Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Ādiparva

Kapitel 141: Bhīmahiḍimbayor Yuddhārambhaḥ Beginn des Kampfes zwischen Bhīma und Hiḍimba

Bhīma verteidigt Hiḍimbā mit dem Argument, dass sie unschuldig sei, da der Liebesgott und nicht ihr eigener Wille sie zu ihm getrieben habe, und fordert Hiḍimba zum Zweikampf. Nach gegenseitigem Prahlen und Drohen stürzt Hiḍimba an; Bhīma fängt seinen Schlag mühelos ab, zerrt ihn fort und beide liefern sich einen gewaltigen Ringkampf, der Bäume zerbricht und schließlich die schlafenden Brüder und Kuntī weckt, die Hiḍimbā vor sich stehen sehen.

vaiśaṃpāyana uvāca bhīmasenas tu taṃ dṛṣṭvā rākṣasaṃ prahasann iva bhaginīṃ prati saṃkruddham idaṃ vacanam abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Bhīmasena aber, jenen Rākṣasa sehend, der gegen seine Schwester zornentbrannt war, sprach, gleichsam lachend, dieses Wort:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca bhīmasenas tu taṃ dṛṣṭvā rākṣasaṃ prahasann iva bhaginīṃ prati saṃkruddham idaṃ vacanam abravīt
Vaiśaṃpāyana sprach: Bhīmasena aber, jenen Rākṣasa sehend, der gegen seine Schwester zornentbrannt war, sprach, gleichsam lachend, dieses Wort:

kiṃ te hiḍimba etair vā sukhasuptaiḥ prabodhitaiḥ mām āsādaya durbuddhe tarasā tvaṃ narāśana

‚Was hast du, Hiḍimba, davon, diese friedlich Schlafenden zu wecken? Stell dich mir entgegen, du Übelgesinnter, rasch, du Menschenfresser.'

Wort für Wort
kiṃ te hiḍimba etair vā sukhasuptaiḥ prabodhitaiḥ mām āsādaya durbuddhe tarasā tvaṃ narāśana
‚Was hast du, Hiḍimba, davon, diese friedlich Schlafenden zu wecken? Stell dich mir entgegen, du Übelgesinnter, rasch, du Menschenfresser.'

mayy eva praharaihi tvaṃ na striyaṃ hantum arhasi viśeṣato 'napakṛte pareṇāpakṛte sati

‚Auf mich allein sollst du losschlagen; eine Frau zu töten geziemt dir nicht, zumal eine Unschuldige, wenn das Unrecht von einem anderen begangen wurde.'

Wort für Wort
mayy eva praharaihi tvaṃ na striyaṃ hantum arhasi viśeṣato 'napakṛte pareṇāpakṛte sati
‚Auf mich allein sollst du losschlagen; eine Frau zu töten geziemt dir nicht, zumal eine Unschuldige, wenn das Unrecht von einem anderen begangen wurde.'

na hīyaṃ svavaśā bālā kāmayaty adya mām iha coditaiṣā hy anaṅgena śarīrāntaracāriṇā bhaginī tava durbuddhe rākṣasānāṃ yaśohara

‚Denn nicht aus eigenem Willen begehrt dieses Mädchen mich hier heute; deine Schwester wurde vom körperlosen Liebesgott, der im Inneren des Körpers wirkt, angetrieben, du Übelgesinnter, Schandfleck der Rākṣasas.'

Wort für Wort
na hīyaṃ svavaśā bālā kāmayaty adya mām iha coditaiṣā hy anaṅgena śarīrāntaracāriṇā bhaginī tava durbuddhe rākṣasānāṃ yaśohara
‚Denn nicht aus eigenem Willen begehrt dieses Mädchen mich hier heute; deine Schwester wurde vom körperlosen Liebesgott, der im Inneren des Körpers wirkt, angetrieben, du Übelgesinnter, Schandfleck der Rākṣasas.'

tvanniyogena caiveyaṃ rūpaṃ mama samīkṣya ca kāmayaty adya māṃ bhīrur naiṣā dūṣayate kulam

‚Auf deinen Befehl hin ausgesandt, hat sie, meine Gestalt erblickend, heute Verlangen nach mir gefasst, die Furchtsame; sie befleckt damit nicht ihr Geschlecht.'

Wort für Wort
tvanniyogena caiveyaṃ rūpaṃ mama samīkṣya ca kāmayaty adya māṃ bhīrur naiṣā dūṣayate kulam
‚Auf deinen Befehl hin ausgesandt, hat sie, meine Gestalt erblickend, heute Verlangen nach mir gefasst, die Furchtsame; sie befleckt damit nicht ihr Geschlecht.'

