Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 16: Āstīka-parva (Fortsetzung): Samudra-Manthana — das Quirlen des Milchozeans Āstīka-parva (Fortsetzung): Samudra-Manthana — das Quirlen des Milchozeans, Entstehung von Soma, Śrī, Uccaiḥśravas, Kaustubha und Dhanvantari mit dem Amṛta — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)

Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,016.001“ bis „01,016.040“). Die vollständige, berühmte Samudra-Manthana-Erzählung: Ananta reißt den Berg Mandara aus, die Schildkröte Akūpāra trägt ihn, Vāsuki dient als Quirlseil, Götter und Dānavas/Daityas quirlen gemeinsam den Milchozean. Nach anfänglicher Erschöpfung verleiht Viṣṇu/Nārāyaṇa neue Kraft, und nacheinander entstehen: der Mond Soma, die Göttin Śrī, die Weingöttin Surā, das weiße Pferd (Uccaiḥśravas, vgl. Adhyāya 15), der Juwel Kaustubha und schließlich Dhanvantari mit dem Amṛta-Gefäß. Ein Streit der Dānavas um das Amṛta veranlasst Nārāyaṇa, sich in die betörende Frauengestalt Mohinī zu verwandeln, der die Dānavas das Amṛta überlassen – der Adhyāya endet unmittelbar danach, vor der eigentlichen Verteilung. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.

sūta uvāca | tato 'bhraśikharākārair giriśṛṅgair alaṃkṛtam | mandaraṃ parvatavaraṃ latājālasamāvṛtam

Sūta sprach: Da (nahmen sie) den vortrefflichen Berg Mandara, geschmückt mit wolkengipfelgleichen Berggipfeln, von einem Netz von Lianen umgeben,

Wort für Wort
sūta uvāca | tato 'bhraśikharākārair giriśṛṅgair alaṃkṛtam | mandaraṃ parvatavaraṃ latājālasamāvṛtam
Sūta sprach: Da (nahmen sie) den vortrefflichen Berg Mandara, geschmückt mit wolkengipfelgleichen Berggipfeln, von einem Netz von Lianen umgeben,

nānāvihagasaṃghuṣṭaṃ nānādaṃṣṭrisamākulam | kiṃnarair apsarobhiś ca devair api ca sevitam

widerhallend von mancherlei Vogelscharen, wimmelnd von mancherlei zahnbewehrten Tieren, von Kiṃnaras, Apsaras und auch Göttern aufgesucht,

Wort für Wort
nānāvihagasaṃghuṣṭaṃ nānādaṃṣṭrisamākulam | kiṃnarair apsarobhiś ca devair api ca sevitam
widerhallend von mancherlei Vogelscharen, wimmelnd von mancherlei zahnbewehrten Tieren, von Kiṃnaras, Apsaras und auch Göttern aufgesucht,

ekādaśa sahasrāṇi yojanānāṃ samucchritam | adho bhūmeḥ sahasreṣu tāvatsv eva pratiṣṭhitam

elftausend Yojanas hoch aufragend, und ebenso tief, in ebenso vielen Tausend Yojanas, unter der Erde verankert.

Wort für Wort
ekādaśa sahasrāṇi yojanānāṃ samucchritam | adho bhūmeḥ sahasreṣu tāvatsv eva pratiṣṭhitam
elftausend Yojanas hoch aufragend, und ebenso tief, in ebenso vielen Tausend Yojanas, unter der Erde verankert.

tam uddhartuṃ na śaktā vai sarve devagaṇās tadā | viṣṇum āsīnam abhyetya brahmāṇaṃ cedam abruvan

Ihn herauszureißen, waren alle Götterscharen damals nicht imstande; da traten sie zu Viṣṇu und Brahmā, die dort saßen, und sprachen dies:

Wort für Wort
tam uddhartuṃ na śaktā vai sarve devagaṇās tadā | viṣṇum āsīnam abhyetya brahmāṇaṃ cedam abruvan
Ihn herauszureißen, waren alle Götterscharen damals nicht imstande; da traten sie zu Viṣṇu und Brahmā, die dort saßen, und sprachen dies:

bhavantāv atra kurutāṃ buddhiṃ naiḥśreyasīṃ parām | mandaroddharaṇe yatnaḥ kriyatāṃ ca hitāya naḥ

