Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 207: Citrāṅgadopākhyānam Die Erzählung von Citrāṅgadā

Arjuna setzt seine Pilgerreise fort, besucht zahlreiche heilige Stätten vom Himavat über Naimiṣa bis in die Länder Aṅga, Vaṅga und Kaliṅga, und gelangt schließlich nach Maṇalūra. Dort begehrt er Citrāṅgadā, die Tochter König Citravāhanas. Der König berichtet von einem Segen Śaṃkaras, wonach in seinem Geschlecht stets nur ein einziges Kind geboren wird; da Citrāṅgadā als Putrikā zur Fortführung des Geschlechts bestimmt ist, macht er zur Bedingung, dass ein aus dieser Verbindung hervorgehender Sohn im Land bleibt. Arjuna willigt ein und verweilt drei Jahre in der Stadt.

vaiśaṃpāyana uvāca kathayitvā tu tat sarvaṃ brāhmaṇebhyaḥ sa bhārata prayayau himavatpārśvaṃ tato vajradharātmajaḥ

Vaiśampāyana sprach: Nachdem er das alles den Brahmanen erzählt hatte, o Bhārata, zog der Sohn des Blitzträgers von dort zur Seite des Himavat.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca kathayitvā tu tat sarvaṃ brāhmaṇebhyaḥ sa bhārata prayayau himavatpārśvaṃ tato vajradharātmajaḥ
Vaiśampāyana sprach: Nachdem er das alles den Brahmanen erzählt hatte, o Bhārata, zog der Sohn des Blitzträgers von dort zur Seite des Himavat.

agastyavaṭam āsādya vasiṣṭhasya ca parvatam bhṛgutuṅge ca kaunteyaḥ kṛtavāñ śaucam ātmanaḥ

Als er zum Agastya-Feigenbaum und zum Berg des Vasiṣṭha gelangte, sowie zum Bhṛgutuṅga, vollzog der Sohn Kuntīs seine Reinigung.

Wort für Wort
agastyavaṭam āsādya vasiṣṭhasya ca parvatam bhṛgutuṅge ca kaunteyaḥ kṛtavāñ śaucam ātmanaḥ
Als er zum Agastya-Feigenbaum und zum Berg des Vasiṣṭha gelangte, sowie zum Bhṛgutuṅga, vollzog der Sohn Kuntīs seine Reinigung.

pradadau gosahasrāṇi tīrtheṣv āyataneṣu ca niveśāṃś ca dvijātibhyaḥ so 'dadat kurusattamaḥ

Er schenkte tausende Kühe an den Pilgerstätten und Heiligtümern, und der Beste der Kurus gab den Zweimalgeborenen auch Wohnstätten.

Wort für Wort
pradadau gosahasrāṇi tīrtheṣv āyataneṣu ca niveśāṃś ca dvijātibhyaḥ so 'dadat kurusattamaḥ
Er schenkte tausende Kühe an den Pilgerstätten und Heiligtümern, und der Beste der Kurus gab den Zweimalgeborenen auch Wohnstätten.

hiraṇyabindos tīrthe ca snātvā puruṣasattamaḥ dṛṣṭavān parvataśreṣṭhaṃ puṇyāny āyatanāni ca

Nachdem er an der Pilgerstätte des Hiraṇyabindu gebadet hatte, sah der Beste der Männer den vortrefflichsten Berg und die heiligen Heiligtümer.

Wort für Wort
hiraṇyabindos tīrthe ca snātvā puruṣasattamaḥ dṛṣṭavān parvataśreṣṭhaṃ puṇyāny āyatanāni ca
Nachdem er an der Pilgerstätte des Hiraṇyabindu gebadet hatte, sah der Beste der Männer den vortrefflichsten Berg und die heiligen Heiligtümer.

avatīrya naraśreṣṭho brāhmaṇaiḥ saha bhārata prācīṃ diśam abhiprepsur jagāma bharatarṣabhaḥ

Der Beste der Männer stieg hinab und zog, zusammen mit den Brahmanen, o Bhārata, nach Osten strebend, der Stier der Bharatas.

Wort für Wort
avatīrya naraśreṣṭho brāhmaṇaiḥ saha bhārata prācīṃ diśam abhiprepsur jagāma bharatarṣabhaḥ
Der Beste der Männer stieg hinab und zog, zusammen mit den Brahmanen, o Bhārata, nach Osten strebend, der Stier der Bharatas.

