Kapitel 16: Āstīka-parva (Fortsetzung): Samudra-Manthana — das Quirlen des Milchozeans
Āstīka-parva (Fortsetzung): Samudra-Manthana — das Quirlen des Milchozeans, Entstehung von Soma, Śrī, Uccaiḥśravas, Kaustubha und Dhanvantari mit dem Amṛta — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,016.001“ bis „01,016.040“). Die vollständige, berühmte Samudra-Manthana-Erzählung: Ananta reißt den Berg Mandara aus, die Schildkröte Akūpāra trägt ihn, Vāsuki dient als Quirlseil, Götter und Dānavas/Daityas quirlen gemeinsam den Milchozean. Nach anfänglicher Erschöpfung verleiht Viṣṇu/Nārāyaṇa neue Kraft, und nacheinander entstehen: der Mond Soma, die Göttin Śrī, die Weingöttin Surā, das weiße Pferd (Uccaiḥśravas, vgl. Adhyāya 15), der Juwel Kaustubha und schließlich Dhanvantari mit dem Amṛta-Gefäß. Ein Streit der Dānavas um das Amṛta veranlasst Nārāyaṇa, sich in die betörende Frauengestalt Mohinī zu verwandeln, der die Dānavas das Amṛta überlassen – der Adhyāya endet unmittelbar danach, vor der eigentlichen Verteilung. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
„Möget ihr beide hierbei den höchsten, heilbringenden Entschluss fassen; es soll ein Bemühen zur Herausreißung des Mandara zu unserem Wohl unternommen werden.“
„Möget ihr beide hierbei den höchsten, heilbringenden Entschluss fassen; es soll ein Bemühen zur Herausreißung des Mandara zu unserem Wohl unternommen werden.“
tatheti cābravīd viṣṇur brahmaṇā saha bhārgava | tato 'nantaḥ samutthāya brahmaṇā paricoditaḥ | nārāyaṇena cāpy uktas tasmin karmaṇi vīryavān
„So sei es“, sprach Viṣṇu zusammen mit Brahmā, o Bhārgava; da erhob sich Ananta, von Brahmā angetrieben und auch von Nārāyaṇa zu diesem Werk beauftragt, der Kraftvolle.
Wort für Wort
tatheti cābravīd viṣṇur brahmaṇā saha bhārgava | tato 'nantaḥ samutthāya brahmaṇā paricoditaḥ | nārāyaṇena cāpy uktas tasmin karmaṇi vīryavān
„So sei es“, sprach Viṣṇu zusammen mit Brahmā, o Bhārgava; da erhob sich Ananta, von Brahmā angetrieben und auch von Nārāyaṇa zu diesem Werk beauftragt, der Kraftvolle.
Da sprach der Herr der Gewässer: „So soll auch mir ein Anteil zukommen; ich werde die gewaltige Zerwühlung durch das Umherdrehen des Mandara ertragen.“
Da sprach der Herr der Gewässer: „So soll auch mir ein Anteil zukommen; ich werde die gewaltige Zerwühlung durch das Umherdrehen des Mandara ertragen.“
kūrmeṇa tu tathety uktvā pṛṣṭham asya samarpitam | tasya śailasya cāgraṃ vai yantreṇendro 'bhyapīḍayat
Und die Schildkröte sprach „so sei es“, und ihr Rücken wurde dem Berg dargeboten; und die Spitze jenes Berges drückte Indra mit einer Vorrichtung nieder.
Wort für Wort
kūrmeṇa tu tathety uktvā pṛṣṭham asya samarpitam | tasya śailasya cāgraṃ vai yantreṇendro 'bhyapīḍayat
Und die Schildkröte sprach „so sei es“, und ihr Rücken wurde dem Berg dargeboten; und die Spitze jenes Berges drückte Indra mit einer Vorrichtung nieder.
manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā tathā netraṃ ca vāsukim | devā mathitum ārabdhāḥ samudraṃ nidhim ambhasām | amṛtārthinas tato brahman sahitā daityadānavāḥ
Nachdem sie den Mandara zum Quirlstab und Vāsuki zum Seil gemacht hatten, begannen die Götter, den Ozean, den Schatz der Gewässer, zu quirlen; nach dem Amṛta verlangend, zusammen mit ihnen, o Brahmane, die Daityas und Dānavas.