„Möget ihr beide hierbei den höchsten, heilbringenden Entschluss fassen; es soll ein Bemühen zur Herausreißung des Mandara zu unserem Wohl unternommen werden.“

Wort für Wort
bhavantāv atra kurutāṃ buddhiṃ naiḥśreyasīṃ parām | mandaroddharaṇe yatnaḥ kriyatāṃ ca hitāya naḥ
„Möget ihr beide hierbei den höchsten, heilbringenden Entschluss fassen; es soll ein Bemühen zur Herausreißung des Mandara zu unserem Wohl unternommen werden.“

tatheti cābravīd viṣṇur brahmaṇā saha bhārgava | tato 'nantaḥ samutthāya brahmaṇā paricoditaḥ | nārāyaṇena cāpy uktas tasmin karmaṇi vīryavān

„So sei es“, sprach Viṣṇu zusammen mit Brahmā, o Bhārgava; da erhob sich Ananta, von Brahmā angetrieben und auch von Nārāyaṇa zu diesem Werk beauftragt, der Kraftvolle.

Wort für Wort
tatheti cābravīd viṣṇur brahmaṇā saha bhārgava | tato 'nantaḥ samutthāya brahmaṇā paricoditaḥ | nārāyaṇena cāpy uktas tasmin karmaṇi vīryavān
„So sei es“, sprach Viṣṇu zusammen mit Brahmā, o Bhārgava; da erhob sich Ananta, von Brahmā angetrieben und auch von Nārāyaṇa zu diesem Werk beauftragt, der Kraftvolle.

atha parvatarājānaṃ tam ananto mahābalaḥ | ujjahāra balād brahman savanaṃ savanaukasam

Da riss jener Ananta, der überaus Kraftvolle, jenen Berg-König mit Gewalt heraus, o Brahmane, samt seinem Wald und dessen Bewohnern.

Wort für Wort
atha parvatarājānaṃ tam ananto mahābalaḥ | ujjahāra balād brahman savanaṃ savanaukasam
Da riss jener Ananta, der überaus Kraftvolle, jenen Berg-König mit Gewalt heraus, o Brahmane, samt seinem Wald und dessen Bewohnern.

tatas tena surāḥ sārdhaṃ samudram upatasthire | tam ūcur amṛtārthāya nirmathiṣyāmahe jalam

Dann begaben sich die Götter zusammen mit ihm zum Ozean; sie sprachen zu ihm: „Um des Amṛta willen werden wir dein Wasser quirlen.“

Wort für Wort
tatas tena surāḥ sārdhaṃ samudram upatasthire | tam ūcur amṛtārthāya nirmathiṣyāmahe jalam
Dann begaben sich die Götter zusammen mit ihm zum Ozean; sie sprachen zu ihm: „Um des Amṛta willen werden wir dein Wasser quirlen.“

apāṃpatir athovāca mamāpy aṃśo bhavet tataḥ | soḍhāsmi vipulaṃ mardaṃ mandarabhramaṇād iti

Da sprach der Herr der Gewässer: „So soll auch mir ein Anteil zukommen; ich werde die gewaltige Zerwühlung durch das Umherdrehen des Mandara ertragen.“

Wort für Wort
apāṃpatir athovāca mamāpy aṃśo bhavet tataḥ | soḍhāsmi vipulaṃ mardaṃ mandarabhramaṇād iti
Da sprach der Herr der Gewässer: „So soll auch mir ein Anteil zukommen; ich werde die gewaltige Zerwühlung durch das Umherdrehen des Mandara ertragen.“

ūcuś ca kūrmarājānam akūpāraṃ surāsurāḥ | girer adhiṣṭhānam asya bhavān bhavitum arhati

Und die Götter und Asuras sprachen zum Schildkröten-König Akūpāra: „Du sollst die Grundlage für diesen Berg sein.“

Wort für Wort
ūcuś ca kūrmarājānam akūpāraṃ surāsurāḥ | girer adhiṣṭhānam asya bhavān bhavitum arhati
Und die Götter und Asuras sprachen zum Schildkröten-König Akūpāra: „Du sollst die Grundlage für diesen Berg sein.“

kūrmeṇa tu tathety uktvā pṛṣṭham asya samarpitam | tasya śailasya cāgraṃ vai yantreṇendro 'bhyapīḍayat

Und die Schildkröte sprach „so sei es“, und ihr Rücken wurde dem Berg dargeboten; und die Spitze jenes Berges drückte Indra mit einer Vorrichtung nieder.