[Anm.: tvanniyogena – wörtlich ‚durch deinen Auftrag'; wohl bezogen darauf, dass Hiḍimbā auf Hiḍimbas Geheiß ausgesandt wurde, sich dabei aber unabsichtlich verliebte. [?]

anaṅgena kṛte doṣe nemāṃ tvam iha rākṣasa mayi tiṣṭhati duṣṭātman na striyaṃ hantum arhasi

‚Da die Schuld vom Liebesgott begangen wurde, sollst du sie, Rākṣasa, dafür nicht büßen lassen; solange ich hier stehe, du Bösgesinnter, geziemt es dir nicht, eine Frau zu töten.'

Wort für Wort
anaṅgena kṛte doṣe nemāṃ tvam iha rākṣasa mayi tiṣṭhati duṣṭātman na striyaṃ hantum arhasi
‚Da die Schuld vom Liebesgott begangen wurde, sollst du sie, Rākṣasa, dafür nicht büßen lassen; solange ich hier stehe, du Bösgesinnter, geziemt es dir nicht, eine Frau zu töten.'

samāgaccha mayā sārdham ekenaiko narāśana aham eva nayiṣyāmi tvām adya yamasādanam

‚Tritt du mit mir zusammen an, einer gegen einen, du Menschenfresser; ich allein werde dich heute in Yamas Wohnstatt schicken.'

Wort für Wort
samāgaccha mayā sārdham ekenaiko narāśana aham eva nayiṣyāmi tvām adya yamasādanam
‚Tritt du mit mir zusammen an, einer gegen einen, du Menschenfresser; ich allein werde dich heute in Yamas Wohnstatt schicken.'

adya te talaniṣpiṣṭaṃ śiro rākṣasa dīryatām kuñjarasyeva pādena viniṣpiṣṭaṃ balīyasaḥ

‚Heute soll dein Haupt, o Rākṣasa, von meiner Handfläche zermalmt, bersten, wie unter dem Fuß eines mächtigen Elefanten zermalmt.'

Wort für Wort
adya te talaniṣpiṣṭaṃ śiro rākṣasa dīryatām kuñjarasyeva pādena viniṣpiṣṭaṃ balīyasaḥ
‚Heute soll dein Haupt, o Rākṣasa, von meiner Handfläche zermalmt, bersten, wie unter dem Fuß eines mächtigen Elefanten zermalmt.'

adya gātrāṇi kravyādāḥ śyenā gomāyavaś ca te karṣantu bhuvi saṃhṛṣṭā nihatasya mayā mṛdhe

‚Heute sollen fleischfressende Falken und Schakale, freudig erregt, deine Glieder auf der Erde zerren, dich, der du von mir im Kampf erschlagen bist.'

Wort für Wort
adya gātrāṇi kravyādāḥ śyenā gomāyavaś ca te karṣantu bhuvi saṃhṛṣṭā nihatasya mayā mṛdhe
‚Heute sollen fleischfressende Falken und Schakale, freudig erregt, deine Glieder auf der Erde zerren, dich, der du von mir im Kampf erschlagen bist.'

kṣaṇenādya kariṣye 'ham idaṃ vanam akaṇṭakam purastād dūṣitaṃ nityaṃ tvayā bhakṣayatā narān

‚In einem Augenblick werde ich heute diesen Wald von dir befreien, der zuvor stets durch dich, der du Menschen verzehrtest, befleckt war.'

Wort für Wort
kṣaṇenādya kariṣye 'ham idaṃ vanam akaṇṭakam purastād dūṣitaṃ nityaṃ tvayā bhakṣayatā narān
‚In einem Augenblick werde ich heute diesen Wald von dir befreien, der zuvor stets durch dich, der du Menschen verzehrtest, befleckt war.'

adya tvāṃ bhaginī pāpa kṛṣyamāṇaṃ mayā bhuvi drakṣaty adripratīkāśaṃ siṃheneva mahādvipam

‚Heute wird deine Schwester, du Bösewicht, sehen, wie ich dich, dem Berg gleich, über die Erde schleife, wie ein Löwe einen großen Elefanten.'

Wort für Wort
adya tvāṃ bhaginī pāpa kṛṣyamāṇaṃ mayā bhuvi drakṣaty adripratīkāśaṃ siṃheneva mahādvipam
‚Heute wird deine Schwester, du Bösewicht, sehen, wie ich dich, dem Berg gleich, über die Erde schleife, wie ein Löwe einen großen Elefanten.'

nirābādhās tvayi hate mayā rākṣasapāṃsana vanam etac cariṣyanti puruṣā vanacāriṇaḥ

‚Wenn du von mir getötet bist, du Schande der Rākṣasas, werden waldwandernde Menschen diesen Wald ungehindert durchstreifen.'

