Kapitel 38: Āstīka-parva (Fortsetzung): Warnung und Schutzmaßnahmen für Parikṣit
Āstīka-parva (Fortsetzung): Śamīka ermahnt Śṛṅgin und warnt Parikṣit; der König trifft Schutzvorkehrungen; Takṣaka begegnet dem heilkundigen Kāśyapa — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,038.001“ bis „01,038.039“). Śamīka ermahnt seinen Sohn Śṛṅgin zu Gleichmut, sendet aber dennoch seinen Schüler Gauramukha, um König Parikṣit vor dem unwiderruflichen Fluch zu warnen. Der erschütterte König trifft umfassende Schutzvorkehrungen (ein einsäuliger, bewachter Palast, Ärzte, Heilmittel, mantrenkundige Brahmanen). Am siebten Tag macht sich der heilkundige Brahmane Kāśyapa auf den Weg, um den König vor Takṣakas Gift zu retten, wird aber von Takṣaka selbst, der die Gestalt eines alten Brahmanen annimmt, auf dem Weg abgefangen. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
Śṛṅgin sprach: „Mag dies eine Übereilung sein, Vater, mag es eine üble Tat sein, mag es dir lieb oder unlieb sein — das Wort, das ich gesprochen habe, ist nicht falsch.
Śṛṅgin sprach: „Mag dies eine Übereilung sein, Vater, mag es eine üble Tat sein, mag es dir lieb oder unlieb sein — das Wort, das ich gesprochen habe, ist nicht falsch.
śamīka uvāca | jānāmy ugraprabhāvaṃ tvāṃ putra satyagiraṃ tathā | nānṛtaṃ hy uktapūrvaṃ te naitan mithyā bhaviṣyati
Śamīka sprach: „Ich weiß, dass du von gewaltiger Macht bist, mein Sohn, und wahrhaftiger Rede; nie zuvor war dein Wort falsch, und auch dies wird sich nicht als unwahr erweisen.
Wort für Wort
śamīka uvāca | jānāmy ugraprabhāvaṃ tvāṃ putra satyagiraṃ tathā | nānṛtaṃ hy uktapūrvaṃ te naitan mithyā bhaviṣyati
Śamīka sprach: „Ich weiß, dass du von gewaltiger Macht bist, mein Sohn, und wahrhaftiger Rede; nie zuvor war dein Wort falsch, und auch dies wird sich nicht als unwahr erweisen.
pitrā putro vayaḥstho 'pi satataṃ vācya eva tu | yathā syād guṇasaṃyuktaḥ prāpnuyāc ca mahad yaśaḥ
Ein Sohn muss, auch wenn er schon im reifen Alter steht, vom Vater stets ermahnt werden, auf dass er mit guten Eigenschaften ausgestattet sei und großen Ruhm erlange.
Wort für Wort
pitrā putro vayaḥstho 'pi satataṃ vācya eva tu | yathā syād guṇasaṃyuktaḥ prāpnuyāc ca mahad yaśaḥ
Ein Sohn muss, auch wenn er schon im reifen Alter steht, vom Vater stets ermahnt werden, auf dass er mit guten Eigenschaften ausgestattet sei und großen Ruhm erlange.
kiṃ punar bāla eva tvaṃ tapasā bhāvitaḥ prabho | vardhate ca prabhavatāṃ kopo 'tīva mahātmanām
Wie viel mehr gilt dies für dich, der du noch ein Kind bist, o Mächtiger, wenn auch durch Askese gereift; und der Zorn der Mächtigen, der Hochgesinnten, wächst überaus leicht.
Wort für Wort
kiṃ punar bāla eva tvaṃ tapasā bhāvitaḥ prabho | vardhate ca prabhavatāṃ kopo 'tīva mahātmanām
Wie viel mehr gilt dies für dich, der du noch ein Kind bist, o Mächtiger, wenn auch durch Askese gereift; und der Zorn der Mächtigen, der Hochgesinnten, wächst überaus leicht.
sa tvaṃ śamayuto bhūtvā vanyam āhāram āharan | cara krodham imaṃ tyaktvā naivaṃ dharmaṃ prahāsyasi
Du sollst nun, mit Gleichmut ausgestattet, waldeigene Nahrung zu dir nehmend, wandeln, indem du diesen Zorn ablegst — so wirst du die Pflicht nicht verlieren.