ānupūrvyeṇa tīrthāni dṛṣṭavān kurusattamaḥ nadīṃ cotpalinīṃ ramyām araṇyaṃ naimiṣaṃ prati

Der Beste der Kurus besuchte der Reihe nach die Pilgerstätten, den lieblichen Utpalinī-Fluss, in Richtung des Naimiṣa-Waldes,

Wort für Wort
ānupūrvyeṇa tīrthāni dṛṣṭavān kurusattamaḥ nadīṃ cotpalinīṃ ramyām araṇyaṃ naimiṣaṃ prati
Der Beste der Kurus besuchte der Reihe nach die Pilgerstätten, den lieblichen Utpalinī-Fluss, in Richtung des Naimiṣa-Waldes,

nandām aparanandāṃ ca kauśikīṃ ca yaśasvinīm mahānadīṃ gayāṃ caiva gaṅgām api ca bhārata

die Nandā und die Aparanandā, sowie die ruhmreiche Kauśikī, die Mahānadī, sowie Gayā und die Gaṅgā, o Bhārata.

Wort für Wort
nandām aparanandāṃ ca kauśikīṃ ca yaśasvinīm mahānadīṃ gayāṃ caiva gaṅgām api ca bhārata
die Nandā und die Aparanandā, sowie die ruhmreiche Kauśikī, die Mahānadī, sowie Gayā und die Gaṅgā, o Bhārata.

evaṃ sarvāṇi tīrthāni paśyamānas tathāśramān ātmanaḥ pāvanaṃ kurvan brāhmaṇebhyo dadau vasu

So besuchte er, während er all die Pilgerstätten und Einsiedeleien sah, sich selbst reinigend, und schenkte den Brahmanen Reichtümer.

Wort für Wort
evaṃ sarvāṇi tīrthāni paśyamānas tathāśramān ātmanaḥ pāvanaṃ kurvan brāhmaṇebhyo dadau vasu
So besuchte er, während er all die Pilgerstätten und Einsiedeleien sah, sich selbst reinigend, und schenkte den Brahmanen Reichtümer.

aṅgavaṅgakaliṅgeṣu yāni puṇyāni kāni cit jagāma tāni sarvāṇi tīrthāny āyatanāni ca dṛṣṭvā ca vidhivat tāni dhanaṃ cāpi dadau tataḥ

In den Ländern Aṅga, Vaṅga und Kaliṅga besuchte er alle heiligen Pilgerstätten und Heiligtümer, die es dort gab, und nachdem er sie vorschriftsmäßig besucht hatte, schenkte er auch dort Reichtümer.

Wort für Wort
aṅgavaṅgakaliṅgeṣu yāni puṇyāni kāni cit jagāma tāni sarvāṇi tīrthāny āyatanāni ca dṛṣṭvā ca vidhivat tāni dhanaṃ cāpi dadau tataḥ
In den Ländern Aṅga, Vaṅga und Kaliṅga besuchte er alle heiligen Pilgerstätten und Heiligtümer, die es dort gab, und nachdem er sie vorschriftsmäßig besucht hatte, schenkte er auch dort Reichtümer.

kaliṅgarāṣṭradvāreṣu brāhmaṇāḥ pāṇḍavānugāḥ abhyanujñāya kaunteyam upāvartanta bhārata

An den Grenzen des Kaliṅga-Reiches kehrten die Brahmanen, die dem Pāṇḍava gefolgt waren, nachdem sie sich vom Sohn Kuntīs verabschiedet hatten, um, o Bhārata.

Wort für Wort
kaliṅgarāṣṭradvāreṣu brāhmaṇāḥ pāṇḍavānugāḥ abhyanujñāya kaunteyam upāvartanta bhārata
An den Grenzen des Kaliṅga-Reiches kehrten die Brahmanen, die dem Pāṇḍava gefolgt waren, nachdem sie sich vom Sohn Kuntīs verabschiedet hatten, um, o Bhārata.

sa tu tair abhyanujñātaḥ kuntīputro dhanaṃjayaḥ sahāyair alpakaiḥ śūraḥ prayayau yena sāgaram

Von ihnen verabschiedet, zog der Sohn Kuntīs, Dhanaṃjaya, der Held, mit nur wenigen Begleitern dorthin, wo das Meer war.