Wort für Wort
manthānaṃ mandaraṃ kṛtvā tathā netraṃ ca vāsukim | devā mathitum ārabdhāḥ samudraṃ nidhim ambhasām | amṛtārthinas tato brahman sahitā daityadānavāḥ
Nachdem sie den Mandara zum Quirlstab und Vāsuki zum Seil gemacht hatten, begannen die Götter, den Ozean, den Schatz der Gewässer, zu quirlen; nach dem Amṛta verlangend, zusammen mit ihnen, o Brahmane, die Daityas und Dānavas.
[Anm.: Hier fungiert Vāsuki (derselbe Nāga-König aus der Āstīka-Erzählung) als Quirlseil, während Ananta/Śeṣa als eigene, davon unterschiedene Gestalt zuvor den Berg herausgerissen hat — im Epos werden Ananta/Śeṣa und Vāsuki als getrennte Schlangenwesen behandelt.]
Als die Schlange Vāsuki so heftig von den Göttern hin- und hergerissen wurde, brachen wiederholt Winde, mit Rauch und Flammen vermischt, aus ihrem Maul hervor.
Als die Schlange Vāsuki so heftig von den Göttern hin- und hergerissen wurde, brachen wiederholt Winde, mit Rauch und Flammen vermischt, aus ihrem Maul hervor.
te dhūmasaṃghāḥ saṃbhūtā meghasaṃghāḥ savidyutaḥ | abhyavarṣan suragaṇāñ śramasaṃtāpakarśitān
Jene entstandenen Rauchmassen wurden zu Wolkenmassen mit Blitzen, die auf die Götterscharen herabregneten, welche von der Anstrengung und Hitze erschöpft waren.
Wort für Wort
te dhūmasaṃghāḥ saṃbhūtā meghasaṃghāḥ savidyutaḥ | abhyavarṣan suragaṇāñ śramasaṃtāpakarśitān
Jene entstandenen Rauchmassen wurden zu Wolkenmassen mit Blitzen, die auf die Götterscharen herabregneten, welche von der Anstrengung und Hitze erschöpft waren.
Und aus ihrer Reibung entstand Feuer, das mit seinen Flammen immer wieder aufloderte, und umhüllte, wie mit Blitzen eine dunkle Wolke, den Berg Mandara.
Und aus ihrer Reibung entstand Feuer, das mit seinen Flammen immer wieder aufloderte, und umhüllte, wie mit Blitzen eine dunkle Wolke, den Berg Mandara.
ohne den Gott Nārāyaṇa geht es nicht — auch die Daityas und die vortrefflichsten der Nāgas sind erschöpft, und dieses Quirlen des Ozeans währt schon lange.“
ohne den Gott Nārāyaṇa geht es nicht — auch die Daityas und die vortrefflichsten der Nāgas sind erschöpft, und dieses Quirlen des Ozeans währt schon lange.“
Viṣṇu sprach: „Ich verleihe Kraft allen, die sich diesem Werk unterzogen haben; das Gefäß soll aufgewühlt werden, der Mandara soll von allen gedreht werden.“
Viṣṇu sprach: „Ich verleihe Kraft allen, die sich diesem Werk unterzogen haben; das Gefäß soll aufgewühlt werden, der Mandara soll von allen gedreht werden.“
tatas tad amṛtaṃ tasyai dadus te mūḍhacetasaḥ | striyai dānavadaiteyāḥ sarve tadgatamānasāḥ
Da gaben jene Dānavas und Daityas, mit betörtem Sinn, alle, ihren Geist auf sie gerichtet, jener Frau das Amṛta.
Wort für Wort
tatas tad amṛtaṃ tasyai dadus te mūḍhacetasaḥ | striyai dānavadaiteyāḥ sarve tadgatamānasāḥ
Da gaben jene Dānavas und Daityas, mit betörtem Sinn, alle, ihren Geist auf sie gerichtet, jener Frau das Amṛta.
[Anm.: Adhyāya 16 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei, unmittelbar nach der Übergabe des Amṛta an die verzauberte Frauengestalt (Mohinī) Nārāyaṇas; die Fortsetzung — Verteilung des Amṛta an die Götter unter Ausschluss der Dānavas, und die Rückkehr zur Kadrū-Vinatā-Rahmenerzählung — dürfte in Adhyāya 17 folgen.]