Wort für Wort
sa tvaṃ śamayuto bhūtvā vanyam āhāram āharan | cara krodham imaṃ tyaktvā naivaṃ dharmaṃ prahāsyasi
Du sollst nun, mit Gleichmut ausgestattet, waldeigene Nahrung zu dir nehmend, wandeln, indem du diesen Zorn ablegst — so wirst du die Pflicht nicht verlieren.
mit der Botschaft: ‚Von meinem Sohn bist du verflucht worden, einem Kind von unreifem Verstand, der, unduldsam, in mir diese Kränkung durch dich sah, o König.'“
mit der Botschaft: ‚Von meinem Sohn bist du verflucht worden, einem Kind von unreifem Verstand, der, unduldsam, in mir diese Kränkung durch dich sah, o König.'“
Sūta sprach: Nachdem er so angewiesen hatte, sandte er, von großer Askese, dem guten Gelübde treu, von Mitleid ergriffen, einen Schüler zum König Parikṣit,
Sūta sprach: Nachdem er so angewiesen hatte, sandte er, von großer Askese, dem guten Gelübde treu, von Mitleid ergriffen, einen Schüler zum König Parikṣit,
Dieser begab sich rasch zu dem Herrscher der Menschen, dem Mehrer der Kurus; er betrat den Palast des Königs, nachdem er zuvor von den Türwächtern gemeldet worden war.
Dieser begab sich rasch zu dem Herrscher der Menschen, dem Mehrer der Kurus; er betrat den Palast des Königs, nachdem er zuvor von den Türwächtern gemeldet worden war.
Von dem Herrscher der Menschen geehrt, berichtete der Zweifachgeborene Gauramukha sodann, nachdem er sich ausgeruht hatte, dem König alles vollständig — Śamīkas furchtbare Botschaft, wie sie ihm aufgetragen worden war, in Gegenwart der Minister:
Von dem Herrscher der Menschen geehrt, berichtete der Zweifachgeborene Gauramukha sodann, nachdem er sich ausgeruht hatte, dem König alles vollständig — Śamīkas furchtbare Botschaft, wie sie ihm aufgetragen worden war, in Gegenwart der Minister:
tasya tvayā naravyāghra sarpaḥ prāṇair viyojitaḥ | avasakto dhanuṣkoṭyā skandhe bharatasattama | kṣāntavāṃs tava tat karma putras tasya na cakṣame
Ihm wurde von dir, Tiger unter den Männern, eine tote Schlange, mit der Spitze des Bogens auf die Schulter gehängt, o Bester der Bharatas; er selbst hat dir diese Tat verziehen, doch sein Sohn hat sie nicht verziehen.
Wort für Wort
tasya tvayā naravyāghra sarpaḥ prāṇair viyojitaḥ | avasakto dhanuṣkoṭyā skandhe bharatasattama | kṣāntavāṃs tava tat karma putras tasya na cakṣame
Ihm wurde von dir, Tiger unter den Männern, eine tote Schlange, mit der Spitze des Bogens auf die Schulter gehängt, o Bester der Bharatas; er selbst hat dir diese Tat verziehen, doch sein Sohn hat sie nicht verziehen.
na hi mṛtyuṃ tathā rājā śrutvā vai so 'nvatapyata | aśocad amaraprakhyo yathā kṛtveha karma tat
Nicht so sehr über seinen bevorstehenden Tod, den er da vernommen hatte, quälte sich der König, der einem Unsterblichen glich, wie er über jene von ihm hier begangene Tat trauerte.
Wort für Wort
na hi mṛtyuṃ tathā rājā śrutvā vai so 'nvatapyata | aśocad amaraprakhyo yathā kṛtveha karma tat
Nicht so sehr über seinen bevorstehenden Tod, den er da vernommen hatte, quälte sich der König, der einem Unsterblichen glich, wie er über jene von ihm hier begangene Tat trauerte.
Nachdem er mit seinen Ministern, der die Wahrheit des Rates Kundige, einen Entschluss gefasst hatte, ließ er einen Palast auf einer einzigen Säule errichten, wohlbewacht,
Nachdem er mit seinen Ministern, der die Wahrheit des Rates Kundige, einen Entschluss gefasst hatte, ließ er einen Palast auf einer einzigen Säule errichten, wohlbewacht,
Als jener siebte Tag gekommen war, o Bester der Zweifachgeborenen, kam der gelehrte Kāśyapa herbei, um jenen König zu behandeln.
