Kapitel 37: Āstīka-parva (Fortsetzung): Śṛṅgins Fluch gegen Parikṣit
Āstīka-parva (Fortsetzung): Śṛṅgin verflucht König Parikṣit zum Tod durch Takṣaka; sein Vater ermahnt ihn — (Kritische Ausgabe, BORI/Poona)
Übersetzt aus der kritischen Ausgabe (Bhandarkar Oriental Research Institute, Poona; lokale GRETIL-Unicode-Transkription, Datei mbh_01_u.htm, Verse „01,037.001“ bis „01,037.027“). Der hagere Gefährte berichtet Śṛṅgin die Vorgänge um die tote Schlange auf der Schulter seines Vaters; der zornige Śṛṅgin spricht daraufhin einen furchtbaren Fluch gegen König Parikṣit aus, wonach ihn Takṣaka, der Beste der Schlangen, am siebten Tag töten werde. Als er zu seinem Vater zurückkehrt und diesen noch immer mit der toten Schlange auf der Schulter sitzen sieht, berichtet er ihm den Fluch. Der Vater tadelt ihn: ein König, der sein Volk beschützt, verdiene keinen Fluch, zumal die Tat aus Hunger und Erschöpfung, ohne Kenntnis von Śṛṅgins Schweigegelübde, geschehen sei. Dieser Fluch ist der unmittelbare Auslöser der Ereigniskette, die zu Parikṣits Tod und zu Janamejayas Sarpasatra führt. Wort-für-Wort-Gliederung wie bei den vorigen kritischen Kapiteln: ein Chunk pro Vers-Einheit.
Sūta sprach: So angesprochen, wurde jener glanzvolle Śṛṅgin von Zorn erfüllt; als er hörte, dass sein Vater einen Toten trug, quälte er sich vor Grimm.
Sūta sprach: So angesprochen, wurde jener glanzvolle Śṛṅgin von Zorn erfüllt; als er hörte, dass sein Vater einen Toten trug, quälte er sich vor Grimm.
śṛṅgy uvāca | kiṃ me pitrā kṛtaṃ tasya rājño 'niṣṭaṃ durātmanaḥ | brūhi tvaṃ kṛśa tattvena paśya me tapaso balam
Śṛṅgin sprach: „Was hat mein Vater diesem König von böser Gesinnung Unliebes getan? Sage du es mir wahrheitsgemäß, Hagerer — sieh die Kraft meiner Askese!“
Wort für Wort
śṛṅgy uvāca | kiṃ me pitrā kṛtaṃ tasya rājño 'niṣṭaṃ durātmanaḥ | brūhi tvaṃ kṛśa tattvena paśya me tapaso balam
Śṛṅgin sprach: „Was hat mein Vater diesem König von böser Gesinnung Unliebes getan? Sage du es mir wahrheitsgemäß, Hagerer — sieh die Kraft meiner Askese!“
Der Hagere sprach: „Jener König Parikṣit, Sohn des Abhimanyu, war zur Jagd gegangen; er verfolgte allein ein Reh, das er mit einem gefiederten Pfeil durchbohrt hatte.
Der Hagere sprach: „Jener König Parikṣit, Sohn des Abhimanyu, war zur Jagd gegangen; er verfolgte allein ein Reh, das er mit einem gefiederten Pfeil durchbohrt hatte.
na cāpaśyan mṛgaṃ rājā caraṃs tasmin mahāvane | pitaraṃ te sa dṛṣṭvaiva papracchānabhibhāṣiṇam
Und da der König, in jenem großen Wald umherstreifend, das Reh nicht sah, fragte er, sobald er deinen Vater erblickte, diesen, obwohl er nicht antwortete —
Wort für Wort
na cāpaśyan mṛgaṃ rājā caraṃs tasmin mahāvane | pitaraṃ te sa dṛṣṭvaiva papracchānabhibhāṣiṇam
Und da der König, in jenem großen Wald umherstreifend, das Reh nicht sah, fragte er, sobald er deinen Vater erblickte, diesen, obwohl er nicht antwortete —
Sūta sprach: Als er dies gehört hatte, stand der Sehersohn da wie erstarrt, den Blick gleichsam zum Himmel gerichtet, mit vor Zorn geröteten Augen, wie vor Grimm auflodernd.
Sūta sprach: Als er dies gehört hatte, stand der Sehersohn da wie erstarrt, den Blick gleichsam zum Himmel gerichtet, mit vor Zorn geröteten Augen, wie vor Grimm auflodernd.