Wort für Wort
kūrmeṇa tu tathety uktvā pṛṣṭham asya samarpitam | tasya śailasya cāgraṃ vai yantreṇendro 'bhyapīḍayat
Und die Schildkröte sprach „so sei es“, und ihr Rücken wurde dem Berg dargeboten; und die Spitze jenes Berges drückte Indra mit einer Vorrichtung nieder.

manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā tathā netraṃ ca vāsukim | devā mathitum ārabdhāḥ samudraṃ nidhim ambhasām | amṛtārthinas tato brahman sahitā daityadānavāḥ

Nachdem sie den Mandara zum Quirlstab und Vāsuki zum Seil gemacht hatten, begannen die Götter, den Ozean, den Schatz der Gewässer, zu quirlen; nach dem Amṛta verlangend, zusammen mit ihnen, o Brahmane, die Daityas und Dānavas.

Wort für Wort
manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā tathā netraṃ ca vāsukim | devā mathitum ārabdhāḥ samudraṃ nidhim ambhasām | amṛtārthinas tato brahman sahitā daityadānavāḥ
Nachdem sie den Mandara zum Quirlstab und Vāsuki zum Seil gemacht hatten, begannen die Götter, den Ozean, den Schatz der Gewässer, zu quirlen; nach dem Amṛta verlangend, zusammen mit ihnen, o Brahmane, die Daityas und Dānavas.

[Anm.: Hier fungiert Vāsuki (derselbe Nāga-König aus der Āstīka-Erzählung) als Quirlseil, während Ananta/Śeṣa als eigene, davon unterschiedene Gestalt zuvor den Berg herausgerissen hat — im Epos werden Ananta/Śeṣa und Vāsuki als getrennte Schlangenwesen behandelt.]

ekam antam upāśliṣṭā nāgarājño mahāsurāḥ | vibudhāḥ sahitāḥ sarve yataḥ pucchaṃ tataḥ sthitāḥ

An das eine Ende des Schlangenkönigs klammerten sich die großen Asuras; alle Götter zusammen standen dort, wo der Schwanz war.

Wort für Wort
ekam antam upāśliṣṭā nāgarājño mahāsurāḥ | vibudhāḥ sahitāḥ sarve yataḥ pucchaṃ tataḥ sthitāḥ
An das eine Ende des Schlangenkönigs klammerten sich die großen Asuras; alle Götter zusammen standen dort, wo der Schwanz war.

ananto bhagavān devo yato nārāyaṇas tataḥ | śira udyamya nāgasya punaḥ punar avākṣipat

Der erhabene Gott Ananta – dort, wo Nārāyaṇa war – hob den Kopf der Schlange auf und schleuderte ihn immer wieder nieder.

Wort für Wort
ananto bhagavān devo yato nārāyaṇas tataḥ | śira udyamya nāgasya punaḥ punar avākṣipat
Der erhabene Gott Ananta – dort, wo Nārāyaṇa war – hob den Kopf der Schlange auf und schleuderte ihn immer wieder nieder.

vāsuker atha nāgasya sahasākṣipyataḥ suraiḥ | sadhūmāḥ sārciṣo vātā niṣpetur asakṛn mukhāt

Als die Schlange Vāsuki so heftig von den Göttern hin- und hergerissen wurde, brachen wiederholt Winde, mit Rauch und Flammen vermischt, aus ihrem Maul hervor.

Wort für Wort
vāsuker atha nāgasya sahasākṣipyataḥ suraiḥ | sadhūmāḥ sārciṣo vātā niṣpetur asakṛn mukhāt
Als die Schlange Vāsuki so heftig von den Göttern hin- und hergerissen wurde, brachen wiederholt Winde, mit Rauch und Flammen vermischt, aus ihrem Maul hervor.

te dhūmasaṃghāḥ saṃbhūtā meghasaṃghāḥ savidyutaḥ | abhyavarṣan suragaṇāñ śramasaṃtāpakarśitān

Jene entstandenen Rauchmassen wurden zu Wolkenmassen mit Blitzen, die auf die Götterscharen herabregneten, welche von der Anstrengung und Hitze erschöpft waren.

