Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 101: Māṇḍavya-Upākhyānam Die Erzählung vom Weisen Māṇḍavya und der Fluch über den Gott Dharma

Auf Janamejayas Frage erzählt Vaiśaṃpāyana, warum der Gott Dharma als Vidura in einem Śūdra-Schoß geboren wurde: der schweigende Asket Māṇḍavya wird fälschlich mit Räubern gepfählt, überlebt durch seine Askese und stellt Dharma persönlich wegen dieser unverhältnismäßigen Strafe zur Rede – die karmische Ursache war eine geringfügige Kindheitstat (ein Grashalm im Schwanz eines Insekts). Māṇḍavya verflucht Dharma daraufhin zur Menschengeburt und legt zugleich die Regel fest, dass Taten vor dem vierzehnten Lebensjahr keine karmische Schuld begründen.

janamejaya uvāca kiṃ kṛtaṃ karma dharmeṇa yena śāpam upeyivān kasya śāpāc ca brahmarṣe śūdrayonāv ajāyata

Janamejaya sprach: Was für eine Tat wurde vom Gott Dharma begangen, dass er einen Fluch erlitt, und durch wessen Fluch, o Brahmanenweiser, wurde er in einem Śūdra-Schoß geboren?

Wort für Wort
janamejaya uvāca kiṃ kṛtaṃ karma dharmeṇa yena śāpam upeyivān kasya śāpāc ca brahmarṣe śūdrayonāv ajāyata
Janamejaya sprach: Was für eine Tat wurde vom Gott Dharma begangen, dass er einen Fluch erlitt, und durch wessen Fluch, o Brahmanenweiser, wurde er in einem Śūdra-Schoß geboren?

vaiśaṃpāyana uvāca babhūva brāhmaṇaḥ kaś cin māṇḍavya iti viśrutaḥ dhṛtimān sarvadharmajñaḥ satye tapasi ca sthitaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Es lebte einst ein Brahmane, bekannt als Māṇḍavya, standhaft, in allen Pflichten kundig, in Wahrheit und Askese gefestigt.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca babhūva brāhmaṇaḥ kaś cin māṇḍavya iti viśrutaḥ dhṛtimān sarvadharmajñaḥ satye tapasi ca sthitaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Es lebte einst ein Brahmane, bekannt als Māṇḍavya, standhaft, in allen Pflichten kundig, in Wahrheit und Askese gefestigt.

sa āśramapadadvāri vṛkṣamūle mahātapāḥ ūrdhvabāhur mahāyogī tasthau maunavratānvitaḥ

Er stand am Tor seiner Einsiedelei, am Fuß eines Baumes, von großer Askese, ein großer Yogin, die Arme emporgereckt, dem Schweigegelübde ergeben.

Wort für Wort
sa āśramapadadvāri vṛkṣamūle mahātapāḥ ūrdhvabāhur mahāyogī tasthau maunavratānvitaḥ
Er stand am Tor seiner Einsiedelei, am Fuß eines Baumes, von großer Askese, ein großer Yogin, die Arme emporgereckt, dem Schweigegelübde ergeben.

tasya kālena mahatā tasmiṃs tapasi tiṣṭhataḥ tam āśramapadaṃ prāptā dasyavo loptrahāriṇaḥ anusāryamāṇā bahubhī rakṣibhir bharatarṣabha

Während er nach langer Zeit in jener Askese verharrte, o Stier der Bharatas, kamen Räuber, Beute mit sich führend, zu jener Einsiedelei, von vielen Wächtern verfolgt.

Wort für Wort
tasya kālena mahatā tasmiṃs tapasi tiṣṭhataḥ tam āśramapadaṃ prāptā dasyavo loptrahāriṇaḥ anusāryamāṇā bahubhī rakṣibhir bharatarṣabha
Während er nach langer Zeit in jener Askese verharrte, o Stier der Bharatas, kamen Räuber, Beute mit sich führend, zu jener Einsiedelei, von vielen Wächtern verfolgt.

te tasyāvasathe loptraṃ nidadhuḥ kurusattama nidhāya ca bhayāl līnās tatraivānvāgate bale

Sie legten die Beute in seiner Behausung nieder, o Bester der Kurus, und versteckten sich aus Furcht eben dort, während die Truppe [der Verfolger] herankam.

