavedāṅgapāragaḥ | samaḥ sarvasya lokasya pitṛmātṛbhayāpahaḥ
Ein Asket, hochgesinnt, kundig der Veden und Vedāṅgas bis zum Ende, allen Welten gegenüber gleichmütig, der die Furcht von Vater und Mutter vertrieb.

atha kālasya mahataḥ pāṇḍaveyo narādhipaḥ | ājahāra mahāyajñaṃ sarpasatram iti śrutiḥ

Danach, nach langer Zeit, veranstaltete der Herrscher der Menschen aus dem Geschlecht der Pāṇḍavas das große Opfer, genannt Sarpasatra, wie überliefert ist.

Wort für Wort
atha kālasya mahataḥ pāṇḍaveyo narādhipaḥ | ājahāra mahāyajñaṃ sarpasatram iti śrutiḥ
Danach, nach langer Zeit, veranstaltete der Herrscher der Menschen aus dem Geschlecht der Pāṇḍavas das große Opfer, genannt Sarpasatra, wie überliefert ist.

tasmin pravṛtte satre tu sarpāṇām antakāya vai | mocayām āsa taṃ śāpam āstīkaḥ sumahāyaśāḥ

Als jenes Opfer, das den Schlangen den Untergang bringen sollte, im Gange war, befreite sie Āstīka, der überaus Ruhmreiche, von jenem Fluch.

Wort für Wort
tasmin pravṛtte satre tu sarpāṇām antakāya vai | mocayām āsa taṃ śāpam āstīkaḥ sumahāyaśāḥ
Als jenes Opfer, das den Schlangen den Untergang bringen sollte, im Gange war, befreite sie Āstīka, der überaus Ruhmreiche, von jenem Fluch.

nāgāṃś ca mātulāṃś caiva tathā cānyān sa bāndhavān | pitṝṃś ca tārayām āsa saṃtatyā tapasā tathā | vrataiś ca vividhair brahman svādhyāyaiś cānṛṇo 'bhavat

Die Nāgas, seine Onkel mütterlicherseits, sowie auch die anderen Verwandten und die Vorväter rettete er hinüber – durch Nachkommenschaft, durch Askese, durch mancherlei Gelübde, o Brahmane, und durch vedisches Studium wurde er seiner Schuld ledig.

Wort für Wort
nāgāṃś ca mātulāṃś caiva tathā cānyān sa bāndhavān | pitṝṃś ca tārayām āsa saṃtatyā tapasā tathā | vrataiś ca vividhair brahman svādhyāyaiś cānṛṇo 'bhavat
Die Nāgas, seine Onkel mütterlicherseits, sowie auch die anderen Verwandten und die Vorväter rettete er hinüber – durch Nachkommenschaft, durch Askese, durch mancherlei Gelübde, o Brahmane, und durch vedisches Studium wurde er seiner Schuld ledig.

devāṃś ca tarpayām āsa yajñair vividhadakṣiṇaiḥ | ṛṣīṃś ca brahmacaryeṇa saṃtatyā ca pitāmahān

Die Götter erquickte er durch Opfer mit mancherlei Priestergaben, die Weisen durch Keuschheitsleben, und die Ahnen durch Nachkommenschaft.

Wort für Wort
devāṃś ca tarpayām āsa yajñair vividhadakṣiṇaiḥ | ṛṣīṃś ca brahmacaryeṇa saṃtatyā ca pitāmahān
Die Götter erquickte er durch Opfer mit mancherlei Priestergaben, die Weisen durch Keuschheitsleben, und die Ahnen durch Nachkommenschaft.

apahṛtya guruṃ bhāraṃ pitṝṇāṃ saṃśitavrataḥ | jaratkārur gataḥ svargaṃ sahitaḥ svaiḥ pitāmahaiḥ

Nachdem er die schwere Last der Vorväter abgetragen hatte, ging Jaratkāru, seinen strengen Gelübden treu, zum Himmel, zusammen mit seinen eigenen Ahnen.

Wort für Wort
apahṛtya guruṃ bhāraṃ pitṝṇāṃ saṃśitavrataḥ | jaratkārur gataḥ svargaṃ sahitaḥ svaiḥ pitāmahaiḥ
Nachdem er die schwere Last der Vorväter abgetragen hatte, ging Jaratkāru, seinen strengen Gelübden treu, zum Himmel, zusammen mit seinen eigenen Ahnen.

āstīkaṃ ca sutaṃ prāpya dharmaṃ cānuttamaṃ muniḥ | jaratkāruḥ sumahatā kālena svargam īyivān

Nachdem er den Sohn Āstīka und die unübertreffliche Pflichterfüllung erlangt hatte, ging der Weise Jaratkāru nach überaus langer Zeit in den Himmel ein.

Wort für Wort
āstīkaṃ ca sutaṃ prāpya dharmaṃ cānuttamaṃ muniḥ | jaratkāruḥ sumahatā kālena svargam īyivān
Nachdem er den Sohn Āstīka und die unübertreffliche Pflichterfüllung erlangt hatte, ging der Weise Jaratkāru nach überaus langer Zeit in den Himmel ein.

etad ākhyānam āstīkaṃ yathāvat kīrtitaṃ mayā | prabrūhi bhṛguśārdūla kiṃ bhūyaḥ kathyatām iti

Dies ist die Erzählung von Āstīka, wie sie mir überliefert wurde, vollständig verkündet. Sprich, o Tiger unter den Bhṛgus, was soll weiter erzählt werden?“

Wort für Wort
etad ākhyānam āstīkaṃ yathāvat kīrtitaṃ mayā | prabrūhi bhṛguśārdūla kiṃ bhūyaḥ kathyatām iti
Dies ist die Erzählung von Āstīka, wie sie mir überliefert wurde, vollständig verkündet. Sprich, o Tiger unter den Bhṛgus, was soll weiter erzählt werden?“

[Anm.: Adhyāya 13 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Diese kompakte Fassung ist eine im Epos übliche vorwegnehmende Kurzfassung der gesamten Āstīka-Erzählung, bevor die ausführliche Version (mit u.a. der Kadrū-Vinatā-Wette, Garuḍas Geburt und der ausführlichen Sarpasatra-Szene) in den folgenden Adhyāyas entfaltet wird. „Bhṛguśārdūla“ [Tiger unter den Bhṛgus] ist eine Anrede an Śaunaka als Bhārgava-Nachkommen.]

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