Wort für Wort
te dhūmasaṃghāḥ saṃbhūtā meghasaṃghāḥ savidyutaḥ | abhyavarṣan suragaṇāñ śramasaṃtāpakarśitān
Jene entstandenen Rauchmassen wurden zu Wolkenmassen mit Blitzen, die auf die Götterscharen herabregneten, welche von der Anstrengung und Hitze erschöpft waren.

tasmāc ca girikūṭāgrāt pracyutāḥ puṣpavṛṣṭayaḥ | surāsuragaṇān mālyaiḥ sarvataḥ samavākiran

Und von jener Berggipfelspitze fielen Blütenregen herab, die die Scharen der Götter und Asuren ringsum mit Blumenkränzen bestreuten.

Wort für Wort
tasmāc ca girikūṭāgrāt pracyutāḥ puṣpavṛṣṭayaḥ | surāsuragaṇān mālyaiḥ sarvataḥ samavākiran
Und von jener Berggipfelspitze fielen Blütenregen herab, die die Scharen der Götter und Asuren ringsum mit Blumenkränzen bestreuten.

babhūvātra mahāghoṣo mahāmegharavopamaḥ | udadher mathyamānasya mandareṇa surāsuraiḥ

Es entstand dabei ein gewaltiges Getöse, dem Donner großer Wolken gleich, als der Ozean von den Göttern und Asuras mit dem Mandara gequirlt wurde.

Wort für Wort
babhūvātra mahāghoṣo mahāmegharavopamaḥ | udadher mathyamānasya mandareṇa surāsuraiḥ
Es entstand dabei ein gewaltiges Getöse, dem Donner großer Wolken gleich, als der Ozean von den Göttern und Asuras mit dem Mandara gequirlt wurde.

tatra nānājalacarā viniṣpiṣṭā mahādriṇā | vilayaṃ samupājagmuḥ śataśo lavaṇāmbhasi

Dort wurden mancherlei Wassertiere von dem großen Berg zermalmt und gingen hundertfach im salzigen Wasser unter.

Wort für Wort
tatra nānājalacarā viniṣpiṣṭā mahādriṇā | vilayaṃ samupājagmuḥ śataśo lavaṇāmbhasi
Dort wurden mancherlei Wassertiere von dem großen Berg zermalmt und gingen hundertfach im salzigen Wasser unter.

vāruṇāni ca bhūtāni vividhāni mahīdharaḥ | pātālatalavāsīni vilayaṃ samupānayat

Und mancherlei Wesen Varuṇas, die in der Tiefe der Unterwelt wohnten, brachte der Bergträger zugrunde.

Wort für Wort
vāruṇāni ca bhūtāni vividhāni mahīdharaḥ | pātālatalavāsīni vilayaṃ samupānayat
Und mancherlei Wesen Varuṇas, die in der Tiefe der Unterwelt wohnten, brachte der Bergträger zugrunde.

tasmiṃś ca bhrāmyamāṇe 'drau saṃghṛṣyantaḥ parasparam | nyapatan patagopetāḥ parvatāgrān mahādrumāḥ

Und während jener Berg gedreht wurde, fielen, aneinander gerieben, von den Berggipfeln große Bäume samt ihren Vögeln herab.

Wort für Wort
tasmiṃś ca bhrāmyamāṇe 'drau saṃghṛṣyantaḥ parasparam | nyapatan patagopetāḥ parvatāgrān mahādrumāḥ
Und während jener Berg gedreht wurde, fielen, aneinander gerieben, von den Berggipfeln große Bäume samt ihren Vögeln herab.

teṣāṃ saṃgharṣajaś cāgnir arcirbhiḥ prajvalan muhuḥ | vidyudbhir iva nīlābhram āvṛṇon mandaraṃ girim

Und aus ihrer Reibung entstand Feuer, das mit seinen Flammen immer wieder aufloderte, und umhüllte, wie mit Blitzen eine dunkle Wolke, den Berg Mandara.

Wort für Wort
teṣāṃ saṃgharṣajaś cāgnir arcirbhiḥ prajvalan muhuḥ | vidyudbhir iva nīlābhram āvṛṇon mandaraṃ girim
Und aus ihrer Reibung entstand Feuer, das mit seinen Flammen immer wieder aufloderte, und umhüllte, wie mit Blitzen eine dunkle Wolke, den Berg Mandara.

dadāha kuñjarāṃś caiva siṃhāṃś caiva viniḥsṛtān | vigatāsūni sarvāṇi sattvāni vividhāni ca

Es verbrannte die Elefanten und auch die Löwen, die hervorgekommen waren, und alle mancherlei Wesen, die dabei ihr Leben verloren.