Wort für Wort
te tasyāvasathe loptraṃ nidadhuḥ kurusattama nidhāya ca bhayāl līnās tatraivānvāgate bale
Sie legten die Beute in seiner Behausung nieder, o Bester der Kurus, und versteckten sich aus Furcht eben dort, während die Truppe [der Verfolger] herankam.

teṣu līneṣv atho śīghraṃ tatas tad rakṣiṇāṃ balam ājagāma tato 'paśyaṃs tam ṛṣiṃ taskarānugāḥ

Während sie sich versteckt hielten, kam alsbald jene Truppe der Wächter dorthin; da erblickten die den Dieben Nachsetzenden jenen Weisen.

Wort für Wort
teṣu līneṣv atho śīghraṃ tatas tad rakṣiṇāṃ balam ājagāma tato 'paśyaṃs tam ṛṣiṃ taskarānugāḥ
Während sie sich versteckt hielten, kam alsbald jene Truppe der Wächter dorthin; da erblickten die den Dieben Nachsetzenden jenen Weisen.

tam apṛcchaṃs tato rājaṃs tathāvṛttaṃ tapodhanam katareṇa pathā yātā dasyavo dvijasattama tena gacchāmahe brahman pathā śīghrataraṃ vayam

Sie fragten ihn, o König, den in solcher Weise verharrenden Asketen: ‚Auf welchem Weg sind die Räuber gegangen, o Bester der Zweifachgeborenen? Auf diesem Weg wollen wir eilends gehen, o Brahmane.'

Wort für Wort
tam apṛcchaṃs tato rājaṃs tathāvṛttaṃ tapodhanam katareṇa pathā yātā dasyavo dvijasattama tena gacchāmahe brahman pathā śīghrataraṃ vayam
Sie fragten ihn, o König, den in solcher Weise verharrenden Asketen: ‚Auf welchem Weg sind die Räuber gegangen, o Bester der Zweifachgeborenen? Auf diesem Weg wollen wir eilends gehen, o Brahmane.'

tathā tu rakṣiṇāṃ teṣāṃ bruvatāṃ sa tapodhanaḥ na kiṃ cid vacanaṃ rājann avadat sādhv asādhu vā

Doch obwohl die Wächter so sprachen, sagte jener Asket, o König, kein einziges Wort, weder Gutes noch Schlechtes.

Wort für Wort
tathā tu rakṣiṇāṃ teṣāṃ bruvatāṃ sa tapodhanaḥ na kiṃ cid vacanaṃ rājann avadat sādhv asādhu vā
Doch obwohl die Wächter so sprachen, sagte jener Asket, o König, kein einziges Wort, weder Gutes noch Schlechtes.

tatas te rājapuruṣā vicinvānās tadāśramam dadṛśus tatra saṃlīnāṃs tāṃś corān dravyam eva ca

Da durchsuchten die königlichen Diener jene Einsiedelei und fanden dort die versteckten Diebe samt der Beute.

Wort für Wort
tatas te rājapuruṣā vicinvānās tadāśramam dadṛśus tatra saṃlīnāṃs tāṃś corān dravyam eva ca
Da durchsuchten die königlichen Diener jene Einsiedelei und fanden dort die versteckten Diebe samt der Beute.

tataḥ śaṅkā samabhavad rakṣiṇāṃ taṃ muniṃ prati saṃyamyainaṃ tato rājñe dasyūṃś caiva nyavedayan

Da entstand bei den Wächtern Verdacht gegenüber jenem Weisen; sie fesselten ihn und meldeten ihn zusammen mit den Dieben dem König.

Wort für Wort
tataḥ śaṅkā samabhavad rakṣiṇāṃ taṃ muniṃ prati saṃyamyainaṃ tato rājñe dasyūṃś caiva nyavedayan
Da entstand bei den Wächtern Verdacht gegenüber jenem Weisen; sie fesselten ihn und meldeten ihn zusammen mit den Dieben dem König.

taṃ rājā saha taiś corair anvaśād vadhyatām iti sa vadhyaghātair ajñātaḥ śūle proto mahātapāḥ

Der König befahl, ihn zusammen mit jenen Dieben hinzurichten; und der große Asket wurde, unerkannt, von den Henkern auf einen Pfahl gespießt.

Wort für Wort
taṃ rājā saha taiś corair anvaśād vadhyatām iti sa vadhyaghātair ajñātaḥ śūle proto mahātapāḥ
Der König befahl, ihn zusammen mit jenen Dieben hinzurichten; und der große Asket wurde, unerkannt, von den Henkern auf einen Pfahl gespießt.

tatas te śūlam āropya taṃ muniṃ rakṣiṇas tadā pratijagmur mahīpālaṃ dhanāny ādāya tāny atha

Danach kehrten die Wächter, nachdem sie jenen Weisen aufgespießt hatten, mit jenen wiedererlangten Gütern zum Herrscher zurück.