[Anm.: Dieser „Kāśyapa“ (Patronymikon: „Nachkomme des Kaśyapa“) ist ein heilkundiger Brahmane, nicht mit dem großen Weisen und Stammvater Kaśyapa aus den früheren Adhyāyas (Vater der Nāgas und Garuḍas) zu verwechseln.]
taṃ daṣṭaṃ pannagendreṇa kariṣye 'ham apajvaram | tatra me 'rthaś ca dharmaś ca bhaviteti vicintayan
‚Ihn, vom Schlangenkönig gebissen, werde ich fieberfrei machen; darin wird mir sowohl Gewinn als auch Verdienst zuteilwerden' — so überlegend [machte er sich auf den Weg].
Wort für Wort
taṃ daṣṭaṃ pannagendreṇa kariṣye 'ham apajvaram | tatra me 'rthaś ca dharmaś ca bhaviteti vicintayan
‚Ihn, vom Schlangenkönig gebissen, werde ich fieberfrei machen; darin wird mir sowohl Gewinn als auch Verdienst zuteilwerden' — so überlegend [machte er sich auf den Weg].
Jenen Kāśyapa, wie er, einzig auf sein Ziel bedacht, des Weges zog, erblickte jener Schlangenkönig Takṣaka, indem er zu einem hochbetagten Brahmanen wurde.
Jenen Kāśyapa, wie er, einzig auf sein Ziel bedacht, des Weges zog, erblickte jener Schlangenkönig Takṣaka, indem er zu einem hochbetagten Brahmanen wurde.
Kāśyapa sprach: „Den im Kuru-Geschlecht geborenen König Parikṣit, den Bezwinger der Feinde, wird Takṣaka, der Beste der Schlangen, heute mit seinem Glutgift verbrennen.
Kāśyapa sprach: „Den im Kuru-Geschlecht geborenen König Parikṣit, den Bezwinger der Feinde, wird Takṣaka, der Beste der Schlangen, heute mit seinem Glutgift verbrennen.
Ihn, den von jenem Schlangenkönig, dessen Glut dem Feuer gleicht, gebissenen König, den Erneuerer des Pāṇḍava-Geschlechts, von unermesslicher Kraft, gehe ich, o Sanfter, eilends, sogleich fieberfrei zu machen.“
Ihn, den von jenem Schlangenkönig, dessen Glut dem Feuer gleicht, gebissenen König, den Erneuerer des Pāṇḍava-Geschlechts, von unermesslicher Kraft, gehe ich, o Sanfter, eilends, sogleich fieberfrei zu machen.“
[Anm.: „kulakaram“ („Geschlechtserneuerer“) spielt vermutlich auf Parikṣits besondere Stellung als einziger Überlebender und Fortsetzer der Pāṇḍava-Linie an, der der Überlieferung nach als Ungeborener durch Kṛṣṇa vor Aśvatthāmans Waffe gerettet wurde — diese Vorgeschichte wird hier vorausgesetzt, nicht erzählt.]
takṣaka uvāca | ahaṃ sa takṣako brahmaṃs taṃ dhakṣyāmi mahīpatim | nivartasva na śaktas tvaṃ mayā daṣṭaṃ cikitsitum
Takṣaka sprach: „Ich bin jener Takṣaka, o Brahmane; ich werde jenen Herrn der Erde verbrennen. Kehre um — du bist nicht imstande, den von mir Gebissenen zu heilen.“
Wort für Wort
takṣaka uvāca | ahaṃ sa takṣako brahmaṃs taṃ dhakṣyāmi mahīpatim | nivartasva na śaktas tvaṃ mayā daṣṭaṃ cikitsitum
Takṣaka sprach: „Ich bin jener Takṣaka, o Brahmane; ich werde jenen Herrn der Erde verbrennen. Kehre um — du bist nicht imstande, den von mir Gebissenen zu heilen.“
Kāśyapa sprach: „Ich werde jenen König, o Schlange, den von dir Gebissenen, fieberfrei machen — das ist mein Entschluss, gestützt auf die Kraft meines Wissens.“
Kāśyapa sprach: „Ich werde jenen König, o Schlange, den von dir Gebissenen, fieberfrei machen — das ist mein Entschluss, gestützt auf die Kraft meines Wissens.“
[Anm.: Adhyāya 38 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Die Begegnung zwischen Takṣaka und Kāśyapa auf dem Weg zu Parikṣit wird im folgenden Adhyāya fortgesetzt.]