Wort für Wort
nirābādhās tvayi hate mayā rākṣasapāṃsana vanam etac cariṣyanti puruṣā vanacāriṇaḥ
‚Wenn du von mir getötet bist, du Schande der Rākṣasas, werden waldwandernde Menschen diesen Wald ungehindert durchstreifen.'

hiḍimba uvāca garjitena vṛthā kiṃ te katthitena ca mānuṣa kṛtvaitat karmaṇā sarvaṃ katthethā mā ciraṃ kṛthāḥ

Hiḍimba sprach: ‚Was nützt dir vergebliches Gebrüll und Prahlerei, o Mensch? Rühme dich erst, wenn du all das durch die Tat vollbracht hast – säume nicht lange.'

Wort für Wort
hiḍimba uvāca garjitena vṛthā kiṃ te katthitena ca mānuṣa kṛtvaitat karmaṇā sarvaṃ katthethā mā ciraṃ kṛthāḥ
Hiḍimba sprach: ‚Was nützt dir vergebliches Gebrüll und Prahlerei, o Mensch? Rühme dich erst, wenn du all das durch die Tat vollbracht hast – säume nicht lange.'

balinaṃ manyase yac ca ātmānam aparākramam jñāsyasy adya samāgamya mayātmānaṃ balādhikam

‚Und dass du dich für stark hältst, obwohl du ohne wahre Tatkraft bist – heute, wenn du mit mir zusammentriffst, wirst du erkennen, dass ich an Kraft überlegen bin.'

Wort für Wort
balinaṃ manyase yac ca ātmānam aparākramam jñāsyasy adya samāgamya mayātmānaṃ balādhikam
‚Und dass du dich für stark hältst, obwohl du ohne wahre Tatkraft bist – heute, wenn du mit mir zusammentriffst, wirst du erkennen, dass ich an Kraft überlegen bin.'

na tāvad etān hiṃsiṣye svapantv ete yathāsukham eṣa tvām eva durbuddhe nihanmy adyāpriyaṃvadam

‚Vorerst werde ich diesen Schlafenden nichts antun – sie sollen ruhig weiterschlafen; dich allein, du Übelgesinnter, Unliebes-Redender, werde ich heute töten.'

Wort für Wort
na tāvad etān hiṃsiṣye svapantv ete yathāsukham eṣa tvām eva durbuddhe nihanmy adyāpriyaṃvadam
‚Vorerst werde ich diesen Schlafenden nichts antun – sie sollen ruhig weiterschlafen; dich allein, du Übelgesinnter, Unliebes-Redender, werde ich heute töten.'

pītvā tavāsṛg gātrebhyas tataḥ paścād imān api haniṣyāmi tataḥ paścād imāṃ vipriyakāriṇīm

‚Nachdem ich dein Blut aus deinen Gliedern getrunken habe, werde ich danach auch diese töten, und danach diese hier, die mir Unliebes getan hat.'

Wort für Wort
pītvā tavāsṛg gātrebhyas tataḥ paścād imān api haniṣyāmi tataḥ paścād imāṃ vipriyakāriṇīm
‚Nachdem ich dein Blut aus deinen Gliedern getrunken habe, werde ich danach auch diese töten, und danach diese hier, die mir Unliebes getan hat.'

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā tato bāhuṃ pragṛhya puruṣādakaḥ abhyadhāvata saṃkruddho bhīmasenam ariṃdamam

Vaiśaṃpāyana sprach: Nach diesen Worten, seinen Arm erhebend, stürmte der menschenfressende Rākṣasa zornentbrannt auf Bhīmasena, den Bezwinger der Feinde, los.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktvā tato bāhuṃ pragṛhya puruṣādakaḥ abhyadhāvata saṃkruddho bhīmasenam ariṃdamam
Vaiśaṃpāyana sprach: Nach diesen Worten, seinen Arm erhebend, stürmte der menschenfressende Rākṣasa zornentbrannt auf Bhīmasena, den Bezwinger der Feinde, los.

tasyābhipatatas tūrṇaṃ bhīmo bhīmaparākramaḥ vegena prahṛtaṃ bāhuṃ nijagrāha hasann iva

Während jener rasch heranstürmte, ergriff Bhīma, von furchtbarer Tatkraft, den mit Wucht geschlagenen Arm, gleichsam lachend.