Wort für Wort
tatas te śūlam āropya taṃ muniṃ rakṣiṇas tadā pratijagmur mahīpālaṃ dhanāny ādāya tāny atha
Danach kehrten die Wächter, nachdem sie jenen Weisen aufgespießt hatten, mit jenen wiedererlangten Gütern zum Herrscher zurück.

śūlasthaḥ sa tu dharmātmā kālena mahatā tataḥ nirāhāro 'pi viprarṣir maraṇaṃ nābhyupāgamat dhārayām āsa ca prāṇān ṛṣīṃś ca samupānayat

Der fromme Weise, auf dem Pfahl, erlangte darauf, nach langer Zeit, obwohl ohne Nahrung, nicht den Tod; er hielt seinen Lebensatem fest und rief andere Weise zu sich heran.

Wort für Wort
śūlasthaḥ sa tu dharmātmā kālena mahatā tataḥ nirāhāro 'pi viprarṣir maraṇaṃ nābhyupāgamat dhārayām āsa ca prāṇān ṛṣīṃś ca samupānayat
Der fromme Weise, auf dem Pfahl, erlangte darauf, nach langer Zeit, obwohl ohne Nahrung, nicht den Tod; er hielt seinen Lebensatem fest und rief andere Weise zu sich heran.

śūlāgre tapyamānena tapas tena mahātmanā saṃtāpaṃ paramaṃ jagmur munayo 'tha paraṃtapa

Durch die Askese jenes hochherzigen Weisen, der an der Pfahlspitze weiter Buße tat, gerieten die herbeigerufenen Weisen, o Bezwinger der Feinde, in höchste Bestürzung.

Wort für Wort
śūlāgre tapyamānena tapas tena mahātmanā saṃtāpaṃ paramaṃ jagmur munayo 'tha paraṃtapa
Durch die Askese jenes hochherzigen Weisen, der an der Pfahlspitze weiter Buße tat, gerieten die herbeigerufenen Weisen, o Bezwinger der Feinde, in höchste Bestürzung.

te rātrau śakunā bhūtvā saṃnyavartanta sarvataḥ darśayanto yathāśakti tam apṛcchan dvijottamam śrotum icchāmahe brahman kiṃ pāpaṃ kṛtavān asi

Sie, zu Vögeln geworden, versammelten sich in der Nacht von überallher, zeigten sich, so gut sie konnten, und fragten den Besten der Zweifachgeborenen: ‚Wir möchten hören, Brahmane, welche Sünde du begangen hast.'

Wort für Wort
te rātrau śakunā bhūtvā saṃnyavartanta sarvataḥ darśayanto yathāśakti tam apṛcchan dvijottamam śrotum icchāmahe brahman kiṃ pāpaṃ kṛtavān asi
Sie, zu Vögeln geworden, versammelten sich in der Nacht von überallher, zeigten sich, so gut sie konnten, und fragten den Besten der Zweifachgeborenen: ‚Wir möchten hören, Brahmane, welche Sünde du begangen hast.'

tataḥ sa muniśārdūlas tān uvāca tapodhanān doṣataḥ kaṃ gamiṣyāmi na hi me 'nyo 'parādhyati

Da sprach jener Tiger unter den Weisen zu jenen Asketen: ‚Wegen welcher Verfehlung soll ich gehen? Niemand anderes hat sich ja an mir vergangen.'

Wort für Wort
tataḥ sa muniśārdūlas tān uvāca tapodhanān doṣataḥ kaṃ gamiṣyāmi na hi me 'nyo 'parādhyati
Da sprach jener Tiger unter den Weisen zu jenen Asketen: ‚Wegen welcher Verfehlung soll ich gehen? Niemand anderes hat sich ja an mir vergangen.'

rājā ca tam ṛṣiṃ śrutvā niṣkramya saha mantribhiḥ prasādayām āsa tadā śūlastham ṛṣisattamam

Als der König von jenem Weisen hörte, kam er, zusammen mit seinen Ministern, heraus und suchte den auf dem Pfahl aufgespießten besten Weisen zu besänftigen:

Wort für Wort
rājā ca tam ṛṣiṃ śrutvā niṣkramya saha mantribhiḥ prasādayām āsa tadā śūlastham ṛṣisattamam
Als der König von jenem Weisen hörte, kam er, zusammen mit seinen Ministern, heraus und suchte den auf dem Pfahl aufgespießten besten Weisen zu besänftigen:

yan mayāpakṛtaṃ mohād ajñānād ṛṣisattama prasādaye tvāṃ tatrāhaṃ na me tvaṃ kroddhum arhasi

‚Was ich dir aus Verblendung, aus Unwissenheit angetan habe, o bester der Weisen, dafür bitte ich dich um Nachsicht; du sollst mir nicht zürnen.'