Wort für Wort
dadāha kuñjarāṃś caiva siṃhāṃś caiva viniḥsṛtān | vigatāsūni sarvāṇi sattvāni vividhāni ca
Es verbrannte die Elefanten und auch die Löwen, die hervorgekommen waren, und alle mancherlei Wesen, die dabei ihr Leben verloren.

tam agnim amaraśreṣṭhaḥ pradahantaṃ tatas tataḥ | vāriṇā meghajenendraḥ śamayām āsa sarvataḥ

Jenes Feuer, das so immer weiter brannte, löschte der Vortrefflichste der Unsterblichen, Indra, mit dem aus den Wolken entstandenen Wasser, ringsum.

Wort für Wort
tam agnim amaraśreṣṭhaḥ pradahantaṃ tatas tataḥ | vāriṇā meghajenendraḥ śamayām āsa sarvataḥ
Jenes Feuer, das so immer weiter brannte, löschte der Vortrefflichste der Unsterblichen, Indra, mit dem aus den Wolken entstandenen Wasser, ringsum.

tato nānāvidhās tatra susruvuḥ sāgarāmbhasi | mahādrumāṇāṃ niryāsā bahavaś cauṣadhīrasāḥ

Da flossen dort mancherlei, zahlreiche Harze der großen Bäume und Säfte der Kräuter in das Meerwasser.

Wort für Wort
tato nānāvidhās tatra susruvuḥ sāgarāmbhasi | mahādrumāṇāṃ niryāsā bahavaś cauṣadhīrasāḥ
Da flossen dort mancherlei, zahlreiche Harze der großen Bäume und Säfte der Kräuter in das Meerwasser.

teṣām amṛtavīryāṇāṃ rasānāṃ payasaiva ca | amaratvaṃ surā jagmuḥ kāñcanasya ca niḥsravāt

Durch jene amṛta-kräftigen Säfte und durch die Milch, und durch das Ausfließen des Goldes, erlangten die Götter Unsterblichkeit.

Wort für Wort
teṣām amṛtavīryāṇāṃ rasānāṃ payasaiva ca | amaratvaṃ surā jagmuḥ kāñcanasya ca niḥsravāt
Durch jene amṛta-kräftigen Säfte und durch die Milch, und durch das Ausfließen des Goldes, erlangten die Götter Unsterblichkeit.

atha tasya samudrasya taj jātam udakaṃ payaḥ | rasottamair vimiśraṃ ca tataḥ kṣīrād abhūd ghṛtam

Da wurde das Wasser jenes Ozeans zu Milch, mit den vortrefflichsten Säften vermischt; und aus jener Milch wurde Butterschmalz.

Wort für Wort
atha tasya samudrasya taj jātam udakaṃ payaḥ | rasottamair vimiśraṃ ca tataḥ kṣīrād abhūd ghṛtam
Da wurde das Wasser jenes Ozeans zu Milch, mit den vortrefflichsten Säften vermischt; und aus jener Milch wurde Butterschmalz.

tato brahmāṇam āsīnaṃ devā varadam abruvan | śrāntāḥ sma subhṛśaṃ brahman nodbhavaty amṛtaṃ ca tat

Da sprachen die Götter zu Brahmā, der dort saß, dem Wunscherfüller: „Wir sind überaus erschöpft, o Brahmane, und jenes Amṛta entsteht noch nicht;

Wort für Wort
tato brahmāṇam āsīnaṃ devā varadam abruvan | śrāntāḥ sma subhṛśaṃ brahman nodbhavaty amṛtaṃ ca tat
Da sprachen die Götter zu Brahmā, der dort saß, dem Wunscherfüller: „Wir sind überaus erschöpft, o Brahmane, und jenes Amṛta entsteht noch nicht;

ṛte nārāyaṇaṃ devaṃ daityā nāgottamās tathā | cirārabdham idaṃ cāpi sāgarasyāpi manthanam

ohne den Gott Nārāyaṇa geht es nicht — auch die Daityas und die vortrefflichsten der Nāgas sind erschöpft, und dieses Quirlen des Ozeans währt schon lange.“