Sūta sprach: Nachdem er so den König verflucht hatte, ging der zornige Śṛṅgin zu seinem Vater, der auf jener Weide saß und noch die tote Schlange trug.
Sūta sprach: Nachdem er so den König verflucht hatte, ging der zornige Śṛṅgin zu seinem Vater, der auf jener Weide saß und noch die tote Schlange trug.
Vor Schmerz vergoss er Tränen und sprach zu seinem Vater dies: „Als ich von dieser Kränkung hörte, Vater, die dir von jenem Bösgesinnten zugefügt wurde,
Vor Schmerz vergoss er Tränen und sprach zu seinem Vater dies: „Als ich von dieser Kränkung hörte, Vater, die dir von jenem Bösgesinnten zugefügt wurde,
Am siebten Tag wird der überaus furchtbare Takṣaka, der Beste der Schlangen, jenen Sünder in die Behausung des Vaivasvata führen.“
[Anm.: „Vaivasvata“ (Sohn des Vivasvat) ist ein geläufiges Epitheton Yamas, des Totengottes — vgl. Vers 14, wo bereits „yamasya sadanam“ (Yamas Behausung) genannt wurde.]
tam abravīt pitā brahmaṃs tathā kopasamanvitam | na me priyaṃ kṛtaṃ tāta naiṣa dharmas tapasvinām
Der Vater sprach zu ihm, o Brahmane, der so von Zorn erfüllt war: „Das ist mir nicht lieb, was du getan hast, mein Sohn; dies ist nicht die Pflicht derer, die der Askese ergeben sind.
Wort für Wort
tam abravīt pitā brahmaṃs tathā kopasamanvitam | na me priyaṃ kṛtaṃ tāta naiṣa dharmas tapasvinām
Der Vater sprach zu ihm, o Brahmane, der so von Zorn erfüllt war: „Das ist mir nicht lieb, was du getan hast, mein Sohn; dies ist nicht die Pflicht derer, die der Askese ergeben sind.
sarvathā vartamānasya rājño hy asmadvidhaiḥ sadā | kṣantavyaṃ putra dharmo hi hato hanti na saṃśayaḥ
In jeder Hinsicht muss einem so handelnden König von unsereins stets verziehen werden, mein Sohn; denn die verletzte Pflicht vernichtet, ohne Zweifel, den, der sie verletzt.
Wort für Wort
sarvathā vartamānasya rājño hy asmadvidhaiḥ sadā | kṣantavyaṃ putra dharmo hi hato hanti na saṃśayaḥ
In jeder Hinsicht muss einem so handelnden König von unsereins stets verziehen werden, mein Sohn; denn die verletzte Pflicht vernichtet, ohne Zweifel, den, der sie verletzt.
Beschützt von Königen, die nach der Lehre der heiligen Schriften handeln, üben wir, Vater, ausgedehnte Pflicht aus; und ihnen kommt rechtmäßig ein Anteil daran zu.
Beschützt von Königen, die nach der Lehre der heiligen Schriften handeln, üben wir, Vater, ausgedehnte Pflicht aus; und ihnen kommt rechtmäßig ein Anteil daran zu.
Parikṣit aber beschützt uns in besonderer Weise, wie einst sein Urgroßvater; er beschützt uns so, wie Untertanen von einem König beschützt werden sollen.
Parikṣit aber beschützt uns in besonderer Weise, wie einst sein Urgroßvater; er beschützt uns so, wie Untertanen von einem König beschützt werden sollen.
tasmād idaṃ tvayā bālyāt sahasā duṣkṛtaṃ kṛtam | na hy arhati nṛpaḥ śāpam asmattaḥ putra sarvathā
Deshalb hast du hierin, aus Kindlichkeit, überstürzt eine üble Tat begangen; denn der König verdient in keiner Weise einen Fluch von unsereins, mein Sohn.“
Wort für Wort
tasmād idaṃ tvayā bālyāt sahasā duṣkṛtaṃ kṛtam | na hy arhati nṛpaḥ śāpam asmattaḥ putra sarvathā
Deshalb hast du hierin, aus Kindlichkeit, überstürzt eine üble Tat begangen; denn der König verdient in keiner Weise einen Fluch von unsereins, mein Sohn.“
[Anm.: Adhyāya 37 endet hier gemäß der lokalen Quelldatei. Śṛṅgins voreiliger Fluch — König Parikṣit werde am siebten Tag von Takṣaka getötet — bildet den unmittelbaren Auslöser für das im folgenden Adhyāya beginnende Geschehen um Parikṣits Tod, das seinerseits Janamejayas Sarpasatra und damit den Rahmen der gesamten Erzählung motiviert.]