Wort für Wort
yan mayāpakṛtaṃ mohād ajñānād ṛṣisattama prasādaye tvāṃ tatrāhaṃ na me tvaṃ kroddhum arhasi
‚Was ich dir aus Verblendung, aus Unwissenheit angetan habe, o bester der Weisen, dafür bitte ich dich um Nachsicht; du sollst mir nicht zürnen.'

evam uktas tato rājñā prasādam akaron muniḥ kṛtaprasādo rājā taṃ tataḥ samavatārayat

So vom König angesprochen, gewährte der Weise darauf Nachsicht; und der König, dem Nachsicht gewährt worden war, ließ ihn darauf herabnehmen.

Wort für Wort
evam uktas tato rājñā prasādam akaron muniḥ kṛtaprasādo rājā taṃ tataḥ samavatārayat
So vom König angesprochen, gewährte der Weise darauf Nachsicht; und der König, dem Nachsicht gewährt worden war, ließ ihn darauf herabnehmen.

avatārya ca śūlāgrāt tac chūlaṃ niścakarṣa ha aśaknuvaṃś ca niṣkraṣṭuṃ śūlaṃ mūle sa cicchide

Nachdem er ihn von der Pfahlspitze herabgenommen hatte, zog er den Pfahl heraus; da er ihn aber nicht vollständig herausziehen konnte, brach er ihn an der Wurzel ab.

Wort für Wort
avatārya ca śūlāgrāt tac chūlaṃ niścakarṣa ha aśaknuvaṃś ca niṣkraṣṭuṃ śūlaṃ mūle sa cicchide
Nachdem er ihn von der Pfahlspitze herabgenommen hatte, zog er den Pfahl heraus; da er ihn aber nicht vollständig herausziehen konnte, brach er ihn an der Wurzel ab.

sa tathāntargatenaiva śūlena vyacaran muniḥ sa tena tapasā lokān vijigye durlabhān paraiḥ aṇīmāṇḍavya iti ca tato lokeṣu kathyate

So wanderte der Weise umher, mit dem Pfahlende noch in seinem Inneren; durch diese Askese gewann er sich Welten, die für andere unerreichbar sind. Seither wird er in den Welten ‚Aṇī-Māṇḍavya' [‚Māṇḍavya mit dem Splitter'] genannt.

Wort für Wort
sa tathāntargatenaiva śūlena vyacaran muniḥ sa tena tapasā lokān vijigye durlabhān paraiḥ aṇīmāṇḍavya iti ca tato lokeṣu kathyate
So wanderte der Weise umher, mit dem Pfahlende noch in seinem Inneren; durch diese Askese gewann er sich Welten, die für andere unerreichbar sind. Seither wird er in den Welten ‚Aṇī-Māṇḍavya' [‚Māṇḍavya mit dem Splitter'] genannt.

sa gatvā sadanaṃ vipro dharmasya paramārthavit āsanasthaṃ tato dharmaṃ dṛṣṭvopālabhata prabhuḥ

Jener Brahmane, der die höchste Wahrheit kennt, ging darauf zur Wohnstatt des Gottes Dharma; als er ihn auf seinem Sitz thronend erblickte, machte ihm der Mächtige Vorwürfe:

Wort für Wort
sa gatvā sadanaṃ vipro dharmasya paramārthavit āsanasthaṃ tato dharmaṃ dṛṣṭvopālabhata prabhuḥ
Jener Brahmane, der die höchste Wahrheit kennt, ging darauf zur Wohnstatt des Gottes Dharma; als er ihn auf seinem Sitz thronend erblickte, machte ihm der Mächtige Vorwürfe:

kiṃ nu tad duṣkṛtaṃ karma mayā kṛtam ajānatā yasyeyaṃ phalanirvṛttir īdṛśy āsāditā mayā śīghram ācakṣva me tattvaṃ paśya me tapaso balam

‚Was für eine böse Tat habe ich denn, ohne es zu wissen, begangen, dass mir eine solche Frucht davon zuteilwurde? Sage mir rasch die Wahrheit; sieh die Kraft meiner Askese!'