Wort für Wort
ṛte nārāyaṇaṃ devaṃ daityā nāgottamās tathā | cirārabdham idaṃ cāpi sāgarasyāpi manthanam
ohne den Gott Nārāyaṇa geht es nicht — auch die Daityas und die vortrefflichsten der Nāgas sind erschöpft, und dieses Quirlen des Ozeans währt schon lange.“

tato nārāyaṇaṃ devaṃ brahmā vacanam abravīt | vidhatsvaiṣāṃ balaṃ viṣṇo bhavān atra parāyaṇam

Da sprach Brahmā zum Gott Nārāyaṇa dieses Wort: „Verleihe ihnen Kraft, o Viṣṇu; du bist hierbei die letzte Zuflucht.“

Wort für Wort
tato nārāyaṇaṃ devaṃ brahmā vacanam abravīt | vidhatsvaiṣāṃ balaṃ viṣṇo bhavān atra parāyaṇam
Da sprach Brahmā zum Gott Nārāyaṇa dieses Wort: „Verleihe ihnen Kraft, o Viṣṇu; du bist hierbei die letzte Zuflucht.“

viṣṇur uvāca | balaṃ dadāmi sarveṣāṃ karmaitad ye samāsthitāḥ | kṣobhyatāṃ kalaśaḥ sarvair mandaraḥ parivartyatām

Viṣṇu sprach: „Ich verleihe Kraft allen, die sich diesem Werk unterzogen haben; das Gefäß soll aufgewühlt werden, der Mandara soll von allen gedreht werden.“

Wort für Wort
viṣṇur uvāca | balaṃ dadāmi sarveṣāṃ karmaitad ye samāsthitāḥ | kṣobhyatāṃ kalaśaḥ sarvair mandaraḥ parivartyatām
Viṣṇu sprach: „Ich verleihe Kraft allen, die sich diesem Werk unterzogen haben; das Gefäß soll aufgewühlt werden, der Mandara soll von allen gedreht werden.“

sūta uvāca | nārāyaṇavacaḥ śrutvā balinas te mahodadheḥ | tat payaḥ sahitā bhūyaś cakrire bhṛśam ākulam

Sūta sprach: Als sie Nārāyaṇas Wort gehört hatten, brachten jene Kraftvollen die Milch des großen Ozeans gemeinsam wieder heftig in Aufruhr.

Wort für Wort
sūta uvāca | nārāyaṇavacaḥ śrutvā balinas te mahodadheḥ | tat payaḥ sahitā bhūyaś cakrire bhṛśam ākulam
Sūta sprach: Als sie Nārāyaṇas Wort gehört hatten, brachten jene Kraftvollen die Milch des großen Ozeans gemeinsam wieder heftig in Aufruhr.

tataḥ śatasahasrāṃśuḥ samāna iva sāgarāt | prasannabhāḥ samutpannaḥ somaḥ śītāṃśur ujjvalaḥ

Da entstand aus dem Ozean, gleichsam ihm gleichkommend, der Mond, mit hunderttausend Strahlen, klaren Glanzes, kühlstrahlend, leuchtend.

Wort für Wort
tataḥ śatasahasrāṃśuḥ samāna iva sāgarāt | prasannabhāḥ samutpannaḥ somaḥ śītāṃśur ujjvalaḥ
Da entstand aus dem Ozean, gleichsam ihm gleichkommend, der Mond, mit hunderttausend Strahlen, klaren Glanzes, kühlstrahlend, leuchtend.

śrīr anantaram utpannā ghṛtāt pāṇḍuravāsinī | surā devī samutpannā turagaḥ pāṇḍuras tathā

Danach entstand Śrī, in weißem Gewand gekleidet, aus dem Ghee; die Göttin Surā entstand, und ebenso das weiße Pferd.

Wort für Wort
śrīr anantaram utpannā ghṛtāt pāṇḍuravāsinī | surā devī samutpannā turagaḥ pāṇḍuras tathā
Danach entstand Śrī, in weißem Gewand gekleidet, aus dem Ghee; die Göttin Surā entstand, und ebenso das weiße Pferd.

kaustubhaś ca maṇir divya utpanno 'mṛtasaṃbhavaḥ | marīcivikacaḥ śrīmān nārāyaṇaürogataḥ

Und der göttliche Edelstein Kaustubha entstand, aus dem Amṛta hervorgegangen, strahlengeschmückt, glanzvoll – dieser gelangte auf Nārāyaṇas Brust.