Wort für Wort
sa tu tair abhyanujñātaḥ kuntīputro dhanaṃjayaḥ sahāyair alpakaiḥ śūraḥ prayayau yena sāgaram
Von ihnen verabschiedet, zog der Sohn Kuntīs, Dhanaṃjaya, der Held, mit nur wenigen Begleitern dorthin, wo das Meer war.

sa kaliṅgān atikramya deśān āyatanāni ca dharmyāṇi ramaṇīyāni prekṣamāṇo yayau prabhuḥ

Nachdem er Kaliṅga durchquert hatte, zog der Herr weiter, wobei er die frommen, lieblichen Länder und Heiligtümer betrachtete.

Wort für Wort
sa kaliṅgān atikramya deśān āyatanāni ca dharmyāṇi ramaṇīyāni prekṣamāṇo yayau prabhuḥ
Nachdem er Kaliṅga durchquert hatte, zog der Herr weiter, wobei er die frommen, lieblichen Länder und Heiligtümer betrachtete.

mahendraparvataṃ dṛṣṭvā tāpasair upaśobhitam samudratīreṇa śanair maṇalūraṃ jagāma ha

Nachdem er den Berg Mahendra gesehen hatte, geschmückt von Asketen, zog er langsam am Meeresufer entlang nach Maṇalūra.

Wort für Wort
mahendraparvataṃ dṛṣṭvā tāpasair upaśobhitam samudratīreṇa śanair maṇalūraṃ jagāma ha
Nachdem er den Berg Mahendra gesehen hatte, geschmückt von Asketen, zog er langsam am Meeresufer entlang nach Maṇalūra.

tatra sarvāṇi tīrthāni puṇyāny āyatanāni ca abhigamya mahābāhur abhyagacchan mahīpatim maṇalūreśvaraṃ rājan dharmajñaṃ citravāhanam

Dort besuchte der Starkarmige alle heiligen Pilgerstätten und Heiligtümer und begab sich dann zum Herrscher, dem Herrn von Maṇalūra, dem rechtskundigen König Citravāhana, o König.

Wort für Wort
tatra sarvāṇi tīrthāni puṇyāny āyatanāni ca abhigamya mahābāhur abhyagacchan mahīpatim maṇalūreśvaraṃ rājan dharmajñaṃ citravāhanam
Dort besuchte der Starkarmige alle heiligen Pilgerstätten und Heiligtümer und begab sich dann zum Herrscher, dem Herrn von Maṇalūra, dem rechtskundigen König Citravāhana, o König.

tasya citrāṅgadā nāma duhitā cārudarśanā tāṃ dadarśa pure tasmin vicarantīṃ yadṛcchayā

Dessen Tochter, mit Namen Citrāṅgadā, von reizvollem Anblick, sah er in jener Stadt, wie sie zufällig umherwandelte.

Wort für Wort
tasya citrāṅgadā nāma duhitā cārudarśanā tāṃ dadarśa pure tasmin vicarantīṃ yadṛcchayā
Dessen Tochter, mit Namen Citrāṅgadā, von reizvollem Anblick, sah er in jener Stadt, wie sie zufällig umherwandelte.

dṛṣṭvā ca tāṃ varārohāṃ cakame caitravāhinīm abhigamya ca rājānaṃ jñāpayat svaṃ prayojanam tam uvācātha rājā sa sāntvapūrvam idaṃ vacaḥ

Als er die Schönhüftige, die Tochter Citravāhanas, sah, begehrte er sie; er trat zum König und teilte ihm sein Anliegen mit; da sprach jener König zu ihm freundlich dieses Wort:

Wort für Wort
dṛṣṭvā ca tāṃ varārohāṃ cakame caitravāhinīm abhigamya ca rājānaṃ jñāpayat svaṃ prayojanam tam uvācātha rājā sa sāntvapūrvam idaṃ vacaḥ
Als er die Schönhüftige, die Tochter Citravāhanas, sah, begehrte er sie; er trat zum König und teilte ihm sein Anliegen mit; da sprach jener König zu ihm freundlich dieses Wort:

rājā prabhaṃkaro nāma kule asmin babhūva ha aputraḥ prasavenārthī tapas tepe sa uttamam

Ein König namens Prabhaṃkara lebte einst in diesem Geschlecht; kinderlos, nach Nachkommenschaft verlangend, übte er höchste Askese.