Wort für Wort
kiṃ nu tad duṣkṛtaṃ karma mayā kṛtam ajānatā yasyeyaṃ phalanirvṛttir īdṛśy āsāditā mayā śīghram ācakṣva me tattvaṃ paśya me tapaso balam
‚Was für eine böse Tat habe ich denn, ohne es zu wissen, begangen, dass mir eine solche Frucht davon zuteilwurde? Sage mir rasch die Wahrheit; sieh die Kraft meiner Askese!'

dharma uvāca pataṃgakānāṃ puccheṣu tvayeṣīkā praveśitā karmaṇas tasya te prāptaṃ phalam etat tapodhana

Dharma sprach: ‚Von dir wurde einst ein Grashalm in den Schwanz eines Insekts gesteckt; die Frucht jener Tat hast du nun erlangt, du Asket.'

Wort für Wort
dharma uvāca pataṃgakānāṃ puccheṣu tvayeṣīkā praveśitā karmaṇas tasya te prāptaṃ phalam etat tapodhana
Dharma sprach: ‚Von dir wurde einst ein Grashalm in den Schwanz eines Insekts gesteckt; die Frucht jener Tat hast du nun erlangt, du Asket.'

aṇīmāṇḍavya uvāca alpe 'parādhe vipulo mama daṇḍas tvayā kṛtaḥ śūdrayonāv ato dharma mānuṣaḥ saṃbhaviṣyasi

Aṇī-Māṇḍavya sprach: ‚Für ein geringes Vergehen hast du mir eine ungeheure Strafe auferlegt; deshalb, Dharma, wirst du als Mensch in einem Śūdra-Schoß geboren werden.

Wort für Wort
aṇīmāṇḍavya uvāca alpe 'parādhe vipulo mama daṇḍas tvayā kṛtaḥ śūdrayonāv ato dharma mānuṣaḥ saṃbhaviṣyasi
Aṇī-Māṇḍavya sprach: ‚Für ein geringes Vergehen hast du mir eine ungeheure Strafe auferlegt; deshalb, Dharma, wirst du als Mensch in einem Śūdra-Schoß geboren werden.

maryādāṃ sthāpayāmy adya loke dharmaphalodayām ā caturdaśamād varṣān na bhaviṣyati pātakam pareṇa kurvatām evaṃ doṣa eva bhaviṣyati

Ich lege heute eine Grenze fest, aus der [erst] die Frucht des Dharma entsteht: Bis zum vierzehnten Lebensjahr soll eine [begangene] Tat keine Sünde sein; wer danach so handelt, für den allein wird es eine Verfehlung sein.'

Wort für Wort
maryādāṃ sthāpayāmy adya loke dharmaphalodayām ā caturdaśamād varṣān na bhaviṣyati pātakam pareṇa kurvatām evaṃ doṣa eva bhaviṣyati
Ich lege heute eine Grenze fest, aus der [erst] die Frucht des Dharma entsteht: Bis zum vierzehnten Lebensjahr soll eine [begangene] Tat keine Sünde sein; wer danach so handelt, für den allein wird es eine Verfehlung sein.'

[Anm.: Dieser Vers begründet mythologisch die dharmaśāstrische Regel, dass Kinder unter vierzehn Jahren noch nicht für Verfehlungen im vollen Sinn karmisch haftbar sind.]

vaiśaṃpāyana uvāca etena tv aparādhena śāpāt tasya mahātmanaḥ dharmo vidurarūpeṇa śūdrayonāv ajāyata

Vaiśaṃpāyana sprach: Durch diese Verfehlung, durch den Fluch jenes hochherzigen Weisen, wurde Dharma, in Gestalt Viduras, in einem Śūdra-Schoß geboren,

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca etena tv aparādhena śāpāt tasya mahātmanaḥ dharmo vidurarūpeṇa śūdrayonāv ajāyata
Vaiśaṃpāyana sprach: Durch diese Verfehlung, durch den Fluch jenes hochherzigen Weisen, wurde Dharma, in Gestalt Viduras, in einem Śūdra-Schoß geboren,

dharme cārthe ca kuśalo lobhakrodhavivarjitaḥ dīrghadarśī śamaparaḥ kurūṇāṃ ca hite rataḥ

kundig in Dharma und Artha, frei von Gier und Zorn, weitblickend, der Ruhe ergeben und dem Wohl der Kurus zugetan.

Wort für Wort
dharme cārthe ca kuśalo lobhakrodhavivarjitaḥ dīrghadarśī śamaparaḥ kurūṇāṃ ca hite rataḥ
kundig in Dharma und Artha, frei von Gier und Zorn, weitblickend, der Ruhe ergeben und dem Wohl der Kurus zugetan.

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