Wort für Wort
kaustubhaś ca maṇir divya utpanno 'mṛtasaṃbhavaḥ | marīcivikacaḥ śrīmān nārāyaṇaürogataḥ
Und der göttliche Edelstein Kaustubha entstand, aus dem Amṛta hervorgegangen, strahlengeschmückt, glanzvoll – dieser gelangte auf Nārāyaṇas Brust.

śrīḥ surā caiva somaś ca turagaś ca manojavaḥ | yato devās tato jagmur ādityapatham āśritāḥ

Śrī und Surā und Soma und das gedankenschnelle Pferd — dorthin, wo die Götter waren, gingen sie, auf dem Sonnenweg wandelnd.

Wort für Wort
śrīḥ surā caiva somaś ca turagaś ca manojavaḥ | yato devās tato jagmur ādityapatham āśritāḥ
Śrī und Surā und Soma und das gedankenschnelle Pferd — dorthin, wo die Götter waren, gingen sie, auf dem Sonnenweg wandelnd.

dhanvantaris tato devo vapuṣmān udatiṣṭhata | śvetaṃ kamaṇḍaluṃ bibhrad amṛtaṃ yatra tiṣṭhati

Dann erhob sich der Gott Dhanvantari, von schöner Gestalt, einen weißen Wassertopf tragend, worin das Amṛta war.

Wort für Wort
dhanvantaris tato devo vapuṣmān udatiṣṭhata | śvetaṃ kamaṇḍaluṃ bibhrad amṛtaṃ yatra tiṣṭhati
Dann erhob sich der Gott Dhanvantari, von schöner Gestalt, einen weißen Wassertopf tragend, worin das Amṛta war.

etad atyadbhutaṃ dṛṣṭvā dānavānāṃ samutthitaḥ | amṛtārthe mahān nādo mamedam iti jalpatām

Als sie dies überaus Wunderbare sahen, erhob sich unter den Dānavas ein großer Lärm, um des Amṛta willen, indem sie riefen: „Dies gehört mir!“

Wort für Wort
etad atyadbhutaṃ dṛṣṭvā dānavānāṃ samutthitaḥ | amṛtārthe mahān nādo mamedam iti jalpatām
Als sie dies überaus Wunderbare sahen, erhob sich unter den Dānavas ein großer Lärm, um des Amṛta willen, indem sie riefen: „Dies gehört mir!“

tato nārāyaṇo māyām āsthito mohinīṃ prabhuḥ | strīrūpam adbhutaṃ kṛtvā dānavān abhisaṃśritaḥ

Da nahm der Herr Nārāyaṇa Zuflucht zur betörenden Zauberkraft, nahm eine wunderbare Frauengestalt an und näherte sich den Dānavas.

Wort für Wort
tato nārāyaṇo māyām āsthito mohinīṃ prabhuḥ | strīrūpam adbhutaṃ kṛtvā dānavān abhisaṃśritaḥ
Da nahm der Herr Nārāyaṇa Zuflucht zur betörenden Zauberkraft, nahm eine wunderbare Frauengestalt an und näherte sich den Dānavas.

tatas tad amṛtaṃ tasyai dadus te mūḍhacetasaḥ | striyai dānavadaiteyāḥ sarve tadgatamānasāḥ

Da gaben jene Dānavas und Daityas, mit betörtem Sinn, alle, ihren Geist auf sie gerichtet, jener Frau das Amṛta.

Wort für Wort
tatas tad amṛtaṃ tasyai dadus te mūḍhacetasaḥ | striyai dānavadaiteyāḥ sarve tadgatamānasāḥ
Da gaben jene Dānavas und Daityas, mit betörtem Sinn, alle, ihren Geist auf sie gerichtet, jener Frau das Amṛta.

[Anm.: Adhyāya 16 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei, unmittelbar nach der Übergabe des Amṛta an die verzauberte Frauengestalt (Mohinī) Nārāyaṇas; die Fortsetzung — Verteilung des Amṛta an die Götter unter Ausschluss der Dānavas, und die Rückkehr zur Kadrū-Vinatā-Rahmenerzählung — dürfte in Adhyāya 17 folgen.]

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