Wort für Wort
tasyābhipatatas tūrṇaṃ bhīmo bhīmaparākramaḥ vegena prahṛtaṃ bāhuṃ nijagrāha hasann iva
Während jener rasch heranstürmte, ergriff Bhīma, von furchtbarer Tatkraft, den mit Wucht geschlagenen Arm, gleichsam lachend.

nigṛhya taṃ balād bhīmo visphurantaṃ cakarṣa ha tasmād deśād dhanūṃṣy aṣṭau siṃhaḥ kṣudramṛgaṃ yathā

Bhīma, ihn mit Gewalt gepackt haltend, zerrte den Zappelnden acht Bogenlängen von jener Stelle weg, wie ein Löwe ein kleines Wildtier.

Wort für Wort
nigṛhya taṃ balād bhīmo visphurantaṃ cakarṣa ha tasmād deśād dhanūṃṣy aṣṭau siṃhaḥ kṣudramṛgaṃ yathā
Bhīma, ihn mit Gewalt gepackt haltend, zerrte den Zappelnden acht Bogenlängen von jener Stelle weg, wie ein Löwe ein kleines Wildtier.

[Anm.: dhanus als Längenmaß – etwa die Reichweite eines Bogens (ca. 2 Meter je Einheit).

tataḥ sa rākṣasaḥ kruddhaḥ pāṇḍavena balād dhṛtaḥ bhīmasenaṃ samāliṅgya vyanadad bhairavaṃ ravam

Darauf, von dem Pāṇḍava mit Gewalt gepackt, umschlang der zornige Rākṣasa Bhīmasena und stieß ein furchtbares Gebrüll aus.

Wort für Wort
tataḥ sa rākṣasaḥ kruddhaḥ pāṇḍavena balād dhṛtaḥ bhīmasenaṃ samāliṅgya vyanadad bhairavaṃ ravam
Darauf, von dem Pāṇḍava mit Gewalt gepackt, umschlang der zornige Rākṣasa Bhīmasena und stieß ein furchtbares Gebrüll aus.

punar bhīmo balād enaṃ vicakarṣa mahābalaḥ mā śabdaḥ sukhasuptānāṃ bhrātṝṇāṃ me bhaved iti

Wiederum zerrte Bhīma, der überaus Kraftvolle, ihn mit Gewalt fort, denkend: ‚Möge kein Lärm meine friedlich schlafenden Brüder wecken.'

Wort für Wort
punar bhīmo balād enaṃ vicakarṣa mahābalaḥ mā śabdaḥ sukhasuptānāṃ bhrātṝṇāṃ me bhaved iti
Wiederum zerrte Bhīma, der überaus Kraftvolle, ihn mit Gewalt fort, denkend: ‚Möge kein Lärm meine friedlich schlafenden Brüder wecken.'

anyonyaṃ tau samāsādya vicakarṣatur ojasā rākṣaso bhīmasenaś ca vikramaṃ cakratuḥ param

Die beiden, aufeinandertreffend, zerrten sich mit Kraft hin und her, der Rākṣasa und Bhīmasena, und entfalteten höchste Tatkraft.

Wort für Wort
anyonyaṃ tau samāsādya vicakarṣatur ojasā rākṣaso bhīmasenaś ca vikramaṃ cakratuḥ param
Die beiden, aufeinandertreffend, zerrten sich mit Kraft hin und her, der Rākṣasa und Bhīmasena, und entfalteten höchste Tatkraft.

babhañjatur mahāvṛkṣāṃl latāś cākarṣatus tataḥ mattāv iva susaṃrabdhau vāraṇau ṣaṣṭihāyanau

Sie zerbrachen große Bäume und rissen Schlingpflanzen nieder, wie zwei brünstige, überaus erregte, sechzig Jahre alte Elefanten.

Wort für Wort
babhañjatur mahāvṛkṣāṃl latāś cākarṣatus tataḥ mattāv iva susaṃrabdhau vāraṇau ṣaṣṭihāyanau
Sie zerbrachen große Bäume und rissen Schlingpflanzen nieder, wie zwei brünstige, überaus erregte, sechzig Jahre alte Elefanten.

tayoḥ śabdena mahatā vibuddhās te nararṣabhāḥ saha mātrā tu dadṛśur hiḍimbām agrataḥ sthitām

Durch ihr gewaltiges Getöse erwachten jene Stiere unter den Männern samt der Mutter und sahen Hiḍimbā vor sich stehen.

Wort für Wort
tayoḥ śabdena mahatā vibuddhās te nararṣabhāḥ saha mātrā tu dadṛśur hiḍimbām agrataḥ sthitām
Durch ihr gewaltiges Getöse erwachten jene Stiere unter den Männern samt der Mutter und sahen Hiḍimbā vor sich stehen.

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