Wort für Wort
rājā prabhaṃkaro nāma kule asmin babhūva ha aputraḥ prasavenārthī tapas tepe sa uttamam
Ein König namens Prabhaṃkara lebte einst in diesem Geschlecht; kinderlos, nach Nachkommenschaft verlangend, übte er höchste Askese.

ugreṇa tapasā tena praṇipātena śaṃkaraḥ īśvaras toṣitas tena mahādeva umāpatiḥ

Durch diese strenge Askese und Verehrung wurde Śaṃkara, der Herr, der große Gott, der Gemahl der Umā, von ihm zufriedengestellt.

Wort für Wort
ugreṇa tapasā tena praṇipātena śaṃkaraḥ īśvaras toṣitas tena mahādeva umāpatiḥ
Durch diese strenge Askese und Verehrung wurde Śaṃkara, der Herr, der große Gott, der Gemahl der Umā, von ihm zufriedengestellt.

sa tasmai bhagavān prādād ekaikaṃ prasavaṃ kule ekaikaḥ prasavas tasmād bhavaty asmin kule sadā

Der Erhabene gewährte ihm, dass in diesem Geschlecht jeweils nur ein einziges Kind geboren werde; deshalb wird in diesem Geschlecht seither stets nur ein einziges Kind geboren.

Wort für Wort
sa tasmai bhagavān prādād ekaikaṃ prasavaṃ kule ekaikaḥ prasavas tasmād bhavaty asmin kule sadā
Der Erhabene gewährte ihm, dass in diesem Geschlecht jeweils nur ein einziges Kind geboren werde; deshalb wird in diesem Geschlecht seither stets nur ein einziges Kind geboren.

teṣāṃ kumārāḥ sarveṣāṃ pūrveṣāṃ mama jajñire kanyā tu mama jāteyaṃ kulasyotpādanī dhruvam

Bei all meinen Vorfahren wurden Söhne geboren; mir aber wurde diese Tochter geboren, die gewiss zur Fortführung des Geschlechts bestimmt ist.

Wort für Wort
teṣāṃ kumārāḥ sarveṣāṃ pūrveṣāṃ mama jajñire kanyā tu mama jāteyaṃ kulasyotpādanī dhruvam
Bei all meinen Vorfahren wurden Söhne geboren; mir aber wurde diese Tochter geboren, die gewiss zur Fortführung des Geschlechts bestimmt ist.

putro mameyam iti me bhāvanā puruṣottama putrikā hetuvidhinā saṃjñitā bharatarṣabha

Sie ist mir wie ein Sohn - dies ist meine Auffassung, Bester der Männer; sie ist, aus diesem Grund, förmlich zur Putrikā, zur erbberechtigten Tochter, bestimmt, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
putro mameyam iti me bhāvanā puruṣottama putrikā hetuvidhinā saṃjñitā bharatarṣabha
Sie ist mir wie ein Sohn - dies ist meine Auffassung, Bester der Männer; sie ist, aus diesem Grund, förmlich zur Putrikā, zur erbberechtigten Tochter, bestimmt, Stier der Bharatas.

etac chulkaṃ bhavatv asyāḥ kulakṛj jāyatām iha etena samayenemāṃ pratigṛhṇīṣva pāṇḍava

Dies sei ihr Brautpreis: Ein Geschlechtsfortführer soll hier aus dieser Verbindung geboren werden; unter dieser Bedingung nimm sie an, Pāṇḍava.

Wort für Wort
etac chulkaṃ bhavatv asyāḥ kulakṛj jāyatām iha etena samayenemāṃ pratigṛhṇīṣva pāṇḍava
Dies sei ihr Brautpreis: Ein Geschlechtsfortführer soll hier aus dieser Verbindung geboren werden; unter dieser Bedingung nimm sie an, Pāṇḍava.

sa tatheti pratijñāya kanyāṃ tāṃ pratigṛhya ca uvāsa nagare tasmin kaunteyas trihimāḥ samāḥ

Er sagte So sei es, nahm jene Jungfrau an und weilte drei Jahre lang in jener Stadt, der Sohn Kuntīs.

Wort für Wort
sa tatheti pratijñāya kanyāṃ tāṃ pratigṛhya ca uvāsa nagare tasmin kaunteyas trihimāḥ samāḥ
Er sagte So sei es, nahm jene Jungfrau an und weilte drei Jahre lang in jener Stadt, der Sohn Kuntīs.

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